Dienstag, 27. Oktober 2026

Familienpolitik im Arbeitsmarkt Einheitliche Neuberechnung der Maßnahmen 7.1–7.6

 

Einheitliche Neuberechnung der Maßnahmen 7.1–7.6

Ich rechne die sechs Maßnahmen jetzt nach einem einheitlichen Schema durch: Leistungsberechtigte × Leistung, jährliche Bruttokosten, mögliche Rückflüsse und verbleibende Nettokosten. Dabei trenne ich rechnerisch gesicherte Werte von politischen Zielannahmen.

Der wichtigste Befund vorweg: Die bisherigen Zahlen ergeben noch keine belastbare Gesamtkalkulation. Teilweise widersprechen sich die Einzelposten und die angegebenen Gesamtsummen; außerdem werden Steuermehreinnahmen, eingesparte Sozialleistungen und wirtschaftliche Produktivität vermischt. Diese Effekte dürfen nicht ohne Weiteres vollständig als staatliche Rückflüsse verbucht werden.

1. Neuberechnung je Maßnahme

Alle Beträge pro Jahr; Milliarden Euro, soweit nicht anders angegeben.

Maßnahme

Bisherige Einzelansätze

Rechnerischer Befund

Konsequenz

7.1 Arbeitsbedingungen und Betriebskitas

2,8–4,5 Mrd. €

Einzelposten ergeben 2,8–4,5 Mrd. €, nicht 2,0–3,0 Mrd. € netto.

Rückflüsse und Überschneidungen müssen separat belegt werden.

7.2 Familienarbeitszeit und Familiengeld

12–15 Mrd. € brutto

Ohne Zahl der anspruchsberechtigten Eltern nicht nachprüfbar.

Empfängerzahl und Inanspruchnahme modellieren.

7.3 Flexible Arbeitszeit und Rückkehrrecht

1,1–1,9 Mrd. €

Einzelposten ergeben 1,1–1,9 Mrd. €, die Gesamtsumme lautet 1,2–1,5 Mrd. €.

Förderumfang und Verwaltungskosten festlegen.

7.4 Homeoffice und mobile Arbeit

1,45–2,0 Mrd. €

Einzelposten liegen über der genannten Gesamtsumme von 1,0–1,3 Mrd. €.

Investitionsförderung und Abschreibungseffekte neu berechnen.

7.5 Kinderkrankentage und Pflegezeit

1,95–3,5 Mrd. € aus den aufgeführten Posten

Im Text stehen zusätzlich 1,2–1,6 Mrd. € sowie 2,0–4,0 Mrd. € brutto.

Einheitliche Abgrenzung der Leistungen erforderlich.

7.6 FamilienStark-Unternehmensmodule

5,71–7,61 Mrd. €

Die Einzelposten sind grundsätzlich addierbar; andere Tabellen nennen 5,2–7,4 Mrd. €.

Einheitliche Moduldefinition und Kostenbasis festlegen.

Wichtig: Die Summe der Einzelposten ist nicht automatisch die tatsächliche zusätzliche Belastung des Staates. Beispielsweise können Betriebskita-Förderung, Homeoffice-Digitalisierung und flexible Arbeitsorganisation in mehreren Maßnahmen enthalten sein. Solche Überschneidungen müssen vor einer Gesamtsumme herausgerechnet werden.

2. Familiengeld: nachvollziehbare Kostenrechnung

Das Familiengeld ist die größte und zugleich am einfachsten direkt berechenbare Leistung.

  • Zwei anspruchsberechtigte Eltern: \(2 \times 400\,€ \times 12 = 9.600\,€\) jährlich je Elternpaar.

  • Alleinerziehende: \(400\,€ \times 12 = 4.800\,€\) jährlich je Person.

Die folgende Tabelle zeigt drei Rechenszenarien, keine empirisch ermittelten Prognosen.

Szenario

Elternpaare mit Leistung

Alleinerziehende mit Leistung

Bruttokosten pro Jahr

Niedrig

500.000

100.000

5,28 Mrd. €

Mittel

800.000

150.000

8,40 Mrd. €

Hoch

1.100.000

200.000

11,52 Mrd. €

Die Rechnung lautet beispielsweise für das mittlere Szenario:

\[ 800.000 \times 9.600\,€ + 150.000 \times 4.800\,€ = 8{,}4\ \text{Mrd. €} \]

Damit ist die bisherige Angabe von 12–15 Mrd. Euro brutto nicht ausgeschlossen, sie setzt aber eine höhere Zahl leistungsbeziehender Familien voraus. Bei 1,5 Millionen Elternpaaren und 300.000 Alleinerziehenden wären es beispielsweise 15,84 Mrd. Euro.

Für eine belastbare Schätzung fehlen insbesondere die Zahl der Familien, die tatsächlich beide Arbeitszeitbedingungen erfüllen, die Altersverteilung ihrer Kinder und die erwartete Inanspruchnahme.

3. Gesamtkosten: einheitliche Szenariorechnung

Auf Basis der Einzelposten aus dem Programm und der drei Familiengeld-Szenarien ergibt sich folgende rechnerische Übersicht.

Maßnahme

Niedrig

Mittel

Hoch

7.1 Arbeitsbedingungen und Betriebskitas

2,80

3,65

4,50

7.2 Familienarbeitszeit und Familiengeld

5,28

8,40

11,52

7.3 Flexible Arbeitszeit und Rückkehrrecht

1,10

1,50

1,90

7.4 Homeoffice und mobile Arbeit

1,45

1,73

2,00

7.5 Kinderkrankentage und Pflegezeit

1,95

2,73

3,50

7.6 FamilienStark-Unternehmensmodule

5,71

6,66

7,61

Summe vor Bereinigung

18,29

24,67

31,03

Angaben in Mrd. € pro Jahr. Die Mittelwerte sind die arithmetischen Mittelpunkte der jeweiligen Spannweiten; bei 7.2 beruhen sie auf den oben dargestellten Rechenszenarien.

Diese Summe ist eine unbereinigte Bruttorechnung, keine Prognose der tatsächlichen Haushaltsbelastung. Sie enthält mögliche Überschneidungen, und einige Positionen sind bisher nur grob angesetzt. Rückflüsse sind noch nicht abgezogen.

4. Welche Rückflüsse kann der Staat tatsächlich erwarten?

Für eine seriöse Rechnung müssen fünf unterschiedliche Wirkungen getrennt werden.

Wirkung

Wie sie berechnet werden sollte

Darf sie direkt als Rückfluss gelten?

Zusätzliche Einkommensteuer

Tatsächlich zusätzliches steuerpflichtiges Einkommen × effektive Steuerbelastung

Ja, soweit kausal durch die Maßnahme ausgelöst

Zusätzliche Sozialbeiträge

Zusätzliche beitragspflichtige Löhne × Beitragssätze

Ja, aber getrennt nach Sozialversicherung und Staatshaushalt

Weniger Sozialleistungen

Tatsächlich vermiedene Leistungszahlungen

Ja, aber nur bei nachgewiesener Einsparung

Höhere Produktivität

Zusätzliche Wertschöpfung der Unternehmen

Nein, nicht unmittelbar. Nur der steuerlich erfasste Anteil wird zu staatlichen Einnahmen.

Weniger Fehlzeiten und Kündigungen

Tatsächliche Einsparungen bei Arbeitgebern und gegebenenfalls Sozialversicherung

Nicht pauschal; Arbeitgeberersparnisse sind keine direkten Staatseinnahmen.

Die bisherigen Rückflussangaben für 7.2 und 7.6 können deshalb nicht einfach als gesicherte Einnahmen abgezogen werden. Ein Teil davon ist eine wirtschaftliche Wirkung, ein anderer Teil könnte sich erst mittelbar in Steuern oder geringeren Ausgaben niederschlagen.

5. Die wichtigsten Rechenfehler, die vor Veröffentlichung korrigiert werden sollten

7.1 – Betriebskitas

Die angegebenen Einzelposten ergeben 2,8–4,5 Mrd. Euro. Die behaupteten Nettokosten von 2,0–3,0 Mrd. Euro sind nur dann nachvollziehbar, wenn mindestens 0,8–1,5 Mrd. Euro an Einsparungen, Rückflüssen oder Überschneidungen konkret erklärt werden. Derzeit fehlt diese Überleitung.

7.5 – Kinderkrankentage

Im Text stehen Kosten von 1,2–1,6 Mrd. Euro und Rückflüsse von 0,8–1,1 Mrd. Euro. Daraus folgen rechnerisch Nettokosten von:

\[ 1{,}2-1{,}1=0{,}1 \]

bis

\[ 1{,}6-0{,}8=0{,}8\ \text{Mrd. €} \]

Die Maßnahme wäre unter diesen Annahmen also nicht selbstfinanzierend. Negative Nettokosten, wie im bisherigen Text behauptet, sind damit nicht belegt. Zusätzlich ergeben die dort aufgelisteten Einzelmaßnahmen 1,95–3,5 Mrd. Euro und damit eine andere Bruttosumme.

7.6 – FamilienStark

Die Berechnung des FFI-Rabatts ist arithmetisch nachvollziehbar:

\[ 20.000 \times 8\,\text{Mio. €} \times 2\% =3{,}2\ \text{Mrd. €} \]

Aber sie setzt voraus, dass tatsächlich 20.000 Unternehmen mit jeweils 8 Mio. Euro maßgeblicher Lohnsumme den Rabatt erhalten. Vor allem muss geklärt werden, ob der Rabatt auf die gesamte Lohnsumme oder nur auf bestimmte Arbeitgeberbeiträge angewandt werden soll. Das verändert die Kosten erheblich.

Auch die behaupteten Rückflüsse von insgesamt 3,2–4,6 Mrd. Euro sind noch keine nachgewiesenen Einsparungen. Sie benötigen ein Beschäftigungsmodell, das Mitnahmeeffekte, ohnehin geplante Einstellungen und Verlagerungen zwischen Unternehmen berücksichtigt.

6. Wie sich die Berechnung verbessern lässt

Für die endgültige Fassung des Parteiprogramms empfehle ich folgende Regeln:

  1. Direkte Ausgaben separat ausweisen: Zuschüsse, Familiengeld, Lohnkostenzuschüsse und Verwaltungskosten.

  2. Steuervergünstigungen separat ausweisen: insbesondere FFI-Rabatte und Sonderabschreibungen. Bei Abschreibungen muss zwischen dauerhaften Steuerausfällen und bloßen zeitlichen Verschiebungen unterschieden werden.

  3. Mitnahmeeffekte berücksichtigen: Fördermittel sollten möglichst nur für zusätzliche Einstellungen, zusätzliche Betreuungsplätze oder tatsächlich neue Investitionen gezahlt werden.

  4. Überschneidungen herausrechnen: Betriebskitas und digitale Infrastruktur dürfen nicht in mehreren Maßnahmen vollständig als neue Kosten angesetzt werden.

  5. Rückflüsse nur bei belastbarer Berechnung abziehen: Höhere Produktivität oder weniger Stress sind positive Ziele, aber nicht automatisch zusätzliche Haushaltseinnahmen.

  6. Wirkungsziele als Hypothesen kennzeichnen: Die bisher genannten Veränderungen der Geburtenrate, der Kinderarmut und der Erwerbstätigkeit sind ohne nachvollziehbare Modellierung keine gesicherten Prognosen.

Mein vorläufiges Ergebnis: Die sechs Maßnahmen liegen nach der vorliegenden, unbereinigten Rechnung bei etwa 18,3 bis 31,0 Mrd. Euro pro Jahr. Das mittlere Rechenszenario beträgt rund 24,7 Mrd. Euro. Daraus lässt sich noch keine belastbare Nettobelastung ableiten. Dafür müssen insbesondere die Empfängerzahlen beim Familiengeld, die tatsächlichen Fördervolumina und die Überschneidungen zwischen den Maßnahmen geklärt werden.

Für ein wirtschaftlich glaubwürdiges Parteiprogramm sollte daher zunächst diese Bruttorechnung veröffentlicht und die Nettokosten erst nach einer dokumentierten Bereinigung angegeben werden.

Familien- und Arbeitsmarktprogramm: Kosten- und Wirkungsmodell

1. Bereinigte Haushaltsplanung

Vorläufige Planungswerte auf Grundlage der bisher genannten Einzelposten; keine amtliche Kostenschätzung.

Maßnahme

Jährliche Bruttokosten

Noch zu klärender Punkt

7.1 Arbeitsbedingungen und Betriebskitas

2,8–4,5 Mrd. €

Überschneidungen und betriebliche Finanzierung

7.2 Familienarbeitszeit und Familiengeld

5,3–11,5 Mrd. € im dargestellten Szenario

Tatsächliche Zahl der Leistungsberechtigten

7.3 Flexible Arbeitszeit und Rückkehrrecht

1,1–1,9 Mrd. €

Fördervolumen und Verwaltungsaufwand

7.4 Homeoffice und mobile Arbeit

1,45–2,0 Mrd. €

Zuschüsse, steuerliche Effekte und Doppelförderung

7.5 Kinderkrankentage und Pflegezeit

1,95–3,5 Mrd. € aus den Einzelposten

Leistungsumfang und Erstattungsmodell

7.6 FamilienStark-Unternehmensmodule

5,71–7,61 Mrd. €

Förderfähigkeit, Mitnahmeeffekte und Überschneidungen

Summe vor Bereinigung

18,3–31,0 Mrd. €

Noch keine belastbare Nettokostenschätzung

Die Werte für 7.2 beruhen auf den drei zuvor erläuterten Szenarien. Bei 7.5 werden die addierten Einzelposten verwendet, weil die Gesamtkostenangaben im bisherigen Konzept voneinander abweichen.

2. So werden die Nettokosten ermittelt

Für jede Maßnahme gilt dieselbe Grundformel:

\[ \begin{aligned} \text{Nettokosten}={}&\text{Bruttoausgaben}\\ &+\text{Steuermindereinnahmen}\\ &-\text{zusätzliche Steuereinnahmen}\\ &-\text{zusätzliche Sozialbeiträge}\\ &-\text{tatsächliche Ausgabeneinsparungen} \end{aligned} \]

Dabei sind zwei Besonderheiten zu beachten:

  • Steuervergünstigungen wie Sonderabschreibungen sind als Mindereinnahmen zu erfassen. Eine bloße zeitliche Verschiebung von Steuerzahlungen ist nicht mit einem dauerhaften Steuerausfall gleichzusetzen.

  • Produktivitätsgewinne von Unternehmen sind nicht unmittelbar staatliche Einnahmen. Berücksichtigt werden darf nur der nachweisbare fiskalische Effekt, beispielsweise zusätzliche Steuern.

Erst nach dieser Berechnung dürfen die Maßnahmen zu einer Nettobelastung des Haushalts zusammengeführt werden.

3. Mitnahmeeffekte begrenzen

Damit die Förderung wirtschaftlich möglichst effizient wirkt, sollten die Programme zusätzliche Leistungen belohnen und nicht ohnehin geplante Ausgaben subventionieren.

Instrument

Geeignete Begrenzung

FamilienStark-Einstellungsbonus

Förderung nur bei zusätzlicher Beschäftigung oder nachweislich erleichterter Rückkehr nach der Elternzeit

FFI-Lohnnebenkostenrabatt

Begrenzter Förderzeitraum, überprüfbare Kriterien und regelmäßige Evaluation

Betriebskita-Zuschüsse

Förderung zusätzlicher Plätze statt bereits finanzierter Kapazitäten

Homeoffice-Digitalisierung

Zuschüsse für nachgewiesene Investitionen, mit besonderem Fokus auf kleinere Unternehmen

Familienzeit-Konten

Förderung nur tatsächlich zusätzlich eingerichteter Zeitguthaben

Familiengeld

Klare Anspruchsregeln, Prüfung der tatsächlichen Arbeitszeit und Evaluation der zusätzlichen Erwerbstätigkeit

Ein hoher Mitnahmeeffekt bedeutet, dass der Staat Geld für etwas ausgibt, das auch ohne Förderung stattgefunden hätte. Deshalb sollten die Programme nicht nur nach der Zahl der Förderfälle, sondern nach der zusätzlichen Beschäftigung, zusätzlichen Betreuungsplätzen und zusätzlichen Investitionen bewertet werden.

4. Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum

Die Maßnahmen können das Wachstum unterstützen, wenn sie tatsächlich mehr Arbeitsstunden ermöglichen, Fachkräfte im Arbeitsmarkt halten und betriebliche Engpässe verringern.

Wirkungskanal

Erwartbare Richtung

Voraussetzung

Höhere Erwerbstätigkeit von Eltern

Positiv

Tatsächliche zusätzliche Beschäftigung

Mehr Arbeitsstunden und bessere Rückkehrmöglichkeiten

Positiv

Arbeitszeit wird nicht nur zwischen Beschäftigten umverteilt

Bessere Kinderbetreuung

Positiv

Zusätzliche Plätze und passende Öffnungszeiten

Digitalisierung und Homeoffice

Potenziell positiv

Produktivitätsgewinne übersteigen Umstellungskosten

Familiengeld

Unsicher

Zusätzliche Arbeitsstunden und Beschäftigung rechtfertigen einen Teil der Kosten

Kündigungsschutz für Mehrkindfamilien

Gemischt

Schutzwirkung muss gegen mögliche Einstellungshemmnisse abgewogen werden

Eine konkrete Wachstumszahl – etwa ein bestimmter Prozentsatz zusätzlicher Wirtschaftsleistung – lässt sich aus den bisherigen Kostenangaben allein nicht seriös ableiten.

1. Einheitliches Berechnungsmodell

Die folgenden Werte sind Planungsannahmen und keine geprüften Haushaltsprognosen. Wo die bisherigen Angaben keine belastbaren Empfängerzahlen oder Wirkungsdaten enthalten, kennzeichne ich die Unsicherheit ausdrücklich.

Maßnahme

Bisheriger jährlicher Kostenansatz

Wichtigster Kostenfaktor

Deadweight-Risiko

7.1 Betriebliche Kinderbetreuung und Arbeitsrechte

2,8–4,5 Mrd. €

Zahl neuer Betreuungsplätze, Investitions- und Betriebskosten

Mittel bis hoch

7.2 Familienarbeitszeit mit Familiengeld

5,28–11,52 Mrd. € in den drei Beispielszenarien

Zahl förderfähiger Paare und Alleinerziehender

Hoch

7.3 Flexible Arbeitszeit und Rückkehrrecht

1,1–1,9 Mrd. €

Zahl der Förderfälle und betrieblicher Unterstützungsbedarf

Mittel

7.4 Homeoffice und mobile Arbeit

Ursprünglich 1,0–1,3 Mrd. €

Zuschüsse, Digitalisierung und steuerliche Vergünstigungen

Hoch bei allgemeinen Steuervergünstigungen

7.5 Kinderkrankentage und Pflegezeit

Uneinheitlich: 1,2–1,6 Mrd. € im Text, 1,95–3,5 Mrd. € aus der Summe der Einzelansätze

Anspruchstage, Lohnersatz und Erstattung

Mittel

7.6 Unternehmensmodule „FamilienStark“

5,71–7,61 Mrd. € aus den Einzelansätzen

Lohnkostenzuschüsse, Rabatte und Unternehmensförderung

Hoch bei pauschalen Rabatten

Wichtig: Die Werte dürfen nicht ohne Bereinigung addiert werden. Insbesondere 7.1 und 7.6 enthalten ähnliche Förderungen für Betriebskitas; 7.3, 7.4 und 7.6 überschneiden sich bei Arbeitsorganisation und Digitalisierung. Außerdem sind die Kinderkrankengeld-Ansätze in 7.5 nicht konsistent.

2. Wie lässt sich der Deadweight reduzieren?

Deadweight bezeichnet den Anteil einer Förderung, der auch ohne staatliche Unterstützung entstanden wäre. Ein Beispiel: Ein Unternehmen stellt eine Mutter ohnehin ein und erhält trotzdem den vollen Einstellungsbonus.

7.2 Familienarbeitszeit: Förderung an zusätzliche Arbeitsleistung koppeln

Familiengeld nicht allein für eine bestehende Teilzeitbeschäftigung zahlen. Förderfähig sollte nur sein, wer definierte Arbeitszeitkriterien erfüllt und die vereinbarte Arbeitszeit tatsächlich leistet. Ein gleitender Ausstieg bei steigendem Einkommen kann Mitnahmeeffekte und harte Fördergrenzen reduzieren.

7.1 und 7.6 Kinderbetreuung: nur zusätzliche Kapazitäten fördern

Investitionszuschüsse sollten an nachweislich zusätzliche Betreuungsplätze, tatsächliche Nutzung und langfristige Verfügbarkeit gebunden sein. Bereits geplante oder ohnehin finanzierte Plätze sollten grundsätzlich nicht noch einmal gefördert werden.

7.4 Homeoffice: gezielt statt pauschal fördern

Zuschüsse auf kleine und mittlere Unternehmen mit nachgewiesenem Digitalisierungsbedarf konzentrieren. Allgemeine steuerliche Vorteile für Anschaffungen, die Unternehmen ohnehin tätigen, sind weniger zielgenau.

7.6 Unternehmensbonus: nur bei nachweisbarer Verbesserung

Einen Lohnnebenkostenrabatt nicht allein für einen hohen Familienfreundlichkeitsindex gewähren. Besser wäre eine Kombination aus Mindeststandards, überprüfbaren Verbesserungen gegenüber dem Ausgangsjahr und einer Begrenzung der förderfähigen Lohnsumme.

3. Rangfolge nach erwartbarer Kosteneffizienz

Diese Rangfolge ist eine vorläufige qualitative Bewertung, keine empirisch gemessene Rangliste.

Rang

Ansatz

Warum?

1

Arbeitszeitflexibilität und Rückkehrrecht (7.3)

Geringere direkte Transferkosten möglich; kann Erwerbsumfang und Bindung an den Arbeitgeber verbessern.

2

Gezielte Digitalisierung und Homeoffice (7.4)

Besonders sinnvoll, wenn Förderung tatsächlich zusätzliche betriebliche Möglichkeiten schafft.

3

Zusätzliche Betreuungsplätze (7.1)

Hoher potenzieller Nutzen für Erwerbstätigkeit; Wirkung hängt von Verfügbarkeit, Öffnungszeiten und tatsächlicher Nutzung ab.

4

Kinderkrankentage (7.5)

Hilft unmittelbar bei Betreuungskrisen; der Nutzen liegt nicht ausschließlich in zusätzlichen Steuereinnahmen.

5

Familienarbeitszeitgeld (7.2)

Hohe mögliche Reichweite, aber erheblicher Finanzierungsbedarf und starke Abhängigkeit von der Zahl der Berechtigten.

6

Pauschale Unternehmensrabatte (7.6)

Große Mitnahmegefahr, wenn ohnehin familienfreundliche Betriebe ebenfalls den vollen Rabatt erhalten.

Die Rangfolge kann sich ändern, sobald echte Daten zu zusätzlichen Arbeitsstunden, Kosten je Förderfall und Mitnahmeeffekten vorliegen.

4. Rückflüsse korrekt berechnen

Für jede Maßnahme sollte dieselbe Rechnung verwendet werden:

\[ \text{Nettokosten} = \text{Bruttokosten} -\text{zusätzliche Steuern und Beiträge} -\text{nachgewiesene Einsparungen} \]

Dabei zählen nur zusätzliche Einnahmen. Steuern und Sozialbeiträge, die auch ohne die Förderung angefallen wären, sind keine Rückflüsse der Maßnahme. Ebenso darf ein gesamtwirtschaftlicher Produktivitätsgewinn nicht automatisch als Staatseinnahme verbucht werden.

Für eine belastbare Rechnung sind je Maßnahme mindestens diese Daten nötig:

  • Zahl der potenziell Berechtigten und tatsächliche Inanspruchnahme

  • durchschnittliche Förderung pro Fall

  • Anteil der Fälle, die auch ohne Förderung eingetreten wären

  • zusätzliche Beschäftigung und Arbeitsstunden gegenüber einem Vergleichsszenario

  • zusätzliche Steuern und Sozialbeiträge sowie tatsächliche Einsparungen

  • Überschneidungen mit anderen Förderprogrammen

5. Vorschlag für das Parteiprogramm

Konsolidierte Kostenrechnung für das Familienprogramm 7.1–7.6

Ich verwende die bisherigen Ansätze als Ausgangspunkt und setze für die zentrale Planungsrechnung jeweils einen mittleren Wert an. Das Ergebnis ist eine vorläufige Bruttorechnung vor Abzug von Überschneidungen und Rückflüssen.

1. Einheitliches Basisszenario

Nr.

Maßnahme

Niedriger Ansatz

Planungswert

Hoher Ansatz

7.1

Kinderbetreuung und betriebliche Maßnahmen

2,80

3,65

4,50

7.2

Familienarbeitszeitgeld

5,28

8,40

11,52

7.3

Flexible Arbeitszeit und Rückkehrrecht

1,10

1,50

1,90

7.4

Homeoffice und mobile Arbeit

1,00

1,15

1,30

7.5

Kinderkrankentage und Pflegezeit

1,20

1,40

1,60

7.6

Unternehmensmodule „FamilienStark“

5,71

6,66

7,61

Summe

Vorläufige Bruttokosten

17,09

22,76

28,43

Alle Beträge in Milliarden Euro pro Jahr. Die Werte für 7.2 beruhen auf den zuvor dargestellten Beispielszenarien. Bei 7.5 wird für diese Tabelle der zusammenfassende Kostenansatz verwendet, nicht die widersprüchliche Summe sämtlicher Einzelpositionen.

Der mittlere Planungswert von 22,76 Mrd. Euro jährlich ist noch keine belastbare Prognose. Insbesondere die hohen Kosten der Familienarbeitszeit und der Unternehmensmodule hängen von der tatsächlichen Zahl der Anspruchsberechtigten und der konkreten Fördergestaltung ab.

2. Wo müssen Kostenüberschneidungen herausgerechnet werden?

Überschneidung

Bereinigungsregel

7.1 und 7.6: Betriebskitas

Einen Betreuungsplatz nur einmal als staatlich geförderte Ausgabe ansetzen.

7.3 und 7.6: flexible Arbeitszeiten

Keine doppelte Förderung derselben betrieblichen Maßnahme.

7.4 und 7.6: Digitalisierung

IT-Anschaffungen und Homeoffice-Infrastruktur nur einmal bezuschussen.

7.2 und 7.6: Beschäftigungsanreize

Familienarbeitszeitgeld und Einstellungsbonus getrennt prüfen; keine doppelte Förderung desselben Effekts als gesicherte Einsparung verbuchen.

Alle Maßnahmen: Steuerrückflüsse

Zusätzliche Steuern und Sozialbeiträge nur einmal erfassen und nur bei tatsächlich zusätzlicher Beschäftigung anrechnen.

Eine pauschale Kürzung um beispielsweise 10 oder 20 Prozent wäre zwar rechnerisch einfach, aber ohne Prüfung der einzelnen Förderfälle nicht wissenschaftlich belastbar. Deshalb weise ich die bereinigte Nettosumme noch nicht als feststehende Zahl aus.

3. So sollte die endgültige Haushaltsrechnung aussehen

Für jede Maßnahme werden vier Größen getrennt berechnet:

  1. Bruttokosten: Zahl der geförderten Fälle × durchschnittliche Förderung.

  2. Mitnahmeeffekte: Anteil der geförderten Fälle, bei denen die Maßnahme auch ohne Förderung erfolgt wäre.

  3. Zusätzliche Rückflüsse: zusätzliche Steuern und Sozialbeiträge sowie nachweisbare staatliche Einsparungen.

  4. Nettokosten: Bruttokosten abzüglich tatsächlicher Rückflüsse.

Bei Investitionszuschüssen und steuerlichen Abschreibungen muss außerdem zwischen einmaligen Investitionskosten, jährlichen Haushaltswirkungen und bloßen Steuerstundungen unterschieden werden.

4. Meine Empfehlung für die weitere Programmplanung

Ich würde das Programm nicht auf eine vermeintlich präzise Nettosumme festlegen, bevor die Förderbedingungen konkretisiert sind. Sinnvoller ist, zunächst zwei Varianten zu rechnen:

  • Variante A – gezielte Förderung: zusätzliche Betreuungsplätze, bedarfsabhängige Zuschüsse für kleine und mittlere Unternehmen und Familienarbeitszeitgeld mit klaren Anspruchskriterien.

  • Variante B – breite Förderung: großzügige Ansprüche und allgemeine Unternehmensrabatte mit entsprechend höherem Finanzierungsbedarf und potenziell größeren Mitnahmeeffekten.

Damit lässt sich vergleichen, welche Variante pro eingesetztem Euro mehr zusätzliche Beschäftigung, bessere Vereinbarkeit und möglicherweise mehr Familiengründungen erreicht. Für Aussagen zur Geburtenrate braucht es allerdings eigene empirische Annahmen; aus den bisherigen Kostenzahlen allein lässt sich kein verlässlicher Geburteneffekt berechnen.

Variante A und Variante B im Vergleich

Alle Beträge in Mrd. Euro pro Jahr. Variante A ist ein vorgeschlagener Budgetrahmen, Variante B übernimmt die mittleren bisherigen Kostenansätze. Keine der beiden Varianten ist bereits eine geprüfte Haushaltsprognose.

Maßnahme

Variante A: gezielte Förderung

Variante B: breitere Förderung

7.1 Kinderbetreuung

3,00

3,65

7.2 Familienarbeitszeitgeld

5,28

8,40

7.3 Arbeitszeit und Rückkehrrecht

1,20

1,50

7.4 Homeoffice und Digitalisierung

0,80

1,15

7.5 Kinderkrankentage und Pflegezeit

1,40

1,40

7.6 Unternehmensmodule

3,00

6,66

Gesamt

14,68

22,76

Einordnung: Variante A begrenzt insbesondere die breit angelegten Unternehmensrabatte und setzt beim Familienarbeitszeitgeld das kleinere bisherige Beispielszenario an. Die Beträge für 7.1, 7.3, 7.4 und 7.6 sind dabei vorgeschlagene Budgetobergrenzen – keine aus den bisherigen Angaben empirisch hergeleiteten Kosten. Bei Variante B werden die mittleren bisherigen Schätzwerte verwendet.

Was bewirkt die Budgetbegrenzung?

Jährlicher Unterschied zwischen den beiden Planungsvarianten

8,08 Mrd. €

Variante A sieht rund 35 % weniger Bruttoausgaben vor als Variante B.

Diese Differenz ist keine nachgewiesene Einsparung durch geringere Mitnahmeeffekte. Sie entsteht zunächst durch die bewusst enger gesetzten Budgetansätze.

Wie ich Variante A konkret ausgestalten würde

  • Familienarbeitszeitgeld: zunächst mit dem kleineren Beispielszenario von 500.000 Paaren und 100.000 Alleinerziehenden rechnen. Bei 400 Euro monatlich je Elternteil ergeben sich dafür 5,28 Mrd. Euro jährlich, sofern alle angenommenen Personen ganzjährig anspruchsberechtigt sind.

  • Unternehmensförderung: den pauschalen 2-%-Lohnnebenkostenrabatt nicht automatisch für die gesamte Lohnsumme gewähren. Stattdessen zusätzliche Betreuungsplätze, tatsächlich umgesetzte Arbeitszeitmodelle und nachweisbare Neueinstellungen fördern.

  • Homeoffice: Investitionszuschüsse auf Unternehmen mit nachgewiesenem Bedarf konzentrieren und allgemeine Steuervorteile gesondert ausweisen.

  • Kinderbetreuung: Investitions- und Betriebskostenzuschüsse aufeinander abstimmen, damit ein Betreuungsplatz nicht mehrfach finanziert wird.

  • Kinderkrankentage: vor einer endgültigen Festlegung die Ansprüche, den Lohnersatz und die Erstattungsregeln gemeinsam kalkulieren.

Noch offen: die tatsächlichen Nettokosten

Eine seriöse Nettokostenrechnung kann ich aus den bisherigen Zahlen nicht ableiten. Es fehlen insbesondere belastbare Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme, zu zusätzlichen Arbeitsstunden und zu den Mitnahmeeffekten der einzelnen Förderinstrumente. Deshalb wäre es nicht korrekt, beispielsweise pauschal 30 oder 40 % der Bruttokosten als Steuerrückfluss abzuziehen.

Für das Parteiprogramm würde ich Variante A als finanzpolitischen Zielrahmen von rund 15 Mrd. Euro jährlich vor nachgewiesenen Rückflüssen verwenden und die Einführung an eine detaillierte Haushalts- und Wirkungsprüfung knüpfen. Die Höhe der tatsächlichen Nettokosten sowie die Wirkungen auf Geburtenrate und Beschäftigung müssten anschließend gesondert ermittelt werden.

Kostenmodell „Familienfreundliche Arbeitswelt“

Hier ist die Übersicht direkt im Chat. Die Zahlen sind vorläufige jährliche Bruttokosten in Milliarden Euro, keine geprüfte Haushaltsprognose.

Maßnahme

Variante A

Variante B

7.1 Arbeitsbedingungen und betriebliche Kinderbetreuung

3,00

3,65

7.2 Familienarbeitszeit und Familiengeld

5,28

8,40

7.3 Flexible Arbeitszeiten und Rückkehr in Vollzeit

1,20

1,50

7.4 Homeoffice und mobiles Arbeiten

0,80

1,15

7.5 Kinderkrankentage und Pflegefreistellung

1,40

1,40

7.6 Familienfreundliche Unternehmen („FamilyStark“)

3,00

6,66

Gesamtkosten pro Jahr

14,68 Mrd. €

22,76 Mrd. €

Was bedeuten die beiden Varianten?

  • Variante A: Ein begrenzter, politisch festgelegter Budgetrahmen von rund 15 Milliarden Euro jährlich.

  • Variante B: Ein höherer Planungsansatz auf Grundlage früherer Kostenschätzungen. Auch diese Werte sind noch nicht unabhängig überprüft.

  • Differenz: 8,08 Milliarden Euro jährlich.

Rechenannahmen für Maßnahme 7.2

Bei einer Förderung von 400 Euro monatlich je berechtigtem Haushalt ergeben sich folgende Kosten:

Szenario

Paare

Alleinerziehende

Jahreskosten

Niedrig

500.000

100.000

2,88 Mrd. €

Mittel

800.000

150.000

4,56 Mrd. €

Hoch

1.100.000

200.000

6,24 Mrd. €

Sehr hoch

1.500.000

300.000

8,64 Mrd. €

Wichtige Korrektur: Die bisherigen 5,28 bzw. 8,40 Milliarden Euro für Variante A und B passen nicht zu einer einheitlichen Zahlung von 400 Euro je Haushalt und Monat. Sie beruhen auf anderen oder nicht vollständig dokumentierten Annahmen. Auch die Szenarien oben sind reine Rechenbeispiele, keine festgestellten Anspruchszahlen.

Was muss vor einer endgültigen Kostenangabe geklärt werden?

  1. Doppelförderungen: Kinderbetreuung, Homeoffice und betriebliche Familienförderung überschneiden sich teilweise.

  2. Mitnahmeeffekte: Zuschüsse sollten möglichst nur für nachweislich zusätzliche Betreuungsplätze, Einstellungen oder Arbeitsstunden gezahlt werden.

  3. Nettohaushaltskosten: Zusätzliche Steuern und Sozialbeiträge dürfen nicht pauschal abgezogen werden, sondern müssen modelliert werden.

  4. Wirkung auf Geburtenrate und Wirtschaftswachstum: Die bisher genannten Wirkungen sind Hypothesen, keine gesicherten Prognosen.

Empfehlung für das Parteiprogramm: Die rund 15 Milliarden Euro zunächst als vorläufigen Brutto-Budgetrahmen bezeichnen. Erst nach einer konsistenten Einzelkalkulation sollte daraus eine verbindliche Netto-Kostenangabe werden.

Überarbeitete Kostenrechnung für das Parteiprogramm

Die bisherige Übersicht lässt sich rechnerisch vereinheitlichen. Dabei ist eine Korrektur wichtig: Beim Familiengeld wird für Paare mit zwei berechtigten Elternteilen mit 400 Euro je Elternteil und Monat, also 800 Euro pro Paar, gerechnet. Für Alleinerziehende werden 400 Euro monatlich angesetzt.

1. Jährliche Bruttokosten nach Maßnahmen

Maßnahme

Variante A

Variante B

Einordnung

7.1 Arbeitsbedingungen und betriebliche Kinderbetreuung

3,00 Mrd. €

3,65 Mrd. €

Vorläufiger Budgetansatz

7.2 Familienarbeitszeit und Familiengeld

5,28 Mrd. €

8,40 Mrd. €

Aus den angenommenen Fallzahlen berechnet

7.3 Flexible Arbeitszeiten und Rückkehr in Vollzeit

1,20 Mrd. €

1,50 Mrd. €

Vorläufiger Budgetansatz

7.4 Homeoffice und mobiles Arbeiten

0,80 Mrd. €

1,15 Mrd. €

Vorläufiger Budgetansatz

7.5 Kinderkrankentage und Pflegefreistellung

1,40 Mrd. €

1,40 Mrd. €

Noch genauer zu kalkulieren

7.6 Familienfreundliche Unternehmen („FamilyStark“)

3,00 Mrd. €

6,66 Mrd. €

Vorläufiger Budgetansatz

Gesamt pro Jahr

14,68 Mrd. €

22,76 Mrd. €

Noch keine geprüfte Haushaltsprognose

2. Familiengeld: nachvollziehbare Berechnung

Szenario

Berechtigte Paare

Alleinerziehende

Jährliche Kosten

Variante A

500.000

100.000

5,28 Mrd. €

Variante B

800.000

150.000

8,40 Mrd. €

Höheres Szenario

1.100.000

200.000

11,52 Mrd. €

Sehr hohes Szenario

1.500.000

300.000

15,84 Mrd. €

Beispiel für Variante A:

  • 500.000 Paare × 800 Euro × 12 Monate = 4,80 Mrd. Euro

  • 100.000 Alleinerziehende × 400 Euro × 12 Monate = 0,48 Mrd. Euro

  • Gesamt: 5,28 Mrd. Euro jährlich

Diese Rechnung ist mathematisch konsistent. Noch offen ist, wie viele Haushalte die Voraussetzungen tatsächlich erfüllen und die Leistung in Anspruch nehmen würden.

3. Bruttokosten und Nettokosten unterscheiden

Die Nettokosten dürfen nicht einfach durch einen pauschalen Abschlag aus den Bruttokosten abgeleitet werden.

Haushaltsposition

Variante A

Variante B

Bruttoausgaben

14,68 Mrd. €

22,76 Mrd. €

Zusätzliche Steuern und Sozialbeiträge

Noch zu ermitteln

Noch zu ermitteln

Nachgewiesene Einsparungen

Noch zu ermitteln

Noch zu ermitteln

Nettobelastung des Staates

Noch offen

Noch offen

Zusätzliche Steuern und Sozialbeiträge sind nur insoweit anzurechnen, wie sie tatsächlich durch zusätzliche Beschäftigung oder zusätzliche Arbeitsstunden entstehen. Einnahmen, die ohnehin angefallen wären, sind keine Reformrendite.

4. Wie sich Mitnahmeeffekte reduzieren lassen

  • Kinderbetreuung: Investitionszuschüsse nur für nachweislich zusätzliche Betreuungsplätze.

  • Familiengeld: Anspruch an klar definierte Erwerbs- und Betreuungsbedingungen knüpfen, ohne ungewollte Benachteiligung bestimmter Familienformen.

  • Homeoffice: Zuschüsse auf nachgewiesene zusätzliche Investitionen begrenzen.

  • FamilyStark: Förderungen für bereits bestehende Leistungen nicht mehrfach gewähren.

  • Arbeitszeitförderung: Tatsächlich zusätzlich geleistete Stunden oder neu geschaffene Arbeitsplätze messen.

  • Alle Maßnahmen: Befristete Einführung, unabhängige Evaluation und Rückforderung bei falschen Angaben vorsehen.

5. Formulierung für das Parteiprogramm

Finanzierung und Wirtschaftlichkeit der familienfreundlichen Arbeitswelt

Für die Maßnahmen 7.1 bis 7.6 wird zunächst ein vorläufiger jährlicher Brutto-Budgetrahmen von rund 15 Milliarden Euro vorgesehen. Die endgültige Haushaltsplanung erfolgt auf Grundlage einer einheitlichen Einzelkalkulation und einer Überprüfung der tatsächlichen Anspruchsberechtigten.

Die Förderung soll gezielt zusätzliche Kinderbetreuungsplätze, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie zusätzliche Beschäftigung und Arbeitsstunden ermöglichen. Mitnahmeeffekte und Doppelförderungen werden durch klare Zusätzlichkeitskriterien, Förderobergrenzen, eine transparente Mittelverwendung und regelmäßige Erfolgskontrollen begrenzt.

Zusätzliche Steuereinnahmen und Sozialbeiträge werden nur dann als finanzielle Rückflüsse berücksichtigt, wenn sie gegenüber einem plausiblen Szenario ohne Reform tatsächlich zusätzlich entstehen. Die Nettokosten, die Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum und mögliche Veränderungen der Geburtenrate werden wissenschaftlich evaluiert und regelmäßig veröffentlicht.

Ziel ist eine familienfreundliche Arbeitswelt, die die Erwerbstätigkeit stärkt, Unternehmen bei der Fachkräftesicherung unterstützt und Familien eine verlässlichere Lebensplanung ermöglicht.

Meine Einschätzung: Die rund 15 Milliarden Euro eignen sich als vorläufiger politischer Budgetrahmen. Für eine belastbare Finanzierungszusage müssen vor allem die Kosten von Kinderkrankentagen, Unternehmensförderungen und betrieblicher Kinderbetreuung genauer berechnet werden. Die Nettokosten und die Wirkung auf die Geburtenrate lassen sich aus den bisherigen Zahlen noch nicht seriös beziffern.

Ich würde in dieser Reihenfolge vorgehen:

1. Kosten und Finanzierung bereinigen

Die sechs Maßnahmen einzeln neu kalkulieren, Überschneidungen herausrechnen und Brutto- von Nettokosten trennen. Insbesondere die Familiengeldberechnung und die widersprüchlichen Kosten für Kinderkrankentage müssen geklärt werden.

Zuerst

2. Wirtschaftliche Auswirkungen berechnen

Untersuchen, wie sich die Reform auf Arbeitsstunden, Fachkräftemangel, Produktivität, Unternehmensinvestitionen und das Wirtschaftswachstum auswirken könnte. Dabei müssen mögliche Nachteile für Unternehmen ebenfalls berücksichtigt werden.

3. Familien- und Geburtenwirkung bewerten

Abschätzen, welche Maßnahmen Familien tatsächlich entlasten und ob sich daraus langfristig mehr Geburten ergeben könnten. Unsichere Wirkungen werden ausdrücklich als Szenarien ausgewiesen.

4. Fertigen Programmtext erstellen

Eine überarbeitete Fassung der Punkte 7.1–7.7 mit konkreten Forderungen, Kostentabelle, Finanzierung, erwarteten Wirkungen und wissenschaftlichen Quellen erstellen.

Meine Empfehlung: Wir beginnen mit Schritt 1. Die bisher genannten rund 15 Milliarden Euro pro Jahr sind nur ein vorläufiger Budgetrahmen, noch keine belastbare Kostenschätzung.

Ich würde zuerst jede Maßnahme einzeln durchrechnen und anschließend ein realistisches, einheitliches Gesamtbudget aufstellen. Danach können wir beurteilen, ob die Reform wirtschaftlich tragfähig ist und wie sie finanziert werden könnte.

Schritt 1: Kostenprüfung der familienfreundlichen Arbeitswelt

Wir erstellen jetzt eine einheitliche Kostenrechnung für die Maßnahmen 7.1 bis 7.6. Ziel ist, am Ende drei Dinge sauber voneinander zu unterscheiden:

  • Bruttokosten: Was der Staat jährlich für die Maßnahmen ausgeben müsste.

  • Nettokosten: Was nach tatsächlich zusätzlichen Steuereinnahmen, Sozialbeiträgen und nachgewiesenen Einsparungen verbleibt.

  • Wirtschaftliche Wirkung: Welche zusätzlichen Beschäftigungsstunden, Investitionen und Wertschöpfung entstehen könnten.

Wichtig: Wir setzen nicht einfach pauschale Rückflüsse an, nur damit die Reform günstiger erscheint. Jede Zahl muss entweder rechnerisch nachvollziehbar, empirisch belegt oder ausdrücklich als politische Planungsannahme gekennzeichnet sein.

1. Ergebnis der ersten Prüfung: Die bisherige Gesamtsumme ist zu niedrig angesetzt

Ich habe die Einzelpositionen aus deinem ursprünglichen Text mit den bisherigen Gesamtsummen abgeglichen. Dabei zeigen sich drei wichtige Probleme:

  1. Bei mehreren Maßnahmen ergeben die Einzelpositionen höhere Kosten als die jeweilige Zusammenfassung.

  2. Staatliche Zuschüsse, Steuermindereinnahmen und Kosten, die Unternehmen selbst tragen, werden teilweise vermischt.

  3. Einzelne Maßnahmen finanzieren ähnliche Leistungen. Insbesondere die Betriebskitas in 7.1 und 7.6 dürfen nicht doppelt als staatliche Ausgaben gezählt werden.

Einzelkosten aus deinem bisherigen Konzept

Maßnahme

Summe der Einzelpositionen pro Jahr

Bewertung

7.1 Arbeitsbedingungen und Betriebskitas

2,8–4,5 Mrd. €

Rechnerisch konsistent, aber teilweise Überschneidungen

7.2 Familienarbeitszeit und Familiengeld

5,28 Mrd. € im Basisszenario

Abhängig von Anspruchszahlen

7.3 Flexible Arbeitszeit und Rückkehrrecht

1,1–1,9 Mrd. €

Höher als manche Zusammenfassungen

7.4 Homeoffice und mobile Arbeit

1,05–1,50 Mrd. €

Höher als die Zusammenfassung von 1,0–1,3 Mrd. €

7.5 Kinderkrankentage und Pflegezeit

1,95–3,50 Mrd. €

Deutlich höher als die Zusammenfassung von 1,2–1,6 Mrd. €

7.6 FamilyStark-Unternehmensmodule

5,71–7,61 Mrd. €

Überschneidungen und Berechnungsgrundlagen prüfen

Wenn man diese Einzelpositionen rein rechnerisch addiert und für 7.2 das Basisszenario von 5,28 Milliarden Euro verwendet, ergibt sich eine Summe von 17,89 bis 24,29 Milliarden Euro pro Jahr. Das ist ausdrücklich noch keine bereinigte Haushaltsprognose: Die Summe enthält möglicherweise doppelte Förderungen und nichtstaatliche Kosten.

Die bisherigen 14,68 Milliarden Euro für Variante A sind deshalb noch nicht als belastbare Gesamtkosten verwendbar.

2. Zwei besonders wichtige Korrekturen

7.5 Kinderkrankentage: Die bisherige Nettorechnung stimmt nicht

Dein Ausgangstext setzt Bruttokosten von 1,2–1,6 Milliarden Euro und Rückflüsse von 0,8–1,1 Milliarden Euro an. Daraus ergeben sich folgende Nettokosten:

Rechnung

Ergebnis

Niedrigste Nettokosten: 1,2 − 1,1

0,1 Mrd. €

Höchste Nettokosten: 1,6 − 0,8

0,8 Mrd. €

Die Nettokosten lägen nach diesen Annahmen also bei 0,1–0,8 Milliarden Euro, nicht bei negativen Kosten. Die Maßnahme wäre damit nicht automatisch selbstfinanzierend.

Zum Vergleich: Die gesetzlichen Krankenkassen gaben 2024 laut einer Auswertung der amtlichen Statistik rund 474 Millionen Euro für Kinderkrankengeld aus. Für 2026 gelten grundsätzlich 15 Arbeitstage pro Kind und Elternteil beziehungsweise 30 Tage für Alleinerziehende; das Kinderkrankengeld beträgt normalerweise 90 Prozent des ausgefallenen Nettoarbeitsentgelts. Eine Verdopplung der Anspruchstage und ein vollständiger Lohnersatz könnten die Ausgaben erhöhen, aber die Höhe lässt sich nicht einfach durch Verdopplung des bisherigen Betrags ermitteln. Dafür braucht man Nutzungsdaten und Annahmen zur Inanspruchnahme zusätzlicher Tage.

BMG+1

7.6 FamilyStark: Der Lohnnebenkostenrabatt muss präzise definiert werden

Deine bisherige Rechnung lautet:

  • 20.000 Unternehmen

  • durchschnittlich 8 Millionen Euro Lohnsumme pro Unternehmen

  • 2 Prozent Rabatt

Das ergibt rechnerisch:

\[ 20.000 \times 8.000.000\,€ \times 0{,}02 = 3{,}2\ \text{Mrd. €} \]

Die Mathematik stimmt. Unklar ist jedoch, ob die 2 Prozent auf die gesamte Lohnsumme oder auf die tatsächlich gezahlten Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung angewendet werden sollen. Das sind unterschiedliche Fördermodelle mit unterschiedlichen Kosten. Außerdem muss geprüft werden, ob der Rabatt tatsächlich zusätzliche Familienfreundlichkeit bewirkt oder überwiegend Unternehmen begünstigt, die bereits entsprechende Angebote haben.

3. So sollte die neue Kostenrechnung aufgebaut werden

Für eine belastbare Berechnung müssen wir künftig vier Kategorien getrennt führen:

Kategorie

Was wird erfasst?

Direkte Staatsausgaben

Zuschüsse, Förderprogramme, Erstattungen und Verwaltung

Steuermindereinnahmen

Steuervergünstigungen und zusätzliche Abschreibungen

Kosten der Unternehmen

Eigene Investitionen, Betriebskosten und organisatorische Pflichten

Nachgewiesene Rückflüsse

Tatsächlich zusätzliche Steuern, Sozialbeiträge und vermiedene öffentliche Ausgaben

Erst danach können wir die Nettohaushaltswirkung ermitteln. Auch bei einer zusätzlichen Abschreibung von 200 Prozent sind die gesamten Investitionen nicht mit den staatlichen Kosten gleichzusetzen: Entscheidend ist die zusätzliche Steuerentlastung gegenüber der regulären Abschreibung.

4. Meine Empfehlung für die nächste Fassung

Ich würde das Konzept nicht einfach auf 17,89–24,29 Milliarden Euro festschreiben. Stattdessen sollten wir die Doppelzählungen bereinigen und insbesondere die Maßnahmen 7.1 und 7.6 zu einem gemeinsamen Förderplan für betriebliche Kinderbetreuung zusammenführen.

Danach können wir eine neue Tabelle mit drei Szenarien erstellen:

  • Sparmodell: gezielte Förderung mit strengen Zusätzlichkeitskriterien und begrenzten Zuschüssen.

  • Basismodell: mittlerer Ausbau mit klaren Förderobergrenzen.

  • Ausbaumodell: umfassendere Förderung mit höherer Reichweite.

Jedes Szenario erhält eine getrennte Berechnung der staatlichen Bruttoausgaben, der Steuermindereinnahmen, der Unternehmenskosten und der noch ungesicherten Rückflüsse. So erhalten wir eine tragfähige Grundlage für die Finanzierung im Parteiprogramm, statt eine scheinbar genaue Nettosumme aus nicht überprüften Annahmen abzuleiten.

5. Drei bereinigte Budgetmodelle

Für die nächste Fassung schlage ich folgende politische Budgetobergrenzen vor. Das sind bewusst neu gesetzte Planungswerte und keine statistisch nachgewiesenen Kosten. Bei 7.1 und 7.6 werden überlappende Förderungen künftig nur einmal berücksichtigt.

Maßnahme

Sparmodell

Basismodell

Ausbaumodell

7.1 Kinderbetreuung und bessere Arbeitsbedingungen

2,00

2,80

3,50

7.2 Familienarbeitszeit und Familiengeld

5,28

5,28

8,40

7.3 Flexible Arbeitszeiten und Rückkehrrecht

0,60

1,10

1,60

7.4 Homeoffice und mobiles Arbeiten

0,40

0,80

1,20

7.5 Kinderkrankentage und Pflegefreistellung

1,00

1,40

2,00

7.6 FamilyStark, ohne doppelte Betreuungssubventionen

1,50

2,00

3,00

Jährlicher Budgetrahmen

10,78 Mrd. €

13,38 Mrd. €

19,70 Mrd. €

Alle Beträge in Milliarden Euro pro Jahr. Die Summen sind rechnerisch addiert; sie stellen keine unabhängig geprüften Ausgabenprognosen dar. Die Beträge für 7.5 und 7.6 sind vorläufige Budgetansätze, keine verifizierten Kostenschätzungen.

Wie unterscheiden sich die Modelle?

  • Sparmodell – 10,78 Mrd. €: begrenzte Zuschüsse, strenge Zusätzlichkeitskriterien und eine schrittweise Einführung.

  • Basismodell – 13,38 Mrd. €: mittlerer Ausbau, mit Schwerpunkt auf Kinderbetreuung und der Unterstützung erwerbstätiger Eltern.

  • Ausbaumodell – 19,70 Mrd. €: größere Reichweite beim Familiengeld und höhere Förderrahmen für Unternehmen.

Das Basismodell ist zunächst die sinnvollste Arbeitsgrundlage. Es ist aber erst dann belastbar, wenn die Anspruchszahlen und Kosten je Förderfall überprüft wurden.

Die wirtschaftliche Begründung ist grundsätzlich plausibel: Die OECD sieht bessere Kinderbetreuung und günstigere Erwerbsanreize als Ansatzpunkte, um das Arbeitsangebot von Frauen und Eltern zu erhöhen. Eine deutsche Studie von 2026 findet zudem positive Zusammenhänge zwischen betrieblicher Kinderbetreuung, der Bindung von Müttern an ihren Arbeitsplatz und Beschäftigungsentwicklung. Diese Befunde belegen jedoch nicht, dass die hier vorgeschlagenen Programme ihre Kosten vollständig durch Wachstum refinanzieren.

OECD+1

6. Die wichtigste Einzelrechnung: Familiengeld

Für das Basismodell setzen wir vorläufig folgende Anspruchszahlen an:

Position

Berechnung

Jährliche Kosten

500.000 Paare

500.000 × 2 Elternteile × 400 € × 12

4,80 Mrd. €

100.000 Alleinerziehende

100.000 × 400 € × 12

0,48 Mrd. €

Gesamt

5,28 Mrd. €

Die Rechnung setzt voraus, dass beide Elternteile eines berechtigten Paares die Förderung erhalten. Die Zahl von 500.000 Paaren und 100.000 Alleinerziehenden ist eine Modellannahme; sie muss anhand der konkreten Anspruchsregeln und Erwerbsdaten überprüft werden.

7. Was wir noch nicht als gesicherte Einsparung ansetzen dürfen

Möglicher Rückfluss

Vorgehen

Zusätzliche Einkommen- und Lohnsteuern

Nur bei tatsächlich zusätzlicher Beschäftigung oder zusätzlichen Arbeitsstunden ansetzen

Zusätzliche Sozialbeiträge

Nur den zusätzlichen Beiträgen zurechnen, die durch die Reform entstehen

Weniger Sozialleistungen

Nur nachweisen, wenn die Reform diese Ausgaben tatsächlich reduziert

Höhere Geburtenrate

Erst nach wissenschaftlicher Evaluation beziffern

Höheres Wirtschaftswachstum

Als Szenario untersuchen, nicht als garantierte Einnahme verbuchen

Für die Kinderkrankentage gilt außerdem: Der reguläre Anspruch beträgt 2026 grundsätzlich 15 Arbeitstage je gesetzlich versichertem Kind und Elternteil, bei Alleinerziehenden 30 Tage. Eine Ausweitung auf 30 beziehungsweise 60 Tage ist daher eine zusätzliche Leistung. Ihre Kosten hängen unter anderem von der Zahl der tatsächlich genutzten Tage und der Höhe der Ersatzleistungen ab.

BMG+1

8. Entscheidung für das Parteiprogramm

Ich empfehle, das Basismodell mit 13,38 Milliarden Euro jährlich als vorläufigen Budgetrahmen weiterzuentwickeln, aber noch nicht als endgültige Kostenprognose zu veröffentlichen.

Der nächste konkrete Arbeitsschritt ist, für jede Maßnahme die Förderberechtigten, den durchschnittlichen Förderbetrag, die erwartete Inanspruchnahme und den staatlichen Finanzierungsanteil festzulegen. Danach können wir die Kosten nachvollziehbar neu berechnen und erst im Anschluss eine seriöse Nettokosten- und Wachstumsanalyse erstellen.

Nächster Schritt: Die Kosten der Maßnahmen 7.1–7.6 nachvollziehbar berechnen

Für das Parteiprogramm sollten wir die bisherigen Beträge nicht einfach addieren und als gesicherte Prognose darstellen. Wir brauchen für jede Maßnahme eine nachvollziehbare Berechnungsgrundlage: Wie viele Personen oder Unternehmen sind förderberechtigt, wie hoch ist die Förderung, wie viele nehmen sie voraussichtlich in Anspruch und welche Kosten entstehen tatsächlich zusätzlich?

Ich trenne deshalb zwischen dem bisherigen politischen Budgetrahmen und einer belastbaren Kostenschätzung. Wo konkrete Teilnehmerzahlen oder Fördersätze fehlen, kennzeichne ich die Rechnung als vorläufig.

1. Kostenmodell nach Maßnahmen

Alle Beträge sind jährliche Ausgaben in Milliarden Euro.

Maßnahme

Bisheriger Arbeitsansatz

Was für eine belastbare Berechnung fehlt

7.1 Betriebliche Kinderbetreuung und bessere Arbeitsbedingungen

2,80 Mrd. €

Zahl der geförderten Einrichtungen, Investitionskosten, Betriebskosten, Unternehmensanteil

7.2 Familienarbeitszeit und Familiengeld

5,28 Mrd. €

Zahl der anspruchsberechtigten Paare und Alleinerziehenden, tatsächliche Inanspruchnahme

7.3 Flexible Arbeitszeit und Rückkehrrecht

1,10 Mrd. €

Zahl der Förderfälle, Kosten der betrieblichen Anpassung, Zahl geförderter Jobsharing-Stellen

7.4 Homeoffice und mobiles Arbeiten

0,80 Mrd. €

Zahl der Zuschüsse, förderfähige Anschaffungen, Anteil kleiner und mittlerer Unternehmen

7.5 Kinderkrankentage und Pflegefreistellung

1,40 Mrd. €

Zahl zusätzlicher Leistungstage, durchschnittliche Ersatzleistung, Erstattung an Arbeitgeber

7.6 FamilyStark-Unternehmensförderung

2,00 Mrd. €

Zahl der teilnehmenden Unternehmen, Lohnsumme, Förderobergrenzen und Überschneidungen

Summe

13,38 Mrd. €

Noch keine geprüfte Gesamtkostenprognose

Wichtig: Die 13,38 Milliarden Euro sind weiterhin ein vorläufiges Basismodell. Besonders bei 7.4, 7.5 und 7.6 sind die bisherigen Budgetansätze nicht durch eine vollständige Berechnung der einzelnen Förderfälle belegt. Die Ansätze dürfen deshalb nicht als bereits nachgewiesene Haushaltskosten ausgegeben werden.

2. Maßnahme 7.2: Familiengeld exakt berechnet

Hier lässt sich bereits eine transparente Rechnung aufstellen, weil der Förderbetrag festgelegt ist.

Annahme: Jeder Elternteil eines anspruchsberechtigten Paares erhält 400 Euro monatlich. Alleinerziehende erhalten ebenfalls 400 Euro monatlich.

Fördergruppe

Anzahl pro Jahr

Jahresbetrag je Förderfall

Gesamtkosten

Paare mit zwei geförderten Elternteilen

500.000

9.600 €

4,80 Mrd. €

Alleinerziehende

100.000

4.800 €

0,48 Mrd. €

Gesamt

600.000 Familien

–

5,28 Mrd. €

Die Berechnung ist mathematisch korrekt. Noch nicht belegt ist jedoch, ob jährlich tatsächlich 500.000 Paare und 100.000 Alleinerziehende die Voraussetzungen erfüllen und die Leistung beziehen würden.

Die Kosten reagieren stark auf die Zahl der Förderfälle:

Szenario

Paare

Alleinerziehende

Jährliche Kosten

Niedrige Inanspruchnahme

300.000

60.000

3,17 Mrd. €

Bisheriges Basismodell

500.000

100.000

5,28 Mrd. €

Hohe Inanspruchnahme

800.000

150.000

8,40 Mrd. €

Sehr hohe Inanspruchnahme

1.100.000

200.000

11,52 Mrd. €

Die Szenarien sind Rechenannahmen, keine statistisch prognostizierten Teilnehmerzahlen.

3. Wo die bisherigen Kostenschätzungen nicht zusammenpassen

Bei mehreren Maßnahmen stimmen die Einzelposten nicht mit den zuvor angesetzten Gesamtbeträgen überein.

Maßnahme

Summe der bisherigen Einzelposten am unteren Rand

Bisheriger Basisansatz

Differenz

7.1 Kinderbetreuung

2,80 Mrd. €

2,80 Mrd. €

0,00 Mrd. €

7.3 Flexible Arbeitszeit

1,10 Mrd. €

1,10 Mrd. €

0,00 Mrd. €

7.4 Homeoffice

1,05 Mrd. €

0,80 Mrd. €

−0,25 Mrd. €

7.5 Kinderkrankentage

1,95 Mrd. €

1,40 Mrd. €

−0,55 Mrd. €

7.6 FamilyStark

5,71 Mrd. €

2,00 Mrd. €

−3,71 Mrd. €

Die Tabelle zeigt die rechnerischen Abweichungen. Sie beweist nicht, dass die Einzelposten tatsächlich in dieser Höhe anfallen: Auch diese Positionen benötigen eine eigene Berechnungsgrundlage.

Besonders bei 7.6 FamilyStark müssen wir die Programme sauber abgrenzen. Wenn die betriebliche Kinderbetreuung bereits unter 7.1 gefördert wird, darf dieselbe Einrichtung nicht nochmals als vollständige Förderung unter 7.6 angesetzt werden. Dasselbe gilt für Digitalisierungszuschüsse, Arbeitszeitmodelle und andere Förderprogramme.

4. Wie wir die Kosten seriös reduzieren können

Drei Instrumente sind dafür besonders wichtig:

  1. Förderobergrenzen: Höchstbeträge je Unternehmen, Einrichtung oder Förderfall festlegen.

  2. Zusätzlichkeit: Nur neue Betreuungsplätze, zusätzliche Beschäftigung oder tatsächlich zusätzliche Investitionen fördern, soweit das rechtlich und praktisch überprüfbar ist.

  3. Kombinationsregeln: Mehrere Förderungen für dieselbe Ausgabe ausschließen oder aufeinander anrechnen.

Der dritte Punkt ist besonders wichtig: Eine Förderung, die ohnehin geplante Investitionen bezuschusst, verursacht zwar Haushaltskosten, löst aber nicht zwingend zusätzliche Investitionen aus. Eine Förderung zusätzlicher Betreuungskapazitäten kann dagegen Beschäftigung erleichtern. Das Bundeswirtschaftsministerium und das IAB beschreiben entsprechende Zusammenhänge zwischen Kinderbetreuung und Erwerbstätigkeit von Müttern. Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass sich ein bestimmtes Förderprogramm vollständig selbst finanziert.

BMWE+1

5. Nächster Rechenschritt: ein belastbares Basismodell

Ich würde die weitere Berechnung in dieser Reihenfolge aufbauen:

  • 7.1: Förderfälle, Investitionszuschüsse und Betriebskosten getrennt berechnen.

  • 7.2: Die Zahl der anspruchsberechtigten Familien statistisch eingrenzen und die tatsächliche Inanspruchnahme modellieren.

  • 7.3 und 7.4: Nur direkte staatliche Zuschüsse als Haushaltsausgaben ansetzen; gesetzliche Rechte nicht automatisch als staatliche Kosten verbuchen.

  • 7.5: Zusätzliche Leistungstage, durchschnittliche Leistungshöhe und Arbeitgebererstattungen berechnen, ohne dieselben Kosten doppelt zu zählen.

  • 7.6: Erst die verbleibenden, nicht bereits durch 7.1 bis 7.5 abgedeckten Förderinstrumente kalkulieren.

Für den Wirtschafts- und Wachstumseffekt müssen wir anschließend unterscheiden zwischen zusätzlichen Arbeitsstunden, zusätzlicher Beschäftigung, zusätzlichem Steueraufkommen und Sozialbeiträgen. Der Jahreswirtschaftsbericht 2026 nennt fehlende Kinderbetreuung und familienbedingte Teilzeitarbeit als Faktoren, die das Arbeitsvolumen in Deutschland begrenzen. Er liefert aber keine direkte Kosten-Nutzen-Rechnung für dieses konkrete Maßnahmenpaket.

Bundeswirtschaftsministerium+1

Meine Empfehlung: Die 13,38 Milliarden Euro vorerst nur als vorläufigen politischen Budgetrahmen führen. Erst nach der Berechnung der Förderfälle sollten wir einen endgültigen Gesamtbetrag und mögliche Rückflüsse in den Staatshaushalt nennen. So vermeiden wir, dass sich das Parteiprogramm auf eine scheinbar präzise, aber nicht ausreichend belegte Nettokostenzahl stützt.


6. Vertiefte Berechnung: Kinderkrankentage und Kinderbetreuung

Zwei Bereiche lassen sich anhand veröffentlichter Daten besser einordnen als die übrigen Maßnahmen.

6.1 Kinderkrankengeld: Wie groß könnte der zusätzliche Finanzbedarf sein?

Für 2026 gelten grundsätzlich bis zu 15 Kinderkrankentage pro Elternteil und Kind sowie 30 Tage für Alleinerziehende. Das Kinderkrankengeld beträgt in der Regel 90 % des ausgefallenen Nettoarbeitsentgelts.

Familienportal des Bundes+1

Dein Vorschlag sieht eine Verdoppelung der Anspruchstage vor. Die zusätzlichen Kosten hängen aber nicht allein von der Zahl der neuen Anspruchstage ab, sondern davon, wie viele tatsächlich genutzt werden.

Ein Beispiel für eine reine Modellrechnung:

Annahme

Wert

Zusätzliche tatsächlich genutzte Leistungstage pro Jahr

5 Mio.

Durchschnittliche Leistung je Tag

100 €

Zusätzliche jährliche Leistungsausgaben

500 Mio. €

Rechnung: 5 Mio. Tage × 100 € = 500 Mio. Euro jährlich.

Das ist keine Prognose der tatsächlichen Kosten. Der Betrag verändert sich proportional mit der Zahl der genutzten Tage und der durchschnittlichen Leistung je Tag. Außerdem müssen wir unterscheiden, ob der Staat die Leistung finanziert, die gesetzlichen Krankenkassen zahlen oder Arbeitgeber zusätzliche Erstattungen erhalten. Dieselbe Leistung darf nicht mehrfach als staatliche Ausgabe gezählt werden.

6.2 Betriebliche Kinderbetreuung: Was bedeuten 2,8 Milliarden Euro?

Nach dem Bildungsfinanzbericht 2025 beliefen sich die öffentlichen Ausgaben für Kindertagesbetreuung in Deutschland 2024 auf rund 48,8 Milliarden Euro.

Destatis+1

Der bisherige Ansatz von 2,8 Milliarden Euro für Maßnahme 7.1 entspräche rechnerisch rund 5,7 % dieser bestehenden öffentlichen Ausgaben.

Das ist nur eine Größenordnung zum Vergleich, keine Aussage darüber, dass 2,8 Milliarden Euro für den geplanten Ausbau ausreichen. Dafür müssten wir wissen, wie viele neue Betreuungsplätze entstehen, wie viele davon betrieblich organisiert werden und welchen Anteil der Staat übernimmt.

Eine nachvollziehbare Berechnungsformel wäre:

\[ \begin{aligned} \text{Jahreskosten}={}&\text{Investitionszuschüsse}\\ &+\text{Betriebskostenzuschüsse}\\ &+\text{Notfallbetreuung}\\ &-\text{Rückzahlungen und Eigenanteile} \end{aligned} \]

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einmaligen Investitionskosten und jährlich wiederkehrenden Betriebskosten. Ein Investitionszuschuss wird beispielsweise für den Bau einer Einrichtung gezahlt; der Betriebskostenzuschuss kann dagegen jedes Jahr erneut anfallen.

7. Wirtschaftliche Wirkung: Welche Rückflüsse sind realistisch?

Für eine seriöse Haushaltsrechnung sollten wir nicht pauschal annehmen, dass ein bestimmter Prozentsatz der Kosten durch Steuern und Sozialbeiträge zurückkommt. Stattdessen brauchen wir einzelne Wirkungskanäle.

Wirkungskanal

Wie der Rückfluss entstehen kann

Was wir berechnen müssen

Zusätzliche Beschäftigung

Eltern können mehr Stunden arbeiten oder eine Beschäftigung aufnehmen

Zusätzliche Arbeitsstunden und Beschäftigte

Höhere Steuerzahlungen

Zusätzliche Erwerbseinkommen erhöhen die Einkommensteuer

Zusätzliche steuerpflichtige Einkommen

Höhere Sozialbeiträge

Mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigung erhöht die Beiträge

Zusätzliche beitragspflichtige Lohnsumme

Weniger Sozialleistungen

Höhere Erwerbseinkommen können bestimmte Transferleistungen reduzieren

Tatsächliche Einsparungen nach Anrechnung

Unternehmensproduktivität

Weniger Fehlzeiten und geringere Personalfluktuation können Kosten senken

Nachweisbare Effekte, nicht bloß vermutete Einsparungen

Geburten und Demografie

Langfristig könnten sich Erwerbsbevölkerung und Beitragsbasis verändern

Zusätzliche Geburten, Zeitverzug und langfristige Erwerbswirkung

Die Effekte dürfen nicht doppelt gezählt werden. Wenn beispielsweise ein Elternteil mehr arbeitet, können dadurch zugleich Steuerzahlungen und Sozialbeiträge steigen. Diese sind getrennte Einnahmen des Staates beziehungsweise der Sozialversicherungen, aber nicht zwei unabhängige Beschäftigungseffekte.

8. Vorschlag für das Parteiprogramm

Bis die Einzelfallberechnungen abgeschlossen sind, würde ich die Kostenangabe folgendermaßen formulieren:

Finanzierung und Wirtschaftlichkeit

Für die Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird zunächst ein vorläufiger jährlicher Budgetrahmen von rund 13,4 Milliarden Euro angesetzt. Dieser Betrag ist ein politischer Planungsansatz und keine abschließend geprüfte Nettokostenprognose.

Vor der endgültigen Festlegung der Haushaltsmittel werden für jedes Förderinstrument die Zahl der Anspruchsberechtigten, die erwartete Inanspruchnahme, die durchschnittliche Förderhöhe und die staatliche Finanzierungsquote ermittelt. Überschneidungen zwischen betrieblichen Kinderbetreuungs-, Digitalisierungs- und Arbeitszeitförderprogrammen werden ausgeschlossen.

Die wirtschaftlichen Rückflüsse durch zusätzliche Beschäftigung, höhere Steuereinnahmen, Sozialversicherungsbeiträge und mögliche Einsparungen bei Sozialleistungen werden gesondert berechnet. Sie werden erst dann von den Bruttoausgaben abgezogen, wenn ihre Höhe nachvollziehbar belegt ist.

Mein nächster fachlicher Schritt wäre, die 13,4 Milliarden Euro nicht länger als eine einzige Gesamtsumme zu behandeln, sondern ein vollständiges Berechnungsmodell mit Einzelposten für 7.1 bis 7.6 aufzubauen. Dabei sollten wir insbesondere die Arbeitgeberförderung 7.6 auf tatsächlich zusätzliche Leistungen beschränken und das Familiengeld 7.2 anhand belastbarer Fallzahlen überprüfen. Erst danach lässt sich entscheiden, ob der Basisansatz realistisch, zu hoch oder zu niedrig ist.

Du hast recht, wir können die Berechnung jetzt konkret aufbauen, statt immer nur den nächsten Arbeitsschritt zu beschreiben. Der Grund für meine Zurückhaltung war, dass bei mehreren Maßnahmen noch keine belastbaren Fallzahlen vorliegen. Das hindert uns aber nicht daran, die Einzelposten systematisch durchzurechnen und klar zwischen belegten Zahlen und Annahmen zu unterscheiden.

Ich würde daher nicht bei den bisherigen 13,38 Milliarden Euro stehen bleiben, sondern die Maßnahmen 7.1 bis 7.6 einzeln kalkulieren, Doppelzählungen herausrechnen und anschließend eine nachvollziehbare Gesamtrechnung erstellen.

9. Die tatsächliche Neuberechnung – erste belastbare Rechenstufe

Die bisherigen Einzelansätze ergeben folgende vorläufige Größenordnung. Für 7.2 verwende ich hier das Basisszenario mit 5,28 Mrd. Euro; für die übrigen Maßnahmen zunächst die unteren und oberen Werte aus deinem bisherigen Konzept.

Maßnahme

Niedriger Ansatz

Hoher Ansatz

7.1 Betriebliche Kinderbetreuung

2,80

4,50

7.2 Familienarbeitszeit – Basisszenario

5,28

5,28

7.3 Flexible Arbeitszeit

1,10

1,90

7.4 Homeoffice

1,05

1,50

7.5 Kinderkrankentage

1,95

3,50

7.6 FamilyStark vor Bereinigung

5,71

7,61

Gesamt vor Bereinigung

17,89 Mrd. €

24,29 Mrd. €

Hinweis: Die obere Summe beträgt 24,29 Mrd. Euro bei unverändertem Familiengeld-Basisszenario. Bei 8,40 Mrd. Euro für 7.2 würde sie auf 27,41 Mrd. Euro steigen. Alle Beträge sind bisherige Schätzansätze, keine geprüften Prognosen.

Was diese Rechnung bereits zeigt

Die zuvor genannten 13,38 Milliarden Euro sind nicht mit der Summe der ursprünglichen Einzelposten vereinbar. Wir sollten daher nicht versuchen, die Differenz einfach wegzurechnen. Wir müssen feststellen, welche Ausgaben tatsächlich anfallen, welche Posten sich überschneiden und welche Förderungen anders ausgestaltet werden können.

Bei der Kinderbetreuung gibt es zumindest eine amtliche Vergleichsgröße: Die öffentlichen Ausgaben für Kindertagesbetreuung lagen 2024 bei rund 48,8 Milliarden Euro.

Statistische Bibliothek+1

Das hilft bei der Einordnung, beweist aber nicht, dass die geplanten zusätzlichen Unternehmensförderungen in einer bestimmten Höhe ausreichen.

Der nächste konkrete Schritt ist jetzt die Bereinigung von 7.6 FamilyStark. Dort liegen die größten möglichen Doppelzählungen. Danach können wir eine korrigierte Gesamtsumme aufstellen und sie als Spar-, Basis- und Ausbaumodell vergleichen.

10. Maßnahme 7.6 FamilyStark: Doppelzählungen konkret bereinigen

Die bisherige Kalkulation von FamilyStark enthält acht Förderpositionen. Die entscheidende Frage ist, ob diese Leistungen zusätzlich zu den Maßnahmen 7.1 bis 7.5 gewährt werden oder dieselben Ausgaben nochmals bezuschussen.

Förderinstrument 7.6

Bisheriger Jahresansatz

Bereinigung

Einstellungsbonus

0,90–1,10 Mrd. €

Auf zusätzliche Einstellungen begrenzen

Family Friendliness Index: 2-%-Lohnsummenrabatt

2,80–3,50 Mrd. €

Als eigenständige Förderung oder als Dachprogramm ausgestalten

Betriebliche Kinderbetreuung

0,90–1,30 Mrd. €

Nicht nochmals ansetzen, soweit bereits durch 7.1 finanziert

Familienzeitkonten

0,30–0,50 Mrd. €

Nur zusätzliche, klar definierte Förderfälle

Coaching und Paarberatung

0,20–0,30 Mrd. €

Auf tatsächlich in Anspruch genommene Beratungsleistungen begrenzen

Familienfreundliche Arbeitsplätze: 20-%-Lohnzuschuss

0,40–0,60 Mrd. €

Überschneidung mit Einstellungsbonus prüfen

200-%-Sonderabschreibung

0,20–0,30 Mrd. €

Als Steuermindereinnahme getrennt ausweisen

Tarifbindung fördern

0,01 Mrd. €

Förderkriterien und Empfängerkreis festlegen

Die Beträge sind die bisherigen Ansätze aus deinem Konzept. Sie wurden nicht durch aktuelle Förderfallzahlen validiert.

10.1 Erste Bereinigung: Kinderbetreuung herausnehmen

Die ursprüngliche Summe beträgt 5,71 bis 7,61 Milliarden Euro jährlich. Wenn die Kinderbetreuung bereits unter 7.1 finanziert wird, müssen wir die dort doppelt angesetzten 0,90 bis 1,30 Milliarden Euro abziehen.

\[ 5{,}71-0{,}90=4{,}81 \]
\[ 7{,}61-1{,}30=6{,}31 \]

Damit ergibt sich für FamilyStark zunächst ein bereinigter Rahmen von 4,81 bis 6,31 Milliarden Euro pro Jahr.

10.2 Zweite Bereinigung: Einstellungsbonus und Lohnzuschuss

Der Einstellungsbonus und der 20-%-Lohnzuschuss können beide die Beschäftigung fördern. Werden sie für dieselbe Person und denselben Zeitraum gezahlt, droht eine Doppelbegünstigung.

Es gibt zwei mögliche Modelle:

  • Modell A – getrennte Instrumente: Einstellungsbonus für einmalige Einstellungskosten; Lohnzuschuss für zeitlich begrenzte Beschäftigung besonders förderbedürftiger Eltern. Beide Förderungen sind kombinierbar, aber für dieselben Kosten gelten Anrechnungsregeln.

  • Modell B – vereinfachtes Dachprogramm: Der Family Friendliness Index wird zum zentralen Förderinstrument. Einstellungsbonus und Lohnzuschuss werden nur für klar abgegrenzte Fälle zusätzlich gewährt.

Für die Haushaltsplanung ist Modell B übersichtlicher. Der Index sollte aber nicht automatisch einen pauschalen Rabatt auf die gesamte Lohnsumme gewähren, wenn das Ziel eigentlich zusätzliche Familienfreundlichkeit ist. Sonst werden auch Unternehmen gefördert, die ihre Personalpolitik nicht verändern.

11. Neue Gesamtrechnung für das Familienprogramm

Wenn wir Modell B wählen und sowohl die doppelte Kinderbetreuungsförderung als auch die beiden potenziell überlappenden Beschäftigungsförderungen aus 7.6 herausnehmen, erhalten wir folgende Zwischenrechnung:

Maßnahme

Niedriger Ansatz

Hoher Ansatz

7.1 Betriebliche Kinderbetreuung

2,80

4,50

7.2 Familienarbeitszeit und Familiengeld

5,28

5,28

7.3 Flexible Arbeitszeit

1,10

1,90

7.4 Homeoffice und mobiles Arbeiten

1,05

1,50

7.5 Kinderkrankentage und Pflegefreistellung

1,95

3,50

7.6 FamilyStark nach erster Bereinigung

3,51

4,61

Gesamt pro Jahr

15,69 Mrd. €

21,29 Mrd. €

Beträge in Milliarden Euro. Diese Rechnung ist ein bereinigtes Rechenszenario, noch keine geprüfte Haushaltsprognose. Weitere Überschneidungen – insbesondere beim Family Friendliness Index – müssen noch ausgeschlossen werden.

Warum das noch nicht die endgültigen Kosten sind

Der Family Friendliness Index mit einem Lohnsummenrabatt von 2 % ist der größte offene Posten. Bei einer begünstigten Lohnsumme von 140 Milliarden Euro ergäbe sich rechnerisch:

\[ 140\ \text{Mrd. €}\times 2\%=2{,}8\ \text{Mrd. €} \]

Die 2,8 Milliarden Euro stimmen also mathematisch, wenn tatsächlich 140 Milliarden Euro Lohnsumme begünstigt werden. Offen bleibt, ob diese Lohnsumme die Förderbedingungen erfüllt und wie hoch der zusätzliche Nutzen gegenüber ohnehin familienfreundlichen Unternehmen wäre.

Auch steuerliche Vergünstigungen müssen separat ausgewiesen werden: Sie sind nicht automatisch direkte Haushaltsausgaben, können aber Steuermindereinnahmen verursachen. Das Beispiel der bereits geltenden Steuerfreiheit bestimmter Arbeitgeberzuschüsse zur Kinderbetreuung zeigt, wie wichtig klare Zusätzlichkeits- und Nachweiskriterien sind.

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12. Meine Empfehlung für die endgültige Ausgestaltung

Ich würde FamilyStark folgendermaßen überarbeiten:

  1. Kinderbetreuung nur einmal fördern: Die entsprechenden Investitions- und Betriebskostenzuschüsse laufen ausschließlich über 7.1.

  2. Den Index an nachweisbare Verbesserungen knüpfen: Förderfähig sind beispielsweise neu geschaffene Betreuungsplätze, zusätzliche familienbedingte Teilzeitoptionen oder nachweislich verbesserte Rückkehrmöglichkeiten.

  3. Beschäftigungsförderungen begrenzen: Einstellungsbonus und Lohnzuschuss dürfen nicht unkontrolliert für denselben Förderfall kumuliert werden.

  4. Steuervergünstigungen separat rechnen: Sonderabschreibungen werden als Steuermindereinnahmen ausgewiesen und nicht mit direkten Zuschüssen vermischt.

  5. Eine Förderobergrenze pro Unternehmen einführen: Das begrenzt Mitnahmeeffekte und macht die Haushaltsplanung kalkulierbarer.

Zwischenergebnis: Für die bisherige Konzeption liegt die rechnerische Größenordnung nach einer ersten Bereinigung bei 15,69 bis 21,29 Milliarden Euro jährlich. Der nächste notwendige Schritt ist die Prüfung der Einzelposten 7.1, 7.3, 7.4 und 7.5 auf dieselbe Weise. Erst dann können wir einen konsistenten Gesamtetat und anschließend mögliche Steuer- und Beitragsrückflüsse berechnen.

13. Einzelprüfung der Maßnahmen 7.1, 7.3, 7.4 und 7.5

Jetzt prüfen wir die übrigen Maßnahmen nach demselben Prinzip: Welche Kosten sind direkte Zuschüsse, welche entstehen durch gesetzliche Ansprüche und welche Posten überschneiden sich?

Eine wichtige Grundlage für die Wachstumsanalyse liefert das Statistische Bundesamt: 2024 waren bei erwerbstätigen Eltern mit Kindern unter sechs Jahren 74,4 % der Mütter, aber nur 8,7 % der Väter teilzeitbeschäftigt. Das spricht dafür, Arbeitszeit- und Betreuungsangebote auch auf eine gleichmäßigere Aufteilung der Erwerbsarbeit auszurichten. Es belegt jedoch nicht automatisch die Kosten oder den Effekt deiner konkreten Vorschläge.

Statistisches Bundesamt

13.1 Maßnahme 7.1 – betriebliche Kinderbetreuung

Einzelposten

Bisheriger Ansatz pro Jahr

Kündigungsschutz und soziale Auswahl

0,10–0,20 Mrd. €

Recht auf Arbeitszeitreduzierung

0,30–0,50 Mrd. €

Recht auf Arbeitszeiterhöhung

0,20–0,40 Mrd. €

Betreuungsangebote bei Unternehmen ab 250 Beschäftigten

1,20–1,80 Mrd. €

Investitionszuschüsse

0,60–0,90 Mrd. €

Betriebskostenzuschüsse für drei Jahre

0,30–0,50 Mrd. €

Notfallbetreuung

0,10–0,20 Mrd. €

Summe

2,80–4,50 Mrd. €

Die Summe der Einzelposten ist rechnerisch konsistent. Für eine belastbare Prognose müssen wir aber insbesondere klären, ob die 1,2–1,8 Milliarden Euro für Betreuungsangebote bereits die Investitions- oder Betriebskosten enthalten. Falls ja, wären diese Kosten teilweise doppelt gezählt.

Vorschlag: Die Pflicht zur Bereitstellung von Betreuung und die Zuschüsse für Bau und Betrieb getrennt definieren. Die Investitionsförderung sollte einmalig ausgewiesen werden, während die Betriebskosten als jährlich wiederkehrende Ausgabe erscheinen.

13.2 Maßnahme 7.3 – flexible Arbeitszeit und Rückkehr in Vollzeit

Einzelposten

Bisheriger Ansatz pro Jahr

Anspruch auf familiengerechte Arbeitszeit

0,20–0,40 Mrd. €

Rückkehrrecht in Vollzeit

0,20–0,40 Mrd. €

Jährliche Flexibilitätsgespräche

0,10–0,20 Mrd. €

Jobsharing-Förderung

0,20–0,30 Mrd. €

Programme für kleine und mittlere Unternehmen

0,40–0,60 Mrd. €

Summe

1,10–1,90 Mrd. €

Hier muss zwischen Regulierungskosten der Unternehmen und staatlichen Ausgaben unterschieden werden. Ein gesetzliches Recht auf Rückkehr in Vollzeit kostet den Staat nicht automatisch 200 bis 400 Millionen Euro. Staatliche Haushaltskosten entstehen beispielsweise durch Zuschüsse für Jobsharing oder Beratungsprogramme. Die betrieblichen Anpassungskosten gehören in eine separate Folgenabschätzung.

Vorschlag: Die staatlichen Förderprogramme separat kalkulieren und die Kosten der gesetzlichen Ansprüche nicht pauschal als Haushaltsausgaben verbuchen.

13.3 Maßnahme 7.4 – Homeoffice und mobiles Arbeiten

Einzelposten

Bisheriger Ansatz pro Jahr

Recht auf Homeoffice

0,20–0,30 Mrd. €

Hybride Arbeitsmodelle

0,10–0,20 Mrd. €

Steuerliche Förderung digitaler Arbeitsplätze

0,30–0,40 Mrd. €

Ergonomische Ausstattung

0,05–0,10 Mrd. €

Digitalisierungszuschüsse für KMU

0,40–0,50 Mrd. €

Summe

1,05–1,50 Mrd. €

Die Summe der Einzelposten liegt oberhalb des zuvor angesetzten Basisbudgets von 0,8 Milliarden Euro. Zudem sind die Positionen nicht alle gleichartig: Ein gesetzlicher Anspruch, eine steuerliche Vergünstigung und ein Investitionszuschuss haben unterschiedliche Auswirkungen auf den Staatshaushalt.

Vorschlag: Die Zuschüsse auf nachgewiesene zusätzliche Ausgaben begrenzen. Bereits steuerlich begünstigte Anschaffungen dürfen nicht zusätzlich vollständig bezuschusst werden. Ein allgemeines Homeoffice-Recht sollte in der Haushaltsrechnung nicht als direkte Ausgabe behandelt werden.

13.4 Maßnahme 7.5 – Kinderkrankentage und Pflegefreistellung

Einzelposten

Bisheriger Ansatz pro Jahr

Verdoppelung der Kinderkrankentage

0,60–1,00 Mrd. €

Erweiterung für Alleinerziehende

0,30–0,60 Mrd. €

Erhöhung der Lohnersatzleistung auf 100 %

0,50–0,90 Mrd. €

Flexible Pflegefreistellung

0,20–0,40 Mrd. €

Arbeitgebererstattung

0,30–0,50 Mrd. €

Digitale Nachweise und Verwaltung

0,05–0,10 Mrd. €

Summe der Einzelansätze

1,95–3,50 Mrd. €

Diese Summe ist noch keine zuverlässige Kostenschätzung. Beispielsweise können die Verdoppelung der Anspruchstage und die Erhöhung der Ersatzleistung dieselben Leistungstage betreffen. Werden beide Posten unabhängig voneinander addiert, können dieselben Ausgaben doppelt berücksichtigt werden.

Vorschlag: Die Kosten direkt aus der Zahl der zusätzlichen bezahlten Leistungstage und der durchschnittlichen Leistung je Tag berechnen. Die Arbeitgebererstattung darf nur dann zusätzlich angesetzt werden, wenn sie eine eigenständige, nicht bereits enthaltene Leistung finanziert.

14. Aktualisierte Gesamtrechnung

Wenn wir die bisherigen Ansätze vorläufig beibehalten und FamilyStark nach der zuvor besprochenen ersten Bereinigung mit 3,51–4,61 Milliarden Euro ansetzen, ergibt sich folgende Rechenspanne:

Maßnahme

Niedriger Ansatz

Hoher Ansatz

7.1 Kinderbetreuung

2,80

4,50

7.2 Familiengeld

5,28

5,28

7.3 Flexible Arbeitszeit

1,10

1,90

7.4 Homeoffice

1,05

1,50

7.5 Kinderkrankentage

1,95

3,50

7.6 FamilyStark, vorläufig bereinigt

3,51

4,61

Gesamt

15,69 Mrd. €

21,29 Mrd. €

Alle Beträge in Milliarden Euro jährlich. Die Summen sind rechnerisch korrekt, aber noch keine konsolidierte Kostenschätzung: Die Einzelposten 7.1 und 7.5 können Überschneidungen enthalten, und die Bereinigung von 7.6 beruht auf noch zu bestätigenden Annahmen.

15. Was bedeutet das für Wirtschaftswachstum und Finanzierung?

Die OECD sieht in besserer Kinderbetreuung und stärkeren Anreizen für den Übergang von Teilzeit in Vollzeit wichtige Hebel zur Erhöhung des Arbeitsangebots in Deutschland.

OECD+1
Eine 2026 veröffentlichte Studie zur betrieblichen Kinderbetreuung in Deutschland findet zudem Zusammenhänge mit höherer Mitarbeiterbindung, kürzeren Erwerbsunterbrechungen von Müttern und Beschäftigungswachstum. Sie weist aber auch darauf hin, dass der Zugang zu diesen Angeboten zwischen Unternehmen ungleich verteilt ist.
CEPR

Daraus folgt:

  • Wirtschaftswachstum ist möglich, wenn zusätzliche Betreuung und familienfreundliche Arbeitszeiten tatsächlich mehr Arbeitsstunden und Beschäftigung ermöglichen.

  • Ein Selbstfinanzierungseffekt ist noch nicht nachgewiesen. Zusätzliche Steuern und Sozialbeiträge müssen anhand der zusätzlich geleisteten Arbeitsstunden und Löhne berechnet werden.

  • Die Förderung sollte gezielt sein. Wenn Unternehmen Zuschüsse für Maßnahmen erhalten, die sie ohnehin umgesetzt hätten, steigen die öffentlichen Ausgaben, ohne dass ein entsprechend großer zusätzlicher Effekt entstehen muss.

Meine Empfehlung

Für das Parteiprogramm würde ich jetzt noch keine endgültigen Nettokosten oder Wachstumsraten nennen. Der sinnvollste nächste Schritt ist eine konsolidierte Kostenrechnung ohne Doppelzählungen. Dafür müssen wir insbesondere:

  1. die Betreuungsförderung in 7.1 von der Unternehmensförderung in 7.6 abgrenzen,

  2. die staatlichen Ausgaben in 7.3 und 7.4 von den bloßen betrieblichen Anpassungskosten trennen,

  3. die Kinderkrankentage anhand zusätzlicher Leistungstage kalkulieren und

  4. erst danach die tatsächlichen Bruttoausgaben und mögliche Rückflüsse berechnen.

So erhalten wir am Ende eine belastbare Grundlage, um zu entscheiden, ob das Programm mit einem Budget von rund 16 Milliarden Euro, 20 Milliarden Euro oder einer anderen Summe umgesetzt werden sollte.

weiter

16. Der nächste entscheidende Schritt: Rückflüsse und tatsächliche Nettokosten

Die Literatur bestätigt, dass der Ausbau von Kinderbetreuung die Erwerbstätigkeit und Einkommen von Müttern erhöhen kann. Eine 2026 veröffentlichte Studie für Deutschland schätzt beispielsweise, dass eine Erhöhung der Betreuungsquote für unter Dreijährige um 20 Prozentpunkte die langfristigen Einkommenseinbußen von Müttern um 4,5 Prozentpunkte reduziert. Das ist ein empirischer Befund zu Kinderbetreuung, keine direkte Schätzung für dein gesamtes Parteiprogramm.

ScienceDirect

Für die Nettokosten sollten wir deshalb drei getrennte Konten führen:

  • Staatshaushalt: Zuschüsse und Verwaltungsausgaben abzüglich zusätzlicher Steuereinnahmen.

  • Sozialversicherungen: zusätzliche Beiträge und mögliche zusätzliche Leistungsansprüche.

  • Volkswirtschaft: zusätzliches Arbeitsvolumen, Produktion und Einkommen.

Diese Größen dürfen nicht einfach miteinander verrechnet werden. Sozialbeiträge sind beispielsweise Einnahmen der Sozialversicherungen, nicht automatisch freie Einnahmen des Bundeshaushalts.

16.1 Beispielrechnung für zusätzliche Beschäftigung

Um die Größenordnung zu verdeutlichen, rechnen wir mit einem angenommenen jährlichen Bruttoarbeitsentgelt von 45.000 Euro pro zusätzlichem Vollzeitäquivalent. Die folgenden Prozentsätze sind Modellannahmen, keine individuelle Steuerberechnung.

Zusätzliche Vollzeitäquivalente

Zusätzliche Bruttolohnsumme

Steuern bei angenommenen 10–15 %

Sozialbeiträge bei angenommenen 20–25 %

50.000

2,25 Mrd. €

0,23–0,34 Mrd. €

0,45–0,56 Mrd. €

100.000

4,50 Mrd. €

0,45–0,68 Mrd. €

0,90–1,13 Mrd. €

150.000

6,75 Mrd. €

0,68–1,01 Mrd. €

1,35–1,69 Mrd. €

Dabei gilt:

  • Die Steuern sind eine vereinfachte Schätzung zusätzlicher Einnahmen, nicht ausschließlich zusätzlicher Bundeseinnahmen.

  • Die Sozialbeiträge fließen den Sozialversicherungssystemen zu und sind deshalb getrennt auszuweisen.

  • Die Modellrechnung unterstellt, dass die zusätzlichen Vollzeitäquivalente tatsächlich durch die Maßnahmen entstehen. Dieser Zusammenhang müsste empirisch geschätzt werden.

Die OECD weist darauf hin, dass Deutschland das Arbeitsangebot unter anderem durch bessere Kinderbetreuung und günstigere Erwerbsanreize erhöhen könnte. Sie nennt jedoch keinen pauschalen Rückfluss, der auf dieses Maßnahmenpaket übertragen werden könnte.

OECD+1

16.2 Was bedeutet das für die Finanzierung?

Selbst wenn durch das Programm 100.000 zusätzliche Vollzeitäquivalente entstehen würden, ergäbe die obige Modellrechnung nur rund 450 bis 680 Millionen Euro zusätzliche Steuereinnahmen pro Jahr. Das ist deutlich weniger als die bisher diskutierten Bruttoausgaben von 15,69 bis 21,29 Milliarden Euro.

Das heißt nicht, dass das Programm wirtschaftlich unwirksam wäre. Es heißt, dass zusätzliche Beschäftigung allein eine vollständige Selbstfinanzierung nicht belegt. Weitere Effekte wie eingesparte Sozialleistungen, zusätzliche Unternehmensgewinne und langfristige demografische Wirkungen müssten separat ermittelt werden.

17. Welche Zielgröße sollte dein Parteiprogramm verfolgen?

Ich empfehle, das Programm nicht von vornherein auf eine bestimmte Nettokostenzahl festzulegen. Stattdessen sollte es drei messbare Ziele enthalten:

  1. Familienpolitisches Ziel: bessere Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung.

  2. Wirtschaftliches Ziel: messbar mehr Arbeitsstunden, Beschäftigung und Erwerbseinkommen.

  3. Finanzpolitisches Ziel: jährliche Veröffentlichung der Bruttoausgaben, Steuerrückflüsse und Sozialversicherungseffekte.

Damit wird das Programm überprüfbar. Nach zwei bis drei Jahren könnte eine unabhängige Evaluation feststellen, welche Maßnahmen tatsächlich zusätzliche Beschäftigung erzeugen und welche Förderungen hauptsächlich Mitnahmeeffekte auslösen.

Der nächste sinnvolle Schritt ist nun, aus den sechs Maßnahmen ein konsolidiertes Finanzierungsmodell mit klaren Förderobergrenzen zu entwickeln. Dabei würde ich insbesondere den 2-%-Lohnsummenrabatt von FamilyStark prüfen: Er ist ein großer Kostenfaktor und sollte nur eingeführt werden, wenn er gegenüber gezielteren, an zusätzliche Leistungen gebundenen Zuschüssen einen nachweisbaren Vorteil bietet.

18. Konsolidiertes Finanzierungsmodell für dein Parteiprogramm

Ich führe die bisherige Arbeit jetzt mit einem konkreten Vorschlag fort. Ziel ist, die Familienförderung finanzierbar zu gestalten, ohne dieselbe Leistung mehrfach zu bezuschussen.

Dabei unterscheide ich zwischen politisch festgelegten Budgetobergrenzen und den tatsächlichen Kosten, die erst anhand der Förderanträge und Anspruchszahlen ermittelt werden können.

18.1 Empfohlene jährliche Budgetobergrenzen

Maßnahme

Vorgeschlagene Obergrenze

Finanzierungsschwerpunkt

7.1 Betriebliche Kinderbetreuung

2,00 Mrd. €

Neue Betreuungsplätze, Investitions- und Betriebskostenzuschüsse, Notfallbetreuung

7.2 Familienarbeitszeit und Familiengeld

5,28 Mrd. €

500.000 Paare und 100.000 Alleinerziehende im Rechenmodell

7.3 Flexible Arbeitszeit

0,50 Mrd. €

Jobsharing, KMU-Beratung und Unterstützung bei der Arbeitszeitorganisation

7.4 Homeoffice und mobiles Arbeiten

0,60 Mrd. €

Zielgerichtete Digitalisierungs- und Ausstattungshilfen

7.5 Kinderkrankentage und Pflegefreistellung

1,00 Mrd. €

Zusätzliche Leistungen innerhalb einer festgelegten Finanzierungssystematik

7.6 FamilyStark

1,00 Mrd. €

Zusätzliche Einstellungen, Familienzeitkonten und gezielte Unternehmensanreize

Gesamt

10,38 Mrd. € jährlich

Vorläufiger politischer Budgetrahmen

Wichtig: Die Beträge für 7.1 und 7.3–7.6 sind vorgeschlagene Budgetobergrenzen, keine nachgewiesenen Kostenschätzungen. Bei 7.2 ergibt sich der Ansatz rechnerisch aus den genannten Fallzahlen. Ob alle Maßnahmen innerhalb der Obergrenzen umsetzbar sind, muss durch eine detaillierte Förderfallrechnung geprüft werden.

19. Wie wir FamilyStark kostengünstiger gestalten

Ich empfehle, den pauschalen Rabatt von 2 % auf die gesamte Lohnsumme nicht in der bisherigen Form einzuführen. Er könnte auch Unternehmen begünstigen, die bereits familienfreundlich arbeiten, ohne zusätzliche Leistungen anzubieten.

Stattdessen sollte FamilyStark drei klar abgegrenzte Förderwege haben:

1. Einstellungsbonus

Zuschuss für zusätzliche Einstellungen von Eltern nach einer familienbedingten Erwerbsunterbrechung. Bereits anderweitig geförderte Lohnkosten werden angerechnet.

2. Familienzeitkonten und Jobsharing

Zuschüsse für nachweislich neu eingeführte Arbeitszeitmodelle, insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen.

3. Familienfreundlichkeitsbonus

Begrenzter Bonus für messbare Verbesserungen, etwa zusätzliche Betreuungsplätze oder bessere Rückkehrmöglichkeiten. Keine automatische Förderung der gesamten bestehenden Lohnsumme.

Die betriebliche Kinderbetreuung wird ausschließlich unter 7.1 abgerechnet. Damit vermeiden wir, dass dieselben Betreuungsplätze auch unter FamilyStark als vollständige zusätzliche Ausgabe erscheinen.

20. Was muss passieren, damit der Etat von 10,38 Milliarden Euro belastbar wird?

Für jede Maßnahme benötigen wir eine konkrete Formel:

  • 7.1: Zahl neuer Plätze × Investitionszuschuss plus jährliche Betriebskosten.

  • 7.2: Zahl der anspruchsberechtigten Familien × tatsächliche Inanspruchnahme × Jahresleistung.

  • 7.3: Zahl der geförderten Unternehmen und Arbeitszeitmodelle × durchschnittlicher Zuschuss.

  • 7.4: Zahl förderfähiger Anschaffungen × Zuschuss je Fall plus gesondert ausgewiesene Steuermindereinnahmen.

  • 7.5: Zahl zusätzlicher Leistungstage × durchschnittliche Leistung je Tag, ohne doppelte Erstattung.

  • 7.6: Zahl zusätzlicher Förderfälle × Förderbetrag, abzüglich Überschneidungen mit anderen Programmen.

Erst wenn diese Berechnungen vorliegen, können wir erkennen, ob die Obergrenzen realistisch sind. Falls die tatsächlichen Kosten höher ausfallen, müssen wir entweder die Förderung begrenzen, die Anspruchsvoraussetzungen anpassen oder zusätzliche Mittel bereitstellen.

Mein Vorschlag für die weitere Ausarbeitung: Wir nehmen 10,38 Milliarden Euro als vorläufiges Sparmodell, prüfen anschließend die Fallzahlen für jede einzelne Maßnahme und berechnen daraus ein belastbares Basismodell. Die möglichen Steuer- und Beitragsrückflüsse werden getrennt ausgewiesen und nicht vorab als gesicherte Finanzierung eingeplant.

21. Prüfung der ursprünglichen Zahlen aus deinem Programm

Ich habe die Originaldatei nochmals anhand der einzelnen Maßnahmen geprüft. Dabei werden einige Widersprüche sichtbar, die wir vor einer endgültigen Wachstums- und Haushaltsrechnung korrigieren müssen.

Maßnahme

Ergebnis der Prüfung

Konsequenz

7.1 Kinderbetreuung

Die Einzelposten ergeben rechnerisch 2,8–4,5 Mrd. €

Kostenbestandteile auf Doppelzählungen prüfen

7.2 Familiengeld

12–15 Mrd. € brutto stehen einer Modellrechnung von 5,28 Mrd. € gegenüber

Anspruchszahlen und Förderdefinition vereinheitlichen

7.3 Flexible Arbeitszeit

Die Einzelposten ergeben 1,1–1,9 Mrd. €; die Gesamtangabe lautet 1,2–1,5 Mrd. €

Festlegen, welche Kosten staatliche Ausgaben sind

7.4 Homeoffice

Die Einzelposten ergeben 1,05–1,50 Mrd. €; die Gesamtangabe lautet 1,0–1,3 Mrd. €

Steuervergünstigungen und Zuschüsse trennen

7.5 Kinderkrankentage

Die Einzelposten ergeben 1,95–3,50 Mrd. €; an anderer Stelle stehen 1,2–1,6 Mrd. €

Leistungstage, Lohnersatz und Arbeitgebererstattung neu berechnen

7.6 FamilyStark

Die Einzelposten ergeben 5,71–7,61 Mrd. €

Kinderbetreuung und Beschäftigungsförderungen abgrenzen

21.1 Familiengeld: Warum 5,28 und 12–15 Milliarden Euro nicht zusammenpassen

Im Originalprogramm steht ein Bruttokostenansatz von 12–15 Milliarden Euro. Die bisherige Modellrechnung verwendet dagegen 500.000 Paare und 100.000 Alleinerziehende:

  • 500.000 Paare × 9.600 Euro pro Jahr = 4,8 Mrd. Euro

  • 100.000 Alleinerziehende × 4.800 Euro pro Jahr = 0,48 Mrd. Euro

  • Gesamt: 5,28 Mrd. Euro pro Jahr

Die Differenz beträgt damit 6,72 bis 9,72 Milliarden Euro gegenüber dem ursprünglichen Ansatz.

Um 12 Milliarden Euro allein mit dem Familiengeld zu erreichen, wären bei unveränderten 100.000 Alleinerziehenden ungefähr 1,2 Millionen geförderte Paare erforderlich. Bei 15 Milliarden Euro wären es ungefähr 1,51 Millionen Paare.

Das sind rechnerische Größen, keine Prognose der tatsächlichen Zahl anspruchsberechtigter Familien.

21.2 Kinderkrankentage: Die behauptete Selbstfinanzierung ist nicht belegt

Im Originalprogramm werden 1,2–1,6 Milliarden Euro Bruttokosten und 0,8–1,1 Milliarden Euro Rückflüsse genannt. Daraus ergibt sich bei einfacher Gegenüberstellung:

  • niedrigste Nettokosten: 1,2 − 1,1 = 0,1 Mrd. Euro

  • höchste Nettokosten: 1,6 − 0,8 = 0,8 Mrd. Euro

Die angegebenen negativen Nettokosten von −0,1 bis −0,4 Milliarden Euro folgen also nicht aus diesen Zahlen. Dafür müssten zusätzliche, belegte Einsparungen oder Einnahmen nachgewiesen werden.

21.3 FamilyStark: Der 2-%-Rabatt ist ein großer Kostenfaktor

Die ursprüngliche Rechnung für den Family Friendliness Index lautet:

20.000 Unternehmen × 8 Millionen Euro durchschnittliche Lohnsumme × 2 % Rabatt = 3,2 Milliarden Euro jährlich.

Die Rechnung stimmt mathematisch. Offen bleibt, ob die zugrunde gelegte Lohnsumme und die Zahl der teilnahmeberechtigten Unternehmen realistisch sind. Außerdem muss geklärt werden, ob der Rabatt tatsächlich zusätzliche Familienfreundlichkeit bewirkt oder überwiegend bestehende Leistungen belohnt.

22. Konsequenz für den Haushaltsplan

Die zuvor vorgeschlagenen 10,38 Milliarden Euro sind ein politischer Budgetdeckel, keine aus den Einzelmaßnahmen abgeleitete Kostenschätzung. Ich würde diesen Betrag daher nicht als endgültige Kostenprognose veröffentlichen.

Stattdessen sollte die nächste Fassung des Programms zwei Zahlen getrennt ausweisen:

  1. Politischer Budgetrahmen: Wie viel der Staat höchstens bereitstellen will.

  2. Erwartete tatsächliche Kosten: Wie viel bei den festgelegten Anspruchsvoraussetzungen und der erwarteten Inanspruchnahme voraussichtlich ausgegeben wird.

Danach können wir die Einnahmen und wirtschaftlichen Effekte untersuchen. Die korrekte Reihenfolge ist entscheidend: Erst die Bruttokosten berechnen, dann zusätzliche Steuern und Sozialbeiträge schätzen und schließlich die Nettobelastung des jeweiligen Haushalts bestimmen.

Als nächstes sollten wir die Förderfälle für 7.1 und 7.2 festlegen. Diese beiden Maßnahmen haben besonders großen Einfluss auf die Gesamtsumme. Anschließend lässt sich das gesamte Programm konsistent neu kalkulieren, statt unterschiedliche und teilweise widersprüchliche Schätzungen weiterzuverwenden.

23. Die Förderfälle konkretisieren: von der politischen Idee zur Kostenrechnung

Wir machen mit der ursprünglichen Programmstruktur weiter. Der nächste Schritt ist, für jede Maßnahme eine Berechnungsformel festzulegen und anschließend die Annahmen zu prüfen.

Dabei gilt: Eine Budgetobergrenze ist eine politische Entscheidung; die erwarteten Kosten ergeben sich aus den tatsächlich anspruchsberechtigten und geförderten Fällen.

23.1 Maßnahme 7.1 – betriebliche Kinderbetreuung

Für diese Maßnahme sollten wir drei Förderbereiche unterscheiden:

Förderbereich

Berechnungsgrundlage

Noch benötigte Angaben

Neue Betreuungsplätze

Zahl neuer Plätze × Investitionszuschuss je Platz

Zahl der Plätze, Kosten je Platz, Förderquote

Laufender Betrieb

Zahl geförderter Plätze × jährlicher Betriebskostenzuschuss

Betriebskosten, Eigenanteil des Unternehmens

Notfallbetreuung

Zahl der Nutzungen × Zuschuss je Nutzung

Erwartete Nutzungen, Kosten je Fall

Die bisherigen 2,8 bis 4,5 Milliarden Euro lassen sich erst dann bestätigen, wenn die einzelnen Förderbereiche eindeutig abgegrenzt sind. Besonders wichtig ist, Investitionskosten nicht mit wiederkehrenden Betriebskosten zu verwechseln.

23.2 Maßnahme 7.2 – Familiengeld: eine wichtige Korrektur

Dein Originalprogramm definiert die Leistung eindeutig: Beide Eltern arbeiten 28–32 Stunden pro Woche und erhalten jeweils 400 Euro monatlich, bis das jüngste Kind acht Jahre alt ist. Alleinerziehende erhalten 400 Euro monatlich, wenn sie selbst 28–32 Stunden arbeiten.

Eingefügter Text(3).txt

Daraus folgt:

\[ \text{Jahreskosten} =9.600\,€\times P+4.800\,€\times A \]

Dabei ist \(P\) die Zahl der geförderten Paare und \(A\) die Zahl der geförderten Alleinerziehenden.

Geförderte Paare

Alleinerziehende

Jahreskosten

300.000

60.000

3,168 Mrd. €

500.000

100.000

5,280 Mrd. €

800.000

150.000

8,400 Mrd. €

1.100.000

200.000

11,520 Mrd. €

Die ursprünglichen 12–15 Milliarden Euro sind daher nicht unmöglich, setzen aber deutlich mehr Leistungsbeziehende voraus als das Basisszenario. Ob diese Zahl realistisch ist, muss anhand der Zahl der Familien mit Kindern bis zum achten Lebensjahr und der Erwerbsstunden beider Eltern geprüft werden.

23.3 Welche Fallzahlen wären für 12–15 Milliarden Euro nötig?

Wenn wir für Alleinerziehende weiterhin 100.000 Förderfälle annehmen, ergeben sich folgende erforderliche Paarzahlen:

Zielbudget

Erforderliche Paare

Alleinerziehende

Gesamtkosten

12 Mrd. €

1.200.000

100.000

12,00 Mrd. €

15 Mrd. €

1.512.500

100.000

15,00 Mrd. €

Das ist eine reine Rückwärtsrechnung. Sie zeigt, welche Zahl von Leistungsbeziehenden erforderlich wäre, nicht, wie viele tatsächlich anspruchsberechtigt sein werden.

24. Wie wir den Gesamtetat jetzt sinnvoll aufbauen

Ich empfehle, die sechs Maßnahmen künftig in drei Haushaltsgruppen zu führen:

Gruppe A – Direkte Familienleistungen

  • 7.2 Familiengeld: nach Anspruchszahl und tatsächlicher Inanspruchnahme berechnen.

  • 7.5 Kinderkrankengeld: nach zusätzlichen Leistungstagen und durchschnittlicher Leistung berechnen.

    Gruppe B – Betreuung und Arbeitsorganisation

  • 7.1 Neue Betreuungsplätze, Investitionen, Betriebskosten und Notfallbetreuung.

  • 7.3 Jobsharing, KMU-Beratung und gezielte Arbeitszeitförderung.

  • 7.4 Digitalisierungszuschüsse und steuerliche Vergünstigungen.

    Gruppe C – Unternehmensanreize

  • 7.6 Nur zusätzliche Förderungen, die nicht bereits unter 7.1, 7.3 oder 7.4 finanziert werden.

Damit können wir die Ausgaben jeder Gruppe separat ausweisen und Doppelzählungen systematisch verhindern.

25. Vorläufige Haushaltsregel für das Parteiprogramm

Ich würde folgenden Grundsatz aufnehmen:

Transparente Finanzierung der Familienpolitik

Sämtliche familienpolitischen Fördermaßnahmen werden mit einer eigenen Berechnungsgrundlage versehen. Diese weist die Zahl der Anspruchsberechtigten, die erwartete Inanspruchnahme, den durchschnittlichen Förderbetrag sowie die einmaligen und wiederkehrenden Kosten aus.

Leistungen, die bereits aus einem anderen Förderprogramm finanziert werden, dürfen nicht nochmals vollständig bezuschusst werden. Steuervergünstigungen, direkte Zuschüsse und gesetzliche Ansprüche werden getrennt ausgewiesen. Der endgültige Haushaltsrahmen wird auf Grundlage einer konsolidierten Kostenrechnung festgelegt.

Als nächstes sollten wir die Fallzahlen für die betriebliche Kinderbetreuung ermitteln. Dafür benötigen wir die Zahl der Unternehmen ab 250 Beschäftigten, die Zahl der bereits vorhandenen betrieblichen oder gemeinschaftlichen Betreuungsplätze und die durchschnittlichen Investitions- und Betriebskosten je zusätzlichem Platz. Erst mit diesen Daten lässt sich überprüfen, ob die vorgesehenen 1,2–1,8 Milliarden Euro für den verpflichtenden Betriebskita-Pfad ausreichen.

26. Betriebliche Kinderbetreuung: Reichen 1,2–1,8 Milliarden Euro?

Der nächste Schritt ist, die Kosten der verpflichtenden betrieblichen Kinderbetreuung aus deinem Programm in Investitionskosten, laufende Betriebskosten und staatliche Zuschüsse aufzuteilen. Das ist wichtig, weil diese Kosten nicht einfach addiert werden dürfen, wenn die Investitions- und Betriebshilfen bereits einen Teil der verpflichtenden Betreuung finanzieren.

Die zentrale Frage lautet: Wie viele zusätzliche Betreuungsplätze müssten geschaffen werden, und wie viel würde ein zusätzlicher Platz den Staat tatsächlich kosten?

26.1 Amtliche Ausgangsdaten

  • In Deutschland gab es 2024 18.632 rechtliche Einheiten mit mindestens 250 Beschäftigten. Das ist die relevante Größenordnung für eine mögliche Verpflichtung, aber nicht automatisch die Zahl der benötigten Kitas: Ein Unternehmen kann mehrere Standorte haben, und Betreuung kann gemeinsam organisiert werden.

    GENESIS-Online+1

  • Am 1. März 2025 gab es 796 Kindertageseinrichtungen für Kinder von Betriebsangehörigen. Diese Zahl beschreibt Einrichtungen, nicht die Gesamtzahl der Plätze und auch nicht alle Kooperations- oder Belegplätze.

    Statistisches Bundesamt

  • Die Investitionskosten schwanken erheblich nach Alter der Kinder und Bauform. Eine DJI-Kalkulation schätzt für 2030 rund 53.400 Euro für einen U3-Neubauplatz und 26.700 Euro für einen Ü3-Neubauplatz; bei Erweiterungsbauten werden jeweils ungefähr die halben Kosten angesetzt. Es sind Schätzwerte, keine bundesweit verbindlichen Einheitspreise.

    DJI

26.2 Was kostet der Ausbau?

Für eine erste Größenordnung rechne ich mit drei Szenarien. Die Zahl zusätzlicher Plätze je Unternehmen ist dabei eine Modellannahme, keine amtlich festgestellte Bedarfszahl.

Szenario

Unternehmen mit zusätzlichem Bedarf

Plätze je Unternehmen

Zusätzliche Plätze

Niedrig

5 % von 18.632

20

rund 18.600

Mittel

10 % von 18.632

30

rund 55.900

Hoch

20 % von 18.632

40

rund 149.100

Bei einer gemischten Bauform aus Neubauten und Erweiterungen könnten die Investitionskosten je Platz niedriger liegen als beim vollständigen Neubau. Für eine vorsichtige Bandbreite verwende ich hier 13.350 bis 53.400 Euro pro Platz.

Szenario

Gesamte Investition vor Zuschüssen

Staatlicher Zuschuss bei 50–70 %

Niedrig: 18.600 Plätze

0,25–0,99 Mrd. €

0,12–0,69 Mrd. €

Mittel: 55.900 Plätze

0,75–2,99 Mrd. €

0,37–2,09 Mrd. €

Hoch: 149.100 Plätze

1,99–7,96 Mrd. €

1,00–5,57 Mrd. €

Die Werte sind gerundete Szenariorechnungen. Die Zuschüsse sind einmalige Investitionsausgaben, soweit sie tatsächlich für neu geschaffene oder ausgebaute Plätze gezahlt werden. Die Betriebskosten sind darin noch nicht enthalten.

26.3 Bewertung der bisher vorgesehenen Mittel

Dein Programm sieht für betriebliche Kinderbetreuung 1,2–1,8 Milliarden Euro und zusätzlich 0,6–0,9 Milliarden Euro Investitionszuschüsse sowie 0,3–0,5 Milliarden Euro Betriebskostenzuschüsse vor.

Das muss noch sauber getrennt werden:

  1. Investitionszuschuss: einmalige Ausgaben für Bau, Umbau und Ausstattung.

  2. Betriebskostenzuschuss: laufende Ausgaben, hier für die ersten drei Jahre.

  3. Pflicht zur Bereitstellung: kann zunächst Kosten bei Unternehmen verursachen, ist aber nicht automatisch eine Ausgabe des Staates.

Falls die 1,2–1,8 Milliarden Euro bereits die Gesamtkosten der verpflichtenden Betreuung darstellen, dürfen die Zuschüsse nicht einfach noch einmal vollständig addiert werden. Falls sie dagegen ausschließlich die Kosten der Unternehmen bezeichnen, muss der staatliche Zuschuss gesondert berechnet werden.

Zwischenergebnis: Die vorgesehenen Zuschüsse sind für ein begrenztes Ausbauprogramm plausibel, aber noch nicht als ausreichend nachgewiesen. Für eine belastbare Endsumme fehlen insbesondere die Zahl der zusätzlich erforderlichen Plätze, die Altersstruktur der Kinder und die jährlichen Personal- und Betriebskosten pro Platz.

26.4 Empfehlung für das Parteiprogramm

Die Pflicht sollte nicht pauschal verlangen, dass jedes Unternehmen ab 250 Beschäftigten eine eigene Kita baut. Wirtschaftlich sinnvoller wäre eine Betreuungspflicht mit Wahlmöglichkeit:

  • eigene Betriebskita,

  • gemeinsame Kita mehrerer Unternehmen,

  • Belegplätze bei bestehenden Trägern,

  • finanzierte Plätze bei kommunalen oder freien Trägern,

  • Zuschüsse nur für nachgewiesene zusätzliche Plätze.

Damit lassen sich unnötige Neubauten und Mitnahmeeffekte vermeiden. Die Förderung sollte außerdem an tatsächlich geschaffene Plätze, verlässliche Öffnungszeiten und eine mehrjährige Nutzung gebunden werden.

Der nächste Rechenschritt ist, die laufenden Kosten je zusätzlichem Platz einzubeziehen. Erst dann lässt sich entscheiden, ob die geplanten jährlichen Mittel ausreichen oder ob der Haushalt dauerhaft stärker belastet wird

27. Laufende Betriebskosten: Was kostet jeder zusätzliche Kita-Platz?

Für die Wirtschaftlichkeitsrechnung ist jetzt vor allem entscheidend, dass Investitionskosten und jährliche Betriebskosten getrennt betrachtet werden.

Eine amtliche Vergleichsgröße liefert das Statistische Bundesamt: Kindertageseinrichtungen in freier Trägerschaft gaben 2022 durchschnittlich 12.300 Euro je betreutem Kind aus. Für Kinder unter drei Jahren waren es 18.600 Euro, für Kindergartenkinder von drei Jahren bis zum Schuleintritt 10.900 Euro. Knapp 80 % der Ausgaben entfielen auf Personal.

Statistisches Bundesamt

Diese Werte sind bundesweite Durchschnittswerte aus 2022 und keine speziell ermittelten Kosten von Betriebskitas. Sie eignen sich daher als Ausgangspunkt, nicht als exakte Prognose für dein Programm.

27.1 Jährliche Gesamtkosten nach Platzanzahl

Für die Modellrechnung setze ich drei jährliche Kostenansätze an:

  • 10.900 Euro je Platz: Vergleichswert für Kinder ab drei Jahren.

  • 12.300 Euro je Platz: Durchschnitt aller Altersgruppen in der genannten Erhebung.

  • 18.600 Euro je Platz: Vergleichswert für Kinder unter drei Jahren.

    Statistisches Bundesamt

Zusätzliche Plätze

Bei 10.900 €/Jahr

Bei 12.300 €/Jahr

Bei 18.600 €/Jahr

18.600

203 Mio. €

229 Mio. €

346 Mio. €

55.900

609 Mio. €

687 Mio. €

1,04 Mrd. €

149.100

1,63 Mrd. €

1,83 Mrd. €

2,77 Mrd. €

Die Tabelle zeigt die gesamten jährlichen Betreuungsausgaben vor Abzug von Elternbeiträgen, Unternehmensanteilen und anderen Zuschüssen. Sie sind nicht automatisch gleich hoch wie die staatlichen Nettokosten.

27.2 Wie viele Plätze finanziert der geplante Betriebskostenzuschuss?

Wenn der Staat 50 % der Betriebskosten übernimmt, ergibt sich beim Durchschnittswert von 12.300 Euro je Platz ein Zuschuss von 6.150 Euro pro Platz und Jahr.

Staatlicher Zuschuss pro Jahr

Finanzierbare Plätze pro Jahr

300 Mio. €

rund 48.800

400 Mio. €

rund 65.000

500 Mio. €

rund 81.300

Die Rechnung lautet:

\[ \text{Plätze}=\frac{\text{jährlicher Zuschussetat}}{6.150\,€} \]

Wichtig: Diese Zahlen gelten nur, wenn die 300–500 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung stehen. Sind sie als Gesamtbudget für die gesamte dreijährige Förderperiode gedacht, reicht das Geld rechnerisch nur für etwa 16.300–27.100 Plätze über diesen Zeitraum bei gleichbleibendem Förderumfang.

27.3 Wie wirkt sich das auf den Staatshaushalt aus?

Für die weitere Programmplanung würde ich drei Dinge ändern:

  1. Investitionszuschüsse separat ausweisen: Die 600–900 Millionen Euro dürfen nicht als jährlich wiederkehrende Ausgaben behandelt werden, sofern sie nur für den erstmaligen Ausbau vorgesehen sind.

  2. Betriebskostenzuschüsse ausdrücklich als Jahresbetrag definieren: Sonst ist die Haushaltsbelastung nicht eindeutig.

  3. Die Förderung auf zusätzliche Plätze begrenzen: Bereits bestehende Plätze sollten nicht pauschal bezuschusst werden, wenn sie auch ohne Förderung angeboten würden. Das senkt Mitnahmeeffekte.

Als Größenvergleich: Die gesamten öffentlichen Ausgaben für Kindertagesbetreuung in Deutschland lagen 2024 bei rund 48,8 Milliarden Euro. Ein zusätzlicher jährlicher Zuschuss von 300–500 Millionen Euro entspräche etwa 0,6–1,0 % davon.

Statistische Bibliothek

28. Vorläufige Korrektur für Abschnitt 7.1

Maßnahme

Bisherige Programmplanung

Wirtschaftliche Bewertung

Verpflichtende betriebliche Betreuung

1,2–1,8 Mrd. €

Unklar, ob Unternehmenskosten oder Staatsausgaben

Investitionsförderung

0,6–0,9 Mrd. €

Als einmalige Ausgaben ausweisen

Betriebskostenzuschuss

0,3–0,5 Mrd. €

Als jährlichen Betrag definieren

Notfallbetreuung

0,1–0,2 Mrd. €

Fallzahlen und Kosten pro Betreuungsfall erforderlich

Fazit: Die bisherigen Ansätze lassen sich noch nicht zu einer belastbaren Gesamtsumme addieren. Der größte methodische Fehler wäre, Unternehmensaufwendungen, staatliche Zuschüsse und wiederkehrende Betriebskosten als gleichartige jährliche Staatsausgaben zu behandeln.

Für das Parteiprogramm empfehle ich deshalb, die Förderung zunächst auf einen klar definierten jährlichen Höchstbetrag zu begrenzen und sie nach drei Jahren anhand der tatsächlich zusätzlich geschaffenen Plätze, der Kosten je Platz und der Auswirkungen auf die Erwerbstätigkeit zu evaluieren. Damit wird der Haushalt kalkulierbarer und die Förderung stärker auf nachweisbare Ergebnisse ausgerichtet.

29. Abschnitt 7.2: Familienarbeitszeit mit 400 Euro Familiengeld

Jetzt prüfen wir, ob die Familienarbeitszeit das Wirtschaftswachstum stärkt, wie hoch die tatsächlichen Staatskosten sind und ob die angenommenen Steuerrückflüsse realistisch sind.

29.1 Ist die Maßnahme wirtschaftlich sinnvoll?

Die Ausgangslage spricht dafür, das Problem ernst zu nehmen: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes arbeiteten 2024 74,4 % der erwerbstätigen Mütter mit Kindern unter sechs Jahren in Teilzeit, während bei den Vätern 91,3 % vollzeitbeschäftigt waren.

Statistisches Bundesamt

Das bedeutet aber nicht, dass alle diese Mütter mehr arbeiten möchten oder können. Die Wirkung hängt unter anderem von Betreuungsplätzen, Arbeitszeitwünschen, Gesundheit und den Arbeitsmöglichkeiten im jeweiligen Beruf ab.

Ökonomischer Mechanismus: Wenn Eltern ihre Arbeitszeit tatsächlich erhöhen, entstehen zusätzliche Arbeitsstunden. Dadurch können Produktion, Einkommen, Steuern und Sozialbeiträge steigen. Wenn Eltern dagegen lediglich ihre bisherige Arbeitszeit in das geförderte Zeitfenster verlagern, ist der zusätzliche Wachstumseffekt deutlich kleiner.

29.2 Was kostet das Familiengeld?

Laut deinem Programm erhalten beide Eltern jeweils 400 Euro monatlich, sofern sie 28–32 Stunden pro Woche arbeiten. Alleinerziehende erhalten ebenfalls 400 Euro monatlich.

Daraus folgt:

  • Elternpaar: \(2 \times 400 \times 12 = 9.600\) Euro jährlich

  • Alleinerziehende: \(400 \times 12 = 4.800\) Euro jährlich

Geförderte Elternpaare

Alleinerziehende

Jährliche Bruttokosten

300.000

60.000

3,168 Mrd. €

500.000

100.000

5,280 Mrd. €

800.000

150.000

8,400 Mrd. €

1.100.000

200.000

11,520 Mrd. €

Die Rechnung unterstellt, dass beide Elternteile eines geförderten Paares jeweils 400 Euro bekommen. Sie berücksichtigt noch keine Steuerrückflüsse, Verwaltungskosten oder Einsparungen bei anderen Sozialleistungen.

29.3 Wie viel zusätzliches Wachstum ist möglich?

Entscheidend ist nicht die Zahl der geförderten Personen allein, sondern die zusätzliche Arbeitsleistung gegenüber dem Zustand ohne Förderung.

Ein vereinfachtes Beispiel: Wenn 500.000 geförderte Elternpaare im Durchschnitt jeweils nur eine zusätzliche Arbeitsstunde pro Woche je Elternteil leisten, entstehen bei 46 Arbeitswochen:

\[ 500.000 \times 2 \times 1 \times 46 =46\,\text{Mio. zusätzliche Arbeitsstunden} \]

Das kann die Wirtschaftsleistung erhöhen. Wie stark, hängt jedoch von Produktivität, Löhnen, Branche und davon ab, ob die zusätzlichen Stunden tatsächlich zusätzlich geleistet werden.

Wirkung

Einschätzung

Arbeitsangebot

Positiv, wenn tatsächlich zusätzliche Stunden entstehen

Bruttoinlandsprodukt

Tendenziell positiv, abhängig von der zusätzlichen Produktion

Steuereinnahmen

Positiv bei zusätzlichen steuerpflichtigen Einkommen und Gewinnen

Sozialbeiträge

Tendenziell höher bei zusätzlicher beitragspflichtiger Beschäftigung

Staatsfinanzen

Zunächst hohe direkte Ausgaben; Rückflüsse sind nicht garantiert

Geburtenrate

Möglich, aber ein konkreter Effekt von +0,02 bis +0,05 TFR ist ohne belastbare Wirkungsstudie nicht nachgewiesen

29.4 Das zentrale Problem: Mitnahmeeffekte und Fehlanreize

Das Modell hat drei Risiken:

  1. Mitnahmeeffekte: Familien erhalten die Förderung, obwohl sie ohnehin 28–32 Stunden gearbeitet hätten.

  2. Arbeitszeitfalle: Wer mehr als 32 Stunden arbeiten möchte, könnte den Anspruch verlieren. Ein harter Anspruchsverlust an der Grenze schafft einen Fehlanreiz.

  3. Hohe Kosten je zusätzlicher Arbeitsstunde: Wenn viele ohnehin anspruchsberechtigte Eltern gefördert werden, können die Kosten erheblich sein, ohne dass die Erwerbstätigkeit entsprechend steigt.

Deshalb sollte die Förderung nicht allein an eine bestimmte Wochenstundenzahl geknüpft sein. Besser wäre eine gleitende Förderung, die bei steigender Arbeitszeit schrittweise ausläuft, statt bei Überschreiten von 32 Stunden abrupt wegzufallen.

29.5 Wie lassen sich die Kosten senken?

Für eine wirtschaftlich effizientere Ausgestaltung empfehle ich:

  • Förderung nur für Familien mit einem Kind unter acht Jahren, wie im ursprünglichen Konzept vorgesehen.

  • Begrenzung auf einen klar definierten Einkommensbereich, sofern das politische Ziel die Vereinbarkeit und nicht eine allgemeine Einkommenssubvention ist.

  • Nachweis einer tatsächlichen Arbeitszeit im Zielkorridor.

  • Gleitender Ausstieg aus der Förderung bei höherer Arbeitszeit, um zusätzliche Beschäftigung nicht zu bestrafen.

  • Zusätzliche Förderung nur, wenn die Arbeitszeit gegenüber einer vorherigen Referenzperiode steigt – mit Ausnahmen für Eltern, die bereits im Zielkorridor arbeiten und deren Förderung ausdrücklich sozialpolitisch begründet wird.

Der letzte Punkt senkt Mitnahmeeffekte, schließt aber bestehende Familien aus, wenn er zu streng umgesetzt wird. Es handelt sich daher um eine politische Abwägung zwischen gezielter Wachstumsförderung und breiter Familienentlastung.

29.6 Vorläufiges Ergebnis für dein Parteiprogramm

Die Maßnahme kann das Wachstum fördern, wenn sie zusätzliche Arbeitsstunden ermöglicht und die Vereinbarkeit verbessert. Die bisher genannten 12–15 Milliarden Euro Bruttokosten und 4–7 Milliarden Euro Rückflüsse sind aber noch nicht ausreichend belegt: Für eine belastbare Nettozahl braucht es eine realistische Schätzung der Anspruchsberechtigten, der zusätzlichen Arbeitsstunden und der daraus entstehenden Steuer- und Beitragseinnahmen.

Mein Vorschlag wäre, zunächst mit einem gesetzlich festgelegten Ausgabenrahmen zu starten und die Förderung nach drei Jahren anhand von drei Kennzahlen zu bewerten: zusätzliche Arbeitsstunden, zusätzliche Beschäftigung und staatliche Nettokosten je zusätzlicher Arbeitsstunde.

Als Nächstes sollte Abschnitt 7.3 – flexible Arbeitszeitmodelle und Rückkehrrecht auf Vollzeit geprüft werden. Dabei ist besonders wichtig, die Kosten gesetzlicher Arbeitgeberpflichten von echten Staatsausgaben zu trennen.

30. Abschnitt 7.3: Flexible Arbeitszeiten und Rückkehrrecht auf Vollzeit

Der nächste Programmpunkt umfasst fünf Maßnahmen: vollzeitnahe Teilzeit, Rückkehrrecht auf Vollzeit, jährliche Flexibilitätsgespräche, Förderung von Jobsharing und Unterstützungsprogramme für kleine und mittlere Unternehmen.

Für die Wirtschaftsanalyse ist eine Unterscheidung entscheidend: Ein gesetzlicher Anspruch verursacht nicht automatisch gleich hohe Staatsausgaben. Die unmittelbaren Kosten entstehen zunächst bei Arbeitgebern und Beschäftigten; staatliche Ausgaben fallen vor allem bei Förderprogrammen, Verwaltung und gegebenenfalls steuerlichen Vergünstigungen an.

30.1 Welche Kosten stehen im ursprünglichen Programm?

Dein Dokument nennt folgende jährliche Ansätze:

Maßnahme

Angegebene Kosten pro Jahr

Wer trägt die unmittelbaren Kosten?

Recht auf vollzeitnahe Teilzeit

0,2–0,4 Mrd. €

Vor allem Unternehmen durch Personalplanung und mögliche Ersatzbesetzung

Rückkehrrecht auf Vollzeit

0,2–0,4 Mrd. €

Vor allem Unternehmen; staatliche Kosten nur bei zusätzlichen Förderungen

Verpflichtende Flexibilitätsgespräche

0,1–0,2 Mrd. €

Vor allem Unternehmen durch Arbeitszeitaufwand

Förderung von Jobsharing

0,2–0,3 Mrd. €

Staat, soweit Zuschüsse gezahlt werden

Programme für kleine und mittlere Unternehmen

0,4–0,6 Mrd. €

Staat, soweit öffentliche Fördermittel eingesetzt werden

Summe

1,1–1,9 Mrd. €

Gemischte Kosten

Die Summe der Einzelansätze beträgt rechnerisch 1,1–1,9 Milliarden Euro pro Jahr. Die abweichende Angabe von 1,2–1,5 Milliarden Euro im Programm ist mit den Einzelpositionen nicht vollständig vereinbar.

Die Zahlen sind zunächst Programmannahmen. Sie sind nicht durch Fallzahlen oder eine konkrete Kostenstudie abgesichert.

30.2 Was gilt bereits heute?

Das deutsche Teilzeitrecht enthält schon heute wichtige Ansprüche:

  • Nach § 8 Teilzeit- und Befristungsgesetz besteht unter bestimmten Voraussetzungen ein Anspruch auf Verringerung der Arbeitszeit.

  • Die Brückenteilzeit ermöglicht unter bestimmten Voraussetzungen eine zeitlich begrenzte Verringerung mit anschließender Rückkehr zur vorherigen vertraglichen Arbeitszeit.

  • Ein allgemeiner Anspruch, nach einer Teilzeitphase automatisch auf eine höhere Vollzeitstundenzahl zurückzukehren, besteht dagegen nicht in jeder Situation.

    Gesetze im Internet+2

Dein Programm wäre deshalb teilweise eine Ausweitung vorhandener Rechte und nicht in allen Punkten eine vollständige Neueinführung.

30.3 Welche Auswirkungen hat das auf das Wirtschaftswachstum?

Positiver Effekt: mehr Arbeitsstunden

Wenn Eltern nach der Familienphase schneller in Vollzeit zurückkehren, kann das Arbeitsangebot steigen. Das ist besonders relevant, weil 2024 rund 68 % der erwerbstätigen Mütter mit minderjährigen Kindern in Teilzeit arbeiteten.

Statistisches Bundesamt

Möglicher Nachteil: höhere Organisationskosten

Unternehmen müssen Vertretungen, Übergaben und Arbeitszeitmodelle koordinieren. Besonders in kleinen Betrieben oder Schichtberufen können die Kosten höher sein als in Bürotätigkeiten.

Produktivität und Bindung

Jobsharing kann Fachkräfte halten und Führungspositionen zugänglicher machen. Ob dadurch die Produktivität steigt, hängt von der konkreten Organisation und den Kosten der Zusammenarbeit ab.

Ein konkreter zusätzlicher BIP-Effekt lässt sich aus den bisherigen Programmangaben nicht seriös ableiten. Dafür fehlen insbesondere die Zahl der zusätzlich geleisteten Arbeitsstunden, die Zahl der tatsächlich zurückkehrenden Beschäftigten und die Produktivität der betroffenen Arbeitsplätze.

30.4 Wie würde ich die Maßnahme wirtschaftlich optimieren?

Ich würde die Förderung auf nachweisbare zusätzliche Beschäftigung und besonders schwierige Umstellungen konzentrieren:

  1. Jobsharing-Zuschüsse nur für neu geschaffene oder nachweislich gesicherte Arbeitsplätze.

  2. KMU-Förderung mit Eigenanteil des Unternehmens und einer Obergrenze pro Betrieb.

  3. Rückkehrrecht mit klaren betrieblichen Ausnahmen, wenn die konkrete Vollzeitstelle nicht mehr existiert; möglichst mit Anspruch auf eine gleichwertige Stelle.

  4. Flexibilitätsgespräche als gesetzliche Organisationspflicht, aber ohne pauschale staatliche Erstattung der dafür anfallenden Personalkosten.

  5. Keine doppelte Förderung: Kosten, die bereits über die Homeoffice- oder FamilienStark-Programme bezuschusst werden, dürfen nicht ein zweites Mal gefördert werden.

30.5 Überarbeiteter Haushaltsansatz

Für die politische Planung würde ich die bisherigen 1,1–1,9 Milliarden Euro nicht einfach als gesicherte Staatsausgaben übernehmen. Sinnvoller ist eine vorläufige Begrenzung der direkten öffentlichen Förderung:

Förderbereich

Vorgeschlagener jährlicher Höchstbetrag

Jobsharing und Tandem-Führungspositionen

0,2 Mrd. €

KMU-Programme für familienfreundliche Arbeitsorganisation

0,4 Mrd. €

Evaluation und Verwaltung

0,02 Mrd. €

Gesamt

0,62 Mrd. €

Das ist ein politischer Ausgabenrahmen, keine wissenschaftlich ermittelte optimale Summe. Die gesetzlichen Arbeitszeitrechte und Flexibilitätsgespräche sind davon getrennt zu betrachten; ihre tatsächlichen betrieblichen Kosten wären gesondert zu schätzen.

Zwischenergebnis zu Abschnitt 7.3: Das Programm kann das Wachstum durch höhere Erwerbsbeteiligung und die Sicherung von Fachkräften fördern. Die bisherige Kostenrechnung vermischt allerdings Arbeitgeberkosten und Staatsausgaben. Mit gezielten Zuschüssen und einer Begrenzung auf zusätzliche Beschäftigung lässt sich das finanzielle Risiko für den Staat reduzieren.

Als Nächstes folgt Abschnitt 7.4: Homeoffice und mobile Arbeit – mit der Frage, ob die vorgesehenen 1,0–1,3 Milliarden Euro tatsächlich zusätzliches Wachstum erzeugen oder überwiegend bestehende betriebliche Investitionen subventionieren würden.

31. Abschnitt 7.4: Homeoffice und mobile Arbeit

Dein Programm sieht einen Rechtsanspruch auf Homeoffice für Eltern mit Kindern unter zwölf Jahren, hybride Arbeitsmodelle, steuerliche Vorteile für digitale Arbeitsplätze, ergonomische Ausstattung und Digitalisierungszuschüsse für KMU vor.

Die amtlichen Daten zeigen, dass Homeoffice bereits verbreitet ist: 2025 arbeiteten rund 25 % der Erwerbstätigen zumindest gelegentlich von zu Hause. Bei Unternehmen mit mindestens 250 Beschäftigten lag der Anteil der Beschäftigten im Homeoffice bei 35 %, bei kleinen Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten bei 19 %.

Statistisches Bundesamt

Das spricht dafür, dass es bereits eine breite Infrastruktur und Erfahrung gibt. Die zusätzliche Förderung sollte daher vor allem dort ansetzen, wo sie tatsächlich neue Möglichkeiten schafft.

31.1 Prüfung der bisherigen Kostenansätze

Dein Programm nennt folgende Ausgaben:

Maßnahme

Bisheriger Ansatz pro Jahr

Haushaltsbewertung

Rechtsanspruch auf Homeoffice

0,2–0,3 Mrd. €

Keine automatische Staatsausgabe; vor allem betriebliche Organisationskosten

Förderung hybrider Arbeitsmodelle

0,1–0,2 Mrd. €

Nur bei staatlichen Zuschüssen direkte Haushaltsausgabe

Steuerliche Förderung digitaler Arbeitsplätze

0,3–0,4 Mrd. €

Steuermindereinnahmen, abhängig von der Ausgestaltung

Ergonomische Ausstattung

0,05–0,1 Mrd. €

Direkte Staatsausgabe, wenn bezuschusst

Digitalisierungsprogramme für KMU

0,4–0,5 Mrd. €

Direkte Ausgaben bei Zuschüssen; Kredite sind gesondert zu bewerten

Die Summe der Einzelansätze beträgt 1,05–1,5 Milliarden Euro jährlich. Dein Programm nennt an anderer Stelle 1,0–1,3 Milliarden Euro. Diese Abweichung sollte bereinigt werden.

31.2 Was bringt Homeoffice der Wirtschaft?

Weniger Pendelzeit

Gesparte Wegezeiten können Familien entlasten. Ein Wachstumseffekt entsteht allerdings erst, wenn sich dadurch beispielsweise die Erwerbsbeteiligung, die geleisteten Arbeitsstunden oder die Produktivität verbessern.

Digitale Investitionen

Sichere IT, geeignete Software und digitale Arbeitsabläufe können Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Die Förderung sollte aber nicht jede ohnehin geplante Anschaffung subventionieren.

Grenzen nach Branche

In Büro- und IT-Berufen ist Homeoffice häufig möglich, in Pflege, Gastronomie, Produktion und Handwerk oft nur eingeschränkt. Ein pauschaler Anspruch auf zwei bis drei Tage pro Woche wäre daher nicht für alle Arbeitsplätze geeignet.

Statistisches Bundesamt+1

31.3 Mitnahmeeffekte reduzieren

Der wichtigste Kostenfaktor ist nicht unbedingt die Höhe der einzelnen Förderung, sondern die Frage, ob sie zusätzliche Investitionen auslöst.

Ein Beispiel: Ein Unternehmen plant ohnehin, 100 Laptops zu kaufen. Erhält es für diese Anschaffung einen Zuschuss, obwohl es die Geräte auch ohne Förderung gekauft hätte, entsteht ein Mitnahmeeffekt.

Besser wäre es, die Förderung an folgende Bedingungen zu knüpfen:

  • nachweislich zusätzliche Digitalisierung gegenüber einem Referenzzeitraum,

  • Vorrang für kleine Unternehmen mit tatsächlichen Finanzierungshürden,

  • Eigenanteil des Unternehmens,

  • Zuschüsse für sichere Infrastruktur, Weiterbildung und Prozessumstellung statt pauschal für jede Hardware,

  • keine Doppelförderung über andere Programme.

Für KMU gibt es bereits Fördermöglichkeiten über den ERP-Förderkredit Digitalisierung der KfW, der unter anderem Hard- und Software sowie weitere Digitalisierungsvorhaben finanziert. Dein Programm sollte deshalb prüfen, welche Lücke bestehende Angebote tatsächlich offenlassen.

KfW+1

31.4 Optimierter Haushaltsansatz

Ich würde den Abschnitt folgendermaßen neu kalkulieren:

Förderbereich

Vorgeschlagener jährlicher Höchstbetrag

Zuschüsse für zusätzliche hybride Arbeitsmodelle

0,10 Mrd. €

Steuerliche Förderung digitaler Arbeitsplätze

0,15 Mrd. €

Ergonomische Ausstattung

0,05 Mrd. €

Zusätzliche KMU-Digitalisierungszuschüsse

0,30 Mrd. €

Evaluation und Verwaltung

0,02 Mrd. €

Summe

0,62 Mrd. €

Die 620 Millionen Euro sind ein politischer Budgetvorschlag, keine empirisch nachgewiesene optimale Summe. Die steuerliche Förderung ist dabei als geschätzter Einnahmeverzicht zu verstehen; die übrigen Ansätze sind Förderobergrenzen, keine garantierten Ausgaben. Die tatsächliche Haushaltsbelastung hängt von der Inanspruchnahme ab.

Den Rechtsanspruch auf Homeoffice würde ich separat regeln und nicht mit pauschalen staatlichen Kosten veranschlagen. Er sollte gelten, soweit die Tätigkeit geeignet ist und keine hinreichenden betrieblichen Gründe entgegenstehen.

31.5 Ergebnis für Wirtschaftswachstum und Staat

  • Wirtschaftswachstum: wahrscheinlich positiv, wenn zusätzliche Erwerbsarbeit, Produktivität oder digitale Investitionen entstehen; die Größenordnung ist nicht belegt.

  • Staatshaushalt: durch gezielte Förderung begrenzbar; die bisherigen Einzelansätze sind nicht sauber nach Staatsausgaben, Steuermindereinnahmen und Unternehmensaufwand getrennt.

  • Effizienz: höher bei zusätzlicher statt ohnehin geplanter Digitalisierung.

  • Geburtenrate: eine positive Wirkung ist denkbar, aber die konkrete Programmangabe von +0,02 bis +0,03 TFR lässt sich aus den vorliegenden Angaben nicht belegen.

32. Nächster Schritt: Kinderkrankentage und Pflegezeit

Abschnitt 7.5 ist besonders wichtig, weil dein Programm hier eine Verdopplung der Kinderkrankentage, 100 % Lohnersatz und einen Arbeitgeberausgleich vorsieht.

Die bisherige Kalkulation enthält allerdings einen rechnerischen Fehler: Bei 1,2–1,6 Milliarden Euro Bruttokosten und 0,8–1,1 Milliarden Euro Rückflüssen ergeben sich nicht automatisch Nettoeinsparungen. Je nach Kombination liegen die rechnerischen Nettokosten zwischen 0,1 und 0,8 Milliarden Euro jährlich. Ob die Rückflüsse tatsächlich in dieser Höhe entstehen, muss zusätzlich belegt werden.

7.5 Kinderkrankentage und Pflegezeit – Kosten, Wirtschaftswachstum und staatliche Wirkung

Dein Programm will Eltern bei Krankheit eines Kindes stärker absichern: mehr Kinderkrankentage, eine Lohnersatzleistung von 100 statt 90 Prozent und flexiblere Freistellungsmöglichkeiten. Das kann die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern. Die vorliegende Kostenrechnung ist allerdings nicht konsistent und muss vor einer Aufnahme ins Parteiprogramm überarbeitet werden.

1. Was gilt heute?

Für das Jahr 2026 gelten für gesetzlich krankenversicherte Eltern grundsätzlich folgende Ansprüche:

  • 15 Arbeitstage je Kind und Elternteil, bei Alleinerziehenden 30 Tage.

  • Bei mehreren Kindern liegt die Obergrenze bei 35 Tagen je Elternteil beziehungsweise 70 Tagen für Alleinerziehende.

  • Das Kinderkrankengeld beträgt grundsätzlich 90 Prozent des ausgefallenen Nettoarbeitsentgelts.

    BMG+1

Dein Vorschlag würde die regulären Einzelansprüche verdoppeln: von 15 auf 30 Tage pro Elternteil und Kind sowie von 30 auf 60 Tage für Alleinerziehende. Die Mehrkosten entstehen aber nicht automatisch für jeden zusätzlichen Anspruchstag, sondern nur, wenn Eltern die zusätzlichen Tage tatsächlich in Anspruch nehmen.

2. Prüfung deiner Kostenansätze

In deinem Programm stehen folgende Einzelansätze:

Maßnahme

Angegebene jährliche Kosten

Verdoppelung der Kinderkrankentage

0,6–1,0 Mrd. €

Erweiterung für Alleinerziehende

0,3–0,6 Mrd. €

Lohnersatz von 100 statt 90 Prozent

0,5–0,9 Mrd. €

Flexible Pflegezeit

0,2–0,4 Mrd. €

Arbeitgebererstattung

0,3–0,5 Mrd. €

Digitale Nachweis- und Abrechnungssysteme

0,05–0,1 Mrd. €

Summe der Einzelansätze

1,95–3,5 Mrd. €

Die Summe der Einzelpositionen beträgt rechnerisch tatsächlich 1,95 bis 3,5 Milliarden Euro jährlich. Das passt aber nicht zu den ebenfalls genannten Gesamtkosten von 1,2 bis 1,6 Milliarden Euro beziehungsweise zur späteren Schätzung von 2 bis 4 Milliarden Euro brutto.

Die Einzelpositionen können sich zudem überschneiden: Die Ausweitung der Tage für Alleinerziehende ist bereits Teil der allgemeinen Ausweitung der Anspruchstage. Auch ist nicht klar, ob die Arbeitgebererstattung zusätzlich zu den Lohnersatzleistungen oder als deren Finanzierung gedacht ist.

Ergebnis: Die Kosten von 1,2–1,6 Milliarden Euro sind mit den aufgeführten Einzelansätzen nicht nachvollziehbar belegt. Die Spanne von 1,95–3,5 Milliarden Euro ist zwar korrekt addiert, aber noch keine belastbare Kostenschätzung.

3. Der Rechenfehler bei den angeblichen Rückflüssen

Dein Dokument rechnet mit Bruttokosten von 1,2–1,6 Milliarden Euro und Rückflüssen von 0,8–1,1 Milliarden Euro. Daraus ergeben sich folgende Szenarien:

Szenario

Bruttokosten

Rückflüsse

Nettokosten

Günstig

1,2 Mrd. €

1,1 Mrd. €

0,1 Mrd. €

Mittelwert

1,4 Mrd. €

0,95 Mrd. €

0,45 Mrd. €

Ungünstig

1,6 Mrd. €

0,8 Mrd. €

0,8 Mrd. €

Damit ergeben sich Nettokosten von 100 bis 800 Millionen Euro jährlich, nicht automatisch Einsparungen. Die Rückflüsse selbst sind zudem noch nachzuweisen.

Mögliche Rückflüsse könnten entstehen, wenn Eltern durch die bessere Absicherung seltener ihre Arbeitszeit reduzieren, Beschäftigung aufgeben oder unbezahlte Fehlzeiten hinnehmen müssen. Diese Wirkungen sind aber nicht gleichbedeutend mit unmittelbaren Steuereinnahmen. Sie müssen über zusätzliche Erwerbsstunden, Einkommen, Steuern und Sozialbeiträge berechnet werden.

4. Was kostet die Erhöhung von 90 auf 100 Prozent?

Die Erhöhung des Ersatzsatzes von 90 auf 100 Prozent verursacht bei gleichbleibender Zahl der Leistungsfälle nicht 100 Prozent zusätzliche Kosten. Der Zuschlag entspricht rechnerisch 11,1 Prozent der bisherigen Leistung.

Beispiel:

Bisherige jährliche Leistungsausgaben

Zusätzliche Kosten bei 100 statt 90 %

0,5 Mrd. €

rund 56 Mio. €

1,0 Mrd. €

rund 111 Mio. €

2,0 Mrd. €

rund 222 Mio. €

Das ist eine reine Modellrechnung. Sie setzt voraus, dass sich weder Inanspruchnahme noch Berechnungsgrundlage ändern. Deshalb ist der Kostenansatz von 0,5–0,9 Milliarden Euro allein für die Erhöhung auf 100 Prozent ohne weitere Berechnungsgrundlage nicht plausibel belegt.

5. Wer trägt die Kosten?

Eine wichtige Korrektur für dein Programm: Kinderkrankengeld wird grundsätzlich von der gesetzlichen Krankenkasse gezahlt. Es handelt sich also nicht automatisch um eine unmittelbare Ausgabe des Bundeshaushalts.

BMG+1

Die Finanzierung muss deshalb in drei Bereiche aufgeteilt werden:

  • Gesetzliche Krankenversicherung: zusätzliche Kinderkrankengeldleistungen durch mehr Anspruchstage und den höheren Ersatzsatz.

  • Bund und Länder: gegebenenfalls Zuschüsse für digitale Systeme, Verwaltung oder besondere Förderprogramme.

  • Arbeitgeber: betriebliche Organisationskosten durch kurzfristige Abwesenheiten und flexiblere Arbeitszeiten.

Eine Arbeitgebererstattung nach dem Vorbild des Mutterschutz-Umlageverfahrens wäre eine zusätzliche politische Entscheidung. Sie darf nicht pauschal als weiterer Kostenblock addiert werden, ohne festzulegen, welche konkreten Aufwendungen erstattet werden und wer die Umlage finanziert. Sonst besteht die Gefahr, dieselbe Belastung doppelt zu zählen.

6. Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum

Positiver Effekt: Beschäftigung bleibt stabiler

Eltern können ein krankes Kind betreuen, ohne aus finanziellen Gründen zur Arbeit gehen oder ihre Beschäftigung aufgeben zu müssen. Das kann insbesondere bei längeren oder wiederholten Krankheitsphasen helfen, die Erwerbstätigkeit aufrechtzuerhalten.

Positiver Effekt: weniger finanzieller Druck

Die vollständige Erstattung des ausgefallenen Nettoentgelts reduziert den Einkommensverlust. Davon profitieren besonders Haushalte, für die schon wenige unbezahlte Tage eine erhebliche Belastung darstellen.

Mögliche Belastung für Unternehmen

Häufigere Abwesenheiten können kurzfristig die Personalplanung erschweren. Eine Erstattung von tatsächlich entstehenden Vertretungskosten könnte insbesondere kleine Unternehmen unterstützen; sie sollte aber gezielt und nicht pauschal erfolgen.

Wichtig: Aus diesen Wirkungsmechanismen lässt sich noch kein bestimmter zusätzlicher BIP-Zuwachs ableiten. Dafür müsste man ermitteln, wie viele zusätzliche Arbeitsstunden tatsächlich geleistet werden, welche Produktivität diese Stunden haben und welche Kosten durch die Ausweitung entstehen.

7. Sind die Angaben zu Geburtenrate und Kinderarmut belegt?

Dein Programm nennt eine Erhöhung der Geburtenrate um 0,03 sowie 18.000–22.000 zusätzliche Geburten pro Jahr und eine Verringerung der Kinderarmut um 0,20 Prozentpunkte beziehungsweise 26.000 Kinder.

Diese Zahlen lassen sich aus der vorliegenden Kostenrechnung nicht herleiten. Eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf kann Familienentscheidungen beeinflussen; daraus folgt aber keine gesicherte quantitative Geburtenwirkung. Auch eine Verbesserung der Einkommenssituation ist nicht automatisch gleichbedeutend mit einer bestimmten Zahl weniger armutsgefährdeter Kinder.

Ich würde diese Angaben daher im Parteiprogramm entweder als zu überprüfende Zielhypothesen kennzeichnen oder erst nach einer eigenständigen Wirkungsanalyse aufnehmen.

8. Wie lässt sich das Programm effizienter gestalten?

Ich empfehle, die Maßnahmen beizubehalten, aber zielgenauer auszugestalten:

  1. Kinderkrankentage ausweiten: Zusätzliche Tage sollen tatsächlich nutzbar sein, mit klaren Anspruchsregeln und einer Begrenzung der Gesamttage.

  2. 100 Prozent Lohnersatz gezielt prüfen: Eine vollständige Erstattung ist familienpolitisch attraktiv. Vor einer allgemeinen Einführung sollte ihr zusätzlicher Finanzbedarf anhand realer Leistungsfälle berechnet werden.

  3. Flexible Pflegezeit ermöglichen: Bei längeren Erkrankungen sollten flexible Arbeitszeiten, zeitweise Arbeitszeitreduzierung und eine klare Regelung für die Ablehnung betrieblicher Wünsche vorgesehen werden.

  4. Arbeitgeberkosten gezielt abfedern: Keine pauschale Doppelerstattung. Unterstützt werden sollten nachgewiesene zusätzliche Vertretungs- und Organisationskosten, insbesondere bei kleinen Betrieben.

  5. Digitale Nachweise vereinfachen: Ärztliche Bescheinigungen und Krankenkassenverfahren sollten möglichst ohne doppelte Dateneingabe funktionieren.

9. Meine Empfehlung für das Parteiprogramm

Als vorläufige politische Budgetplanung würde ich für den gesamten Maßnahmenblock zunächst einen jährlichen Finanzierungsrahmen von 1,0 Milliarden Euro ansetzen. Das ist ausdrücklich ein politischer Budgetdeckel und keine wissenschaftlich ermittelte Kostenschätzung. Ob damit alle vorgeschlagenen Leistungsverbesserungen finanzierbar sind, muss anhand der tatsächlichen Leistungsfälle überprüft werden.

7.5 Kinderkrankentage und flexible Pflegezeit

Eltern sollen bei Erkrankung ihrer Kinder finanziell abgesichert werden und ihre Erwerbstätigkeit möglichst ohne dauerhafte Nachteile fortsetzen können. Hierzu werden die regulären Kinderkrankentage von 15 auf 30 Arbeitstage je Kind und Elternteil erhöht. Für Alleinerziehende steigt der Anspruch von 30 auf 60 Arbeitstage je Kind. Die geltenden Gesamtobergrenzen werden entsprechend angepasst.

Das Kinderkrankengeld soll perspektivisch bis zu 100 Prozent des ausgefallenen Nettoarbeitsentgelts ersetzen. Für längere Erkrankungen werden flexible Pflegezeitmodelle geschaffen. Arbeitgeber sollen betriebliche Gründe für die Ablehnung beantragter flexibler Lösungen nachvollziehbar darlegen. Digitale Nachweise und Abrechnungsverfahren sollen den Verwaltungsaufwand reduzieren.

Kleine und mittlere Unternehmen können bei nachgewiesenen zusätzlichen Vertretungs- und Organisationskosten gezielt unterstützt werden. Eine Doppelförderung derselben Kosten wird ausgeschlossen.

Die Reform wird mit einem jährlichen Finanzierungsrahmen geplant und nach einer Einführungsphase evaluiert. Maßgeblich sind die tatsächliche Inanspruchnahme, die zusätzlichen Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung, die Beschäftigungsentwicklung der betroffenen Eltern und die Belastung kleiner Unternehmen. Eine Ausweitung der Leistungen soll so gestaltet werden, dass Familien entlastet werden, ohne die Finanzierung des Gesundheitssystems oder die betriebliche Personalplanung unverhältnismäßig zu belasten.

Gesamturteil zu 7.5: Die Maßnahme ist familienpolitisch sinnvoll und kann die Stabilität der Erwerbstätigkeit unterstützen. Die bisherige Kostenrechnung und die behauptete Selbstfinanzierung sind jedoch nicht belastbar belegt. Für eine seriöse Wachstums- und Haushaltsbilanz müssen die zusätzlichen Ausgaben der Krankenkassen, die möglichen Rückflüsse und die Auswirkungen auf die Beschäftigung getrennt berechnet werden.

Als Nächstes folgt 7.6 „FamilyStark“ mit Einstellungsbonus, Familienfreundlichkeitsindex, Lohnkostenzuschüssen und Sonderabschreibungen. Dort ist insbesondere zu prüfen, ob sich die Förderungen mit den bisherigen Maßnahmen überschneiden und wie hoch der zusätzliche Nutzen tatsächlich ist.

7.6 „FamilyStark“ – Unternehmensförderung auf Wirtschaftswachstum prüfen

Der Abschnitt 7.6 bündelt mehrere Förderinstrumente, mit denen Unternehmen familienfreundlicher werden und mehr Eltern einstellen sollen. Der wirtschaftspolitische Ansatz ist grundsätzlich nachvollziehbar: Wenn Eltern besser arbeiten können, Unternehmen Fachkräfte gewinnen und Investitionen in familienfreundliche Arbeitsplätze zunehmen, kann das die Beschäftigung und die Wirtschaftsleistung stärken.

Das Hauptproblem ist aber die Konstruktion des Förderpakets. Ein Teil der Maßnahmen überschneidet sich mit den Abschnitten 7.1 bis 7.4. Außerdem ist ein pauschaler Zuschuss für bereits familienfreundliche Unternehmen deutlich anfälliger für Mitnahmeeffekte als eine Förderung, die an nachweislich zusätzliche Beschäftigung oder Investitionen gebunden ist.

1. Prüfung der ursprünglichen Kostenrechnung

Dein Dokument nennt folgende jährliche Kosten:

Maßnahme

Angegebene Kosten pro Jahr

Einstellungsbonus

0,9–1,1 Mrd. €

Familienfreundlichkeitsindex (FFI), 2 % Lohnsummenrabatt

2,8–3,5 Mrd. €

Betriebliche Kinderbetreuung

0,9–1,3 Mrd. €

Familienzeitkonten

0,3–0,5 Mrd. €

Coaching und Paarberatung

0,2–0,3 Mrd. €

„Family-first-Jobs“, 20 % Lohnkostenzuschuss

0,4–0,6 Mrd. €

200-%-Sonderabschreibung

0,2–0,3 Mrd. €

Zuschüsse für Tarifbindung

0,01 Mrd. €

Summe der Einzelpositionen

5,71–7,61 Mrd. €

Die Einzelpositionen ergeben rechnerisch korrekt 5,71 bis 7,61 Milliarden Euro jährlich. Die alternative Gesamtsumme von 5,2 bis 7,4 Milliarden Euro im Dokument stimmt nicht vollständig mit der Addition überein.

Die Rechnung ist außerdem noch keine geprüfte Haushaltsprognose. Es fehlen unter anderem die Zahl der anspruchsberechtigten Unternehmen, die Förderhöchstbeträge, die tatsächliche Inanspruchnahme und die Abgrenzung zu den anderen Abschnitten.

2. Das größte Problem: der 2-%-Lohnsummenrabatt

Der Familienfreundlichkeitsindex sieht einen Rabatt von 2 Prozent auf die Lohnsumme familienfreundlicher Unternehmen vor. Das kann sehr teuer werden, weil der Zuschuss nicht nur neue Einstellungen oder zusätzliche Familienleistungen belohnt, sondern auch bereits bestehende Beschäftigung subventionieren kann.

Deine Modellannahme lässt sich so nachrechnen:

Beispielrechnung

Wert

Zahl der geförderten Unternehmen

20.000

Durchschnittliche jährliche Lohnsumme je Unternehmen

8 Mio. €

Förderquote

2 %

Förderbetrag je Unternehmen

160.000 €

Gesamtkosten

3,2 Mrd. € jährlich

Die Rechnung ist mathematisch korrekt: 20.000 × 8 Millionen Euro × 2 Prozent ergeben 3,2 Milliarden Euro.

Nicht belegt ist aber, dass 20.000 Unternehmen mit einer durchschnittlichen Lohnsumme von 8 Millionen Euro anspruchsberechtigt wären. Ebenso fehlen Regeln dazu, ob die gesamten Lohnkosten oder nur zusätzliche Beschäftigung berücksichtigt werden. Die Kostenannahme ist deshalb ein Szenario, keine gesicherte Prognose.

Der wirtschaftliche Nachteil: Ein Unternehmen könnte den Rabatt auch für Beschäftigte erhalten, die es ohnehin beschäftigt hätte. Dann entstehen Staatsausgaben, ohne dass entsprechend mehr gearbeitet, investiert oder produziert wird.

Die Forschung zu deutschen Lohnsubventionen zeigt, dass Mitnahme- und Verdrängungseffekte erheblich sein können. Eine IAB-Studie zu Minijob-Abgabenvergünstigungen fand beispielsweise Hinweise darauf, dass subventionierte Beschäftigung in kleinen Betrieben reguläre Beschäftigung verdrängen kann. Das ist kein direkter Nachweis für deinen FFI, aber ein wichtiges Warnsignal bei pauschalen Lohnsummenrabatten.

Forschungsdatenzentrum+1

Meine Empfehlung: Den pauschalen 2-%-Rabatt nicht in dieser Form einführen. Besser ist eine begrenzte Förderung für nachweislich zusätzliche familienfreundliche Leistungen oder zusätzliche Beschäftigung von Eltern.

3. Überschneidungen mit den vorherigen Maßnahmen

Besonders wichtig ist, dass dieselbe Leistung nicht mehrfach aus dem Staatshaushalt finanziert wird.

FamilyStark-Maßnahme

Mögliche Überschneidung

Konsequenz

Betriebliche Kinderbetreuung

Abschnitt 7.1: betriebliche Kita, Investitions- und Betriebskostenzuschüsse

Eine gemeinsame Förderregelung statt zweier Programme

Familienzeitkonten

Abschnitte 7.2 und 7.3: Familienarbeitszeit und flexible Arbeitszeit

Nur zusätzliche, klar definierte Leistungen fördern

Einstellungsbonus

„Family-first-Jobs“ mit 20 % Lohnkostenzuschuss

Keine doppelte Förderung derselben Einstellung

Coaching und Paarberatung

Teilweise familienpolitische Beratungsangebote anderer Träger

Nur ungedeckte zusätzliche Angebote finanzieren

200-%-Sonderabschreibung

Abschnitt 7.4: digitale Ausstattung und Arbeitsplätze

Dieselbe Investition darf nicht doppelt gefördert werden

Tarifbindungszuschüsse

Allgemeine Unternehmens- und Beschäftigungsförderung

Förderzweck, Bemessungsgrundlage und Obergrenze festlegen

Die Überschneidungen bedeuten nicht, dass alle Programme überflüssig sind. Sie bedeuten aber, dass das Programm eine einheitliche Förderarchitektur benötigt. Unternehmen sollten nicht für dieselbe Kita, denselben Arbeitsplatz oder dieselbe Einstellung mehrfach Geld erhalten können.

4. Welche Instrumente versprechen den größten Nutzen?

A. Einstellungsbonus für zusätzliche Beschäftigung

Ein Bonus kann sinnvoll sein, wenn er die Einstellung von Eltern erleichtert, die ohne Förderung nicht oder nur schwer eingestellt würden. Er sollte zeitlich begrenzt sein und eine Mindestbeschäftigungsdauer voraussetzen.

Die OECD beschreibt für Deutschland positive längerfristige Beschäftigungseffekte bestimmter Eingliederungszuschüsse, weist aber auch auf erhebliche Mitnahmeeffekte bei anderen Gruppen hin. Das spricht für zielgruppengenaue Kriterien statt eines pauschalen Bonus für jede Einstellung.

OECD+1

B. Betriebliche Kinderbetreuung

Kinderbetreuung kann Beschäftigung ermöglichen, wenn tatsächlich Betreuungsplätze fehlen oder Öffnungszeiten nicht zum Arbeitsalltag passen. Gefördert werden sollten deshalb vor allem zusätzliche Plätze, Randzeitenbetreuung und gemeinsam organisierte Angebote mehrerer Unternehmen.

Bereits bestehende Plätze sollten nicht automatisch erneut bezuschusst werden. Die Förderung muss mit Abschnitt 7.1 zusammengeführt werden.

C. Familienzeitkonten und flexible Arbeitsmodelle

Solche Modelle können helfen, Erwerbsarbeit und Betreuung besser zu vereinbaren. Eine Förderung ist besonders dann sinnvoll, wenn sie zusätzliche Nutzung ermöglicht, etwa durch verbindliche Zeitguthaben, betriebliche Vertretungslösungen oder zusätzliche Arbeitszeitoptionen.

Werden lediglich ohnehin geplante betriebliche Änderungen bezuschusst, ist der zusätzliche Nutzen gering.

D. Coaching und Beratung

Die Maßnahme kann Familien bei Konflikten und der Organisation von Erwerbs- und Sorgearbeit unterstützen. Die Wirkung auf Beschäftigung und Wirtschaftswachstum ist jedoch weniger direkt. Deshalb sollte die Förderung zunächst begrenzt, zielgruppenspezifisch und evaluierbar ausgestaltet werden.

5. Die 200-%-Sonderabschreibung: Steuervergünstigung oder echte Zusatzförderung?

Eine Sonderabschreibung von 200 Prozent bedeutet üblicherweise, dass steuerlich insgesamt das Doppelte der Anschaffungs- oder Herstellungskosten abgezogen werden darf. Das ist etwas anderes als eine beschleunigte Abschreibung.

Zur Einordnung: Der sogenannte Wachstumsbooster sieht für bestimmte bewegliche Wirtschaftsgüter bereits eine degressive Abschreibung von bis zu 30 Prozent in den gesetzlich festgelegten Investitionszeiträumen vor. Diese beschleunigt die steuerliche Absetzung, erhöht aber nicht automatisch die nominal insgesamt abzugsfähigen Anschaffungskosten.

Wachstumsbooster+1

Eine 200-%-Sonderabschreibung für familienfreundliche Investitionen wäre daher eine zusätzliche steuerliche Vergünstigung. Sie wirft drei Fragen auf:

  • Welche Investitionen sind förderfähig – etwa zusätzliche Kita-Räume, Betreuungsinfrastruktur oder ergonomische Arbeitsplätze?

  • Wie wird verhindert, dass ohnehin geplante Investitionen lediglich steuerlich umetikettiert werden?

  • Wie werden Kosten und Wirkung gemessen, wenn Unternehmen unterschiedliche Steuersätze und Gewinne haben?

Die Kosten von 0,2–0,3 Milliarden Euro im Programm sind ohne Angaben zu förderfähigem Investitionsvolumen, Steuersätzen und Inanspruchnahme nicht überprüfbar.

Empfehlung: Keine pauschale 200-%-Abschreibung für alle familienfreundlichen Investitionen. Vorrang sollte eine klar begrenzte Förderung zusätzlicher, nachweislich benötigter Betreuungsinfrastruktur haben. Steuerliche Vergünstigungen sollten nur hinzukommen, wenn sie gegenüber bestehenden Abschreibungsregeln einen nachgewiesenen Zusatznutzen bieten.

6. Wie könnte ein effizienteres Fördermodell aussehen?

Ich würde FamilyStark nicht ersatzlos streichen, sondern zu einem leistungsgebundenen Förderprogramm mit jährlichem Budgetdeckel von zunächst 1 Milliarde Euro umbauen. Dieser Betrag ist ein politischer Vorschlag und keine empirisch ermittelte optimale Fördersumme.

Vorgeschlagene Budgetaufteilung – jährliche Obergrenzen

Förderinstrument

Budgetdeckel

Bonus für zusätzliche, nachhaltig besetzte Arbeitsplätze

300 Mio. €

Zusätzliche betriebliche Kinderbetreuung

300 Mio. €

Familienzeitkonten und betriebliche Flexibilitätsmodelle

150 Mio. €

Coaching und Beratung

50 Mio. €

Investitionen in familienfreundliche Arbeitsplätze

100 Mio. €

Tarifbindung und Qualitätssicherung

20 Mio. €

Verwaltung, Kontrolle und unabhängige Evaluation

30 Mio. €

Gesamt

950 Mio. €

Die verbleibenden 50 Millionen Euro bis zum Budgetdeckel wären eine Reserve. Die Aufteilung ist ein Vorschlag zur politischen Priorisierung, keine Garantie, dass die jeweiligen Förderziele mit diesen Beträgen erreicht werden.

Warum dieses Modell effizienter sein könnte:

  • Der größte Teil der Förderung fließt in zusätzliche Beschäftigung und Betreuungskapazitäten.

  • Es gibt keinen pauschalen Rabatt auf die gesamte bestehende Lohnsumme.

  • Die Förderung wird mit den Abschnitten 7.1 bis 7.4 abgestimmt.

  • Unternehmen müssen zusätzliche Leistungen nachweisen.

  • Förderungen werden befristet und unabhängig evaluiert.

Die OECD empfiehlt bei steuerlichen Investitionsanreizen ebenfalls, Förderzweck und Förderfähigkeit messbar festzulegen, zusätzliche Investitionen gegenüber dem Szenario ohne Förderung zu prüfen und die tatsächlichen Ergebnisse zu evaluieren.

OECD+1

7. Wie werden Mitnahmeeffekte konkret reduziert?

Für das Programm sollten folgende Regeln gelten:

  1. Zusätzlichkeit: Gefördert werden nur zusätzliche Arbeitsplätze, Betreuungsplätze oder Investitionen, die ohne Förderung mit hinreichender Wahrscheinlichkeit nicht entstanden wären.

  2. Mindestdauer: Ein gefördertes Beschäftigungsverhältnis muss eine festgelegte Mindestdauer erreichen. Bei vorzeitiger Beendigung gelten abgestufte Rückzahlungsregeln, soweit rechtlich zulässig.

  3. Keine Doppelförderung: Für denselben Arbeitsplatz oder dieselbe Investition dürfen nicht mehrere Zuschüsse kumuliert werden, soweit die Programme dies nicht ausdrücklich und rechtlich zulässig vorsehen.

  4. Förderhöchstbetrag: Die Förderung je Unternehmen und je zusätzlichem Arbeitsplatz wird begrenzt.

  5. Kleine Unternehmen: Kleine Betriebe können vereinfachte Nachweise nutzen, damit die Verwaltungskosten nicht den Förderbetrag aufzehren.

  6. Evaluation: Gemessen werden zusätzliche Beschäftigung, Arbeitsstunden, Nutzung der Betreuungsplätze und Kosten je zusätzlichem Ergebnis – nicht nur die Zahl der geförderten Unternehmen.

Ob einzelne Förderungen beihilferechtlich zulässig sind, muss vor Einführung geprüft werden. Selektive Vorteile für bestimmte Unternehmen können unter das europäische Beihilferecht fallen.

European Commission

8. Auswirkungen auf Wirtschaftswachstum und Staatshaushalt

Prüfkriterium

Einschätzung

Beschäftigung von Eltern

Potenziell positiv, wenn tatsächlich zusätzliche Einstellungen oder Arbeitsstunden entstehen

Fachkräftesicherung

Potenziell positiv durch bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Produktivität

Möglich, aber nicht aus den Förderbeträgen allein ableitbar

Private Investitionen

Positiv nur insoweit, wie die Förderung zusätzliche Investitionen auslöst

Staatshaushalt

Ursprünglich 5,71–7,61 Mrd. € brutto; alternative Modellvariante mit 0,95 Mrd. € Förderbudget

Steuerrückflüsse

Möglich, aber ohne Beschäftigungs- und Investitionsmodell nicht belastbar bezifferbar

Geburtenrate

Eine konkrete Wirkung ist mit den vorliegenden Zahlen nicht nachgewiesen

Die ursprüngliche Schätzung von 3,2–4,6 Milliarden Euro an Rückflüssen ist nicht ausreichend belegt. Zusätzliche Steuern und Sozialbeiträge können entstehen, wenn mehr Menschen arbeiten oder die Produktivität steigt. Diese Rückflüsse dürfen aber nicht einfach als fester Prozentsatz von Förderausgaben angenommen werden.

9. Formulierung für das Parteiprogramm

7.6 FamilyStark – Familienfreundliche Unternehmen und zusätzliche Beschäftigung fördern

Mit dem Programm FamilyStark sollen Unternehmen dabei unterstützt werden, zusätzliche Arbeitsplätze für Eltern zu schaffen, betriebliche Kinderbetreuung auszubauen und familienfreundliche Arbeitszeitmodelle einzuführen.

Die Förderung konzentriert sich auf nachweislich zusätzliche Leistungen. Dazu gehören zeitlich befristete Einstellungszuschüsse für nachhaltig besetzte Arbeitsplätze, zusätzliche Betreuungsplätze, Familienzeitkonten, betriebliche Flexibilitätsmodelle und Investitionen in familienfreundliche Arbeitsbedingungen.

Ein pauschaler Rabatt auf die gesamte Lohnsumme wird nicht eingeführt. Stattdessen erhalten Unternehmen Förderungen, wenn sie messbare zusätzliche Beschäftigungs- oder Betreuungsangebote schaffen. Bereits bestehende Förderprogramme werden zusammengeführt, damit dieselben Kosten nicht mehrfach bezuschusst werden.

Die Förderung wird auf zunächst höchstens eine Milliarde Euro jährlich begrenzt. Innerhalb dieses Rahmens werden die Instrumente nach ihrer nachgewiesenen Wirkung auf zusätzliche Beschäftigung, Arbeitsstunden, Betreuungsangebote und betriebliche Produktivität priorisiert.

Alle Förderinstrumente erhalten klare Anspruchsvoraussetzungen, Höchstbeträge und Kontrollregeln. Nach einer Einführungsphase erfolgt eine unabhängige Evaluation. Maßnahmen ohne nachweisbaren Zusatznutzen werden angepasst oder beendet.

Ziel ist es, Familienfreundlichkeit als Bestandteil einer modernen Arbeitsmarkt- und Fachkräftestrategie zu stärken, ohne Unternehmen für Leistungen zu bezahlen, die sie ohnehin erbracht hätten.

10. Gesamturteil zu Abschnitt 7.6

Meine Empfehlung: Den pauschalen Familienfreundlichkeitsindex mit 2-%-Lohnsummenrabatt streichen und die wirksamsten Instrumente gezielt fördern. Die betriebliche Kinderbetreuung sollte mit Abschnitt 7.1 zusammengeführt werden; Einstellungsbonus und „Family-first-Jobs“ brauchen eine gemeinsame Regelung. Die Sonderabschreibung sollte nur bei nachgewiesenem Zusatznutzen eingeführt werden.

Damit ist die Prüfung der Abschnitte 7.1 bis 7.6 abgeschlossen. Der nächste sinnvolle Schritt ist eine Gesamtrechnung: die jährlichen Bruttokosten aller sechs Abschnitte, mögliche Überschneidungen, staatliche Ausgaben versus Steuermindereinnahmen und Arbeitgeberkosten sowie eine vorsichtige Einschätzung der möglichen Wachstumswirkungen.

Gesamtauswertung der Abschnitte 7.1–7.6: Kosten, Wirtschaftswachstum und Staatsfinanzen

Die sechs Abschnitte bilden zusammen ein umfangreiches familien- und arbeitsmarktpolitisches Programm. Der entscheidende Befund ist: Die bisher angegebenen Kosten sind nicht konsistent genug, um die behaupteten Rückflüsse oder eine Selbstfinanzierung des Programms zu belegen. Man kann aber die veröffentlichten Ansätze addieren, Widersprüche aufzeigen und daraus eine transparentere Haushaltsplanung entwickeln.

Zur Einordnung: Im Bundeshaushalt 2026 sind rund 13 Milliarden Euro für gesetzliche Familienleistungen im zuständigen Ressort vorgesehen. Das ist nicht der gesamte öffentliche Familienetat: Hinzu kommen unter anderem steuerliche Leistungen, Ausgaben anderer Ressorts und die von Ländern und Kommunen finanzierten Betreuungsangebote. Allein die öffentlichen Ausgaben für Kindertagesbetreuung beliefen sich 2024 auf 48,8 Milliarden Euro.

Deutscher Bundestag+2

1. Gesamtkosten nach den Einzelpositionen

Zunächst addiere ich die detaillierten Einzelansätze aus deinem Programm, ohne bereits Überschneidungen herauszurechnen.

Abschnitt

Maßnahmenbereich

Untere Schätzung

Obere Schätzung

7.1

Arbeitsbedingungen und betriebliche Kinderbetreuung

2,80 Mrd. €

4,50 Mrd. €

7.2

Familienarbeitszeit und Familiengeld

12,00 Mrd. €

15,00 Mrd. €

7.3

Flexible Arbeitszeit und Rückkehr in Vollzeit

1,10 Mrd. €

1,90 Mrd. €

7.4

Homeoffice und mobile Arbeit

1,05 Mrd. €

1,50 Mrd. €

7.5

Kinderkrankentage und Pflegezeit

1,95 Mrd. €

3,50 Mrd. €

7.6

FamilyStark-Unternehmensförderung

5,71 Mrd. €

7,61 Mrd. €

Gesamt

Summe der Einzelansätze

24,61 Mrd. €

34,01 Mrd. €

Rechnerische Summe der ursprünglichen Einzelansätze

24,61–34,01 Mrd. €

pro Jahr

Diese Summe ist keine geprüfte Prognose der tatsächlichen Staatsausgaben. Sie addiert auch Positionen, die sich überschneiden können oder möglicherweise keine unmittelbaren staatlichen Ausgaben darstellen.

Warum die Gesamtsumme noch nicht als belastbare Haushaltszahl gilt

  • Doppelförderung: Kinderbetreuung, flexible Arbeitszeitmodelle und digitale Arbeitsplätze tauchen in mehreren Abschnitten auf.

  • Unterschiedliche Kostenarten: Zuschüsse, Steuermindereinnahmen, Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung und betriebliche Organisationskosten werden teilweise vermischt.

  • Nicht belegte Rückflüsse: Zusätzliche Steuern und Sozialbeiträge entstehen nur, wenn tatsächlich zusätzliche Beschäftigung, Arbeitsstunden oder Einkommen entstehen.

  • Unterschiedliche Zeiträume: Einmalige Investitionszuschüsse müssen von dauerhaften jährlichen Betriebskosten getrennt werden.

Die Summe von 24,61–34,01 Milliarden Euro sollte deshalb als rechnerischer Ausgangswert der eingetragenen Positionen bezeichnet werden, nicht als endgültiger Finanzierungsbedarf.

2. Eine alternative Haushaltsplanung mit klaren Budgetobergrenzen

Für eine politisch umsetzbare Fassung würde ich die bisherigen Ansätze nicht einfach addieren und als endgültige Kosten ausgeben. Sinnvoller ist, die Maßnahmen zu priorisieren und für jeden Abschnitt einen transparenten jährlichen Budgetrahmen vorzusehen.

Abschnitt

Vorgeschlagener jährlicher Budgetrahmen

7.1 Arbeitsbedingungen und betriebliche Kinderbetreuung

2,00 Mrd. €

7.2 Familienarbeitszeit und Familiengeld

5,28 Mrd. €

7.3 Flexible Arbeitszeit und Rückkehr in Vollzeit

0,50 Mrd. €

7.4 Homeoffice und mobile Arbeit

0,60 Mrd. €

7.5 Kinderkrankentage und Pflegezeit

1,00 Mrd. €

7.6 FamilyStark

1,00 Mrd. €

Gesamt

10,38 Mrd. € jährlich

Diese Budgetrahmen stammen aus den zuvor entwickelten Vorschlägen. Sie sind politische Ausgabenobergrenzen und keine nachgewiesenen Vollkosten. Insbesondere bei Abschnitt 7.2 hängt die tatsächliche Finanzierung davon ab, wie viele Familien die Förderung erhalten und welche Anspruchsvoraussetzungen gelten.

Außerdem muss noch festgelegt werden, welcher Teil tatsächlich aus dem Bundeshaushalt kommt, welcher durch Länder und Kommunen getragen wird und welche zusätzlichen Kosten bei den Sozialversicherungen entstehen. Ein Budgetdeckel allein löst diese Finanzierungsfrage nicht.

3. Wie viel Wirtschaftswachstum ist zu erwarten?

Eine seriöse Schätzung muss zwischen einem plausiblen Wirkungsmechanismus und einem belegbaren BIP-Effekt unterscheiden.

Die OECD sieht in Deutschland insbesondere beim Ausbau der Kinderbetreuung, bei besseren Arbeitsanreizen und beim Übergang von Teilzeit zu längerer Erwerbsarbeit Potenzial zur Erhöhung des Arbeitsangebots. Sie weist zugleich auf Betreuungslücken und hohe effektive Belastungen bei zusätzlichen Erwerbseinkommen hin.

OECD+1

Maßnahme

Möglicher Wachstumskanal

Was für eine belastbare Schätzung fehlt

Familiengeld für zusätzliche Arbeitsstunden

Mehr Arbeitsangebot und Einkommen

Zahl der tatsächlich zusätzlich geleisteten Stunden

Kinderbetreuung

Eltern können Beschäftigung aufnehmen oder ausweiten

Zusätzlich geschaffene und tatsächlich genutzte Plätze

Flexible Arbeitszeit

Bessere Bindung qualifizierter Beschäftigter

Produktivitäts- und Beschäftigungseffekte gegenüber einer Vergleichsgruppe

Homeoffice

Weniger Pendelzeit, möglicherweise höhere Produktivität

Zusätzliche Arbeitsleistung und tatsächliche Produktivitätsänderung

Kinderkrankentage

Stabilere Erwerbsbeteiligung und weniger Einkommensausfälle

Zusätzliche Beschäftigung und vermiedene Arbeitsausfälle

FamilyStark

Zusätzliche Einstellungen und Investitionen

Anteil der geförderten Aktivitäten, die ohne Förderung nicht stattgefunden hätten

Wichtig: Aus den Kosten von 10,38 Milliarden Euro lässt sich kein bestimmter zusätzlicher BIP-Betrag ableiten. Dafür bräuchte es ein Arbeitsangebotsmodell und eine Schätzung der tatsächlichen zusätzlichen Erwerbsstunden. Eine reine Multiplikation der Staatsausgaben mit einem pauschalen Wachstumsfaktor wäre nicht seriös.

Wie man die Wachstumswirkung messen sollte

Für jede Maßnahme sollte vor Beginn eine Vergleichsgröße festgelegt werden:

  • zusätzliche Beschäftigte und zusätzliche Arbeitsstunden,

  • zusätzliche Betreuungsplätze und deren tatsächliche Nutzung,

  • zusätzliche Investitionen gegenüber dem Szenario ohne Förderung,

  • zusätzliche Steuern und Sozialbeiträge,

  • Kosten je zusätzlich erreichtem Ergebnis.

Die Evaluation des Förderprogramms „Digital Jetzt“ zeigt, dass Investitionsförderung zusätzliche oder vorgezogene Digitalisierungsaktivitäten auslösen kann. Das belegt, dass gut gestaltete Förderung wirksam sein kann, aber nicht, dass jede Förderung denselben Effekt erzielt.

BMWE+1

4. Wie viel der Förderung könnte Mitnahmeeffekt sein?

Ein Unternehmen könnte einen Zuschuss erhalten, obwohl es die betreffende Maßnahme auch ohne Förderung umgesetzt hätte. Das Geld verursacht dann öffentliche Kosten, ohne die gewünschte zusätzliche Wirkung zu erzeugen.

Für dein Programm ist besonders wichtig, den 2-%-Lohnsummenrabatt aus Abschnitt 7.6 nicht pauschal auf bestehende Beschäftigung anzuwenden. Stattdessen sollte die Förderung an zusätzliche Arbeitsplätze, zusätzliche Betreuungsplätze oder zusätzliche Investitionen gebunden werden.

Die folgende Tabelle ist eine Sensitivitätsrechnung, keine Schätzung der tatsächlichen Mitnahmeeffekte deines Programms:

Angenommener Mitnahmeanteil

Bei 10,38 Mrd. € Förderbudget ohne zusätzlichen Effekt

Verbleibender Förderbetrag

10 %

1,038 Mrd. €

9,342 Mrd. €

20 %

2,076 Mrd. €

8,304 Mrd. €

30 %

3,114 Mrd. €

7,266 Mrd. €

40 %

4,152 Mrd. €

6,228 Mrd. €

Diese Rechnung sagt nicht, dass 10 bis 40 Prozent deines Programms tatsächlich Mitnahmeeffekte haben. Sie zeigt lediglich, wie stark die Wirkung von der Ausgestaltung abhängt. Entscheidend ist, den Anteil empirisch zu messen und durch zusätzliche Förderbedingungen zu verringern.

5. Wie hoch sind die Nettokosten für den Staat?

Eine belastbare Nettokostenrechnung müsste mindestens vier Größen getrennt erfassen:

  1. Direkte zusätzliche Ausgaben des Bundes, der Länder und Kommunen.

  2. Steuermindereinnahmen, beispielsweise durch zusätzliche steuerliche Vergünstigungen.

  3. Zusätzliche Sozialversicherungsausgaben, insbesondere beim Kinderkrankengeld.

  4. Nachgewiesene Rückflüsse durch zusätzliche Beschäftigung, Einkommen, Steuern und Sozialbeiträge.

Die Nettokosten ergeben sich erst, wenn diese Positionen auf derselben zeitlichen und institutionellen Grundlage miteinander verrechnet werden.

Derzeit kann ich deshalb nicht seriös behaupten, dass ein Budget von 10,38 Milliarden Euro durch Rückflüsse teilweise oder vollständig selbstfinanzierend wäre. Das müsste für jedes Instrument separat nachgewiesen werden.

6. Mein Gesamtvorschlag für das Parteiprogramm

Ich würde die sechs Abschnitte als ein gemeinsames Programm zur Steigerung des Arbeitsangebots und Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf behandeln. Die wichtigsten Änderungen wären:

  • Kinderbetreuung und betriebliche Förderungen aus verschiedenen Abschnitten zusammenführen.

  • Das Familiengeld nur mit eindeutig festgelegten Anspruchsvoraussetzungen und einem überprüften Empfängerkreis kalkulieren.

  • Pauschale Lohnsummenrabatte durch nachweislich zusätzliche Beschäftigungs- und Investitionsförderung ersetzen.

  • Einmalige Investitionskosten und dauerhafte Betriebskosten getrennt ausweisen.

  • Für jede Maßnahme einen eigenen Wirkungsnachweis und eine unabhängige Evaluation vorsehen.

  • Den vorgeschlagenen Gesamtbudgetrahmen von 10,38 Milliarden Euro zunächst als politische Obergrenze verwenden und vor der Einführung durch eine ressortübergreifende Kostenrechnung überprüfen.

Fazit: Dein Programm enthält mehrere Ansätze, die das Arbeitsangebot und die Beschäftigung von Eltern verbessern könnten. Die größte Schwäche liegt aktuell nicht darin, dass alle Maßnahmen wirtschaftlich wirkungslos wären, sondern darin, dass die Kosten, Rückflüsse und Wachstumseffekte noch nicht sauber nachgewiesen sind. Die sinnvollste nächste Stufe ist eine vollständige Berechnung je Maßnahme mit Empfängerzahlen, Förderhöhe, Mitnahmeeffekten, öffentlichen Kosten und zusätzlichen Erwerbsstunden. Erst daraus lässt sich beurteilen, welche Maßnahmen pro eingesetztem Euro den größten wirtschaftlichen Nutzen erzielen.

Auswirkungen des Familienpakets auf Geburtenrate, BIP und Finanzen

Zusammenfassung

Das geplante Programm (Abschnitte 7.1–7.6) soll einerseits die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern, andererseits das Arbeitsangebot und das Wachstum stärken. Unsere Analyse zeigt: Die zusätzliche Geburtenrate dürfte nur moderat steigen, da Politik nur begrenzt fruchtbarkeitssteigernd wirkt. Der wirtschaftliche Nutzen fällt durch mehr Erwerbsarbeit spürbar, aber nicht selbstfinanzierend aus. Neue Vollzeitäquivalente (FTE) – etwa durch bessere Kinderbetreuung oder Familiengeld – können das Bruttoinlandsprodukt um mehrere Milliarden Euro erhöhen und zusätzliche Steuern/Sozialbeiträge einbringen. Dennoch bleiben nach Steuer- und Beitragseffekten hohe Nettoausgaben. In der konsolidierten Jahresrechnung zeigt sich ein deutlicher Finanzierungsbedarf (Bruttokosten im niedrigen zweistelligen Milliardenbereich), von dem nur ein kleiner Teil durch Mehreinnahmen gedeckt wird. Im Ergebnis ist mit jährlichen Nettokosten in der Größenordnung einiger Milliarden Euro zu rechnen. Konkrete Größenordnungen hängen stark von Inanspruchnahme und Mehreffektivität ab; wir arbeiten hier exemplarische Szenarien durch.

1. Demografische Ausgangslage und erwartete Fertilitätswirkung

  • Aktuelle Geburtenrate (TFR): Die zusammengefasste Geburtenziffer in Deutschland sank bis 2025 auf etwa 1,32 Kinder je Frau. Nach 2021 (Corona-Babyboom) fiel sie wieder. Wirtschaftliche und gesellschaftliche Krisen (Inflation, Unsicherheit) haben sie 2022–2024 zusätzlich gedrückt.

  • Langfristtrend: Deutschland liegt weit unter der Reproduktionsrate von 2,1. Der OECD-Bericht Society at a Glance 2024 betont, dass Ehe- und Geburtenentscheidungen heute oft aufgeschoben oder infrage gestellt werden. Studien deuten an, dass familienpolitische Anreize wie Elterngeld oder Kita‑Ausbau zeitverzögert positive Effekte entfalten können. Dennoch ist die unmittelbare Erhöhung der TFR durch Zuschüsse und Betreuungsangebote empirisch klein.

  • Mechanismen: Bessere Kinderbetreuung (insb. U3-Plätze) und gezielte Familienzahlungen können Arbeitsbeteiligung von Eltern steigern. OECD und empirische Literatur stellen fest: Wenn Eltern Arbeit und Familie vereinbaren können (z.B. durch subventionierte Kita-Plätze oder finanzielle Entlastung), führt das tendenziell zu höherer Fertilität. Allerdings halten höhere Kosten (Wohnen, Lebenshaltung) viele Paare von mehr Kindern ab. Der reine „Kinderzuschuss” wird oft primär zur Familienentlastung gesehen, weniger als direkter Geburtenmotor.

  • Szenarien und Berechnung: Vereinfacht kann man zusätzliche Geburtenabschätzungen über das TFR-Modell skizzieren. Legt man zugrunde, dass in Deutschland grob 15–20 Millionen Frauen im gebärfähigen Alter sind, bedeutet eine TFR-Steigerung um +0,02 (z.B. von 1,32 auf 1,34) etwa 10.000 zusätzliche Geburten pro Jahr (→ ~0,03% mehr Frauen erhalten ein Kind). Ein Plus von +0,04 entspräche ca. 20.000–25.000 Neugeborenen. Eine deutlichere TFR-Erhöhung von +0,06 könnte 30.000–40.000 zusätzliche Geburten bringen. Diese Bandbreiten beruhen auf linearer Hochrechnung und dienen der Größenordnung; die tatsächlichen Effekte hängen von Anspruchslagen und Nachfrage ab.

    • Tabelle: Szenarien zusätzlicher Geburten
    SzenarioTFR-Anstieg (Basis 1,32)Geschätzte Mehrgeburten/Jahr
    Moderat+0,02~10 000
    Hoch+0,04~20 000
    Sehr optimistisch+0,06~30 000
  • Fazit Fertilität: Selbst unter optimistischen Annahmen bleibt der Anstieg der Geburtenzahl moderat. Ein kleiner positiver Effekt ist plausibel – z.B. einige Zehntausend mehr Geburten – aber eine schnelle „Selbstfinanzierung” über zusätzliche Steuerzahler gebärender Mütter ist nicht gerechtfertigt. Die Politik sollte daher in der Zielsetzung eher Beschäftigung und Familienentlastung fokussieren als eine entscheidend höhere TFR zu erwarten.

2. Wirtschaftswachstum durch mehr Erwerbsarbeit

  • Grundsatz: Jede zusätzlich gearbeitete Stunde erzeugt Einkommen. Insgesamt ergibt sich ein Plus am Bruttoinlandsprodukt (BIP). Wir betrachten vor allem den Effekt vermehrter Erwerbstätigkeit von Eltern (Erhöhung der Arbeitszeit). Rund 74,4 % der Mütter mit Kleinkindern (unter 6) arbeiten Teilzeit, während über 90 % der Väter Vollzeit arbeiten. Ein Teilzeit- in Vollzeit-Übergang bzw. mehr Vollzeitarbeit von Müttern würde das Arbeitsvolumen steigern.

  • Szenarien für zusätzliches Arbeitsvolumen: Wir betrachten exemplarisch drei Fallzahlen zusätzlicher Vollzeitäquivalente (VZÄ) durch das Programm: etwa 50.000, 100.000 und 150.000 VZÄ. Diese entsprechen (bei 45.000 € Bruttojahreslohn pro VZÄ) einer zusätzlichen Bruttolohnsumme von 2,25, 4,50 bzw. 6,75 Milliarden Euro pro Jahr. Dieser Ansatz dient der Illustration; tatsächliche FTE-Zahlen hängen davon ab, wie viele Eltern mehr arbeiten oder eingestellt werden.

  • Ergebnis in GDP: Wenn 100.000 VZÄ zusätzl. geschaffen werden, entspricht das laut Annahme ca. 4,5 Mrd. € mehr Lohnvolumen (ausgehendes BIP-Zuwachs). Auch unter konservativen Annahmen erhöhen sich tatsächliche Arbeitsstunden und Produktion spürbar. Zusätzliche BIP-Wachstumseffekte sind möglich, allerdings realistisch nicht höher als der Zugewinn aus den zusätzlichen Löhnen.

  • Tabelle: Beschäftigungs- und BIP-Szenarien (pro Jahr)

    Zusätzliche VZÄZusätzl. BruttolohnsummeGeschätztes BIP-Plus
    50.0002,25 Mrd. €~2,25 Mrd. €
    100.0004,50 Mrd. €~4,50 Mrd. €
    150.0006,75 Mrd. €~6,75 Mrd. €

    (Hier setzen wir das zusätzliche Lohnvolumen gleich dem BIP-Zuwachs. Realistisch kommt noch etwas Mehrwertsteuer usw. hinzu; Verluste an ökonomischer Effizienz oder Verdrängung sind nicht berücksichtigt.)

  • Fazit Wachstum: Das Programm kann das Arbeitsangebot und BIP merklich erhöhen, insbesondere wenn zusätzliche VZÄ rekrutiert werden (etwa durch neue Betreuungsplätze oder Einstellungsboni). Die Größenordnung liegt im mittleren einstelligen Milliardenbereich pro Jahr. Ohne genaue Modellierung lässt sich jedoch kein fixer Wachstumswert nennen – hier zählt vor allem, wie viele zusätzliche Erwerbstätige die Maßnahmen auslösen.

3. Zusätzliche Steuer- und Beitrags­einnahmen

  • Lohnsteuer: Mehr Arbeitsverdienst bedeutet höhere Lohnsteuer- und sonstige Steueraufkommen. Rechnet man die oben angenommenen VZÄ (45.000 € brutto/Jahr) heran, ergäbe 50.000 VZÄ etwa 2,25 Mrd. € Lohnsumme. Bei etwa 10–15 % effektiver Lohnsteuerquote (inkl. Solidaritätszuschlag) resultieren zusätzliche Einnahmen von ~0,2–0,3 Mrd. €. Bei 100.000 VZÄ entsprechen 4,5 Mrd. Lohnsumme 0,45–0,68 Mrd. € Steuern, bei 150.000 VZÄ etwa 0,68–1,01 Mrd. €. Diese Werte wurden analog auch in anderen Berechnungen (oben) genutzt. (Hinweis: Das sind grobe Annahmen, in Wahrheit hängen Lohnsteuerbeträge vom konkreten Steuerprofil der Haushalte ab.)

  • Sozialversicherungsbeiträge: Analog steigen die Einnahmen in Renten-, Kranken-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung. Bei einer Gesamtsozialquote von rund 20–25 % des Bruttolohns (Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil zusammen) fließen bei 50.000 VZÄ etwa 0,45–0,56 Mrd. € zusätzliche Beiträge, bei 100.000 VZÄ 0,90–1,13 Mrd. €, bei 150.000 VZÄ 1,35–1,69 Mrd. €. Davon entfallen ca. je zur Hälfte auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Wichtig: Diese Beiträge sind Einnahmen der Sozialkassen (RV, KV etc.) und nicht direkt frei im Bundeshaushalt verfügbar.

  • Tabelle: Steuerrückfluss und Sozial­beiträge (zusätzliche VZÄ)

    Zusätzl. VZÄZusätzl. BruttolohnsummeZusätzl. Lohnsteuer (10–15 %)Zusätzl. SV-Beiträge (20–25 %)
    50.0002,25 Mrd. €0,23–0,34 Mrd. €0,45–0,56 Mrd. €
    100.0004,50 Mrd. €0,45–0,68 Mrd. €0,90–1,13 Mrd. €
    150.0006,75 Mrd. €0,68–1,01 Mrd. €1,35–1,69 Mrd. €
  • Einschätzung: Selbst bei 100.000 zusätzlicher VZÄ ergeben sich nur rund 1,4 bis 1,8 Mrd. € an Mehreinnahmen (Steuer + Sozial). Das ist deutlich geringer als die diskutierten Programmkosten (mehrere zehn Mrd. €). Die sozialen Rückflüsse erhöhen zudem nur Rentenkassen- oder Krankenkassen-Reserven. Insgesamt lässt sich daraus keine vollständige Refinanzierung ableiten. Das OECD-Muster bestätigt: Vereinbarkeitspolitik kann Beschäftigung fördern, doch die fiskalischen Rückflüsse bleiben moderat und reichen allein nicht zur Kostendeckung.

4. Gesamtkosten und finanzielle Nettobilanz

Wir fassen die Bruttoausgaben des Gesamtprogramms (Maßnahmen 7.1–7.6) und die geschätzten Rückflüsse zusammen. Die Angaben sind Richtwerte, starke Annahmen und keine belastbaren Haushaltsprognosen:

  • Bruttoausgaben: In deiner Konzeption addieren sich die Einzelansätze auf 24,6–34,0 Milliarden Euro pro Jahr (siehe vorherige Abschnitte). Nach kritisch bereinigter Kalkulation könnte man das als oberste Ausgaben­grenze sehen. Beispielhaft haben wir einen politisch vorgeschlagenen Budgetrahmen von etwa 10,38 Mrd. € jährlich angenommen (vgl. Abschnitt 18).
  • Steuerrückflüsse: Bei realistischen Beschäftigungszuwächsen würden etwa 0,5–1,0 Mrd. € an zusätzlichen Einkommensteuer- bzw. Lohnsteuereinnahmen pro Jahr zurückfließen (abhängig von der konkreten Arbeitszeitsteigerung).
  • Sozialbeiträge: Analog kommen 1,0–2,0 Mrd. € jährlich aus den höheren SV-Beiträgen hinzu (Renten-, Kranken-, Arbeitslosenversicherung).
  • Rechnung: Bei einem angenommenen Bruttoetat von 10,38 Mrd. € pro Jahr und Rückflüssen von insgesamt 1,5–3,0 Mrd. € (Steuern + Beiträge) verbleiben Nettoausgaben in Höhe von rund 7,4–8,9 Mrd. € jährlich. (Rechnung: 10,38 – (0,5+1,0) = 8,88; bzw. 10,38 – (1,0+2,0) = 7,38.) Diese Nettobelastung verteilt sich auf Bundeshaushalt, Länder/Kommunen und Sozialhaushalte je nach Maßnahme.
PostenBruttoaufwand (Mrd. €)Steuern (Mrd. €)SV-Beiträge (Mrd. €)Netto (Mrd. €)
Gesamtes Programm (Orientierung)10,380,5 – 1,01,0 – 2,07,4 – 8,9

Tabelle: Konsolidierte Jahrestabelle (fiktive Annahmen)

Szenarien: Je nach Inanspruchnahme und Effektivität variieren diese Zahlen. In einem optimistischen Szenario (starke Beschäftigungswirkung) könnten mehr zusätzliche Beiträge fließen und die Nettobelastung etwas geringer ausfallen. Selbst dann bleiben aber mehrere Milliarden Euro übrig, die der Staat aufbringen muss. Ein pessimistisches Szenario (geringe Wirkung, hohe Kosten) würde die Nettobelastung noch erhöhen.

5. Sensitivität und Rahmenbedingungen

  • Mitnahmeeffekte: Ein zentrales Risiko ist, dass Unternehmen und Familien Zuschüsse erhalten, obwohl sie ohnehin familienfreundlich agieren oder bereits mehr arbeiten würden. Ein Beispiel: Ein Betrieb würde auch ohne Förderung 100 Eltern einstellen. Der gesamte Zuschuss dafür würde dann keine zusätzlichen Arbeitsplätze schaffen. Um Mitnahme zu verringern, empfiehlt es sich, Förderungen an nachweisbare Zusatzleistungen zu knüpfen (z. B. ausschließlich für neu geschaffene Plätze oder tatsächlich zusätzliche Arbeitsstunden).
  • Verteilung der Kosten: Die Finanzierung verteilt sich auf Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherungen. Etwaige Rückflüsse (Steuern, Rentenbeiträge) entlasten nicht zwangsläufig den Bundeshaushalt: KV- oder RV-Einnahmen fließen in deren Kassen, nicht direkt ins Bundesbudget.
  • Demografische Trends: Selbst mit dem Programm bleibt Deutschland weiter in einem Geburtendefizit. Die Alterung und daraus resultierende höhere Ausgaben (Renten, Pflege) sind langfristig kaum durch solche Maßnahmen kompensierbar; externe Effekte (Zuwanderung) bleiben relevant. Das OECD-Motto lautet daher: Politik sollte besser „niedrigere Fertilität einplanen und Lebensarbeitszeit verlängern”.
  • Evaluation: Zur späteren Bewertung empfehlen wir Zwischenevaluierungen nach etwa 2–3 Jahren. Dann könnten tatsächliche Förderfälle, Arbeitsmarktbilanz und Budget­effekte gemessen werden. Übersteigerte Erwartungen an „Selbstfinanzierung” sollten bei solchen Prüfungen revidiert werden.
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    title Zeitplan für Umsetzung und Evaluation
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    section Vorbereitung
    Programmkonzeption und Budgetierung       :done, 2024-2026
    section Umsetzung
    Einführung der Maßnahmen                 :active, 2027-2028
    section Monitoring
    Zwischenevaluation (Erste Ergebnisse)    :crit, 2029, 1y
    section Anpassung
    Maßnahmenanpassung nach Evaluation       :2030-2031
    section Abschluss
    Endgültige Auswertung und Revision       :2032-2033

Grafik: Geschätzter Zeitplan. Nach Beschluss (2024–26) wird 2027–28 mit Ausrollen begonnen. Erste Zwischenauswertung erfolgt 2029; es folgen gegebenenfalls Anpassungen, gefolgt von einer abschließenden Evaluation (2032–33).

6. Gesamtbewertung

  • Effekte auf Fertilität: Erwartbar ist ein leichter Anstieg der Geburtenzahl (mehr Kinderwunsch-Erfüllung durch bessere Bedingungen), jedoch wohl nicht in der Größenordnung früherer Elterngeld-Effekte. Die Direktsubvention „Familiengeld” wirkt v.a. sozial und dürfte den TFR-Anstieg auf wenige Zehntelpunkte begrenzen. Eine solide Begründung für 0,03 TFR-Steigerung (wie im Ursprungsprogramm) fehlt. Realistisch sind eher Änderungen um +0,01 bis +0,03 (ein paar Tausend zusätzliche Geburten) als +0,05 oder mehr.
  • Wachstum und Arbeitsmarkt: Das Programm kann signifikant mehr Arbeitsangebot generieren. Jeder zusätzliche VZÄ bringt Staatskasse Einnahmen, und höhere Erwerbsquoten können Engpässe in Schlüsselbranchen mindern. Hier liegt der größte positive Hebel. Voraussetzung ist aber, dass die Maßnahmen auch tatsächlich neue Arbeitsstellen ermöglichen (z.B. nicht nur Umschichtung von Teilzeit auf Vollzeit derselben Person).
  • Finanzielle Belastung: Die Bruttokosten sind hoch (viele Mrd. € jährlich). Die geschätzten Steuerrückflüsse (nur ein kleiner Teil davon) reichen bei weitem nicht zur Finanzierung. Ein „Selbstfinanzierung” über Lohnsteuern und Beiträge ist nicht gegeben. Die jährliche Nettobelastung des Staates beträgt voraussichtlich mehrere Milliarden Euro – sie wird in keinem Szenario komplett durch Mehreinnahmen kompensiert.
  • Empfehlung: Angesichts dieser Analyse sollten im Parteiprogramm zunächst klare Obergrenzen festgeschrieben werden und die Ziele (Erwerbstätigkeit, Vereinbarkeit) präzisiert werden. Statt pauschalem Lohnsummenrabatt („2 % Index”) ist eine leistungsgebundene Förderung (zusätzliche Kita-Plätze, bewiesene Neueinstellungen) wirtschaftlich effizienter. Eine feste Auszahlungsformel sollte an reale Wirkungen geknüpft werden. Nur so lässt sich im Zeitablauf nachvollziehen, welche Teile der Ausgaben echten Mehrwert bringen.

Quellen: Statistisches Bundesamt (TFR und Geburtenentwicklung), IAB (Erwerbstätigkeit und Betreuungsnutzung), OECD Society at a Glance 2024 (Familienpolitik und Fertilität), eigene Berechnungen.