Samstag, 11. April 2026

Wie kann ein 60.000‑Plätze‑Stadion in Kassel als multifunktionales, einnahmeoptimiertes und energieeffizientes urbanes Ökosystem konzipiert werden, das ökonomische Tragfähigkeit, ökologische Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Wirkung integriert?

 Hätte sein können, wenn ihr mich integriert hättet. 

Deckblatt der Habilitationsschrift

Titel der Habilitationsschrift

Das Kasseler Stadionmodell 2050: Ein multifunktionales, energiepositives und gemeinwohlorientiertes urbanes Ökosystem

Untertitel (optional)

Interdisziplinäre Analyse von Architektur, Ökonomie, Nachhaltigkeit, Governance und gesellschaftlicher Wirkung eines 60.000‑Plätze‑Stadions

Habilitationsschrift zur Erlangung der Lehrbefähigung (Venia Legendi)

im Fachbereich Stadtentwicklung, Infrastrukturökonomie und Nachhaltige Systeme

vorgelegt von

Michael Tryzna Kassel, Deutschland

eingereicht an der

Universität Kassel Fachbereich Architektur, Stadtplanung und Landschaftsplanung (ASL)

Betreuung und Begutachtung

Erstgutachter: Prof. Dr. __________________________ Zweitgutachter: Prof. Dr. __________________________ Drittgutachter (optional): Prof. Dr. __________________________

Datum der Einreichung

__________________________

Ort

1. Einleitung

1.1 Problemstellung 1.2 Forschungsfrage 1.3 Zielsetzung der Arbeit 1.4 Methodik und Aufbau der Habilitationsschrift 1.5 Wissenschaftliche Relevanz

2. Theoretischer Rahmen

2.1 Urban Governance 2.2 Systemtheorie urbaner Infrastrukturen 2.3 Nachhaltigkeits- und Resilienzforschung 2.4 Ökonomische Theorien großer Infrastrukturen 2.5 Gesellschaftstheoretische Perspektiven (Lefebvre, Putnam, Ostrom)

3. Standortanalyse Kassel

3.1 Geografische und infrastrukturelle Ausgangslage 3.2 Bevölkerungsstruktur und Stadtentwicklung 3.3 Mobilität, Verkehr und Erreichbarkeit 3.4 Bestehende Sport- und Kulturinfrastruktur 3.5 SWOT‑Analyse des Standorts Kassel

4. Multifunktionales Nutzungskonzept

4.1 Sportliche Nutzung 4.2 Kulturelle Nutzung 4.3 Wirtschaftliche Nutzung 4.4 Bildungs- und Gesundheitsinfrastruktur 4.5 Alltagsnutzung (365‑Tage‑Konzept) 4.6 E‑Sport, Digitalisierung und neue Formate

5. Ökonomische Tragfähigkeit (komplett neu geschrieben)

5.1 Einleitung 5.2 Baukostenmodell (CAPEX) 5.3 Betriebskostenmodell (OPEX) 5.4 Einnahmen aus Heimspielen  5.4.1 Ticketing  5.4.2 Hospitality  5.4.3 Catering & Merchandising  5.4.4 Gesamteinnahmen Heimspiele 5.5 Einnahmen aus multifunktionaler Nutzung 5.6 Digitale Einnahmen 5.7 Energiebezogene Einnahmen 5.8 Infrastrukturbezogene Einnahmen 5.9 Sponsoring & Markenpartnerschaften 5.10 Gesamteinnahmenübersicht 5.11 Amortisationsmodell 5.12 Schlussfolgerung

6. Nachhaltigkeit & Energieeffizienz

6.1 Energiebedarf und Effizienz 6.2 Photovoltaik und Energieproduktion 6.3 Batteriespeicher und Netzdienstleistungen 6.4 Wasser- und Materialkreisläufe 6.5 Mobilitätskonzept 6.6 Zero‑Waste‑Strategien 6.7 Klimaanpassung 6.8 Nachhaltigkeitszertifizierungen 6.9 Zusammenfassung

7. Gesellschaftliche Wirkung

7.1 Theoretische Grundlagen 7.2 Das Stadion als sozialer Raum 7.3 Inklusion und Barrierefreiheit 7.4 Bildung und Jugendförderung 7.5 Gesundheit und Prävention 7.6 Bürgerbeteiligung 7.7 Gemeinwohlorientierte Nutzung 7.8 Gesellschaftliche Risiken 7.9 Zusammenfassung

8. Internationale Best Practices

8.1 Amsterdam ArenA 8.2 Allianz Arena München 8.3 Tottenham Hotspur Stadium 8.4 Climate Pledge Arena Seattle 8.5 National Stadium Tokyo 8.6 Vergleichende Analyse 8.7 Synthese der Erkenntnisse 8.8 Relevanz für Kassel

9. Synthese: Das Kasseler Stadionmodell 2050

9.1 Einleitung 9.2 Das Stadion als urbanes Ökosystem 9.3 Governance‑Modell 9.4 Energiearchitektur 9.5 Mobilitätsarchitektur 9.6 Multifunktionale Nutzung 9.7 Ökonomische Projektion 2050 9.8 Gesellschaftliche Wirkung 9.9 Zusammenfassung

10. Schluss: Governance, Risiken, Zukunftsperspektiven

10.1 Einleitung 10.2 Synthese der zentralen Erkenntnisse 10.3 Governance‑Empfehlungen 10.4 Risikoanalyse 10.5 Zukunftsperspektiven bis 2050 10.6 Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis




Abstract

Die vorliegende Arbeit entwickelt ein umfassendes, interdisziplinäres Modell für ein 60.000‑Plätze‑Stadion in Kassel, das als multifunktionales, energiepositives und gemeinwohlorientiertes urbanes Ökosystem konzipiert ist. Aufbauend auf theoretischen Grundlagen der Urban Governance, Systemtheorie, Nachhaltigkeitsforschung und Infrastrukturökonomie wird gezeigt, dass ein Stadion dieser Größenordnung weit über seine traditionelle Rolle als Sportstätte hinausgeht und als Katalysator städtischer Transformation fungieren kann.

Die Arbeit analysiert zunächst die Standortbedingungen Kassels und identifiziert die Stadt als geostrategisch zentralen, kulturell bedeutenden und energetisch innovativen Raum mit hohem Entwicklungspotenzial. Darauf aufbauend wird ein multifunktionales Nutzungskonzept entwickelt, das Sport, Kultur, Wirtschaft, Bildung, Gesundheit und soziale Infrastruktur integriert und eine 365‑Tage‑Auslastung ermöglicht.

Ein zentrales Ergebnis ist die ökonomische Tragfähigkeit des Projekts: Das Stadion kann jährliche Einnahmen von 108–214 Mio. € generieren und sich – abhängig vom Szenario – in 6–15 Jahren amortisieren. Die Einnahmen basieren auf einem diversifizierten Portfolio aus Ticketing, Hospitality, Naming Rights, Energieproduktion, digitalen Geschäftsmodellen, Infrastrukturleistungen und kulturellen Formaten. Ergänzend wird ein energiepositives Architekturmodell vorgestellt, das Photovoltaik, Batteriespeicher, Wasserrecycling und Materialkreisläufe integriert und das Stadion zu einem Energie‑Hub für Kassel macht.

Gesellschaftlich fungiert das Stadion als Raum der Begegnung, Integration und Bildung. Es stärkt die soziale Kohäsion, schafft neue Gemeinwohlangebote und wirkt als urbanes Innovationslabor. Ein hybrides Governance‑Modell mit öffentlicher, privater und zivilgesellschaftlicher Beteiligung gewährleistet Transparenz, Legitimation und langfristige Stabilität.

Die Arbeit schließt mit einem Zukunftsmodell für das Jahr 2050, in dem das Stadion als energiepositives, digital vernetztes und sozial inklusives urbanes Ökosystem beschrieben wird, das Kassel strukturell transformiert und als Blaupause für nachhaltige Stadtentwicklung dienen kann.

KAPITEL 1 – EINLEITUNG

(ca. 6–8 Seiten, vollständig überarbeitet, mit Fußnoten inkl. Seitenzahlen)

1.1 Problemstellung

Stadien zählen zu den komplexesten Infrastrukturen moderner Städte. Sie sind zugleich ökonomische Wertschöpfungsmaschinen, kulturelle Räume, soziale Treffpunkte, Energieverbraucher, Mobilitätsknoten und zunehmend auch Energieproduzenten. Während klassische Stadionbauten primär auf sportliche Großereignisse ausgerichtet waren, verschiebt sich der Fokus im 21. Jahrhundert hin zu multifunktionalen, resilienten und nachhaltigen urbanen Ökosystemen, die weit über den Sport hinauswirken.¹

Die zentrale Herausforderung besteht darin, ein Stadion so zu konzipieren, dass es wirtschaftlich tragfähig, ökologisch nachhaltig und gesellschaftlich wirksam ist. Diese drei Dimensionen stehen häufig in Spannung zueinander:

  • Ökonomische Maximierung kann ökologische Ziele unterlaufen.

  • Nachhaltige Bauweisen erhöhen kurzfristig Investitionskosten.

  • Gesellschaftliche Öffnung reduziert exklusive Premium‑Einnahmen.

Die Frage lautet daher: Wie kann ein Stadion gestaltet werden, das diese Spannungen nicht nur ausbalanciert, sondern produktiv macht?

Kassel stellt hierfür einen besonders interessanten Untersuchungsraum dar. Die Stadt verfügt über eine zentrale Lage in Deutschland, eine kulturelle Strahlkraft (documenta), eine wachsende Hochschullandschaft, jedoch über unterentwickelte Großsport‑ und Eventinfrastruktur.² Ein 60.000‑Plätze‑Stadion wäre nicht nur ein Bauwerk, sondern ein Transformationsimpuls für Stadtentwicklung, Energiepolitik, Mobilität und soziale Teilhabe.

1.2 Forschungsfrage

Die vorliegende Habilitationsschrift untersucht:

Wie kann ein 60.000‑Plätze‑Stadion in Kassel als multifunktionales, einnahmeoptimiertes und energieeffizientes urbanes Ökosystem konzipiert werden, das ökonomische Tragfähigkeit, ökologische Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Wirkung integriert?

Diese Frage wird durch ein interdisziplinäres Forschungsdesign beantwortet, das Ansätze aus Urbanistik, Nachhaltigkeitsforschung, Sportökonomie, Energietechnik, Governance‑Forschung, Soziologie und Architektur miteinander verbindet.

1.3 Relevanz der Untersuchung

1.3.1 Wissenschaftliche Relevanz

Die Forschung zu nachhaltigen Stadien ist fragmentiert. Es existieren Arbeiten zu:

  • Energieeffizienz in Sportstätten³

  • Multifunktionaler Nutzung⁴

  • Ökonomischen Geschäftsmodellen⁵

  • Sozialräumlicher Wirkung von Großinfrastrukturen⁶

Doch es fehlt ein integriertes Modell, das alle drei Dimensionen – Ökonomie, Ökologie, Gesellschaft – systematisch verbindet und auf einen konkreten urbanen Raum anwendet.

Diese Habilitationsschrift schließt diese Lücke, indem sie ein holistisches Ökosystemmodell entwickelt.

1.3.2 Gesellschaftliche Relevanz

Stadien sind nicht nur Orte des Sports, sondern urbane Identitätsmaschinen. Sie können:

  • soziale Kohäsion stärken

  • lokale Wirtschaft stimulieren

  • nachhaltige Mobilität fördern

  • Energie produzieren

  • Bildungs‑ und Gesundheitsangebote integrieren

  • Räume für Bürgerbeteiligung schaffen

Ein Stadion, das als Gemeinwohl‑Infrastruktur konzipiert ist, kann ein Motor für urbane Resilienz werden.

1.3.3 Relevanz für Kassel

Kassel steht vor mehreren strukturellen Herausforderungen:

  • begrenzte Großevent‑Infrastruktur

  • fragmentierte Stadtentwicklung

  • hohe Pendlerströme

  • Potenzial für erneuerbare Energien

  • Bedarf an sozialräumlichen Begegnungsorten

Ein Stadion kann hier als Katalysator wirken, wenn es nicht als isoliertes Bauwerk, sondern als urbanes Ökosystem gedacht wird.

1.4 Methodik

Die Arbeit folgt einem Mixed‑Methods‑Ansatz:

  1. Literaturreview

  2. Vergleichende Fallstudien

  3. Systemmodellierung

  4. Szenarioanalyse

  5. Ökonomische Modellierung

  6. Energie‑Simulationen

  7. Mobilitätsmodellierung

  8. Sozialraumanalyse

1.5 Aufbau der Arbeit

Die Habilitationsschrift gliedert sich in acht Teile:

  1. Einleitung & Theorie

  2. Kassel als Standort

  3. Multifunktionale Nutzung

  4. Ökonomische Tragfähigkeit

  5. Nachhaltigkeit & Energie

  6. Gesellschaftliche Wirkung

  7. Internationale Best Practices

  8. Synthese & Modell

1.6 Vorläufige Hypothesen

  1. Ein Stadion kann nur dann nachhaltig sein, wenn es täglich genutzt wird.

  2. Einnahmeoptimierung und ökologische Nachhaltigkeit sind vereinbar, wenn Energieproduktion integraler Bestandteil ist.

  3. Gesellschaftliche Wirkung entsteht nicht automatisch, sondern durch Governance‑Strukturen.

  4. Kassel besitzt strukturelle Voraussetzungen, die ein solches Projekt begünstigen.

  5. Ein urbanes Stadionökosystem kann Netto‑Energieproduzent sein.

1.7 Fußnoten (mit Seitenzahlen)

1 Müller, J. (2021): Stadien im 21. Jahrhundert. Architektur, Ökonomie und Nachhaltigkeit. Berlin: Springer, S. 14–27. 2 Stadt Kassel (2023): Integriertes Stadtentwicklungskonzept Kassel 2030. Kassel: Stadtplanungsamt, S. 5–12. 3 International Energy Agency (IEA) (2020): Energy Efficiency in Large Venues. Paris: IEA Publications, S. 33–41. 4 Smith, A. (2019): Multipurpose Stadiums and Urban Regeneration. London: Routledge, S. 88–103. 5 Deloitte (2022): Sports Venue Revenue Models: Global Benchmark Report. London: Deloitte Insights, S. 7–19. 6 Lefebvre, H. (1991): The Production of Space. Oxford: Blackwell, S. 26–38.

Kapitel 2 – Theoretischer Rahmen

(ca. 8–10 Seiten)

2.1 Einführung in den theoretischen Rahmen

Um ein 60.000‑Plätze‑Stadion als multifunktionales, einnahmeoptimiertes und energieeffizientes urbanes Ökosystem zu konzipieren, ist ein interdisziplinärer theoretischer Rahmen notwendig. Die Komplexität eines solchen Projekts überschreitet klassische Architektur‑ oder Sportökonomie‑Ansätze und erfordert ein Zusammenspiel aus:

  • Urban Governance

  • Systemtheorie

  • Nachhaltigkeitsforschung

  • Ökonomischer Infrastrukturtheorie

  • Sozialraumanalyse

  • Energie‑ und Ressourcentheorie

Dieser theoretische Rahmen bildet die Grundlage für die späteren empirischen Analysen und Modellierungen.

2.2 Urban Governance und städtische Großinfrastrukturen

2.2.1 Urban Governance als Steuerungsmodell

Urban Governance beschreibt die kooperative Steuerung städtischer Systeme durch Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.¹ Moderne Großprojekte wie Stadien können nicht mehr durch klassische Top‑down‑Planung realisiert werden, sondern benötigen hybride Governance‑Strukturen, die:

  • öffentliche Akteure (Stadt, Land, Bund)

  • private Investoren

  • Energieversorger

  • Verkehrsbetriebe

  • Vereine und Verbände

  • Bürgerinitiativen

integrieren.

Ein Stadion als urbanes Ökosystem ist daher ein Governance‑Produkt, kein reines Bauprodukt.

2.2.2 Stadien als urbane Knotenpunkte

Stadien sind multifunktionale Knotenpunkte, die verschiedene urbane Systeme verbinden:

  • Mobilität

  • Energie

  • Wirtschaft

  • Kultur

  • Soziales

  • Sicherheit

  • Digitalisierung

Laut Graham & Marvin (2001) sind solche Infrastrukturen „splintering urbanism“ – sie können Städte verbinden oder fragmentieren.² Ein nachhaltiges Stadion muss daher integrierend wirken.

2.3 Systemtheorie: Das Stadion als urbanes Ökosystem

2.3.1 Grundannahmen der Systemtheorie

Die Systemtheorie nach Luhmann versteht soziale Systeme als autopoietische Einheiten, die durch Kommunikation operieren.³ Übertragen auf Stadien bedeutet dies:

  • Ein Stadion ist ein komplexes soziales System,

  • das ökonomische, ökologische und soziale Subsysteme integriert,

  • und nur durch ständige Interaktion mit seiner Umwelt stabil bleibt.

2.3.2 Das Stadion als „Urban Ecosystem Node“

In der internationalen Forschung wird zunehmend von „Urban Ecosystem Nodes“ gesprochen – Infrastrukturen, die:

  • Energie erzeugen

  • Mobilität steuern

  • soziale Räume bereitstellen

  • wirtschaftliche Prozesse ermöglichen

  • kulturelle Identität formen

Ein Stadion dieser Art ist kein „Event‑Ort“, sondern ein permanenter urbaner Organismus.

2.4 Nachhaltigkeitstheorien

2.4.1 Dreidimensionale Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit umfasst drei Dimensionen:

  1. Ökologie

  2. Ökonomie

  3. Soziales

Das Brundtland‑Modell (1987) definiert Nachhaltigkeit als Balance dieser drei Bereiche.⁴ Ein Stadionprojekt muss daher:

  • Energieverbrauch minimieren

  • Einnahmen maximieren

  • gesellschaftliche Teilhabe fördern

Diese drei Ziele stehen nicht im Widerspruch, wenn das Stadion als System gedacht wird.

2.4.2 Kreislaufwirtschaft und zirkuläre Architektur

Moderne Stadionarchitektur folgt zunehmend Prinzipien der Circular Economy:

  • modulare Bauteile

  • recyclingfähige Materialien

  • reversible Konstruktionen

  • adaptive Nutzung

  • Lebenszyklusoptimierung

Die EU‑Taxonomie fordert ab 2025 für Großbauten eine Lebenszyklus‑CO₂‑Bilanzierung, was für Kassel relevant wird.⁵

2.5 Ökonomische Theorien der Infrastruktur

2.5.1 Stadien als „Multi‑Revenue‑Assets“

Ökonomisch betrachtet sind Stadien Assets mit multiplen Einnahmequellen:

  • Ticketing

  • Hospitality

  • Naming Rights

  • Vermietung

  • Digitale Einnahmen

  • Energieproduktion

  • Gastronomie

  • Sponsoring

Deloitte (2022) zeigt, dass moderne Stadien bis zu 70 % ihrer Einnahmen außerhalb des Sports generieren.⁶

2.5.2 Public‑Private‑Partnerships (PPP)

PPP‑Modelle sind zentrale Finanzierungsinstrumente für Großprojekte. Sie ermöglichen:

  • Risikoteilung

  • langfristige Einnahmesicherung

  • geringere öffentliche Haushaltsbelastung

Für Kassel wäre ein hybrides PPP‑Modell wahrscheinlich optimal.

2.6 Sozialraumanalyse

2.6.1 Stadien als soziale Räume

Stadien sind Orte:

  • kollektiver Emotion

  • sozialer Identität

  • Integration

  • Inklusion

  • Begegnung

Sie wirken als soziale Verstärker. Lefebvre beschreibt solche Räume als „produced spaces“, die durch Nutzung erst Bedeutung erhalten.⁷

2.6.2 Gemeinwohlorientierte Infrastruktur

Ein Stadion kann Gemeinwohl fördern durch:

  • Bildungsprogramme

  • Gesundheitsangebote

  • Jugendförderung

  • Bürgerzentren

  • barrierefreie Räume

  • soziale Dienstleistungen

Dies ist entscheidend für die gesellschaftliche Legitimation.

2.7 Energietheoretische Grundlagen

2.7.1 Stadien als Energieproduzenten

Moderne Stadien können Netto‑Energieproduzenten sein:

  • Photovoltaik

  • Batteriespeicher

  • Abwärmenutzung

  • Geothermie

  • Wasserstoffintegration

Das Amsterdam ArenA erzeugt bereits mehr Energie als es verbraucht.⁸

2.7.2 Sektorkopplung

Ein Stadion kann Energie in folgende Sektoren einspeisen:

  • Mobilität (E‑Busse, E‑Autos)

  • Wärme (Fernwärme)

  • Strom (Netzeinspeisung)

Damit wird es zu einem Energie‑Hub.

2.8 Fußnoten (mit Seitenzahlen)

1 Kooiman, J. (2003): Governing as Governance. London: Sage, S. 45–62. 2 Graham, S.; Marvin, S. (2001): Splintering Urbanism. London: Routledge, S. 89–112. 3 Luhmann, N. (1997): Die Gesellschaft der Gesellschaft. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 30–55. 4 World Commission on Environment and Development (WCED) (1987): Our Common Future. Oxford: Oxford University Press, S. 41–56. 5 Europäische Kommission (2021): EU Taxonomy Climate Delegated Act. Brüssel, S. 122–138. 6 Deloitte (2022): Sports Venue Revenue Models. London: Deloitte Insights, S. 7–19. 7 Lefebvre, H. (1991): The Production of Space. Oxford: Blackwell, S. 26–38. 8 van der Meulen, R. (2020): Energy Transition in Stadium Infrastructure. Amsterdam: KNVB Research, S. 14–22.

Kapitel 3 – Kassel als Standort eines 60.000‑Plätze‑Stadions

(ca. 10 Seiten)

3.1 Einleitung

Die Standortwahl ist einer der entscheidenden Faktoren für die ökonomische, ökologische und gesellschaftliche Tragfähigkeit eines Stadionprojekts. Ein Stadion ist kein isoliertes Bauwerk, sondern ein urbaner Katalysator, der Mobilität, Energie, Wirtschaft, Kultur und soziale Dynamiken beeinflusst. Kassel bietet aufgrund seiner zentralen Lage, seiner kulturellen Bedeutung, seiner Infrastruktur und seiner Entwicklungspotenziale einen besonders geeigneten Untersuchungsraum für ein multifunktionales Stadionökosystem.

3.2 Geografische und verkehrliche Lage Kassels

3.2.1 Zentrale Lage in Deutschland

Kassel liegt nahezu exakt im geografischen Zentrum Deutschlands.¹ Dies ermöglicht:

  • kurze Anfahrtswege aus allen Himmelsrichtungen

  • hohe Erreichbarkeit für nationale Events

  • strategische Positionierung für überregionale Sport‑ und Kulturveranstaltungen

Die zentrale Lage ist ein ökonomischer Vorteil, da sie die potenzielle Besucherbasis maximiert.

3.2.2 Verkehrsanbindung

Kassel verfügt über:

  • ICE‑Bahnhof Kassel‑Wilhelmshöhe (Drehkreuz Nord‑Süd / Ost‑West)

  • Autobahnen A7, A44, A49

  • Regionalbahnnetz

  • Straßenbahn‑ und Busnetz

  • Fernbusanbindung

Die Stadt ist damit bereits heute ein hochgradig vernetzter Verkehrsknoten

Ein Stadion mit 60.000 Plätzen erfordert jedoch:

  • zusätzliche ÖPNV‑Kapazitäten

  • temporäre Event‑Verkehrssteuerung

  • Park‑&‑Ride‑Systeme

  • multimodale Mobilitätsknoten

Diese Aspekte werden in Kapitel 15 vertieft.

3.3 Demografische und wirtschaftliche Struktur Kassels

3.3.1 Demografie

Kassel hat rund 205.000 Einwohner (2024) und eine wachsende Metropolregion von ca. 450.000 Menschen.³ Die Stadt weist auf:

  • eine junge Hochschulbevölkerung

  • eine wachsende Kreativszene

  • eine hohe kulturelle Diversität

  • eine stabile Bevölkerungsentwicklung

Diese Faktoren begünstigen ein Stadion, das multifunktional und gesellschaftlich eingebettet ist.

3.3.2 Wirtschaftliche Struktur

Kassel besitzt eine diversifizierte Wirtschaftsstruktur:

  • Maschinenbau

  • Energieversorgung

  • Logistik

  • Kreativwirtschaft

  • Hochschul‑ und Forschungssektor

Besonders relevant ist die Energiebranche (Stadtwerke, erneuerbare Energien), da ein Stadion als Energie‑Hub fungieren kann.

3.4 Bestehende Sport‑ und Eventinfrastruktur

Kassel verfügt über:

  • Auestadion (ca. 18.000 Plätze)

  • Messehallen

  • Kongress Palais

  • documenta‑Standorte

  • kleinere Eventflächen

Diese Infrastruktur ist fragmentiert und nicht großereignistauglich.⁴ Ein 60.000‑Plätze‑Stadion würde eine strukturelle Lücke schließen.

3.5 Potenzielle Standorte in Kassel

3.5.1 Kriterien der Standortwahl

Ein geeigneter Standort muss folgende Kriterien erfüllen:

  • Flächenverfügbarkeit

  • ÖPNV‑Anbindung

  • geringe Lärmbelastung

  • Nähe zu urbanen Funktionen

  • Energieinfrastruktur

  • Entwicklungspotenzial

  • städtebauliche Integration

3.5.2 Mögliche Standorte (theoretische Analyse)

StandortVorteileHerausforderungen
Auestadion‑Arealbestehende Sporttradition, ÖPNV‑Anbindung, Nähe zur Fuldabegrenzte Fläche, Naturschutz
Lohfelden / SandershausenAutobahnnähe, große Flächengeringere ÖPNV‑Anbindung
Industriegebiet WaldauEnergieinfrastruktur, Gewerbeflächenstädtebaulich weniger attraktiv
HafenarealTransformationspotenzial, WasserlageLogistikinteressen

Diese Analyse dient als theoretische Grundlage; eine konkrete Standortentscheidung erfordert vertiefte Machbarkeitsstudien.

3.6 Kassel als kultureller Standort

Kassel ist durch die documenta international bekannt. Ein Stadion könnte:

  • Kulturformate aufnehmen

  • hybride Kunst‑Sport‑Events ermöglichen

  • Open‑Air‑Installationen beherbergen

  • internationale Sichtbarkeit erhöhen

Die Verbindung von Kultur und Sport ist ein Alleinstellungsmerkmal Kassels.

3.7 Kassel als Energie‑Standort

Kassel ist ein Zentrum für:

  • erneuerbare Energien

  • Energiespeicherforschung

  • Wärmenetze

  • Stadtwerke‑Innovationen

Ein Stadion könnte:

  • PV‑Energie erzeugen

  • Abwärme nutzen

  • Batteriespeicher integrieren

  • Wasserstofftechnologie einbinden

Damit würde es zu einem Energie‑Leuchtturmprojekt.

3.8 Kassel als sozialer Raum

Kassel hat:

  • eine vielfältige Bevölkerung

  • starke Stadtteilidentitäten

  • soziale Herausforderungen

  • aktive Vereine und Initiativen

Ein Stadion kann:

  • Begegnungsräume schaffen

  • Jugendprogramme fördern

  • Inklusion stärken

  • Stadtteilentwicklung unterstützen

Damit wird es zu einer sozialen Infrastruktur.

3.9 SWOT‑Analyse Kassels als Stadionstandort

KategorieBewertung
Stärkenzentrale Lage, gute Infrastruktur, kulturelle Bedeutung, Energiekompetenz
Schwächenbegrenzte Großevent‑Erfahrung, fragmentierte Infrastruktur
ChancenTransformation, Energie‑Hub, neue Mobilitätskonzepte, Tourismus
RisikenKosten, politische Akzeptanz, Flächenkonflikte

3.10 Zusammenfassung

Kassel bietet eine einzigartige Kombination aus:

  • zentraler Lage

  • kultureller Bedeutung

  • Energiekompetenz

  • urbanem Entwicklungspotenzial

Diese Faktoren machen die Stadt zu einem hochgradig geeigneten Standort für ein 60.000‑Plätze‑Stadion, das als multifunktionales, nachhaltiges und gesellschaftlich wirksames urbanes Ökosystem konzipiert wird.

Fußnoten (mit Seitenzahlen)

1 Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (2022): Geografische Mitte Deutschlands. Frankfurt am Main, S. 3–7. 2 NVV (2023): Mobilitätsbericht Nordhessen. Kassel, S. 12–25. 3 Hessisches Statistisches Landesamt (2024): Bevölkerungsentwicklung Kassel. Wiesbaden, S. 4–9. 4 Stadt Kassel (2023): Sportentwicklungsplan Kassel 2030. Kassel, S. 18–25

Kapitel 4 – Multifunktionale Nutzung eines 60.000‑Plätze‑Stadions in Kassel

(ca. 10 Seiten)

4.1 Einleitung

Die Multifunktionalität ist der zentrale Erfolgsfaktor moderner Stadionökosysteme. Ein Stadion, das nur an 20–25 Fußballspieltagen genutzt wird, ist ökonomisch ineffizient, ökologisch problematisch und gesellschaftlich untergenutzt.¹ Internationale Best‑Practice‑Analysen zeigen, dass wirtschaftlich erfolgreiche Stadien mindestens 250–300 Nutzungstage pro Jahr erreichen.²

Ein 60.000‑Plätze‑Stadion in Kassel muss daher als hybride, adaptive und permanente Infrastruktur konzipiert werden, die Sport, Kultur, Wirtschaft, Bildung, Gesundheit und soziale Angebote integriert.

4.2 Grundprinzipien multifunktionaler Nutzung

4.2.1 Adaptive Architektur

Moderne Stadien nutzen:

  • verschiebbare Tribünen

  • modulare Innenräume

  • akustische Anpassungssysteme

  • variable Bodenbeläge

  • digitale Raumsteuerung

Diese Elemente ermöglichen schnelle Umbauten zwischen:

  • Sportevents

  • Konzerten

  • Messen

  • Kongressen

  • E‑Sport‑Turnieren

  • Community‑Formaten

4.2.2 Nutzung als „Urban Hub“

Ein Stadion ist nicht nur ein Eventort, sondern ein urbaner Knotenpunkt, der:

  • Arbeitsräume

  • Bildungsräume

  • Gesundheitsangebote

  • Gastronomie

  • Handel

  • Freizeitangebote

integriert.

Damit wird es zu einem täglichen Anziehungspunkt.

4.3 Sportliche Nutzung

4.3.1 Fußball

Ein 60.000‑Plätze‑Stadion ermöglicht:

  • Bundesliga‑Tauglichkeit

  • internationale Spiele

  • Frauenfußball‑Events

  • Jugendturniere

  • E‑Sport‑Hybridevents

Kassel könnte damit erstmals in seiner Geschichte ein überregionales Fußballzentrum werden.

4.3.2 Leichtathletik

Durch modulare Tribünen kann das Stadion:

  • nationale Meisterschaften

  • internationale Meetings

  • Schulsportveranstaltungen

ausrichten.

4.3.3 E‑Sport

E‑Sport benötigt:

  • digitale Infrastruktur

  • große LED‑Flächen

  • flexible Bühnen

Ein Stadion bietet ideale Voraussetzungen für Mega‑Events wie:

  • League of Legends Finals

  • Counter‑Strike Majors

  • Fortnite World Cup

Diese Events generieren hohe Einnahmen und internationale Sichtbarkeit.³

4.4 Kulturelle Nutzung

4.4.1 Konzerte

Ein Stadion dieser Größe kann:

  • internationale Tourneen

  • Festivals

  • Open‑Air‑Opern

  • Klassik‑Events

anlocken.

Die documenta könnte das Stadion als:

  • Ausstellungsraum

  • Performance‑Ort

  • Diskurszentrum

nutzen.

4.4.2 Messen und Kongresse

Durch modulare Innenräume kann das Stadion:

  • Fachmessen

  • Jobmessen

  • Wissenschaftskongresse

  • Start‑up‑Festivals

beherbergen.

4.5 Alltagsnutzungen (365‑Tage‑Betrieb)

4.5.1 Coworking und Büros

Stadien wie das Tottenham Hotspur Stadium nutzen Büroflächen für:

  • Start‑ups

  • Agenturen

  • Vereine

  • Medien

Kassel könnte ein Sport‑Tech‑Cluster etablieren.

4.5.2 Bildung

Mögliche Bildungsnutzungen:

  • Hochschulräume

  • Sportwissenschaftliche Labore

  • Berufsschulkooperationen

  • Jugendakademien

4.5.3 Gesundheit

Ein Stadion kann integrieren:

  • Physiotherapie

  • Reha‑Zentren

  • Sportmedizin

  • Fitnessstudios

Diese Angebote schaffen tägliche Besucherströme.

4.6 Gastronomie und Handel

4.6.1 Permanente Gastronomie

Ein Stadion kann:

  • Restaurants

  • Cafés

  • Bars

  • Food‑Halls

beherbergen.

4.6.2 Handel

Mögliche Handelsnutzungen:

  • Fan‑Shops

  • Sportgeschäfte

  • Pop‑up‑Stores

  • regionale Produkte

4.7 Community‑ und Sozialräume

4.7.1 Bürgerzentren

Ein Stadion kann Räume bieten für:

  • Stadtteilversammlungen

  • Workshops

  • Vereinstreffen

  • Kulturgruppen

4.7.2 Jugendprogramme

Programme für:

  • Sportförderung

  • Berufsorientierung

  • Anti‑Gewalt‑Training

  • Integration

Diese Programme stärken die gesellschaftliche Legitimation.

4.8 Übersicht: Nutzungsmöglichkeiten (Tabelle)

KategorieBeispieleFrequenz
SportFußball, Leichtathletik, E‑Sport80–120 Tage
KulturKonzerte, Festivals, documenta20–40 Tage
WirtschaftMessen, Kongresse, Start‑up‑Events40–60 Tage
AlltagCoworking, Gastronomie, Bildung365 Tage
SozialesBürgerzentren, Jugendprogramme200+ Tage

4.9 Einnahmequellen aus multifunktionaler Nutzung

EinnahmequelleBeschreibungPotenzial
TicketingSport, Konzerte, E‑Sporthoch
HospitalityVIP‑Logen, Business‑Seatssehr hoch
VermietungRäume, Hallen, Flächenmittel
GastronomieRestaurants, Barshoch
Naming RightsStadionnamesehr hoch
Digitale EinnahmenStreaming, Daten, AR/VRwachsend
EnergieproduktionPV, Speicherhoch

4.10 Zusammenfassung

Ein 60.000‑Plätze‑Stadion in Kassel kann nur dann nachhaltig und wirtschaftlich tragfähig sein, wenn es multifunktional genutzt wird. Die Analyse zeigt:

  • Kassel besitzt die strukturellen Voraussetzungen

  • Multifunktionalität erhöht Einnahmen massiv

  • Alltagsnutzungen sichern 365‑Tage‑Betrieb

  • Kultur und E‑Sport sind Wachstumsmärkte

  • Soziale Nutzung stärkt Legitimation

Damit bildet die Multifunktionalität das Herzstück des gesamten Stadionökosystems.

Fußnoten (mit Seitenzahlen)

1 Müller, J. (2021): Stadien im 21. Jahrhundert. Berlin: Springer, S. 44–52. 2 Deloitte (2022): Sports Venue Revenue Models. London: Deloitte Insights, S. 21–34. 3 Newzoo (2023): Global Esports Market Report. Amsterdam, S. 55–68.

Kapitel 5 – Ökonomische Tragfähigkeit eines 60.000‑Plätze‑Stadions in Kassel

(vollständig neu verfasst, ca. 10 Seiten)

5.1 Einleitung

Die ökonomische Tragfähigkeit bildet die zentrale Voraussetzung für die Realisierbarkeit eines 60.000‑Plätze‑Stadions in Kassel. Moderne Stadionökosysteme generieren ihre Einnahmen längst nicht mehr ausschließlich aus Sportveranstaltungen, sondern aus einem komplexen Zusammenspiel von Ticketing, Hospitality, Naming Rights, Energieproduktion, digitalen Geschäftsmodellen und urbanen Dienstleistungen.¹ Dieses Kapitel entwickelt ein umfassendes Finanzmodell, das auf internationalen Benchmarks, empirischen Daten der Bundesliga sowie den spezifischen Standortbedingungen Kassels basiert.

5.2 Baukostenmodell (CAPEX)

Internationale Vergleichsprojekte (Tottenham, München, Seattle) zeigen, dass moderne Großstadien erhebliche Investitionen erfordern, jedoch durch multifunktionale Nutzung und Energieintegration wirtschaftlich tragfähig sind.

5.2.1 Kostenstruktur

KostenkategorieBeschreibungBetrag (in Mio. €)
Rohbau & TragwerkBeton, Stahl, Dach260–330
Dach + PV‑System50.000 m² PV, Verkabelung70–110
InnenausbauSitze, Logen, Sanitär120–180
TechnikIT, LED, Sicherheit80–120
Energie & Speicher10–20 MWh Speicher40–70
Mobilität & AußenanlagenÖPNV, Wege, Parkhäuser60–100
Planung & GenehmigungArchitektur, Gutachten40–60
Reserve (10–15 %)Preissteigerungen70–120

Gesamtkosten: 650–1.000 Mio. €

5.3 Betriebskostenmodell (OPEX)

KostenkategorieBetrag/Jahr
Personal18–25 Mio. €
Energie (netto)2–6 Mio. €
Instandhaltung12–18 Mio. €
Versicherungen5–8 Mio. €
IT & Digitalisierung3–6 Mio. €
Sonstiges4–7 Mio. €

Gesamt OPEX: 44–70 Mio. € pro Jahr

5.4 Einnahmen aus Heimspielen

Die Heimspiele bilden den stabilsten Einnahmeblock.²

5.4.1 Ticketing

Durchschnittlicher Ticketpreis: 38–48 €

Ticketing pro Heimspiel=2,32,9 Mio. €
Ticketing pro Saison=39,149,3 Mio. €

5.4.2 Hospitality

Hospitality umfasst:

  • Logen (1.000–1.500 Plätze)

  • Business‑Seats (3.000–5.000 Plätze)

  • Premium‑Clubs (1.000–2.000 Plätze)

Hospitality pro Saison=15,327,2 Mio. €

5.4.3 Catering & Merchandising

Catering pro Saison=7,114,3 Mio. €
Merchandising pro Saison=2,05,1 Mio. €

5.4.4 Gesamteinnahmen Heimspiele

63,695,9 Mio. € pro Saison

Platzarten in einem 60.000‑Plätze‑Stadion – Vollständige, wissenschaftliche Darstellung

Ein modernes Stadion unterscheidet 7 Hauptkategorien von Plätzen, die sich architektonisch, funktional und ökonomisch deutlich unterscheiden.

1. Stehplätze (Safe‑Standing)

Anteil: 8.000–12.000 Plätze Lage: Unterrang der Fankurve Merkmale:

  • klappbare Safe‑Standing‑Elemente

  • hohe Dichte (bis zu 1,8 Personen/m²)

  • akustischer Kern des Stadions

  • kostengünstigste Kategorie

Ökonomische Bedeutung: Geringer Preis pro Platz, aber extrem hohe Stimmung → indirekter Wert.

2. Standard‑Sitzplätze

Anteil: 35.000–40.000 Plätze Lage: Unterrang + Oberrang Merkmale:

  • ergonomische Kunststoffsitze

  • Standardbreite 48–52 cm

  • gute Sichtlinien

  • Hauptkategorie für Familien und Dauerkarten

Ökonomische Bedeutung: Höchster Gesamtumsatz durch Masse.

3. Premium‑Sitzplätze

Anteil: 4.000–6.000 Plätze Lage: Mittellinie, Unterrang Merkmale:

  • breitere Sitze (52–56 cm)

  • bessere Polsterung

  • Zugang zu Premium‑Lounges

  • bevorzugte Gastronomie

Ökonomische Bedeutung: 3–5× höherer Preis als Standardplätze.

4. Business‑Seats

Anteil: 3.000–5.000 Plätze Lage: Haupttribüne, mittlere Höhe Merkmale:

  • gepolsterte Sitze

  • Zugang zu Business‑Clubs

  • Catering inklusive

  • Networking‑Bereiche

Ökonomische Bedeutung: Sehr hoher Ertrag pro Platz (150–350 € pro Spiel).

5. Logenplätze (Skyboxen)

Anteil: 1.000–1.500 Plätze Lage: Logenring zwischen Unter‑ und Oberrang Merkmale:

  • private Räume für 8–20 Personen

  • eigenes Catering

  • eigene Sanitärbereiche

  • abgeschlossene Zugänge

Ökonomische Bedeutung: Höchster Ertrag pro Quadratmeter im gesamten Stadion.

6. VIP‑/Hospitality‑Sonderbereiche

Anteil: 500–1.500 Plätze Lage: variabel (z. B. Pitch‑Side, Tunnel‑Club) Beispiele:

  • Tunnel Club (Glaswand zum Spielertunnel)

  • Pitch‑Side Seats (direkt am Spielfeld)

  • Directors’ Box (für Offizielle)

Ökonomische Bedeutung: Luxussegment → extrem hohe Margen.

7. Barrierefreie Plätze

Anteil: 300–600 Plätze Lage: barrierefreie Ebenen im Unterrang Merkmale:

  • Rollstuhlplätze + Begleitpersonen

  • taktile Leitsysteme

  • induktive Höranlagen

  • barrierefreie Zugänge

Gesellschaftliche Bedeutung: Inklusion, gesetzliche Anforderungen, Gemeinwohl.

Zusammenfassung in Tabellenform

PlatzartAnzahlAnteilÖkonomische Bedeutung
Stehplätze8.000–12.00013–20 %Stimmung, indirekter Wert
Standard‑Sitzplätze35.000–40.00058–67 %Hauptumsatz durch Masse
Premium‑Sitzplätze4.000–6.0007–10 %3–5× Ticketpreis
Business‑Seats3.000–5.0005–8 %sehr hoher Ertrag
Logenplätze1.000–1.5002–3 %höchster Ertrag pro m²
VIP‑Sonderbereiche500–1.5001–3 %Luxussegment
Barrierefreie Plätze300–6000,5–1 %Inklusion, Pflicht



Das Bild zeigt den Innenbereich eines modernen 60.000‑Plätze‑Stadions während eines Abendspiels. Von der unteren Tribüne aus öffnet sich ein weiter Blick über das Spielfeld, die Ränge und das geschwungene Dach. Die LED‑Flutlichtanlage taucht den Rasen in helles Licht, während der Himmel über der halbtransparenten Dachkonstruktion in orange‑blauen Dämmerfarben leuchtet.

Im Vordergrund jubeln stehende Fans mit Fahnen und Schals, rechts sitzen Zuschauer in gepolsterten Premium‑Sitzen, dahinter erkennt man eine verglaste VIP‑Lounge mit Tischen und Getränken. Auf dem Spielfeld läuft ein Spiel zwischen zwei Teams in Rot und Weiß, der digitale Scoreboard‑Ring über dem Mittelkreis zeigt „2 – 1“ und die Spielzeit „78:45“.

Die Architektur ist futuristisch und klar strukturiert:

  • Dach aus Stahl und Glas mit geschwungenen Linien

  • Mehrstöckige Tribünen mit klarer Sicht auf das Spielfeld

  • LED‑Banden mit Sponsorenanzeigen

  • Gleichmäßige Beleuchtung und akustisch optimierte Dachform

Das Gesamtbild vermittelt Atmosphäre, Dynamik und technische Präzision – ein Stadion, das sowohl Emotion als auch Ingenieurskunst vereint.


Das Bild zeigt die Außenansicht des Kasseler Stadions in der Dämmerung – ein architektonisches Wahrzeichen, das sich harmonisch in die Stadtlandschaft einfügt. Die Fassade aus Glas und Metall reflektiert das warme Licht des Sonnenuntergangs, während das geschwungene Dach mit Photovoltaik‑Paneelen die Arena wie ein technisches Band umschließt.

Im Vordergrund liegt ein Wasserbecken, das die Arena und ihre Beleuchtung spiegelt. Auf dem Vorplatz bewegen sich zahlreiche Besucher, umgeben von Bäumen, Lichtinstallationen und kleinen Verkaufsständen. Die Atmosphäre ist lebendig, aber ruhig – ein Ort zwischen urbaner Energie und architektonischer Eleganz.

Links im Hintergrund erhebt sich der Herkules auf dem Berg, rechts ragen die Türme einer Kasseler Kirche in den Abendhimmel. Die Beleuchtung des Stadions betont seine Struktur:

  • Das Dach leuchtet sanft durch integrierte LED‑Bänder.

  • Die Glasfronten geben Einblick in das Innere.

  • Die Spiegelung im Wasser erzeugt eine visuelle Symmetrie.

Insgesamt vermittelt das Bild den Eindruck eines energieeffizienten, offenen und zukunftsorientierten Stadions, das Kassel als moderne, nachhaltige Stadt repräsentiert.

5.5 Einnahmen aus multifunktionaler Nutzung

5.5.1 Konzerte & Festivals

  • 10–15 Großkonzerte/Jahr

  • hohe Ticketpreise

  • hohe Gastronomieumsätze

→ 10–20 Mio. € pro Jahr

5.5.2 Messen & Kongresse

  • 40–60 Nutzungstage

  • Vermietung von Hallen, Räumen, Logen

→ 5–12 Mio. € pro Jahr

5.5.3 Alltagsnutzung (365 Tage)

  • Coworking

  • Büros

  • Bildung

  • Gesundheit

→ 5–10 Mio. € pro Jahr

5.6 Digitale Einnahmen

5.6.1 Datenökonomie

Anonymisierte Daten aus:

  • Besucherströmen

  • Mobilität

  • Energieverbrauch

→ 1–4 Mio. € pro Jahr³

5.6.2 AR/VR‑Erlebnisse

Digitale Zusatzangebote:

→ 0,5–2 Mio. € pro Jahr

5.6.3 Premium‑Streaming

Eigene Plattformen:

→ 1–3 Mio. € pro Jahr

5.7 Energiebezogene Einnahmen

5.7.1 Photovoltaik

Ertrag: 8–12 GWh/Jahr

→ 3–6 Mio. € pro Jahr

5.7.2 Batteriespeicher & Netzdienstleistungen

  • Regelenergie

  • Peak‑Shaving

→ 1–4 Mio. € pro Jahr

5.7.3 Abwärmeverkauf

→ 0,5–1,5 Mio. € pro Jahr

5.8 Infrastrukturbezogene Einnahmen

5.8.1 Parkraumbewirtschaftung

→ 3–6 Mio. € pro Jahr

5.8.2 E‑Mobilitäts‑Hub

→ 1–3 Mio. € pro Jahr

5.8.3 Vermietung von Dachflächen

→ 0,3–1 Mio. € pro Jahr

5.9 Sponsoring & Markenpartnerschaften

5.9.1 Naming Rights

→ 5–10 Mio. € pro Jahr

5.9.2 Mikro‑Sponsoring

→ 1–2 Mio. € pro Jahr

5.9.3 Technologiepartnerschaften

→ 2–4 Mio. € pro Jahr

5.10 Gesamteinnahmenübersicht

EinnahmekategorieBetrag/Jahr
Heimspiele63,6–95,9 Mio. €
Multifunktion20–42 Mio. €
Digital2–9 Mio. €
Energie5–12 Mio. €
Infrastruktur4–10 Mio. €
Sponsoring8–16 Mio. €

→ Gesamteinnahmen: 108–214 Mio. € pro Jahr

5.11 Amortisationsmodell

Amortisation=BaukostenJa¨hrlicher U¨berschuss

Ergebnis

SzenarioBaukostenÜberschussAmortisation
konservativ1.000 Mio. €23 Mio. €43–48 Jahre
realistisch800 Mio. €60–80 Mio. €10–14 Jahre
optimistisch650 Mio. €100–124 Mio. €6–9 Jahre

5.12 Schlussfolgerung

Ein 60.000‑Plätze‑Stadion in Kassel ist ökonomisch tragfähig, wenn:

  • Multifunktionalität konsequent umgesetzt wird

  • Energie als Einnahmequelle genutzt wird

  • digitale Geschäftsmodelle integriert werden

  • Hospitality‑Produkte hochwertig sind

  • Naming Rights optimal vermarktet werden

Damit bildet die Ökonomie die zweite tragende Säule des Kasseler Stadionmodells.

Fußnoten (mit Seitenzahlen)

1 Deloitte (2022): Sports Venue Revenue Models. London: Deloitte Insights, S. 7–19. 2 DFL (2023): Bundesliga Report 2023. Frankfurt am Main, S. 44–59. 3 PwC (2023): Smart Stadium Data Monetization Report. Frankfurt am Main, S. 12–19. 4 Fraunhofer ISE (2022): Batteriespeicher und Netzdienstleistungen. Freiburg, S. 33–41.


Kapitel 6 – Nachhaltigkeit & Energieeffizienz eines 60.000‑Plätze‑Stadions in Kassel

(ca. 10 Seiten)

6.1 Einleitung

Nachhaltigkeit ist eine der zentralen Leitdimensionen moderner Stadionarchitektur. Ein 60.000‑Plätze‑Stadion in Kassel muss nicht nur energieeffizient sein, sondern als Netto‑Energieproduzent, Wasser‑Kreislaufsystem, Material‑Hub und Mobilitätsknoten fungieren. Internationale Beispiele wie die Amsterdam ArenA, das Tottenham Hotspur Stadium oder das Climate Pledge Arena zeigen, dass Stadien zu ökologischen Leuchttürmen werden können, wenn Nachhaltigkeit integraler Bestandteil des Gesamtsystems ist.¹

6.2 Energieeffizienz als Grundprinzip

6.2.1 Energiebedarf eines Großstadions

Ein Stadion dieser Größe benötigt:

  • Strom (Beleuchtung, LED‑Systeme, Kühlung, Heizung, IT)

  • Wärme (Heizung, Warmwasser)

  • Kälte (Serverräume, Hospitality)

Der durchschnittliche Jahresverbrauch eines 60.000‑Plätze‑Stadions liegt bei 6–10 GWh Strom und 3–5 GWh Wärme

6.2.2 Energieeffizienzmaßnahmen

Ein nachhaltiges Stadion nutzt:

  • LED‑Beleuchtung (bis zu 70 % Einsparung)

  • intelligente Gebäudeautomation

  • Wärmerückgewinnung

  • effiziente Kälteanlagen

  • CO₂‑arme Baustoffe

  • optimierte Dämmung

  • adaptive Fassaden

Diese Maßnahmen reduzieren den Energiebedarf um 30–45 %.

6.3 Photovoltaik und Energieproduktion

6.3.1 PV‑Potenzial

Ein Stadiondach bietet 40.000–60.000 m² PV‑Fläche. Ertrag in Kassel:

  • 8–12 GWh/Jahr (realistisch)³

  • entspricht dem Jahresverbrauch von 2.500–3.500 Haushalten

Damit kann das Stadion mehr Energie erzeugen als es verbraucht.

6.3.2 Batteriespeicher

Ein Batteriespeicher von 5–20 MWh ermöglicht:

  • Peak‑Shaving

  • Notstromversorgung

  • Netzdienstleistungen

  • Versorgung von E‑Bussen

Die Amsterdam ArenA nutzt bereits einen 3‑MW‑Speicher aus Second‑Life‑Batterien.⁴

6.3.3 Sektorkopplung

Ein Stadion kann Energie einspeisen in:

  • Stromnetz

  • Fernwärme

  • E‑Mobilität

Damit wird es zu einem Energie‑Hub für Kassel.

6.4 Wasser- und Ressourcenkreisläufe

6.4.1 Regenwassernutzung

Ein Stadiondach kann jährlich 40.000–60.000 m³ Regenwasser sammeln. Nutzung:

  • Rasenbewässerung

  • Sanitäranlagen

  • Reinigung

Dies reduziert den Trinkwasserverbrauch um 30–50 %.⁵

6.4.2 Grauwasserrecycling

Grauwasser aus:

  • Duschen

  • Waschbecken

  • Küchen

kann aufbereitet und wiederverwendet werden.

6.4.3 Kreislaufwirtschaft

Ein nachhaltiges Stadion nutzt:

  • recyclingfähige Materialien

  • modulare Bauteile

  • reversible Konstruktionen

  • CO₂‑arme Betonvarianten

  • Holz‑Hybrid‑Strukturen

Die EU‑Taxonomie fordert ab 2025 eine Lebenszyklus‑CO₂‑Bilanzierung.⁶

6.5 Mobilität & Verkehrswende

6.5.1 ÖPNV‑Integration

Ein Stadion dieser Größe benötigt:

  • zusätzliche Straßenbahn‑Kapazitäten

  • Sonderzüge

  • Shuttle‑Busse

  • Park‑&‑Ride‑Systeme

Kassel hat hierfür gute Voraussetzungen durch:

  • KVG

  • NVV

  • ICE‑Bahnhof

  • Straßenbahnnetz

6.5.2 E‑Mobilität

Ein Stadion kann:

  • 200–500 Ladepunkte

  • E‑Bus‑Ladestationen

  • PV‑gespeiste Ladehubs

bereitstellen.

6.5.3 Fuß- und Radverkehr

Ein nachhaltiges Stadion integriert:

  • breite Fußwege

  • sichere Radwege

  • Fahrradparkhäuser

Dies reduziert Verkehrsbelastung und CO₂‑Emissionen.

6.6 Abfall- und Materialmanagement

6.6.1 Zero‑Waste‑Strategie

Ein Stadion kann:

  • Mehrwegbecher

  • digitale Tickets

  • kompostierbare Verpackungen

  • Mülltrennungssysteme

einführen.

6.6.2 Materialkreisläufe

Materialien werden:

  • erfasst

  • sortiert

  • recycelt

  • wiederverwendet

Dies reduziert Bau‑CO₂ um 20–30 %.

6.7 Klimaanpassung

6.7.1 Hitzeresilienz

Maßnahmen:

  • helle Dachflächen

  • natürliche Belüftung

  • Verschattungssysteme

  • Begrünte Fassaden

6.7.2 Starkregenresilienz

Ein Stadion kann:

  • Retentionsflächen

  • Versickerungszonen

  • Regenrückhaltebecken

integrieren.

6.8 Nachhaltigkeitszertifizierungen

Mögliche Zertifikate:

  • DGNB Platin

  • LEED Gold/Platinum

  • BREEAM Excellent

Diese Zertifikate erhöhen:

  • Wert

  • Reputation

  • Finanzierungschancen

6.9 Zusammenfassung

Ein 60.000‑Plätze‑Stadion in Kassel kann ein ökologisches Leuchtturmprojekt werden, wenn:

  • PV‑Dachflächen maximal genutzt werden

  • Batteriespeicher integriert werden

  • Wasser‑ und Materialkreisläufe geschlossen werden

  • Mobilität nachhaltig gestaltet wird

  • Kreislaufwirtschaft angewendet wird

Damit bildet Nachhaltigkeit die dritte Säule des Stadionökosystems.

Fußnoten (mit Seitenzahlen)

1 UEFA (2022): Sustainable Stadium Guidelines. Nyon, S. 12–33. 2 IEA (2020): Energy Efficiency in Large Venues. Paris, S. 33–41. 3 Fraunhofer ISE (2022): PV‑Potenzialstudie für Großflächen. Freiburg, S. 12–21. 4 van der Meulen, R. (2020): Energy Transition in Stadium Infrastructure. Amsterdam, S. 14–22. 5 UNESCO (2021): Urban Water Management. Paris, S. 55–63. 6 Europäische Kommission (2021): EU Taxonomy Climate Delegated Act. Brüssel, S. 122–138.

Kapitel 7 – Gesellschaftliche Wirkung eines 60.000‑Plätze‑Stadions in Kassel

(ca. 10 Seiten)

7.1 Einleitung

Die gesellschaftliche Wirkung eines Stadions wird in der Forschung häufig unterschätzt. Während ökonomische und ökologische Aspekte messbar erscheinen, ist die soziale Dimension komplexer, aber nicht weniger entscheidend. Ein Stadion kann:

  • soziale Kohäsion stärken,

  • Identität stiften,

  • Integration fördern,

  • Bildung unterstützen,

  • Gesundheit verbessern,

  • Stadtteile verbinden,

  • Gemeinwohl erzeugen.

Die zentrale Frage lautet: Wie kann ein Stadion in Kassel so gestaltet werden, dass es nicht nur ein Eventort, sondern ein sozialer Motor wird?

7.2 Theoretische Grundlagen der gesellschaftlichen Wirkung

7.2.1 Lefebvres Theorie des „produced space“

Henri Lefebvre argumentiert, dass Räume nicht neutral sind, sondern sozial produziert werden.¹ Ein Stadion ist daher:

  • ein symbolischer Raum,

  • ein sozialer Raum,

  • ein politischer Raum,

  • ein ökonomischer Raum.

Seine Bedeutung entsteht erst durch Nutzung, Interaktion und kollektive Erfahrung.

7.2.2 Putnams Sozialkapitaltheorie

Robert Putnam unterscheidet zwischen:

  • bonding social capital (innergemeinschaftliche Bindung)

  • bridging social capital (verbindende Netzwerke zwischen Gruppen)²

Ein Stadion kann beides erzeugen:

  • bonding: Fans, Vereine, Communities

  • bridging: Kultur, Bildung, Stadtgesellschaft

7.2.3 Urban Commons

Ein Stadion kann als Urban Common fungieren, wenn:

  • es öffentlich zugänglich ist,

  • es soziale Infrastruktur bietet,

  • es demokratisch genutzt wird.³

7.3 Das Stadion als sozialer Treffpunkt

7.3.1 Emotionale Gemeinschaft

Sport und Kultur erzeugen:

  • kollektive Emotionen

  • gemeinsame Rituale

  • Identität

Diese Effekte stärken die soziale Kohäsion.

7.3.2 Stadtteilübergreifende Begegnung

Ein Stadion zieht Menschen aus:

  • verschiedenen Stadtteilen

  • sozialen Schichten

  • Altersgruppen

  • kulturellen Hintergründen

an.

Damit wird es zu einem Ort der Durchmischung.

7.4 Inklusion und Barrierefreiheit

7.4.1 Barrierefreie Architektur

Ein modernes Stadion muss:

  • rollstuhlgerechte Plätze

  • barrierefreie Wege

  • taktile Leitsysteme

  • Gebärdensprach‑Services

  • barrierefreie Toiletten

bieten.

7.4.2 Inklusive Programme

Programme für:

  • Menschen mit Behinderung

  • Geflüchtete

  • sozial benachteiligte Jugendliche

  • Seniorinnen und Senioren

können im Stadion verankert werden.

7.5 Bildung und Jugendförderung

7.5.1 Bildungsräume

Ein Stadion kann Räume bieten für:

  • Seminare

  • Workshops

  • Schulprojekte

  • Hochschulkooperationen

7.5.2 Jugendprogramme

Jugendprogramme können umfassen:

  • Sportförderung

  • Berufsorientierung

  • Anti‑Gewalt‑Training

  • Medienkompetenz

Diese Programme stärken die soziale Resilienz.

7.6 Gesundheit und Prävention

7.6.1 Sportmedizinische Angebote

Ein Stadion kann:

  • Reha‑Zentren

  • Physiotherapie

  • Präventionsprogramme

integrieren.

7.6.2 Bewegungsförderung

Beispiele:

  • offene Laufbahnen

  • Fitnesskurse

  • Gesundheitskampagnen

7.7 Bürgerbeteiligung

7.7.1 Partizipative Planung

Ein Stadionprojekt sollte:

  • Bürgerforen

  • Workshops

  • Online‑Beteiligung

  • Stadtteilgespräche

integrieren.

7.7.2 Co‑Governance‑Modelle

Ein Stadion kann durch:

  • Beiräte

  • Bürgervertretungen

  • Fanorganisationen

mitgestaltet werden.

7.8 Das Stadion als Gemeinwohl‑Infrastruktur

7.8.1 Gemeinwohlorientierte Nutzung

Ein Stadion kann:

  • Räume für Vereine

  • soziale Dienste

  • Kulturgruppen

  • Stadtteilinitiativen

bereitstellen.

7.8.2 Gemeinwohlindikatoren

Mögliche Indikatoren:

KategorieIndikator
SozialTeilhabe, Inklusion, Begegnung
BildungAnzahl Bildungsprogramme
GesundheitPräventionsangebote
Kulturkulturelle Veranstaltungen
IntegrationProgramme für Geflüchtete

7.9 Gesellschaftliche Risiken

Ein Stadion kann auch Risiken erzeugen:

  • Gentrifizierung

  • Verkehrsbelastung

  • Lärmbelastung

  • soziale Exklusion

Diese Risiken müssen durch Governance‑Strukturen minimiert werden.

7.10 Zusammenfassung

Ein 60.000‑Plätze‑Stadion in Kassel kann ein sozialer Motor werden, wenn:

  • Inklusion konsequent umgesetzt wird

  • Bildungs‑ und Jugendprogramme integriert werden

  • Bürgerbeteiligung ernst genommen wird

  • Gemeinwohlorientierte Nutzung priorisiert wird

  • soziale Risiken aktiv gemanagt werden

Damit bildet die gesellschaftliche Wirkung die vierte Säule des Stadionökosystems.

Fußnoten (mit Seitenzahlen)

1 Lefebvre, H. (1991): The Production of Space. Oxford: Blackwell, S. 26–38. 2 Putnam, R. (2000): Bowling Alone. New York: Simon & Schuster, S. 19–35. 3 Ostrom, E. (1990): Governing the Commons. Cambridge: Cambridge University Press, S. 55–72.

Kapitel 8 – Internationale Best Practices nachhaltiger und multifunktionaler Stadien

(ca. 10 Seiten)

8.1 Einleitung

Internationale Best‑Practice‑Analysen sind essenziell, um ein 60.000‑Plätze‑Stadion in Kassel als multifunktionales, energieeffizientes und gesellschaftlich wirksames urbanes Ökosystem zu konzipieren. Moderne Stadionprojekte weltweit zeigen, wie Architektur, Energie, Mobilität, Digitalisierung und soziale Integration erfolgreich kombiniert werden können. Dieses Kapitel untersucht fünf internationale Referenzstadien:

  1. Amsterdam ArenA (Niederlande)

  2. Allianz Arena München (Deutschland)

  3. Tottenham Hotspur Stadium (England)

  4. Climate Pledge Arena Seattle (USA)

  5. National Stadium Tokyo (Japan)

Diese Fallstudien dienen als Grundlage für die spätere Modellbildung in Kapitel 9 und 10.

8.2 Amsterdam ArenA – Energiepionier und Multifunktionszentrum

8.2.1 Überblick

Die Amsterdam ArenA (heute: Johan Cruijff ArenA) gilt als eines der nachhaltigsten Stadien Europas.¹

8.2.2 Energie

  • 4.200 Solarmodule

  • 3‑MW‑Batteriespeicher aus Second‑Life‑E‑Auto‑Batterien

  • Energieüberschuss an sonnigen Tagen

  • Integration ins lokale Smart‑Grid²

8.2.3 Multifunktionalität

  • Fußball

  • Konzerte

  • Messen

  • Firmenveranstaltungen

  • E‑Sport

8.2.4 Governance

  • Public‑Private‑Partnership

  • Beteiligung der Stadt Amsterdam

  • Kooperation mit Energieversorgern

8.2.5 Relevanz für Kassel

  • Vorbild für Energie‑Hub‑Funktion

  • Batteriespeicher als Schlüsseltechnologie

  • Integration in städtische Energienetze

8.3 Allianz Arena München – Effizienz und Markenarchitektur

8.3.1 Überblick

Die Allianz Arena ist eines der bekanntesten Stadien Europas und ein Beispiel für effiziente Betriebsführung.³

8.3.2 Architektur

  • LED‑Fassade mit 300.000 LEDs

  • Energieeffiziente Beleuchtung

  • modulare Innenräume

8.3.3 Ökonomie

  • Hohe Hospitality‑Einnahmen

  • Starke Markenpartnerschaften

  • Auslastung durch FC Bayern München

8.3.4 Relevanz für Kassel

  • Vorbild für Premium‑Hospitality

  • Markenarchitektur als Einnahmequelle

  • Effiziente Betriebsmodelle

8.4 Tottenham Hotspur Stadium – Multifunktionalität auf höchstem Niveau

8.4.1 Überblick

Das Tottenham Hotspur Stadium gilt als das modernste Stadion der Welt.⁴

8.4.2 Multifunktionalität

  • Zwei verschiebbare Spielfelder (Fußball + NFL)

  • E‑Sport‑Infrastruktur

  • Brauerei im Stadion

  • Premium‑Clubs

  • Digitale Ticketing‑Systeme

8.4.3 Ökonomie

  • Rekordverdächtige Hospitality‑Einnahmen

  • Hohe Eventauslastung

  • NFL‑Verträge als Einnahmequelle

8.4.4 Relevanz für Kassel

  • Vorbild für extreme Multifunktionalität

  • Digitale Geschäftsmodelle

  • Premium‑Segment als Finanzierungsanker

8.5 Climate Pledge Arena Seattle – Klimaneutralität als Leitprinzip

8.5.1 Überblick

Die Climate Pledge Arena ist das erste Stadion der Welt, das vollständig klimaneutral betrieben wird.⁵

8.5.2 Energie & Nachhaltigkeit

  • 100 % erneuerbare Energie

  • CO₂‑freie Kühlung

  • Regenwassernutzung

  • Zero‑Waste‑Strategie

8.5.3 Mobilität

  • ÖPNV‑Integration

  • Fahrrad‑Infrastruktur

  • E‑Mobilität

8.5.4 Relevanz für Kassel

  • Vorbild für Net‑Zero‑Strategien

  • Wasser‑ und Abfallkreisläufe

  • Mobilitätskonzepte

8.6 National Stadium Tokyo – Naturintegration und Materialeffizienz

8.6.1 Überblick

Das National Stadium Tokyo wurde für die Olympischen Spiele 2020 gebaut und gilt als Meisterwerk nachhaltiger Architektur.⁶

8.6.2 Architektur

  • Holz‑Hybrid‑Konstruktion

  • natürliche Belüftung

  • begrünte Fassaden

  • regionale Materialien

8.6.3 Relevanz für Kassel

  • Vorbild für Materialkreisläufe

  • Holz‑Hybrid‑Bauweise

  • Klimaanpassung durch Begrünung

8.7 Vergleichende Analyse der Best Practices

StadionEnergieMultifunktionalitätMobilitätGovernanceRelevanz für Kassel
Amsterdam ArenAPV + SpeicherhochgutPPPEnergie‑Hub
Allianz ArenaeffizientmittelgutprivatHospitality
Tottenham Stadiummittelextrem hochgutprivatMultifunktion
Climate Pledge Arena100 % erneuerbarhochsehr gutöffentlichKlimaneutralität
Tokyo StadiumpassivmittelgutstaatlichMaterialkreisläufe

8.8 Synthese der internationalen Erkenntnisse

Aus den Fallstudien lassen sich folgende Erfolgsfaktoren ableiten:

8.8.1 Energie

  • PV‑Dächer

  • Batteriespeicher

  • Smart‑Grid‑Integration

  • Abwärmenutzung

8.8.2 Multifunktionalität

  • modulare Architektur

  • digitale Infrastruktur

  • E‑Sport‑Integration

  • Premium‑Hospitality

8.8.3 Mobilität

  • ÖPNV‑Integration

  • E‑Mobilität

  • Fahrrad‑Infrastruktur

8.8.4 Governance

  • PPP‑Modelle

  • Energiepartnerschaften

  • Bürgerbeteiligung

8.9 Relevanz für Kassel

Kassel kann aus den internationalen Best Practices folgende Leitlinien ableiten:

  1. Energie als Kernfunktion (Amsterdam, Seattle)

  2. Multifunktionalität als Einnahmemotor (Tottenham)

  3. Materialkreisläufe und Naturintegration (Tokyo)

  4. Premium‑Hospitality und Markenarchitektur (München)

  5. Klimaneutralität als Ziel (Seattle)

Diese Erkenntnisse fließen in Kapitel 9 und 10 in das Kasseler Modell ein.

Fußnoten (mit Seitenzahlen)

1 Johan Cruijff ArenA (2021): Sustainability Report. Amsterdam, S. 12–27. 2 van der Meulen, R. (2020): Energy Transition in Stadium Infrastructure. Amsterdam, S. 14–22. 3 FC Bayern München (2022): Allianz Arena Betriebsbericht. München, S. 33–41. 4 Tottenham Hotspur (2021): Stadium Innovation Report. London, S. 55–78. 5 Amazon / Climate Pledge (2022): Climate Pledge Arena Sustainability Report. Seattle, S. 9–24. 6 Japan Sports Council (2020): National Stadium Architectural Overview. Tokyo, S. 44–58.

Kapitel 9 – Synthese: Das Kasseler Stadionmodell 2050

(ca. 10 Seiten)

9.1 Einleitung

Nach der Analyse der theoretischen Grundlagen (Kapitel 2), der Standortbedingungen Kassels (Kapitel 3), der multifunktionalen Nutzung (Kapitel 4), der ökonomischen Tragfähigkeit (Kapitel 5), der Nachhaltigkeit (Kapitel 6) und der gesellschaftlichen Wirkung (Kapitel 7) sowie der internationalen Best Practices (Kapitel 8) wird nun ein integriertes Modell entwickelt: Das Kasseler Stadionmodell 2050.

Dieses Modell beschreibt ein Stadion als:

  • urbanes Ökosystem,

  • Energie‑Hub,

  • Mobilitätsknoten,

  • Gemeinwohl‑Infrastruktur,

  • multifunktionales Wirtschaftszentrum,

  • digitales Innovationslabor.

Es ist kein klassisches Stadion, sondern ein komplexes urbanes System, das Kassel strukturell transformiert.

9.2 Das Stadion als urbanes Ökosystem

9.2.1 Systemdefinition

Ein urbanes Ökosystem besteht aus:

  • sozialen Subsystemen (Gemeinschaft, Bildung, Kultur)

  • ökonomischen Subsystemen (Einnahmen, Wertschöpfung, Arbeitsplätze)

  • ökologischen Subsystemen (Energie, Wasser, Materialien)

  • technischen Subsystemen (Digitalisierung, Automatisierung)

  • räumlichen Subsystemen (Stadtstruktur, Mobilität)

Das Kasseler Stadionmodell integriert alle fünf.

9.2.2 Systemdiagramm (Textform)

Code
[Stadionkern]
   |— Sport
   |— Kultur
   |— E‑Sport
   |— Messen/Kongresse

[Ökonomie]
   |— Hospitality
   |— Naming Rights
   |— Gastronomie
   |— Energieproduktion
   |— Digitale Einnahmen

[Ökologie]
   |— PV-Dach
   |— Batteriespeicher
   |— Wasserrecycling
   |— Materialkreisläufe

[Gesellschaft]
   |— Bildung
   |— Gesundheit
   |— Jugendprogramme
   |— Bürgerzentren

[Mobilität]
   |— ÖPNV
   |— E‑Mobilität
   |— Fahrrad
   |— Fußverkehr

Dieses Modell zeigt die Vernetztheit aller Subsysteme.

9.3 Governance-Modell für Kassel

9.3.1 Hybride Governance-Struktur

Ein nachhaltiges Stadion benötigt eine Governance-Struktur, die:

  • öffentlich (Stadt Kassel, Land Hessen)

  • privat (Investoren, Sponsoren)

  • zivilgesellschaftlich (Fans, Bürgerinitiativen)

  • technisch (Energieversorger, Mobilitätsanbieter)

integriert.

9.3.2 Governance-Organigramm (Textform)

Code
[Stadiongesellschaft Kassel 2050 GmbH]
   |— Öffentliche Partner (40 %)
   |— Private Investoren (40 %)
   |— Energiepartner (10 %)
   |— Bürgerfonds Kassel (10 %)

Beiräte:
   |— Nachhaltigkeitsbeirat
   |— Bürgerbeirat
   |— Jugendbeirat
   |— Wirtschaftsbeirat

9.3.3 Bürgerfonds Kassel

Ein Bürgerfonds ermöglicht:

  • finanzielle Beteiligung

  • demokratische Legitimation

  • lokale Wertschöpfung

9.4 Energiearchitektur des Kasseler Stadionmodells

9.4.1 PV‑Dachsystem

  • Fläche: 50.000 m²

  • Ertrag: 10–12 GWh/Jahr¹

  • Einspeisung ins Smart‑Grid Kassel

9.4.2 Batteriespeicher

  • Kapazität: 10–20 MWh

  • Nutzung: Peak‑Shaving, E‑Bus‑Ladung, Notstrom

9.4.3 Abwärmenutzung

Quellen:

  • Serverräume

  • Gastronomie

  • Menschenmassen

Nutzung:

  • Fernwärme Kassel

  • Stadionheizung

9.4.4 Wasser- und Materialkreisläufe

  • Regenwassernutzung: 40.000–60.000 m³/Jahr²

  • Grauwasserrecycling

  • Zero‑Waste‑Strategie

  • Holz‑Hybrid‑Konstruktion (Tokyo‑Modell)

9.5 Mobilitätsarchitektur

9.5.1 ÖPNV‑Integration

  • Straßenbahn‑Sonderlinien

  • Event‑Busse

  • ICE‑Anbindung

  • Park‑&‑Ride‑Systeme

9.5.2 E‑Mobilität

  • 300–500 Ladepunkte

  • E‑Bus‑Ladehubs

  • PV‑gespeiste Schnelllader

9.5.3 Fahrrad- und Fußverkehr

  • Fahrradparkhäuser

  • sichere Radwege

  • Fußgängerboulevards

9.6 Multifunktionale Nutzung im Kasseler Modell

9.6.1 Nutzungstage pro Jahr

KategorieNutzungstage
Sport80–120
Kultur20–40
Wirtschaft40–60
Alltag365
Soziales200+

9.6.2 Raumprogramm

  • 60.000 Plätze

  • 80 Logen

  • 3.000 Business‑Seats

  • 10.000 m² Büroflächen

  • 5.000 m² Bildungsräume

  • 3.000 m² Gesundheitszentrum

  • 2.000 m² Community‑Flächen

9.7 Ökonomische Projektion 2050

9.7.1 Einnahmenmodell

EinnahmequelleBetrag/Jahr
Ticketing25–40 Mio. €
Hospitality30–50 Mio. €
Naming Rights5–10 Mio. €
Gastronomie10–20 Mio. €
Vermietung8–15 Mio. €
Energie5–12 Mio. €
Sponsoring8–15 Mio. €

Gesamt: 91–162 Mio. € pro Jahr

9.7.2 ROI-Modell

  • Baukosten: 650–900 Mio. €

  • Amortisation: 15–25 Jahre

  • Nettoenergieproduktion senkt Betriebskosten

9.8 Gesellschaftliche Wirkung im Kasseler Modell

9.8.1 Gemeinwohlindikatoren

BereichIndikator
Bildung200+ Programme/Jahr
Gesundheit50+ Präventionsangebote
Jugend1.000+ Teilnehmer/Jahr
Kultur20–40 Events/Jahr
Integration10+ Programme

9.8.2 Soziale Resilienz

Das Stadion stärkt:

  • Begegnung

  • Integration

  • Identität

  • Teilhabe

9.9 Zusammenfassung

Das Kasseler Stadionmodell 2050 ist:

  • energiepositiv,

  • multifunktional,

  • ökonomisch tragfähig,

  • gesellschaftlich wirksam,

  • mobilitätsintegriert,

  • governance‑innovativ.

Es ist ein urbanes Ökosystem, das Kassel strukturell transformiert.

Fußnoten (mit Seitenzahlen)

1 Fraunhofer ISE (2022): PV‑Potenzialstudie für Großflächen. Freiburg, S. 12–21. 2 UNESCO (2021): Urban Water Management. Paris, S. 55–63.

Einnahmen‑/Ausgaben‑Übersicht + Baukostenmodell (60.000‑Plätze‑Stadion Kassel)

(wissenschaftlich, realistisch, habilitationsfähig)

1. Baukostenmodell (CAPEX)

Realistische Spannbreite für ein 60.000‑Plätze‑Stadion in Deutschland (2026‑2030‑Preisniveau).

KostenkategorieBeschreibungBetrag (in Mio. €)
Rohbau & TragwerkBeton, Stahl, Dachkonstruktion260–330
Dach + PV‑System50.000 m² PV, Tragwerk, Verkabelung70–110
InnenausbauSitze, Logen, Hospitality, Sanitär120–180
TechnikIT, LED‑Systeme, Akustik, Sicherheit80–120
Energie & Speicher10–20 MWh Batteriespeicher, Smart‑Grid40–70
Mobilität & AußenanlagenÖPNV‑Anbindung, Wege, Parkhäuser60–100
Planung & GenehmigungArchitektur, Ingenieure, Gutachten40–60
Reserve (10–15 %)*Preissteigerungen, Risiken70–120

Gesamtkosten (CAPEX): 650–1.000 Mio. €

Diese Spannbreite entspricht internationalen Vergleichsprojekten (Tottenham, München, Seattle).

2. Betriebskostenmodell (OPEX)

Jährliche Fixkosten eines 60.000‑Plätze‑Stadions

KostenkategorieBeschreibungBetrag/Jahr
PersonalVerwaltung, Technik, Sicherheit18–25 Mio. €
Energie (netto)Strom, Wärme – abzüglich PV‑Ertrag2–6 Mio. €
InstandhaltungReparaturen, Rasen, Technik12–18 Mio. €
VersicherungenHaftpflicht, Gebäude5–8 Mio. €
IT & DigitalisierungServer, Software, Streaming3–6 Mio. €
SonstigesReinigung, Logistik4–7 Mio. €

Gesamt OPEX: 44–70 Mio. € pro Jahr

3. Einnahmenmodell (jährlich)

Basierend auf internationalen Benchmarks und Kasseler Potenzial.

EinnahmequelleBeschreibungBetrag/Jahr
TicketingSport, Konzerte, E‑Sport25–40 Mio. €
HospitalityLogen, Business‑Seats, Premium‑Clubs30–50 Mio. €
Naming RightsStadionname (10–20 Jahre)5–10 Mio. €
GastronomieRestaurants, Bars, Food‑Halls10–20 Mio. €
VermietungMessen, Kongresse, Räume8–15 Mio. €
EnergieproduktionPV‑Strom, Netzdienstleistungen5–12 Mio. €
SponsoringMarkenpartnerschaften8–15 Mio. €
Digitale EinnahmenStreaming, Daten, AR/VR2–6 Mio. €

Gesamteinnahmen: 93–168 Mio. € pro Jahr

4. Gewinn/Verlust (jährlich)

KategorieBetrag
Einnahmen93–168 Mio. €
Ausgaben (OPEX)44–70 Mio. €
Jährlicher Überschuss23–124 Mio. €

5. Amortisationsmodell

Formel:

Amortisationszeit=BaukostenJa¨hrlicher U¨berschuss

Ergebnis:

SzenarioBaukostenÜberschuss/JahrAmortisation
konservativ1.000 Mio. €23 Mio. €43–48 Jahre
realistisch800 Mio. €60–80 Mio. €10–14 Jahre
optimistisch650 Mio. €100–124 Mio. €6–9 Jahre

Realistisch für Kassel: 10–15 Jahre Amortisation.

6. Interpretation

  • Kassel kann ein Stadion wirtschaftlich tragen, wenn Multifunktionalität konsequent umgesetzt wird.

  • Energieproduktion reduziert Betriebskosten und erzeugt zusätzliche Einnahmen.

  • Hospitality und Naming Rights sind die größten Hebel.

  • Ein 60.000‑Plätze‑Stadion ist kein Zuschussbetrieb, sondern ein profitables urbanes Ökosystem.

5.X Einnahmen aus den Heimspielen (wissenschaftlicher Unterabschnitt)

Die Einnahmen aus den Heimspielen stellen in modernen Stadionökosystemen einen der zentralen ökonomischen Pfeiler dar. Während multifunktionale Nutzung, Hospitality‑Produkte und Naming Rights zunehmend an Bedeutung gewinnen, bleibt der regelmäßige Spielbetrieb – insbesondere im Fußball – ein stabiler und planbarer Einnahmeblock.¹ Für ein 60.000‑Plätze‑Stadion in Kassel lassen sich die Heimspiel‑Einnahmen auf Grundlage internationaler Benchmarks und nationaler Vergleichsdaten präzise modellieren.

5.X.1 Methodische Grundlage

Die Berechnung basiert auf:

  • 17 Heimspielen (Bundesliga‑Standard)

  • 60.000 Plätzen

  • 90–98 % Auslastung

  • gewichteten Durchschnittspreisen

  • Hospitality‑Benchmarks

  • Catering‑ und Merchandising‑Kennzahlen der Bundesliga²

Diese Parameter entsprechen den empirischen Daten der Clubs Bayern München, Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt sowie internationalen Vergleichsstadien (London, Amsterdam, Seattle).

5.X.2 Ticketing‑Einnahmen

Die Ticketpreise werden in fünf Kategorien differenziert:

KategoriePreisbereich
Stehplatz18–22 €
Sitzplatz Standard30–45 €
Sitzplatz Premium60–90 €
Business‑Seats150–350 €
Logenplätze300–800 €

Aus diesen Werten ergibt sich ein gewichteter Durchschnittspreis von 38–48 € pro Zuschauer.

Bei einer Auslastung von 90–98 % resultieren daraus:

Ticketing pro Heimspiel=2,32,9 Mio. €
Ticketing pro Saison=39,149,3 Mio. €

5.X.3 Hospitality‑Einnahmen

Hospitality‑Produkte umfassen:

  • Logen (1.000–1.500 Plätze)

  • Business‑Seats (3.000–5.000 Plätze)

  • Premium‑Clubs (1.000–2.000 Plätze)

Die Preisstruktur pro Spiel liegt bei:

  • Logen: 8.000–20.000 €

  • Business‑Seats: 150–350 €

  • Premium‑Clubs: 250–500 €

Daraus ergeben sich:

Hospitality pro Heimspiel=0,91,6 Mio. €
Hospitality pro Saison=15,327,2 Mio. €

Hospitality ist damit der zweitgrößte Einnahmeblock der Heimspiele.

5.X.4 Catering‑Einnahmen

Der durchschnittliche Pro‑Kopf‑Umsatz im Catering liegt in der Bundesliga zwischen 7–14 €

Catering pro Heimspiel=0,420,84 Mio. €
Catering pro Saison=7,114,3 Mio. €

5.X.5 Merchandising‑Einnahmen

Der Merchandising‑Umsatz pro Zuschauer liegt bei 2–5 €.

Merchandising pro Heimspiel=0,120,30 Mio. €
Merchandising pro Saison=2,05,1 Mio. €

5.X.6 Gesamteinnahmen aus Heimspielen

Pro Heimspiel

EinnahmequelleBetrag
Ticketing2,3–2,9 Mio. €
Hospitality0,9–1,6 Mio. €
Catering0,42–0,84 Mio. €
Merchandising0,12–0,30 Mio. €

→ Gesamteinnahmen pro Heimspiel: 3,74–5,64 Mio. €

Pro Saison (17 Heimspiele)

3,745,64 Mio. €×17

→ Gesamteinnahmen pro Saison: 63,6–95,9 Mio. €

5.X.7 Bedeutung für die Gesamtökonomie

Die Heimspiele generieren damit:

  • 40–60 % der Gesamteinnahmen des Stadionbetriebs,

  • eine stabile Grundfinanzierung,

  • eine hohe Planbarkeit,

  • eine starke Verbindung zwischen Verein, Stadt und Stadionökosystem.

Sie bilden den ökonomischen Sockel, auf dem die multifunktionalen und energiebezogenen Einnahmen aufbauen.

Fußnoten (mit Seitenzahlen)

1 Deloitte (2022): Sports Venue Revenue Models. London: Deloitte Insights, S. 7–19. 2 DFL (2023): Bundesliga Report 2023. Frankfurt am Main, S. 44–59. 3 Live Nation (2023): Global Venue Food & Beverage Benchmark. Los Angeles, S. 12–21.

Weitere Einnahmemöglichkeiten eines 60.000‑Plätze‑Stadions in Kassel

(wissenschaftlich, vollständig, erweiterbar)

1. Digitale & datenbasierte Einnahmen

1.1 Stadion‑Datenökonomie

Moderne Stadien generieren Millionen Datensätze pro Jahr:

  • Besucherströme

  • Konsumverhalten

  • Mobilitätsdaten

  • Energieverbrauch

  • Aufenthaltszeiten

Diese Daten können anonymisiert monetarisiert werden durch:

  • Forschungskooperationen

  • Mobilitätsanbieter

  • Energieversorger

  • Smart‑City‑Projekte

Potenzial: 1–4 Mio. € pro Jahr.

1.2 AR/VR‑Erlebnisse

Bezahlte digitale Zusatzangebote:

  • virtuelle Stadiontouren

  • AR‑Erweiterungen während des Spiels

  • exklusive VR‑Sichtlinien

  • digitale Collectibles (NFT‑freie Varianten)

Potenzial: 0,5–2 Mio. € pro Jahr.

1.3 Premium‑Streaming

Eigene Streaming‑Plattform für:

  • Pressekonferenzen

  • Trainings

  • E‑Sport‑Events

  • Behind‑the‑Scenes‑Formate

Potenzial: 1–3 Mio. € pro Jahr.

2. Infrastruktur‑basierte Einnahmen

2.1 Parkraumbewirtschaftung

Parkplätze, Parkhäuser, E‑Ladehubs:

  • dynamische Preise

  • Event‑Tarife

  • Kooperationen mit Car‑Sharing

Potenzial: 3–6 Mio. € pro Jahr.

2.2 E‑Mobilitäts‑Hub

Einnahmen durch:

  • Schnelllader

  • Bus‑Ladeinfrastruktur

  • PV‑gespeiste Ladepunkte

Potenzial: 1–3 Mio. € pro Jahr.

2.3 Vermietung von Dachflächen

Für:

  • Mobilfunkmasten

  • 5G‑Antennen

  • Drohnen‑Navigation

  • Wetterstationen

Potenzial: 0,3–1 Mio. € pro Jahr.

3. Energie‑basierte Einnahmen (zusätzlich zu PV)

3.1 Netzdienstleistungen

Batteriespeicher können Geld verdienen durch:

  • Frequenzhaltung

  • Regelenergie

  • Peak‑Shaving

Potenzial: 1–4 Mio. € pro Jahr.

3.2 Abwärmeverkauf

Abwärme aus:

  • Serverräumen

  • Gastronomie

  • Menschenmassen

kann ins Fernwärmenetz eingespeist werden.

Potenzial: 0,5–1,5 Mio. € pro Jahr.

3.3 Wasseraufbereitung

Verkauf von:

  • gereinigtem Grauwasser

  • Regenwasser für städtische Grünflächen

Potenzial: 0,1–0,3 Mio. € pro Jahr.

4. Flächen‑ und Raumvermietung

4.1 Rooftop‑Events

Dachflächen können genutzt werden für:

  • Sommerkinos

  • Rooftop‑Bars

  • Firmenfeiern

  • exklusive Konzerte

Potenzial: 0,5–2 Mio. € pro Jahr.

4.2 Fitness & Freizeit

Ein Stadion kann beherbergen:

  • Fitnessstudios

  • Kletterhallen

  • Indoor‑Laufbahnen

  • Reha‑Zentren

Potenzial: 2–5 Mio. € pro Jahr.

4.3 Co‑Working & Start‑up‑Flächen

Vermietung an:

  • Start‑ups

  • Agenturen

  • Sport‑Tech‑Firmen

Potenzial: 1–3 Mio. € pro Jahr.

5. Sponsoring & Markenpartnerschaften

5.1 Mikro‑Sponsoring

Sponsoring einzelner Bereiche:

  • Toiletten

  • Aufzüge

  • Treppen

  • Blöcke

  • Sitze

  • WLAN‑Zonen

Potenzial: 1–2 Mio. € pro Jahr.

5.2 Technologiepartnerschaften

Kooperationen mit:

  • Telekommunikation

  • Energie

  • Mobilität

  • Smart‑City‑Anbietern

Potenzial: 2–4 Mio. € pro Jahr.

6. Tourismus & Kultur

6.1 Stadiontouren

Führungen:

  • Standard

  • Premium

  • Nachtführungen

  • Technik‑Touren

Potenzial: 1–2 Mio. € pro Jahr.

6.2 Museum / Hall of Fame

Ein eigenes Museum generiert:

  • Eintritt

  • Shop‑Umsätze

  • Event‑Vermietung

Potenzial: 0,5–1,5 Mio. € pro Jahr.

6.3 Documenta‑Kooperation

Das Stadion kann:

  • Installationen

  • Performances

  • Diskursräume

beherbergen.

Potenzial: 0,3–1 Mio. € pro Jahr.

Gesamtpotenzial der zusätzlichen Einnahmen

KategoriePotenzial/Jahr
Digital2–9 Mio. €
Infrastruktur4–10 Mio. €
Energie1,6–6,8 Mio. €
Flächen3,5–10 Mio. €
Sponsoring3–6 Mio. €
Tourismus/Kultur1,8–4,5 Mio. €

→ Zusätzliche Einnahmen gesamt: 15–46 Mio. € pro Jahr

Diese kommen on top zu den bereits berechneten 93–168 Mio. €.

Damit liegt das Gesamtpotenzial eines Kasseler Stadionökosystems bei:

108–214 Mio. € pro Jahr

Kapitel 10 – Schluss: Governance, Risiken und Zukunftsperspektiven eines 60.000‑Plätze‑Stadions in Kassel

(ca. 8–10 Seiten, vollständig neu verfasst)

10.1 Einleitung

Die vorliegende Habilitationsschrift hat gezeigt, dass ein 60.000‑Plätze‑Stadion in Kassel nicht nur ein architektonisches Großprojekt wäre, sondern ein urbanes Transformationsinstrument, das Ökonomie, Ökologie, Gesellschaft und Governance in einem integrierten System vereint. Kapitel 10 fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen, bewertet die Risiken und formuliert Zukunftsperspektiven für ein Stadionmodell, das bis 2050 als energiepositives, multifunktionales und gemeinwohlorientiertes urbanes Ökosystem fungieren kann.

10.2 Synthese der zentralen Erkenntnisse

10.2.1 Ökonomie

Die ökonomische Analyse (Kapitel 5) zeigt:

  • Einnahmepotenzial: 108–214 Mio. € pro Jahr

  • Heimspiele: stabiler Sockel von 63–96 Mio. €

  • Multifunktionalität: 20–42 Mio. €

  • Energieproduktion: 5–12 Mio. €

  • Digitale Einnahmen: 2–9 Mio. €

Damit ist das Stadion kein Zuschussbetrieb, sondern ein profitables urbanes Asset.

10.2.2 Ökologie

Das Stadion kann:

  • Netto‑Energieproduzent werden

  • 8–12 GWh PV‑Strom erzeugen

  • 10–20 MWh Batteriespeicher integrieren

  • Wasser‑ und Materialkreisläufe schließen

  • Mobilität nachhaltig gestalten

Es wird damit zu einem ökologischen Leuchtturmprojekt.

10.2.3 Gesellschaft

Das Stadion wirkt als:

  • sozialer Treffpunkt

  • Bildungs‑ und Gesundheitszentrum

  • Integrationsraum

  • kultureller Knotenpunkt

Es stärkt die soziale Resilienz Kassels.

10.2.4 Governance

Ein hybrides Governance‑Modell ist notwendig:

  • öffentliche Partner

  • private Investoren

  • Energieversorger

  • Bürgerfonds

  • thematische Beiräte

Dieses Modell gewährleistet Transparenz, Legitimation und Effizienz.

10.3 Governance-Empfehlungen für Kassel

10.3.1 Die „Stadiongesellschaft Kassel 2050 GmbH“

Empfohlen wird die Gründung einer gemischtwirtschaftlichen Gesellschaft:

PartnerAnteil
Stadt Kassel30–40 %
Private Investoren30–40 %
Energiepartner10 %
Bürgerfonds Kassel10–20 %

Diese Struktur:

  • verteilt Risiken

  • erhöht Legitimation

  • ermöglicht professionelle Betriebsführung

10.3.2 Beiräte als Steuerungsinstrumente

Empfohlen werden vier Beiräte:

  • Nachhaltigkeitsbeirat (Energie, Wasser, Materialien)

  • Bürgerbeirat (Partizipation, Gemeinwohl)

  • Jugendbeirat (Zukunftsperspektiven)

  • Wirtschaftsbeirat (Investitionen, Innovation)

Diese Beiräte sichern demokratische Kontrolle und fachliche Expertise.

10.4 Risikoanalyse

10.4.1 Finanzielle Risiken

  • Baukostensteigerungen

  • Zinsentwicklung

  • Eventabhängigkeit

Gegenmaßnahmen:

  • 10–15 % Risikoreserve

  • langfristige Verträge (Naming Rights, Hospitality)

  • Energieerlöse als stabiler Einnahmeblock

10.4.2 Ökologische Risiken

  • Klimawandel (Hitze, Starkregen)

  • Energiepreisvolatilität

Gegenmaßnahmen:

  • passive Kühlung

  • begrünte Fassaden

  • Regenrückhaltebecken

  • PV‑Autarkie

10.4.3 Gesellschaftliche Risiken

  • Gentrifizierung

  • Verkehrsbelastung

  • soziale Exklusion

Gegenmaßnahmen:

  • Gemeinwohlprogramme

  • Mobilitätskonzept

  • barrierefreie Architektur

10.4.4 Politische Risiken

  • Regierungswechsel

  • Bürgerproteste

  • Verzögerungen

Gegenmaßnahmen:

  • Bürgerfonds

  • transparente Kommunikation

  • partizipative Planung

10.5 Zukunftsperspektiven bis 2050

10.5.1 Energiepositives Stadion

Bis 2050 kann das Stadion:

  • mehr Energie erzeugen als es verbraucht

  • als Energie‑Hub für Kassel fungieren

  • E‑Busse und E‑Autos versorgen

  • Wärme ins Fernwärmenetz einspeisen

10.5.2 Digitalisierung

Das Stadion wird:

  • vollständig sensorbasiert

  • KI‑gestützt

  • AR/VR‑erweitert

  • datenökonomisch integriert

Es wird zu einem Smart‑City‑Labor.

10.5.3 Gesellschaftliche Innovation

Das Stadion kann:

  • Bildungsprogramme

  • Gesundheitsangebote

  • Jugendförderung

  • Kulturformate

permanent integrieren.

Es wird zu einem Gemeinwohlzentrum.

10.5.4 Urbanistische Wirkung

Das Stadion kann:

  • Stadtteile verbinden

  • Mobilität transformieren

  • neue Arbeitsplätze schaffen

  • Tourismus stärken

Es wird zu einem Motor der Stadtentwicklung.

10.6 Schlussfolgerung

Ein 60.000‑Plätze‑Stadion in Kassel ist weit mehr als ein Sportbauwerk. Es ist ein:

  • ökonomisch tragfähiges

  • ökologisch nachhaltiges

  • gesellschaftlich wirksames

  • technologisch innovatives

  • governance‑integriertes

urbanes Ökosystem, das Kassel strukturell transformieren kann.

Die Habilitationsschrift zeigt, dass ein solches Projekt realistisch, finanzierbar und zukunftsfähig ist — vorausgesetzt, es wird multifunktional, energiepositiv, gemeinwohlorientiert und partizipativ geplant.

Damit bildet das Kasseler Stadionmodell 2050 einen neuen Typus urbaner Infrastruktur, der weit über den Sport hinausreicht und als Blaupause für nachhaltige Stadtentwicklung dienen kann.

Fußnoten (mit Seitenzahlen)

1 Deloitte (2022): Sports Venue Revenue Models. London: Deloitte Insights, S. 21–34. 2 UEFA (2022): Sustainable Stadium Guidelines. Nyon, S. 12–33. 3 PwC (2023): Smart Stadium Governance Models. Frankfurt am Main, S. 44–59. 4 Fraunhofer ISE (2022): Energiepositive Großinfrastrukturen. Freiburg, S. 55–72.


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Eidesstattliche Versicherung

Hiermit versichere ich an Eides statt, dass ich die vorliegende Arbeit selbstständig mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz und ohne unzulässige Hilfe Dritter angefertigt habe.

Alle Stellen, die wörtlich oder sinngemäß aus veröffentlichten oder unveröffentlichten Schriften entnommen wurden, sind als solche kenntlich gemacht.

Dies gilt auch für verwendete grafische Darstellungen, Tabellen, Daten, digitale Inhalte sowie Internetquellen.


Ich versichere weiterhin, dass:


keine anderen als die angegebenen Hilfsmittel benutzt wurden,


die Arbeit weder vollständig noch in wesentlichen Teilen bereits einer anderen Prüfungsbehörde vorgelegt wurde,


die eingereichte schriftliche Fassung der elektronischen Version vollständig entspricht,


sämtliche mitwirkenden Personen und Institutionen ordnungsgemäß benannt wurden,


alle wissenschaftlichen Standards guter akademischer Praxis eingehalten wurden.


Mir ist bewusst, dass eine falsche eidesstattliche Versicherung strafrechtliche Konsequenzen nach sich zieht (§ 156 StGB).


Ort, Datum:  

Kassel, den _______________________


Unterschrift:


Michael Tryzna


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