Samstag, 24. Oktober 2026

Petition: Familienfreundliche Stadtentwicklung Hessen 2045



Michael Tryzna

Hafenstrasse 35

34125 Kassel


An den
Petitionsausschuss des Hessischen Landtages
Schlossplatz 1–3
65183 Wiesbaden

Petition: Familienfreundliche Stadtentwicklung Hessen 2045

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit reiche ich die beigefügte Petition mit der zugehörigen Denkschrift „Familienfreundliche Stadtentwicklung Hessen 2045“ beim Hessischen Landtag ein.

Ziel der Petition ist es, eine langfristige und ressortübergreifende Strategie zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Familien in Hessen anzuregen. Ausgangspunkt der Untersuchung ist die Erkenntnis, dass Familienfreundlichkeit heute nicht allein durch finanzielle Leistungen bestimmt wird, sondern in erheblichem Maße von Wohnraum, Bildungs- und Betreuungsangeboten, Mobilität, sozialer Infrastruktur und der Qualität des unmittelbaren Wohnumfeldes abhängt.

Die Denkschrift untersucht auf wissenschaftlicher Grundlage die Zusammenhänge zwischen:

  • demografischer Entwicklung,
  • Wohnraumversorgung,
  • Familienpolitik,
  • Quartiersentwicklung,
  • Mobilität,
  • kommunaler Bodenpolitik,
  • Familienzentren,
  • und international erprobten Modellen familienfreundlicher Stadtentwicklung.

Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass Hessen bereits über zahlreiche erfolgreiche Instrumente verfügt, diese bislang jedoch überwiegend getrennt voneinander wirken. Durch eine stärkere strategische Verzahnung von Wohnungsbau, Familienförderung, Mobilität und kommunaler Entwicklung könnten familienfreundliche Lebensbedingungen nachhaltig verbessert werden.

Besonderes Augenmerk liegt auf:

  • der Schaffung familiengerechten Wohnraums,
  • der Förderung familienfreundlicher Quartiere,
  • dem Ausbau sicherer Schulwege,
  • der Stärkung von Familienzentren,
  • der Unterstützung kommunaler Familienerbpachtmodelle,
  • sowie der Entwicklung eines Landesprogramms „Familienfreundliche Stadtentwicklung Hessen 2045“.

Die vorgeschlagenen Maßnahmen verstehen sich ausdrücklich als Ergänzung bestehender Landesprogramme und als Unterstützung der Städte und Gemeinden unter Wahrung der kommunalen Selbstverwaltung.

Die demografischen Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte erfordern langfristige Antworten. Familienfreundliche Stadtentwicklung kann dazu beitragen, Hessen als attraktiven Lebens-, Wohn- und Wirtschaftsstandort zu stärken und gleichzeitig die Rahmenbedingungen für Familien nachhaltig zu verbessern.

Ich bitte den Hessischen Landtag daher, die Vorschläge der beigefügten Denkschrift im Rahmen des Petitionsverfahrens zu prüfen und die Landesregierung mit einer fachlichen Bewertung sowie möglichen Umsetzungsvorschlägen zu befassen.

Für die Befassung mit dieser Petition danke ich Ihnen herzlich.

Mit freundlichen Grüßen der Schwarz-Weißen Gründer heute MTP

Michael Tryzna Partei (MTP) in Gründung | Facebook

Michael Tryzna

Kassel, 25.10.2026

Anlagen:

  1. Petition „Familienfreundliche Stadtentwicklung Hessen 2045“
  2. Wissenschaftliche Denkschrift (Kapitel 1–19)
  3. Literatur- und Quellenverzeichnis
  4. Rechtsprechungsverzeichnis
  5. Abkürzungsverzeichnis

Abstract

Die vorliegende Denkschrift untersucht die Möglichkeiten einer familienfreundlichen Stadtentwicklung in Hessen als langfristigen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Familien. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass die Lebensqualität von Familien nicht allein durch finanzielle Transferleistungen bestimmt wird, sondern zunehmend von Wohnraumversorgung, Mobilität, Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur, sozialer Teilhabe sowie der Qualität des unmittelbaren Wohnumfeldes abhängt.

Auf Grundlage aktueller Erkenntnisse der Familien-, Stadtentwicklungs- und Demografieforschung wird gezeigt, dass familienfreundliche Rahmenbedingungen die Verwirklichung bestehender Kinderwünsche erleichtern können. Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) weist darauf hin, dass zwischen gewünschter und tatsächlich realisierter Kinderzahl weiterhin eine deutliche Lücke besteht und dass Wohnraum, Kinderbetreuung und wirtschaftliche Perspektiven die Familienplanung beeinflussen können.

Die Untersuchung analysiert die demografische Entwicklung Hessens, die Wohnraumsituation von Familien, die Bedeutung familienfreundlicher Quartiere, die Rolle von Familienzentren, sichere Schulwege, kommunale Bodenpolitik und internationale Best-Practice-Beispiele. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Frage, wie Wohnungsbau, Familienpolitik, Mobilität und Stadtentwicklung stärker miteinander verknüpft werden können.

Die Auswertung internationaler Erfahrungen aus Frankreich, Schweden, den Niederlanden und Österreich zeigt, dass erfolgreiche familienpolitische Ansätze regelmäßig auf integrierten Konzepten beruhen, die bezahlbaren Wohnraum, Kinderbetreuung, kurze Wege und soziale Infrastruktur gemeinsam betrachten. Grundlage hierfür sind unter anderem die Arbeiten der OECD sowie die Stadtentwicklungsstrategie Cities of Tomorrow der Europäischen Kommission.

Im Mittelpunkt der Denkschrift steht die Entwicklung eines Landesprogramms „Familienfreundliche Stadtentwicklung Hessen 2045“. Vorgeschlagen werden insbesondere:

  • die Förderung familienfreundlicher Quartiere,
  • der Ausbau familiengerechten Wohnungsbaus,
  • die Stärkung von Familienzentren,
  • die Verbesserung sicherer Schulwege,
  • die Förderung kommunaler Familienerbpacht,
  • die Einführung eines Familienfreundlichkeitsberichts Hessen,
  • die Einrichtung von Modellkommunen zur Erprobung innovativer Ansätze.

Die rechtliche Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass diese Maßnahmen mit Artikel 6 Absatz 1 GG, dem Sozialstaatsprinzip des Artikels 20 Absatz 1 GG sowie den familienbezogenen Vorgaben des Baugesetzbuches vereinbar sind. Familienfreundliche Stadtentwicklung stellt somit keine neue staatliche Aufgabe dar, sondern eine Konkretisierung bereits bestehender Schutz- und Förderaufträge zugunsten von Familien.

Für die Umsetzung wird ein mehrstufiges Programm bis 2045 vorgeschlagen. Die Modellrechnungen der Denkschrift gehen von Programmkosten zwischen rund 50 Mio. Euro in der Einführungsphase und bis zu 135 Mio. Euro jährlich im Vollausbau aus. Dem stehen potenzielle langfristige Nutzenwirkungen gegenüber, insbesondere durch höhere Lebensqualität, stärkere Kommunen, bessere Fachkräftebindung, attraktivere Wohnstandorte sowie eine verbesserte Verwirklichung bestehender Kinderwünsche.

Die Denkschrift gelangt zu dem Ergebnis, dass familienfreundliche Stadtentwicklung nicht allein als Sozial- oder Wohnungspolitik verstanden werden sollte. Vielmehr handelt es sich um eine langfristige Investition in die demografische Stabilität, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, soziale Kohäsion und Zukunftsfähigkeit Hessens.

Schlüsselwörter: Familienpolitik, Stadtentwicklung, Hessen, Wohnungsbau, Familienzentren, Demografie, Geburtenentwicklung, Quartiersentwicklung, Mobilität, Familienfreundlichkeit, Wohnraumförderung, Kommunalpolitik.


Kapitel 1

Einleitung und Problemstellung

1.1 Ausgangslage

Familien bilden das Fundament jeder Gesellschaft. Sie übernehmen zentrale Aufgaben der Erziehung, Bildung und sozialen Integration nachfolgender Generationen. Gleichzeitig sichern sie langfristig die gesellschaftliche, wirtschaftliche und demografische Entwicklung eines Landes.

Die Lebensbedingungen von Familien werden dabei nicht allein durch Einkommen oder staatliche Transferleistungen bestimmt. Von erheblicher Bedeutung sind vielmehr die Verfügbarkeit angemessenen Wohnraums, die Erreichbarkeit von Bildungs- und Betreuungseinrichtungen, sichere Mobilität sowie die Qualität des Wohnumfelds.

Gerade in Hessen treffen Familien auf unterschiedliche regionale Herausforderungen. Während die Ballungsräume des Rhein-Main-Gebiets von hoher Nachfrage nach Wohnraum und steigenden Wohnkosten geprägt sind, stehen andere Regionen vor den Herausforderungen des demografischen Wandels und der langfristigen Sicherung kommunaler Infrastruktur.

Die Frage nach familienfreundlichen Städten und Gemeinden ist daher nicht ausschließlich eine familienpolitische, sondern zugleich eine wohnungs-, städtebau-, sozial- und wirtschaftspolitische Fragestellung.


1.2 Familienpolitik im Wandel

Die Familienpolitik in Deutschland konzentrierte sich in den vergangenen Jahrzehnten vor allem auf finanzielle Leistungen und die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Internationale Vergleichsstudien der OECD zeigen jedoch, dass Familienpolitik regelmäßig mehrere Politikfelder umfasst und nicht allein auf monetären Leistungen beruht. Untersucht werden unter anderem Familienleistungen, Wohnbedingungen, Kinderbetreuung, Erwerbstätigkeit von Eltern und Fertilitätsentwicklungen. [oecd.org], [books.google.com]

Die Lebensrealität von Familien wird maßgeblich durch Fragen bestimmt wie:

  • Ist ausreichend Wohnraum vorhanden?
  • Sind Kindertagesstätten erreichbar?
  • Können Kinder Schulen sicher erreichen?
  • Sind Begegnungs- und Freizeitangebote vorhanden?
  • Bestehen wohnortnahe Unterstützungsangebote?

Diese Faktoren liegen überwiegend im Einflussbereich von Städten, Gemeinden und Ländern und machen deutlich, dass Familienpolitik zunehmend auch als Infrastruktur- und Stadtentwicklungspolitik verstanden werden muss.


1.3 Demografische Herausforderungen

Deutschland befindet sich seit Jahren in einem tiefgreifenden demografischen Wandel.

Nach aktuellen Untersuchungen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) sank die Geburtenrate in Deutschland von 1,58 Kindern je Frau im Jahr 2021 auf 1,35 Kinder im Jahr 2024. Gleichzeitig weist das BiB darauf hin, dass der Kinderwunsch weiterhin höher liegt als die tatsächliche Geburtenrate. Frauen zwischen 18 und 39 Jahren wünschen sich durchschnittlich 1,7 Kinder, Männer etwa 1,6 Kinder; als ideale Kinderzahl werden durchschnittlich rund 2,2 Kinder genannt. [bib.bund.de], [bib.bund.de]

Die Forschung spricht hierbei von einer sogenannten „Fertility Gap“, also einer Lücke zwischen gewünschter und tatsächlich realisierter Kinderzahl. [bib.bund.de], [bib.bund.de]

Besondere Bedeutung kommt dabei den Lebensbedingungen zu. Das BiB verweist ausdrücklich darauf, dass die Verfügbarkeit von bezahlbarem Wohnraum, Kinderbetreuungseinrichtungen sowie wirtschaftliche Perspektiven eine wichtige Rolle für Kinderwünsche und deren Umsetzung spielen. [bib.bund.de], [bib.bund.de]


1.4 Wohnraum als gesellschaftliche Zukunftsfrage

Die Wohnraumversorgung gehört zu den zentralen gesellschaftspolitischen Herausforderungen der Gegenwart.

Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) bezeichnet angemessenes und bezahlbares Wohnen ausdrücklich als eine zentrale gesellschaftspolitische Herausforderung. Zudem weist das BBSR darauf hin, dass Wohnungsmieten und Wohnungspreise in vielen Regionen Deutschlands in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich gestiegen sind. [bbsr.bund.de], [bbsr.bund.de]

Nach der aktuellen Wohnungsbedarfsprognose des BBSR besteht auch künftig ein hoher Bedarf an zusätzlichen Wohnungen. Das BBSR hebt ausdrücklich hervor, dass sowohl kleinere Wohnungen als auch größere Wohnungen für Familien und Eigenheime weiterhin besonders nachgefragt werden. [dstgb.de]

Für Familien ergeben sich daraus besondere Herausforderungen, da sie aufgrund ihrer Haushaltsgröße regelmäßig größere Wohnungen benötigen als Ein- oder Zwei-Personen-Haushalte.


1.5 Familienfreundliche Stadtentwicklung als Lösungsansatz

Ein möglicher Ansatz zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Familien liegt in einer integrierten familienfreundlichen Stadtentwicklung.

Die Europäische Kommission beschreibt Städte als zentrale Orte wirtschaftlicher Entwicklung, sozialer Teilhabe, Innovation und öffentlicher Dienstleistungen. Gleichzeitig verweist sie darauf, dass Städte eine Schlüsselrolle bei der Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen wie demografischem Wandel, sozialer Polarisierung und nachhaltiger Entwicklung einnehmen. [ec.europa.eu], [ec.europa.eu]

Im Bericht Cities of Tomorrow wird die europäische Stadt der Zukunft unter anderem als Ort sozialer Integration, ausgewogener Wohnstrukturen sowie hochwertiger Bildungs-, Gesundheits- und Sozialangebote beschrieben. [academia.edu], [ec.europa.eu]

Familienfreundliche Stadtentwicklung knüpft an diese Leitbilder an und verbindet insbesondere:

  • Wohnungsbau,
  • Kinderbetreuung,
  • Mobilität,
  • Bildung,
  • Grün- und Freiraumentwicklung,
  • soziale Infrastruktur,
  • Quartiersentwicklung.

1.6 Zielsetzung der Petition

Mit der vorliegenden Petition wird der Hessische Landtag gebeten, die Entwicklung eines Landesprogramms

„Familienfreundliche Stadtentwicklung Hessen 2045“

zu prüfen.

Das Programm soll untersuchen, wie Städte und Gemeinden bei der Schaffung familienfreundlicher Wohn- und Lebensbedingungen unterstützt werden können.

Besondere Schwerpunkte sollen sein:

  • Familienquartiere,
  • familiengerechter Wohnungsbau,
  • sichere Schulwege,
  • Familienzentren,
  • kommunale Bodenpolitik,
  • familienfreundliche Mobilität.

Die kommunale Selbstverwaltung soll hierbei ausdrücklich gewahrt bleiben.


1.7 Aufbau der Denkschrift

Die vorliegende Denkschrift untersucht zunächst die demografischen und wohnungspolitischen Herausforderungen für Familien in Hessen.

Anschließend werden folgende Themenfelder behandelt:

  • Familienquartiere,
  • Geburtenentwicklung,
  • sichere Schulwege,
  • Familienzentren,
  • familiengerechter Wohnungsbau,
  • kommunale Bodenpolitik,
  • Finanzierungsmöglichkeiten,
  • volkswirtschaftliche Wirkungen,
  • Handlungsempfehlungen an den Hessischen Landtag.

1.8 Fazit

Die verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse legen nahe, dass Familienfreundlichkeit nicht allein durch finanzielle Leistungen geschaffen werden kann. Wohnraum, Infrastruktur, soziale Angebote und Mobilitätsmöglichkeiten beeinflussen den Alltag von Familien erheblich. [oecd.org], [bib.bund.de], [bbsr.bund.de]

Familienfreundliche Stadtentwicklung bietet daher einen integrierten Ansatz, um Familienpolitik, Wohnungsbaupolitik und Stadtentwicklung stärker miteinander zu verknüpfen. Die Verbesserung der Lebensbedingungen von Familien stellt dabei nicht nur eine soziale Aufgabe dar, sondern zugleich einen Beitrag zur langfristigen Zukunftsfähigkeit Hessens.


Fußnoten

¹ Vgl. OECD, Doing Better for Families, OECD Publishing, Paris 2011. [oecd.org], [books.google.com]

² Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), „Kinderwünsche und ihre Verwirklichung: Zukunftssorgen, aber auch regionale Lebensbedingungen prägen die Familienplanung“, 02.09.2026. [bib.bund.de], [bib.bund.de]

³ Ebenda. [bib.bund.de], [bib.bund.de]

⁴ Vgl. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), Themenbereich Wohnen und Immobilien. [bbsr.bund.de], [bbsr.bund.de]

⁵ Vgl. Europäische Kommission, Cities of Tomorrow – Challenges, Visions, Ways Forward, Brüssel 2011. [ec.europa.eu], [ec.europa.eu]

Kapitel 2

Demografische Entwicklung und Familienstrukturen in Hessen

2.1 Einleitung

Die demografische Entwicklung gehört zu den zentralen Rahmenbedingungen staatlicher Planung. Sie beeinflusst die Nachfrage nach Wohnraum, die Auslastung von Kindertagesstätten und Schulen, den Arbeitsmarkt sowie die langfristige Tragfähigkeit sozialer Sicherungssysteme.

Für Hessen ergeben sich besondere Herausforderungen. Das Land zählt zu den wirtschaftsstärksten Regionen Deutschlands und weist insgesamt eine stabile Bevölkerungsentwicklung auf. Gleichzeitig verlaufen die demografischen Entwicklungen regional sehr unterschiedlich. Wachstumsräume wie das Rhein-Main-Gebiet stehen einem Teil ländlicher Regionen gegenüber, die von Alterung und teilweise stagnierenden Bevölkerungszahlen betroffen sind. Hessische Staatskanzlei stellt fest, dass Hessens Bevölkerung bis in die 2030er Jahre insgesamt noch wachsen kann, gleichzeitig aber der Anteil älterer Menschen deutlich zunimmt und die Entwicklung regional unterschiedlich verläuft. [staatskanz....hessen.de], [staatskanz....hessen.de]

Die demografische Entwicklung beeinflusst damit unmittelbar die Anforderungen an eine familienfreundliche Stadt- und Regionalentwicklung.


2.2 Bevölkerungsentwicklung in Hessen

2.2.1 Hessen als Wachstumsland

Hessen gehört zu den bevölkerungsstarken Bundesländern Deutschlands. Nach Angaben des Hessischen Statistischen Landesamtes wird die Bevölkerungsentwicklung kontinuierlich auf Grundlage von Geburten, Sterbefällen sowie Zu- und Fortzügen fortgeschrieben. [statistik.hessen.de], [landesplan....hessen.de]

Gleichzeitig geht die Hessische Landesregierung davon aus, dass die Bevölkerungszahl Hessens insgesamt auf einem hohen Niveau stabil bleibt, bevor langfristig ein langsamer Rückgang einsetzt. Die Entwicklung verläuft jedoch regional unterschiedlich. Während große Städte und Verdichtungsräume weitere Zuwächse erwarten lassen, stehen einzelne ländliche Regionen vor anderen Herausforderungen. [staatskanz....hessen.de]

2.2.2 Regionale Unterschiede

Die demografische Entwicklung vollzieht sich nicht gleichmäßig.

Wachstumsregionen sind insbesondere:

  • Frankfurt am Main,
  • Darmstadt,
  • Offenbach,
  • Teile des Rhein-Main-Gebiets.

Demgegenüber sind andere Regionen stärker von Alterung und Bevölkerungsrückgang betroffen. Die Hessische Staatskanzlei weist ausdrücklich darauf hin, dass sich die demografische Entwicklung regional sehr unterschiedlich vollzieht und deshalb differenzierte politische Antworten erforderlich sind. [staatskanz....hessen.de], [staatskanz....hessen.de]


2.3 Geburtenentwicklung

2.3.1 Entwicklung in Deutschland

Die Geburtenentwicklung in Deutschland befindet sich seit mehreren Jahren in einer rückläufigen Phase.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) lag die zusammengefasste Geburtenziffer im Jahr 2024 bei 1,35 Kindern je Frau. Im Jahr 2025 sank sie weiter auf 1,32 Kinder je Frau. [destatis.de], [destatis.de]

Damit liegt die Geburtenrate deutlich unter dem sogenannten Bestandserhaltungsniveau von etwa 2,1 Kindern je Frau.

Zugleich wurden im Jahr 2025 mit 654.241 Geburten die niedrigsten Geburtenzahlen seit dem Jahr 1946 registriert. [destatis.de], [destatis.de]

2.3.2 Entwicklung in Hessen

Die Geburtenstatistik für Hessen zeigt ebenfalls eine langfristig rückläufige Entwicklung. Das Statistikportal der Länder dokumentiert für Hessen kontinuierlich die Entwicklung von Geburten und Sterbefällen. Gleichzeitig übersteigen die Sterbefälle inzwischen regelmäßig die Geburtenzahlen. [statistikportal.de]

Für die langfristige Entwicklung bedeutet dies, dass die Bevölkerungsstabilität Hessens zunehmend von Wanderungsbewegungen beeinflusst wird.


2.4 Kinderwünsche und Familiengründung

2.4.1 Wunsch und Wirklichkeit

Die demografische Forschung zeigt, dass niedrige Geburtenraten nicht automatisch auf einen fehlenden Kinderwunsch hindeuten.

Nach einer aktuellen Untersuchung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) wünschen sich junge Erwachsene weiterhin Kinder. Der durchschnittliche Kinderwunsch liegt bei Frauen bei etwa 1,7 Kindern und bei Männern bei rund 1,6 Kindern. Als ideale Kinderzahl werden durchschnittlich etwa 2,2 Kinder genannt. [bib.bund.de], [bib.bund.de]

Damit liegt der Kinderwunsch deutlich über der tatsächlichen Geburtenrate.

2.4.2 Das „Fertility Gap“

Die Forschung spricht in diesem Zusammenhang von einem sogenannten „Fertility Gap“, also einer Lücke zwischen gewünschter und tatsächlich verwirklichter Kinderzahl. [bib.bund.de], [bib.bund.de]

Nach Angaben des BiB ist nicht der fehlende Wunsch nach Kindern die Hauptursache niedriger Geburtenzahlen. Vielmehr führen Aufschubentscheidungen und erschwerte Rahmenbedingungen häufig dazu, dass Kinderwünsche unvollständig verwirklicht werden. [bib.bund.de], [idw-online.de]


2.5 Einfluss der Lebensbedingungen auf Familienentscheidungen

2.5.1 Wohnraum

Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung weist ausdrücklich darauf hin, dass regionale Lebensbedingungen die Familienplanung beeinflussen können. Zu den genannten Faktoren gehören insbesondere:

Wohnraum ist damit nicht nur eine wohnungspolitische, sondern auch eine familienpolitische Fragestellung.

2.5.2 Kinderbetreuung

Die Verfügbarkeit von Kitas und Bildungsangeboten beeinflusst die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das BiB nennt die Verfügbarkeit von Kinderbetreuung ausdrücklich als relevanten Faktor für Kinderwünsche und deren Verwirklichung. [bib.bund.de], [bib.bund.de]

2.5.3 Zukunftssicherheit

Die aktuelle Forschung verweist darüber hinaus auf den Einfluss von Zukunftserwartungen auf Familienentscheidungen. Zukunftssorgen infolge internationaler Krisen, wirtschaftlicher Unsicherheit oder gesellschaftlicher Entwicklungen können Familienplanungen beeinflussen. [bib.bund.de], [bib.bund.de]


2.6 Alterung der Bevölkerung

Neben der Entwicklung der Geburtenzahlen stellt die Alterung der Bevölkerung eine zentrale Herausforderung dar.

Die Hessische Staatskanzlei geht davon aus, dass insbesondere die Zahl älterer und hochbetagter Menschen künftig deutlich steigen wird. Gleichzeitig wird der Anteil jüngerer Altersgruppen langfristig zurückgehen. [staatskanz....hessen.de], [staatskanz....hessen.de]

Diese Entwicklung hat Auswirkungen auf:

  • Arbeitsmarkt,
  • Gesundheitswesen,
  • Pflegeinfrastruktur,
  • kommunale Daseinsvorsorge,
  • Wohnungsmarkt.

Familienfreundliche Stadtentwicklung kann hierzu beitragen, indem sie attraktive Rahmenbedingungen für junge Familien schafft und generationengerechte Quartiere fördert.


2.7 Bedeutung für Hessen

Für Hessen ergeben sich aus den dargestellten Entwicklungen mehrere Handlungsfelder:

  1. Sicherung bezahlbaren Wohnraums für Familien.
  2. Ausbau familienfreundlicher Infrastruktur.
  3. Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
  4. Förderung familienfreundlicher Quartiere.
  5. Unterstützung von Städten und Gemeinden bei der Anpassung an den demografischen Wandel.

Besonders Mittelstädte wie Kassel, Fulda, Gießen oder Marburg verfügen über Potenziale, familienfreundliche Wohn- und Lebensräume weiterzuentwickeln.


2.8 Fazit

Hessen steht vor den Herausforderungen einer alternden Bevölkerung, rückläufiger Geburtenzahlen und regional unterschiedlich verlaufender Bevölkerungsentwicklungen. Gleichzeitig zeigen aktuelle Untersuchungen, dass viele Menschen weiterhin Kinder wünschen, diese Wünsche jedoch nicht immer verwirklichen können. Regionale Lebensbedingungen wie Wohnraum, Kinderbetreuung und wirtschaftliche Perspektiven spielen dabei eine wichtige Rolle. [bib.bund.de], [bib.bund.de]

Familienfreundliche Stadtentwicklung kann daher einen wichtigen Beitrag leisten, die Rahmenbedingungen für Familien in Hessen zu verbessern und den Herausforderungen des demografischen Wandels zu begegnen.

Fußnoten

¹ Vgl. Hessische Staatskanzlei, Bevölkerungsprognosen für Hessen. [staatskanz....hessen.de]

² Vgl. Hessisches Statistisches Landesamt, Bevölkerungsentwicklung in Hessen. [statistik.hessen.de], [statistik.hessen.de]

³ Vgl. Statistisches Bundesamt (Destatis), Geburten in Deutschland. [destatis.de], [destatis.de]

⁴ Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), Kinderwünsche und ihre Verwirklichung. [bib.bund.de], [bib.bund.de]

⁵ Ebenda. [bib.bund.de], [bib.bund.de]

⁶ Vgl. Hessische Staatskanzlei, Demografiepolitik Hessen. [staatskanz....hessen.de], [staatskanz....hessen.de]

Kapitel 3

Die Wohnraumsituation von Familien in Hessen

3.1 Einleitung

Die Wohnraumversorgung gehört zu den wichtigsten Voraussetzungen für die Lebensqualität von Familien. Während Fragen der Familienpolitik häufig auf finanzielle Leistungen, Kinderbetreuung oder Bildung konzentriert werden, besitzt die Wohnsituation eine ebenso grundlegende Bedeutung.

Wohnraum erfüllt für Familien weit mehr als eine Schutzfunktion. Er ist Lebensraum, Lernort, Rückzugsort und sozialer Mittelpunkt des Familienlebens. Insbesondere Familien mit Kindern benötigen ausreichend große Wohnungen, ein sicheres Wohnumfeld sowie eine langfristig bezahlbare Wohnsituation.

Die Wohnungsfrage ist deshalb zugleich eine Familienfrage.


3.2 Wohnungsmarkt und gesellschaftlicher Wandel

Die Wohnraumnachfrage in Deutschland befindet sich seit Jahren auf einem hohen Niveau. Nach Angaben des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) bleiben die Wohnungsneubaubedarfe bis zum Jahr 2030 trotz konjunktureller Schwankungen hoch. Das BBSR prognostiziert einen Bedarf von rund 320.000 neuen Wohneinheiten pro Jahr im Zeitraum 2023 bis 2030. [bbsr.bund.de], [bbsr.bund.de]

Besonders betroffen sind:

  • wirtschaftsstarke Ballungsräume,
  • Universitätsstädte,
  • Wachstumsregionen mit hoher Arbeitsplatzdichte.

Gerade dort steigen Mieten und Immobilienpreise häufig stärker als Einkommen und Kaufkraft. Das BBSR weist ausdrücklich darauf hin, dass die Schaffung bezahlbaren Wohnraums vor allem in nachfragestarken Ballungsräumen eine zentrale wohnungspolitische Herausforderung bleibt. [bbsr.bund.de], [bbsr.bund.de]


3.3 Die Wohnraumsituation in Hessen

3.3.1 Hessen als Wachstumsregion

Hessen gehört zu den wirtschaftlich dynamischsten Bundesländern Deutschlands. Insbesondere die Region FrankfurtRheinMain zählt zu den bedeutendsten Wirtschaftsstandorten Europas.

Diese Entwicklung hat jedoch erhebliche Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt.

Bereits frühere Untersuchungen des Instituts Wohnen und Umwelt (IWU) für das Land Hessen weisen darauf hin, dass insbesondere der Ballungsraum FrankfurtRheinMain sowie die hessischen Universitätsstädte von einer hohen Dynamik auf den Wohnungsmärkten geprägt sind. Gleichzeitig wurde ein erheblicher zusätzlicher Wohnungsbedarf festgestellt. [wirtschaft.hessen.de]

3.3.2 Regionale Unterschiede

Der Wohnungsmarkt Hessens ist regional sehr unterschiedlich.

Während insbesondere

  • Frankfurt am Main,
  • Wiesbaden,
  • Darmstadt,
  • Offenbach,

unter starkem Nachfragedruck stehen, verfügen andere Regionen über vergleichsweise entspanntere Marktbedingungen.

Dennoch führen auch dort steigende Baukosten, höhere Finanzierungskosten und demografische Veränderungen zu neuen Herausforderungen.


3.4 Familiengerechter Wohnraum

3.4.1 Der besondere Wohnbedarf von Familien

Familien unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Wohnraumnachfrage grundlegend von Ein- oder Zwei-Personen-Haushalten.

Benötigt werden insbesondere:

  • zusätzliche Kinderzimmer,
  • Lern- und Arbeitsbereiche,
  • ausreichende Aufenthaltsflächen,
  • wohnungsnahe Freiräume.

Entsprechend weisen aktuelle Wohnungsmarktanalysen darauf hin, dass der Bedarf sowohl bei kleineren Wohnungen als auch bei größeren Wohnungen für Familien besonders hoch bleibt. [dstgb.de], [bbsr.bund.de]

3.4.2 Mangel an größeren Wohnungen

Während in vielen Städten kleinere Apartments und Ein-Zimmer-Wohnungen entstehen, bleibt das Angebot größerer Familienwohnungen oftmals begrenzt.

Das BBSR stellt fest, dass insbesondere Wohnungen für Familien und Eigenheime weiterhin zu den Wohnformen mit besonders hoher Nachfrage gehören. [dstgb.de], [bbsr.bund.de]

Familien konkurrieren dadurch häufig mit anderen Nachfragegruppen um ein vergleichsweise knappes Wohnungsangebot.


3.5 Wohnkosten als Belastungsfaktor

3.5.1 Mietpreisentwicklung

Steigende Wohnkosten wirken sich besonders stark auf Familienhaushalte aus.

Da Familien größere Wohnungen benötigen, sind sie von Mietsteigerungen überproportional betroffen.

Aktuelle Marktübersichten zeigen, dass insbesondere die hessischen Großstädte hohe Mietniveaus aufweisen. Frankfurt am Main zählt dabei zu den teuersten Wohnungsmärkten Deutschlands. [immobilienscout24.de]

3.5.2 Folgen für Familien

Steigende Wohnkosten können verschiedene Auswirkungen haben:

  • Einschränkung der Wohnfläche,
  • längere Pendelwege,
  • Abwanderung ins Umland,
  • höhere finanzielle Belastungen,
  • erschwerter Eigentumserwerb.

Damit beeinflusst der Wohnungsmarkt unmittelbar die Lebensqualität von Familien.


3.6 Wohnraum und Familienplanung

Die Bedeutung des Wohnraums reicht über die Wohnqualität hinaus.

Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) verweist darauf, dass bezahlbarer Wohnraum zu den Lebensbedingungen gehört, welche Kinderwünsche und deren Verwirklichung beeinflussen können. Diese Faktoren wirken neben wirtschaftlicher Sicherheit und Kinderbetreuung auf Familienentscheidungen ein.

Daraus folgt nicht, dass Wohnungsbau automatisch die Geburtenrate erhöht.

Wissenschaftlich vertretbar ist jedoch die Feststellung, dass günstige Wohnbedingungen dazu beitragen können, bestehende Kinderwünsche leichter zu verwirklichen.


3.7 Wohnungsneubedarf in Hessen

3.7.1 Langfristige Bedarfe

Für Hessen wird weiterhin ein erheblicher Wohnungsbedarf erwartet.

Eine Wohnraumbedarfsanalyse des Landes Hessen und des Instituts Wohnen und Umwelt (IWU) ging bereits von einem Mehrbedarf von rund 440.000 Wohnungen bis 2040 aus. Besonders betroffen sind Wachstumsräume und Universitätsstädte. [wirtschaft.hessen.de]

Derzeit arbeitet das IWU im Auftrag des Landes Hessen an einer aktualisierten Wohnungsbedarfsprognose bis 2045. [iwu.de]

3.7.2 Familien als Zielgruppe

Ein wesentlicher Teil des künftig benötigten Wohnraums muss auf die Bedürfnisse von Familien ausgerichtet werden.

Hierzu gehören insbesondere:

  • Drei-Zimmer-Wohnungen,
  • Vier-Zimmer-Wohnungen,
  • Fünf-Zimmer-Wohnungen,
  • Reihenhäuser,
  • familiengerechte Eigentumswohnungen.

3.8 Kommunale Handlungsmöglichkeiten

Die Kommunen verfügen über verschiedene Instrumente zur Verbesserung der Wohnraumsituation:

Bauleitplanung

  • Ausweisung neuer Wohngebiete
  • Nachverdichtung
  • Konversionsflächen

Bodenpolitik

  • kommunaler Grunderwerb
  • Vorkaufsrechte
  • Erbbaurechte

Wohnungsförderung

  • Kooperation mit Wohnungsunternehmen
  • Förderung von Genossenschaften
  • sozialer Wohnungsbau

Diese Instrumente können durch Landesförderprogramme unterstützt werden.


3.9 Familiengerechte Quartiersentwicklung

Die Wohnraumfrage darf nicht isoliert betrachtet werden.

Familien benötigen nicht nur Wohnungen, sondern auch:

  • Schulen,
  • Kitas,
  • sichere Schulwege,
  • Grünflächen,
  • Spielplätze,
  • Familienzentren.

Deshalb sollte Wohnungsbaupolitik künftig stärker mit städtebaulichen und familienpolitischen Zielen verknüpft werden.


3.10 Fazit

Die Analyse zeigt, dass die Wohnungsfrage zu den zentralen familienpolitischen Herausforderungen Hessens gehört.

Der Bedarf an Wohnraum bleibt hoch. Gleichzeitig stehen insbesondere Familien vor besonderen Herausforderungen, da größere Wohnungen vielerorts knapp und teuer sind. Das BBSR geht weiterhin von hohen Neubedarfen aus und betont die Notwendigkeit zusätzlichen bezahlbaren Wohnraums. [bbsr.bund.de], [bbsr.bund.de]

Familienfreundliche Wohnungs- und Quartierspolitik kann daher einen wichtigen Beitrag leisten, die Lebensbedingungen von Familien in Hessen zu verbessern.

Fußnoten

¹ Vgl. BBSR, „Zentrale Ergebnisse der Wohnungsbedarfsprognose“, 2025. Mit rund 320.000 Wohneinheiten jährlich bleiben die Neubaubedarfe bis 2030 hoch. [bbsr.bund.de], [bbsr.bund.de]

² Vgl. BBSR, Wohnungsbedarfsprognose 2025. Bezahlbarer Wohnraum in Ballungsräumen zählt weiterhin zu den zentralen wohnungspolitischen Herausforderungen. [bbsr.bund.de], [bbsr.bund.de]

³ Vgl. Institut Wohnen und Umwelt (IWU), Wohnraumbedarfsanalyse Hessen. Prognostizierter Mehrbedarf von rund 440.000 Wohnungen bis 2040. [wirtschaft.hessen.de]

⁴ Vgl. BBSR, Wohnungsbedarfsprognose. Hoher Bedarf insbesondere bei Familienwohnungen und Eigenheimen. [dstgb.de], [bbsr.bund.de]

⁵ Vgl. BiB, Kinderwünsche und ihre Verwirklichung. Regionale Lebensbedingungen wie bezahlbarer Wohnraum beeinflussen Familienplanung und Kinderwünsche.

⁶ Vgl. IWU, Wohnungsbedarfsprognose Hessen bis 2045.


Kapitel 3

Die Wohnraumsituation von Familien in Hessen

3.1 Einleitung

Die Wohnraumversorgung gehört zu den wichtigsten Voraussetzungen für die Lebensqualität von Familien. Während Fragen der Familienpolitik häufig auf finanzielle Leistungen, Kinderbetreuung oder Bildung konzentriert werden, besitzt die Wohnsituation eine ebenso grundlegende Bedeutung.

Wohnraum erfüllt für Familien weit mehr als eine Schutzfunktion. Er ist Lebensraum, Lernort, Rückzugsort und sozialer Mittelpunkt des Familienlebens. Insbesondere Familien mit Kindern benötigen ausreichend große Wohnungen, ein sicheres Wohnumfeld sowie eine langfristig bezahlbare Wohnsituation.

Die Wohnungsfrage ist deshalb zugleich eine Familienfrage.


3.2 Wohnungsmarkt und gesellschaftlicher Wandel

Die Wohnraumnachfrage in Deutschland befindet sich seit Jahren auf einem hohen Niveau. Nach Angaben des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) bleiben die Wohnungsneubaubedarfe bis zum Jahr 2030 trotz konjunktureller Schwankungen hoch. Das BBSR prognostiziert einen Bedarf von rund 320.000 neuen Wohneinheiten pro Jahr im Zeitraum 2023 bis 2030. [bbsr.bund.de], [bbsr.bund.de]

Besonders betroffen sind:

  • wirtschaftsstarke Ballungsräume,
  • Universitätsstädte,
  • Wachstumsregionen mit hoher Arbeitsplatzdichte.

Gerade dort steigen Mieten und Immobilienpreise häufig stärker als Einkommen und Kaufkraft. Das BBSR weist ausdrücklich darauf hin, dass die Schaffung bezahlbaren Wohnraums vor allem in nachfragestarken Ballungsräumen eine zentrale wohnungspolitische Herausforderung bleibt. [bbsr.bund.de], [bbsr.bund.de]


3.3 Die Wohnraumsituation in Hessen

3.3.1 Hessen als Wachstumsregion

Hessen gehört zu den wirtschaftlich dynamischsten Bundesländern Deutschlands. Insbesondere die Region FrankfurtRheinMain zählt zu den bedeutendsten Wirtschaftsstandorten Europas.

Diese Entwicklung hat jedoch erhebliche Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt.

Bereits frühere Untersuchungen des Instituts Wohnen und Umwelt (IWU) für das Land Hessen weisen darauf hin, dass insbesondere der Ballungsraum FrankfurtRheinMain sowie die hessischen Universitätsstädte von einer hohen Dynamik auf den Wohnungsmärkten geprägt sind. Gleichzeitig wurde ein erheblicher zusätzlicher Wohnungsbedarf festgestellt. [wirtschaft.hessen.de]

3.3.2 Regionale Unterschiede

Der Wohnungsmarkt Hessens ist regional sehr unterschiedlich.

Während insbesondere

  • Frankfurt am Main,
  • Wiesbaden,
  • Darmstadt,
  • Offenbach,

unter starkem Nachfragedruck stehen, verfügen andere Regionen über vergleichsweise entspanntere Marktbedingungen.

Dennoch führen auch dort steigende Baukosten, höhere Finanzierungskosten und demografische Veränderungen zu neuen Herausforderungen.


3.4 Familiengerechter Wohnraum

3.4.1 Der besondere Wohnbedarf von Familien

Familien unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Wohnraumnachfrage grundlegend von Ein- oder Zwei-Personen-Haushalten.

Benötigt werden insbesondere:

  • zusätzliche Kinderzimmer,
  • Lern- und Arbeitsbereiche,
  • ausreichende Aufenthaltsflächen,
  • wohnungsnahe Freiräume.

Entsprechend weisen aktuelle Wohnungsmarktanalysen darauf hin, dass der Bedarf sowohl bei kleineren Wohnungen als auch bei größeren Wohnungen für Familien besonders hoch bleibt. [dstgb.de], [bbsr.bund.de]

3.4.2 Mangel an größeren Wohnungen

Während in vielen Städten kleinere Apartments und Ein-Zimmer-Wohnungen entstehen, bleibt das Angebot größerer Familienwohnungen oftmals begrenzt.

Das BBSR stellt fest, dass insbesondere Wohnungen für Familien und Eigenheime weiterhin zu den Wohnformen mit besonders hoher Nachfrage gehören. [dstgb.de], [bbsr.bund.de]

Familien konkurrieren dadurch häufig mit anderen Nachfragegruppen um ein vergleichsweise knappes Wohnungsangebot.


3.5 Wohnkosten als Belastungsfaktor

3.5.1 Mietpreisentwicklung

Steigende Wohnkosten wirken sich besonders stark auf Familienhaushalte aus.

Da Familien größere Wohnungen benötigen, sind sie von Mietsteigerungen überproportional betroffen.

Aktuelle Marktübersichten zeigen, dass insbesondere die hessischen Großstädte hohe Mietniveaus aufweisen. Frankfurt am Main zählt dabei zu den teuersten Wohnungsmärkten Deutschlands. [immobilienscout24.de]

3.5.2 Folgen für Familien

Steigende Wohnkosten können verschiedene Auswirkungen haben:

  • Einschränkung der Wohnfläche,
  • längere Pendelwege,
  • Abwanderung ins Umland,
  • höhere finanzielle Belastungen,
  • erschwerter Eigentumserwerb.

Damit beeinflusst der Wohnungsmarkt unmittelbar die Lebensqualität von Familien.


3.6 Wohnraum und Familienplanung

Die Bedeutung des Wohnraums reicht über die Wohnqualität hinaus.

Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) verweist darauf, dass bezahlbarer Wohnraum zu den Lebensbedingungen gehört, welche Kinderwünsche und deren Verwirklichung beeinflussen können. Diese Faktoren wirken neben wirtschaftlicher Sicherheit und Kinderbetreuung auf Familienentscheidungen ein.

Daraus folgt nicht, dass Wohnungsbau automatisch die Geburtenrate erhöht.

Wissenschaftlich vertretbar ist jedoch die Feststellung, dass günstige Wohnbedingungen dazu beitragen können, bestehende Kinderwünsche leichter zu verwirklichen.


3.7 Wohnungsneubedarf in Hessen

3.7.1 Langfristige Bedarfe

Für Hessen wird weiterhin ein erheblicher Wohnungsbedarf erwartet.

Eine Wohnraumbedarfsanalyse des Landes Hessen und des Instituts Wohnen und Umwelt (IWU) ging bereits von einem Mehrbedarf von rund 440.000 Wohnungen bis 2040 aus. Besonders betroffen sind Wachstumsräume und Universitätsstädte. [wirtschaft.hessen.de]

Derzeit arbeitet das IWU im Auftrag des Landes Hessen an einer aktualisierten Wohnungsbedarfsprognose bis 2045. [iwu.de]

3.7.2 Familien als Zielgruppe

Ein wesentlicher Teil des künftig benötigten Wohnraums muss auf die Bedürfnisse von Familien ausgerichtet werden.

Hierzu gehören insbesondere:

  • Drei-Zimmer-Wohnungen,
  • Vier-Zimmer-Wohnungen,
  • Fünf-Zimmer-Wohnungen,
  • Reihenhäuser,
  • familiengerechte Eigentumswohnungen.

3.8 Kommunale Handlungsmöglichkeiten

Die Kommunen verfügen über verschiedene Instrumente zur Verbesserung der Wohnraumsituation:

Bauleitplanung

  • Ausweisung neuer Wohngebiete
  • Nachverdichtung
  • Konversionsflächen

Bodenpolitik

  • kommunaler Grunderwerb
  • Vorkaufsrechte
  • Erbbaurechte

Wohnungsförderung

  • Kooperation mit Wohnungsunternehmen
  • Förderung von Genossenschaften
  • sozialer Wohnungsbau

Diese Instrumente können durch Landesförderprogramme unterstützt werden.


3.9 Familiengerechte Quartiersentwicklung

Die Wohnraumfrage darf nicht isoliert betrachtet werden.

Familien benötigen nicht nur Wohnungen, sondern auch:

  • Schulen,
  • Kitas,
  • sichere Schulwege,
  • Grünflächen,
  • Spielplätze,
  • Familienzentren.

Deshalb sollte Wohnungsbaupolitik künftig stärker mit städtebaulichen und familienpolitischen Zielen verknüpft werden.


3.10 Fazit

Die Analyse zeigt, dass die Wohnungsfrage zu den zentralen familienpolitischen Herausforderungen Hessens gehört.

Der Bedarf an Wohnraum bleibt hoch. Gleichzeitig stehen insbesondere Familien vor besonderen Herausforderungen, da größere Wohnungen vielerorts knapp und teuer sind. Das BBSR geht weiterhin von hohen Neubedarfen aus und betont die Notwendigkeit zusätzlichen bezahlbaren Wohnraums. [bbsr.bund.de], [bbsr.bund.de]

Familienfreundliche Wohnungs- und Quartierspolitik kann daher einen wichtigen Beitrag leisten, die Lebensbedingungen von Familien in Hessen zu verbessern.

Fußnoten

¹ Vgl. BBSR, „Zentrale Ergebnisse der Wohnungsbedarfsprognose“, 2025. Mit rund 320.000 Wohneinheiten jährlich bleiben die Neubaubedarfe bis 2030 hoch. [bbsr.bund.de], [bbsr.bund.de]

² Vgl. BBSR, Wohnungsbedarfsprognose 2025. Bezahlbarer Wohnraum in Ballungsräumen zählt weiterhin zu den zentralen wohnungspolitischen Herausforderungen. [bbsr.bund.de], [bbsr.bund.de]

³ Vgl. Institut Wohnen und Umwelt (IWU), Wohnraumbedarfsanalyse Hessen. Prognostizierter Mehrbedarf von rund 440.000 Wohnungen bis 2040. [wirtschaft.hessen.de]

⁴ Vgl. BBSR, Wohnungsbedarfsprognose. Hoher Bedarf insbesondere bei Familienwohnungen und Eigenheimen. [dstgb.de], [bbsr.bund.de]

⁵ Vgl. BiB, Kinderwünsche und ihre Verwirklichung. Regionale Lebensbedingungen wie bezahlbarer Wohnraum beeinflussen Familienplanung und Kinderwünsche.

⁶ Vgl. IWU, Wohnungsbedarfsprognose Hessen bis 2045.

Kapitel 5

Familienpolitik als Bestandteil einer familienfreundlichen Stadtentwicklung

5.1 Einleitung

Familienpolitik gehört zu den zentralen Handlungsfeldern moderner Sozialstaaten. Sie verfolgt das Ziel, Familien zu unterstützen, gute Entwicklungsbedingungen für Kinder zu schaffen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern.

In der öffentlichen Diskussion wird Familienpolitik häufig auf finanzielle Leistungen reduziert. Tatsächlich umfasst sie jedoch ein deutlich breiteres Spektrum an Maßnahmen. Nach Auffassung der OECD verfolgt Familienpolitik unterschiedliche Ziele, darunter die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Unterstützung von Eltern bei der Verwirklichung ihrer Kinderwünsche, die Reduzierung von Kinderarmut sowie die Förderung des Kindeswohls. [observator...oa.eapn.pt], [gbv.de]

Vor diesem Hintergrund gewinnt die räumliche Dimension der Familienpolitik zunehmend an Bedeutung. Wohnraum, Infrastruktur, Mobilität und soziale Angebote beeinflussen den Alltag von Familien unmittelbar und sind deshalb Gegenstand einer modernen familienfreundlichen Stadtentwicklung.


5.2 Verfassungsrechtliche Grundlagen

5.2.1 Schutz von Ehe und Familie

Artikel 6 Absatz 1 des Grundgesetzes bestimmt:

„Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung."

Hieraus ergibt sich ein staatlicher Schutz- und Förderauftrag zugunsten von Familien.

Familienförderung beschränkt sich dabei nicht auf finanzielle Leistungen. Vielmehr umfasst sie alle staatlichen Maßnahmen, die geeignet sind, die Lebensbedingungen von Familien zu verbessern.

5.2.2 Sozialstaatsprinzip

Das Sozialstaatsprinzip des Artikels 20 Absatz 1 GG verpflichtet den Staat zur Förderung sozialer Teilhabe und Chancengerechtigkeit.

Familienpolitik dient damit zugleich:

  • der sozialen Stabilität,
  • der Förderung von Kindern,
  • der Unterstützung von Eltern,
  • der Zukunftssicherung des Gemeinwesens.

5.3 Familienpolitik in Deutschland

5.3.1 Entwicklung der Familienpolitik

Die deutsche Familienpolitik hat sich in den vergangenen Jahrzehnten erheblich verändert.

Während früher finanzielle Leistungen im Vordergrund standen, wurden später insbesondere Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf ausgebaut.

Zu den wichtigsten Instrumenten zählen:

  • Kindergeld,
  • Elterngeld,
  • Kinderbetreuung,
  • Kinderzuschlag,
  • steuerliche Familienförderung.

Der Familienreport 2024 des Bundes beschreibt Familienpolitik ausdrücklich als Querschnittsaufgabe, die wirtschaftliche, soziale und gesellschaftliche Entwicklungen berücksichtigt. [bmbfsfj.bund.de], [bmbfsfj.bund.de]


5.3.2 Lebenslagen von Familien

Der Familienreport 2024 untersucht die Lebenslagen von Familien in Deutschland und behandelt unter anderem:

Die Ergebnisse zeigen, dass Familienpolitik zahlreiche Lebensbereiche gleichzeitig betrifft.


5.4 Familienpolitik und Wohnraum

5.4.1 Wohnen als familienpolitische Frage

Wohnen gehört zu den zentralen Voraussetzungen eines funktionierenden Familienlebens.

Familien benötigen:

  • ausreichend Wohnfläche,
  • langfristige Wohnsicherheit,
  • bezahlbare Mieten,
  • ein familiengerechtes Wohnumfeld.

Trotz dieser Bedeutung wird Wohnungsbau häufig nicht als Bestandteil der Familienpolitik wahrgenommen.

Tatsächlich beeinflusst die Wohnsituation jedoch zahlreiche familienbezogene Entscheidungen unmittelbar.


5.4.2 Wohnraum und Kinderwünsche

Die Forschung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) weist darauf hin, dass regionale Lebensbedingungen die Familienplanung beeinflussen können. Hierzu zählen insbesondere bezahlbarer Wohnraum, Kinderbetreuung und wirtschaftliche Perspektiven. [bmbfsfj.bund.de]

Wohnungs- und Familienpolitik können daher nicht vollständig voneinander getrennt betrachtet werden.


5.5 Vereinbarkeit von Familie und Beruf

5.5.1 Zeit als zentrale Ressource

Familien stehen häufig vor der Herausforderung, Erwerbstätigkeit, Kinderbetreuung und Alltagsorganisation miteinander zu verbinden.

Die OECD bezeichnet die Vereinbarkeit von Beruf und Familie als eines der Kernziele moderner Familienpolitik. [observator...oa.eapn.pt], [gbv.de]

Dabei spielen nicht nur Kinderbetreuungseinrichtungen eine Rolle, sondern auch:

  • Wegezeiten,
  • Wohnstandorte,
  • Nahversorgung,
  • Mobilitätsangebote.

5.5.2 Bedeutung kurzer Wege

Lange Wege zwischen Wohnung, Kita, Schule und Arbeitsplatz erhöhen die Belastung von Familien.

Familienfreundliche Stadtentwicklung kann hierzu beitragen durch:

  • wohnortnahe Betreuung,
  • wohnortnahe Bildungsangebote,
  • familiengerechte Quartiere,
  • sichere Mobilität.

Damit entsteht ein direkter Zusammenhang zwischen Stadtentwicklung und Familienpolitik.


5.6 Familienzentren als familienpolitisches Instrument

5.6.1 Aufgaben von Familienzentren

Familienzentren bieten wohnortnahe Unterstützung für Familien in unterschiedlichen Lebenslagen.

Nach Angaben des Landes Hessen umfassen ihre Tätigkeitsfelder insbesondere:

Familienzentren fungieren als Knotenpunkte lokaler Unterstützungsnetzwerke.


5.6.2 Familienzentren in Hessen

Das Land Hessen fördert Familienzentren seit dem Jahr 2011. Familienzentren werden als wichtiger Bestandteil einer familienfreundlichen Infrastruktur bezeichnet. Im Jahr 2026 wurden nach Angaben des Landes Hessen 242 Einrichtungen gefördert. [familienze...-hessen.de], [familie.hessen.de]

Die Einrichtungen bieten wohnortnahe Unterstützung sowohl in städtischen Räumen als auch im ländlichen Raum. [familienze...-hessen.de], [familie.hessen.de]


5.7 Familienfreundliche Stadtentwicklung als Familienpolitik

5.7.1 Erweiterter Familienpolitikbegriff

Eine moderne Familienpolitik sollte nicht ausschließlich auf finanzielle Leistungen beschränkt werden.

Sie umfasst vielmehr auch:

  • Wohnraumpolitik,
  • Stadtentwicklung,
  • Mobilität,
  • Bildung,
  • Gesundheitsversorgung,
  • soziale Infrastruktur.

Die OECD betont, dass Familienpolitik verschiedene Zielsetzungen zugleich verfolgt und unterschiedliche Politikbereiche miteinander verbindet. [observator...oa.eapn.pt], [gbv.de]


5.7.2 Das Familienquartier

Das Konzept des Familienquartiers verbindet:

  • familiengerechten Wohnraum,
  • Kindertagesstätten,
  • Schulen,
  • Familienzentren,
  • Grünflächen,
  • sichere Wege.

Es stellt damit einen integrierten Ansatz zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Familien dar.


5.8 Bedeutung für Hessen

Für Hessen ergeben sich besondere Chancen.

Die vorhandenen Strukturen können genutzt werden, um eine stärkere Verbindung zwischen:

  • Familienpolitik,
  • Wohnungsbau,
  • Quartiersentwicklung,
  • Familienzentren,
  • kommunaler Infrastruktur

herzustellen.

Bereits bestehende Programme des Landes bieten hierfür eine wichtige Grundlage. [familienze...-hessen.de], [rp-kassel.hessen.de]


5.9 Fazit

Familienpolitik umfasst heute deutlich mehr als finanzielle Familienleistungen. Internationale Forschung und aktuelle Familienberichte zeigen, dass Wohnraum, Infrastruktur, Kinderbetreuung, Mobilität und soziale Unterstützung wesentliche Bestandteile familienfreundlicher Rahmenbedingungen sind. [observator...oa.eapn.pt], [bmbfsfj.bund.de]

Familienfreundliche Stadtentwicklung kann deshalb als eine moderne Form der Familienpolitik verstanden werden. Sie erweitert klassische Förderinstrumente um die räumlichen und infrastrukturellen Voraussetzungen eines gelingenden Familienlebens und bietet insbesondere für Hessen erhebliche Entwicklungspotenziale.

Fußnoten

¹ Vgl. OECD, Doing Better for Families, OECD Publishing, Paris 2011. Familienpolitik verfolgt Ziele wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Verwirklichung von Kinderwünschen sowie die Förderung des Kindeswohls. [observator...oa.eapn.pt], [gbv.de]

² Vgl. Familienreport 2024, Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Der Bericht analysiert die vielfältigen Lebenslagen von Familien und familienpolitische Maßnahmen. [bmbfsfj.bund.de], [bmbfsfj.bund.de]

³ Vgl. Familienreport 2024, Kapitel zu Familienformen, Geburten, Kinderwünschen, Erwerbstätigkeit und Vereinbarkeit. [bmbfsfj.bund.de]

⁴ Vgl. OECD, Doing Better for Families, Kapitel 3 „Fertility Trends: What Have Been the Main Drivers?“. [gbv.de]

⁵ Vgl. Familienzentren in Hessen, Regierungspräsidium Kassel. Familienzentren bieten Bildung, Erziehung, Beratung, Information, Unterstützung und Begegnung. [rp-kassel.hessen.de]

⁶ Vgl. Förderprogramm Familienzentren in Hessen. Das Land Hessen fördert Familienzentren seit 2011; 2026 wurden 242 Einrichtungen gefördert. [familienze...-hessen.de], [familie.hessen.de]

⁷ Vgl. OECD, Doing Better for Families. Familienpolitik verbindet unterschiedliche Politikfelder und Ziele.

Kapitel 6

Wissenschaftlich fundierte Handlungsempfehlungen für eine familienfreundliche Stadtentwicklung in Hessen

6.1 Einleitung

Die vorangegangenen Kapitel haben gezeigt, dass Familienfreundlichkeit das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels von Wohnraumversorgung, Infrastruktur, Mobilität, Kinderbetreuung und sozialer Unterstützung ist. Die OECD definiert moderne Familienpolitik ausdrücklich als Zusammenspiel finanzieller Leistungen, familienbezogener Dienstleistungen und institutioneller Rahmenbedingungen für Familien.¹ [oecd.org], [library.bsl.org.au]

Vor diesem Hintergrund stellen die nachfolgenden Empfehlungen keine isolierten Einzelmaßnahmen dar. Vielmehr handelt es sich um Bestandteile eines integrierten familienpolitischen Ansatzes für Hessen.


6.2 Landesprogramm „Familienfreundliche Stadtentwicklung Hessen 2045“

Die Hessische Landesregierung sollte die Einführung eines ressortübergreifenden Landesprogramms „Familienfreundliche Stadtentwicklung Hessen 2045“ prüfen.

Internationale Erfahrungen zeigen, dass erfolgreiche Familienpolitik regelmäßig mehrere Politikfelder miteinander verbindet. Die OECD verweist darauf, dass Familienpolitik nicht allein aus Geldleistungen besteht, sondern ebenso Kinderbetreuung, Elternunterstützung und familienfreundliche Lebensbedingungen umfasst.² [oecd.org], [library.bsl.org.au]

Ein Landesprogramm könnte bestehende Maßnahmen aus den Bereichen

  • Familienpolitik,
  • Wohnungsbau,
  • Stadtentwicklung,
  • Mobilität,
  • soziale Infrastruktur

besser koordinieren und stärker auf die Bedürfnisse von Familien ausrichten.


6.3 Familienquartiere als strategisches Leitbild

Die Europäische Kommission beschreibt Städte als Orte sozialer Integration, wirtschaftlicher Entwicklung und öffentlicher Dienstleistungen. Gleichzeitig verweist sie auf die Herausforderungen von demografischem Wandel, sozialer Polarisierung und nachhaltiger Stadtentwicklung.³ [ec.europa.eu], [ec.europa.eu]

Im Bericht Cities of Tomorrow wird die „europäische Stadt der Zukunft“ unter anderem charakterisiert als:

  • Ort sozialen Zusammenhalts,
  • Ort ausgewogener Wohnstrukturen,
  • Ort hochwertiger Bildungs- und Gesundheitsangebote,
  • Ort guter Erreichbarkeit öffentlicher Dienstleistungen.⁴ [academia.edu], [ec.europa.eu]

Aus diesen Erkenntnissen ergibt sich die Empfehlung, Familienquartiere als eigenen Schwerpunkt hessischer Stadtentwicklungspolitik zu etablieren.


6.4 Familiengerechten Wohnungsbau stärken

Wohnraum stellt eine zentrale Voraussetzung für Familiengründung, Kindererziehung und langfristige Lebensplanung dar.

Zahlreiche Studien weisen darauf hin, dass Wohnbedingungen die Lebensqualität von Familien wesentlich beeinflussen. Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) verweist darauf, dass regionale Lebensbedingungen, darunter die Verfügbarkeit bezahlbaren Wohnraums, die Familienplanung beeinflussen können.⁵

Die hessische Wohnraumförderung sollte deshalb stärker auf Familienwohnungen ausgerichtet werden. Förderfähig sollten insbesondere Wohnungen mit drei bis fünf Zimmern, familienfreundliche Grundrisse sowie generationenübergreifende Wohnformen sein.


6.5 Sichere Schulwege und aktive Mobilität

Die World Health Organization (WHO) weist darauf hin, dass regelmäßige körperliche Aktivität bei Kindern die Knochengesundheit, ein gesundes Wachstum sowie die motorische und kognitive Entwicklung fördert. Zu den ausdrücklich genannten Formen körperlicher Aktivität zählen Gehen und Radfahren.⁶ [who.int], [iris.who.int]

Darüber hinaus betont die WHO, dass sichere Bedingungen für Fuß- und Radverkehr eine wichtige Voraussetzung für aktive Mobilität sind. Aktive Mobilität besitzt gesundheitliche, soziale, ökologische und wirtschaftliche Vorteile.⁷ [who.int]

Das Land Hessen sollte deshalb Programme fördern für:

  • Schulstraßen,
  • Tempo-30-Zonen,
  • sichere Querungshilfen,
  • Radwege,
  • Kinderachsen im Wohnumfeld.

Diese Maßnahmen können die Verkehrssicherheit erhöhen und die selbstständige Mobilität von Kindern fördern.


6.6 Ausbau der Familienzentren

Familienzentren stellen einen wichtigen Bestandteil familienfreundlicher Infrastruktur dar.

Nach Angaben des Hessischen Ministeriums für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege werden im Jahr 2026 landesweit 242 Familienzentren gefördert. Dies stellt den höchsten Stand seit Beginn des Förderprogramms im Jahr 2011 dar.⁸ [familie.hessen.de], [familienze...-hessen.de]

Das Ministerium beschreibt Familienzentren als wohnortnahe Anlaufstellen für Menschen aller Generationen. Sie bieten Beratung, Bildungsangebote, Treffpunkte und praktische Unterstützung im Alltag.⁹ [familie.hessen.de], [familienap....hessen.de]

Vor diesem Hintergrund sollte Hessen prüfen:

  • weitere Standorte aufzubauen,
  • bestehende Zentren dauerhaft abzusichern,
  • digitale Angebote auszubauen,
  • die Zusammenarbeit mit Kommunen zu vertiefen.

6.7 Förderung kommunaler Familienerbpacht

Steigende Bodenpreise erschweren vielen Familien den Zugang zu Wohneigentum.

Daher sollte das Land Hessen Kommunen bei der Entwicklung langfristiger Erbbaurechtsmodelle unterstützen. Ziel könnte sein,

  • kommunales Eigentum langfristig zu sichern,
  • Bodenspekulation zu begrenzen,
  • Familien den Erwerb von Wohneigentum zu erleichtern.

Gerade in Wachstumsregionen kann die Erbpacht ein Instrument nachhaltiger Bodenpolitik darstellen.


6.8 Förderung wohnortnaher Infrastruktur

Die Europäische Kommission hebt hervor, dass die Stadt der Zukunft durch eine gute Versorgung mit Dienstleistungen, Erreichbarkeit und soziale Inklusion gekennzeichnet sein soll.¹⁰ [academia.edu], [ec.europa.eu]

Kommunen sollten deshalb bei Konzepten unterstützt werden, die eine wohnortnahe Erreichbarkeit von

  • Kindertagesstätten,
  • Schulen,
  • Gesundheitsversorgung,
  • Nahversorgung,
  • Freizeitangeboten

verbessern.


Fußnoten

¹ OECD, Doing Better for Families, Paris 2011, Executive Summary, S. 11–16. [books.google.com], [library.bsl.org.au]

² OECD, Doing Better for Families, Paris 2011. [oecd.org], [library.bsl.org.au]

³ Europäische Kommission, Cities of Tomorrow – Challenges, Visions, Ways Forward, Brüssel 2011, Vorwort. [ec.europa.eu], [ec.europa.eu]

⁴ Europäische Kommission, Cities of Tomorrow, Brüssel 2011, Kapitel 4, S. 67–83. [ec.europa.eu], [academia.edu]

⁵ Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), Kinderwünsche und ihre Verwirklichung in Deutschland.

⁶ WHO, Physical Activity – Fact Sheet, 26.06.2024. [who.int], [iris.who.int]

⁷ WHO, Promoting Walking, Cycling and Other Forms of Active Mobility, 2025. [who.int]

⁸ Hessisches Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege, „Landesregierung fördert 242 Familienzentren“, 30.04.2026. [familie.hessen.de]

⁹ Ebenda. [familie.hessen.de], [familienap....hessen.de]

¹⁰ Europäische Kommission, Cities of Tomorrow, Brüssel 2011. [ec.europa.eu], [academia.edu]

Diese Fassung entspricht deutlich eher dem Niveau einer wissenschaftlich belegten Denkschrift für den Hessischen Landtag.

Kapitel 7

Familienzentren als Baustein einer präventiven Familienpolitik

7.1 Einleitung

Familien stehen heute vor vielfältigen Herausforderungen. Neben wirtschaftlichen Belastungen gewinnen Fragen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, der sozialen Unterstützung, der Erziehungsberatung sowie der wohnortnahen Vernetzung zunehmend an Bedeutung.

Vor diesem Hintergrund haben sich Familienzentren in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Instrument moderner Familienpolitik entwickelt. Sie verbinden Bildungs-, Beratungs-, Begegnungs- und Unterstützungsangebote an einem Ort und verfolgen das Ziel, Familien frühzeitig und niedrigschwellig zu erreichen. Hessen Familie beschreibt Familienzentren als Treffpunkte für Menschen unterschiedlicher Generationen und Kulturen sowie als Orte der Beratung, Information und Unterstützung in verschiedenen Lebensphasen. [familie.hessen.de]

Familienzentren sind damit nicht nur soziale Einrichtungen, sondern zugleich Bestandteile einer familienfreundlichen Infrastruktur.


7.2 Begriff und Aufgaben von Familienzentren

7.2.1 Definition

Nach Angaben des Regierungspräsidiums Kassel sind Familienzentren „Knotenpunkte in einem Netzwerk von Kooperation und Information“, die unterschiedliche familienbezogene Leistungen bündeln und weiterentwickeln. Zu ihren Handlungsfeldern gehören Bildung, Erziehung, Beratung, Information, Unterstützung, Begegnung und Austausch. [rp-kassel.hessen.de]

Die Einrichtungen stehen Menschen aller Generationen offen und verfolgen einen präventiven Ansatz.


7.2.2 Zentrale Aufgaben

Familienzentren bieten regelmäßig:

  • Eltern- und Familienbildung,
  • Erziehungsberatung,
  • Informationsangebote,
  • Begegnungsmöglichkeiten,
  • Unterstützungsangebote für Familien,
  • generationenübergreifende Aktivitäten.

Nach Angaben des Landes Hessen werden darüber hinaus Angebote in den Bereichen Gesundheit, Medienkompetenz, Ernährung, Sozialberatung, Spiel- und Krabbelgruppen sowie Freizeitgestaltung bereitgestellt. [familie.hessen.de]

Dadurch entstehen wohnortnahe Anlaufstellen, die Familien im Alltag unterstützen.


7.3 Familienzentren in Hessen

7.3.1 Entwicklung des Förderprogramms

Das Förderprogramm des Landes Hessen besteht seit dem Jahr 2011. Zu Beginn wurden 46 Einrichtungen gefördert. Bis 2026 stieg die Zahl der geförderten Familienzentren auf 242 Einrichtungen an. Damit hat sich die Anzahl der geförderten Familienzentren innerhalb von fünfzehn Jahren mehr als verfünffacht. [familie.hessen.de], [familienze...-hessen.de]

Die Hessische Landesregierung bezeichnet dieses Wachstum ausdrücklich als Erfolg familienfreundlicher Infrastrukturpolitik. [familie.hessen.de]


7.3.2 Landesweite Verbreitung

Die Familienzentren befinden sich sowohl in Ballungsräumen als auch in ländlichen Regionen Hessens. Nach Angaben der Landesservicestelle Familienzentren Hessen stellen die Einrichtungen wohnortnahe Anlaufstellen für Familien in unterschiedlichen Lebenssituationen dar. [familienze...-hessen.de], [familienze...-hessen.de]

Die breite regionale Verteilung ermöglicht eine vergleichsweise flächendeckende Unterstützung.


7.3.3 Förderstruktur

Die Förderung erfolgt über das Land Hessen. Nach Angaben des Regierungspräsidiums Kassel kann die Förderung bis zu 18.000 Euro pro Einrichtung und Haushaltsjahr betragen. Gefördert werden Personal- und Sachausgaben für Leitung, Koordination, Vernetzung, Management sowie die Durchführung der Angebote. [rp-kassel.hessen.de], [familienze...-hessen.de]

Zusätzlich unterstützt die Landesservicestelle die Einrichtungen durch:


7.4 Wissenschaftliche Bedeutung von Familienzentren

7.4.1 Prävention statt Intervention

Moderne Sozialpolitik verfolgt zunehmend präventive Ansätze. Ziel präventiver Familienpolitik ist es, Probleme möglichst frühzeitig zu vermeiden oder abzumildern.

Familienzentren können hierzu beitragen, indem sie:

  • frühzeitig Beratung anbieten,
  • Unterstützungsbedarfe erkennen,
  • soziale Isolation verhindern,
  • den Zugang zu Hilfsangeboten erleichtern.

Die Hessische Landesregierung hebt hervor, dass Familienzentren insbesondere niedrigschwellige Unterstützungsangebote bereitstellen und soziale Teilhabe fördern. [familie.hessen.de]


7.4.2 Stärkung sozialer Netzwerke

Soziale Netzwerke besitzen für Familien eine hohe Bedeutung.

Die Landesregierung verweist darauf, dass Familienzentren Menschen zusammenbringen, Begegnungen ermöglichen und Gemeinschaft stärken. Sie können Einsamkeit vorbeugen und gesellschaftliche Teilhabe fördern. [familie.hessen.de], [rheinmainverlag.de]

Damit erfüllen Familienzentren wichtige sozialintegrative Funktionen.


7.4.3 Generationenübergreifender Ansatz

Familienzentren richten sich nicht ausschließlich an Familien mit kleinen Kindern.

Nach Angaben des Landes Hessen stehen sie Menschen „von 0 bis 99 Jahren“ offen und verfolgen ausdrücklich einen generationenübergreifenden Ansatz. [familie.hessen.de], [familienap....hessen.de]

Dadurch entstehen Begegnungsorte für:

  • Kinder,
  • Jugendliche,
  • Eltern,
  • Großeltern,
  • Senioren.

7.5 Familienzentren und familienfreundliche Stadtentwicklung

7.5.1 Familienzentren als Quartiersanker

Familienfreundliche Quartiere benötigen nicht nur Wohnungen und Infrastruktur, sondern auch soziale Einrichtungen.

Familienzentren können als sogenannte Quartiersanker wirken, indem sie:

  • Beratung bündeln,
  • soziale Kontakte fördern,
  • Bildungsangebote bereitstellen,
  • Nachbarschaften stärken.

Sie ergänzen somit die bauliche Infrastruktur um eine soziale Infrastruktur.


7.5.2 Verbindung zu anderen Politikfeldern

Familienzentren besitzen Schnittstellen zu:

  • Familienpolitik,
  • Sozialpolitik,
  • Bildungspolitik,
  • Gesundheitspolitik,
  • Integrationspolitik,
  • Stadtentwicklung.

Gerade diese Vernetzungsfunktion macht sie für eine integrierte Familienpolitik besonders wertvoll.


7.6 Handlungsperspektiven für Hessen

7.6.1 Ausbau des Netzes

Trotz des starken Ausbaus besteht Potenzial für weitere Einrichtungen.

Besonders geprüft werden sollten:

  • Neubaugebiete,
  • wachsende Mittelstädte,
  • sozial benachteiligte Quartiere,
  • ländliche Regionen.

7.6.2 Langfristige Finanzierung

Familienzentren übernehmen dauerhaft wichtige Aufgaben.

Daher sollte geprüft werden,

  • die Finanzierung langfristig zu sichern,
  • mehrjährige Förderperspektiven zu schaffen,
  • kommunale Beteiligungen auszubauen.

7.6.3 Digitalisierung

Digitale Beratungs- und Informationsangebote können die Reichweite von Familienzentren erhöhen.

Sinnvoll erscheinen insbesondere:

  • digitale Elternberatung,
  • Online-Veranstaltungen,
  • digitale Informationsplattformen,
  • hybride Bildungsangebote.

7.7 Fazit

Familienzentren haben sich in Hessen zu einem wichtigen Bestandteil familienfreundlicher Infrastruktur entwickelt. Seit Einführung des Landesprogramms im Jahr 2011 ist die Zahl der geförderten Einrichtungen von 46 auf 242 Familienzentren gestiegen. [familie.hessen.de], [familienze...-hessen.de]

Sie bieten Beratung, Bildung, Begegnung und Unterstützung und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Prävention sozialer Problemlagen, zur Förderung gesellschaftlicher Teilhabe und zur Stärkung von Familien. [familie.hessen.de], [familie.hessen.de]

Vor dem Hintergrund einer familienfreundlichen Stadtentwicklung sollten Familienzentren deshalb als zentrale Bausteine sozialer Infrastruktur verstanden und weiterentwickelt werden.


Fußnoten

¹ Vgl. Familienzentren in Hessen, Hessen Familie. [familie.hessen.de]

² Vgl. Familienzentren in Hessen, Regierungspräsidium Kassel. [rp-kassel.hessen.de]

³ Vgl. Landesregierung fördert 242 Familienzentren, Hessisches Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege, 30.04.2026. [familie.hessen.de]

⁴ Vgl. Förderprogramm Familienzentren in Hessen, Landesservicestelle Familienzentren Hessen. [familienze...-hessen.de]

⁵ Vgl. Übersicht der hessischen Familienzentren, FamilienApp Hessen. [familienap....hessen.de]

⁶ Vgl. Liste der geförderten Familienzentren in Hessen, Landesservicestelle Familienzentren Hessen. [familienze...-hessen.de]


Kapitel 8

Kommunale Bodenpolitik und Familienerbpacht als Instrumente familienfreundlicher Stadtentwicklung

8.1 Einleitung

Die Verfügbarkeit von Bauland zählt zu den entscheidenden Voraussetzungen für die Schaffung von Wohnraum. Während sich wohnungspolitische Debatten häufig auf Neubauzahlen konzentrieren, wird die Bedeutung der Bodenpolitik oftmals unterschätzt.

Tatsächlich beginnen viele wohnungspolitische Herausforderungen bereits auf dem Bodenmarkt. Steigende Grundstückspreise, begrenzte Flächenverfügbarkeit und zunehmende Nutzungskonflikte erschweren die Entwicklung bezahlbaren Wohnraums und treffen Familien besonders stark.

Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) betont, dass verfügbares Bauland eine entscheidende Voraussetzung für mehr Wohnungsbau ist. Gleichzeitig verweist das BBSR auf die Bedeutung einer strategischen Bodenpolitik sowie auf Instrumente wie aktive Liegenschaftspolitik und Erbbaurechte. [bbsr.bund.de], [bbsr.bund.de]

Vor diesem Hintergrund kommt der kommunalen Bodenpolitik eine zentrale Rolle innerhalb einer familienfreundlichen Stadtentwicklung zu.


8.2 Bedeutung der kommunalen Bodenpolitik

8.2.1 Boden als strategische Ressource

Boden ist nicht vermehrbar. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Nutzung verfügbarer Flächen.

Kommunen benötigen Flächen für:

  • Wohnungsbau,
  • Schulen,
  • Kindertagesstätten,
  • Grünanlagen,
  • Verkehrsinfrastruktur,
  • soziale Einrichtungen.

Die kommunale Bodenpolitik verfolgt deshalb das Ziel, Flächen langfristig für öffentliche und städtebauliche Zwecke zu sichern.

Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) stellt fest, dass Kommunen die zentralen Akteure bei der Bereitstellung von Flächen für Wohnen, Daseinsvorsorge und Stadtentwicklung sind. Gleichzeitig weist die Forschung auf einen steigenden bodenpolitischen Handlungsbedarf hin. [difu.de]


8.2.2 Aktive Bodenpolitik

Unter aktiver Bodenpolitik werden Maßnahmen verstanden, mit denen Kommunen langfristig Einfluss auf die Nutzung von Grundstücken behalten.

Hierzu gehören insbesondere:

  • Bodenbevorratung,
  • kommunaler Grunderwerb,
  • Vorkaufsrechte,
  • Konzeptvergaben,
  • Erbbaurechte,
  • städtebauliche Verträge.

Das BBSR zählt ausdrücklich auch die Vergabe von Grundstücken über das Erbbaurecht zu den Instrumenten aktiver Bodenpolitik. [bbsr.bund.de], [bbsr.bund.de]


8.3 Herausforderungen für Familien

8.3.1 Steigende Bodenpreise

In vielen Regionen Hessens haben sich die Grundstückspreise in den vergangenen Jahren deutlich erhöht.

Für Familien entstehen daraus verschiedene Probleme:

  • steigende Kaufpreise,
  • höhere Finanzierungskosten,
  • erschwerter Zugang zu Wohneigentum,
  • Verdrängung in periphere Lagen.

Insbesondere junge Familien verfügen häufig nicht über ausreichend Eigenkapital, um Grundstück und Wohngebäude gleichzeitig finanzieren zu können.


8.3.2 Auswirkungen auf die Stadtentwicklung

Steigende Bodenpreise wirken sich nicht nur auf einzelne Haushalte aus.

Sie beeinflussen auch:

  • Wohnungsbaukosten,
  • Mietpreise,
  • Sozialwohnungsbau,
  • Infrastrukturprojekte,
  • kommunale Entwicklungsmöglichkeiten.

Die Wohnungsfrage ist deshalb eng mit der Bodenpolitik verknüpft.


8.4 Das Erbbaurecht

8.4.1 Grundprinzip

Das Erbbaurecht ermöglicht die Trennung von Grundstückseigentum und Gebäudeeigentum.

Nach dem hessischen Verwaltungsportal ist das Erbbaurecht das Recht, auf einem fremden Grundstück gegen Zahlung eines Erbbauzinses ein Bauwerk zu errichten oder zu besitzen. Erbbaurechte werden häufig für Laufzeiten von bis zu 99 Jahren vergeben und können verkauft, vererbt oder beliehen werden. Erbbaurechtsgeber können unter anderem Kommunen sein. [verwaltung....hessen.de]

Durch dieses Modell bleibt das Grundstück dauerhaft im Eigentum der Kommune.


8.4.2 Historische Entwicklung

Das Erbbaurecht verfügt in Deutschland über eine lange Tradition.

In den vergangenen Jahren hat das Instrument erneut an Bedeutung gewonnen.

Der Deutsche Städtetag spricht von einer „Renaissance“ des Erbbaurechts in deutschen Städten. Es ermögliche eine an sozialen Erfordernissen orientierte Bodenpolitik und trage dazu bei, Grundstücke dauerhaft für gemeinwohlorientierte Nutzungen zu sichern. [staedtetag.de]


8.5 Familienerbpacht als wohnungspolitisches Instrument

8.5.1 Grundidee

Unter Familienerbpacht wird im Rahmen dieser Denkschrift die gezielte Vergabe kommunaler Grundstücke an Familien im Erbbaurecht verstanden.

Dabei verbleibt:

  • das Grundstück bei der Kommune,
  • das Gebäude im Eigentum der Familie.

Dadurch entfallen die hohen Kosten für den Grundstückserwerb.


8.5.2 Vorteile für Familien

Die Familienerbpacht kann verschiedene Vorteile bieten:

Reduzierung der Einstiegskosten

Da kein Grundstückskauf erforderlich ist, sinkt der Kapitalbedarf zu Beginn erheblich.

Erleichterung des Eigentumserwerbs

Die Finanzierung konzentriert sich auf das Gebäude.

Langfristige Nutzungsrechte

Laufzeiten von mehreren Jahrzehnten bieten hohe Planungssicherheit.

Erhöhte Chancen für junge Familien

Die Eintrittsbarrieren in den Wohneigentumsmarkt können sinken.


8.6 Vorteile für Kommunen

8.6.1 Erhalt kommunalen Eigentums

Ein wesentlicher Vorteil des Erbbaurechts besteht darin, dass die Kommune Eigentümerin der Grundstücke bleibt.

Der Deutsche Erbbaurechtsverband verweist darauf, dass Kommunen durch Erbbaurechte langfristig Einfluss auf die Nutzung ihrer Flächen behalten können. [erbbaurech...verband.de], [erbbaurech...verband.de]


8.6.2 Langfristige Steuerungsmöglichkeiten

Kommunen können über Erbbaurechtsverträge Ziele sichern wie:

  • familiengerechte Nutzung,
  • Wohnungsbau,
  • soziale Infrastruktur,
  • städtebauliche Qualität.

Dies ermöglicht eine langfristige Flächensteuerung.


8.6.3 Begrenzung von Bodenspekulation

Da die Grundstücke nicht verkauft werden, verbleiben sie dauerhaft im öffentlichen Eigentum.

Dadurch kann verhindert werden, dass kommunische Flächen langfristig der öffentlichen Steuerungsmöglichkeit entzogen werden.


8.7 Praxisbeispiele

Mehrere deutsche Städte nutzen das Erbbaurecht bereits aktiv.

Auf dem Erbbaurechtskongress 2024 wurden insbesondere:

  • Hamburg
  • Freiburg im Breisgau

als Beispiele vorgestellt. Beide Städte vergeben Wohnbaugrundstücke gezielt im Erbbaurecht, um langfristig Einfluss auf die Nutzung zu behalten und bezahlbares Wohnen zu unterstützen. [erbbaurech...verband.de], [erbbaurech...verband.de]

Hamburg bezeichnet diese Form des Erbbaurechts ausdrücklich als Bestandteil kommunaler Daseinsvorsorge. [erbbaurech...verband.de], [erbbaurech...verband.de]


8.8 Handlungsperspektiven für Hessen

8.8.1 Modellprogramm Familienerbpacht

Das Land Hessen sollte prüfen, ob Modellkommunen bei der Einführung kommunaler Familienerbpacht unterstützt werden können.

Mögliche Modellstandorte:

  • Kassel,
  • Fulda,
  • Marburg,
  • Gießen,
  • ausgewählte Wachstumsgemeinden.

8.8.2 Beratung und Wissenstransfer

Viele Kommunen verfügen bislang über begrenzte Erfahrungen mit Erbbaurechten.

Sinnvoll wären:

  • Musterverträge,
  • Leitfäden,
  • Schulungsangebote,
  • kommunale Netzwerke.

8.8.3 Einbindung in Wohnraumförderung

Erbbaurechte könnten mit bestehenden Förderprogrammen des Landes verknüpft werden.

Dadurch könnte eine zusätzliche Unterstützung familiengerechter Wohnprojekte ermöglicht werden.


8.9 Wissenschaftliche Bewertung

Das BBSR bezeichnet Erbbaurechte ausdrücklich als Instrument aktiver Boden- und Liegenschaftspolitik. Gleichzeitig verweist das Institut auf ihre Bedeutung für die Bereitstellung von Bauland und die Verfolgung wohnungs- und stadtentwicklungspolitischer Ziele. [bbsr.bund.de], [idw-online.de]

Die Forschung spricht daher dafür, das Erbbaurecht nicht nur als juristisches Instrument, sondern als Bestandteil strategischer Stadtentwicklung zu betrachten.

Für Familien lassen sich insbesondere Vorteile im Bereich der Erschwinglichkeit und Wohnraumbereitstellung identifizieren.


8.10 Fazit

Kommunale Bodenpolitik ist eine wesentliche Voraussetzung erfolgreicher Wohnungs- und Familienpolitik. Insbesondere die Verfügbarkeit bezahlbaren Baulandes beeinflusst die Möglichkeiten von Familien, Wohnraum zu erwerben oder zu schaffen.

Das Erbbaurecht bietet Kommunen die Möglichkeit, Grundstücke dauerhaft im öffentlichen Eigentum zu halten und gleichzeitig familiengerechte Wohnprojekte zu unterstützen. Es verbindet wohnungspolitische, städtebauliche und sozialpolitische Ziele und kann deshalb einen wichtigen Baustein einer familienfreundlichen Stadtentwicklung in Hessen darstellen.


Fußnoten

¹ Vgl. BBSR, Bodenpolitik: Verfügbares Bauland als Voraussetzung für Wohnungsbau; Erbbaurechte als Instrument aktiver Bodenpolitik. [bbsr.bund.de], [bbsr.bund.de]

² Vgl. Difu, Praxis der kommunalen Baulandmobilisierung und Bodenpolitik, Berlin 2023. [difu.de]

³ Vgl. Verwaltungsportal Hessen, Erbbaurecht an Grundstücken oder Erbbaurechten, Beschreibung des Erbbaurechts. [verwaltung....hessen.de]

⁴ Vgl. Deutscher Städtetag, „Das Erbbaurecht erlebt in den Städten eine Renaissance“, 10.06.2024. [staedtetag.de]

⁵ Vgl. Deutscher Erbbaurechtsverband, Das Erbbaurecht als Instrument der kommunalen Bodenpolitik, 2024. [erbbaurech...verband.de], [erbbaurech...verband.de]

⁶ Vgl. BBSR, „Mehr bezahlbares Wohnen und Bauen durch Erbbaurechte“, 12.02.2020

Kapitel 9

Familienfreundlicher Wohnungsbau als Zukunftsaufgabe Hessens

9.1 Einleitung

Die Versorgung der Bevölkerung mit angemessenem Wohnraum gehört zu den grundlegenden Aufgaben einer nachhaltigen Gesellschafts- und Stadtentwicklung. Für Familien besitzt die Wohnungsfrage dabei eine besondere Bedeutung. Während Ein- und Zwei-Personen-Haushalte vielfach flexibler auf Veränderungen des Wohnungsmarktes reagieren können, sind Familien mit Kindern auf ausreichend große, langfristig bezahlbare und familiengerechte Wohnungen angewiesen.

Die Wohnsituation beeinflusst nicht nur die Lebensqualität von Familien, sondern auch Fragen der Bildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten von Kindern, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die langfristige Bindung von Familien an Städte und Gemeinden.

Vor diesem Hintergrund kommt dem familienfreundlichen Wohnungsbau eine zentrale Rolle innerhalb einer zukunftsorientierten Familienpolitik zu.


9.2 Wohnungsbau als familienpolitische Aufgabe

9.2.1 Wohnen und Familie

Familien benötigen Wohnraum für unterschiedliche Funktionen:

  • gemeinsames Familienleben,
  • Rückzugsmöglichkeiten,
  • Lernen und Bildung,
  • Freizeit und Erholung,
  • Homeoffice und digitale Arbeit.

Wohnungen sind deshalb weit mehr als technische Unterkünfte. Sie bilden den räumlichen Mittelpunkt des Familienlebens.

Die Forschung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) verweist darauf, dass die Wohnsituation sowie die Verfügbarkeit bezahlbaren Wohnraums zu den Rahmenbedingungen gehören, die Familienentscheidungen beeinflussen können.


9.2.2 Besondere Anforderungen von Familien

Die Wohnbedürfnisse von Familien unterscheiden sich erheblich von denen anderer Haushalte.

Erforderlich sind häufig:

  • mehrere Schlafzimmer,
  • ausreichende Aufenthaltsflächen,
  • Abstellräume,
  • wohnungsnahe Freiräume,
  • sichere Außenbereiche.

Mit zunehmender Kinderzahl steigt regelmäßig auch der Flächenbedarf.

Familien benötigen deshalb häufiger Wohnungen mit:

  • drei Zimmern,
  • vier Zimmern,
  • fünf Zimmern oder mehr.

9.3 Rechtliche Grundlagen des familienfreundlichen Wohnungsbaus

9.3.1 Baugesetzbuch

Bereits das geltende Städtebaurecht verpflichtet die Planungsträger dazu, Familienbelange zu berücksichtigen.

§ 1 Abs. 6 Nr. 2 BauGB nennt ausdrücklich:

„die Wohnbedürfnisse der Bevölkerung, insbesondere auch von Familien mit mehreren Kindern".¹

Darüber hinaus bestimmt § 1 Abs. 6 Nr. 3 BauGB, dass die sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Bevölkerung, insbesondere die Bedürfnisse der Familien, zu berücksichtigen sind.²

Der familienfreundliche Wohnungsbau verfügt somit bereits heute über eine gesetzliche Grundlage im Bundesrecht.


9.3.2 Hessisches Städtebau- und Wohnungswesen

Die Wohnraumförderung des Landes Hessen verfolgt unter anderem das Ziel, bezahlbaren Wohnraum bereitzustellen und unterschiedliche Wohnbedürfnisse zu berücksichtigen.

Familien stellen dabei eine wichtige Zielgruppe öffentlicher Wohnraumförderung dar.


9.4 Herausforderungen des hessischen Wohnungsmarktes

9.4.1 Hohe Nachfrage

Die Wohnraumbedarfsprognosen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) zeigen weiterhin einen hohen Bedarf an zusätzlichen Wohnungen in Deutschland. Gleichzeitig bestehen insbesondere in wirtschaftsstarken Regionen erhebliche Engpässe auf den Wohnungsmärkten.

Hiervon sind auch zahlreiche Regionen Hessens betroffen.

Besonders hohe Nachfrage besteht in:

  • Frankfurt am Main,
  • Wiesbaden,
  • Darmstadt,
  • Offenbach,
  • Universitätsstädten,
  • Wachstumsregionen.

9.4.2 Familienwohnungen als Engpass

Während kleine Wohnungen vielerorts neu entstehen, bleibt das Angebot größerer Wohnungen häufig begrenzt.

Das BBSR verweist darauf, dass Familienwohnungen und Eigenheime weiterhin zu den Wohnformen mit besonders hoher Nachfrage gehören.

Die Folgen sind:

  • steigende Mieten,
  • längere Wohnungssuche,
  • räumliche Verdrängung,
  • längere Pendelwege.

9.5 Leitbild des familienfreundlichen Wohnungsbaus

9.5.1 Zielsetzung

Familienfreundlicher Wohnungsbau verfolgt das Ziel, Wohnungen bereitzustellen, die den Bedürfnissen von Familien langfristig gerecht werden.

Hierzu gehören:

  • ausreichende Wohnflächen,
  • flexible Grundrisse,
  • Energieeffizienz,
  • Barrierearmut,
  • quartiersbezogene Infrastruktur.

9.5.2 Flexible Wohnungsgrundrisse

Moderne Wohnungen sollten sich an verändernde Lebenssituationen anpassen können.

Beispiele:

  • Trennwände mit Umnutzungsmöglichkeiten,
  • kombinierbare Wohn- und Arbeitsräume,
  • altersgerechte Anpassbarkeit.

Dadurch können Wohnungen über viele Lebensphasen hinweg genutzt werden.


9.5.3 Außenräume

Familienfreundlicher Wohnungsbau umfasst nicht nur die Wohnung selbst.

Von besonderer Bedeutung sind:

  • Grünflächen,
  • Spielplätze,
  • Bewegungsflächen,
  • sichere Aufenthaltsbereiche.

Die WHO hebt die Bedeutung wohnortnaher Bewegungs- und Aktivitätsräume für Kinder hervor.


9.6 Mehrgenerationenwohnen

9.6.1 Gesellschaftlicher Hintergrund

Durch den demografischen Wandel gewinnen generationenübergreifende Wohnformen zunehmend an Bedeutung.

Mehrgenerationenwohnen ermöglicht:

  • gegenseitige Unterstützung,
  • soziale Nähe,
  • effiziente Nutzung von Wohnraum,
  • längere Selbstständigkeit älterer Menschen.

9.6.2 Vorteile für Familien

Familien profitieren insbesondere durch:

  • Unterstützung bei Kinderbetreuung,
  • soziale Kontakte,
  • stärkere Nachbarschaften,
  • gegenseitige Hilfe im Alltag.

Mehrgenerationenwohnen kann daher einen wichtigen Bestandteil familienfreundlicher Quartiere darstellen.


9.7 Wohnungsbau und Klimaschutz

9.7.1 Nachhaltigkeit

Der Wohnungsbau der Zukunft muss sowohl familienfreundlich als auch nachhaltig sein.

Hierzu gehören:

  • energieeffiziente Gebäude,
  • erneuerbare Energien,
  • Regenwassermanagement,
  • klimafeste Freiräume.

9.7.2 Familienfreundlichkeit und Nachhaltigkeit

Familienfreundliche Stadtentwicklung und Nachhaltigkeit stehen nicht im Widerspruch.

Vielmehr können sie gemeinsam verfolgt werden durch:

  • kurze Wege,
  • energieeffiziente Gebäude,
  • kompakte Quartiere,
  • hochwertige Freiräume.

9.8 Handlungsempfehlungen

Für Hessen ergeben sich folgende Handlungsmöglichkeiten:

Erstens

Stärkere Förderung von Familienwohnungen mit drei bis fünf Zimmern.

Zweitens

Berücksichtigung familienfreundlicher Kriterien bei Landesförderprogrammen.

Drittens

Förderung von Mehrgenerationenprojekten.

Viertens

Verknüpfung von Wohnungsbau und Familienzentren.

Fünftens

Stärkere Berücksichtigung von Spiel- und Bewegungsflächen.

Sechstens

Unterstützung kommunaler Wohnungsunternehmen.


9.9 Wissenschaftliche Bewertung

Die vorhandene Forschung spricht dafür, dass Wohnraum zu den wichtigsten Rahmenbedingungen familienfreundlicher Lebensverhältnisse gehört.

Gut belegt sind insbesondere:

  • die Bedeutung bezahlbaren Wohnraums,
  • die hohe Nachfrage nach Familienwohnungen,
  • die Rolle wohnortnaher Infrastruktur,
  • die Bedeutung familiengerechter Quartiere.

Nicht belegt ist hingegen die Annahme, dass Wohnungsbau automatisch zu höheren Geburtenraten führt. Wissenschaftlich vertretbar ist jedoch die Aussage, dass gute Wohnbedingungen die Verwirklichung bestehender Kinderwünsche erleichtern können.


9.10 Fazit

Die Wohnungsfrage gehört zu den zentralen Herausforderungen einer familienfreundlichen Politik in Hessen. Familien benötigen ausreichend große, bezahlbare und langfristig nutzbare Wohnungen sowie ein unterstützendes Wohnumfeld.

Familienfreundlicher Wohnungsbau verbindet deshalb:

  • Familienpolitik,
  • Wohnungsbaupolitik,
  • Sozialpolitik,
  • Stadtentwicklung,
  • Nachhaltigkeit.

Eine stärkere Ausrichtung der Wohnraumförderung auf die Bedürfnisse von Familien kann dazu beitragen, die Lebensqualität von Familien zu verbessern und die Attraktivität hessischer Städte und Gemeinden langfristig zu stärken.


Fußnoten

¹ Baugesetzbuch (BauGB), § 1 Abs. 6 Nr. 2.

² Baugesetzbuch (BauGB), § 1 Abs. 6 Nr. 3.

³ Vgl. BBSR, Wohnungsbedarfsprognose 2025. Hoher Neubaubedarf und besondere Nachfrage in Wachstumsregionen.

⁴ Vgl. BBSR, Wohnungsbedarfsprognose. Familienwohnungen und Eigenheime gehören weiterhin zu den Wohnformen mit hoher Nachfrage.

⁵ Vgl. BiB, Kinderwünsche und ihre Verwirklichung. Regionale Lebensbedingungen und bezahlbarer Wohnraum beeinflussen Familienentscheidungen.

⁶ Vgl. WHO, Physical Activity und aktive Mobilität von Kindern.

Kapitel 10

Finanzierung eines Landesprogramms „Familienfreundliche Stadtentwicklung Hessen 2045“

10.1 Einleitung

Die Umsetzung familienfreundlicher Stadtentwicklung setzt verlässliche finanzielle Rahmenbedingungen voraus. Dabei stellt sich nicht die Frage, ob Investitionen erforderlich sind, sondern wie vorhandene Förderinstrumente effizient genutzt und sinnvoll miteinander verknüpft werden können.

Die Analyse der bestehenden Förderlandschaft zeigt, dass Hessen bereits über zahlreiche Programme in den Bereichen Wohnraumförderung, Städtebauförderung, Quartiersentwicklung und Familienförderung verfügt. Die zentrale Herausforderung besteht daher weniger in der Schaffung neuer Förderstrukturen als in deren strategischer Bündelung. Die hessische Wohnraumförderung verfolgt bereits das Ziel, bezahlbaren Wohnraum bereitzustellen und Impulse für die Stadtentwicklung zu geben. [wirtschaft.hessen.de], [wirtschaft.hessen.de]


10.2 Bestehende Finanzierungsinstrumente in Hessen

10.2.1 Soziale Wohnraumförderung

Die soziale Wohnraumförderung bildet einen zentralen Baustein der hessischen Wohnungspolitik.

Nach Angaben des Landes Hessen konnten im Programmjahr 2025 Fördermittel für insgesamt 5.216 Wohnungen und Wohnplätze bereitgestellt werden. Hierfür wurden unter anderem eingesetzt:

  • 365,7 Mio. Euro für den Neubau von Mietwohnungen,
  • 150,3 Mio. Euro für die Modernisierung von Mietwohnungen,
  • 46,4 Mio. Euro für Wohnplätze von Studierenden und Auszubildenden,
  • 36,2 Mio. Euro für Belegungsrechte,
  • 86,5 Mio. Euro für Hessen-Darlehen,
  • 4,0 Mio. Euro für den behindertengerechten Umbau. [wirtschaft.hessen.de]

Diese Zahlen verdeutlichen, dass Hessen bereits heute erhebliche Mittel zur Wohnraumversorgung einsetzt.


10.2.2 Städtebauförderung

Die Städtebauförderung stellt ein weiteres bedeutendes Finanzierungsinstrument dar.

In Hessen werden Kommunen unter anderem über die Programme

  • „Lebendige Zentren“,
  • „Sozialer Zusammenhalt“,
  • „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“

unterstützt. Ziel ist die Entwicklung attraktiver Wohn- und Lebensräume sowie die Bewältigung demografischer, wirtschaftlicher und städtebaulicher Herausforderungen. [hessen-agentur.de], [nachhaltig...-hessen.de]

Im Jahr 2025 unterstützten Bund und Land Hessen 81 Kommunen mit insgesamt 107,5 Mio. Euro für die Gestaltung lebenswerter Quartiere. [wirtschaft.hessen.de]


10.2.3 Familienzentren

Auch im Bereich der Familienförderung existieren bereits landesweite Programme.

Die Förderung der Familienzentren zeigt, dass Hessen wohnortnahe Unterstützungsangebote als wichtigen Bestandteil moderner Familienpolitik versteht. Eine stärkere Verzahnung von Familienzentren mit Quartiersentwicklung und Wohnungsbau erscheint daher sachgerecht.


10.3 Grundprinzip der Finanzierung

10.3.1 Keine vollständig neuen Strukturen erforderlich

Für ein Landesprogramm „Familienfreundliche Stadtentwicklung Hessen 2045“ ist die Schaffung einer vollständig neuen Förderarchitektur nicht zwingend erforderlich.

Stattdessen kann auf bestehende Instrumente zurückgegriffen werden:

  • Wohnraumförderung,
  • Städtebauförderung,
  • Familienförderung,
  • Kommunalförderung,
  • Programme der WIBank.

Dadurch lassen sich Verwaltungskosten begrenzen und bestehende Erfahrungen nutzen.


10.3.2 Integrierter Förderansatz

Zukünftige Förderentscheidungen sollten stärker daran gekoppelt werden, ob Projekte familienfreundliche Ziele verfolgen.

Bewertet werden könnten beispielsweise:

  • Anteil familiengeeigneter Wohnungen,
  • Kita- und Schulnähe,
  • Grünflächenversorgung,
  • Familienzentren,
  • Schulwegsicherheit,
  • Barrierefreiheit.

10.4 Finanzierungsmodell

10.4.1 Mehr-Ebenen-Finanzierung

Familienfreundliche Stadtentwicklung sollte als Gemeinschaftsaufgabe von

  • Land Hessen,
  • Kommunen,
  • Bund

verstanden werden.

Hierfür bietet sich ein Finanzierungsmodell mit drei Ebenen an.

Landesebene

Förderung von:

  • Familienquartieren,
  • Familienzentren,
  • Modellprojekten,
  • Beratung.

Kommunale Ebene

Finanzierung von:

  • Grundstücken,
  • Planung,
  • Betrieb lokaler Einrichtungen.

Bundesebene

Nutzung bestehender Programme:

  • soziale Wohnraumförderung,
  • Städtebauförderung,
  • KfW-Programme.

10.4.2 Musterfinanzierung

Für Modellprojekte könnte folgende Struktur Anwendung finden:

FinanzierungsquelleAnteil
Land Hessen50 %
Kommune30 %
Bund / Drittmittel20 %

Dieses Modell orientiert sich an den Grundsätzen bestehender Förderprogramme.


10.5 Modellrechnung für Hessen

10.5.1 Basisszenario

Annahmen:

  • 20 Modellkommunen,
  • familienfreundliche Quartiersmaßnahmen,
  • Familienzentren,
  • Schulwegmaßnahmen.

Jährlicher Landesanteil:

50 Mio. Euro


10.5.2 Ausbauszenario

Annahmen:

  • 50 Kommunen,
  • landesweite Umsetzung,
  • umfassende Quartiersentwicklung.

Jährlicher Landesanteil:

100 bis 150 Mio. Euro


10.5.3 Einordnung

Zum Vergleich:

Allein im Jahr 2025 stellte Hessen rund 365,7 Mio. Euro für den Neubau von Mietwohnungen bereit. [wirtschaft.hessen.de]

Die vorgeschlagenen Mittel würden somit innerhalb der Größenordnung bestehender wohnungspolitischer Fördermaßnahmen liegen.


10.6 Volkswirtschaftliche Wirkungen

10.6.1 Direkte Effekte

Investitionen in familienfreundliche Infrastruktur erzeugen unmittelbare Nachfrage in den Bereichen:

  • Bauwirtschaft,
  • Handwerk,
  • Planungsleistungen,
  • Dienstleistungen.

10.6.2 Indirekte Effekte

Mögliche mittelbare Wirkungen:

  • höhere Standortattraktivität,
  • stärkere Einwohnerbindung,
  • bessere Lebensqualität,
  • attraktivere Wohnstandorte.

10.6.3 Langfristige Effekte

Langfristig können familienfreundliche Wohn- und Lebensbedingungen dazu beitragen,

  • Wanderungsverluste zu reduzieren,
  • Kommunen zu stabilisieren,
  • Wohnstandorte aufzuwerten.

Eine exakte Quantifizierung möglicher demografischer Effekte ist wissenschaftlich jedoch nicht möglich.


10.7 Finanzierung der Familienzentren

Die hessischen Familienzentren stellen ein Beispiel vergleichsweise kosteneffizienter Familienförderung dar.

Da die Infrastruktur bereits vorhanden ist, können zusätzliche Investitionen besonders wirksam sein, wenn sie mit Quartiersentwicklung, Bildungseinrichtungen und kommunalen Angeboten verknüpft werden.


10.8 Finanzierung kommunaler Familienerbpacht

Besondere Chancen bestehen im Bereich kommunaler Bodenpolitik.

Da Grundstücke im Eigentum der Kommune verbleiben, entstehen langfristige Steuerungsmöglichkeiten.

Das Land könnte Modellkommunen unterstützen durch:

  • Beratungsprogramme,
  • Projektförderung,
  • Anschubfinanzierung.

Hierfür wären vergleichsweise geringe Haushaltsmittel erforderlich.


10.9 Wissenschaftliche Bewertung

Die vorhandenen Programme zeigen, dass Hessen bereits heute erhebliche Mittel in Wohnraum, Quartiersentwicklung und soziale Infrastruktur investiert. [wirtschaft.hessen.de], [hessen-agentur.de], [nachhaltig...-hessen.de]

Eine familienfreundliche Stadtentwicklung würde keine vollständige Neuschaffung von Förderstrukturen erfordern, sondern primär eine stärkere Verzahnung bestehender Programme.

Aus wissenschaftlicher Sicht spricht dies für eine hohe finanzielle Realisierbarkeit.


10.10 Fazit

Die Finanzierung eines Landesprogramms „Familienfreundliche Stadtentwicklung Hessen 2045“ erscheint grundsätzlich realisierbar. Hessen verfügt bereits über leistungsfähige Förderinstrumente im Bereich Wohnungsbau und Stadtentwicklung. Eine stärkere Ausrichtung dieser Programme auf Familienfreundlichkeit könnte mit vergleichsweise begrenztem Mitteleinsatz erhebliche Wirkungen für Wohnqualität, Quartiersentwicklung und Familienförderung entfalten. [wirtschaft.hessen.de], [wirtschaft.hessen.de], [nachhaltig...-hessen.de]

Fußnoten

¹ Vgl. Soziale Wohnraumförderung Hessen, Hessen Wirtschaft. Fördermittel für 5.216 Wohnungen und Wohnplätze im Programmjahr 2025. [wirtschaft.hessen.de]

² Vgl. Städtebauförderung, Hessen Agentur. Unterstützung der Programme „Lebendige Zentren“, „Sozialer Zusammenhalt“ und „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“. [hessen-agentur.de]

³ Vgl. Wachstum und nachhaltige Erneuerung, Nachhaltige Stadtentwicklung Hessen. Unterstützung lebenswerter und zukunftsfähiger Quartiere im demografischen Wandel. [nachhaltig...-hessen.de]

⁴ Vgl. Städtebau Hessen, Fördermittel von 107,5 Mio. Euro für 81 Kommunen im Jahr 2025. [wirtschaft.hessen.de]

⁵ Vgl. Richtlinie des Landes Hessen zur sozialen Mietwohnraumförderung. Förderziel ist die Versorgung von Haushalten mit bezahlbarem Wohnraum.

Kapitel 11

Volkswirtschaftliche, gesellschaftliche und demografische Wirkungen einer familienfreundlichen Stadtentwicklung in Hessen

11.1 Einleitung

Politische Maßnahmen werden häufig anhand ihrer unmittelbaren Kosten bewertet. Für eine langfristige Beurteilung ist jedoch ebenso relevant, welche wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und demografischen Wirkungen Investitionen entfalten können.

Familienfreundliche Stadtentwicklung ist nicht ausschließlich Wohnungsbaupolitik. Sie verbindet Wohnraumversorgung, Infrastruktur, Mobilität, Bildung, soziale Unterstützung und kommunale Entwicklung zu einem integrierten Ansatz.

Die nachfolgende Analyse untersucht die möglichen Auswirkungen auf:

  • Familien,
  • Kinder und Jugendliche,
  • Kommunen,
  • Arbeitsmarkt,
  • Wohnungsmarkt,
  • gesellschaftlichen Zusammenhalt,
  • demografische Entwicklung in Hessen.

11.2 Auswirkungen auf Familien

11.2.1 Verbesserung der Lebensqualität

Die Qualität des Wohnumfeldes beeinflusst den Alltag von Familien erheblich.

Von besonderer Bedeutung sind:

  • ausreichend Wohnraum,
  • sichere Nachbarschaften,
  • kurze Wege,
  • Grün- und Freiflächen,
  • wohnortnahe Betreuung,
  • soziale Unterstützung.

Die OECD weist darauf hin, dass Wohnbedingungen, Infrastruktur und Dienstleistungen wichtige Bestandteile familienfreundlicher Rahmenbedingungen darstellen.

Familienfreundliche Quartiere können daher zu einer höheren Wohnzufriedenheit beitragen.


11.2.2 Entlastung im Alltag

Kurze Wege zwischen:

  • Wohnung,
  • Kindertagesstätte,
  • Schule,
  • Arzt,
  • Arbeitsplatz,
  • Nahversorgung

reduzieren Zeitaufwand und Organisationsbelastungen.

Besonders Familien mit mehreren Kindern profitieren von wohnortnahen Angeboten.

Dadurch entstehen nicht unmittelbar finanzielle, aber erhebliche zeitliche Entlastungen.


11.3 Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche

11.3.1 Bildungschancen

Wohnortnahe Bildungseinrichtungen verbessern die Erreichbarkeit von Bildungsangeboten.

Kinder profitieren insbesondere von:

  • kurzen Schulwegen,
  • wohnortnahen Betreuungsangeboten,
  • sicheren Wegen,
  • guten Freizeitmöglichkeiten.

Internationale Forschung verweist darauf, dass frühe Bildungsangebote langfristig positive Auswirkungen auf Bildungsbiografien entfalten können.¹


11.3.2 Gesundheit

Die World Health Organization (WHO) hebt die Bedeutung regelmäßiger körperlicher Aktivität für die Entwicklung von Kindern hervor. Dazu zählen insbesondere Gehen und Radfahren im Alltag.²

Sichere Schulwege und wohnortnahe Bewegungsräume fördern:

  • körperliche Aktivität,
  • Selbstständigkeit,
  • soziale Interaktion.

11.3.3 Soziale Entwicklung

Wohnquartiere mit:

  • Spielplätzen,
  • Vereinen,
  • Familienzentren,
  • Begegnungsräumen

schaffen Räume sozialer Kontakte.

Kinder und Jugendliche können dadurch soziale Kompetenzen und lokale Bindungen entwickeln.


11.4 Auswirkungen auf Kommunen

11.4.1 Standortattraktivität

Städte und Gemeinden konkurrieren zunehmend um Einwohnerinnen und Einwohner sowie um Fachkräfte.

Familienfreundliche Rahmenbedingungen können zur Attraktivität eines Standortes beitragen.

Zu den relevanten Faktoren gehören:

  • Wohnraum,
  • Bildungsangebote,
  • Mobilität,
  • Lebensqualität,
  • soziale Infrastruktur.

Insbesondere Mittelstädte in Hessen könnten hiervon profitieren.


11.4.2 Einwohnerbindung

Wohnzufriedenheit beeinflusst die langfristige Bindung an einen Wohnort.

Familienfreundliche Quartiere können dazu beitragen,

  • Abwanderungen zu vermeiden,
  • die Identifikation mit der Kommune zu stärken,
  • lokale Gemeinschaften zu stabilisieren.

11.4.3 Kommunale Entwicklung

Langfristig können stabile Familienstrukturen positive Wirkungen auf:

  • Vereine,
  • Ehrenamt,
  • Schulen,
  • Quartiere,
  • lokale Wirtschaft

entfalten.

Familienfreundliche Stadtentwicklung wirkt damit über den Wohnungsmarkt hinaus.


11.5 Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

11.5.1 Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Die OECD betrachtet die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als eines der zentralen Ziele moderner Familienpolitik.³

Wohnortnahe Betreuungseinrichtungen und kurze Wege können dazu beitragen,

  • Erwerbsarbeit zu erleichtern,
  • Pendelzeiten zu reduzieren,
  • Zeitressourcen effizienter zu nutzen.

11.5.2 Fachkräftesicherung

Hessen steht wie andere Bundesländer vor Herausforderungen der Fachkräftesicherung.

Arbeitskräfte berücksichtigen bei der Wahl ihres Wohnortes zunehmend:

  • Wohnkosten,
  • Kinderbetreuung,
  • Bildungsangebote,
  • Lebensqualität.

Familienfreundliche Städte und Gemeinden können somit einen Standortvorteil darstellen.


11.6 Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt

11.6.1 Ausbau familiengerechter Wohnungsangebote

Die Förderung familienfreundlichen Wohnungsbaus kann dazu beitragen,

  • das Angebot größerer Wohnungen zu erhöhen,
  • Wohnraumengpässe zu verringern,
  • Familien stärker zu berücksichtigen.

Das BBSR verweist auf die weiterhin hohe Nachfrage nach Familienwohnungen und Eigenheimen.⁴


11.6.2 Kommunale Bodenpolitik

Die Nutzung von Instrumenten wie:

  • Erbbaurechten,
  • kommunaler Bodenbevorratung,
  • Konzeptvergaben

kann die Handlungsmöglichkeiten der Kommunen stärken.

Dadurch können Städte und Gemeinden langfristig stärker Einfluss auf die Wohnraumentwicklung nehmen.


11.7 Auswirkungen auf die demografische Entwicklung

11.7.1 Wissenschaftlicher Forschungsstand

Die demografische Forschung weist darauf hin, dass Geburtenentscheidungen von zahlreichen Faktoren beeinflusst werden.

Hierzu gehören insbesondere:

  • wirtschaftliche Sicherheit,
  • Kinderbetreuung,
  • Wohnraum,
  • Partnerschaft,
  • Arbeitsmarktbedingungen.

Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) verweist darauf, dass regionale Lebensbedingungen die Familienplanung beeinflussen können.⁵


11.7.2 Kinderwünsche und Lebensbedingungen

Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass die gewünschte Kinderzahl häufig über der tatsächlich realisierten Kinderzahl liegt.⁶

Familienfreundliche Wohn- und Lebensbedingungen können dazu beitragen,

  • Unsicherheiten zu verringern,
  • Planbarkeit zu erhöhen,
  • bestehende Kinderwünsche leichter zu verwirklichen.

11.7.3 Wissenschaftliche Grenzen

Nicht wissenschaftlich belegbar sind Aussagen wie:

  • bestimmte zusätzliche Geburtenzahlen,
  • exakt messbare Geburtenanstiege,
  • direkte Kausalwirkungen einzelner Maßnahmen.

Solche Aussagen werden bewusst nicht getroffen.

Wissenschaftlich vertretbar ist hingegen die Einschätzung, dass günstige Rahmenbedingungen die Verwirklichung bestehender Kinderwünsche erleichtern können.⁷


11.8 Gesellschaftlicher Zusammenhalt

11.8.1 Nachbarschaften

Familienzentren, Begegnungsorte und öffentliche Räume fördern soziale Kontakte.

Sie können dazu beitragen,

  • Isolation zu reduzieren,
  • Engagement zu fördern,
  • lokale Netzwerke zu stärken.

11.8.2 Generationenübergreifende Wirkungen

Familienfreundliche Quartiere kommen nicht ausschließlich Familien mit Kindern zugute.

Profitieren können auch:

  • Seniorinnen und Senioren,
  • Menschen mit Behinderungen,
  • Alleinlebende,
  • pflegende Angehörige.

Kurze Wege und wohnortnahe Infrastruktur erhöhen die Lebensqualität unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen.


11.9 Volkswirtschaftliche Einordnung

11.9.1 Investitionscharakter

Maßnahmen der familienfreundlichen Stadtentwicklung besitzen überwiegend investiven Charakter.

Dies gilt insbesondere für:

  • Wohnungsbau,
  • Familienzentren,
  • Schulwegsicherheit,
  • Grünanlagen,
  • Quartiersentwicklung.

Die Wirkungen erstrecken sich regelmäßig über viele Jahre.


11.9.2 Langfristige Nutzenpotenziale

Mögliche langfristige Effekte umfassen:

  • höhere Lebensqualität,
  • Attraktivitätssteigerung von Kommunen,
  • stärkere Einwohnerbindung,
  • bessere Rahmenbedingungen für Familien.

Eine exakte monetäre Bewertung aller Wirkungen ist wissenschaftlich nicht möglich.


11.10 Fazit

Familienfreundliche Stadtentwicklung kann positive Wirkungen auf Familien, Kinder, Kommunen und die gesellschaftliche Entwicklung entfalten.

Die Forschung spricht insbesondere dafür, dass:

  • Wohnraum,
  • Familienzentren,
  • sichere Mobilität,
  • soziale Infrastruktur,
  • familienfreundliche Quartiere

wichtige Rahmenbedingungen für Lebensqualität und Familienfreundlichkeit darstellen.

Für Hessen ergibt sich daraus die Möglichkeit, Familienpolitik, Wohnungsbau, Stadtentwicklung und kommunale Infrastruktur stärker miteinander zu verbinden und dadurch langfristig attraktivere Lebensbedingungen für Familien zu schaffen.


Fußnoten

¹ Vgl. OECD, Doing Better for Families, Paris 2011.

² Vgl. WHO, Physical Activity – Fact Sheet, aktualisierte Fassung 2024.

³ Vgl. OECD, Doing Better for Families, Kapitel „Reducing Barriers to Parental Employment“.

⁴ Vgl. BBSR, Wohnungsbedarfsprognose 2025.

⁵ Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), Kinderwünsche und ihre Verwirklichung in Deutschland.

⁶ Ebenda.

⁷ Vgl. BiB; OECD, Housing and Family Outcomes.


Kapitel 12

Verfassungsrechtliche, kommunalrechtliche und städtebaurechtliche Einordnung einer familienfreundlichen Stadtentwicklung in Hessen

12.1 Einleitung

Die in dieser Denkschrift vorgeschlagenen Maßnahmen bewegen sich an der Schnittstelle von Familienpolitik, Wohnungswesen, Städtebau, Kommunalpolitik und Sozialstaatlichkeit. Für ihre rechtliche Bewertung sind insbesondere das Grundgesetz, die Hessische Verfassung sowie das Baugesetzbuch maßgeblich.

Zu prüfen ist insbesondere,

  • ob eine aktive Familienförderung durch Stadtentwicklung verfassungsrechtlich zulässig ist,
  • ob familienorientierte Förderprogramme mit der kommunalen Selbstverwaltung vereinbar sind,
  • ob Familienquartiere und Familienzentren auf bestehende Rechtsgrundlagen gestützt werden können,
  • ob die vorgeschlagenen Maßnahmen Eingriffe in Eigentumsrechte darstellen.

Die Analyse ergibt, dass familienfreundliche Stadtentwicklung keine Abweichung von der geltenden Rechtsordnung darstellt, sondern in wesentlichen Teilen bereits durch das Verfassungs- und Städtebaurecht angelegt ist.


12.2 Verfassungsrechtlicher Schutz von Ehe und Familie

12.2.1 Artikel 6 Absatz 1 Grundgesetz

Die maßgebliche verfassungsrechtliche Grundlage bildet Artikel 6 Absatz 1 GG:

„Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.“ [gesetze-im...nternet.de]

Art. 6 GG zählt zu den grundlegenden Wertentscheidungen des Grundgesetzes und begründet einen besonderen Schutz von Ehe und Familie. Das Bundesverfassungsgericht hat hierzu mehrfach ausgeführt, dass Art. 6 GG nicht nur ein individuelles Freiheitsrecht gewährt, sondern zugleich eine Institutsgarantie sowie eine wertentscheidende Grundsatznorm enthält. [grundgeset...r-jeden.de], [jurahilfe.de]

Bereits in seiner grundlegenden Entscheidung BVerfGE 10, 59 stellte das Bundesverfassungsgericht fest:

Ehe und Familie werden als vorgegebene Lebensformen von der Verfassung vorausgesetzt und unter besonderen Schutz gestellt. [grundgeset...r-jeden.de]

Daraus folgt ein staatlicher Schutz- und Förderauftrag.


12.2.2 Bedeutung für die Familienförderung

Aus Art. 6 GG ergibt sich zwar kein unmittelbarer Anspruch auf bestimmte staatliche Leistungen.

Der Gesetzgeber ist jedoch berechtigt und befugt,

  • Familien zu fördern,
  • familiengerechte Rahmenbedingungen zu schaffen,
  • familienbezogene Infrastruktur auszubauen,
  • Benachteiligungen von Familien abzubauen.

Hierunter können insbesondere fallen:

  • soziale Wohnraumförderung,
  • Familienzentren,
  • Kindertagesstätten,
  • familienfreundliche Wohnquartiere,
  • sichere Schulwege.

Eine familienfreundliche Stadtentwicklung stellt daher eine zulässige Konkretisierung des Schutz- und Förderauftrages aus Art. 6 GG dar. [grundgeset...r-jeden.de], [das-grundgesetz.de]


12.3 Das Sozialstaatsprinzip

12.3.1 Verfassungsrechtliche Grundlagen

Artikel 20 Absatz 1 GG bestimmt:

„Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.“

Das Sozialstaatsprinzip legitimiert staatliche Maßnahmen zur Sicherung menschenwürdiger Lebensverhältnisse und sozialer Teilhabe.

Hierauf beruhen insbesondere:

  • soziale Wohnraumförderung,
  • Familienförderung,
  • Bildungsförderung,
  • Städtebauförderung,
  • kommunale Daseinsvorsorge.

12.3.2 Familienfreundliche Stadtentwicklung als Gemeinwohlaufgabe

Familienfreundliche Stadtentwicklung verfolgt Gemeinwohlziele.

Hierzu zählen:

  • Bereitstellung bezahlbaren Wohnraums,
  • Förderung sozialer Integration,
  • Verbesserung von Bildungszugängen,
  • Erhöhung der Verkehrssicherheit,
  • Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts.

Die vorgeschlagenen Maßnahmen stehen daher mit dem Sozialstaatsprinzip in Einklang.


12.4 Kommunale Selbstverwaltung

12.4.1 Artikel 28 Absatz 2 GG

Artikel 28 Absatz 2 Satz 1 GG bestimmt:

„Den Gemeinden muß das Recht gewährleistet sein, alle Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft im Rahmen der Gesetze in eigener Verantwortung zu regeln.“ [gesetze-im...nternet.de], [dejure.org]

Die kommunale Selbstverwaltung umfasst insbesondere:

Die Bauleitplanung zählt zum Kernbereich dieser kommunalen Planungshoheit.


12.4.2 Auswirkungen auf die Petition

Die in dieser Petition vorgeschlagenen Maßnahmen dürfen die kommunale Planungshoheit nicht ersetzen.

Rechtlich zulässig sind hingegen:

  • freiwillige Förderprogramme,
  • Modellvorhaben,
  • finanzielle Unterstützung,
  • Beratung und Vernetzung.

Die Kommunen bleiben weiterhin verantwortlich für:

  • Bebauungspläne,
  • Quartiersentwicklung,
  • Bodenpolitik,
  • Infrastrukturplanung.

Die kommunale Selbstverwaltung bleibt daher vollständig gewahrt. [gesetze-im...nternet.de], [lecturio.de]


12.5 Familienfreundliche Stadtentwicklung im Baugesetzbuch

12.5.1 § 1 BauGB

Von zentraler Bedeutung ist § 1 BauGB.

Nach § 1 Abs. 5 BauGB sollen Bauleitpläne

„eine dem Wohl der Allgemeinheit dienende sozialgerechte Bodennutzung unter Berücksichtigung der Wohnbedürfnisse der Bevölkerung gewährleisten“. [gesetze-im...nternet.de], [buzer.de]

Damit erkennt das Städtebaurecht soziale Belange ausdrücklich als Planungsziele an.


12.5.2 Familien als ausdrücklicher Abwägungsbelang

Besonders bemerkenswert ist § 1 Abs. 6 Nr. 2 BauGB.

Dort heißt es:

„Bei der Aufstellung der Bauleitpläne sind insbesondere zu berücksichtigen: die Wohnbedürfnisse der Bevölkerung, insbesondere auch von Familien mit mehreren Kindern …“ [gesetze-im...nternet.de], [buzer.de]

Weiter bestimmt § 1 Abs. 6 Nr. 3 BauGB:

„die sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Bevölkerung, insbesondere die Bedürfnisse der Familien …“ [gesetze-im...nternet.de], [buzer.de]

Der Bundesgesetzgeber hat Familienbelange damit ausdrücklich als städtebaulichen Abwägungsbelang anerkannt.


12.5.3 Bedeutung für Familienquartiere

Die Entwicklung familienfreundlicher Quartiere stellt keine neue Rechtsfigur dar.

Vielmehr handelt es sich um eine konsequente Umsetzung bereits bestehender gesetzlicher Vorgaben des Baugesetzbuches.

Familienquartiere dienen insbesondere:

  • der Berücksichtigung von Familieninteressen,
  • der Schaffung sozial stabiler Bewohnerstrukturen,
  • der Verbesserung wohnortnaher Infrastruktur,
  • der Förderung kindgerechter Lebensverhältnisse.

Diese Zielsetzungen sind unmittelbar mit § 1 Abs. 5 und 6 BauGB vereinbar. [gesetze-im...nternet.de], [buzer.de]


12.6 Eigentum und kommunale Bodenpolitik

12.6.1 Artikel 14 Grundgesetz

Art. 14 Abs. 1 GG gewährleistet das Eigentum.

Gleichzeitig bestimmt Art. 14 Abs. 2 GG:

„Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“

Die vorgeschlagenen Maßnahmen greifen grundsätzlich nicht in bestehendes Privateigentum ein.

Insbesondere:

  • Familienzentren beruhen auf Förderung,
  • Wohnungsbau erfolgt freiwillig,
  • Erbbaurechte beruhen auf vertraglichen Vereinbarungen,
  • kommunale Bodenpolitik bleibt innerhalb bestehender Gesetze.

12.6.2 Erbbaurecht

Das Erbbaurecht ist ein anerkanntes Instrument kommunaler Bodenpolitik.

Seine Nutzung ermöglicht:

  • langfristige Flächensicherung,
  • Förderung bestimmter Nutzungszwecke,
  • Unterstützung familienfreundlicher Wohnkonzepte.

Verfassungsrechtliche Bedenken bestehen gegen die Nutzung kommunaler Erbbaurechte grundsätzlich nicht.


12.7 Kompetenzrechtliche Einordnung

12.7.1 Zuständigkeit des Landes Hessen

Das Land Hessen verfügt insbesondere über Zuständigkeiten im Bereich:

  • Wohnraumförderung,
  • Familienförderung,
  • Landesplanung,
  • Städtebauförderung,
  • kommunale Förderprogramme.

Innerhalb dieses Kompetenzrahmens kann das Land Förderprogramme für familienfreundliche Stadtentwicklung auflegen.


12.7.2 Zuständigkeiten der Kommunen

Die operative Umsetzung bleibt bei den Gemeinden.

Dies betrifft insbesondere:

  • Flächennutzungsplanung,
  • Bebauungsplanung,
  • Grundstückspolitik,
  • Quartiersmanagement.

Die vorgeschlagenen Maßnahmen verändern die bestehende Kompetenzordnung daher nicht.


12.8 Rechtliches Gesamtergebnis

Die Prüfung ergibt:

  1. Familienfreundliche Stadtentwicklung wird durch den Schutzauftrag aus Art. 6 GG gestützt. [gesetze-im...nternet.de], [grundgeset...r-jeden.de]

  2. Die Maßnahmen entsprechen den Zielen des Sozialstaatsprinzips.

  3. Die kommunale Selbstverwaltung gemäß Art. 28 Abs. 2 GG bleibt gewahrt. [gesetze-im...nternet.de], [dejure.org]

  4. Das Baugesetzbuch verpflichtet bereits heute zur Berücksichtigung der Wohnbedürfnisse von Familien. [gesetze-im...nternet.de], [buzer.de]

  5. Eigentumsrechte werden nicht unverhältnismäßig beeinträchtigt.

  6. Die vorgeschlagenen Maßnahmen bewegen sich innerhalb der bestehenden Zuständigkeitsordnung von Bund, Land und Kommunen.

12.9 Schlussfolgerung

Aus verfassungsrechtlicher, kommunalrechtlicher und städtebaurechtlicher Sicht bestehen keine grundsätzlichen Hindernisse für die Einführung eines Landesprogramms „Familienfreundliche Stadtentwicklung Hessen 2045“.

Vielmehr kann ein solches Programm als rechtlich zulässige Konkretisierung des Schutzauftrages für Familien, der sozialstaatlichen Verantwortung des Landes Hessen sowie der bereits im Baugesetzbuch verankerten familienbezogenen Planungsziele verstanden werden. [gesetze-im...nternet.de], [gesetze-im...nternet.de], [gesetze-im...nternet.de]


Kapitel 13

Auswirkungen auf die Geburtenentwicklung, Kosten, Einsparungen und volkswirtschaftliche Wirkungen

13.1 Einleitung

Die Frage nach den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wirkungen familienfreundlicher Stadtentwicklung gehört zu den zentralen Aspekten der vorliegenden Petition. Während die Verbesserung von Wohnraum, Familienzentren, Schulwegen und Quartieren zunächst Investitionen erfordert, stellt sich zugleich die Frage nach langfristigen Nutzenwirkungen und möglichen fiskalischen Entlastungen.

Die wissenschaftliche Forschung zeigt, dass Familienentscheidungen von einer Vielzahl wirtschaftlicher, sozialer und infrastruktureller Faktoren beeinflusst werden. Gleichzeitig weist die Forschung darauf hin, dass staatliche Maßnahmen oftmals nicht isoliert wirken, sondern erst im Zusammenspiel verschiedener Politikbereiche ihre volle Wirkung entfalten. OECD beschreibt Familienpolitik daher als Kombination aus finanzieller Unterstützung, familienbezogenen Dienstleistungen und familienfreundlichen Rahmenbedingungen.


13.2 Familienfreundliche Rahmenbedingungen und Geburtenentwicklung

13.2.1 Der aktuelle Forschungsstand

Die Geburtenentwicklung wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst.

Hierzu gehören insbesondere:

  • wirtschaftliche Sicherheit,
  • Wohnraumverfügbarkeit,
  • Kinderbetreuung,
  • Erwerbsmöglichkeiten,
  • Partnerschaftsstabilität,
  • Zukunftserwartungen.

Die OECD betont, dass Fertilitätsentscheidungen regelmäßig das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen sind.

Auch das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) verweist darauf, dass regionale Lebensbedingungen Kinderwünsche und Familienplanung beeinflussen können.


13.2.2 Kinderwünsche und tatsächliche Kinderzahl

Die aktuelle Forschung zeigt, dass zwischen gewünschter und tatsächlich realisierter Kinderzahl Unterschiede bestehen.

Nach Untersuchungen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung wünschen sich viele Menschen weiterhin etwa zwei Kinder, erreichen diese Kinderzahl jedoch häufig nicht. Zu den Einflussfaktoren zählen insbesondere Wohnraum, wirtschaftliche Perspektiven und Betreuungsangebote.

Die Forschung spricht hierbei von einer sogenannten Fertility Gap.


13.2.3 Bedeutung der Wohnsituation

Wohnraum besitzt für Familiengründung und Familienerweiterung eine besondere Bedeutung.

Familien benötigen:

  • ausreichend Wohnfläche,
  • langfristige Wohnsicherheit,
  • bezahlbare Wohnkosten,
  • familienfreundliche Wohnumfelder.

Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung nennt bezahlbaren Wohnraum ausdrücklich als einen Faktor, der Familienentscheidungen beeinflussen kann.

Wissenschaftlich nachweisbar ist nicht, dass zusätzlicher Wohnungsbau automatisch zu höheren Geburtenraten führt.

Belastbar ist jedoch die Feststellung, dass verbesserte Wohnbedingungen die Verwirklichung bestehender Kinderwünsche erleichtern können.


13.3 Wirkungsmodell familienfreundlicher Stadtentwicklung

Auf Grundlage des gegenwärtigen Forschungsstandes erscheint folgende Wirkungskette plausibel:

Familienfreundliche Stadtentwicklung

↓

Mehr bezahlbarer Wohnraum

↓

Höhere Wohnsicherheit

↓

Verbesserte Lebensqualität

↓

Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf

↓

Erleichterte Verwirklichung bestehender Kinderwünsche

↓

Mögliche langfristige Stabilisierung der Bevölkerungsentwicklung

Diese Wirkungskette beschreibt ein wissenschaftlich plausibles Modell. Sie stellt ausdrücklich keinen Nachweis eines automatischen Kausalzusammenhangs dar.


13.4 Wissenschaftliche Grenzen

Für eine wissenschaftlich belastbare Bewertung müssen die Grenzen der Aussagekraft deutlich benannt werden.

Nicht belegbar sind Aussagen wie:

  • „Das Programm erhöht die Geburtenrate um 0,2 Kinder je Frau.“
  • „Das Programm erzeugt 5.000 zusätzliche Geburten pro Jahr.“
  • „Familienquartiere erhöhen die Fertilität unmittelbar.“

Für solche Behauptungen existieren keine gesicherten wissenschaftlichen Nachweise.

Die Realität demografischer Prozesse ist deutlich komplexer.


13.5 Programmkosten

13.5.1 Basisszenario

Für ein Landesprogramm „Familienfreundliche Stadtentwicklung Hessen 2045“ ergibt sich folgende Modellrechnung:

MaßnahmeKosten pro Jahr
Familienquartiere20 Mio. €
Familienzentren10 Mio. €
Sichere Schulwege10 Mio. €
Modellkommunen5 Mio. €
Forschung und Evaluation5 Mio. €
Gesamt50 Mio. €

13.5.2 Ausbauszenario

Bei einer weitergehenden landesweiten Umsetzung:

MaßnahmeKosten pro Jahr
Familienquartiere60 Mio. €
Familienzentren20 Mio. €
Schulwegsicherheit20 Mio. €
Bodenpolitik und Erbpacht10 Mio. €
Forschung und Monitoring10 Mio. €
Gesamt120 Mio. €

13.6 Potenzielle Einsparungs- und Entlastungswirkungen

13.6.1 Präventive Familienpolitik

Nach Auffassung der OECD können familienbezogene Dienstleistungen zur Unterstützung von Eltern, Kindern und Familien beitragen und soziale Teilhabe verbessern.

Familienzentren können insbesondere:

  • frühe Unterstützung ermöglichen,
  • Beratungsangebote bereitstellen,
  • soziale Isolation vermindern,
  • Hilfesysteme besser zugänglich machen.

Langfristige Entlastungseffekte sind plausibel, ihre konkrete Höhe lässt sich gegenwärtig jedoch nicht belastbar berechnen.


13.6.2 Aktive Mobilität

Die World Health Organization (WHO) hebt hervor, dass körperliche Aktivität sowie aktive Mobilität erhebliche gesundheitliche Vorteile besitzen. Dazu zählen unter anderem positive Wirkungen auf körperliche Gesundheit und Wohlbefinden. WHO-Veröffentlichungen zu Gehen und Radfahren verweisen zudem auf gesundheitliche und gesellschaftliche Vorteile aktiver Mobilität.

Sichere Schulwege können daher mittelbar zur Gesundheitsförderung beitragen.


13.6.3 Wohnraumversorgung

Eine bessere Wohnraumversorgung kann dazu beitragen,

  • Wohnkostenbelastungen zu reduzieren,
  • Familienstandorte attraktiver zu machen,
  • Pendelverkehre zu reduzieren,
  • vorhandene Infrastruktur effizienter zu nutzen.

Auch hier sind langfristige positive Wirkungen plausibel, ihre exakte finanzielle Bewertung bleibt jedoch schwierig.


13.7 Kosten-Nutzen-Abwägung

Konservatives Szenario

  • Programmkosten: 50 Mio. €
  • teilweise kompensierende Wirkungen: begrenzt

Nettoaufwand verbleibt überwiegend beim Land.

Realistisches Szenario

  • verbesserte Infrastruktur,
  • höhere Lebensqualität,
  • stärkere Einwohnerbindung,
  • effizientere Nutzung kommunaler Einrichtungen.

Ein Teil der Investitionen kann durch mittelbare Entlastungswirkungen kompensiert werden.

Langfristiges Szenario

Über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten können positive Wirkungen entstehen hinsichtlich:

  • Wohnstandortattraktivität,
  • Fachkräftebindung,
  • kommunaler Stabilität,
  • sozialem Zusammenhalt,
  • demografischer Zukunftsfähigkeit.

13.8 Gesellschaftliche Nutzenwirkungen

Nicht alle Wirkungen lassen sich in Euro ausdrücken.

Hierzu zählen insbesondere:

  • höhere Lebensqualität,
  • stärkere Nachbarschaften,
  • bessere Entwicklungsmöglichkeiten für Kinder,
  • mehr Sicherheit im öffentlichen Raum,
  • stärkere Identifikation mit dem Wohnort,
  • generationenübergreifender Zusammenhalt.

Diese Faktoren besitzen einen erheblichen gesellschaftlichen Wert, auch wenn sie nicht unmittelbar in Haushaltszahlen erfasst werden können.


13.9 Volkswirtschaftliche Wirkungen

Investitionen in familienfreundliche Stadtentwicklung besitzen überwiegend investiven Charakter.

Direkte Effekte entstehen insbesondere durch:

  • Bauinvestitionen,
  • Handwerksleistungen,
  • Planungsleistungen,
  • kommunale Infrastrukturmaßnahmen.

Mittelbare Wirkungen können entstehen durch:

  • höhere Standortattraktivität,
  • stärkere Einwohnerbindung,
  • attraktivere Arbeits- und Wohnstandorte,
  • bessere Voraussetzungen für Fachkräftegewinnung.

13.10 Gesamtfazit

Die wissenschaftliche Literatur erlaubt keine exakte Prognose darüber, in welchem Umfang familienfreundliche Stadtentwicklung die Geburtenrate beeinflussen kann. Belastbar ist jedoch die Feststellung, dass Wohnraum, Kinderbetreuung, soziale Infrastruktur und Lebensqualität wichtige Rahmenbedingungen familienbezogener Entscheidungen darstellen.

Die vorgeschlagenen Programmkosten von etwa 50 Mio. Euro jährlich im Basisszenario erscheinen im Verhältnis zu den bestehenden Wohnraum- und Städtebauförderprogrammen des Landes Hessen finanzierbar. Gleichzeitig können langfristige gesellschaftliche und wirtschaftliche Nutzenwirkungen erwartet werden.

Familienfreundliche Stadtentwicklung ist daher weniger als laufende Ausgabe, sondern vielmehr als Investition in die soziale, wirtschaftliche und demografische Zukunftsfähigkeit Hessens zu verstehen.

Kapitel 14

Internationale Vergleichsbeispiele und Best-Practice-Modelle familienfreundlicher Stadtentwicklung

14.1 Einleitung

Die Herausforderungen des demografischen Wandels, steigender Wohnkosten und veränderter Familienstrukturen betreffen nahezu alle entwickelten Industriestaaten. Zahlreiche Länder haben deshalb Strategien entwickelt, um familienfreundliche Rahmenbedingungen durch eine Kombination aus Familienpolitik, Wohnungsbau, Stadtentwicklung und Infrastrukturpolitik zu schaffen.

Die Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD) weist darauf hin, dass erfolgreiche Familienpolitik regelmäßig finanzielle Leistungen, familienbezogene Dienstleistungen und familienfreundliche Rahmenbedingungen miteinander verbindet.

Internationale Vergleichsbeispiele ermöglichen es, erfolgreiche Ansätze zu identifizieren und ihre Übertragbarkeit auf Hessen zu bewerten.


14.2 Europäische Leitbilder familienfreundlicher Stadtentwicklung

14.2.1 Die „Stadt der Zukunft“

Die European Commission beschreibt in ihrer Grundsatzstudie Cities of Tomorrow – Challenges, Visions, Ways Forward die europäische Stadt als Raum sozialer Integration, wirtschaftlicher Entwicklung und hoher Lebensqualität. Städte sollen insbesondere:

  • soziale Teilhabe ermöglichen,
  • hochwertige öffentliche Dienstleistungen bereitstellen,
  • nachhaltige Mobilität fördern,
  • demografische Herausforderungen bewältigen,
  • bezahlbares Wohnen unterstützen.

Besondere Bedeutung wird integrierten Stadtentwicklungsansätzen zugemessen, welche Wohnungsbau, soziale Infrastruktur und Mobilität gemeinsam betrachten.

14.2.2 Bedeutung für Hessen

Die europäischen Leitbilder entsprechen weitgehend dem in dieser Denkschrift entwickelten Konzept familienfreundlicher Quartiere. Beide Ansätze verfolgen das Ziel, Wohnen, Bildung, soziale Infrastruktur und Mobilität räumlich miteinander zu verknüpfen.


14.3 Frankreich

14.3.1 Familienpolitik als langfristige Strategie

Frankreich wird in der internationalen Literatur regelmäßig als Beispiel langfristig konsistenter Familienpolitik genannt.

Der OECD-Forscher Olivier Thévenon kommt in mehreren Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass die französische Familienpolitik insbesondere auf folgende Elemente setzt:

  • flächendeckende Kinderbetreuung,
  • Unterstützung berufstätiger Eltern,
  • langfristige Planungssicherheit,
  • generationsübergreifende Familienförderung.

Diese Maßnahmen werden nicht isoliert, sondern als zusammenhängendes System verstanden.

14.3.2 Relevanz für Hessen

Der französische Ansatz zeigt, dass Familienfreundlichkeit nicht durch Einzelmaßnahmen entsteht, sondern durch das langfristige Zusammenspiel verschiedener Politikbereiche.

Für Hessen bedeutet dies insbesondere:

  • bessere Verzahnung von Wohnungsbau und Kinderbetreuung,
  • stärkere Verbindung von Familien- und Infrastrukturpolitik,
  • langfristige Planungsperspektiven.

14.4 Schweden

14.4.1 Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Die OECD beschreibt die skandinavischen Staaten als Beispiele für eine erfolgreiche Verknüpfung von Familienpolitik und Arbeitsmarktpolitik. Insbesondere die Unterstützung erwerbstätiger Eltern und die hohe Verfügbarkeit von Betreuungsangeboten werden hervorgehoben.

14.4.2 Bedeutung für Hessen

Aus schwedischer Perspektive wird deutlich, dass:

  • wohnortnahe Kinderbetreuung,
  • kurze Wege,
  • hochwertige öffentliche Dienstleistungen

die Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützen können.

Diese Erkenntnisse sprechen für eine stärkere Integration von Wohnquartieren, Bildungsangeboten und Familienzentren.


14.5 Niederlande

14.5.1 Kinderfreundliche Mobilität

Die Niederlande gelten als international anerkanntes Beispiel für kinderfreundliche Mobilitätspolitik.

Die staatliche Publikation Cycling in the Netherlands enthält ein eigenes Kapitel zum Thema „Cycling to School“ und beschreibt die besondere Bedeutung sicherer Radwege, verkehrsberuhigter Wohngebiete und eigenständiger Mobilität von Kindern.

Die niederländische Verkehrspolitik wurde wesentlich durch die Verbesserung der Verkehrssicherheit von Kindern geprägt.

14.5.2 Auswirkungen

Die niederländische Praxis fördert:

  • selbstständige Mobilität,
  • körperliche Aktivität,
  • Verkehrssicherheit,
  • soziale Teilhabe von Kindern.

14.5.3 Übertragbarkeit auf Hessen

Die niederländischen Erfahrungen stützen die in dieser Denkschrift vorgeschlagenen Maßnahmen:

  • Schulstraßen,
  • Kinderachsen,
  • sichere Fahrradverbindungen,
  • Verkehrsberuhigung im Schulumfeld.

14.6 Wien und die österreichische Wohnungsbaupolitik

14.6.1 Das Wiener Modell

International besonders häufig wird die Wohnungspolitik der Stadt Wien als Beispiel nachhaltiger kommunaler Wohnraumversorgung genannt.

Nach Angaben der Stadt Wien existieren rund 220.000 Gemeindewohnungen sowie etwa 200.000 geförderte Wohnungen. Mehr als 60 Prozent der Bevölkerung wohnen im sozialen oder geförderten Wohnungssektor.

Ziele des Wiener Modells sind:

  • leistbarer Wohnraum,
  • soziale Durchmischung,
  • langfristige Bodenpolitik,
  • stabile Wohnkosten.

14.6.2 Integrierte Quartiersentwicklung

Wohnungsbau wird regelmäßig gemeinsam entwickelt mit:

  • Schulen,
  • Kindergärten,
  • Grünanlagen,
  • Nahversorgung,
  • Gemeinschaftseinrichtungen.

14.6.3 Bedeutung für Hessen

Für Hessen zeigt das Wiener Beispiel, dass Wohnungsbau und soziale Infrastruktur nicht getrennt betrachtet werden sollten.


14.7 Die 15-Minuten-Stadt

14.7.1 Grundidee

Der französische Stadtforscher Carlos Moreno entwickelte das Konzept der 15-Minuten-Stadt.

Danach sollen zentrale Funktionen des täglichen Lebens innerhalb kurzer Zeit erreichbar sein:

  • Kindertagesstätten,
  • Schulen,
  • Einkaufsmöglichkeiten,
  • Gesundheitsversorgung,
  • Freizeitangebote,
  • Grünflächen.

14.7.2 Familienpolitische Relevanz

Für Familien bedeutet dies:

  • geringere Wegezeiten,
  • weniger Alltagsbelastung,
  • bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf,
  • höhere Lebensqualität.

Diese Zielsetzungen stehen im Einklang mit den stadtentwicklungspolitischen Leitlinien der Europäischen Kommission.


14.8 Gemeinsame Erfolgsfaktoren

Die internationalen Beispiele weisen trotz unterschiedlicher politischer Systeme bemerkenswerte Gemeinsamkeiten auf.

Erstens: Wohnungsbau und Infrastruktur werden gemeinsam geplant

Familienfreundliche Wohnquartiere entstehen dort, wo Wohnungen, Bildungseinrichtungen und soziale Infrastruktur miteinander verbunden werden.

Zweitens: Kinderfreundliche Mobilität besitzt hohe Priorität

Sichere Schulwege werden als eigenständiges politisches Ziel verstanden.

Drittens: Familienpolitik wird als Querschnittsaufgabe verstanden

Erfolgreiche Familienpolitik verbindet Wohnungsbau, Kinderbetreuung, Bildung und soziale Dienstleistungen.

Viertens: Quartiere werden als soziale Lebensräume betrachtet

Wohnquartiere dienen nicht nur dem Wohnen, sondern auch Begegnung, Bildung und sozialer Integration.

Fünftens: Langfristigkeit

Erfolgreiche Modelle beruhen auf langfristiger Kontinuität statt kurzfristiger Einzelmaßnahmen.


14.9 Handlungsempfehlungen für Hessen

Aus den internationalen Erfahrungen lassen sich folgende Empfehlungen ableiten:

  1. Entwicklung familienfreundlicher Quartiere als Leitbild der Stadtentwicklung.
  2. Verknüpfung von Wohnungsbau und Bildungsinfrastruktur.
  3. Ausbau sicherer Schulwege nach niederländischem Vorbild.
  4. Stärkung der Familienzentren als soziale Ankerpunkte.
  5. Förderung kommunaler Bodenpolitik und Erbbaurechtsmodelle.
  6. Einrichtung von Modellkommunen.
  7. Langfristige Strategie „Familienfreundliches Hessen 2045“.

14.10 Fazit

Die internationalen Vergleichsbeispiele zeigen, dass familienfreundliche Stadtentwicklung kein theoretisches Konzept darstellt. Erfolgreiche Ansätze finden sich in Frankreich, Schweden, den Niederlanden und Österreich. Gemeinsam ist ihnen die Verknüpfung von Wohnen, Mobilität, Kinderbetreuung und sozialer Infrastruktur.

Für Hessen ergibt sich daraus die Möglichkeit, bewährte internationale Erfahrungen an die eigenen rechtlichen und kommunalen Rahmenbedingungen anzupassen. Die internationale Forschung spricht dafür, dass integrierte und langfristige Ansätze nachhaltiger wirken als isolierte Einzelmaßnahmen.

Literatur (Auswahl)

  • European Commission: Cities of Tomorrow – Challenges, Visions, Ways Forward, Brüssel 2011.
  • OECD: Doing Better for Families, Paris 2011.
  • Olivier Thévenon: Family Policies in OECD Countries: A Comparative Analysis, OECD Working Paper.
  • Dutch Ministry of Transport: Cycling in the Netherlands.
  • City of Vienna: The Vienna Model of Social Housing.
  • Carlos Moreno: The 15-Minute City: A Solution for Saving Our Time and Our Planet.

Kapitel 15

Beschlussvorschlag und politische Umsetzungsempfehlungen für den Hessischen Landtag

15.1 Einleitung

Die vorangegangenen Kapitel dieser Denkschrift haben gezeigt, dass familienfreundliche Stadtentwicklung kein isoliertes Politikfeld darstellt. Vielmehr handelt es sich um einen integrierten Ansatz an der Schnittstelle von Familienpolitik, Wohnungsbaupolitik, Städtebau, Mobilität, Sozialpolitik und kommunaler Entwicklung.

Die Analyse der demografischen Entwicklung Hessens, der Wohnraumsituation von Familien, der Bedeutung von Familienzentren sowie internationaler Vergleichsbeispiele verdeutlicht, dass die Lebensqualität von Familien wesentlich von den räumlichen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen ihres Alltags abhängt.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche konkreten politischen Schlussfolgerungen aus den gewonnenen Erkenntnissen zu ziehen sind.


15.2 Zentrale Erkenntnisse der Denkschrift

15.2.1 Familienpolitik ist mehr als Familienförderung

Die Untersuchungen der OECD zeigen, dass erfolgreiche Familienpolitik nicht auf finanzielle Leistungen beschränkt ist, sondern Dienstleistungen, Infrastruktur und familienfreundliche Rahmenbedingungen umfasst.

Hierzu gehören insbesondere:

  • bezahlbarer Wohnraum,
  • wohnortnahe Kinderbetreuung,
  • sichere Mobilität,
  • soziale Infrastruktur,
  • familienfreundliche Quartiere.

Die Verbesserung dieser Rahmenbedingungen kann dazu beitragen, Familien im Alltag zu entlasten und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern.


15.2.2 Demografischer Wandel erfordert langfristiges Handeln

Die demografische Entwicklung stellt Hessen vor langfristige Herausforderungen.

Dazu gehören:

  • Alterung der Bevölkerung,
  • sinkende Geburtenzahlen,
  • Fachkräftemangel,
  • unterschiedliche regionale Entwicklungen.

Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) weist zugleich darauf hin, dass viele Menschen nach wie vor Kinder wünschen, die tatsächliche Kinderzahl jedoch häufig unter der gewünschten Kinderzahl liegt. Regionale Lebensbedingungen, bezahlbarer Wohnraum und Kinderbetreuung spielen dabei eine wichtige Rolle.


15.2.3 Wohnraum ist Familienpolitik

Die Untersuchung der Wohnraumsituation hat gezeigt, dass Familien in besonderem Maße auf ausreichend große und langfristig bezahlbare Wohnungen angewiesen sind.

Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) geht weiterhin von einem hohen Neubaubedarf aus und verweist auf die anhaltend hohe Nachfrage nach Familienwohnungen.

Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, Wohnungsbaupolitik und Familienpolitik stärker miteinander zu verzahnen.


15.2.4 Familienfreundliche Quartiere besitzen Schlüsselcharakter

Die Europäische Kommission beschreibt integrierte Quartiersentwicklung als wichtigen Baustein zukunftsfähiger Städte. Bezahlbarer Wohnraum, soziale Infrastruktur und wohnortnahe Dienstleistungen sollen dabei gemeinsam betrachtet werden.

Familienquartiere verbinden:

  • Wohnen,
  • Bildung,
  • Betreuung,
  • Mobilität,
  • Freizeit,
  • soziale Unterstützung.

Sie bilden daher einen zentralen Baustein familienfreundlicher Stadtentwicklung.


15.2.5 Familienzentren haben sich bewährt

Die Entwicklung der Familienzentren in Hessen kann als Erfolg familienfreundlicher Infrastrukturpolitik bewertet werden.

Das Hessische Familienministerium fördert 242 Familienzentren in Hessen. Diese Einrichtungen bieten Beratung, Bildungsangebote, Begegnungsmöglichkeiten und generationenübergreifende Unterstützung.

Die Untersuchung spricht daher für eine langfristige Sicherung und Weiterentwicklung dieser Einrichtungen.


15.3 Politische Zielsetzung

Ziel einer familienfreundlichen Stadtentwicklung sollte nicht die Schaffung zusätzlicher Bürokratie sein.

Stattdessen sollte verfolgt werden:

  • die Bündelung vorhandener Förderinstrumente,
  • die stärkere Berücksichtigung von Familieninteressen,
  • die Verbesserung kommunaler Handlungsmöglichkeiten,
  • die langfristige Sicherung familienfreundlicher Lebensbedingungen.

Dazu bedarf es eines strategischen Rahmens, der bestehende Maßnahmen miteinander verbindet.


15.4 Einrichtung eines Landesprogramms

Der Hessische Landtag sollte die Landesregierung ersuchen, die Einführung eines Programms

„Familienfreundliche Stadtentwicklung Hessen 2045“

zu prüfen.

Das Programm sollte insbesondere folgende Bereiche verknüpfen:

  • Wohnraumförderung,
  • Stadtentwicklung,
  • Familienförderung,
  • Mobilität,
  • Quartiersentwicklung,
  • kommunale Infrastruktur.

Hierdurch könnten bestehende Fördermaßnahmen systematischer auf die Bedürfnisse von Familien ausgerichtet werden.


15.5 Beschlussvorschlag

Der Hessische Landtag möge beschließen:

Erstens

Die Hessische Landesregierung wird ersucht, ein Konzept für ein Landesprogramm „Familienfreundliche Stadtentwicklung Hessen 2045“ zu erarbeiten.

Zweitens

Die Landesregierung wird ersucht zu prüfen, wie familienfreundliche Quartiere als Schwerpunkt zukünftiger Stadtentwicklungs- und Wohnraumförderpolitik gefördert werden können.

Drittens

Die Landesregierung wird ersucht, Maßnahmen zur Verbesserung sicherer Schulwege und kinderfreundlicher Mobilität auszubauen.

Viertens

Die Landesregierung wird ersucht, die langfristige Weiterentwicklung und Sicherung der Familienzentren zu unterstützen.

Fünftens

Die Landesregierung wird ersucht zu prüfen, wie Kommunen bei familienfreundlicher Bodenpolitik und der Nutzung von Erbbaurechten unterstützt werden können.

Sechstens

Die Landesregierung wird ersucht, dem Hessischen Landtag regelmäßig über den Stand familienfreundlicher Lebensbedingungen in Hessen zu berichten.


15.6 Erwartete Wirkungen

Die vorgeschlagenen Maßnahmen verfolgen das Ziel:

  • die Lebensqualität von Familien zu erhöhen,
  • Wohnraumversorgung zu verbessern,
  • Familienfreundlichkeit von Kommunen zu stärken,
  • die Attraktivität Hessens als Wohn- und Wirtschaftsstandort zu sichern,
  • soziale Teilhabe zu fördern.

Dabei handelt es sich nicht um kurzfristige Maßnahmen, sondern um langfristige Investitionen in die Zukunftsfähigkeit des Landes.


15.7 Schlussfolgerung

Die vorliegende Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass familienfreundliche Stadtentwicklung auf bestehenden wissenschaftlichen Erkenntnissen, internationalen Erfahrungen sowie den rechtlichen Vorgaben des Grundgesetzes und des Baugesetzbuchs aufbauen kann.

Die Verbindung von Wohnungsbau, Familienförderung, Mobilität und Quartiersentwicklung bietet die Chance, die Lebensbedingungen von Familien nachhaltig zu verbessern.

Der Hessische Landtag sollte daher prüfen, wie die vorhandenen Instrumente des Landes Hessen stärker auf das Ziel familienfreundlicher Wohn- und Lebensverhältnisse ausgerichtet werden können.

Familienfreundliche Stadtentwicklung ist keine Einzelmaßnahme. Sie ist eine langfristige Investition in die soziale Stabilität, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und demografische Zukunft Hssen

Kapitel 16

Zusammenfassung, Petition und Beschlussantrag an den Hessischen Landtag

16.1 Zusammenfassung der Untersuchung

Die vorliegende Denkschrift hat die Möglichkeiten einer familienfreundlichen Stadtentwicklung in Hessen untersucht. Ausgangspunkt war die Feststellung, dass die Lebensbedingungen von Familien zunehmend durch Faktoren beeinflusst werden, die über klassische familienpolitische Leistungen hinausgehen.

Hierzu gehören insbesondere:

  • die Verfügbarkeit bezahlbaren Wohnraums,
  • die Qualität des Wohnumfeldes,
  • die Erreichbarkeit von Kinderbetreuung und Schulen,
  • sichere Mobilität,
  • soziale Infrastruktur,
  • kommunale Entwicklungsmöglichkeiten.

Die Untersuchung zeigt, dass Familienpolitik, Wohnungsbaupolitik, Stadtentwicklung und Infrastrukturpolitik in der Praxis eng miteinander verbunden sind.

Internationale Vergleichsbeispiele aus Frankreich, Schweden, den Niederlanden und Österreich verdeutlichen, dass erfolgreiche Familienpolitik regelmäßig auf integrierten Ansätzen beruht, die Wohnraum, Kinderbetreuung, Mobilität und soziale Infrastruktur gemeinsam betrachten.

Gleichzeitig weisen aktuelle Untersuchungen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) darauf hin, dass viele Menschen weiterhin Kinder wünschen, die tatsächliche Kinderzahl jedoch häufig unter der gewünschten Kinderzahl liegt. Regionale Lebensbedingungen wie Wohnraum, Kinderbetreuung und Zukunftsperspektiven können dabei eine wichtige Rolle spielen.¹


16.2 Zentrale Schlussfolgerungen

Die Untersuchung kommt zu fünf wesentlichen Ergebnissen.

Erstens

Familienfreundliche Stadtentwicklung ist ein eigenständiger Politikansatz.

Sie verbindet:

  • Familienpolitik,
  • Wohnungsbaupolitik,
  • Stadtentwicklung,
  • Mobilitätspolitik,
  • Sozialpolitik.

Zweitens

Wohnraum ist eine zentrale familienpolitische Ressource.

Bezahlbare, ausreichend große und langfristig verfügbare Wohnungen stellen eine wichtige Voraussetzung familienfreundlicher Lebensbedingungen dar.²

Drittens

Familienfreundliche Quartiere besitzen hohe Bedeutung für die Lebensqualität.

Kurze Wege, Bildungsangebote, Grünflächen, Familienzentren und sichere Mobilität können den Alltag von Familien erleichtern.³

Viertens

Familienzentren haben sich als wohnortnahe soziale Infrastruktur bewährt.

Die hessischen Familienzentren leisten einen wichtigen Beitrag zu Beratung, Bildung, Begegnung und gesellschaftlicher Teilhabe.⁴

Fünftens

Die vorgeschlagenen Maßnahmen sind rechtlich umsetzbar.

Die Analyse hat gezeigt, dass familienfreundliche Stadtentwicklung

  • mit Artikel 6 GG vereinbar ist,
  • dem Sozialstaatsprinzip entspricht,
  • die kommunale Selbstverwaltung wahrt,
  • an bestehendes Städtebaurecht anknüpft.⁵

16.3 Politisches Zielbild Hessen 2045

Die vorliegende Denkschrift schlägt die Entwicklung eines langfristigen Leitbildes „Familienfreundliches Hessen 2045“ vor.

Ein solches Leitbild könnte folgende Ziele verfolgen:

Wohnen

  • ausreichender familiengerechter Wohnraum,
  • bezahlbare Wohnungen,
  • neue Familienquartiere,
  • Mehrgenerationenwohnen.

Bildung

  • wohnortnahe Kindertagesstätten,
  • gute Schulen,
  • kurze Wege.

Mobilität

  • sichere Schulwege,
  • Kinderachsen,
  • barrierefreie Mobilität.

Familie

  • Ausbau der Familienzentren,
  • stärkere Vernetzung,
  • niedrigschwellige Beratung.

Stadtentwicklung

  • familienfreundliche Quartiere,
  • Grünflächen,
  • Begegnungsorte.

16.4 Petition an den Hessischen Landtag

Vor diesem Hintergrund wird der Hessische Landtag gebeten, die Hessische Landesregierung aufzufordern, die Einführung eines Programms

„Familienfreundliche Stadtentwicklung Hessen 2045“

zu prüfen und ein entsprechendes Konzept zu entwickeln.

Dabei sollen insbesondere folgende Maßnahmen geprüft werden:

  1. Förderung familienfreundlicher Quartiere.
  2. Ausbau familiengerechten Wohnungsbaus.
  3. Verbesserung sicherer Schul- und Kitawege.
  4. Stärkung bestehender Familienzentren.
  5. Förderung kommunaler Familienerbpacht.
  6. Unterstützung familienfreundlicher Mobilität.
  7. Einrichtung eines Familienfreundlichkeitsberichts für Hessen.

16.5 Formeller Beschlussantrag

Der Hessische Landtag möge beschließen:

Die Hessische Landesregierung wird ersucht,

  1. ein Konzept für ein Landesprogramm „Familienfreundliche Stadtentwicklung Hessen 2045“ zu entwickeln,

  2. die Möglichkeiten einer stärkeren Verzahnung von Familien-, Wohnungsbau-, Mobilitäts- und Stadtentwicklungspolitik zu prüfen,

  3. Modellkommunen für familienfreundliche Quartiersentwicklung zu unterstützen,

  4. bestehende Familienzentren langfristig zu sichern und weiterzuentwickeln,

  5. Maßnahmen zur Verbesserung sicherer Schulwege und kinderfreundlicher Mobilität auszubauen,

  6. den Hessischen Landtag regelmäßig über die Entwicklung familienfreundlicher Lebensbedingungen in Hessen zu unterrichten.


16.6 Schlusswort

Familienfreundliche Stadtentwicklung ist kein kurzfristiges Einzelprogramm. Sie stellt vielmehr einen langfristigen gesellschaftspolitischen Ansatz dar, der die Bedürfnisse von Familien stärker in den Mittelpunkt kommunaler und landespolitischer Entscheidungen rückt.

Die Zukunftsfähigkeit Hessens hängt wesentlich davon ab, ob Familien attraktive Lebensbedingungen vorfinden, Kinder sicher aufwachsen können und Städte sowie Gemeinden als lebenswerte Orte für kommende Generationen erhalten bleiben.

Familienfreundliche Stadtentwicklung bedeutet daher nicht allein Investitionen in Gebäude oder Infrastruktur. Sie bedeutet Investitionen in Menschen, Familien, soziale Stabilität und die langfristige Entwicklung des Landes Hessen.


Fußnoten

¹ Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), Kinderwünsche und ihre Verwirklichung: Zukunftssorgen, aber auch regionale Lebensbedingungen prägen die Familienplanung, Wiesbaden 2026.

² Vgl. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), Wohnungsbedarfsprognose Deutschland 2025 bis 2030, Bonn 2025.

³ Vgl. European Commission, Cities of Tomorrow. Challenges, Visions, Ways Forward, Brüssel 2011, S. 67–83.

⁴ Vgl. Hessisches Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege, Landesregierung fördert 242 Familienzentren, Pressemitteilung vom 30.04.2026.

⁵ Vgl. Art. 6 Abs. 1 GG; Art. 20 Abs. 1 GG; Art. 28 Abs. 2 GG; § 1 Abs. 5 und Abs. 6 BauGB.


Kapitel 17

Zukunftsstrategie „Familienfreundliches Hessen 2045“: Maßnahmenprogramm, Umsetzung und Evaluation

17.1 Einleitung

Die vorangegangenen Kapitel haben gezeigt, dass familienfreundliche Stadtentwicklung als langfristige Querschnittsaufgabe verstanden werden muss. Sie betrifft nicht nur die Familienpolitik, sondern gleichermaßen die Wohnungsbau-, Bildungs-, Verkehrs-, Sozial- und Kommunalpolitik.¹

Während kurzfristige Programme häufig auf einzelne Problemlagen reagieren, erfordert die Verbesserung familienbezogener Lebensbedingungen einen langfristigen strategischen Ansatz. Die Entwicklung familienfreundlicher Städte und Gemeinden ist daher als Generationenaufgabe zu verstehen.²

Ziel dieses Kapitels ist die Entwicklung eines konkreten Maßnahmen- und Umsetzungsrahmens bis zum Jahr 2045.


17.2 Leitbild „Familienfreundliches Hessen 2045“

Das Leitbild „Familienfreundliches Hessen 2045“ basiert auf fünf strategischen Zielsetzungen.

17.2.1 Bezahlbares Wohnen

Familien sollen unabhängig von Einkommen und Wohnort Zugang zu angemessenem, bezahlbarem und langfristig verfügbarem Wohnraum erhalten. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) verweist weiterhin auf einen hohen Wohnungsneubaubedarf sowie eine hohe Nachfrage nach familiengeeigneten Wohnungen.³

17.2.2 Kurze Wege

Kindertagesstätten, Schulen, Gesundheitsversorgung und Einrichtungen des täglichen Bedarfs sollen möglichst wohnortnah erreichbar sein. Die Europäische Kommission betont die Bedeutung integrierter Stadtentwicklung mit hochwertigen öffentlichen Dienstleistungen und guter Erreichbarkeit.⁴

17.2.3 Sichere Mobilität

Kinder sollen sich möglichst selbstständig, sicher und altersgerecht im öffentlichen Raum bewegen können. Sichere Schulwege und aktive Mobilität werden international als wichtige Bestandteile familienfreundlicher Stadtentwicklung betrachtet.⁵

17.2.4 Starke Familienzentren

Familienzentren sollen als wohnortnahe Orte für Beratung, Begegnung, Bildung und Vernetzung flächendeckend zur Verfügung stehen. Das Land Hessen fördert derzeit 242 Familienzentren und betrachtet diese als wichtigen Bestandteil familienfreundlicher Infrastruktur.⁶

17.2.5 Familienfreundliche Quartiere

Wohnquartiere sollen als integrierte Lebensräume entwickelt werden, in denen Wohnen, Bildung, Betreuung, Freizeit und soziale Infrastruktur zusammenwirken.⁷


17.3 Umsetzungsphase I (2027–2030)

17.3.1 Entwicklung eines Landesprogramms

Die Hessische Landesregierung sollte ein ressortübergreifendes Konzept „Familienfreundliche Stadtentwicklung Hessen 2045“ entwickeln.

Hierzu sollten beteiligt werden:

  • Städte und Gemeinden,
  • kommunale Spitzenverbände,
  • Wohnungswirtschaft,
  • Familienverbände,
  • wissenschaftliche Einrichtungen,
  • Familienzentren.

17.3.2 Einführung von Modellkommunen

In einer Pilotphase sollten zehn Modellkommunen ausgewählt werden.

Geeignete Beispiele könnten sein:

  • Kassel,
  • Fulda,
  • Marburg,
  • Gießen,
  • Hanau,
  • ausgewählte ländliche Gemeinden.

Ziel ist die Erprobung innovativer Ansätze in den Bereichen:

  • Familienquartiere,
  • sichere Schulwege,
  • Familienzentren,
  • kommunale Bodenpolitik,
  • Familienerbpacht.

17.3.3 Einführung eines Familienfreundlichkeitsberichts

Bis spätestens 2030 sollte erstmals ein "Familienfreundlichkeitsbericht Hessen" vorgelegt werden.

Mögliche Indikatoren:

  • Wohnungsversorgung,
  • Kita-Erreichbarkeit,
  • Schulwegsicherheit,
  • Familienzentren,
  • Grünflächenversorgung,
  • Mobilitätsangebote.

17.4 Umsetzungsphase II (2030–2035)

17.4.1 Familiengerechter Wohnungsbau

Die Wohnraumförderung sollte stärker auf Familienwohnungen ausgerichtet werden.

Förderschwerpunkte:

  • Drei-Zimmer-Wohnungen,
  • Vier-Zimmer-Wohnungen,
  • Fünf-Zimmer-Wohnungen,
  • Mehrgenerationenwohnen,
  • genossenschaftliche Wohnformen.

Zielwert 2035:

Mindestens 30 Prozent der neu geförderten Wohnungen sollen familiengeeignete Grundrisse aufweisen.

17.4.2 Ausbau der Familienzentren

Das bestehende Förderprogramm sollte schrittweise erweitert werden.

Ziel 2035:

  • flächendeckende Versorgung aller Mittelzentren,
  • digitale Beratungsangebote,
  • stärkere Kooperation mit Schulen und Kitas,
  • generationenübergreifende Angebote.

17.4.3 Landesinitiative Sichere Schulwege

Ein Schwerpunktprogramm sollte fördern:

  • Schulstraßen,
  • Tempo-30-Zonen,
  • sichere Querungshilfen,
  • Radwege für Schülerinnen und Schüler,
  • Kinderachsen zwischen Wohngebieten und Schulen.

Die gesundheitlichen Vorteile aktiver Mobilität werden von der World Health Organization (WHO) ausdrücklich hervorgehoben.⁸


17.5 Umsetzungsphase III (2035–2040)

17.5.1 Familienquartiere als Planungsstandard

Bei größeren Neubaugebieten und Quartiersentwicklungen sollten folgende Elemente grundsätzlich geprüft werden:

  • Kindertagesstätten,
  • Grundschulen,
  • Spielplätze,
  • Grünflächen,
  • Begegnungsorte,
  • Familienzentren,
  • Nahversorgung.

17.5.2 Stärkung kommunaler Bodenpolitik

Förderung von:

  • kommunaler Bodenbevorratung,
  • Konzeptvergaben,
  • Familienerbpacht,
  • kommunalen Grundstücksfonds.

Das Erbbaurecht wird in der Fachliteratur und kommunalen Praxis zunehmend als Instrument nachhaltiger Bodenpolitik diskutiert.⁹

17.5.3 Generationengerechte Quartiere

Förderung von Wohnformen, die Familien, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen gemeinsam berücksichtigen.

Ziel:

  • soziale Durchmischung,
  • gegenseitige Unterstützung,
  • wohnortnahe Versorgung.

17.6 Zielbild Hessen 2045

Wohnen

  • deutlicher Ausbau familiengeeigneter Wohnungen,
  • stabile Wohnkostenbelastung,
  • mehr Mehrgenerationenprojekte,
  • familienfreundliche Quartiere in allen Regionen.

Bildung

  • wohnortnahe Kita- und Schulangebote,
  • kurze Wege,
  • moderne Bildungsinfrastruktur.

Mobilität

  • sichere Schulwege in allen Kommunen,
  • flächendeckende Kinderachsen,
  • barrierefreie Mobilität.

Familie

  • landesweites Netz leistungsfähiger Familienzentren,
  • wohnortnahe Beratung,
  • generationenübergreifende Begegnungsorte.

Stadtentwicklung

  • Familienfreundlichkeit als Regelziel kommunaler Planung,
  • hochwertige Grünflächen,
  • wohnortnahe Versorgung.

17.7 Evaluation und Monitoring

Zur Erfolgskontrolle sollten messbare Indikatoren eingeführt werden.

Wohnraum

  • Zahl familiengeeigneter Wohnungen,
  • Wohnflächenangebot für Familien,
  • Mietkostenbelastung.

Infrastruktur

  • Erreichbarkeit von Kitas,
  • Erreichbarkeit von Grundschulen,
  • Anzahl der Familienzentren.

Mobilität

  • Schulwegsicherheit,
  • Anzahl der Schulstraßen,
  • Ausbau des Radwegenetzes.

Lebensqualität

  • Familienzufriedenheit,
  • Wohnzufriedenheit,
  • kommunale Familienfreundlichkeitsindikatoren.

17.8 Wissenschaftliche Bewertung

Die internationale Forschung spricht dafür, dass die Kombination aus Wohnraumversorgung, Kinderbetreuung, Mobilität und sozialer Infrastruktur einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Familien leisten kann.¹⁰

Gleichzeitig existieren keine belastbaren wissenschaftlichen Nachweise dafür, dass einzelne Maßnahmen unmittelbar und eindeutig die Geburtenrate erhöhen. Wissenschaftlich vertretbar ist jedoch die Annahme, dass gute Wohn- und Lebensbedingungen die Verwirklichung bestehender Kinderwünsche erleichtern können.¹¹


17.9 Schlussbetrachtung

Ein familienfreundliches Hessen des Jahres 2045 wäre ein Land,

  • in dem Familien bezahlbaren Wohnraum finden,
  • in dem Kinder sichere Wege nutzen können,
  • in dem Familienzentren als soziale Ankerpunkte wirken,
  • in dem Wohnungsbau, Mobilität und soziale Infrastruktur gemeinsam geplant werden,
  • in dem Städte und Gemeinden attraktive Lebensräume für kommende Generationen schaffen.

Die Umsetzung dieser Ziele erfordert keinen vollständigen Neubeginn staatlicher Politik. Hessen verfügt bereits heute über zahlreiche geeignete Instrumente, Programme und Einrichtungen. Die entscheidende Aufgabe besteht darin, diese Instrumente strategisch zusammenzuführen und konsequent an den Bedürfnissen von Familien auszurichten.

Familienfreundliche Stadtentwicklung ist damit eine Investition in die langfristige Zukunftsfähigkeit Hessens.


Fußnoten

¹ Vgl. OECD, Doing Better for Families, OECD Publishing, Paris 2011, S. 11–16.

² Vgl. European Commission, Cities of Tomorrow. Challenges, Visions, Ways Forward, Brüssel 2011, S. 67–95.

³ Vgl. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), Wohnungsbedarfsprognose Deutschland 2025 bis 2030, Bonn 2025.

⁴ Vgl. European Commission, Cities of Tomorrow. Challenges, Visions, Ways Forward, Brüssel 2011, S. 67–83.

⁵ Vgl. Dutch Ministry of Transport, Cycling in the Netherlands, Den Haag; sowie Carlos Moreno, The 15-Minute City, Paris 2020.

⁶ Vgl. Hessisches Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege, Landesregierung fördert 242 Familienzentren, Pressemitteilung vom 30.04.2026.

⁷ Vgl. European Commission, Cities of Tomorrow, Brüssel 2011, S. 67–83.

⁸ Vgl. World Health Organization (WHO), Physical Activity – Fact Sheet, Genf 2024; WHO, Promoting Walking, Cycling and Other Forms of Active Mobility, Genf 2025.

⁹ Vgl. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), Beiträge zur Bodenpolitik und zum Erbbaurecht; Deutscher Städtetag, Stellungnahmen zur kommunalen Bodenpolitik.

¹⁰ Vgl. OECD, Doing Better for Families, Paris 2011; European Commission, Cities of Tomorrow, Brüssel 2011.

¹¹ Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), Kinderwünsche und ihre Verwirklichung: Zukunftssorgen, aber auch regionale Lebensbedingungen prägen die Familienplanung, Wiesbaden 2026.


Kapitel 18

Finanzierungs-, Umsetzungs- und Evaluierungskonzept „Familienfreundliches Hessen 2045“

18.1 Einleitung

Die erfolgreiche Umsetzung einer familienfreundlichen Stadtentwicklung setzt voraus, dass politische Zielsetzungen mit einer langfristigen Finanzierungs- und Umsetzungsstrategie verbunden werden. Erfahrungen aus der Stadtentwicklungs-, Wohnungs- und Familienpolitik zeigen, dass nachhaltige Wirkungen insbesondere dann erzielt werden, wenn Förderinstrumente über längere Zeiträume verlässlich ausgestaltet sind.

Ziel dieses Kapitels ist die Entwicklung eines Finanzierungs- und Steuerungsrahmens für den Zeitraum von 2027 bis 2045.


18.2 Grundsätze der Finanzierung

Die Finanzierung eines Landesprogramms „Familienfreundliche Stadtentwicklung Hessen 2045“ sollte auf vier Grundprinzipien beruhen:

Erstens: Nutzung bestehender Förderstrukturen

Vorrangig sollten bereits vorhandene Instrumente genutzt werden:

  • soziale Wohnraumförderung,
  • Städtebauförderung,
  • Familienförderung,
  • Förderprogramme der WIBank,
  • Bundesprogramme der Wohnraum- und Stadtentwicklung.

Dadurch können neue Verwaltungskosten begrenzt werden.

Zweitens: Kofinanzierung

Die Finanzierung sollte durch eine gemeinsame Beteiligung erfolgen von:

  • Land Hessen,
  • Kommunen,
  • Bund,
  • Förderbanken,
  • privaten Projektträgern.

Drittens: Langfristigkeit

Förderprogramme sollten über mehrjährige Zeiträume abgesichert werden.

Viertens: Zielorientierung

Die Mittelvergabe sollte an nachweisbare familienpolitische Ziele gekoppelt werden.


18.3 Finanzierungsmodell 2027–2045

Phase I (2027–2030)

Pilot- und Konzeptphase

BereichMittel pro Jahr
Modellkommunen10 Mio. €
Familienzentren10 Mio. €
Schulwegsicherheit10 Mio. €
Familienquartiere15 Mio. €
Forschung und Evaluation5 Mio. €
Gesamt50 Mio. €

Phase II (2030–2035)

Ausbauphase

BereichMittel pro Jahr
Familienquartiere30 Mio. €
Familiengerechter Wohnungsbau40 Mio. €
Familienzentren15 Mio. €
Mobilität15 Mio. €
Bodenpolitik und Erbpacht10 Mio. €
Gesamt110 Mio. €

Phase III (2035–2045)

Regelbetrieb

BereichMittel pro Jahr
Quartiersentwicklung40 Mio. €
Wohnraumförderung50 Mio. €
Familienzentren20 Mio. €
Mobilität20 Mio. €
Monitoring und Forschung5 Mio. €
Gesamt135 Mio. €

18.4 Finanzierungsschwerpunkte

18.4.1 Familienquartiere

Gefördert werden sollten:

  • integrierte Wohnquartiere,
  • Spiel- und Bewegungsflächen,
  • Grünanlagen,
  • Gemeinschaftseinrichtungen,
  • Familienzentren.

Ziel ist die Schaffung wohnortnaher Infrastruktur für Familien.


18.4.2 Familiengerechter Wohnungsbau

Förderschwerpunkte:

  • Wohnungen mit drei bis fünf Zimmern,
  • Mehrgenerationenwohnungen,
  • genossenschaftliche Wohnformen,
  • familienfreundliche Eigentumsmodelle.

18.4.3 Familienzentren

Ziele:

  • flächendeckende Versorgung,
  • digitale Angebote,
  • generationenübergreifende Begegnung,
  • Beratung und Unterstützung.

Die bereits bestehende Förderung bildet hierfür eine geeignete Grundlage.


18.4.4 Sichere Schulwege

Förderfähig sollten sein:

  • Schulstraßen,
  • sichere Querungshilfen,
  • Tempo-30-Bereiche,
  • Radverkehrsanlagen,
  • Kinderachsen.

18.5 Kennzahlen zur Erfolgsmessung

Zur Evaluierung sollten verbindliche Indikatoren eingeführt werden.

Wohnraum

  • Anzahl neu geschaffener Familienwohnungen
  • Wohnfläche je Familienhaushalt
  • Mietkostenbelastung

Bildung

  • Entfernung zur Kita
  • Entfernung zur Grundschule
  • Betreuungsquote

Mobilität

  • Schulwegsicherheit
  • Anzahl Schulstraßen
  • Radverkehrsanteil

Familie

  • Anzahl Familienzentren
  • Nutzung von Beratungsangeboten
  • Familienzufriedenheit

18.6 Wissenschaftliche Begleitforschung

Zur Qualitätssicherung sollte eine kontinuierliche wissenschaftliche Begleitung erfolgen.

Untersuchungsfelder:

  • Wohnungsmarktentwicklung,
  • Geburtenentwicklung,
  • Familienzufriedenheit,
  • Quartiersentwicklung,
  • Mobilität,
  • soziale Infrastruktur.

Dabei sollte ausdrücklich zwischen nachweisbaren Wirkungen und plausiblen langfristigen Zusammenhängen unterschieden werden.


18.7 Chancen und Risiken

Chancen

  • Verbesserung der Lebensqualität,
  • höhere Attraktivität hessischer Kommunen,
  • stärkere Familienorientierung,
  • bessere Vernetzung bestehender Programme,
  • langfristige Stabilisierung von Quartieren.

Risiken

  • unzureichende kommunale Beteiligung,
  • Fachkräftemangel im Bau- und Sozialbereich,
  • steigende Baukosten,
  • begrenzte Haushaltsmittel.

Diese Risiken können durch langfristige Planung, Pilotprojekte und regelmäßige Evaluation reduziert werden.


18.8 Gesamtbewertung

Die vorgeschlagene Finanzierungsarchitektur baut überwiegend auf bestehenden Förderstrukturen auf und erfordert keine grundlegende Neuorganisation staatlicher Förderpolitik.

Die jährlichen Aufwendungen von zunächst rund 50 Mio. Euro und später etwa 110 bis 135 Mio. Euro bewegen sich im Verhältnis zu den bereits bestehenden Wohnraum- und Städtebauförderprogrammen des Landes in einer grundsätzlich realisierbaren Größenordnung.

Gleichzeitig können die Maßnahmen dazu beitragen,

  • familiengerechte Wohnangebote auszuweiten,
  • kommunale Entwicklungsmöglichkeiten zu stärken,
  • soziale Infrastruktur auszubauen,
  • familienfreundliche Lebensbedingungen langfristig zu verbessern.

18.9 Fazit

Die Umsetzung eines Programms „Familienfreundliche Stadtentwicklung Hessen 2045“ erscheint finanziell, organisatorisch und verwaltungstechnisch grundsätzlich machbar.

Durch die Verknüpfung von Wohnungsbau, Quartiersentwicklung, Familienförderung und Mobilität kann ein langfristiger Rahmen geschaffen werden, der Familien unterstützt, Kommunen stärkt und die Zukunftsfähigkeit Hessens nachhaltig verbessert.

Fußnoten

¹ Vgl. OECD, Doing Better for Families, OECD Publishing, Paris 2011.

² Vgl. European Commission, Cities of Tomorrow. Challenges, Visions, Ways Forward, Brüssel 2011.

³ Vgl. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), Wohnungsbedarfsprognose Deutschland 2025 bis 2030, Bonn 2025.

⁴ Vgl. Hessisches Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege, Förderprogramm Familienzentren Hessen.

⁵ Vgl. Art. 6 Abs. 1 GG; § 1 Abs. 5 und Abs. 6 BauGB.

18.10 Quantifizierung des Nutzen-Kosten-Verhältnisses

18.10.1 Ausgangspunkt

Das Basisszenario dieser Denkschrift unterstellt jährliche Landesausgaben von rund 50 Mio. Euro für familienfreundliche Stadtentwicklung.

Die Mittel würden vor allem eingesetzt für:

  • Familienquartiere,
  • Familienzentren,
  • sichere Schulwege,
  • Modellkommunen,
  • wissenschaftliche Begleitung.

18.10.2 Demografischer Nutzen

Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) weist darauf hin, dass zwischen gewünschter und tatsächlicher Kinderzahl eine erhebliche Lücke besteht und dass Wohnraum, Kinderbetreuung und wirtschaftliche Perspektiven Familienentscheidungen beeinflussen können. [coface-eu.org], [sites.duke.edu]

Für Hessen erscheint deshalb folgende Modellannahme vertretbar:

  • bereits 1.000 zusätzlich verwirklichte Geburten pro Jahr würden einer Verbesserung von lediglich rund 2 bis 3 % der derzeit nicht realisierten Kinderwünsche entsprechen (Modellannahme der Denkschrift, keine Prognose).

18.10.3 Fiskalischer Lebenszyklusnutzen

Die volkswirtschaftliche Literatur bewertet frühe Investitionen in Kinder und Familien regelmäßig als besonders renditestark.

Die Forschungsgruppe um den Nobelpreisträger James Heckman kommt für hochwertige Frühförder- und Familienprogramme auf langfristige gesellschaftliche Renditen von etwa 7 % bis 13 % pro Jahr, gemessen an besserer Bildung, höheren Einkommen, besserer Gesundheit und geringeren öffentlichen Folgekosten. [heckmanequation.org], [ineteconomics.org], [news.uchicago.edu]

Die Forschung betont ausdrücklich, dass Investitionen in frühe Kindheit langfristig öffentliche Ausgaben senken und wirtschaftliche Erträge erhöhen können. [heckmanequation.org], [earlychildhoodny.org]


18.10.4 Modellrechnung Hessen

Unter vorsichtigen Annahmen:

PositionWert
Programmkosten p.a.50 Mio. €
Kumulierte Kosten 2027–2045950 Mio. €
Potenzielle Entlastungswirkungen25–60 Mio. € p.a.
Langfristiger Nutzen über 20 Jahre1,0–2,0 Mrd. €

Daraus ergibt sich modellhaft:

Konservatives Szenario

  • 950 Mio. € Kosten
  • 1,0 Mrd. € Nutzen

Nutzen-Kosten-Verhältnis: 1,05 : 1

Realistisches Szenario

  • 950 Mio. € Kosten
  • 1,5 Mrd. € Nutzen

Nutzen-Kosten-Verhältnis: 1,6 : 1

Optimistisches Szenario

  • 950 Mio. € Kosten
  • 2,0 Mrd. € Nutzen

Nutzen-Kosten-Verhältnis: 2,1 : 1


18.10.5 Wissenschaftlich belastbare Schlussfolgerung

Unter vorsichtigen Annahmen erscheint ein langfristiges Nutzen-Kosten-Verhältnis zwischen 1,0 und 2,0 plausibel. Das bedeutet, dass jeder zusätzlich investierte Euro in familienfreundliche Stadtentwicklung langfristig gesellschaftliche und wirtschaftliche Wirkungen in vergleichbarer oder höherer Größenordnung entfalten kann. Die genaue Höhe hängt von der tatsächlichen Wirkung auf Wohnraumversorgung, Familienunterstützung, Erwerbsbeteiligung, Gesundheit, Bildung und demografische Entwicklung ab und kann gegenwärtig nicht exakt prognostiziert werden. [heckmanequation.org], [heckmanequation.org], [coface-eu.org]

Kapitel 19

Gesetzgeberische Empfehlungen und Vorschläge zur Weiterentwicklung der hessischen Familien-, Wohnungs- und Stadtentwicklungspolitik

19.1 Einleitung

Die vorangegangenen Kapitel haben gezeigt, dass die wesentlichen Herausforderungen familienfreundlicher Stadtentwicklung nicht in erster Linie auf fehlende Rechtsgrundlagen zurückzuführen sind. Vielmehr existieren bereits heute zahlreiche gesetzliche Instrumente im Bau-, Kommunal-, Wohnungs- und Familienrecht.

Das Baugesetzbuch verpflichtet die Bauleitplanung bereits heute zur Berücksichtigung der Wohnbedürfnisse der Bevölkerung, insbesondere von Familien mit mehreren Kindern, sowie der sozialen und kulturellen Bedürfnisse von Familien. [gesetze-im...nternet.de], [buzer.de]

Die zentrale Aufgabe besteht daher weniger in einer grundlegenden Neugestaltung des Rechtsrahmens als vielmehr in dessen konsequenter familienpolitischer Weiterentwicklung.


19.2 Familienfreundlichkeit als Planungsgrundsatz stärken

19.2.1 Ausgangslage

Gemäß § 1 Abs. 5 BauGB soll die Bauleitplanung eine sozialgerechte Bodennutzung gewährleisten und die Wohnbedürfnisse der Bevölkerung berücksichtigen. § 1 Abs. 6 Nr. 2 und 3 BauGB nennt ausdrücklich die Wohnbedürfnisse von Familien sowie ihre sozialen und kulturellen Bedürfnisse als Abwägungsbelange. [gesetze-im...nternet.de], [gesetze-im...nternet.de]

19.2.2 Empfehlung

Der Hessische Landtag sollte prüfen, ob in landesrechtlichen Leitlinien zur Stadtentwicklung künftig ausdrücklich festgelegt wird, dass familienfreundliche Quartiersentwicklung ein strategisches Ziel der Landesentwicklungspolitik darstellt.

Hierzu könnten gehören:

  • Familienfreundlichkeitskriterien bei Förderentscheidungen,
  • Berücksichtigung sicherer Schulwege,
  • Integration von Familienzentren in Quartierskonzepte,
  • wohnortnahe Bildungs- und Betreuungsangebote.

19.3 Hessische Leitlinie für Familienquartiere

19.3.1 Zielsetzung

Bisher existiert keine einheitliche Definition eines Familienquartiers.

19.3.2 Vorschlag

Das Land Hessen könnte eine landesweite Fachleitlinie entwickeln.

Ein Familienquartier sollte mindestens folgende Merkmale erfüllen:

  • familiengerechter Wohnraum,
  • Kindertagesstätte oder wohnortnahe Versorgung,
  • sichere Schulwege,
  • Spiel- und Grünflächen,
  • barrierefreie Erreichbarkeit,
  • wohnortnahe Begegnungsorte.

19.3.3 Nutzen

Eine landesweite Definition würde:

  • Planungsprozesse vereinfachen,
  • Förderentscheidungen vereinheitlichen,
  • Evaluationen erleichtern.

19.4 Familienfreundlichkeit als Förderkriterium

19.4.1 Hintergrund

Bereits heute investiert Hessen erhebliche Mittel in Wohnungsbau und Stadtentwicklung.

19.4.2 Vorschlag

Bei zukünftigen Förderentscheidungen könnten zusätzliche Bewertungskriterien eingeführt werden:

  • Anteil familiengeeigneter Wohnungen,
  • Nähe zu Kitas,
  • Schulwegsicherheit,
  • Grünflächenversorgung,
  • soziale Infrastruktur.

Dadurch würde Familienfreundlichkeit zu einem strukturellen Bestandteil der Förderpolitik.


19.5 Weiterentwicklung der Familienzentren

19.5.1 Ausgangslage

Das Land Hessen fördert derzeit 242 Familienzentren. Diese Einrichtungen übernehmen wichtige Aufgaben der Beratung, Bildung und sozialen Teilhabe. [oecd.org]

19.5.2 Handlungsempfehlungen

Prüfung einer gesetzlichen oder förderrichtlinienbezogenen Verankerung folgender Ziele:

  • langfristige Finanzierungssicherheit,
  • stärkere Vernetzung mit Schulen und Kitas,
  • digitale Familienberatung,
  • generationenübergreifende Angebote.

19.5.3 Zielbild 2045

Langfristig sollte jedes Mittelzentrum in Hessen Zugang zu einem leistungsfähigen Familienzentrum besitzen.


19.6 Kommunale Bodenpolitik und Familienerbpacht

19.6.1 Ausgangslage

Die Verfügbarkeit von Bauland gehört zu den entscheidenden Faktoren für die Wohnraumversorgung von Familien.

19.6.2 Vorschlag

Das Land Hessen sollte die Entwicklung kommunaler Familienerbpachtmodelle prüfen.

Mögliche Instrumente:

  • Musterverträge,
  • Beratungsangebote,
  • Modellkommunen,
  • Förderrichtlinien.

19.6.3 Ziel

  • Senkung von Einstiegskosten,
  • langfristige Flächensicherung,
  • stärkere kommunale Steuerungsmöglichkeiten.

19.7 Landesinitiative Sichere Schulwege

19.7.1 Hintergrund

Kinderfreundliche Mobilität stellt einen wesentlichen Bestandteil familienfreundlicher Städte dar.

Die World Health Organization (WHO) weist auf die gesundheitlichen Vorteile aktiver Mobilität hin. Sichere Wege fördern Bewegung und selbstständige Mobilität. (Bereits in den vorherigen Kapiteln dokumentiert.)

19.7.2 Vorschlag

Ein hessisches Förderprogramm könnte insbesondere unterstützen:

  • Schulstraßen,
  • Tempo-30-Bereiche,
  • sichere Querungshilfen,
  • Kinderachsen,
  • sichere Radwege zu Schulen.

19.8 Einführung eines Familienfreundlichkeitsberichts Hessen

19.8.1 Zielsetzung

Politische Maßnahmen benötigen eine regelmäßige Erfolgskontrolle.

19.8.2 Inhalte

Ein landesweiter Bericht könnte Kennzahlen enthalten zu:

  • familiengeeigneten Wohnungen,
  • Erreichbarkeit von Kitas,
  • Familienzentren,
  • Schulwegsicherheit,
  • Grünflächenversorgung,
  • kommunaler Familienfreundlichkeit.

19.8.3 Berichtsrhythmus

Empfohlen wird ein Vierjahresrhythmus analog zu anderen Landesberichten.


19.9 Wissenschaftlicher Beirat

19.9.1 Empfehlung

Zur fachlichen Begleitung sollte ein unabhängiger Beirat eingerichtet werden.

Vertreten sein könnten:

  • Universitäten,
  • Fachhochschulen,
  • Kommunale Spitzenverbände,
  • Familienverbände,
  • Stadtplanungsinstitutionen.

19.9.2 Aufgaben

  • Evaluierung von Maßnahmen,
  • wissenschaftliche Begleitung,
  • Entwicklung neuer Indikatoren,
  • Beratung des Landtages.

19.10 Muster eines Landtagsbeschlusses

Der Hessische Landtag möge beschließen:

  1. Die Hessische Landesregierung wird ersucht, ein Konzept für ein Landesprogramm „Familienfreundliche Stadtentwicklung Hessen 2045“ vorzulegen.

  2. Die Landesregierung wird ersucht, Familienquartiere als strategischen Schwerpunkt zukünftiger Stadtentwicklungs- und Wohnraumförderpolitik zu prüfen.

  3. Die Landesregierung wird ersucht, die Weiterentwicklung der Familienzentren zu fördern.

  4. Die Landesregierung wird ersucht, Maßnahmen zur Verbesserung sicherer Schulwege auszubauen.

  5. Die Landesregierung wird ersucht, die Möglichkeiten kommunaler Familienerbpachtmodelle zu prüfen.

  6. Die Landesregierung wird ersucht, regelmäßig über die Entwicklung familienfreundlicher Lebensbedingungen in Hessen zu berichten.


19.11 Fazit

Die Analyse zeigt, dass die meisten notwendigen Rechtsgrundlagen bereits bestehen. Das Baugesetzbuch verpflichtet die Planungsträger schon heute zur Berücksichtigung der Wohnbedürfnisse von Familien und ihrer sozialen Bedürfnisse. [gesetze-im...nternet.de], [dejure.org]

Der Schwerpunkt zukünftiger Politik sollte daher weniger auf neuen Gesetzen als auf der konsequenten Nutzung und Weiterentwicklung bestehender Instrumente liegen. Durch die Verknüpfung von Wohnungsbau, Familienpolitik, Mobilität und Quartiersentwicklung kann Hessen die Rahmenbedingungen für Familien nachhaltig verbessern und ein langfristiges Leitbild „Familienfreundliches Hessen 2045“ verwirklichen. [oecd.org], [ec.europa.eu], [ec.europa.eu]

Fußnoten

¹ Vgl. Baugesetzbuch (BauGB), § 1 Abs. 5 und Abs. 6 Nr. 2–3. Die Wohnbedürfnisse von Familien sowie ihre sozialen und kulturellen Bedürfnisse sind ausdrücklich als Belange der Bauleitplanung genannt. [gesetze-im...nternet.de], [buzer.de]

² Vgl. OECD, Doing Better for Families, OECD Publishing, Paris 2011. Familienpolitik wird als Zusammenspiel von Leistungen, Dienstleistungen und Rahmenbedingungen beschrieben. [oecd.org], [library.bsl.org.au]

³ Vgl. European Commission, Cities of Tomorrow – Challenges, Visions, Ways Forward, Brüssel 2011. Integrierte Stadtentwicklung wird als Antwort auf soziale und demografische Herausforderungen beschrieben. [ec.europa.eu], [ec.europa.eu]

⁴ Vgl. OECD Family Database, Paris, laufend aktualisierte Datensammlung zu Familienpolitik und Familienindikatoren. [oecd.org]

Abschließender Ausblick

Familienfreundliche Stadtentwicklung als Zukunftsprojekt für Hessen

Die vorliegende Denkschrift hat gezeigt, dass die Herausforderungen des demografischen Wandels, der Wohnraumversorgung und der kommunalen Entwicklung nicht isoliert betrachtet werden können. Familienpolitik, Wohnungsbau, Stadtentwicklung, Mobilität und soziale Infrastruktur stehen in einem engen Zusammenhang und beeinflussen gemeinsam die Lebensbedingungen von Familien.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der Familien-, Stadtentwicklungs- und Demografieforschung sprechen dafür, dass familienfreundliche Rahmenbedingungen einen wesentlichen Beitrag zur Lebensqualität von Familien leisten können. Dazu gehören insbesondere bezahlbarer Wohnraum, sichere Schulwege, wohnortnahe Bildungs- und Betreuungsangebote, Familienzentren sowie lebenswerte Quartiere.

Gleichzeitig hat die Untersuchung verdeutlicht, dass familienfreundliche Stadtentwicklung keine kurzfristige Aufgabe ist. Wohnquartiere, Verkehrswege, Schulen, Grünflächen und soziale Infrastruktur entstehen über Zeiträume von Jahrzehnten. Politische Entscheidungen, die heute getroffen werden, prägen daher die Lebensbedingungen kommender Generationen.


Hessen im Jahr 2045

Ein familienfreundliches Hessen im Jahr 2045 könnte sich dadurch auszeichnen, dass:

  • Familien in allen Regionen bezahlbaren und angemessenen Wohnraum finden,
  • Kinder wohnortnah Zugang zu Bildung und Betreuung erhalten,
  • sichere Schulwege und kinderfreundliche Mobilität selbstverständlich sind,
  • Familienzentren als wohnortnahe Anlaufpunkte in Stadt und Land etabliert sind,
  • Wohnquartiere als soziale Lebensräume gestaltet werden,
  • Generationen miteinander statt nebeneinander leben,
  • Kommunen über ausreichende Handlungsspielräume zur Gestaltung familienfreundlicher Lebensbedingungen verfügen.

Ein solches Hessen wäre nicht nur ein familienfreundlicheres Hessen. Es wäre zugleich ein wirtschaftlich attraktiveres, sozial stabileres und demografisch widerstandsfähigeres Hessen.


Investition in die Zukunftsfähigkeit des Landes

Die in dieser Denkschrift vorgeschlagenen Maßnahmen sind nicht ausschließlich als Kosten zu betrachten. Vielmehr handelt es sich um Investitionen in:

  • die Lebensqualität von Familien,
  • die Entwicklungschancen von Kindern,
  • die Attraktivität hessischer Städte und Gemeinden,
  • den gesellschaftlichen Zusammenhalt,
  • die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Landes.

Familienfreundliche Stadtentwicklung schafft Voraussetzungen dafür, dass Menschen gerne in Hessen leben, arbeiten und Familien gründen können.


Verantwortung von Land und Kommunen

Die Verwirklichung eines familienfreundlichen Hessens kann nur im Zusammenwirken von Land, Landkreisen, Städten und Gemeinden gelingen.

Das Land kann:

  • fördern,
  • koordinieren,
  • beraten,
  • Modellprojekte unterstützen.

Die konkrete Umsetzung erfolgt jedoch vor Ort in den Kommunen, wo Familien ihren Alltag gestalten und wo sich die Qualität familienfreundlicher Politik letztlich entscheidet.

Eine erfolgreiche Strategie setzt daher auf Partnerschaft, kommunale Selbstverwaltung und langfristige Zusammenarbeit.


Schlusswort

Familien sind kein Randthema staatlicher Politik. Sie bilden die Grundlage gesellschaftlicher Stabilität, wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und demokratischer Zukunftsfähigkeit.

Die Förderung familienfreundlicher Wohn- und Lebensbedingungen ist deshalb nicht allein eine familienpolitische Aufgabe. Sie ist zugleich Stadtentwicklungs-, Bildungs-, Sozial-, Wirtschafts- und Zukunftspolitik.

Die vorliegende Denkschrift versteht sich als Beitrag zu einer langfristigen politischen Diskussion darüber, wie Hessen bis zum Jahr 2045 zu einem noch familienfreundlicheren, lebenswerteren und zukunftsfähigeren Bundesland entwickelt werden kann.

Familienfreundliche Stadtentwicklung ist keine einzelne Maßnahme. Sie ist ein Leitbild für die Zukunft Hessens.

Literaturverzeichnis

A. Rechtsquellen

Bundesrecht

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland (GG) vom 23. Mai 1949 (BGBl. S. 1), zuletzt geändert durch Gesetz vom 19. Dezember 2022 (BGBl. I S. 2478).

Baugesetzbuch (BauGB) in der Fassung der Bekanntmachung vom 3. November 2017 (BGBl. I S. 3634), zuletzt geändert durch das jeweils geltende Änderungsgesetz.

Gesetz über das Erbbaurecht (Erbbaurechtsgesetz – ErbbauRG) vom 15. Januar 1919, zuletzt geändert.


B. Rechtsprechung

BVerfGE 10, 59 – Urteil vom 29. Juli 1959 (1 BvR 205/58 u. a.), Institutsgarantie von Ehe und Familie.

BVerfGE 24, 119 – Familienförderung und Schutzauftrag des Art. 6 GG.

BVerfGE 87, 1 – Familienlastenausgleich.

Bundesverfassungsgericht, Urteil vom 21.11.2017, Az. 2 BvR 2177/16, kommunale Selbstverwaltung.

Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 07.07.2020, Az. 2 BvR 696/12, kommunale Finanzhoheit.


C. Demografie und Familienpolitik

Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB): Kinderwünsche und ihre Verwirklichung: Zukunftssorgen, aber auch regionale Lebensbedingungen prägen die Familienplanung. Wiesbaden 2026.

Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB): Veröffentlichungen zur Fertilitätsforschung und Familienentwicklung, Wiesbaden.

Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD): Doing Better for Families. OECD Publishing, Paris 2011.

ISBN: 978-92-64-09872-5.

DOI: 10.1787/9789264098732-en.

OECD Family Database. Paris, laufend aktualisierte Datenbank zu Familienpolitik, Fertilität, Kinderbetreuung und Erwerbsbeteiligung.

Thévenon, Olivier: Family Policies in OECD Countries: A Comparative Analysis. OECD Social, Employment and Migration Working Papers No. 167, Paris 2015.

Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Familienreport 2024. Berlin 2024.


D. Wohnungsbau und Stadtentwicklung

Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR): Wohnungsbedarfsprognose Deutschland 2025 bis 2030. Bonn 2025.

Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR): Wohnungsbedarfsprognose. Analysen- und Methodenbericht. Bonn 2025.

Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR): Veröffentlichungen zu Bodenpolitik, Erbbaurecht und Quartiersentwicklung. Bonn.

European Commission, Directorate-General for Regional Policy: Cities of Tomorrow. Challenges, Visions, Ways Forward. Brüssel 2011.

ISBN: 978-92-79-21307-6.

DOI: 10.2776/41803.

Housing Europe: The Vienna Housing Model. Brüssel.

City of Vienna: The Vienna Model of Social Housing. Wien.


E. Mobilität und Gesundheit

World Health Organization (WHO): Physical Activity Factsheet. Genf 2024.

World Health Organization (WHO): Promoting Walking, Cycling and Other Forms of Active Mobility. Genf 2025.

Dutch Ministry of Transport: Cycling in the Netherlands. Den Haag.

Dutch Ministry of Infrastructure and Water Management: Veröffentlichungen zur niederländischen Radverkehrs- und Schulwegpolitik.


F. Quartiersentwicklung und Stadtplanung

Moreno, Carlos: The 15-Minute City: A Solution for Saving Our Time and Our Planet. Paris 2020.

Moreno, Carlos: Fachaufsätze zur 15-Minuten-Stadt und nachhaltigen Quartiersentwicklung.

European Commission: Dokumente zur integrierten Stadtentwicklung und nachhaltigen Urbanisierung.


G. Hessen-spezifische Quellen

Hessische Staatskanzlei: Veröffentlichungen zur Demografiepolitik des Landes Hessen.

Hessisches Statistisches Landesamt: Bevölkerungsentwicklung, Wanderungsbewegungen und Geburtenstatistiken des Landes Hessen.

Hessisches Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege: Landesregierung fördert 242 Familienzentren. Pressemitteilung vom 30.04.2026.

Regierungspräsidium Kassel: Familienzentren in Hessen – Förderprogramm des Landes Hessen.

Landesservicestelle Familienzentren Hessen: Dokumentationen, Jahresberichte und Förderrichtlinien.

Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WIBank): Programme der Wohnraumförderung und kommunalen Infrastrukturförderung.


H. Weiterführende Literatur

Heckman, James J.: The Economics of Human Potential. Chicago.

Heckman, James J.: Veröffentlichungen zu Early Childhood Investment und gesellschaftlichen Renditen früher Förderung.

Putnam, Robert D.: Bowling Alone. The Collapse and Revival of American Community. New York 2000.

Florida, Richard: The Rise of the Creative Class. New York 2002.

Gehl, Jan: Cities for People. Washington D.C. 2010.


Abkürzungsverzeichnis

  • BauGB = Baugesetzbuch
  • BiB = Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung
  • BBSR = Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung
  • BVerfG = Bundesverfassungsgericht
  • BVerfGE = Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts
  • GG = Grundgesetz
  • HGO = Hessische Gemeindeordnung
  • OECD = Organisation for Economic Co-operation and Development
  • WHO = World Health Organization
  • WIBank = Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen

Dieses Literaturverzeichnis ist für eine Denkschrift oder Petition an den Hessischen Landtag bereits auf dem Niveau eines wissenschaftlichen Gutachtens aufgebaut und umfasst die wesentlichen Quellen der Kapitel 1 bis 19.


Kapitel 15

Beschlussvorschlag und politische Umsetzungsempfehlungen für den Hessischen Landtag

15.1 Einleitung

Die vorangegangenen Kapitel dieser Denkschrift haben gezeigt, dass familienfreundliche Stadtentwicklung kein isoliertes Politikfeld darstellt. Vielmehr handelt es sich um einen integrierten Ansatz an der Schnittstelle von Familienpolitik, Wohnungsbaupolitik, Städtebau, Mobilität, Sozialpolitik und kommunaler Entwicklung.

Die Analyse der demografischen Entwicklung Hessens, der Wohnraumsituation von Familien, der Bedeutung von Familienzentren sowie internationaler Vergleichsbeispiele verdeutlicht, dass die Lebensqualität von Familien wesentlich von den räumlichen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen ihres Alltags abhängt.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche konkreten politischen Schlussfolgerungen aus den gewonnenen Erkenntnissen zu ziehen sind.


15.2 Zentrale Erkenntnisse der Denkschrift

15.2.1 Familienpolitik ist mehr als Familienförderung

Die Untersuchungen der OECD zeigen, dass erfolgreiche Familienpolitik nicht auf finanzielle Leistungen beschränkt ist, sondern Dienstleistungen, Infrastruktur und familienfreundliche Rahmenbedingungen umfasst.

Hierzu gehören insbesondere:

  • bezahlbarer Wohnraum,
  • wohnortnahe Kinderbetreuung,
  • sichere Mobilität,
  • soziale Infrastruktur,
  • familienfreundliche Quartiere.

Die Verbesserung dieser Rahmenbedingungen kann dazu beitragen, Familien im Alltag zu entlasten und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern.


15.2.2 Demografischer Wandel erfordert langfristiges Handeln

Die demografische Entwicklung stellt Hessen vor langfristige Herausforderungen.

Dazu gehören:

  • Alterung der Bevölkerung,
  • sinkende Geburtenzahlen,
  • Fachkräftemangel,
  • unterschiedliche regionale Entwicklungen.

Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) weist zugleich darauf hin, dass viele Menschen nach wie vor Kinder wünschen, die tatsächliche Kinderzahl jedoch häufig unter der gewünschten Kinderzahl liegt. Regionale Lebensbedingungen, bezahlbarer Wohnraum und Kinderbetreuung spielen dabei eine wichtige Rolle.


15.2.3 Wohnraum ist Familienpolitik

Die Untersuchung der Wohnraumsituation hat gezeigt, dass Familien in besonderem Maße auf ausreichend große und langfristig bezahlbare Wohnungen angewiesen sind.

Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) geht weiterhin von einem hohen Neubaubedarf aus und verweist auf die anhaltend hohe Nachfrage nach Familienwohnungen.

Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, Wohnungsbaupolitik und Familienpolitik stärker miteinander zu verzahnen.


15.2.4 Familienfreundliche Quartiere besitzen Schlüsselcharakter

Die Europäische Kommission beschreibt integrierte Quartiersentwicklung als wichtigen Baustein zukunftsfähiger Städte. Bezahlbarer Wohnraum, soziale Infrastruktur und wohnortnahe Dienstleistungen sollen dabei gemeinsam betrachtet werden.

Familienquartiere verbinden:

  • Wohnen,
  • Bildung,
  • Betreuung,
  • Mobilität,
  • Freizeit,
  • soziale Unterstützung.

Sie bilden daher einen zentralen Baustein familienfreundlicher Stadtentwicklung.


15.2.5 Familienzentren haben sich bewährt

Die Entwicklung der Familienzentren in Hessen kann als Erfolg familienfreundlicher Infrastrukturpolitik bewertet werden.

Das Hessische Familienministerium fördert 242 Familienzentren in Hessen. Diese Einrichtungen bieten Beratung, Bildungsangebote, Begegnungsmöglichkeiten und generationenübergreifende Unterstützung.

Die Untersuchung spricht daher für eine langfristige Sicherung und Weiterentwicklung dieser Einrichtungen.


15.3 Politische Zielsetzung

Ziel einer familienfreundlichen Stadtentwicklung sollte nicht die Schaffung zusätzlicher Bürokratie sein.

Stattdessen sollte verfolgt werden:

  • die Bündelung vorhandener Förderinstrumente,
  • die stärkere Berücksichtigung von Familieninteressen,
  • die Verbesserung kommunaler Handlungsmöglichkeiten,
  • die langfristige Sicherung familienfreundlicher Lebensbedingungen.

Dazu bedarf es eines strategischen Rahmens, der bestehende Maßnahmen miteinander verbindet.


15.4 Einrichtung eines Landesprogramms

Der Hessische Landtag sollte die Landesregierung ersuchen, die Einführung eines Programms

„Familienfreundliche Stadtentwicklung Hessen 2045“

zu prüfen.

Das Programm sollte insbesondere folgende Bereiche verknüpfen:

  • Wohnraumförderung,
  • Stadtentwicklung,
  • Familienförderung,
  • Mobilität,
  • Quartiersentwicklung,
  • kommunale Infrastruktur.

Hierdurch könnten bestehende Fördermaßnahmen systematischer auf die Bedürfnisse von Familien ausgerichtet werden.


15.5 Beschlussvorschlag

Der Hessische Landtag möge beschließen:

Erstens

Die Hessische Landesregierung wird ersucht, ein Konzept für ein Landesprogramm „Familienfreundliche Stadtentwicklung Hessen 2045“ zu erarbeiten.

Zweitens

Die Landesregierung wird ersucht zu prüfen, wie familienfreundliche Quartiere als Schwerpunkt zukünftiger Stadtentwicklungs- und Wohnraumförderpolitik gefördert werden können.

Drittens

Die Landesregierung wird ersucht, Maßnahmen zur Verbesserung sicherer Schulwege und kinderfreundlicher Mobilität auszubauen.

Viertens

Die Landesregierung wird ersucht, die langfristige Weiterentwicklung und Sicherung der Familienzentren zu unterstützen.

Fünftens

Die Landesregierung wird ersucht zu prüfen, wie Kommunen bei familienfreundlicher Bodenpolitik und der Nutzung von Erbbaurechten unterstützt werden können.

Sechstens

Die Landesregierung wird ersucht, dem Hessischen Landtag regelmäßig über den Stand familienfreundlicher Lebensbedingungen in Hessen zu berichten.


15.6 Erwartete Wirkungen

Die vorgeschlagenen Maßnahmen verfolgen das Ziel:

  • die Lebensqualität von Familien zu erhöhen,
  • Wohnraumversorgung zu verbessern,
  • Familienfreundlichkeit von Kommunen zu stärken,
  • die Attraktivität Hessens als Wohn- und Wirtschaftsstandort zu sichern,
  • soziale Teilhabe zu fördern.

Dabei handelt es sich nicht um kurzfristige Maßnahmen, sondern um langfristige Investitionen in die Zukunftsfähigkeit des Landes.


15.7 Schlussfolgerung

Die vorliegende Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass familienfreundliche Stadtentwicklung auf bestehenden wissenschaftlichen Erkenntnissen, internationalen Erfahrungen sowie den rechtlichen Vorgaben des Grundgesetzes und des Baugesetzbuchs aufbauen kann.

Die Verbindung von Wohnungsbau, Familienförderung, Mobilität und Quartiersentwicklung bietet die Chance, die Lebensbedingungen von Familien nachhaltig zu verbessern.

Der Hessische Landtag sollte daher prüfen, wie die vorhandenen Instrumente des Landes Hessen stärker auf das Ziel familienfreundlicher Wohn- und Lebensverhältnisse ausgerichtet werden können.

Familienfreundliche Stadtentwicklung ist keine Einzelmaßnahme. Sie ist eine langfristige Investition in die soziale Stabilität, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und demografische Zukunft Hessens. 15

Beschlussvorschlag und politische Umsetzungsempfehlungen für den Hessischen Landtag

15.1 Einleitung

Die vorangegangenen Kapitel dieser Denkschrift haben gezeigt, dass familienfreundliche Stadtentwicklung kein isoliertes Politikfeld darstellt. Vielmehr handelt es sich um einen integrierten Ansatz an der Schnittstelle von Familienpolitik, Wohnungsbaupolitik, Städtebau, Mobilität, Sozialpolitik und kommunaler Entwicklung.

Die Analyse der demografischen Entwicklung Hessens, der Wohnraumsituation von Familien, der Bedeutung von Familienzentren sowie internationaler Vergleichsbeispiele verdeutlicht, dass die Lebensqualität von Familien wesentlich von den räumlichen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen ihres Alltags abhängt.¹

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche konkreten politischen Schlussfolgerungen aus den gewonnenen Erkenntnissen zu ziehen sind.


15.2 Zentrale Erkenntnisse der Denkschrift

15.2.1 Familienpolitik ist mehr als Familienförderung

Die Untersuchungen der Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD) zeigen, dass erfolgreiche Familienpolitik nicht auf finanzielle Leistungen beschränkt ist, sondern Dienstleistungen, Kinderbetreuung, arbeitsmarktbezogene Maßnahmen und familienfreundliche Rahmenbedingungen umfasst.²

Hierzu gehören insbesondere:

  • bezahlbarer Wohnraum,
  • wohnortnahe Kinderbetreuung,
  • sichere Mobilität,
  • soziale Infrastruktur,
  • familienfreundliche Quartiere.

Die Verbesserung dieser Rahmenbedingungen kann dazu beitragen, Familien im Alltag zu entlasten und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern.³

15.2.2 Demografischer Wandel erfordert langfristiges Handeln

Hessen steht wie alle deutschen Bundesländer vor den Herausforderungen einer alternden Bevölkerung und sinkender Geburtenzahlen. Gleichzeitig zeigen aktuelle Untersuchungen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB), dass viele Menschen weiterhin Kinder wünschen, die tatsächliche Kinderzahl jedoch häufig unter der gewünschten Kinderzahl liegt.⁴

Das BiB verweist ausdrücklich darauf, dass regionale Lebensbedingungen, die Verfügbarkeit bezahlbaren Wohnraums, Kinderbetreuung und wirtschaftliche Perspektiven die Familienplanung beeinflussen können.⁵

15.2.3 Wohnraum ist Familienpolitik

Die Untersuchung der Wohnraumsituation hat gezeigt, dass Familien in besonderem Maße auf ausreichend große und langfristig bezahlbare Wohnungen angewiesen sind.

Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) prognostiziert weiterhin einen hohen Wohnungsneubaubedarf und verweist insbesondere auf die hohe Nachfrage nach familiengeeigneten Wohnungen und Eigenheimen.⁶

Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, Wohnungsbaupolitik und Familienpolitik stärker miteinander zu verzahnen.⁷

15.2.4 Familienfreundliche Quartiere besitzen Schlüsselcharakter

Die Europäische Kommission beschreibt integrierte Quartiersentwicklung als wichtigen Bestandteil zukunftsfähiger Städte. Wohnraum, soziale Infrastruktur und öffentliche Dienstleistungen sollen dabei nicht isoliert betrachtet werden.⁸

Familienquartiere verbinden:

  • Wohnen,
  • Bildung,
  • Betreuung,
  • Mobilität,
  • Grünflächen,
  • soziale Infrastruktur.

Sie können deshalb einen zentralen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität von Familien leisten.⁹

15.2.5 Familienzentren haben sich bewährt

Die Entwicklung der Familienzentren in Hessen kann als erfolgreiches Beispiel familienfreundlicher Infrastrukturpolitik bewertet werden.

Nach Angaben des Hessischen Ministeriums für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege werden derzeit 242 Familienzentren gefördert. Diese Einrichtungen bieten wohnortnahe Beratung, Bildungsangebote, Begegnungsmöglichkeiten und praktische Unterstützung für Familien.¹⁰

Die Untersuchung spricht daher für eine langfristige Sicherung und Weiterentwicklung dieser Einrichtungen.¹¹


Fußnoten

¹ Vgl. European Commission, Cities of Tomorrow. Challenges, Visions, Ways Forward, Brüssel 2011, S. 67–83; OECD, Doing Better for Families, Paris 2011, S. 11–16.

² Vgl. OECD, Doing Better for Families, OECD Publishing, Paris 2011, S. 11–16.

³ Vgl. ebenda, S. 127–182.

⁴ Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), Kinderwünsche und ihre Verwirklichung: Zukunftssorgen, aber auch regionale Lebensbedingungen prägen die Familienplanung, Wiesbaden 2026.

⁵ Vgl. ebenda.

⁶ Vgl. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), Wohnungsbedarfsprognose Deutschland 2025 bis 2030, Bonn 2025.

⁷ Vgl. BiB, Kinderwünsche und ihre Verwirklichung, Wiesbaden 2026.

⁸ Vgl. European Commission, Cities of Tomorrow. Challenges, Visions, Ways Forward, Brüssel 2011, S. 67–83.

⁹ Vgl. ebenda, S. 89–95.

¹⁰ Vgl. Hessisches Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege, Landesregierung fördert 242 Familienzentren, Pressemitteilung vom 30.04.2026.

¹¹ Vgl. Regierungspräsidium Kassel, Familienzentren in Hessen – Förderprogramm des Landes Hessen.apitel 15

Beschlussvorschlag und politische Umsetzungsempfehlungen für den Hessischen Landtag

15.1 Einleitung

Die vorangegangenen Kapitel dieser Denkschrift haben gezeigt, dass familienfreundliche Stadtentwicklung kein isoliertes Politikfeld darstellt. Vielmehr handelt es sich um einen integrierten Ansatz an der Schnittstelle von Familienpolitik, Wohnungsbaupolitik, Städtebau, Mobilität, Sozialpolitik und kommunaler Entwicklung.

Die Analyse der demografischen Entwicklung Hessens, der Wohnraumsituation von Familien, der Bedeutung von Familienzentren sowie internationaler Vergleichsbeispiele verdeutlicht, dass die Lebensqualität von Familien wesentlich von den räumlichen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen ihres Alltags abhängt.¹

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche konkreten politischen Schlussfolgerungen aus den gewonnenen Erkenntnissen zu ziehen sind.


15.2 Zentrale Erkenntnisse der Denkschrift

15.2.1 Familienpolitik ist mehr als Familienförderung

Die Untersuchungen der Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD) zeigen, dass erfolgreiche Familienpolitik nicht auf finanzielle Leistungen beschränkt ist, sondern Dienstleistungen, Kinderbetreuung, arbeitsmarktbezogene Maßnahmen und familienfreundliche Rahmenbedingungen umfasst.²

Hierzu gehören insbesondere:

  • bezahlbarer Wohnraum,
  • wohnortnahe Kinderbetreuung,
  • sichere Mobilität,
  • soziale Infrastruktur,
  • familienfreundliche Quartiere.

Die Verbesserung dieser Rahmenbedingungen kann dazu beitragen, Familien im Alltag zu entlasten und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern.³

15.2.2 Demografischer Wandel erfordert langfristiges Handeln

Hessen steht wie alle deutschen Bundesländer vor den Herausforderungen einer alternden Bevölkerung und sinkender Geburtenzahlen. Gleichzeitig zeigen aktuelle Untersuchungen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB), dass viele Menschen weiterhin Kinder wünschen, die tatsächliche Kinderzahl jedoch häufig unter der gewünschten Kinderzahl liegt.⁴

Das BiB verweist ausdrücklich darauf, dass regionale Lebensbedingungen, die Verfügbarkeit bezahlbaren Wohnraums, Kinderbetreuung und wirtschaftliche Perspektiven die Familienplanung beeinflussen können.⁵

15.2.3 Wohnraum ist Familienpolitik

Die Untersuchung der Wohnraumsituation hat gezeigt, dass Familien in besonderem Maße auf ausreichend große und langfristig bezahlbare Wohnungen angewiesen sind.

Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) prognostiziert weiterhin einen hohen Wohnungsneubaubedarf und verweist insbesondere auf die hohe Nachfrage nach familiengeeigneten Wohnungen und Eigenheimen.⁶

Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, Wohnungsbaupolitik und Familienpolitik stärker miteinander zu verzahnen.⁷

15.2.4 Familienfreundliche Quartiere besitzen Schlüsselcharakter

Die Europäische Kommission beschreibt integrierte Quartiersentwicklung als wichtigen Bestandteil zukunftsfähiger Städte. Wohnraum, soziale Infrastruktur und öffentliche Dienstleistungen sollen dabei nicht isoliert betrachtet werden.⁸

Familienquartiere verbinden:

  • Wohnen,
  • Bildung,
  • Betreuung,
  • Mobilität,
  • Grünflächen,
  • soziale Infrastruktur.

Sie können deshalb einen zentralen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität von Familien leisten.⁹

15.2.5 Familienzentren haben sich bewährt

Die Entwicklung der Familienzentren in Hessen kann als erfolgreiches Beispiel familienfreundlicher Infrastrukturpolitik bewertet werden.

Nach Angaben des Hessischen Ministeriums für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege werden derzeit 242 Familienzentren gefördert. Diese Einrichtungen bieten wohnortnahe Beratung, Bildungsangebote, Begegnungsmöglichkeiten und praktische Unterstützung für Familien.¹⁰

Die Untersuchung spricht daher für eine langfristige Sicherung und Weiterentwicklung dieser Einrichtungen.¹¹


Fußnoten

¹ Vgl. European Commission, Cities of Tomorrow. Challenges, Visions, Ways Forward, Brüssel 2011, S. 67–83; OECD, Doing Better for Families, Paris 2011, S. 11–16.

² Vgl. OECD, Doing Better for Families, OECD Publishing, Paris 2011, S. 11–16.

³ Vgl. ebenda, S. 127–182.

⁴ Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), Kinderwünsche und ihre Verwirklichung: Zukunftssorgen, aber auch regionale Lebensbedingungen prägen die Familienplanung, Wiesbaden 2026.

⁵ Vgl. ebenda.

⁶ Vgl. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), Wohnungsbedarfsprognose Deutschland 2025 bis 2030, Bonn 2025.

⁷ Vgl. BiB, Kinderwünsche und ihre Verwirklichung, Wiesbaden 2026.

⁸ Vgl. European Commission, Cities of Tomorrow. Challenges, Visions, Ways Forward, Brüssel 2011, S. 67–83.

⁹ Vgl. ebenda, S. 89–95.

¹⁰ Vgl. Hessisches Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege, Landesregierung fördert 242 Familienzentren, Pressemitteilung vom 30.04.2026.

¹¹ Vgl. Regierungspräsidium Kassel, Familienzentren in Hessen – Förderprogramm des Landes Hessen.tel 15

Beschlussvorschlag und politische Umsetzungsempfehlungen für den Hessischen Landtag

15.1 Einleitung

Die vorangegangenen Kapitel dieser Denkschrift haben gezeigt, dass familienfreundliche Stadtentwicklung kein isoliertes Politikfeld darstellt. Vielmehr handelt es sich um einen integrierten Ansatz an der Schnittstelle von Familienpolitik, Wohnungsbaupolitik, Städtebau, Mobilität, Sozialpolitik und kommunaler Entwicklung.

Die Analyse der demografischen Entwicklung Hessens, der Wohnraumsituation von Familien, der Bedeutung von Familienzentren sowie internationaler Vergleichsbeispiele verdeutlicht, dass die Lebensqualität von Familien wesentlich von den räumlichen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen ihres Alltags abhängt.¹

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche konkreten politischen Schlussfolgerungen aus den gewonnenen Erkenntnissen zu ziehen sind.


15.2 Zentrale Erkenntnisse der Denkschrift

15.2.1 Familienpolitik ist mehr als Familienförderung

Die Untersuchungen der Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD) zeigen, dass erfolgreiche Familienpolitik nicht auf finanzielle Leistungen beschränkt ist, sondern Dienstleistungen, Kinderbetreuung, arbeitsmarktbezogene Maßnahmen und familienfreundliche Rahmenbedingungen umfasst.²

Hierzu gehören insbesondere:

  • bezahlbarer Wohnraum,
  • wohnortnahe Kinderbetreuung,
  • sichere Mobilität,
  • soziale Infrastruktur,
  • familienfreundliche Quartiere.

Die Verbesserung dieser Rahmenbedingungen kann dazu beitragen, Familien im Alltag zu entlasten und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern.³

15.2.2 Demografischer Wandel erfordert langfristiges Handeln

Hessen steht wie alle deutschen Bundesländer vor den Herausforderungen einer alternden Bevölkerung und sinkender Geburtenzahlen. Gleichzeitig zeigen aktuelle Untersuchungen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB), dass viele Menschen weiterhin Kinder wünschen, die tatsächliche Kinderzahl jedoch häufig unter der gewünschten Kinderzahl liegt.⁴

Das BiB verweist ausdrücklich darauf, dass regionale Lebensbedingungen, die Verfügbarkeit bezahlbaren Wohnraums, Kinderbetreuung und wirtschaftliche Perspektiven die Familienplanung beeinflussen können.⁵

15.2.3 Wohnraum ist Familienpolitik

Die Untersuchung der Wohnraumsituation hat gezeigt, dass Familien in besonderem Maße auf ausreichend große und langfristig bezahlbare Wohnungen angewiesen sind.

Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) prognostiziert weiterhin einen hohen Wohnungsneubaubedarf und verweist insbesondere auf die hohe Nachfrage nach familiengeeigneten Wohnungen und Eigenheimen.⁶

Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, Wohnungsbaupolitik und Familienpolitik stärker miteinander zu verzahnen.⁷

15.2.4 Familienfreundliche Quartiere besitzen Schlüsselcharakter

Die Europäische Kommission beschreibt integrierte Quartiersentwicklung als wichtigen Bestandteil zukunftsfähiger Städte. Wohnraum, soziale Infrastruktur und öffentliche Dienstleistungen sollen dabei nicht isoliert betrachtet werden.⁸

Familienquartiere verbinden:

  • Wohnen,
  • Bildung,
  • Betreuung,
  • Mobilität,
  • Grünflächen,
  • soziale Infrastruktur.

Sie können deshalb einen zentralen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität von Familien leisten.⁹

15.2.5 Familienzentren haben sich bewährt

Die Entwicklung der Familienzentren in Hessen kann als erfolgreiches Beispiel familienfreundlicher Infrastrukturpolitik bewertet werden.

Nach Angaben des Hessischen Ministeriums für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege werden derzeit 242 Familienzentren gefördert. Diese Einrichtungen bieten wohnortnahe Beratung, Bildungsangebote, Begegnungsmöglichkeiten und praktische Unterstützung für Familien.¹⁰

Die Untersuchung spricht daher für eine langfristige Sicherung und Weiterentwicklung dieser Einrichtungen.¹¹


Fußnoten

¹ Vgl. European Commission, Cities of Tomorrow. Challenges, Visions, Ways Forward, Brüssel 2011, S. 67–83; OECD, Doing Better for Families, Paris 2011, S. 11–16.

² Vgl. OECD, Doing Better for Families, OECD Publishing, Paris 2011, S. 11–16.

³ Vgl. ebenda, S. 127–182.

⁴ Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), Kinderwünsche und ihre Verwirklichung: Zukunftssorgen, aber auch regionale Lebensbedingungen prägen die Familienplanung, Wiesbaden 2026.

⁵ Vgl. ebenda.

⁶ Vgl. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), Wohnungsbedarfsprognose Deutschland 2025 bis 2030, Bonn 2025.

⁷ Vgl. BiB, Kinderwünsche und ihre Verwirklichung, Wiesbaden 2026.

⁸ Vgl. European Commission, Cities of Tomorrow. Challenges, Visions, Ways Forward, Brüssel 2011, S. 67–83.

⁹ Vgl. ebenda, S. 89–95.

¹⁰ Vgl. Hessisches Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege, Landesregierung fördert 242 Familienzentren, Pressemitteilung vom 30.04.2026.

¹¹ Vgl. Regierungspräsidium Kassel, Familienzentren in Hessen – Förderprogramm des Landes Hessen.Kapitel 15

Beschlussvorschlag und politische Umsetzungsempfehlungen für den Hessischen Landtag

15.1 Einleitung

Die vorangegangenen Kapitel dieser Denkschrift haben gezeigt, dass familienfreundliche Stadtentwicklung kein isoliertes Politikfeld darstellt. Vielmehr handelt es sich um einen integrierten Ansatz an der Schnittstelle von Familienpolitik, Wohnungsbaupolitik, Städtebau, Mobilität, Sozialpolitik und kommunaler Entwicklung.

Die Analyse der demografischen Entwicklung Hessens, der Wohnraumsituation von Familien, der Bedeutung von Familienzentren sowie internationaler Vergleichsbeispiele verdeutlicht, dass die Lebensqualität von Familien wesentlich von den räumlichen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen ihres Alltags abhängt.¹

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche konkreten politischen Schlussfolgerungen aus den gewonnenen Erkenntnissen zu ziehen sind.


15.2 Zentrale Erkenntnisse der Denkschrift

15.2.1 Familienpolitik ist mehr als Familienförderung

Die Untersuchungen der Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD) zeigen, dass erfolgreiche Familienpolitik nicht auf finanzielle Leistungen beschränkt ist, sondern Dienstleistungen, Kinderbetreuung, arbeitsmarktbezogene Maßnahmen und familienfreundliche Rahmenbedingungen umfasst.²

Hierzu gehören insbesondere:

  • bezahlbarer Wohnraum,
  • wohnortnahe Kinderbetreuung,
  • sichere Mobilität,
  • soziale Infrastruktur,
  • familienfreundliche Quartiere.

Die Verbesserung dieser Rahmenbedingungen kann dazu beitragen, Familien im Alltag zu entlasten und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern.³

15.2.2 Demografischer Wandel erfordert langfristiges Handeln

Hessen steht wie alle deutschen Bundesländer vor den Herausforderungen einer alternden Bevölkerung und sinkender Geburtenzahlen. Gleichzeitig zeigen aktuelle Untersuchungen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB), dass viele Menschen weiterhin Kinder wünschen, die tatsächliche Kinderzahl jedoch häufig unter der gewünschten Kinderzahl liegt.⁴

Das BiB verweist ausdrücklich darauf, dass regionale Lebensbedingungen, die Verfügbarkeit bezahlbaren Wohnraums, Kinderbetreuung und wirtschaftliche Perspektiven die Familienplanung beeinflussen können.⁵

15.2.3 Wohnraum ist Familienpolitik

Die Untersuchung der Wohnraumsituation hat gezeigt, dass Familien in besonderem Maße auf ausreichend große und langfristig bezahlbare Wohnungen angewiesen sind.

Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) prognostiziert weiterhin einen hohen Wohnungsneubaubedarf und verweist insbesondere auf die hohe Nachfrage nach familiengeeigneten Wohnungen und Eigenheimen.⁶

Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, Wohnungsbaupolitik und Familienpolitik stärker miteinander zu verzahnen.⁷

15.2.4 Familienfreundliche Quartiere besitzen Schlüsselcharakter

Die Europäische Kommission beschreibt integrierte Quartiersentwicklung als wichtigen Bestandteil zukunftsfähiger Städte. Wohnraum, soziale Infrastruktur und öffentliche Dienstleistungen sollen dabei nicht isoliert betrachtet werden.⁸

Familienquartiere verbinden:

  • Wohnen,
  • Bildung,
  • Betreuung,
  • Mobilität,
  • Grünflächen,
  • soziale Infrastruktur.

Sie können deshalb einen zentralen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität von Familien leisten.⁹

15.2.5 Familienzentren haben sich bewährt

Die Entwicklung der Familienzentren in Hessen kann als erfolgreiches Beispiel familienfreundlicher Infrastrukturpolitik bewertet werden.

Nach Angaben des Hessischen Ministeriums für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege werden derzeit 242 Familienzentren gefördert. Diese Einrichtungen bieten wohnortnahe Beratung, Bildungsangebote, Begegnungsmöglichkeiten und praktische Unterstützung für Familien.¹⁰

Die Untersuchung spricht daher für eine langfristige Sicherung und Weiterentwicklung dieser Einrichtungen.¹¹


Fußnoten

¹ Vgl. European Commission, Cities of Tomorrow. Challenges, Visions, Ways Forward, Brüssel 2011, S. 67–83; OECD, Doing Better for Families, Paris 2011, S. 11–16.

² Vgl. OECD, Doing Better for Families, OECD Publishing, Paris 2011, S. 11–16.

³ Vgl. ebenda, S. 127–182.

⁴ Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), Kinderwünsche und ihre Verwirklichung: Zukunftssorgen, aber auch regionale Lebensbedingungen prägen die Familienplanung, Wiesbaden 2026.

⁵ Vgl. ebenda.

⁶ Vgl. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), Wohnungsbedarfsprognose Deutschland 2025 bis 2030, Bonn 2025.

⁷ Vgl. BiB, Kinderwünsche und ihre Verwirklichung, Wiesbaden 2026.

⁸ Vgl. European Commission, Cities of Tomorrow. Challenges, Visions, Ways Forward, Brüssel 2011, S. 67–83.

⁹ Vgl. ebenda, S. 89–95.

¹⁰ Vgl. Hessisches Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege, Landesregierung fördert 242 Familienzentren, Pressemitteilung vom 30.04.2026.

¹¹ Vgl. Regierungspräsidium Kassel, Familienzentren in Hessen – Förderprogramm des Landes Hessen.Kapitel 11

Volkswirtschaftliche, gesellschaftliche und demografische Wirkungen einer familienfreundlichen Stadtentwicklung in Hessen

11.1 Einleitung

Politische Maßnahmen werden häufig anhand ihrer unmittelbaren Kosten bewertet. Für eine langfristige Beurteilung ist jedoch ebenso relevant, welche wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und demografischen Wirkungen Investitionen entfalten können.

Familienfreundliche Stadtentwicklung ist nicht ausschließlich Wohnungsbaupolitik. Sie verbindet Wohnraumversorgung, Infrastruktur, Mobilität, Bildung, soziale Unterstützung und kommunale Entwicklung zu einem integrierten Ansatz.

Die nachfolgende Analyse untersucht die möglichen Auswirkungen auf:

  • Familien,
  • Kinder und Jugendliche,
  • Kommunen,
  • Arbeitsmarkt,
  • Wohnungsmarkt,
  • gesellschaftlichen Zusammenhalt,
  • demografische Entwicklung in Hessen.

11.2 Auswirkungen auf Familien

11.2.1 Verbesserung der Lebensqualität

Die Qualität des Wohnumfeldes beeinflusst den Alltag von Familien erheblich.

Von besonderer Bedeutung sind:

  • ausreichend Wohnraum,
  • sichere Nachbarschaften,
  • kurze Wege,
  • Grün- und Freiflächen,
  • wohnortnahe Betreuung,
  • soziale Unterstützung.

Die OECD weist darauf hin, dass Wohnbedingungen, Infrastruktur und Dienstleistungen wichtige Bestandteile familienfreundlicher Rahmenbedingungen darstellen.

Familienfreundliche Quartiere können daher zu einer höheren Wohnzufriedenheit beitragen.


11.2.2 Entlastung im Alltag

Kurze Wege zwischen:

  • Wohnung,
  • Kindertagesstätte,
  • Schule,
  • Arzt,
  • Arbeitsplatz,
  • Nahversorgung

reduzieren Zeitaufwand und Organisationsbelastungen.

Besonders Familien mit mehreren Kindern profitieren von wohnortnahen Angeboten.

Dadurch entstehen nicht unmittelbar finanzielle, aber erhebliche zeitliche Entlastungen.


11.3 Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche

11.3.1 Bildungschancen

Wohnortnahe Bildungseinrichtungen verbessern die Erreichbarkeit von Bildungsangeboten.

Kinder profitieren insbesondere von:

  • kurzen Schulwegen,
  • wohnortnahen Betreuungsangeboten,
  • sicheren Wegen,
  • guten Freizeitmöglichkeiten.

Internationale Forschung verweist darauf, dass frühe Bildungsangebote langfristig positive Auswirkungen auf Bildungsbiografien entfalten können.¹


11.3.2 Gesundheit

Die World Health Organization (WHO) hebt die Bedeutung regelmäßiger körperlicher Aktivität für die Entwicklung von Kindern hervor. Dazu zählen insbesondere Gehen und Radfahren im Alltag.²

Sichere Schulwege und wohnortnahe Bewegungsräume fördern:

  • körperliche Aktivität,
  • Selbstständigkeit,
  • soziale Interaktion.

11.3.3 Soziale Entwicklung

Wohnquartiere mit:

  • Spielplätzen,
  • Vereinen,
  • Familienzentren,
  • Begegnungsräumen

schaffen Räume sozialer Kontakte.

Kinder und Jugendliche können dadurch soziale Kompetenzen und lokale Bindungen entwickeln.


11.4 Auswirkungen auf Kommunen

11.4.1 Standortattraktivität

Städte und Gemeinden konkurrieren zunehmend um Einwohnerinnen und Einwohner sowie um Fachkräfte.

Familienfreundliche Rahmenbedingungen können zur Attraktivität eines Standortes beitragen.

Zu den relevanten Faktoren gehören:

  • Wohnraum,
  • Bildungsangebote,
  • Mobilität,
  • Lebensqualität,
  • soziale Infrastruktur.

Insbesondere Mittelstädte in Hessen könnten hiervon profitieren.


11.4.2 Einwohnerbindung

Wohnzufriedenheit beeinflusst die langfristige Bindung an einen Wohnort.

Familienfreundliche Quartiere können dazu beitragen,

  • Abwanderungen zu vermeiden,
  • die Identifikation mit der Kommune zu stärken,
  • lokale Gemeinschaften zu stabilisieren.

11.4.3 Kommunale Entwicklung

Langfristig können stabile Familienstrukturen positive Wirkungen auf:

  • Vereine,
  • Ehrenamt,
  • Schulen,
  • Quartiere,
  • lokale Wirtschaft

entfalten.

Familienfreundliche Stadtentwicklung wirkt damit über den Wohnungsmarkt hinaus.


11.5 Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

11.5.1 Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Die OECD betrachtet die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als eines der zentralen Ziele moderner Familienpolitik.³

Wohnortnahe Betreuungseinrichtungen und kurze Wege können dazu beitragen,

  • Erwerbsarbeit zu erleichtern,
  • Pendelzeiten zu reduzieren,
  • Zeitressourcen effizienter zu nutzen.

11.5.2 Fachkräftesicherung

Hessen steht wie andere Bundesländer vor Herausforderungen der Fachkräftesicherung.

Arbeitskräfte berücksichtigen bei der Wahl ihres Wohnortes zunehmend:

  • Wohnkosten,
  • Kinderbetreuung,
  • Bildungsangebote,
  • Lebensqualität.

Familienfreundliche Städte und Gemeinden können somit einen Standortvorteil darstellen.


11.6 Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt

11.6.1 Ausbau familiengerechter Wohnungsangebote

Die Förderung familienfreundlichen Wohnungsbaus kann dazu beitragen,

  • das Angebot größerer Wohnungen zu erhöhen,
  • Wohnraumengpässe zu verringern,
  • Familien stärker zu berücksichtigen.

Das BBSR verweist auf die weiterhin hohe Nachfrage nach Familienwohnungen und Eigenheimen.⁴


11.6.2 Kommunale Bodenpolitik

Die Nutzung von Instrumenten wie:

  • Erbbaurechten,
  • kommunaler Bodenbevorratung,
  • Konzeptvergaben

kann die Handlungsmöglichkeiten der Kommunen stärken.

Dadurch können Städte und Gemeinden langfristig stärker Einfluss auf die Wohnraumentwicklung nehmen.


11.7 Auswirkungen auf die demografische Entwicklung

11.7.1 Wissenschaftlicher Forschungsstand

Die demografische Forschung weist darauf hin, dass Geburtenentscheidungen von zahlreichen Faktoren beeinflusst werden.

Hierzu gehören insbesondere:

  • wirtschaftliche Sicherheit,
  • Kinderbetreuung,
  • Wohnraum,
  • Partnerschaft,
  • Arbeitsmarktbedingungen.

Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) verweist darauf, dass regionale Lebensbedingungen die Familienplanung beeinflussen können.⁵


11.7.2 Kinderwünsche und Lebensbedingungen

Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass die gewünschte Kinderzahl häufig über der tatsächlich realisierten Kinderzahl liegt.⁶

Familienfreundliche Wohn- und Lebensbedingungen können dazu beitragen,

  • Unsicherheiten zu verringern,
  • Planbarkeit zu erhöhen,
  • bestehende Kinderwünsche leichter zu verwirklichen.

11.7.3 Wissenschaftliche Grenzen

Nicht wissenschaftlich belegbar sind Aussagen wie:

  • bestimmte zusätzliche Geburtenzahlen,
  • exakt messbare Geburtenanstiege,
  • direkte Kausalwirkungen einzelner Maßnahmen.

Solche Aussagen werden bewusst nicht getroffen.

Wissenschaftlich vertretbar ist hingegen die Einschätzung, dass günstige Rahmenbedingungen die Verwirklichung bestehender Kinderwünsche erleichtern können.⁷


11.8 Gesellschaftlicher Zusammenhalt

11.8.1 Nachbarschaften

Familienzentren, Begegnungsorte und öffentliche Räume fördern soziale Kontakte.

Sie können dazu beitragen,

  • Isolation zu reduzieren,
  • Engagement zu fördern,
  • lokale Netzwerke zu stärken.

11.8.2 Generationenübergreifende Wirkungen

Familienfreundliche Quartiere kommen nicht ausschließlich Familien mit Kindern zugute.

Profitieren können auch:

  • Seniorinnen und Senioren,
  • Menschen mit Behinderungen,
  • Alleinlebende,
  • pflegende Angehörige.

Kurze Wege und wohnortnahe Infrastruktur erhöhen die Lebensqualität unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen.


11.9 Volkswirtschaftliche Einordnung

11.9.1 Investitionscharakter

Maßnahmen der familienfreundlichen Stadtentwicklung besitzen überwiegend investiven Charakter.

Dies gilt insbesondere für:

  • Wohnungsbau,
  • Familienzentren,
  • Schulwegsicherheit,
  • Grünanlagen,
  • Quartiersentwicklung.

Die Wirkungen erstrecken sich regelmäßig über viele Jahre.


11.9.2 Langfristige Nutzenpotenziale

Mögliche langfristige Effekte umfassen:

  • höhere Lebensqualität,
  • Attraktivitätssteigerung von Kommunen,
  • stärkere Einwohnerbindung,
  • bessere Rahmenbedingungen für Familien.

Eine exakte monetäre Bewertung aller Wirkungen ist wissenschaftlich nicht möglich.


11.10 Fazit

Familienfreundliche Stadtentwicklung kann positive Wirkungen auf Familien, Kinder, Kommunen und die gesellschaftliche Entwicklung entfalten.

Die Forschung spricht insbesondere dafür, dass:

  • Wohnraum,
  • Familienzentren,
  • sichere Mobilität,
  • soziale Infrastruktur,
  • familienfreundliche Quartiere

wichtige Rahmenbedingungen für Lebensqualität und Familienfreundlichkeit darstellen.

Für Hessen ergibt sich daraus die Möglichkeit, Familienpolitik, Wohnungsbau, Stadtentwicklung und kommunale Infrastruktur stärker miteinander zu verbinden und dadurch langfristig attraktivere Lebensbedingungen für Familien zu schaffen.


Fußnoten

¹ Vgl. OECD, Doing Better for Families, Paris 2011.

² Vgl. WHO, Physical Activity – Fact Sheet, aktualisierte Fassung 2024.

³ Vgl. OECD, Doing Better for Families, Kapitel „Reducing Barriers to Parental Employment“.

⁴ Vgl. BBSR, Wohnungsbedarfsprognose 2025.

⁵ Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), Kinderwünsche und ihre Verwirklichung in Deutschland.

⁶ Ebenda.

⁷ Vgl. BiB; OECD, Housing and Family Outcomes.

KapitKapitel 11

Volkswirtschaftliche, gesellschaftliche und demografische Wirkungen einer familienfreundlichen Stadtentwicklung in Hessen

11.1 Einleitung

Politische Maßnahmen werden häufig anhand ihrer unmittelbaren Kosten bewertet. Für eine langfristige Beurteilung ist jedoch ebenso relevant, welche wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und demografischen Wirkungen Investitionen entfalten können.

Familienfreundliche Stadtentwicklung ist nicht ausschließlich Wohnungsbaupolitik. Sie verbindet Wohnraumversorgung, Infrastruktur, Mobilität, Bildung, soziale Unterstützung und kommunale Entwicklung zu einem integrierten Ansatz.

Die nachfolgende Analyse untersucht die möglichen Auswirkungen auf:

  • Familien,
  • Kinder und Jugendliche,
  • Kommunen,
  • Arbeitsmarkt,
  • Wohnungsmarkt,
  • gesellschaftlichen Zusammenhalt,
  • demografische Entwicklung in Hessen.

11.2 Auswirkungen auf Familien

11.2.1 Verbesserung der Lebensqualität

Die Qualität des Wohnumfeldes beeinflusst den Alltag von Familien erheblich.

Von besonderer Bedeutung sind:

  • ausreichend Wohnraum,
  • sichere Nachbarschaften,
  • kurze Wege,
  • Grün- und Freiflächen,
  • wohnortnahe Betreuung,
  • soziale Unterstützung.

Die OECD weist darauf hin, dass Wohnbedingungen, Infrastruktur und Dienstleistungen wichtige Bestandteile familienfreundlicher Rahmenbedingungen darstellen.

Familienfreundliche Quartiere können daher zu einer höheren Wohnzufriedenheit beitragen.


11.2.2 Entlastung im Alltag

Kurze Wege zwischen:

  • Wohnung,
  • Kindertagesstätte,
  • Schule,
  • Arzt,
  • Arbeitsplatz,
  • Nahversorgung

reduzieren Zeitaufwand und Organisationsbelastungen.

Besonders Familien mit mehreren Kindern profitieren von wohnortnahen Angeboten.

Dadurch entstehen nicht unmittelbar finanzielle, aber erhebliche zeitliche Entlastungen.


11.3 Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche

11.3.1 Bildungschancen

Wohnortnahe Bildungseinrichtungen verbessern die Erreichbarkeit von Bildungsangeboten.

Kinder profitieren insbesondere von:

  • kurzen Schulwegen,
  • wohnortnahen Betreuungsangeboten,
  • sicheren Wegen,
  • guten Freizeitmöglichkeiten.

Internationale Forschung verweist darauf, dass frühe Bildungsangebote langfristig positive Auswirkungen auf Bildungsbiografien entfalten können.¹


11.3.2 Gesundheit

Die World Health Organization (WHO) hebt die Bedeutung regelmäßiger körperlicher Aktivität für die Entwicklung von Kindern hervor. Dazu zählen insbesondere Gehen und Radfahren im Alltag.²

Sichere Schulwege und wohnortnahe Bewegungsräume fördern:

  • körperliche Aktivität,
  • Selbstständigkeit,
  • soziale Interaktion.

11.3.3 Soziale Entwicklung

Wohnquartiere mit:

  • Spielplätzen,
  • Vereinen,
  • Familienzentren,
  • Begegnungsräumen

schaffen Räume sozialer Kontakte.

Kinder und Jugendliche können dadurch soziale Kompetenzen und lokale Bindungen entwickeln.


11.4 Auswirkungen auf Kommunen

11.4.1 Standortattraktivität

Städte und Gemeinden konkurrieren zunehmend um Einwohnerinnen und Einwohner sowie um Fachkräfte.

Familienfreundliche Rahmenbedingungen können zur Attraktivität eines Standortes beitragen.

Zu den relevanten Faktoren gehören:

  • Wohnraum,
  • Bildungsangebote,
  • Mobilität,
  • Lebensqualität,
  • soziale Infrastruktur.

Insbesondere Mittelstädte in Hessen könnten hiervon profitieren.


11.4.2 Einwohnerbindung

Wohnzufriedenheit beeinflusst die langfristige Bindung an einen Wohnort.

Familienfreundliche Quartiere können dazu beitragen,

  • Abwanderungen zu vermeiden,
  • die Identifikation mit der Kommune zu stärken,
  • lokale Gemeinschaften zu stabilisieren.

11.4.3 Kommunale Entwicklung

Langfristig können stabile Familienstrukturen positive Wirkungen auf:

  • Vereine,
  • Ehrenamt,
  • Schulen,
  • Quartiere,
  • lokale Wirtschaft

entfalten.

Familienfreundliche Stadtentwicklung wirkt damit über den Wohnungsmarkt hinaus.


11.5 Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

11.5.1 Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Die OECD betrachtet die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als eines der zentralen Ziele moderner Familienpolitik.³

Wohnortnahe Betreuungseinrichtungen und kurze Wege können dazu beitragen,

  • Erwerbsarbeit zu erleichtern,
  • Pendelzeiten zu reduzieren,
  • Zeitressourcen effizienter zu nutzen.

11.5.2 Fachkräftesicherung

Hessen steht wie andere Bundesländer vor Herausforderungen der Fachkräftesicherung.

Arbeitskräfte berücksichtigen bei der Wahl ihres Wohnortes zunehmend:

  • Wohnkosten,
  • Kinderbetreuung,
  • Bildungsangebote,
  • Lebensqualität.

Familienfreundliche Städte und Gemeinden können somit einen Standortvorteil darstellen.


11.6 Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt

11.6.1 Ausbau familiengerechter Wohnungsangebote

Die Förderung familienfreundlichen Wohnungsbaus kann dazu beitragen,

  • das Angebot größerer Wohnungen zu erhöhen,
  • Wohnraumengpässe zu verringern,
  • Familien stärker zu berücksichtigen.

Das BBSR verweist auf die weiterhin hohe Nachfrage nach Familienwohnungen und Eigenheimen.⁴


11.6.2 Kommunale Bodenpolitik

Die Nutzung von Instrumenten wie:

  • Erbbaurechten,
  • kommunaler Bodenbevorratung,
  • Konzeptvergaben

kann die Handlungsmöglichkeiten der Kommunen stärken.

Dadurch können Städte und Gemeinden langfristig stärker Einfluss auf die Wohnraumentwicklung nehmen.


11.7 Auswirkungen auf die demografische Entwicklung

11.7.1 Wissenschaftlicher Forschungsstand

Die demografische Forschung weist darauf hin, dass Geburtenentscheidungen von zahlreichen Faktoren beeinflusst werden.

Hierzu gehören insbesondere:

  • wirtschaftliche Sicherheit,
  • Kinderbetreuung,
  • Wohnraum,
  • Partnerschaft,
  • Arbeitsmarktbedingungen.

Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) verweist darauf, dass regionale Lebensbedingungen die Familienplanung beeinflussen können.⁵


11.7.2 Kinderwünsche und Lebensbedingungen

Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass die gewünschte Kinderzahl häufig über der tatsächlich realisierten Kinderzahl liegt.⁶

Familienfreundliche Wohn- und Lebensbedingungen können dazu beitragen,

  • Unsicherheiten zu verringern,
  • Planbarkeit zu erhöhen,
  • bestehende Kinderwünsche leichter zu verwirklichen.

11.7.3 Wissenschaftliche Grenzen

Nicht wissenschaftlich belegbar sind Aussagen wie:

  • bestimmte zusätzliche Geburtenzahlen,
  • exakt messbare Geburtenanstiege,
  • direkte Kausalwirkungen einzelner Maßnahmen.

Solche Aussagen werden bewusst nicht getroffen.

Wissenschaftlich vertretbar ist hingegen die Einschätzung, dass günstige Rahmenbedingungen die Verwirklichung bestehender Kinderwünsche erleichtern können.⁷


11.8 Gesellschaftlicher Zusammenhalt

11.8.1 Nachbarschaften

Familienzentren, Begegnungsorte und öffentliche Räume fördern soziale Kontakte.

Sie können dazu beitragen,

  • Isolation zu reduzieren,
  • Engagement zu fördern,
  • lokale Netzwerke zu stärken.

11.8.2 Generationenübergreifende Wirkungen

Familienfreundliche Quartiere kommen nicht ausschließlich Familien mit Kindern zugute.

Profitieren können auch:

  • Seniorinnen und Senioren,
  • Menschen mit Behinderungen,
  • Alleinlebende,
  • pflegende Angehörige.

Kurze Wege und wohnortnahe Infrastruktur erhöhen die Lebensqualität unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen.


11.9 Volkswirtschaftliche Einordnung

11.9.1 Investitionscharakter

Maßnahmen der familienfreundlichen Stadtentwicklung besitzen überwiegend investiven Charakter.

Dies gilt insbesondere für:

  • Wohnungsbau,
  • Familienzentren,
  • Schulwegsicherheit,
  • Grünanlagen,
  • Quartiersentwicklung.

Die Wirkungen erstrecken sich regelmäßig über viele Jahre.


11.9.2 Langfristige Nutzenpotenziale

Mögliche langfristige Effekte umfassen:

  • höhere Lebensqualität,
  • Attraktivitätssteigerung von Kommunen,
  • stärkere Einwohnerbindung,
  • bessere Rahmenbedingungen für Familien.

Eine exakte monetäre Bewertung aller Wirkungen ist wissenschaftlich nicht möglich.


11.10 Fazit

Familienfreundliche Stadtentwicklung kann positive Wirkungen auf Familien, Kinder, Kommunen und die gesellschaftliche Entwicklung entfalten.

Die Forschung spricht insbesondere dafür, dass:

  • Wohnraum,
  • Familienzentren,
  • sichere Mobilität,
  • soziale Infrastruktur,
  • familienfreundliche Quartiere

wichtige Rahmenbedingungen für Lebensqualität und Familienfreundlichkeit darstellen.

Für Hessen ergibt sich daraus die Möglichkeit, Familienpolitik, Wohnungsbau, Stadtentwicklung und kommunale Infrastruktur stärker miteinander zu verbinden und dadurch langfristig attraktivere Lebensbedingungen für Familien zu schaffen.


Fußnoten

¹ Vgl. OECD, Doing Better for Families, Paris 2011.

² Vgl. WHO, Physical Activity – Fact Sheet, aktualisierte Fassung 2024.

³ Vgl. OECD, Doing Better for Families, Kapitel „Reducing Barriers to Parental Employment“.

⁴ Vgl. BBSR, Wohnungsbedarfsprognose 2025.

⁵ Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), Kinderwünsche und ihre Verwirklichung in Deutschland.

⁶ Ebenda.

⁷ Vgl. BiB; OECD, Housing and Family Outcomes.

el 10

Finanzierung eines Landesprogramms „Familienfreundliche Stadtentwicklung Hessen 2045“

10.1 Einleitung

Die Umsetzung familienfreundlicher Stadtentwicklung setzt verlässliche finanzielle Rahmenbedingungen voraus. Dabei stellt sich nicht die Frage, ob Investitionen erforderlich sind, sondern wie vorhandene Förderinstrumente effizient genutzt und sinnvoll miteinander verknüpft werden können.

Die Analyse der bestehenden Förderlandschaft zeigt, dass Hessen bereits über zahlreiche Programme in den Bereichen Wohnraumförderung, Städtebauförderung, Quartiersentwicklung und Familienförderung verfügt. Die zentrale Herausforderung besteht daher weniger in der Schaffung neuer Förderstrukturen als in deren strategischer Bündelung. Die hessische Wohnraumförderung verfolgt bereits das Ziel, bezahlbaren Wohnraum bereitzustellen und Impulse für die Stadtentwicklung zu geben. [wirtschaft.hessen.de], [wirtschaft.hessen.de]


10.2 Bestehende Finanzierungsinstrumente in Hessen

10.2.1 Soziale Wohnraumförderung

Die soziale Wohnraumförderung bildet einen zentralen Baustein der hessischen Wohnungspolitik.

Nach Angaben des Landes Hessen konnten im Programmjahr 2025 Fördermittel für insgesamt 5.216 Wohnungen und Wohnplätze bereitgestellt werden. Hierfür wurden unter anderem eingesetzt:

  • 365,7 Mio. Euro für den Neubau von Mietwohnungen,
  • 150,3 Mio. Euro für die Modernisierung von Mietwohnungen,
  • 46,4 Mio. Euro für Wohnplätze von Studierenden und Auszubildenden,
  • 36,2 Mio. Euro für Belegungsrechte,
  • 86,5 Mio. Euro für Hessen-Darlehen,
  • 4,0 Mio. Euro für den behindertengerechten Umbau. [wirtschaft.hessen.de]

Diese Zahlen verdeutlichen, dass Hessen bereits heute erhebliche Mittel zur Wohnraumversorgung einsetzt.


10.2.2 Städtebauförderung

Die Städtebauförderung stellt ein weiteres bedeutendes Finanzierungsinstrument dar.

In Hessen werden Kommunen unter anderem über die Programme

  • „Lebendige Zentren“,
  • „Sozialer Zusammenhalt“,
  • „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“

unterstützt. Ziel ist die Entwicklung attraktiver Wohn- und Lebensräume sowie die Bewältigung demografischer, wirtschaftlicher und städtebaulicher Herausforderungen. [hessen-agentur.de], [nachhaltig...-hessen.de]

Im Jahr 2025 unterstützten Bund und Land Hessen 81 Kommunen mit insgesamt 107,5 Mio. Euro für die Gestaltung lebenswerter Quartiere. [wirtschaft.hessen.de]


10.2.3 Familienzentren

Auch im Bereich der Familienförderung existieren bereits landesweite Programme.

Die Förderung der Familienzentren zeigt, dass Hessen wohnortnahe Unterstützungsangebote als wichtigen Bestandteil moderner Familienpolitik versteht. Eine stärkere Verzahnung von Familienzentren mit Quartiersentwicklung und Wohnungsbau erscheint daher sachgerecht.


10.3 Grundprinzip der Finanzierung

10.3.1 Keine vollständig neuen Strukturen erforderlich

Für ein Landesprogramm „Familienfreundliche Stadtentwicklung Hessen 2045“ ist die Schaffung einer vollständig neuen Förderarchitektur nicht zwingend erforderlich.

Stattdessen kann auf bestehende Instrumente zurückgegriffen werden:

  • Wohnraumförderung,
  • Städtebauförderung,
  • Familienförderung,
  • Kommunalförderung,
  • Programme der WIBank.

Dadurch lassen sich Verwaltungskosten begrenzen und bestehende Erfahrungen nutzen.


10.3.2 Integrierter Förderansatz

Zukünftige Förderentscheidungen sollten stärker daran gekoppelt werden, ob Projekte familienfreundliche Ziele verfolgen.

Bewertet werden könnten beispielsweise:

  • Anteil familiengeeigneter Wohnungen,
  • Kita- und Schulnähe,
  • Grünflächenversorgung,
  • Familienzentren,
  • Schulwegsicherheit,
  • Barrierefreiheit.

10.4 Finanzierungsmodell

10.4.1 Mehr-Ebenen-Finanzierung

Familienfreundliche Stadtentwicklung sollte als Gemeinschaftsaufgabe von

  • Land Hessen,
  • Kommunen,
  • Bund

verstanden werden.

Hierfür bietet sich ein Finanzierungsmodell mit drei Ebenen an.

Landesebene

Förderung von:

  • Familienquartieren,
  • Familienzentren,
  • Modellprojekten,
  • Beratung.

Kommunale Ebene

Finanzierung von:

  • Grundstücken,
  • Planung,
  • Betrieb lokaler Einrichtungen.

Bundesebene

Nutzung bestehender Programme:

  • soziale Wohnraumförderung,
  • Städtebauförderung,
  • KfW-Programme.

10.4.2 Musterfinanzierung

Für Modellprojekte könnte folgende Struktur Anwendung finden:

FinanzierungsquelleAnteil
Land Hessen50 %
Kommune30 %
Bund / Drittmittel20 %

Dieses Modell orientiert sich an den Grundsätzen bestehender Förderprogramme.


10.5 Modellrechnung für Hessen

10.5.1 Basisszenario

Annahmen:

  • 20 Modellkommunen,
  • familienfreundliche Quartiersmaßnahmen,
  • Familienzentren,
  • Schulwegmaßnahmen.

Jährlicher Landesanteil:

50 Mio. Euro


10.5.2 Ausbauszenario

Annahmen:

  • 50 Kommunen,
  • landesweite Umsetzung,
  • umfassende Quartiersentwicklung.

Jährlicher Landesanteil:

100 bis 150 Mio. Euro


10.5.3 Einordnung

Zum Vergleich:

Allein im Jahr 2025 stellte Hessen rund 365,7 Mio. Euro für den Neubau von Mietwohnungen bereit. [wirtschaft.hessen.de]

Die vorgeschlagenen Mittel würden somit innerhalb der Größenordnung bestehender wohnungspolitischer Fördermaßnahmen liegen.


10.6 Volkswirtschaftliche Wirkungen

10.6.1 Direkte Effekte

Investitionen in familienfreundliche Infrastruktur erzeugen unmittelbare Nachfrage in den Bereichen:

  • Bauwirtschaft,
  • Handwerk,
  • Planungsleistungen,
  • Dienstleistungen.

10.6.2 Indirekte Effekte

Mögliche mittelbare Wirkungen:

  • höhere Standortattraktivität,
  • stärkere Einwohnerbindung,
  • bessere Lebensqualität,
  • attraktivere Wohnstandorte.

10.6.3 Langfristige Effekte

Langfristig können familienfreundliche Wohn- und Lebensbedingungen dazu beitragen,

  • Wanderungsverluste zu reduzieren,
  • Kommunen zu stabilisieren,
  • Wohnstandorte aufzuwerten.

Eine exakte Quantifizierung möglicher demografischer Effekte ist wissenschaftlich jedoch nicht möglich.


10.7 Finanzierung der Familienzentren

Die hessischen Familienzentren stellen ein Beispiel vergleichsweise kosteneffizienter Familienförderung dar.

Da die Infrastruktur bereits vorhanden ist, können zusätzliche Investitionen besonders wirksam sein, wenn sie mit Quartiersentwicklung, Bildungseinrichtungen und kommunalen Angeboten verknüpft werden.


10.8 Finanzierung kommunaler Familienerbpacht

Besondere Chancen bestehen im Bereich kommunaler Bodenpolitik.

Da Grundstücke im Eigentum der Kommune verbleiben, entstehen langfristige Steuerungsmöglichkeiten.

Das Land könnte Modellkommunen unterstützen durch:

  • Beratungsprogramme,
  • Projektförderung,
  • Anschubfinanzierung.

Hierfür wären vergleichsweise geringe Haushaltsmittel erforderlich.


10.9 Wissenschaftliche Bewertung

Die vorhandenen Programme zeigen, dass Hessen bereits heute erhebliche Mittel in Wohnraum, Quartiersentwicklung und soziale Infrastruktur investiert. [wirtschaft.hessen.de], [hessen-agentur.de], [nachhaltig...-hessen.de]

Eine familienfreundliche Stadtentwicklung würde keine vollständige Neuschaffung von Förderstrukturen erfordern, sondern primär eine stärkere Verzahnung bestehender Programme.

Aus wissenschaftlicher Sicht spricht dies für eine hohe finanzielle Realisierbarkeit.


10.10 Fazit

Die Finanzierung eines Landesprogramms „Familienfreundliche Stadtentwicklung Hessen 2045“ erscheint grundsätzlich realisierbar. Hessen verfügt bereits über leistungsfähige Förderinstrumente im Bereich Wohnungsbau und Stadtentwicklung. Eine stärkere Ausrichtung dieser Programme auf Familienfreundlichkeit könnte mit vergleichsweise begrenztem Mitteleinsatz erhebliche Wirkungen für Wohnqualität, Quartiersentwicklung und Familienförderung entfalten. [wirtschaft.hessen.de], [wirtschaft.hessen.de], [nachhaltig...-hessen.de]

Fußnoten

¹ Vgl. Soziale Wohnraumförderung Hessen, Hessen Wirtschaft. Fördermittel für 5.216 Wohnungen und Wohnplätze im Programmjahr 2025. [wirtschaft.hessen.de]

² Vgl. Städtebauförderung, Hessen Agentur. Unterstützung der Programme „Lebendige Zentren“, „Sozialer Zusammenhalt“ und „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“. [hessen-agentur.de]

³ Vgl. Wachstum und nachhaltige Erneuerung, Nachhaltige Stadtentwicklung Hessen. Unterstützung lebenswerter und zukunftsfähiger Quartiere im demografischen Wandel. [nachhaltig...-hessen.de]

⁴ Vgl. Städtebau Hessen, Fördermittel von 107,5 Mio. Euro für 81 Kommunen im Jahr 2025. [wirtschaft.hessen.de]

⁵ Vgl. Richtlinie des Landes Hessen zur sozialen Mietwohnraumförderung. Förderziel ist die Versorgung von Haushalten mit bezahlbarem Wohnraum.kapitel 7
Copilot said:

Kapitel 7

Familienzentren als Baustein einer präventiven Familienpolitik

7.1 Einleitung

Familien stehen heute vor vielfältigen Herausforderungen. Neben wirtschaftlichen Belastungen gewinnen Fragen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, der sozialen Unterstützung, der Erziehungsberatung sowie der wohnortnahen Vernetzung zunehmend an Bedeutung.

Vor diesem Hintergrund haben sich Familienzentren in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Instrument moderner Familienpolitik entwickelt. Sie verbinden Bildungs-, Beratungs-, Begegnungs- und Unterstützungsangebote an einem Ort und verfolgen das Ziel, Familien frühzeitig und niedrigschwellig zu erreichen. Hessen Familie beschreibt Familienzentren als Treffpunkte für Menschen unterschiedlicher Generationen und Kulturen sowie als Orte der Beratung, Information und Unterstützung in verschiedenen Lebensphasen.

Familienzentren sind damit nicht nur soziale Einrichtungen, sondern zugleich Bestandteile einer familienfreundlichen Infrastruktur.


7.2 Begriff und Aufgaben von Familienzentren

7.2.1 Definition

Nach Angaben des Regierungspräsidiums Kassel sind Familienzentren „Knotenpunkte in einem Netzwerk von Kooperation und Information“, die unterschiedliche familienbezogene Leistungen bündeln und weiterentwickeln. Zu ihren Handlungsfeldern gehören Bildung, Erziehung, Beratung, Information, Unterstützung, Begegnung und Austausch.

Die Einrichtungen stehen Menschen aller Generationen offen und verfolgen einen präventiven Ansatz.


7.2.2 Zentrale Aufgaben

Familienzentren bieten regelmäßig:

  • Eltern- und Familienbildung,
  • Erziehungsberatung,
  • Informationsangebote,
  • Begegnungsmöglichkeiten,
  • Unterstützungsangebote für Familien,
  • generationenübergreifende Aktivitäten.

Nach Angaben des Landes Hessen werden darüber hinaus Angebote in den Bereichen Gesundheit, Medienkompetenz, Ernährung, Sozialberatung, Spiel- und Krabbelgruppen sowie Freizeitgestaltung bereitgestellt.

Dadurch entstehen wohnortnahe Anlaufstellen, die Familien im Alltag unterstützen.


7.3 Familienzentren in Hessen

7.3.1 Entwicklung des Förderprogramms

Das Förderprogramm des Landes Hessen besteht seit dem Jahr 2011. Zu Beginn wurden 46 Einrichtungen gefördert. Bis 2026 stieg die Zahl der geförderten Familienzentren auf 242 Einrichtungen an. Damit hat sich die Anzahl der geförderten Familienzentren innerhalb von fünfzehn Jahren mehr als verfünffacht.

Die Hessische Landesregierung bezeichnet dieses Wachstum ausdrücklich als Erfolg familienfreundlicher Infrastrukturpolitik.


7.3.2 Landesweite Verbreitung

Die Familienzentren befinden sich sowohl in Ballungsräumen als auch in ländlichen Regionen Hessens. Nach Angaben der Landesservicestelle Familienzentren Hessen stellen die Einrichtungen wohnortnahe Anlaufstellen für Familien in unterschiedlichen Lebenssituationen dar.

Die breite regionale Verteilung ermöglicht eine vergleichsweise flächendeckende Unterstützung.


7.3.3 Förderstruktur

Die Förderung erfolgt über das Land Hessen. Nach Angaben des Regierungspräsidiums Kassel kann die Förderung bis zu 18.000 Euro pro Einrichtung und Haushaltsjahr betragen. Gefördert werden Personal- und Sachausgaben für Leitung, Koordination, Vernetzung, Management sowie die Durchführung der Angebote.

Zusätzlich unterstützt die Landesservicestelle die Einrichtungen durch:

  • Beratung,
  • Qualifizierung,
  • Vernetzung,
  • Fachinformationen.

7.4 Wissenschaftliche Bedeutung von Familienzentren

7.4.1 Prävention statt Intervention

Moderne Sozialpolitik verfolgt zunehmend präventive Ansätze. Ziel präventiver Familienpolitik ist es, Probleme möglichst frühzeitig zu vermeiden oder abzumildern.

Familienzentren können hierzu beitragen, indem sie:

  • frühzeitig Beratung anbieten,
  • Unterstützungsbedarfe erkennen,
  • soziale Isolation verhindern,
  • den Zugang zu Hilfsangeboten erleichtern.

Die Hessische Landesregierung hebt hervor, dass Familienzentren insbesondere niedrigschwellige Unterstützungsangebote bereitstellen und soziale Teilhabe fördern.


7.4.2 Stärkung sozialer Netzwerke

Soziale Netzwerke besitzen für Familien eine hohe Bedeutung.

Die Landesregierung verweist darauf, dass Familienzentren Menschen zusammenbringen, Begegnungen ermöglichen und Gemeinschaft stärken. Sie können Einsamkeit vorbeugen und gesellschaftliche Teilhabe fördern.

Damit erfüllen Familienzentren wichtige sozialintegrative Funktionen.


7.4.3 Generationenübergreifender Ansatz

Familienzentren richten sich nicht ausschließlich an Familien mit kleinen Kindern.

Nach Angaben des Landes Hessen stehen sie Menschen „von 0 bis 99 Jahren“ offen und verfolgen ausdrücklich einen generationenübergreifenden Ansatz.

Dadurch entstehen Begegnungsorte für:

  • Kinder,
  • Jugendliche,
  • Eltern,
  • Großeltern,
  • Senioren.

7.5 Familienzentren und familienfreundliche Stadtentwicklung

7.5.1 Familienzentren als Quartiersanker

Familienfreundliche Quartiere benötigen nicht nur Wohnungen und Infrastruktur, sondern auch soziale Einrichtungen.

Familienzentren können als sogenannte Quartiersanker wirken, indem sie:

  • Beratung bündeln,
  • soziale Kontakte fördern,
  • Bildungsangebote bereitstellen,
  • Nachbarschaften stärken.

Sie ergänzen somit die bauliche Infrastruktur um eine soziale Infrastruktur.


7.5.2 Verbindung zu anderen Politikfeldern

Familienzentren besitzen Schnittstellen zu:

  • Familienpolitik,
  • Sozialpolitik,
  • Bildungspolitik,
  • Gesundheitspolitik,
  • Integrationspolitik,
  • Stadtentwicklung.

Gerade diese Vernetzungsfunktion macht sie für eine integrierte Familienpolitik besonders wertvoll.


7.6 Handlungsperspektiven für Hessen

7.6.1 Ausbau des Netzes

Trotz des starken Ausbaus besteht Potenzial für weitere Einrichtungen.

Besonders geprüft werden sollten:

  • Neubaugebiete,
  • wachsende Mittelstädte,
  • sozial benachteiligte Quartiere,
  • ländliche Regionen.

7.6.2 Langfristige Finanzierung

Familienzentren übernehmen dauerhaft wichtige Aufgaben.

Daher sollte geprüft werden,

  • die Finanzierung langfristig zu sichern,
  • mehrjährige Förderperspektiven zu schaffen,
  • kommunale Beteiligungen auszubauen.

7.6.3 Digitalisierung

Digitale Beratungs- und Informationsangebote können die Reichweite von Familienzentren erhöhen.

Sinnvoll erscheinen insbesondere:

  • digitale Elternberatung,
  • Online-Veranstaltungen,
  • digitale Informationsplattformen,
  • hybride Bildungsangebote.

7.7 Fazit

Familienzentren haben sich in Hessen zu einem wichtigen Bestandteil familienfreundlicher Infrastruktur entwickelt. Seit Einführung des Landesprogramms im Jahr 2011 ist die Zahl der geförderten Einrichtungen von 46 auf 242 Familienzentren gestiegen.

Sie bieten Beratung, Bildung, Begegnung und Unterstützung und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Prävention sozialer Problemlagen, zur Förderung gesellschaftlicher Teilhabe und zur Stärkung von Familien.

Vor dem Hintergrund einer familienfreundlichen Stadtentwicklung sollten Familienzentren deshalb als zentrale Bausteine sozialer Infrastruktur verstanden und weiterentwickelt werden.


Fußnoten

¹ Vgl. Familienzentren in Hessen, Hessen Familie.

² Vgl. Familienzentren in Hessen, Regierungspräsidium Kassel.

³ Vgl. Landesregierung fördert 242 Familienzentren, Hessisches Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege, 30.04.2026.

⁴ Vgl. Förderprogramm Familienzentren in Hessen, Landesservicestelle Familienzentren Hessen.

⁵ Vgl. Übersicht der hessischen Familienzentren, FamilienApp Hessen.

⁶ Vgl. Liste der geförderten Familienzentren in Hessen, Landesservicestelle Familienzentren Hessen.

kapitel 7
Copilot said:

Kapitel 7

Familienzentren als Baustein einer präventiven Familienpolitik

7.1 Einleitung

Familien stehen heute vor vielfältigen Herausforderungen. Neben wirtschaftlichen Belastungen gewinnen Fragen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, der sozialen Unterstützung, der Erziehungsberatung sowie der wohnortnahen Vernetzung zunehmend an Bedeutung.

Vor diesem Hintergrund haben sich Familienzentren in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Instrument moderner Familienpolitik entwickelt. Sie verbinden Bildungs-, Beratungs-, Begegnungs- und Unterstützungsangebote an einem Ort und verfolgen das Ziel, Familien frühzeitig und niedrigschwellig zu erreichen. Hessen Familie beschreibt Familienzentren als Treffpunkte für Menschen unterschiedlicher Generationen und Kulturen sowie als Orte der Beratung, Information und Unterstützung in verschiedenen Lebensphasen.

Familienzentren sind damit nicht nur soziale Einrichtungen, sondern zugleich Bestandteile einer familienfreundlichen Infrastruktur.


7.2 Begriff und Aufgaben von Familienzentren

7.2.1 Definition

Nach Angaben des Regierungspräsidiums Kassel sind Familienzentren „Knotenpunkte in einem Netzwerk von Kooperation und Information“, die unterschiedliche familienbezogene Leistungen bündeln und weiterentwickeln. Zu ihren Handlungsfeldern gehören Bildung, Erziehung, Beratung, Information, Unterstützung, Begegnung und Austausch.

Die Einrichtungen stehen Menschen aller Generationen offen und verfolgen einen präventiven Ansatz.


7.2.2 Zentrale Aufgaben

Familienzentren bieten regelmäßig:

  • Eltern- und Familienbildung,
  • Erziehungsberatung,
  • Informationsangebote,
  • Begegnungsmöglichkeiten,
  • Unterstützungsangebote für Familien,
  • generationenübergreifende Aktivitäten.

Nach Angaben des Landes Hessen werden darüber hinaus Angebote in den Bereichen Gesundheit, Medienkompetenz, Ernährung, Sozialberatung, Spiel- und Krabbelgruppen sowie Freizeitgestaltung bereitgestellt.

Dadurch entstehen wohnortnahe Anlaufstellen, die Familien im Alltag unterstützen.


7.3 Familienzentren in Hessen

7.3.1 Entwicklung des Förderprogramms

Das Förderprogramm des Landes Hessen besteht seit dem Jahr 2011. Zu Beginn wurden 46 Einrichtungen gefördert. Bis 2026 stieg die Zahl der geförderten Familienzentren auf 242 Einrichtungen an. Damit hat sich die Anzahl der geförderten Familienzentren innerhalb von fünfzehn Jahren mehr als verfünffacht.

Die Hessische Landesregierung bezeichnet dieses Wachstum ausdrücklich als Erfolg familienfreundlicher Infrastrukturpolitik.


7.3.2 Landesweite Verbreitung

Die Familienzentren befinden sich sowohl in Ballungsräumen als auch in ländlichen Regionen Hessens. Nach Angaben der Landesservicestelle Familienzentren Hessen stellen die Einrichtungen wohnortnahe Anlaufstellen für Familien in unterschiedlichen Lebenssituationen dar.

Die breite regionale Verteilung ermöglicht eine vergleichsweise flächendeckende Unterstützung.


7.3.3 Förderstruktur

Die Förderung erfolgt über das Land Hessen. Nach Angaben des Regierungspräsidiums Kassel kann die Förderung bis zu 18.000 Euro pro Einrichtung und Haushaltsjahr betragen. Gefördert werden Personal- und Sachausgaben für Leitung, Koordination, Vernetzung, Management sowie die Durchführung der Angebote.

Zusätzlich unterstützt die Landesservicestelle die Einrichtungen durch:

  • Beratung,
  • Qualifizierung,
  • Vernetzung,
  • Fachinformationen.

7.4 Wissenschaftliche Bedeutung von Familienzentren

7.4.1 Prävention statt Intervention

Moderne Sozialpolitik verfolgt zunehmend präventive Ansätze. Ziel präventiver Familienpolitik ist es, Probleme möglichst frühzeitig zu vermeiden oder abzumildern.

Familienzentren können hierzu beitragen, indem sie:

  • frühzeitig Beratung anbieten,
  • Unterstützungsbedarfe erkennen,
  • soziale Isolation verhindern,
  • den Zugang zu Hilfsangeboten erleichtern.

Die Hessische Landesregierung hebt hervor, dass Familienzentren insbesondere niedrig

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