Thüringen steht im Jahr 2026 vor einer strukturellen Weggabelung. Trotz exzellenter Forschungseinrichtungen, spezialisierter Industriecluster und einer zentralen Lage in Deutschland gelingt es dem Land bislang nicht, diese Potenziale in großvolumige wirtschaftliche Wertschöpfung, internationale Sichtbarkeit und nachhaltige regionale Entwicklung zu überführen. Die Investitionsquote in wirtschaftsnahe Zukunftsbereiche liegt bei lediglich 2,0–2,4 % des Landeshaushalts und ist damit zu niedrig, um kritische Masse, Skalierung und Wettbewerbsfähigkeit zu erzeugen.
Das vorliegende Regierungsprogramm „Thüringen 2035 – Das 10‑%‑Transformationsprogramm“ definiert eine langfristige, verbindliche und haushaltsstabile Strategie, die schrittweise 10 % des Landeshaushalts in Zukunftsbereiche lenkt. Dies entspricht einem jährlichen Zielvolumen von 1,48 Mrd. €. Die Mittel werden in sechs strategische Säulen investiert:
Clusterinvestitionen (800 Mio. €)
Fachkräfteoffensive (240 Mio. €)
Start‑up & Innovationsfonds (200 Mio. €)
Digitalisierung & Verwaltung (160 Mio. €)
Energie & Transformation (80 Mio. €)
Verbundregionen & Nicht‑Cluster‑Gemeinden (150 Mio. €)
Die Struktur des Programms folgt drei Grundprinzipien:
Kritische Masse: Großvolumige, mehrjährige Investitionslinien statt fragmentierter Einzelprogramme.
Flächendeckende Wirkung: Mindestens 10 % der Mittel für Nicht‑Cluster‑Gemeinden.
Hebelung: Systematische Mobilisierung von EU‑, Bundes‑ und privaten Mitteln.
Die erwarteten Wirkungen bis 2035 umfassen:
80.000–120.000 neue High‑Skill‑Arbeitsplätze
+5,0–7,5 Prozentpunkte zusätzliches BIP‑Wachstum p.a.
deutliche Verringerung regionaler Disparitäten
stabile kommunale Haushalte in Modellregionen
erhöhte internationale Sichtbarkeit Thüringens
stärkere Integration in europäische Innovationsnetzwerke
Das Programm ist in drei Phasen strukturiert:
Phase 1 (0–36 Monate): Aufbau, Pilotierung, Start der Flagship‑Projekte
Phase 2 (36–84 Monate): Skalierung, Clusteraufbau, Fachkräfteoffensive
Phase 3 (84–120 Monate): Konsolidierung, Verstetigung, Integration in Landesplanung
Dieses Dokument bildet die vollständige Grundlage für die Umsetzung des Programms in Landesregierung, Landtag, Verwaltung, Kommunen und Partnerinstitutionen.
1. Einleitung und Zielsetzung
1.1 Ausgangspunkt und Motivation
Thüringen verfügt über eine außergewöhnliche Kombination aus wissenschaftlicher Exzellenz, industrieller Spezialisierung und geografischer Lage. Dennoch bleibt das Land im nationalen und europäischen Vergleich hinter seinen strukturellen Möglichkeiten zurück. Die Gründe hierfür sind:
unzureichende Investitionsvolumina
fragmentierte Förderlandschaften
geringe private Hebelung
fehlende großvolumige Leuchtturmprojekte
unzureichende Integration ländlicher Räume
Fachkräftemangel und Abwanderung
langsame Verwaltungsprozesse
unzureichende digitale Infrastruktur
Das 10‑%‑Transformationsprogramm adressiert diese strukturellen Defizite durch eine langfristige, verbindliche und systemische Strategie.
1.2 Übergeordnetes Ziel
Thüringen soll bis 2035 zu einem wettbewerbsfähigen, resilienten und inklusiven High‑Tech‑Standort werden, der:
international sichtbar ist
wirtschaftlich dynamisch wächst
klimaneutral wirtschaftet
flächendeckende Wertschöpfung erzeugt
Fachkräfte anzieht und bindet
effiziente Verwaltungsprozesse bietet
1.3 Leitziele
Investitionsquote: 10 % des Landeshaushalts in Zukunftsfelder
Flächenwirkung: Mindestens 10 % der Mittel für Nicht‑Cluster‑Gemeinden
Arbeitsmarkt: 80.000–120.000 neue High‑Skill‑Jobs
Innovation: Vervierfachung der Start‑up‑Quote
Energie: Aufbau einer klimaneutralen Industrie
Verwaltung: Reduktion der Genehmigungszeiten um 60–70 %
2. Strategischer Rahmen
2.1 Grundprinzipien
Prinzip 1: Kritische Masse
Einzelprogramme werden gebündelt und in großvolumige Investitionslinien überführt. Ziel ist die Schaffung von Skaleneffekten, internationaler Sichtbarkeit und nachhaltiger Wirkung.
Prinzip 2: Flächendeckende Transformation
Mindestens 10 % der Mittel fließen verbindlich in Nicht‑Cluster‑Gemeinden. Dadurch wird eine Zwei‑Klassen‑Entwicklung verhindert.
Prinzip 3: Hebelung
Landesmittel dienen als Anschub, um EU‑, Bundes‑ und private Mittel zu mobilisieren. Ziel ist ein Hebel von mindestens 1:2.
Prinzip 4: Governance und Transparenz
Ein KPI‑Dashboard, jährliche Berichte an den Landtag und externe Evaluationen sichern die Wirksamkeit.
Prinzip 5: Langfristigkeit
Das Programm ist auf 10 Jahre ausgelegt und wird durch mehrjährige Verpflichtungsermächtigungen abgesichert.
3. Ausgangslage Thüringen (vollständig ausgearbeitet)
3.1 Wirtschaftliche Rahmenbedingungen
3.1.1 Wirtschaftsstruktur
Thüringen ist geprägt durch:
mittelständische Industrie
spezialisierte Cluster (Photonik, Mikroelektronik, MedTech, Robotik, Automotive‑Zulieferung)
hohe Forschungsdichte
starke Hochschullandschaft
Die Unternehmen sind innovativ, jedoch oft klein und mit begrenzter Skalierungsfähigkeit.
3.1.2 Haushalt und Investitionslage
Landeshaushalt 2026: 14,8 Mrd. €
Investitionen in Zukunftsfelder: 300–350 Mio. €
Anteil: 2,0–2,4 %
Dies reicht nicht aus, um kritische Masse zu erzeugen.
3.1.3 Arbeitsmarkt und Demografie
Fachkräftemangel in High‑Tech‑Bereichen
Abwanderung junger Absolventinnen und Absolventen
Alterung der Bevölkerung in ländlichen Räumen
regionale Disparitäten in Einkommen und Beschäftigung
3.1.4 Infrastruktur
unzureichender Glasfaser‑ und 5G‑Ausbau
punktuelle Engpässe im Schienenverkehr
fehlende Logistikachsen in ländlichen Räumen
3.2 Forschungs‑ und Innovationslandschaft
3.2.1 Stärken
exzellente Hochschulen (Jena, Ilmenau, Erfurt)
international anerkannte Forschungsschwerpunkte
hohe Dichte spezialisierter Labore
starke Grundlagenforschung
3.2.2 Schwächen
niedrige Gründungsquote
geringe Zahl an Spin‑offs
fehlende Proof‑of‑Concept‑Finanzierung
schwache VC‑Landschaft
geringe internationale Sichtbarkeit
3.2.3 Folgen
Wissen entsteht, aber wird nicht ausreichend wirtschaftlich verwertet
geringe Skalierung
Abwanderung von Talenten
3.3 Regionale Disparitäten und Sichtbarkeit
3.3.1 Clusterzentren vs. Nicht‑Cluster‑Gemeinden
Clusterzentren ziehen Ressourcen, Talente und Investitionen an. Nicht‑Cluster‑Gemeinden leiden unter:
Abwanderung
geringer Wertschöpfung
unterausgelasteter Infrastruktur
3.3.2 Sichtbarkeitsdefizit
Thüringen verfügt über viele gute Einzelprojekte, aber keine großvolumigen Plattformen, die international wahrgenommen werden.
3.3.3 Schwellenwerte für internationale Sichtbarkeit
2–4 Leuchtturmprojekte (50–250 Mio. €)
regionale VC‑Volumina im dreistelligen Millionenbereich
30–50 neue Professuren
500–1.000 forschungsnahe Stellen
4. Zielsetzung und Fahrplan
4.1 Strategische Zielsetzung 2035
Das Transformationsprogramm verfolgt das übergeordnete Ziel, Thüringen bis 2035 zu einem wettbewerbsfähigen, resilienten und inklusiven High‑Tech‑Standort zu entwickeln. Die Strategie basiert auf einer langfristigen, haushaltsstabilen und systemischen Ausrichtung, die sowohl wirtschaftliche als auch gesellschaftliche Ziele integriert.
Übergeordnetes Ziel
Thüringen soll bis 2035 ein Standort sein, der:
international sichtbar ist,
hochqualifizierte Arbeitskräfte anzieht und bindet,
eine starke industrielle Basis mit innovativen Clustern besitzt,
flächendeckende Wertschöpfung generiert,
klimaneutral wirtschaftet,
effiziente und digitale Verwaltungsprozesse bietet.
Leitziele
Investitionsquote: Erhöhung auf 10 % des Landeshaushalts.
Flächenwirkung: Mindestens 10 % der Mittel für Nicht‑Cluster‑Gemeinden.
Arbeitsmarkt: Schaffung von 80.000–120.000 High‑Skill‑Jobs.
Innovation: Vervierfachung der Start‑up‑Quote.
Energie: Aufbau klimaneutraler Industriepfade.
Verwaltung: Reduktion der Genehmigungszeiten um 60–70 %.
4.2 Messbare Zwischenziele
Jahr 3 (2029)
Investitionsquote: 5 %
Landes‑Innovationsfonds eingerichtet
Zwei Flagship‑Projekte in Planung
Drei Modellgemeinden ausgewählt
KPI‑Dashboard in Betrieb
Jahr 7 (2033)
Investitionsquote: 7–8 %
Erste Cluster‑Infrastrukturen in Betrieb
VC‑Matching etabliert
Fachkräftezentren in allen Regionen aktiv
Jahr 10 (2036)
Investitionsquote: 10 %
Flächendeckende Wirkung nachweisbar
Dauerhafte Fondsstrukturen etabliert
Internationale Sichtbarkeit erreicht
4.3 Phasen und Meilensteine
Phase 1 – Startphase (0–36 Monate)
Monate 0–3:
Landtagsbeschluss
Einrichtung der Lenkungsgruppe
Aufbau der Programmagentur
Monate 3–12:
Initialisierung des Landes‑Innovationsfonds
Auswahl der Modellgemeinden
Start von zwei Flagship‑Projekten
Monate 12–36:
Pilotimplementierung in Modellgemeinden
Beginn erster Infrastrukturmaßnahmen
KPI‑Dashboard live
Phase 2 – Skalierung (36–84 Monate)
Ausbau der Clusterinfrastruktur
Erhöhung des VC‑Hebels
Aufbau regionaler Zulieferachsen
Intensivierung der Fachkräfteprogramme
Integration der Verbundregionen in Cluster‑Ökosysteme
Phase 3 – Konsolidierung (84–120 Monate)
Verstetigung der Fondsstrukturen
Abschluss der Evaluationszyklen
Integration des Programms in die reguläre Landesplanung
Übergang in langfristige Innovations‑ und Standortstrategie
4.4 Governance‑Meilensteine
Lenkungsgruppe: quartalsweise Sitzungen
Programmagentur: halbjährliche Projektlisten und Finanzübersichten
Externe Evaluation: nach 36 und 60 Monaten
Jährlicher Bericht: an den Thüringer Landtag
5. Programmstruktur Thüringen 2035 — Säulen und Instrumente
5.1 Übersicht der Säulen und Budgetrahmen
| Säule | Jahresbudget (Mio. €) | Kernziel |
|---|---|---|
| Clusterinvestitionen | 800 | Europäische Spitzencluster aufbauen |
| Fachkräfteoffensive | 240 | Talentgewinnung und -bindung |
| Start‑up & Innovationsfonds | 200 | VC‑Hebel und Scale‑Up |
| Digitalisierung & Verwaltung | 160 | Genehmigungszeiten reduzieren |
| Energie & Transformation | 80 | Wasserstoff, Speicher, Dekarbonisierung |
| Verbundregionen & Nicht‑Cluster | 150 | Flächendeckende Wertschöpfung |
| Gesamt | 1.630 | Programmvolumen |
Hinweis: Die Summe übersteigt das Zielvolumen in einzelnen Jahren, um Flexibilität für Anschub, Kofinanzierung und Reserve zu gewährleisten.
5.2 Säule A – Clusterinvestitionen (800 Mio. €)
Ziel
Aufbau von fünf europäischen Spitzenclustern mit internationaler Sichtbarkeit, Leuchtturmprojekten und Transferinfrastruktur.
Instrumente
Leuchtturmfonds für Großinfrastruktur (20–200 Mio. € je Projekt)
Cluster‑Boards mit Hochschulen, Industrie, Kommunen
Transfer‑Hubs für Proof‑of‑Concept und Prototypen
Professuren‑ und Stipendienprogramme
Internationale Partnerschaften
KPIs
Anzahl Leuchtturmprojekte
Drittmittelquote
Anzahl Spin‑offs pro Cluster
Anzahl internationaler Partnerschaften
5.3 Säule B – Fachkräfteoffensive (240 Mio. €)
Ziel
Sicherung und Anziehung von High‑Skill‑Talenten für Forschung, Industrie und Verwaltung.
Instrumente
Internationale Talentzentren in fünf Städten
10.000 Stipendien p.a. mit Bindungsvereinbarungen
Wohnraumförderung für Zuzug
Anerkennungszentren für ausländische Abschlüsse
Mobilitätsprogramme für Fachkräfte
KPIs
Nettozuzug
Verbleibsquote nach drei Jahren
Anzahl anerkannter Abschlüsse
Anzahl besetzter High‑Skill‑Stellen
5.4 Säule C – Start‑up & Innovationsfonds (200 Mio. €)
Ziel
Aufbau eines leistungsfähigen Deep‑Tech‑Ökosystems und Erhöhung des regionalen VC‑Volumens.
Instrumente
Thüringen‑Co‑Investitionsfonds
Seed‑to‑Series‑A‑Tranche
Gründerstipendien
Branchenspezifische Inkubatoren
VC‑Matchingplattform
KPIs
Anzahl geförderter Start‑ups
VC‑Volumen
Follow‑on‑Finanzierungen
Anzahl Deep‑Tech‑Gründungen
5.5 Säule D – Digitalisierung & Verwaltung (160 Mio. €)
Ziel
Digitalisierung der Verwaltungsprozesse und drastische Reduktion der Genehmigungszeiten.
Instrumente
KI‑gestützte Genehmigungsplattformen
SLAs für priorisierte Verfahren
Digitale Bürgerakte
Interoperable Verwaltungsplattformen
Glasfaser‑ und 5G‑Ausbau
KPIs
Durchschnittliche Genehmigungsdauer
Digitale Verfahrensquote
Nutzerzufriedenheit
Anzahl digitaler Akten
5.6 Säule E – Energie & Transformation (80 Mio. €)
Ziel
Aufbau einer klimaneutralen Industrie und einer resilienten Energieinfrastruktur.
Instrumente
Wasserstoff‑Pilotregionen
Großspeicherprojekte
CO₂‑arme Industrieprogramme
Energieeffizienzprogramme für KMU
Förderung von Wärmenetzen
KPIs
Installierte Wasserstoffkapazität
CO₂‑Reduktion
Anzahl Pilotanlagen
Energieeffizienzsteigerung in KMU
6. Verbundregionen & Nicht‑Cluster‑Gemeinden (150 Mio. € p.a.)
6.1 Zielsetzung und strategische Leitlinien
Die Säule „Verbundregionen & Nicht‑Cluster‑Gemeinden“ stellt sicher, dass die Transformation des Landes flächendeckend wirkt und nicht auf urbane Clusterzentren beschränkt bleibt. Ziel ist die Stabilisierung ländlicher Räume, der Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten und die Integration kleiner und mittlerer Gemeinden in die großen Innovations‑ und Clusterökosysteme.
Strategische Leitlinien
Verbindliche Flächenquote: Mindestens 10 % der Programmmittel (150 Mio. € p.a.) fließen in Nicht‑Cluster‑Gemeinden.
Netzwerkansatz: Gemeinden werden als Zuliefer‑, Wohn‑ und Dienstleistungsstandorte in Clusterökosysteme integriert.
Ko‑Finanzierung: Landesmittel dienen als Anschub; EU‑, Bundes‑ und private Mittel skalieren Projekte.
Regionale Ausgewogenheit: Mindestens eine Maßnahme pro Landkreis innerhalb der ersten drei Jahre.
Schnelle Umsetzbarkeit: Niedrigschwellige Förderinstrumente, kurze Bewilligungszeiten, standardisierte Verfahren.
6.2 Budgetaufteilung und Finanzprofile
| Maßnahme | Anteil | Betrag p.a. | Finanzprofil |
|---|---|---|---|
| Zuliefer‑ & Dienstleistungsachsen | 30 % | 45,0 Mio. € | 60 % Investition / 40 % Betrieb |
| Fachkräfte‑ & Bildungszentren | 25 % | 37,5 Mio. € | 40 % Investition / 60 % Betrieb |
| Wohn‑ & Lebensstandorte | 20 % | 30,0 Mio. € | 70 % Investition / 30 % Betrieb |
| Mikrocluster & Nischenförderung | 15 % | 22,5 Mio. € | 50 % Seed / 50 % Betrieb |
| Kommunale Innovationsbudgets | 10 % | 15,0 Mio. € | 100 % Zuschüsse |
| Summe | 100 % | 150,0 Mio. € | — |
Hebelziel
Landesmittel sollen Drittmittel im Verhältnis 1:2 mobilisieren.
6.3 Förderinstrumente im Detail
6.3.1 Zulieferfonds
Zweck: Aufbau regionaler Fertigungskapazitäten, Modernisierung von KMU, Integration in Cluster‑Lieferketten. Instrumente: Zuschüsse, zinsgünstige Darlehen, Abnahmegarantien. Förderkriterien:
Nachweis von Abnahmeverträgen
Skalierbarkeit
Arbeitsplatzwirkung
regionale Verankerung
6.3.2 Regional Skills Hubs
Zweck: Aufbau regionaler Weiterbildungs‑ und Umschulungszentren. Instrumente:
modulare Kurse
duale Programme
Anerkennungsberatung
mobile Trainingslabore
6.3.3 Wohnraum‑Sprints
Zweck: Schnelle Schaffung von Wohnraum für Fachkräfte. Instrumente:
modulare Fertigbauten
Revitalisierungszuschüsse
Bauprämien
Mietgarantien
6.3.4 Mikrocluster‑Wettbewerbe
Zweck: Förderung lokaler Nischenbranchen (Holz‑Tech, Agrar‑Tech, Tourismus, Pflege‑Tech). Instrumente:
Seed‑Grants
Mentoring
Marktzugangspakete
regionale Testfelder
6.3.5 Kommunale Innovationsbudgets
Zweck: Kleine, schnelle Pilotprojekte mit lokalem Ownership. Instrumente:
Zuschüsse 5.000–50.000 €
vereinfachte Antragstellung
kurze Bewilligungszeiten (≤ 30 Tage)
6.4 Auswahlverfahren und Governance
Stufenmodell
EoI (Expression of Interest): Kurzskizze, formale Prüfung (4 Wochen).
Full Proposal: Business Case, Finanzplan, Kooperationsvereinbarungen (8–12 Wochen).
Due Diligence: Technische, rechtliche, finanzielle Prüfung (6–8 Wochen).
Bewilligung & Auszahlung: Tranchen nach Meilensteinen.
Regionale Verbundräte
Zusammensetzung:
Kommunen
Wirtschaft
Hochschulen
Zivilgesellschaft
Aufgabe:
Priorisierung regionaler Projekte
Koordination mit Cluster‑Boards
Monitoring der Umsetzung
6.5 Modellgemeinden (Fallstudien)
Modellgemeinde A – Mittelstadt X (Präzisionszulieferung)
Kontext: Nähe zu Automotive‑Cluster; brachliegende Industriefläche. Maßnahmen:
Revitalisierung Industriebrache
Anschaffung CNC‑Maschinen
Ausbildungskooperation
Finanzierung:
Zuschuss: 3,0 Mio. €
Darlehen: 2,0 Mio. €
Kommune: 1,0 Mio. €
Meilensteine:
Produktionsstart M+12
300 Beschäftigte M+36
60 % lokale Wertschöpfung M+48
Modellgemeinde B – Ländliche Region Y (Skills Hub & Wohnen)
Kontext: Abwanderung, zentrale Lage zu mehreren Clustern. Maßnahmen:
Ausbau Berufsschule
120 modulare Wohnungen
Anerkennungszentrum
Finanzierung:
Zuschuss: 5,0 Mio. €
EU‑Kofinanzierung: 2,0 Mio. €
Kommune: 1,0 Mio. €
Meilensteine:
Erste Ausbildungsjahrgänge M+12
Wohnungen fertig M+18
Nettozuzug M+24
Modellgemeinde C – Holz‑Tech Mikrocluster Z
Kontext: Traditionelle Holzverarbeitung, touristisches Potenzial. Maßnahmen:
Innovationswettbewerb
Gründerstipendien
regionale Vermarktungsplattform
Finanzierung:
Anschub: 4,0 Mio. €
Seed‑Grants: 1,0 Mio. €
Infrastruktur: 2,0 Mio. €
Meilensteine:
20 neue KMU M+24
touristische Zusatzumsätze M+36
6.6 Monitoring‑KPIs für Verbundregionen
| KPI | Zielwert |
|---|---|
| Anteil Mittel in Nicht‑Cluster‑Projekten | ≥ 10 % |
| Neue Arbeitsplätze in Modellgemeinden | ≥ 900 |
| Zulieferverträge Cluster ↔ Nicht‑Cluster | ≥ 50 |
| Verbleibsquote Fachkräfte | ≥ 65 % |
| Kommunale Innovationsprojekte | ≥ 100 in 5 Jahren |
6.7 Implementierungszeitplan 0–36 Monate
0–6 Monate
Auswahl Modellgemeinden
Einrichtung regionaler Verbundräte
Start Zulieferfonds‑Pilot
6–18 Monate
Umsetzung Pilotprojekte
Aufbau Skills Hubs
Wohnraum‑Sprints
18–36 Monate
Skalierung erfolgreicher Piloten
Integration in Cluster‑Roadmaps
erste Evaluation
7. EU‑Mittel & Finanzierungsmodell
7.1 EU‑Mittel (EFRE, ESF+, Horizon Europe)
Anteil: 30–35 %
Betrag: 450–520 Mio. € p.a.
Warum realistisch?
Thüringen ist eine Hochförderregion mit:
EFRE‑Quoten bis 80 %
ESF+‑Quoten bis 70 %
bevorzugter Teilnahme an Horizon‑Europe‑Projekten
struktureller Ostdeutschland‑Förderung
Barrieren heute
fehlende Kofinanzierung
Personalmangel in Behörden
zu kleine Projekte
fehlende Clustergröße
Lösung durch das 10‑%‑Programm
Kofinanzierungsreserve
EU‑Desk in der Programmagentur
Projektaggregation
internationale Konsortien
7.2 Jährlicher Finanzmix (Referenzziel 1,48 Mrd. €)
| Quelle | Anteil | Betrag |
|---|---|---|
| EU‑Mittel | 30 % | 444 Mio. € |
| Bundesmittel | 20 % | 296 Mio. € |
| Landesmittel | 40 % | 592 Mio. € |
| Private Co‑Investitionen | 10 % | 148 Mio. € |
| Gesamt | 100 % | 1.480 Mio. € |
7.3 Haushaltswirkung & LFA‑Effekt
Annahmen
LFA‑Abschöpfung: 65 %
fiskalische Effekte mit 2–5 Jahren Verzögerung
| Szenario | Brutto‑Mehreinnahmen | LFA‑Abschöpfung | Netto‑Effekt |
|---|---|---|---|
| Konservativ | 500 Mio. € | −325 Mio. € | +175 Mio. € |
| Realistisch | 1.000 Mio. € | −650 Mio. € | +350 Mio. € |
| Ambitioniert | 1.500 Mio. € | −975 Mio. € | +525 Mio. € |
7.4 Übergangsfinanzierung & Absicherung
mehrjährige Verpflichtungsermächtigungen
Kofinanzierungsreserve (150–250 Mio. €)
Risikopuffer (10–15 %)
PPP‑Modelle
tranchierte Auszahlungen
7.5 Sensitivitätsanalyse
Hebelwirkung 1:2 → 1:3 erhöht Gesamtvolumen
LFA‑Variation ±10 % → Effekt ±50–100 Mio. €
Projektverzögerungen +6 Monate → fiskalische Effekte +12–18 Monate verschoben
8. Wirtschaftliche Wirkungen, Multiplikatoren, Beschäftigungsrechnung
8.1 Methodik und Annahmen
Die wirtschaftlichen Wirkungen des 10‑%‑Transformationsprogramms werden auf Basis eines kombinierten Ansatzes berechnet:
Input‑Output‑Analyse
sektorale Multiplikatoren
regionale Beschäftigungsmodelle
Investitions‑ und Innovationselastizitäten
Vergleichsdaten aus EU‑Modellregionen
Zentrale Annahmen
Programmvolumen: 1,48 Mrd. € p.a.
Kurzfristiger Beschäftigungsmultiplikator: 10–15 Jobs pro 1 Mio. €
Mittelfristiger Multiplikator: 20–30 Jobs pro 1 Mio. €
BIP‑Multiplikator:
konservativ: 1,3
realistisch: 1,6
ambitioniert: 1,9
8.2 Szenarien und Ergebnisse (5‑Jahres‑Horizont)
| Szenario | Investitionsvolumen p.a. | Neue Jobs (5 Jahre) | BIP‑Effekt p.a. |
|---|---|---|---|
| Konservativ | 740 Mio. € | 30.000–50.000 | +1,5–2,5 % |
| Kernprogramm | 1,48 Mrd. € | 80.000–120.000 | +5,0–7,5 % |
| Ambitioniert | 2,22 Mrd. € | 120.000–180.000 | +7,5–10,0 % |
Interpretation
Das Kernprogramm erzeugt massive Beschäftigungseffekte.
Der BIP‑Effekt ist strukturell, nicht nur konjunkturell.
Die Effekte verstärken sich über die Jahre durch Produktivitätszuwächse.
8.3 Regionale Verteilung der Effekte
Clusterzentren
Hohe Dichte an High‑Skill‑Jobs
Zunahme von Start‑ups
Ausbau von Forschung und Transfer
Verbundregionen
Zunahme von Fertigungs‑ und Dienstleistungsarbeitsplätzen
Stabilisierung ländlicher Gemeinden
Rückgang der Abwanderung
Nettoeffekt
Verringerung regionaler Disparitäten
Stärkung kommunaler Haushalte
Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten
8.4 Langfristige Dynamik (Produktivität & Steuerbasis)
Innovationsdynamik
Höhere F&E‑Ausgaben → Produktivitätszuwächse
Skaleneffekte in Clustern → sinkende Stückkosten
Höhere Löhne → höhere Steuereinnahmen
Steuerbasis
Mittelfristig steigende Gewerbe‑ und Einkommenssteuern
Trotz LFA‑Abschöpfung bleibt Nettoeffekt positiv
9. Governance, Umsetzung, One‑Stop‑Shop, KPI‑Dashboard
9.1 Governance‑Architektur
Die Governance des Programms folgt einem klaren, mehrstufigen Modell.
A. Politische Steuerung
Lenkungsgruppe Thüringen 2035
Vorsitz: Staatssekretär
Mitglieder: Ministerien, Landtagsvertreter, Wirtschaftsvertreter
Aufgabe: strategische Steuerung, Priorisierung, Monitoring
B. Operative Steuerung
Programmagentur Thüringen 2035
Projektmanagement
Mittelbewirtschaftung
EU‑Desk
Monitoring
Kommunikation
C. Regionale Steuerung
Cluster‑Boards
Hochschulen
Industrie
Kommunen
Aufgabe: operative Umsetzung der Clusterstrategien
Regionale Verbundräte
Aufgabe: Priorisierung regionaler Projekte
9.2 One‑Stop‑Shop für Ansiedlung, Förderung und Genehmigungen
Der One‑Stop‑Shop ist ein zentrales Element der Verwaltungsmodernisierung.
Funktionen
zentrale Anlaufstelle für Unternehmen
Koordination aller Genehmigungen
digitale Antragsstrecken
verbindliche SLAs
Monitoring aller Verfahren
Technische Komponenten
KI‑gestützte Dokumentenklassifikation
automatisierte Plausibilitätsprüfungen
Workflow‑Orchestrator
digitale Bürger‑ und Unternehmensakte
Zielwerte
Reduktion der Genehmigungszeiten um 60–70 %
95 % digitale Antragsquote
SLA‑Erfüllungsquote ≥ 90 %
9.3 KPI‑Dashboard
Das KPI‑Dashboard ist das zentrale Monitoring‑Instrument.
Kern‑KPIs
Investitionsquote
Anteil Nicht‑Cluster‑Mittel
Anzahl neuer High‑Skill‑Jobs
VC‑Hebelratio
Genehmigungsdauer
Verbleibsquote Fachkräfte
CO₂‑Reduktion
Anzahl Zulieferverträge
Funktionen
Echtzeit‑Monitoring
quartalsweise Updates
öffentliche Transparenz
Grundlage für politische Entscheidungen
9.4 Evaluationsarchitektur
Externe Evaluationen
nach 36 Monaten
nach 60 Monaten
nach 120 Monaten
Inhalte
Wirksamkeit
Effizienz
Zielerreichung
regionale Wirkung
fiskalische Effekte
10. Gesamtprogramm: Integration, Synergien, Querschnittsthemen
10.1 Synergien zwischen den Säulen
Das Transformationsprogramm ist bewusst so gestaltet, dass die sechs Säulen nicht isoliert wirken, sondern sich gegenseitig verstärken.
Cluster ↔ Start‑ups
Cluster erzeugen Forschung und Infrastruktur
Start‑ups verwerten diese Forschung wirtschaftlich
VC‑Matching beschleunigt Skalierung
Cluster ↔ Fachkräfte
Cluster benötigen hochqualifizierte Arbeitskräfte
Talentzentren und Wohnraumprogramme sichern Zuzug
Anerkennungszentren beschleunigen Integration
Digitalisierung ↔ Verwaltung
Digitale Genehmigungen beschleunigen Cluster‑ und Energieprojekte
One‑Stop‑Shop reduziert Transaktionskosten
Energie ↔ Industrie
Wasserstoff‑ und Speicherprojekte ermöglichen CO₂‑arme Produktion
Energieeffizienzprogramme senken Kosten für KMU
Verbundregionen ↔ Cluster
Zulieferachsen verbinden ländliche Räume mit High‑Tech‑Zentren
Mikrocluster stärken regionale Identität und Wertschöpfung
10.2 Querschnittsthemen
A. Nachhaltigkeit
Klimaneutrale Industriepfade
Energieeffizienz in KMU
Förderung regionaler Kreislaufwirtschaft
B. Digitalisierung
Digitale Infrastruktur als Grundlage aller Säulen
KI‑gestützte Verwaltungsprozesse
Datenplattformen für Monitoring
C. Internationalisierung
Horizon‑Europe‑Konsortien
internationale Talentgewinnung
globale Sichtbarkeit der Cluster
D. Soziale Kohäsion
Integration ländlicher Räume
Sicherung gleichwertiger Lebensverhältnisse
Stärkung kommunaler Strukturen
11. Umsetzungsarchitektur und operative Planung
11.1 Programmagentur Thüringen 2035
Aufgaben
Projektmanagement
Mittelbewirtschaftung
EU‑Desk
Monitoring
Kommunikation
Schnittstelle zu Ministerien
Struktur
Geschäftsführung
Cluster‑Teams
Fachkräfteteam
Digitalteam
Energie‑Team
Regionalteams
11.2 Jahresplanung und Budgetsteuerung
Planungsinstrumente
Jahresarbeitsprogramme
Mittelabrufpläne
Projektportfolios
Risikoberichte
Budgetsteuerung
quartalsweise Mittelumschichtungen
Reservefonds (10–15 %)
tranchierte Auszahlungen
11.3 Rechtsrahmen
Erforderliche Anpassungen
Verwaltungsverfahrensgesetz (digitale Signaturen, SLAs)
Landeshochschulgesetz (Professuren, Transfer)
Vergaberecht (Innovationsklauseln)
Bauordnung (digitale Verfahren)
11.4 Personalstrategie
Maßnahmen
Fortbildungsprogramme für Verwaltung
Secondments aus Wirtschaft und Forschung
Rekrutierung internationaler Fachkräfte
Aufbau eines Landes‑Talentpools
12. Risikoanalyse und Risikomanagement
12.1 Hauptrisiken
A. Finanzierungsrisiken
Verzögerte EU‑Mittel
geringere private Hebelung
B. Verwaltungsrisiken
Personalmangel
komplexe Genehmigungsverfahren
C. Marktrisiken
globale Rezession
Lieferkettenprobleme
D. Technologierisiken
Fehlschläge bei Pilotprojekten
hohe Kosten neuer Technologien
12.2 Gegenmaßnahmen
Finanzielle Absicherung
Reservefonds
mehrjährige Verpflichtungsermächtigungen
PPP‑Modelle
Verwaltungsmodernisierung
One‑Stop‑Shop
digitale Verfahren
SLAs
Technologische Diversifikation
Portfolioansatz
Pilotierung vor Skalierung
13. Gesamtfazit
Das 10‑%‑Transformationsprogramm „Thüringen 2035“ stellt eine der umfassendsten und ambitioniertesten Standortstrategien dar, die ein deutsches Bundesland in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat. Es verbindet:
wirtschaftliche Modernisierung
wissenschaftliche Exzellenz
regionale Ausgewogenheit
digitale Transformation
klimaneutrale Industriepfade
internationale Sichtbarkeit
Mit einem jährlichen Investitionsvolumen von 1,48 Mrd. € und einer klaren Governance‑Struktur schafft das Programm die Grundlage für:
nachhaltiges Wachstum
stabile Beschäftigung
starke Regionen
moderne Verwaltung
innovative Unternehmen
resilienten Wohlstand
Thüringen kann damit bis 2035 zu einem europäischen High‑Tech‑Standort aufsteigen, der wirtschaftlich, technologisch und gesellschaftlich auf einem neuen Niveau agiert.
14. Glossar (Auszug)
Cluster: Geografische Konzentration spezialisierter Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Flagship‑Projekt: Großvolumiges Leuchtturmprojekt mit internationaler Sichtbarkeit. VC‑Matching: Co‑Investition des Landes in Start‑ups. SLA: Service Level Agreement, verbindliche Bearbeitungszeit. Horizon Europe: EU‑Forschungsrahmenprogramm. Verbundregion: Nicht‑Cluster‑Gemeinde mit strategischer Anbindung an Cluster.
15. Tabellenanhang (Auszug)
15.1 Budgetübersicht
| Säule | Betrag p.a. |
|---|---|
| Clusterinvestitionen | 800 Mio. € |
| Fachkräfteoffensive | 240 Mio. € |
| Start‑up & Innovationsfonds | 200 Mio. € |
| Digitalisierung & Verwaltung | 160 Mio. € |
| Energie & Transformation | 80 Mio. € |
| Verbundregionen | 150 Mio. € |
| Gesamt | 1.630 Mio. € |
16. Anhang: KPI‑Matrix
| KPI | Zielwert | Zeithorizont |
|---|---|---|
| Investitionsquote | 10 % | Jahr 10 |
| High‑Skill‑Jobs | 80.000–120.000 | 2035 |
| VC‑Hebel | 1:2 | laufend |
| Genehmigungsdauer | −60–70 % | Jahr 7 |
| CO₂‑Reduktion | [Daten nachreichen] | Jahr 10 |
| Zulieferverträge | ≥ 50 | Jahr 3 |
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