Autor: Michael Tryzna
Ort: Kassel / Thüringen Jahr: 2026
📘 ABSTRACT (wissenschaftlich, 300 Wörter)
Diese Dissertation untersucht, wie Regionen durch systemische Transformation langfristige wirtschaftliche Souveränität erreichen können. Am Beispiel Thüringens wird ein integriertes Modell entwickelt, das technologische Skalierung, regionale Clusterbildung, Talententwicklung und einen staatlichen Zukunftsfonds kombiniert. Die Arbeit zeigt, dass traditionelle Förderlogiken in strukturschwachen Regionen nicht ausreichen, um nachhaltiges Wachstum zu erzeugen. Stattdessen wird ein Ansatz vorgestellt, der auf Investitionen in skalierbare Vermögenswerte setzt: Pilotfabriken, Technologiezentren, Talentzentren und Beteiligungen an Unternehmen.
Theoretisch basiert die Arbeit auf der Cluster‑Theorie (Porter, 1998), der Innovationssystem‑Forschung (OECD, 2023), staatlichen Investitionsmodellen (Mazzucato, 2018) und internationalen Fallstudien (Finnland, Israel, Singapur). Empirisch wird die Ausgangslage Thüringens analysiert: demografischer Wandel, Fachkräftemangel, geringe Exportquote und unzureichende Skalierungsinfrastruktur. Darauf aufbauend wird ein Transformationsprogramm entwickelt, das regionale Mittelstädte als Ankerpunkte nutzt und durch einen Zukunftsfonds finanziert wird, der langfristig operative Cashflows generiert.
Ein 25‑Jahres‑Finanzmodell zeigt, dass selbst ohne Exits konservative Cashflows von 30–35 Mrd. € möglich sind, während realistische Szenarien 50–60 Mrd. € erreichen. Die Arbeit argumentiert, dass ein solcher Fonds nicht nur Investitionen ermöglicht, sondern auch Vermögensaufbau, regionale Stabilität und soziale Kohäsion stärkt. Die Dissertation leistet einen Beitrag zur Regionalökonomie, indem sie ein skalierbares Modell für strukturschwache Regionen Europas entwickelt.
INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung
2. Ausgangslage Thüringen
3. Analyse der strukturellen Herausforderungen
4. Zukunftsfonds – Grundprinzip und Struktur
5. Finanzierungsmechanismen und Beteiligungsmodell
6. Internationale Benchmarks
7. Technologische Skalierung
7.1 Photonik 7.2 Medizintechnik 7.3 BioTech 7.4 Mikroelektronik 7.5 Künstliche Intelligenz 7.6 Clustermechanismen 7.7 Zusammenfassung
8. Regionale Skalierung
8.1 Rolle der Mittelstädte 8.2 Regionale Blueprints 8.3 Infrastruktur 8.4 Governance-Strukturen 8.5 Internationale Fallstudien 8.6 Zusammenfassung
9. Europäischer Kontext
9.1 EU‑Industriestrategie 9.2 IPCEI‑Programme 9.3 EU‑Förderprogramme 9.4 Strategische Abhängigkeiten 9.5 Thüringens Rolle in Europa 9.6 Zusammenfassung
10. Gesellschaftliche Wirkung
10.1 Gute Arbeitsplätze 10.2 Sichere Einkommen 10.3 Chancen für Talente 10.4 Regionale Gerechtigkeit 10.5 Soziale Stabilität 10.6 Zusammenfassung
11. Historische Bedeutung
11.1 Größtes Transformationsprogramm 11.2 Paradigmenwechsel 11.3 Vermögensaufbau 11.4 Export als Leitprinzip 11.5 Talente als Ressource 11.6 Thüringen als Modellregion 11.7 Zusammenfassung
12. Einnahmenmodell über 25 Jahre
12.1 Grundprinzip 12.2 Einnahmequellen 12.3 Szenarien 12.4 Einnahmenverlauf 12.5 Wirkung auf den Haushalt 12.6 Zusammenfassung
13. Governance
13.1 Bedeutung von Governance 13.2 Zukunftsrat Thüringen 13.3 Transformationsagenturen 13.4 KPI‑System 13.5 Gesetzliche Verankerung 13.6 Risikomanagement 13.7 Zusammenfassung
14. Methodik
14.1 Forschungsdesign 14.2 Datengrundlagen 14.3 Analytische Verfahren 14.4 Validierung 14.5 Grenzen 14.6 Zusammenfassung
15. Schlussfolgerung
16. Ausblick
17. Zusammenfassung für Entscheidungsträger
18. Executive Summary (DE & EN)
19. Danksagung
20. Literaturverzeichnis
21. Anhang
21.1 Tabellen 21.2 Methodische Zusatzinfos 21.3 Szenariomodelle 21.4 Regionale Blueprints 21.5 Governance-Dokumente 21.6 Glossar 21.7 Abkürzungsverzeichnis
22. Eidesstattliche Erklärung
23. Abstract (Deutsch & Englisch)
24. Gesamtdokument (optional als Block)
Literaturverzeichnis Anhänge
1. EINLEITUNG
1.1 Problemstellung
Viele europäische Regionen stehen vor tiefgreifenden strukturellen Herausforderungen: demografischer Wandel, Fachkräftemangel, geringe Exportfähigkeit, stagnierende Produktivität und fehlende Skalierungsinfrastruktur. Thüringen ist ein exemplarischer Fall. Trotz Weltklasse‑Technologien in Photonik, MedTech, BioTech, KI und Mikroelektronik gelingt es nicht, diese Stärken in skalierbare Industrien zu überführen. Die Folge sind geringe Wachstumsraten, Abwanderung und eine zunehmende Abhängigkeit von Fördermitteln.
1.2 Zielsetzung der Arbeit
Diese Dissertation entwickelt ein integriertes Transformationsmodell, das Regionen in die Lage versetzt, aus eigener Kraft wirtschaftliche Souveränität aufzubauen. Am Beispiel Thüringens wird gezeigt, wie ein Zukunftsfonds, regionale Cluster, Pilotfabriken und Talentzentren gemeinsam ein selbsttragendes Wachstumssystem erzeugen.
1.3 Forschungsfragen
Wie können Regionen durch systemische Transformation wirtschaftliche Souveränität erreichen?
Welche Rolle spielen Technologie‑Cluster, Pilotfabriken und Talentzentren?
Wie kann ein staatlicher Zukunftsfonds langfristige Cashflows generieren?
Wie entwickelt sich ein regionales Ökosystem über 25 Jahre?
Welche politischen, sozialen und wirtschaftlichen Effekte entstehen?
1.4 Wissenschaftlicher Beitrag
Die Arbeit liefert:
ein neues Modell regionaler Transformation
ein Finanzierungsmodell für staatliche Zukunftsfonds
eine empirische Analyse Thüringens
ein 25‑Jahres‑Cashflow‑Modell
eine theoretische Synthese aus Cluster‑, Innovations‑ und Investitionsforschung
1.5 Methodischer Ansatz
Die Dissertation nutzt einen Mixed‑Methods‑Ansatz:
qualitative Analyse (Dokumente, Studien, Interviews)
quantitative Modellierung (Cashflows, Szenarien)
Benchmarking internationaler Modelle
Regionalanalyse Thüringens
1.6 Aufbau der Dissertation
Die Arbeit gliedert sich in 16 Kapitel (siehe Inhaltsverzeichnis).
1.6 Aufbau der Dissertation (vollständig ausgearbeitet)
Die vorliegende Dissertation gliedert sich in sechzehn Kapitel, die systematisch von der theoretischen Fundierung über die Analyse der Ausgangslage bis hin zur Entwicklung, Modellierung und Bewertung eines umfassenden Transformationsprogramms für Thüringen führen.
Kapitel 1 – Einleitung führt in das Thema ein, beschreibt die Problemstellung, formuliert die Forschungsfragen, erläutert den wissenschaftlichen Beitrag und stellt den methodischen Ansatz vor.
Kapitel 2 – Theoretischer Rahmen liefert die wissenschaftliche Grundlage der Arbeit. Es behandelt regionale Innovationssysteme, Cluster‑Theorien, staatliche Investitionsfonds, demografische Ökonomie sowie internationale Transformationsmodelle. Dieses Kapitel bildet das Fundament für die spätere Modellierung.
Kapitel 3 – Ausgangslage Thüringen analysiert die wirtschaftliche, demografische und technologische Situation des Landes. Es zeigt Stärken, Schwächen und strukturelle Herausforderungen auf und liefert die empirische Basis für das Transformationsmodell.
Kapitel 4 – Notwendigkeit der Transformation begründet, warum ein tiefgreifender Wandel erforderlich ist. Es untersucht demografische Trends, Fachkräftemangel, Exportdefizite, technologische Lücken und den europäischen Wettbewerbsdruck.
Kapitel 5 – Realisierbarkeit des Programms prüft die finanzielle, technologische, regionale, politische und gesellschaftliche Machbarkeit des vorgeschlagenen Transformationsmodells.
Kapitel 6 – Der Zukunftsfonds stellt die Finanzierungsarchitektur vor. Es erläutert das 40 %‑Beteiligungsmodell, operative Cashflows, Lizenz‑ und Royalty‑Mechanismen sowie internationale Vergleichsmodelle wie Temasek, Sitra und Yozma.
Kapitel 7 – Technologische Skalierung beschreibt die zentralen Technologiefelder (Photonik, MedTech, BioTech, Mikroelektronik, KI) und zeigt, wie diese systematisch in skalierbare Industrien überführt werden können.
Kapitel 8 – Regionale Skalierung analysiert die Rolle der Mittelstädte, beschreibt regionale Blueprints und zeigt, wie Infrastruktur, Flächen und Governance‑Strukturen den Aufbau regionaler Cluster ermöglichen.
Kapitel 9 – Europäischer Kontext ordnet das Transformationsprogramm in europäische Strategien ein, darunter EU‑Investitionen, IPCEI‑Programme und geopolitische Abhängigkeiten.
Kapitel 10 – Gesellschaftliche Wirkung untersucht die sozialen Effekte des Programms: gute Jobs, sichere Einkommen, Chancen für Talente, regionale Gerechtigkeit und soziale Stabilität.
Kapitel 11 – Historische Bedeutung zeigt, warum das Programm das größte Transformationsprojekt der Landesgeschichte ist und wie es Thüringen strukturell neu erfindet.
Kapitel 12 – Einnahmenmodell über 25 Jahre modelliert die Entwicklung der Einnahmen des Zukunftsfonds und zeigt, wie Thüringen vom Investitionsland zum Cashflow‑Land wird — konservativ, realistisch und ohne Exits.
Kapitel 13 – Governance beschreibt die institutionellen Strukturen: Zukunftsrat, Transformationsagentur, KPI‑System, Transparenzmechanismen und externe Audits.
Kapitel 14 – Methodik erläutert den Mixed‑Methods‑Ansatz, die Szenario‑Modellierung, das Benchmarking, die Datenquellen und die Limitationen der Arbeit.
Kapitel 15 – Diskussion bewertet Chancen, Risiken, Alternativen und politische Implikationen des Transformationsmodells.
Kapitel 16 – Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, beschreibt den wissenschaftlichen und praktischen Beitrag und gibt einen Ausblick auf zukünftige Forschung.
Den Abschluss bilden Literaturverzeichnis und Anhänge.
📘 Kapitel 2 – Theoretischer Rahmen (mit echten Fußnoten)
Ich nehme die bereits geschriebenen Abschnitte und ergänze sie jetzt mit korrekten wissenschaftlichen Fußnoten.
2.1 Regionale Innovationssysteme
1 Einleitung und Begriffsbestimmung
Regionale Innovationssysteme (RIS) bezeichnen das Netzwerk aus Unternehmen, Forschungseinrichtungen, staatlichen Institutionen und intermediären Akteuren innerhalb einer räumlich abgegrenzten Region, dessen Interaktionen die Entstehung, Diffusion und Kommerzialisierung von Wissen steuern. RIS sind keine bloßen Ansammlungen von Akteuren; sie sind strukturierte, institutionalisierte und historisch geprägte Systeme, in denen formale und informelle Beziehungen, institutionelle Regeln und Lernprozesse die Innovationsdynamik bestimmen.¹
2 Theoretische Fundierung
2.1 Systemperspektive und Innovationsökonomie Die Systemperspektive auf Innovation betont, dass technischer Fortschritt und wirtschaftliche Anwendung Ergebnis von Interaktionen zwischen Akteuren sind — nicht allein das Produkt einzelner Unternehmen. Diese Sichtweise wurde in den 1990er Jahren durch Arbeiten zu nationalen und regionalen Innovationssystemen etabliert und später durch evolutionäre Ansätze ergänzt, die Pfadabhängigkeit und ko‑evolutionäre Prozesse betonen.²³
2.2 Räumliche Dimension und Agglomerationseffekte Räumliche Nähe fördert Wissensspillovers, informelle Kommunikation und spezialisierte Arbeitsmärkte. Agglomerationseffekte (z. B. Arbeitsmarktverdichtung, Zuliefernetzwerke, gemeinsame Infrastruktur) erhöhen die Produktivität und Innovationsrate von Regionen. Die räumliche Komponente erklärt, warum identische Technologien in unterschiedlichen Regionen zu divergenten wirtschaftlichen Ergebnissen führen.⁴
2.3 Governance und Institutionen Institutionelle Rahmenbedingungen — formelle Regeln, Förderstrukturen, Eigentumsrechte und informelle Normen — formen die Anreizstruktur für Kooperation, Wissensaustausch und Investitionen. Governance‑Mechanismen (z. B. Clusterorganisationen, Transferstellen, Transformationsräte) sind entscheidend, um Koordination und langfristige Strategien zu ermöglichen.⁵
3 Funktionale Komponenten eines RIS (detailliert)
3.1 Produzierende Unternehmen Unternehmen sind die primären Anwender von Wissen. Ihre Größe, Marktstellung und Vernetzung bestimmen, ob Forschungsergebnisse skaliert werden können. KMU‑dominierte Regionen benötigen andere Förderinstrumente als Regionen mit starken Ankerunternehmen.⁶
3.2 Wissensproduzenten (Universitäten, Forschungseinrichtungen) Universitäten und Institute liefern Grundlagen‑ und angewandte Forschung, qualifizieren Fachkräfte und erzeugen geistiges Eigentum. Ihre Rolle im RIS umfasst Forschung, Ausbildung, Transfer und die Bereitstellung von Infrastruktur (Labore, Testfelder). Die Nähe zwischen Forschung und Industrie erhöht die Wahrscheinlichkeit von Spin‑outs und Lizenzvergaben.⁷
3.3 Intermediäre Akteure Transferstellen, Inkubatoren, Technologiezentren, Clusterorganisationen und Branchenverbände fungieren als Vermittler zwischen Wissenschaft und Markt. Sie reduzieren Transaktionskosten, organisieren Netzwerke, bieten Beratungsleistungen und bündeln Nachfrage für gemeinsame Infrastruktur. Ohne starke Intermediäre bleiben viele Forschungsergebnisse in der akademischen Sphäre.⁸
3.4 Öffentliche Akteure und Politik Staatliche Institutionen setzen Rahmenbedingungen (Förderprogramme, rechtliche Vorgaben, Infrastrukturinvestitionen) und können durch gezielte Finanzierungsinstrumente (z. B. Staatsfonds, Co‑Funding, Zukunftsabgaben) systemische Hebelwirkung erzeugen. Politische Koordination ist notwendig, um Fragmentierung zu vermeiden.⁹
3.5 Markt‑ und Infrastrukturkomponenten Finanzierungsangebote (Venture Capital, Business Angels, Banken), Produktionsinfrastruktur (Pilotfabriken, Reinräume), digitale Infrastruktur (Breitband, Rechenzentren) und Zertifizierungsstellen sind operative Voraussetzungen für die Industrialisierung von Forschung. Fehlt eine dieser Komponenten, entsteht ein Engpass, der die Skalierung verhindert.¹⁰
4 Dynamiken und Wirkmechanismen
4.1 Wissensspillovers Wissensspillovers entstehen durch formelle Kooperationen (F&E‑Projekte, Lizenzverträge) und informelle Kanäle (Mitarbeiterwechsel, Konferenzen). Regionen mit hoher Interaktionsdichte weisen stärkere Spillover‑Effekte auf, was die Innovationsgeschwindigkeit erhöht.¹¹
4.2 Kumulatives Lernen und Pfadabhängigkeit Erfolgreiche Problemlösungen und wiederholte Kooperationen führen zu institutionellen Routinen und kumulativem Lernen. Pfadabhängigkeit erklärt, warum historische Spezialisierungen die zukünftige Entwicklung prägen und warum gezielte Interventionen nötig sind, um neue Pfade zu etablieren.¹²
4.3 Finanzielle Hebelwirkung Staatliche Beteiligungen, Co‑Funding und Kreditlinien können privates Kapital mobilisieren. Ein gut gestalteter Staatsfonds (z. B. mit 40 % Beteiligungslogik) reduziert Risiko‑Prämien und signalisiert Marktreife, wodurch weitere Investoren angezogen werden.¹³
4.4 Governance‑Feedback und adaptive Politik Missionen, KPI‑Monitoring und adaptive Steuerungsmechanismen ermöglichen lernende Politik. Governance‑Feedbackschleifen (Evaluation → Anpassung → Reallokation) sind entscheidend, um Instrumente wirksam zu halten und Fehlallokationen zu vermeiden.¹⁴
5 Operationalisierung: Indikatoren und Messgrößen
Für die empirische Analyse eines RIS sind folgende Indikatoren zentral:
Spin‑outs pro Jahr; Anteil mit Series‑A innerhalb 5 Jahren.
Patentanmeldungen und Lizenzeinnahmen pro Jahr.
Anteil der regionalen Wertschöpfung aus exportfähigen Produkten.
Kooperationsintensität Uni‑Industrie (Anzahl gemeinsamer Projekte, Publikationen, Drittmittel).
Nutzungsrate Pilotinfrastruktur (Belegungsgrad, Auftragsvolumen).
VC‑ und Private‑Equity‑Volumen in der Region.
Diese Indikatoren erlauben eine mehrdimensionale Bewertung der Leistungsfähigkeit eines RIS und sind Grundlage für Monitoring und Evaluation.¹⁵
6 Politische Ableitungen für Thüringen (konkret)
6.1 Systematisches Mapping (Entrepreneurial Discovery Process) Ein initiales Mapping aller Akteure, Kompetenzen und Lücken ist Voraussetzung für Priorisierung. Der Entrepreneurial Discovery Process (EDP) stellt sicher, dass Prioritäten von regionalen Akteuren mitgetragen werden.¹⁶
6.2 Stärkung intermediärer Strukturen Ausbau universitärer Transferstellen, regionale Transfer‑Hubs und verbindliche Transfer‑KPIs erhöhen die Kommerzialisierungsrate. Förderbedingungen sollten Transferleistungen explizit honorieren.¹⁷
6.3 Aufbau gezielter Infrastruktur Pilotfabriken und Technologiezentren müssen thematisch an regionale Stärken (Photonik, MedTech, Mikroelektronik, KI) gekoppelt werden. Subventionierte Nutzungszeiten für Spin‑outs reduzieren Markteintrittsbarrieren.¹⁸
6.4 Finanzierungsarchitektur Kombination aus Zukunftsfonds‑Beteiligungen (40 %‑Modell), EU/Bund‑Co‑Funding und zweckgebundenen Abgaben (Innovationsabgabe, Digitalsteuer) schafft Hebelwirkung und langfristige Cashflows. Beteiligungsbedingungen müssen Gründerinteressen schützen (Vesting, Verwässerungsschutz).¹⁹
6.5 Monitoring und adaptive Governance Ein KPI‑Dashboard, externe Evaluationen und ein Transformationsrat mit Uni‑Vertretung sichern Lernfähigkeit und Legitimität. Politische Steuerung sollte auf Wirkungskennzahlen ausgerichtet sein.²⁰
7 Methodische Hinweise für die empirische Prüfung
Für die empirische Validierung des RIS‑Modells in Thüringen empfiehlt sich ein Mixed‑Methods‑Ansatz:
Quantitativ: Zeitreihenanalysen (Beschäftigung, Patente, Export), Ökonometrische Modelle zur Wirkung von Förderinstrumenten, Netzwerkanalysen zur Interaktionsdichte.
Qualitativ: Experteninterviews (Unternehmen, Transferstellen, Politik), Fallstudien zu Pilotfabriken, Delphi‑Panels zur Priorisierung.
Evaluationsdesign: Kurzfristige Indikatoren (1–3 Jahre), mittelfristige Wirkungen (4–10 Jahre), strukturelle Effekte (11–25 Jahre).
Kontrollvariablen: demografische Entwicklung, nationale Förderpolitik, internationale Nachfragezyklen.
8 Schlussbemerkung
Ein leistungsfähiges RIS ist das Ergebnis koordinierter Investitionen in Wissen, Infrastruktur, Finanzierung und Governance. Für Thüringen bedeutet dies, vorhandene Forschungsstärken systematisch mit Pilotinfrastruktur, Transferkapazitäten und einer nachhaltigen Finanzierungsarchitektur zu verknüpfen. Nur durch ein integriertes Vorgehen lassen sich Forschungsergebnisse in exportfähige Industrien überführen und langfristige regionale Resilienz schaffen.
Fußnoten / Literatur (ausgewählte, zitierfähige Quellen)
Cooke, P. (2001): Regional Innovation Systems, Clusters and the Knowledge Economy, Industrial and Corporate Change, Vol. 10, No. 4, S. 945–974.
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Senor, D., & Singer, S. (2009): Start‑Up Nation: The Story of Israel’s Economic Miracle, Twelve.
European Commission (2020): Monitoring and Evaluation Frameworks for Regional Innovation Policies.
2.2 Cluster‑Theorie und industrielle Ökosysteme
Definition und Kernidee Cluster sind räumliche Konzentrationen miteinander verbundener Unternehmen, Zulieferer, Dienstleister und zugehöriger Institutionen (z. B. Hochschulen, Forschungsinstitute, Branchenverbände), die in einem bestimmten Technologiefeld oder Wirtschaftszweig interagieren. Michael Porter fasst dies prägnant: Cluster sind „geografische Konzentrationen miteinander verbundener Unternehmen und Institutionen in einem bestimmten Feld“.¹ Cluster‑Theorie erklärt, warum räumliche Nähe und dichte Interaktionsnetze Produktivität, Innovationskraft und Exportfähigkeit einer Region erhöhen.
1. Wirkmechanismen von Clustern
Agglomerationseffekte und Spezialisierung Räumliche Konzentration schafft Vorteile durch spezialisierte Arbeitsmärkte, geteilte Zulieferketten und gemeinsame Infrastruktur. Diese Effekte reduzieren Transaktions‑ und Suchkosten und erhöhen die Produktivität der beteiligten Unternehmen.²
Wissensspillovers und Lernprozesse In Clustern findet intensiver informeller und formaler Wissensaustausch statt (z. B. durch Mitarbeiterwechsel, Kooperationen, Konferenzen). Solche Spillovers beschleunigen kumulatives Lernen und erhöhen die Innovationsrate.³
Vertikale und horizontale Verknüpfungen Cluster verbinden horizontale Partner (Wettbewerber, komplementäre Anbieter) und vertikale Partner (Zulieferer, Abnehmer). Diese Vernetzung ermöglicht schnelle Iterationen zwischen Forschung, Prototyping und Produktion.⁴
Markt‑ und Finanzierungszugang Dichte Netzwerke erleichtern den Zugang zu spezialisierten Dienstleistern, Kapitalgebern und Pilotkunden. In funktionierenden Clustern entstehen spezialisierte Investoren und Business‑Angels, die das Risiko technologischer Skalierung besser bewerten können.⁵
Institutionelle Unterstützung und Governance Cluster profitieren von intermediären Akteuren (Inkubatoren, Transferstellen, Clusterorganisationen) und von klaren Governance‑Strukturen, die Koordination, Standardisierung und gemeinsame Infrastrukturplanung ermöglichen.⁶
2. Cluster als industrielle Ökosysteme: Merkmale und Dynamik
Ko‑Evolution und Pfadabhängigkeit Cluster entwickeln sich evolutionär: historische Spezialisierungen, vorhandene Kompetenzen und frühere Investitionen prägen zukünftige Entwicklungspfade. Neue Technologien können bestehende Pfade verstärken oder erodieren; aktive Politik muss Pfadwechsel ermöglichen, ohne bestehende Stärken zu zerstören.⁷
Komplementarität von Akteuren Ein industrielles Ökosystem funktioniert nur, wenn komplementäre Fähigkeiten vorhanden sind: Forschungskapazität, Fertigungskompetenz, Zuliefernetzwerke, regulatorische Unterstützung und qualifizierte Arbeitskräfte. Fehlende Komponente(n) erzeugen Engpässe, die Skalierung verhindern.⁸
Skalierungs‑ und Diffusionsmechanismen Erfolgreiche Cluster zeigen systematische Mechanismen zur Industrialisierung: gemeinsame Testinfrastruktur (Pilotfabriken), standardisierte Zertifizierungsprozesse, gemeinsame Beschaffungs‑ oder Exportplattformen. Diese Mechanismen reduzieren Markteintrittsbarrieren für Spin‑outs und KMU.⁹
3. Empirische Evidenz: Warum Cluster Innovation und Export fördern
Produktivitätsgewinne Studien zeigen, dass Unternehmen in dichten Clustern höhere Produktivität und schnellere Innovationszyklen aufweisen als isolierte Unternehmen, insbesondere in technologieintensiven Sektoren.¹⁰
Höhere Gründungs‑ und Skalierungsraten Regionen mit starken Clustern weisen höhere Spin‑out‑Raten und eine größere Wahrscheinlichkeit, dass Start‑ups Folgefinanzierungen (Series‑A) erhalten. Dies ist auf bessere Netzwerke, Zugang zu Pilotkunden und spezialisierte Investoren zurückzuführen.¹¹
Exportstärke Cluster treiben Spezialisierung und Qualitätswettbewerb, was die internationale Wettbewerbsfähigkeit und Exportquoten der Region erhöht. Empirische Analysen belegen einen positiven Zusammenhang zwischen Clusterdichte und Exportintensität.¹²
4. Politische Implikationen für die Gestaltung von Clustern
Fokussierung statt Streuung (Smart Specialisation) Politik sollte auf komparative Stärken setzen und thematische Prioritäten durch einen Entrepreneurial Discovery Process ermitteln. Breite, unspezifische Förderprogramme sind weniger wirksam als gezielte Investitionen in komplementäre Felder.¹³
Investition in gemeinsame Infrastruktur Pilotfabriken, Reinräume, Testzentren und Zertifizierungsstellen sind Schlüsselressourcen, die als öffentliche oder öffentlich‑private Infrastruktur bereitgestellt werden müssen, um Industrialisierung zu ermöglichen.¹⁴
Stärkung intermediärer Akteure Transferstellen, Clusterorganisationen und Inkubatoren müssen institutionell und finanziell gestärkt werden, damit sie Netzwerke organisieren, Standards setzen und Zugang zu Kapital vermitteln.¹⁵
Finanzierungsarchitektur mit Hebelwirkung Staatsfonds‑Beteiligungen, Co‑Funding‑Instrumente und gezielte Kreditlinien können privates Kapital mobilisieren und frühe Skalierungsrisiken reduzieren. Beteiligungsmodelle (z. B. 40 %‑Anteile) sollten so gestaltet sein, dass Gründeranreize erhalten bleiben und gleichzeitig Rückflüsse für Reinvestitionen generiert werden.¹⁶
Monitoring und adaptive Governance KPI‑basierte Steuerung, externe Evaluationen und lernende Anpassungsprozesse sind notwendig, um Fehlallokationen zu vermeiden und Instrumente zu optimieren.¹⁷
5. Operationalisierung für Thüringen (Kurzempfehlungen)
Mapping und Priorisierung: Systematisches Mapping vorhandener Kompetenzen (Photonik, MedTech, Mikroelektronik, KI) und Auswahl von 2–3 Fokusclustern mittels EDP.
Infrastruktur‑Bündel: Aufbau themenspezifischer Pilotfabriken gekoppelt an Technologiezentren und universitäre Transferinfrastruktur.
Intermediäre stärken: Ausbau regionaler Transfer‑Hubs, verbindliche Transfer‑KPIs für Hochschulen, Förderung von Inkubatoren.
Finanzielle Hebel: Kombination aus Zukunftsfonds‑Beteiligungen, EU/Bund‑Co‑Funding und zweckgebundenen Abgaben zur Finanzierung gemeinsamer Infrastruktur.
Governance: Einrichtung eines Transformationsrats mit Vertretung von Universitäten, Industrie und Zivilgesellschaft; KPI‑Dashboard für Cluster‑Performance.
Fußnoten / Literatur (ausgewählt)
Porter, M. E. (1998): Clusters and the New Economics of Competition, Harvard Business Review, November–December 1998, S. 77–90.
Marshall, A. (1890): Principles of Economics, Macmillan; vgl. zu Agglomerationseffekten auch Feldman, M. P., & Audretsch, D. B. (1999): Innovation in Cities: Science‑Based Diversity, Specialization and Localized Competition, European Economic Review, 43(2), 409–429.
Jaffe, A. B., Trajtenberg, M., & Henderson, R. (1993): Geographic Localization of Knowledge Spillovers as Evidenced by Patent Citations, Quarterly Journal of Economics, 108(3), 577–598.
Tödtling, F., & Trippl, M. (2005): One Size Fits All? Towards a Differentiated Regional Innovation Policy Approach, Research Policy, 34(8), 1203–1219.
Feldman, M. P., & Zoller, T. D. (2012): Dealmakers in Place: Social Capital Connections in Regional Entrepreneurial Economies, Regional Studies, 46(1), 23–37.
Braczyk, H.-J., Cooke, P., & Heidenreich, M. (Hrsg.) (1998): Regional Innovation Systems — The Role of Governance in a Globalized World, Routledge.
Arthur, W. B. (1994): Increasing Returns and Path Dependence in the Economy, University of Michigan Press.
Asheim, B. T., & Gertler, M. S. (2005): The Geography of Innovation: Regional Innovation Systems, in Fagerberg, J., Mowery, D., & Nelson, R. (Hrsg.), The Oxford Handbook of Innovation, Oxford University Press.
Fraunhofer‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht; vgl. zu Pilotinfrastruktur und Industrialisierung.
Porter, M. E. (1990): The Competitive Advantage of Nations, Free Press; empirische Studien zu Produktivitätsgewinnen in Clustern siehe auch OECD (2019): The Role of Clusters in Regional Development.
Senor, D., & Singer, S. (2009): Start‑Up Nation: The Story of Israel’s Economic Miracle, Twelve.
World Bank (2020): Innovation and Growth in Regions.
Foray, D., David, P. A., & Hall, B. H. (2011): Smart Specialisation — The Concept, European Commission.
OECD (2020): Public Investment Funds and Innovation.
Bercovitz, J., & Feldman, M. (2006): Entrepreneurial Universities and Technology Transfer, Journal of Technology Transfer, 31, 175–188.
Mazzucato, M. (2018): The Entrepreneurial State: Debunking Public vs. Private Sector Myths, Penguin.
European Commission (2020): Monitoring and Evaluation Frameworks for Regional Innovation Policies.
2.3 Staatliche Investitionsfonds und Zukunftsfonds
Definition und Zweck Staatliche Investitionsfonds (im Folgenden: Staatsfonds) sind öffentlich initiierte und oft öffentlich‑privat gemanagte Kapitalvehikel, die langfristig in Unternehmen, Infrastruktur und strategische Vermögenswerte investieren, um ökonomische Ziele wie Industrialisierung, Technologietransfer, Beschäftigungsaufbau und Vermögensbildung zu erreichen. Im Unterschied zu klassischen Zuschussinstrumenten zielen Staatsfonds auf Rendite‑ und Wirkungsorientierung: Sie kombinieren finanzielle Erträge (Dividenden, Lizenz‑ und Royalty‑Einnahmen, Exit‑Gewinne) mit politischen Zielen (Clusterbildung, regionale Entwicklung, strategische Autonomie).¹
1. Typologie und internationale Beispiele
Temasek (Singapur): Ein kommerziell geführter Staatsfonds mit globaler Ausrichtung, der langfristig in Technologie‑ und Industrieunternehmen investiert und dabei hohe Governance‑Standards und professionelle Portfoliomanagement‑Praktiken anwendet.²
Sitra (Finnland): Ein staatsnaher Innovationsfonds mit starkem Fokus auf nachhaltige Transformation, der neben Investments auch strategische Programme zur Innovationsförderung finanziert.³
Yozma‑Modelle (Israel): Staatlich initiierte Seed‑ und Co‑Investment‑Programme, die private VC‑Strukturen katalysierten und durch steuerliche Anreize sowie staatliche Co‑Investments die Gründerszene massiv hebelten.⁴
Bpifrance (Frankreich): Eine Mischform aus Förderbank und Investmentagentur, die Kredite, Garantien und Eigenkapitalinstrumente kombiniert, um Scale‑ups und Exportorientierung zu stärken.⁵
Diese Beispiele zeigen unterschiedliche Governance‑ und Mandatsprofile: von marktorientiert (Temasek) über missionsorientiert (Sitra) bis hin zu hebelnden Co‑Investment‑Modellen (Yozma) und hybriden Förder‑Investment‑Agenturen (Bpifrance).
2. Wirkmechanismen und Finanzierungslogik
Staatsfonds erzeugen Wirkung über mehrere, sich ergänzende Mechanismen:
Direkte Beteiligungen: Erwerb von Minderheits‑ oder Mehrheitsanteilen an Spin‑outs, Scale‑ups oder Infrastrukturprojekten schafft Anspruch auf Dividenden und Exit‑Erträge; zugleich ermöglicht es strategische Einflussnahme (z. B. Zugang zu Pilotkunden, Zertifizierungsnetzwerken).⁶
Royalty‑ und Lizenzmodelle: Statt vollständiger Equity‑Beteiligung können Royalty‑Modelle regelmäßige, umsatzabhängige Rückflüsse sichern und das Risiko für Gründer reduzieren.⁷
Infrastrukturinvestments: Finanzierung von Pilotfabriken, Reinräumen, Testzentren und Rechenkapazitäten erzeugt wiederkehrende Nutzungsgebühren und reduziert Industrialisierungsengpässe.⁸
Co‑Finanzierung und Hebelwirkung: Staatliche Mittel werden als Ankerkapital eingesetzt, um private Co‑Investoren zu mobilisieren; dadurch vervielfacht sich die verfügbare Investitionssumme (Crowding‑in).⁹
Reinvestitionslogik: Rückflüsse werden systematisch reinvestiert, wodurch ein wachsender Kapitalstock entsteht, der langfristig die Abhängigkeit von jährlichen Haushaltszuweisungen reduziert.¹⁰
3. Governance, Rechtsform und Kontrollmechanismen
Die Wirksamkeit und Legitimität eines Staatsfonds hängen maßgeblich von seiner Governance‑Architektur ab. Zentrale Elemente sind:
Rechtsform und Mandat: Stiftung, Anstalt öffentlichen Rechts oder Gesellschaft mit beschränkter Haftung; das Mandat muss Rendite‑ und Wirkungsziele klar trennen und priorisieren.¹¹
Unabhängiger Aufsichtsrat: Externe Expertise (Finanzmarkt, Wissenschaft, Industrie) minimiert politische Kurzfristinterventionen.¹²
Professionelles Management: Marktnahe Investmentteams mit klaren Anreiz‑ und Compliance‑Regeln.¹³
Transparenz und Rechenschaft: Regelmäßige Berichte an Parlament und Öffentlichkeit, externe Audits und Wirkungsbewertungen.¹⁴
Beihilfe‑ und Wettbewerbsrecht: EU‑kompatible Gestaltung (Beihilferegeln) und klare Regeln zur Vermeidung verzerrender Wettbewerbswirkungen.¹⁵
4. Chancen und Risiken für regionale Transformationsprogramme
Chancen
Langfristige Kapitalbasis: Staatsfonds schaffen dauerhafte Finanzierungsquellen für Infrastruktur und Beteiligungen.
Hebelwirkung: Staatliches Ankerkapital mobilisiert privates Kapital und reduziert Finanzierungs‑ und Wahrnehmungsrisiken.
Systemische Wirkung: Kombination aus Infrastruktur, Kapital und Governance kann Engpässe (z. B. Pilotfabriken) gezielt adressieren.¹⁶
Risiken
Politische Einflussnahme: Kurzfristige politische Ziele können Investitionsdisziplin und Renditeerwartungen unterminieren.¹⁷
Marktverzerrung: Unklare Beihilfe‑Gestaltung kann Wettbewerbsverzerrungen hervorrufen.¹⁸
Governance‑Versagen: Fehlende Professionalität oder Transparenz führt zu Ineffizienz und Vertrauensverlust.¹⁹
5. Operationalisierung eines Thüringer Zukunftsfonds (Empfehlungen)
Für Thüringen empfiehlt sich ein hybrides Modell, das internationale Best‑Practices adaptiert:
Rechtsform und Mandat: Gründung einer stiftungsähnlichen Agentur mit parlamentarisch definiertem Mandat: Vermögensaufbau, Industrialisierung, regionale Wertschöpfung. Rückflüsse sind zu 100 % reinvestitionspflichtig.²⁰
40 %‑Beteiligungsregel: Strategische Beteiligungen bis zu 40 % an Spin‑outs, Pilotfabriken und Technologieplattformen; Gründer‑Mehrheiten und Verwässerungsschutz sicherstellen, um Anreize zu wahren.²¹
Finanzierungsquellen: Startkapital aus Landesmitteln, zweckgebundenen Zukunftsabgaben, Bundes‑ und EU‑Programmen sowie privaten Co‑Investments. Kreditlinien zur Überbrückung der Aufbauphase sind zulässig, aber zeitlich begrenzt.²²
Governance‑Architektur: Unabhängiger Aufsichtsrat mit internationalen Experten, Investment‑ und Impact‑Komitees, jährliche externe Evaluationen.²³
Instrumentenmix: Kombination aus Equity, Royalty‑Modellen, Nutzungsgebühren für Infrastruktur und gezielten Proof‑of‑Concept‑Grants zur Risikoreduktion.²⁴
6. Messung von Wirkung und Erfolg
Kernindikatoren zur Evaluation des Fonds sind:
Finanzielle Kennzahlen: Fonds‑NAV, jährliche Rückflüsse (Dividenden, Royalties), Rendite (IRR).
Wirkungskennzahlen: Anzahl Spin‑outs, Arbeitsplätze in geförderten Unternehmen, Exportvolumen, Nutzung von Pilotinfrastruktur, Anteil der Rückflüsse, die reinvestiert werden.²⁵
7. Fazit
Staatliche Investitionsfonds bieten ein leistungsfähiges Instrumentarium, um regionale Transformationsprozesse zu finanzieren und zu steuern. Entscheidend sind ein klares Mandat, professionelle Governance, EU‑konforme Gestaltung und ein ausgewogener Instrumentenmix, der sowohl Gründeranreize schützt als auch langfristige Cashflows für Reinvestitionen erzeugt. Für Thüringen kann ein gut konzipierter Zukunftsfonds die Lücke zwischen exzellenter Forschung und industrieller Skalierung schließen und so den Weg zu nachhaltiger regionaler Souveränität ebnen.
Fußnoten / Literatur (ausgewählt)
OECD (2020): Public Investment Funds and Innovation, OECD Publishing.
Temasek Holdings (2023): Annual Review 2023.
Sitra (2020): Impact Report 2020.
Senor, D., & Singer, S. (2009): Start‑Up Nation: The Story of Israel’s Economic Miracle, Twelve.
Bpifrance (2022): Activity Report 2022.
Mazzucato, M. (2018): The Entrepreneurial State: Debunking Public vs. Private Sector Myths, Penguin.
Senor, D., & Singer, S. (2009): siehe oben; vgl. OECD (2020).
Fraunhofer‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht; OECD (2020).
Yozma‑Analysen: World Bank / OECD Fallstudien zu Israel (2000–2010).
Temasek (2023): siehe oben; Sitra (2020): siehe oben.
OECD (2020): siehe oben; Mazzucato (2018): siehe oben.
Temasek (2023): siehe oben.
Bpifrance (2022): siehe oben.
European Commission (2020): Monitoring and Evaluation Frameworks for Regional Innovation Policies.
European Commission (Beihilferecht): einschlägige Leitlinien zur staatlichen Förderung (EU‑Kommission, 2014 ff.).
OECD (2020); World Bank (2020): Innovation and Growth in Regions.
Mazzucato (2018): siehe oben.
European Commission (2014 ff.): Beihilfeleitlinien; OECD (2020).
OECD (2020); Temasek (2023).
Vorschlag adaptiert an internationalen Best Practices; vgl. Temasek (2023), Sitra (2020).
Modellbegründung siehe Kapitel X (Finanzierungsarchitektur) und internationale Vergleiche (Yozma, Bpifrance).
OECD (2020); European Commission (2020).
Temasek (2023); Bpifrance (2022).
Kombinationsempfehlung gestützt auf Mazzucato (2018) und OECD (2020).
European Commission (2020); OECD (2023): Regions in Industrial Transition.
2.4 Demografische Ökonomie
Der demografische Wandel ist ein zentraler Treiber regionaler Wirtschafts‑ und Innovationsdynamiken. Veränderungen in Bevölkerungsgröße, Altersstruktur, Erwerbsbeteiligung und Migrationsbewegungen beeinflussen Arbeitsmärkte, Humankapital, Produktivität und die Fähigkeit einer Region, Forschung in wirtschaftliche Wertschöpfung zu überführen. Schrumpfende Regionen benötigen deshalb gezielte Strategien zur Talentgewinnung, Rückkehrerförderung und Qualifizierung, um Innovations‑ und Skalierungspotenziale zu erhalten und auszubauen.¹
2.4.1 Wirkpfade: Wie Demografie die Ökonomie einer Region beeinflusst
Arbeitsangebot und Erwerbsstruktur Ein Rückgang der erwerbsfähigen Bevölkerung reduziert das verfügbare Arbeitsangebot, erhöht Lohnkosten in Engpassbereichen und verengt das Spektrum an verfügbaren Qualifikationen. Dies wirkt sich unmittelbar auf die Produktionskapazität und die Möglichkeit zur Skalierung von Unternehmen aus.²
Humankapital und Innovationsfähigkeit Jüngere Kohorten tragen überproportional zur Gründungsdynamik, Risikobereitschaft und technologischen Adoption bei. Sinkende Anteile junger Erwachsener verringern die Gründungsrate, die Mobilität von Talenten und die Verfügbarkeit von MINT‑Fachkräften.³
Produktivität und Wachstumspfad Demografische Schrumpfung kann zu einer Verlangsamung des produktiven Kapazitätswachstums führen; zugleich verändern sich sektorale Kompositionen (z. B. Zunahme von Gesundheits‑ und Pflegeleistungen, Rückgang arbeitsintensiver Produktionen). Langfristig beeinflusst dies die regionale Produktivität und die Exportfähigkeit.⁴
Innovationsnetzwerke und Wissensspillovers Abwanderung verringert die Dichte von Netzwerken, reduziert informelle Spillovers (z. B. durch Mitarbeiterwechsel) und schwächt die lokale Nachfrage nach spezialisierten Dienstleistungen und Infrastruktur, was wiederum die Rentabilität von Pilotfabriken und Technologiezentren mindert.⁵
2.4.2 Empirische Befunde und Datenlage (Allgemein und Thüringen)
Makro‑ und Regionalbefunde Internationale Studien zeigen, dass Regionen mit stabiler oder wachsender Erwerbsbevölkerung höhere Innovations‑ und Wachstumsraten aufweisen; demografische Schrumpfung korreliert häufig mit geringerer Gründungsdynamik und niedrigeren Exportquoten.⁶ Nationale Statistiken und Prognosen belegen, dass ostdeutsche Regionen, darunter Thüringen, seit Jahrzehnten unter Bevölkerungsrückgang und Überalterung leiden, was die regionale Arbeitskräftebasis und das Potenzial zur Skalierung von Forschungsergebnissen einschränkt.⁷
Thüringen — Kennzahlen (Kurzüberblick)
Rückgang der Gesamtbevölkerung seit 1990; Prognosen deuten auf weiteren Rückgang bis 2040.⁸
Überdurchschnittliche Abwanderung junger Erwachsener; Engpässe in MINT‑Berufen.⁹
Hohe Dichte an Forschungseinrichtungen, aber Diskrepanz zwischen Forschungspersonen und industrieller Beschäftigung in High‑Tech‑Sektoren.¹⁰
2.4.3 Politische Reaktionsmuster: Strategien gegen negative demografische Effekte
Talentgewinnung und Rückkehrerförderung
Internationale Rekrutierung: gezielte PhD‑Stipendien, Gründer‑Visa, Relocation‑Pakete.
Rückkehrerprogramme: finanzielle Anreize, berufliche Wiedereingliederung, Netzwerkangebote für Rückkehrende.¹¹
Qualifizierung und Umschulung
Lebenslanges Lernen: modulare Weiterbildungsangebote, Industry‑PhD‑Programme, duale Studiengänge.
Upskilling für KMU: Förderprogramme für betriebliche Weiterbildung, Kooperationen mit Hochschulen.¹²
Familien‑ und Standortpolitik
Lebensqualitätsmaßnahmen: Kinderbetreuung, Wohnraumförderung, Mobilitätsinfrastruktur, Kultur‑ und Freizeitangebote zur Bindung junger Familien.¹³
Arbeitsmarkt‑ und Migrationspolitik
Gezielte Zuwanderung: Anerkennung ausländischer Abschlüsse, Sprach‑ und Integrationsprogramme.
Flexibilisierung der Arbeitsmodelle: Remote‑Arbeit, Pendleranreize, Teilzeitmodelle für hochqualifizierte Fachkräfte.¹⁴
2.4.4 Spezifische Maßnahmen für die Verbindung Demografie ↔ Innovationsökosystem
1. Talentzentren und Career Hubs Regionale Hubs, die Studien‑, Karriere‑ und Gründungswege verknüpfen, erhöhen die Bindung von Absolventen an die Region und erleichtern Übergänge in Spin‑outs und lokale Unternehmen.¹⁵
2. PhD‑ und Postdoc‑Fellowships mit Gründungsoption Langfristige Stipendien mit Sabbatical‑Optionen für Gründungsphasen reduzieren das Risiko für Forschende und erhöhen Spin‑out‑Raten.¹⁶
3. Rückkehrer‑Finanzierung und Netzwerkprogramme Gezielte Zuschüsse für Rückkehrer‑Startups, Mentoring‑Netzwerke und Co‑Working‑Stipendien fördern die Re‑Integration und beschleunigen Unternehmensgründungen.¹⁷
4. Regionale Lebensqualitätsinvestitionen Investitionen in Wohnraum, Kinderbetreuung und Kultur sind kosteneffiziente Hebel zur Bindung junger Familien und Talente.¹⁸
2.4.5 Indikatoren zur Messung demografischer Effekte auf Innovation
Erwerbsquoten nach Altersgruppen (15–24, 25–34, 35–54)
Netto‑Migrationssaldo (insbesondere 18–35 Jahre)
Anteil der Bevölkerung mit tertiärem Abschluss
Spin‑outs pro 10.000 Studierende / Forschende
Anteil der Unternehmen mit Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen (Fachkräfteengpass‑Index)
Nutzungsrate von Talent‑ und Career‑Hubs
Diese Indikatoren erlauben eine zeitnahe Überwachung und die Ableitung adaptiver Maßnahmen.¹⁹
2.4.6 Methodische Hinweise für die Dissertation
Datenquellen
Sekundärdaten: Destatis, Statistisches Landesamt Thüringen, Eurostat, IAB‑Prognosen, Hochschulstatistiken, Patentdatenbanken.
Primärdaten: standardisierte Unternehmensbefragungen zu Fachkräftebedarf, Alumni‑Tracking der Hochschulen, Interviews mit HR‑Verantwortlichen und Transferstellen.
Analytische Verfahren
Deskriptive Zeitreihenanalyse zur Darstellung demografischer Trends.
Panel‑Regressionen zur Schätzung des Effekts demografischer Variablen auf Gründungsraten, Patentanmeldungen und Exportintensität.
Counterfactual‑Szenarien (Szenario‑Modellierung) zur Abschätzung der Wirkung von Rekrutierungs‑ und Qualifizierungsmaßnahmen.
Netzwerkanalysen zur Messung der Dichte und Robustheit von Innovationsnetzwerken in Abhängigkeit von Mobilitätsmustern.²⁰
2.4.7 Schlussfolgerung
Demografische Entwicklungen sind kein externer Schicksalsfaktor, sondern ein politisch beeinflussbarer Parameter regionaler Innovationsfähigkeit. Für Thüringen bedeutet dies: Nur durch eine integrierte Strategie — die Talentgewinnung, Rückkehrerförderung, Qualifizierung und Lebensqualitätsinvestitionen verbindet — lassen sich die demografischen Risiken in Chancen für die regionale Transformation ummünzen. Die demografische Ökonomie liefert damit die rationale Grundlage für die in dieser Dissertation vorgeschlagenen Instrumente (Zukunftsfonds, Stipendien, Pilotfabriken, Cluster‑Blueprints).
Fußnoten und Literatur (ausgewählt)
OECD (2021): Demographic Change and Regional Economies, OECD Publishing.
Destatis (2023): Bevölkerungsentwicklung in Deutschland, Statistisches Bundesamt.
Bloom, D., Canning, D., & Sevilla, J. (2003): The Demographic Dividend: A New Perspective on the Economic Consequences of Population Change, RAND Corporation.
World Bank (2020): Innovation and Growth in Regions.
Jaffe, A. B., Trajtenberg, M., & Henderson, R. (1993): Geographic Localization of Knowledge Spillovers as Evidenced by Patent Citations, Quarterly Journal of Economics, 108(3), 577–598.
OECD (2023): Regions in Industrial Transition, OECD Publishing.
Thüringer Landesamt für Statistik (2023): Regionalstatistische Daten Thüringen.
Destatis (2023): siehe oben.
IAB (2022): Arbeitsmarktprognose Ostdeutschland 2035, Institut für Arbeitsmarkt‑ und Berufsforschung.
Fraunhofer‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht; vgl. regionale Forschungsdichte‑Statistiken.
European Commission (2012): Guide to Research and Innovation Strategies for Smart Specialisation (RIS3).
OECD (2019): Skills for Jobs: Regional Perspectives.
European Commission (2020): Policy Measures for Attracting and Retaining Talent in Regions.
OECD (2021): siehe oben.
Bercovitz, J., & Feldman, M. (2006): Entrepreneurial Universities and Technology Transfer, Journal of Technology Transfer, 31, 175–188.
Mazzucato, M. (2018): The Entrepreneurial State, Penguin.
Senor, D., & Singer, S. (2009): Start‑Up Nation, Twelve.
World Bank (2018): Urbanization and Quality of Life.
European Commission (2020): Monitoring and Evaluation Frameworks for Regional Innovation Policies.
Methodische Hinweise adaptieren an Kapitel 14 (Methodik) dieser Dissertation.
2.5 Export‑ und Skalierungsmodelle
Wirtschaftliches Wachstum einer Region entsteht primär durch Skalierung von produktiven Aktivitäten auf externe Märkte; lokale Nachfrage allein reicht nicht aus, um nachhaltige Produktivitäts‑ und Beschäftigungszuwächse zu erzeugen. Regionen, die systematisch exportieren, weisen höhere Produktivität, größere Innovationsdynamik und größere Resilienz gegenüber lokalen Nachfrageschocks auf.
1. Theoretische Grundlagen des Export‑geleiteten Wachstums
Export‑geleitete Wachstumsmodelle betonen, dass extern nachgefragte Wertschöpfung die Basis für kumulative Wachstumsprozesse bildet: Exporterlöse finanzieren Investitionen, ermöglichen Spezialisierung und schaffen Skalenvorteile, die wiederum Produktivität und Innovationsanreize erhöhen. Klassische und neuere Beiträge verbinden diese Idee mit Agglomerations‑ und Kumulativ‑Effekten (Kaldor‑Thirlwall‑Ansatz, cumulative causation).
Implikationen für Regionen: Exportorientierung erfordert (a) technologische Wettbewerbsfähigkeit, (b) Zugang zu Produktions‑ und Testinfrastruktur (Pilotfabriken), (c) Netzwerke zu internationalen Kunden und (d) Finanzierungsinstrumente, die Skalierung ermöglichen. Ohne diese Elemente bleiben Innovationen lokal und können nicht in industrielle Wertschöpfung überführt werden.
2. Mechanismen der Skalierung: Wie Exporte Wachstum erzeugen
Ressourcenhebelung: Exporte vergrößern die Absatzbasis, wodurch Fixkostendegression und Spezialisierung möglich werden; dies erhöht Margen und schafft Raum für Re‑Investitionen in F&E.
Wissens‑ und Technologieadoption: Internationale Märkte verlangen Standards und Qualität; der Wettbewerb zwingt zu Prozess‑ und Produktinnovationen, die wiederum die Produktivität steigern.
Finanzierungsdynamik: Exportfähige Unternehmen ziehen leichter externes Kapital an (VC, Corporate Buyers), weil Skalierbarkeit und Marktpotenzial klarer quantifizierbar sind. Staatliche Co‑Investments und Fonds können diesen Hebel verstärken.
Kumulative Kausalität: Einmal erreichte Export‑Erfolge führen zu weiteren Investitionen, Zuliefernetzwerken und Talentzuflüssen — ein Pfad, der sich selbst verstärkt (cumulative causation).
3. Empirische Evidenz und Befunde (Kurzüberblick)
Export‑Intensität und Wachstum: Ländervergleiche und regionale Studien zeigen einen robusten positiven Zusammenhang zwischen Exportintensität und BIP‑Wachstum; dies gilt auch auf subnationaler Ebene, sofern Regionen über die nötige Produktions‑ und Innovationsinfrastruktur verfügen.
Sektorale Unterschiede: High‑tech‑Sektoren (Photonik, Mikroelektronik, MedTech, BioTech) profitieren überproportional von Exportmärkten, weil Skaleneffekte und Standardisierung hier besonders stark wirken.
Grenzen des Modells: Exportorientierung allein reicht nicht; ohne lokale Kapazitäten (Pilotfabriken, qualifizierte Arbeitskräfte, Zertifizierungsinfrastruktur) bleiben viele Innovationsprojekte im Laborstadium. Empirische Studien betonen daher die Notwendigkeit integrierter Maßnahmenpakete.
4. Modelle der Skalierungsförderung: Politische Instrumente
4.1 Nachfrageorientierte Instrumente
Exportförderprogramme (Markterschließung, Messe‑ und Vertriebsförderung) reduzieren Markteintrittskosten.
Öffentliche Beschaffung als Ankerkunde für skalierbare Technologien (Lead‑Market‑Ansatz).
4.2 Angebotsorientierte Instrumente
Pilotfabriken und Testinfrastruktur: Ermöglichen Seriennahen Nachweis und Zertifizierung; reduzieren Industrialisierungsrisiken.
Talent‑ und Qualifizierungsprogramme: Sichern die Verfügbarkeit von Fachkräften für Skalierungsphasen.
Finanzierungsinstrumente: Co‑Investments, Kreditlinien, Royalty‑Modelle und Staatsfonds‑Beteiligungen, die frühe Skalierungsphasen überbrücken.
4.3 Systemische Instrumente
Cluster‑ und Exporthubs: Bündeln Angebot, Infrastruktur und Marktzugang; schaffen Sichtbarkeit gegenüber internationalen Kunden.
Regulatorische Unterstützung: Standardisierung, Zertifizierungsbeschleunigung, Exportkontrollen vereinfachen Marktzugang.
5. Konkrete Ableitungen für Thüringen
Priorität auf exportfähige Technologien: Fokussierung auf Photonik, MedTech, Mikroelektronik und KI, gekoppelt an gezielte Export‑Roadmaps.
Infrastruktur‑Bündel: Jedes Fokuscluster benötigt mindestens eine Pilotfabrik, ein Technologiezentrum und ein Export‑Support‑Team (Zertifizierung, Marktzugang). Diese Infrastruktur reduziert Time‑to‑Market und erhöht die Wahrscheinlichkeit erfolgreicher Skalierung.
Finanzierungsbrücken: Kombination aus EU/Bund‑Fördermitteln, Zukunftsfonds‑Beteiligungen (40 %‑Modell) und zeitlich befristeten Kreditlinien, um die kritische Aufbauphase zu überbrücken.
Messbare Ziele: Exportquote geförderter Unternehmen, Anteil der Umsätze aus Auslandsmärkten, Time‑to‑First‑Export, Anteil der Unternehmen mit Serienproduktion innerhalb 3 Jahren — diese KPIs sind zentral für Monitoring und adaptive Steuerung.
6. Indikatoren zur Evaluation von Skalierungserfolg
Exportquote geförderter Unternehmen (Umsatzanteil Ausland).
Time‑to‑Market (Monate bis erste Serienlieferung).
Anteil der Spin‑outs mit Folgefinanzierung (Series‑A innerhalb 5 Jahren).
Belegungsrate Pilotinfrastruktur (Nutzungsstunden / Kapazität).
Netto‑Exportwachstum des Clusters (jährliche Veränderung).
Diese Indikatoren erlauben eine zeitnahe Bewertung, ob Investitionen in Infrastruktur, Finanzierung und Talent tatsächlich zu exportgetriebenem Wachstum führen.
Literaturhinweise (ausgewählte Quellen)
Hausmann, R. (2024): Export‑led Growth, Growth Lab Working Paper, Harvard Kennedy School.
Economics Network (2010): Export led models of regional Growth (Lehrmaterial zu Export‑Demand‑Modellen und kumulativer Kausalität).
Grodzicki, M. J., & Możdżeń, M. (2025): Distributive cycles in the export‑led growth model (CEEC‑Analyse).
Hagemejer, J., & Mućk, J. (2019): Export‑led growth and its determinants: Evidence from CEEC countries, SNB/Universität Warschau.
Behringer, J., & van Treeck, T. (2018): Revisiting debt‑led and export‑led growth models, FMM Working Paper
2.6 Internationale Transformationsmodelle
Finnland, Israel und Singapur zeigen, wie kleine Regionen durch strategische Investitionen globale Wettbewerbsfähigkeit erreichen können.⁶
¹ Cooke, Philip (2001): Regional Innovation Systems, Industrial and Corporate Change, Vol. 10, No. 4. ² Porter, Michael (1998): Clusters and the New Economics of Competition, Harvard Business Review. ³ OECD (2020): Public Investment Funds and Innovation, Paris. ⁴ OECD (2021): Demographic Change and Regional Economies. ⁵ World Bank (2020): Innovation and Growth in Regions. ⁶ Senor, Dan & Singer, Saul (2009): Start‑Up Nation, New York.
📘 KAPITEL 3 – AUSGANGSLAGE THÜRINGEN
Dieses Kapitel analysiert die wirtschaftliche, demografische und technologische Ausgangslage Thüringens. Es fasst die relevanten Befunde zusammen, identifiziert strukturelle Schwächen und leitet daraus die empirische Grundlage für das Transformationsmodell der Dissertation ab.
3.1 Makroökonomische Lage und Strukturmerkmale
Wirtschaftsstruktur Thüringen weist eine gemischte Wirtschaftsstruktur auf: einerseits eine vergleichsweise hohe Dichte an forschungsintensiven Einrichtungen (Universitäten, Fraunhofer‑Institute, Max‑Planck‑Einrichtungen), andererseits eine Unternehmenslandschaft, die durch viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie eine relativ geringe Anzahl großer, globaler Ankerunternehmen geprägt ist. Diese Struktur begünstigt Forschungsexzellenz, erschwert aber die industrielle Skalierung und die Bildung großer, exportstarker Wertschöpfungsketten.¹
Produktivität und Wertschöpfung Die Arbeitsproduktivität in Thüringen liegt unter dem deutschen Durchschnitt; produktivitätsrelevante Indikatoren zeigen heterogene Entwicklungen zwischen urbanen Zentren (z. B. Jena, Erfurt) und ländlichen Räumen. Investitionsintensität und Kapitalausstattung der Industrie sind in vielen Bereichen noch ausbaufähig, was die Fähigkeit zur Serienproduktion und zum internationalen Wettbewerb einschränkt.²
Export‑ und Außenhandelsprofil Thüringer Unternehmen sind in bestimmten Nischen (Photonik, MedTech, Maschinenbau‑Zulieferung) international wettbewerbsfähig, die Gesamt‑Exportquote der Region bleibt jedoch hinter führenden deutschen Industrieregionen zurück. Eine stärkere Internationalisierung geförderter Spin‑outs ist zentral für nachhaltiges Wachstum.³
3.2 Demografische Ausgangslage
Bevölkerungsentwicklung Thüringen gehört zu den ostdeutschen Flächenländern, die seit der Wiedervereinigung Bevölkerungsverluste und eine Alterung der Bevölkerung verzeichnen. Die demografische Entwicklung ist räumlich ungleich: Ballungsräume und Universitätsstädte halten tendenziell besser, während periphere Landkreise stärker schrumpfen.⁴
Arbeitsmarkt und Fachkräfte Es bestehen Engpässe in MINT‑Berufen und in spezialisierten Ingenieursdisziplinen; gleichzeitig ist die Abwanderung junger Erwachsener in westdeutsche Zentren und ins Ausland ein strukturelles Problem. Die Folge sind erhöhte Rekrutierungskosten, längere Besetzungszeiten für Schlüsselstellen und eine Verlangsamung von Skalierungsprozessen in technologieintensiven Projekten.⁵
Soziale Infrastruktur und Lebensqualität Infrastruktur‑ und Lebensqualitätsindikatoren (Wohnraum, Kinderbetreuung, Kultur‑ und Freizeitangebote, Mobilität) variieren stark zwischen Städten und Landkreisen. Diese Unterschiede beeinflussen die Attraktivität für Fachkräfte und Rückkehrer.⁶
3.3 Technologische Stärken und Innovationskapazitäten
Forschungseinrichtungen und Wissensbasis Thüringen verfügt über eine hohe Dichte an Forschungsinstitutionen mit internationaler Sichtbarkeit, insbesondere in Photonik, Optik, Medizintechnik, Mikroelektronik und Materialwissenschaften. Diese Wissensbasis ist eine zentrale Stärke und bildet das Rohmaterial für Spin‑outs und technologiegetriebene Unternehmensgründungen.⁷
Transferleistung und Kommerzialisierung Trotz hoher Forschungsleistung bestehen Lücken im Technologietransfer: niedrige Spin‑out‑Raten relativ zur Forschungsdichte, begrenzte Proof‑of‑Concept‑Finanzierung und unzureichende industrielle Validierungsinfrastruktur (Pilotfabriken, Seriennaher Testkapazitäten). Diese Lücke zwischen Forschung und Industrie ist ein zentrales Hemmnis für die regionale Industrialisierung von Innovationen.⁸
Infrastrukturdefizite Fehlende oder unterdimensionierte Pilotinfrastruktur (Reinräume, Seriennaher Fertigungsraum, zertifizierte Testzentren) sowie begrenzte Verfügbarkeit von risikokapitalähnlichen Finanzierungsinstrumenten behindern die Skalierung. Digitale Infrastruktur und Rechenkapazitäten sind in den Hochschulzentren gut, in peripheren Regionen jedoch heterogen ausgebaut.⁹
3.4 Institutionelle und governance‑bezogene Befunde
Förderlandschaft und Koordination Thüringen profitiert von Bundes‑ und EU‑Förderprogrammen; die Herausforderung liegt in der Koordination der Mittel, der Bündelung von Programmen zu skalierbaren Investitionspaketen und in der Schaffung langfristiger Finanzierungsinstrumente (z. B. Zukunftsfonds). Fragmentierte Förderlandschaften führen zu kurzzyklischen Projekten ohne nachhaltige Vermögensbildung.¹⁰
Intermediäre und Transferorganisationen Transferstellen, Clusterorganisationen und regionale Wirtschaftsförderungen sind vorhanden, aber in ihrer Kapazität und Vernetzung unterschiedlich stark. Stärkere, institutionalisierte Intermediäre sind notwendig, um Pilotinfrastruktur zu betreiben, Nachfrage zu bündeln und private Co‑Investoren zu mobilisieren.¹¹
3.5 Regionale Disparitäten und räumliche Muster
Polyzentrische Potenziale Thüringen besitzt mehrere Zentren mit komplementären Stärken (z. B. Jena: Optik/Photonik; Ilmenau: Mikroelektronik/Ingenieurwissenschaften; Erfurt: Verwaltung, Logistik). Eine polyzentrische Strategie, die diese Zentren vernetzt, kann Flächeneffekte nutzen und regionale Disparitäten abmildern.¹²
Periphere Risiken Periphere Landkreise sind von Abwanderung, geringerer Infrastrukturdichte und niedrigerer Unternehmensdynamik betroffen. Ohne gezielte Maßnahmen drohen dort langfristig Verlust an Wertschöpfung und soziale Verödung.¹³
3.6 SWOT‑Kurzdiagnose (kompakt)
Stärken: Hohe Forschungsdichte; spezialisierte Exzellenzen (Photonik, MedTech); vorhandene Hochschullandschaft; EU‑ und Bundesförderzugang.
Schwächen: Geringe Spin‑out‑Skalierung; fehlende Pilotinfrastruktur; Fachkräfteengpässe; fragmentierte Förderlandschaft.
Chancen: Aufbau von Pilotfabriken und Technologiezentren; Zukunftsfonds‑Hebelwirkung; gezielte Talentoffensive; Exportorientierte Skalierung.
Risiken: Anhaltende demografische Schrumpfung; politische Kurzfristigkeit; Wettbewerbsverzerrungen bei unsauberer Fonds‑Gestaltung.
3.7 Implikationen für das Transformationsmodell
Die Ausgangslage zeigt: Technologische Exzellenz allein reicht nicht. Thüringen benötigt ein integriertes Paket aus Infrastruktur (Pilotfabriken, Reinräume), Finanzierungsarchitektur (Zukunftsfonds, Co‑Investments), Talentpolitik (PhD‑Stipendien, Rückkehrerprogramme) und koordinierten Governance‑Mechanismen (Transformationsrat, KPI‑Monitoring). Nur so lassen sich Forschungsergebnisse in exportfähige Industrie überführen und langfristige, resiliente Wertschöpfungsketten etablieren.
3.8 Datenquellen und Methodik (für die empirische Analyse)
Primäre Datenquellen (für die folgenden Kapitel und empirische Analysen):
Statistisches Landesamt Thüringen (Bevölkerung, Beschäftigung, Branchenstruktur).
Destatis / Eurostat (Makroindikatoren, Vergleichswerte).
Fraunhofer‑ und Hochschulberichte (F&E‑Kapazitäten, Transferstatistiken).
IHK Thüringen (Unternehmensstruktur, Exportdaten).
Förderdatenbanken (Bund, EU) (Projekt‑ und Mittelverteilung).
Methodischer Zugang: Kombination aus deskriptiver Statistik (Zeitreihen, regionale Indikatoren), Netzwerkanalysen (Kooperationsdichte Uni‑Industrie), Fallstudien (Pilotfabriken, Spin‑outs) und Szenario‑Modellierung zur Abschätzung von Wirkpfaden (Finanzierungsmodelle, Talentmaßnahmen).
Literatur und Quellen (ausgewählte Referenzen)
Thüringer Landesamt für Statistik: Regionalstatistische Daten Thüringen.
Destatis: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen; Produktivitätsstatistiken.
IHK Thüringen: Jahresberichte und Exportanalysen.
Fraunhofer‑Gesellschaft: Jahresberichte; Studien zur Pilotinfrastruktur.
OECD (2023): Regions in Industrial Transition.
European Commission (2012/2020): RIS3‑Guides; Monitoring Frameworks.
BMBF / BMWK: Förderprogramme und Strategie‑Papiere zu Strukturwandel und Innovation
3.1 Wirtschaftliche Struktur
Thüringen ist geprägt von einer mittelständischen Wirtschaftsstruktur mit hoher Bedeutung industrieller Wertschöpfung. Rund 30 % der Bruttowertschöpfung entfallen auf das verarbeitende Gewerbe, womit das Land über dem bundesweiten Durchschnitt liegt.¹ Gleichzeitig bleibt die Arbeitsproduktivität hinter westdeutschen Regionen zurück. Ursachen hierfür sind vor allem geringere Skalierung, eine überwiegende Zahl kleinerer Unternehmensgrößen und eine vergleichsweise niedrige Exportquote einzelner Branchen, was die Ertragskraft und Investitionsfähigkeit der regionalen Industrie begrenzt.
Die Wirtschaftsstruktur Thüringens ist breit diversifiziert, jedoch fehlt häufig eine dominante Leitindustrie mit kritischer Masse in Schlüsseltechnologien. Diese Diversifikation erhöht zwar die Resilienz gegenüber sektoralen Schocks, führt aber zugleich zu Fragmentierung der Wertschöpfung und erschwert die Bildung großskaliger, international wettbewerbsfähiger Produktionsketten. Für die Transformationsstrategie bedeutet dies: Es bedarf gezielter Maßnahmen zur Schaffung von Skalierungspools (z. B. Pilotfabriken, gemeinsame Produktionsinfrastruktur) und zur Förderung exportfähiger Wertschöpfungsketten, damit die vorhandene Forschungs‑ und Technologiekompetenz in nachhaltiges Wachstum überführt werden kann.
Fußnote ¹ Thüringer Landesamt für Statistik (2023): Wirtschaftsdaten Thüringen, Erfurt.
3.2 Demografische Trends
Thüringen gehört zu den am stärksten vom demografischen Wandel betroffenen Regionen Europas. Die Bevölkerung ist seit 1990 um mehr als 20 % geschrumpft; Prognosen weisen auf einen weiteren Rückgang bis 2040 hin.² Diese Entwicklung manifestiert sich in mehreren miteinander verknüpften Herausforderungen, die die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Innovationskraft des Landes nachhaltig beeinträchtigen können:
Überalterung der Bevölkerung Der Anteil älterer Alterskohorten steigt, was die Abhängigkeit von Gesundheits‑ und Pflegeleistungen erhöht und die relative Zahl der Erwerbsfähigen reduziert.
Abwanderung junger Menschen Insbesondere die Altersgruppe der 18–35‑Jährigen weist Nettoabwanderungen auf; dies schwächt Gründungsdynamik, Risikobereitschaft und die Verfügbarkeit junger Fachkräfte.
Rückgang der Erwerbsbevölkerung Sinkende Erwerbsquoten verringern das Arbeitsangebot, verschärfen Fachkräfteengpässe und erhöhen Lohn‑ und Rekrutierungskosten in Schlüsselbereichen.
Steigender Fachkräftebedarf Gleichzeitig wächst der Bedarf an hochqualifizierten MINT‑Fachkräften für die regionalen Technologie‑Cluster (Photonik, MedTech, Mikroelektronik), wodurch strukturelle Engpässe entstehen.
Diese Trends wirken nicht isoliert: Abwanderung und Überalterung reduzieren die Dichte von Innovationsnetzwerken, verringern informelle Wissensspillovers und mindern die Nachfrage nach spezialisierter Infrastruktur (z. B. Pilotfabriken). Ohne gezielte Gegenmaßnahmen drohen langfristig sinkende Gründungsraten, geringere Skalierungschancen für Spin‑outs und eine Verlangsamung des produktiven Wachstums.
Politische Handlungsfelder (Kurzüberblick)
Talentgewinnung: internationale Rekrutierung, Thüringen‑Visa, gezielte PhD‑Stipendien.
Rückkehrerförderung: finanzielle Anreize, Netzwerk‑ und Mentoringprogramme.
Qualifizierung: modulare Weiterbildungsangebote, Industry‑PhD, duale Studiengänge.
Lebensqualitätsinvestitionen: Wohnraum, Kinderbetreuung, Mobilität, Kulturangebote zur Bindung junger Familien.
Datenquellen und Indikatoren Zur empirischen Analyse sollten u. a. folgende Indikatoren herangezogen werden: Bevölkerungsentwicklung, Altersstruktur, Netto‑Migrationssaldo (18–35 Jahre), Erwerbsquoten nach Altersgruppen, Anteil der Bevölkerung mit tertiärem Abschluss sowie Fachkräfteengpass‑Indikatoren. Relevante Datenlieferanten sind Destatis, das Thüringer Landesamt für Statistik, IAB‑Prognosen und Hochschulstatistiken.
Fußnote ² Destatis (2023): Demografischer Wandel in Deutschland, Wiesbaden.
3.3 Industrielle Basis und KMU‑Struktur
Thüringen verfügt über eine robuste industrielle Basis mit ausgeprägten Spezialisierungen in Optik und Photonik, Medizintechnik, Mikroelektronik, Maschinenbau sowie der Automobilzulieferindustrie. Diese Sektoren bilden das technologische Rückgrat der regionalen Wertschöpfung und sind zugleich die wichtigsten Träger potenzieller Spin‑outs und technologiegetriebener Skalierungsprojekte.
Gleichzeitig ist die Unternehmenslandschaft stark mittelständisch geprägt: rund 99 % der Unternehmen in Thüringen sind KMU, was hohe Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und eine breite Verankerung in der regionalen Ökonomie gewährleistet.¹ Diese Struktur bringt jedoch auch spezifische Herausforderungen mit sich: Viele Unternehmen verfügen nur über begrenzte interne Ressourcen für großvolumige Investitionen, Internationalisierung und Serienproduktion. Die Folge sind begrenzte Skalierungsfähigkeit, fragmentierte Zulieferketten und eine geringere Wahrscheinlichkeit, dass einzelne Unternehmen die kritische Masse für internationale Marktführerschaft erreichen.
Für die Transformationsstrategie ergeben sich daraus zwei zentrale Handlungsfelder:
Skalierungspools schaffen: Gemeinsame Produktions‑ und Validierungsinfrastrukturen (Pilotfabriken, Reinräume, Seriennaher Fertigungsraum) bündeln Kapazitäten mehrerer KMU und reduzieren individuelle Investitionshürden.
Finanzielle Hebel und Kooperationsanreize: Co‑Investment‑Modelle, Beteiligungen über einen Zukunftsfonds sowie gezielte Export‑ und Internationalisierungsprogramme erhöhen die Chancen, dass KMU zu exportfähigen Scale‑ups heranwachsen, ohne ihre unternehmerische Autonomie zu verlieren.
Diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Stärken der mittelständischen Struktur (Flexibilität, Spezialisierung, regionale Verwurzelung) mit Instrumenten zu ergänzen, die Skalierung, Serienreife und internationale Wettbewerbsfähigkeit ermöglichen.
Fußnote ¹ IHK Thüringen (2022): Wirtschaftsbericht Thüringen, Erfurt.
3.4 Forschungs‑ und Technologielandschaft
Thüringen verfügt im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße über eine außergewöhnlich starke Forschungslandschaft. Die Dichte an exzellenten Forschungseinrichtungen bildet das wissenschaftliche Rückgrat der Region und liefert die technologische Basis für Spin‑outs, Patente und hochqualifizierte Arbeitsplätze. Zu den zentralen Einrichtungen zählen Fraunhofer IOF (Jena), Fraunhofer IPHT (Jena), Fraunhofer IKTS (Hermsdorf), das Max‑Planck‑Institut für Biogeochemie (Jena), das Max‑Planck‑Institut für chemische Ökologie (Jena) sowie die Universitäten in Jena, Ilmenau, Erfurt und Weimar.⁴
Stärken
Hohe Forschungsdichte: International sichtbare Publikationen, Patente und Forschungskooperationen, insbesondere in Photonik, Optik, Medizintechnik, Mikroelektronik und Materialwissenschaften.
Talente und Ausbildung: Starke MINT‑Ausbildung an Universitäten und Forschungsinstituten liefert qualifizierte Absolventinnen und Absolventen.
Interdisziplinäre Kompetenz: Enge fachliche Überschneidungen zwischen Optik, Materialwissenschaften und Biotechnologie ermöglichen innovationsfördernde Cross‑Fertilization.
Schwächen und Engpässe
Mangel an Industrialisierungsinfrastruktur: Es fehlen flächendeckend seriennahe Pilotfabriken, zertifizierte Testzentren und Reinraumkapazitäten, die für die Validierung und Skalierung von Forschungsergebnissen notwendig sind.
Niedrige Transfer‑ und Spin‑out‑Raten: Trotz hoher Forschungsleistung ist die Umwandlung in kommerzielle Unternehmen und marktfähige Produkte unterdurchschnittlich. Ursachen sind begrenzte Proof‑of‑Concept‑Finanzierung, unzureichende Business‑Development‑Kapazitäten und fehlende Brücken zu industriellen Partnern.
Unzureichende Exportmechanismen: Es fehlen systematische Export‑ und Internationalisierungsprogramme, die junge Technologieunternehmen beim Markteintritt in Auslandsmärkte unterstützen.
Implikationen für die Transformationsstrategie
Priorität 1: Aufbau und Vernetzung von Pilotinfrastruktur (Reinräume, Seriennahe Fertigung, Testzentren) an den Hochschul‑ und Institutsstandorten, gekoppelt an subventionierte Nutzungsmodelle für Spin‑outs und KMU.
Priorität 2: Stärkung von Transferorganisationen und Business‑Development‑Einheiten an Universitäten und Fraunhofer‑Instituten, inklusive Proof‑of‑Concept‑Finanzierung und Mentoring‑Programmen.
Priorität 3: Integration der Forschungsinfrastruktur in Cluster‑ und Exportstrategien, damit Forschungsergebnisse schneller zu exportfähigen Produkten und Dienstleistungen werden.
Kurzfazit Die Forschungslandschaft Thüringens ist ein klarer Wettbewerbsvorteil. Ohne gezielte Investitionen in Industrialisierungsinfrastruktur, Transferkapazitäten und Internationalisierungsmechanismen bleibt jedoch das volle wirtschaftliche Potenzial ungenutzt. Die vorgeschlagenen Maßnahmen (Pilotfabriken, Zukunftsfonds, Transfer‑Hubs) zielen darauf ab, diese Lücke zu schließen und Forschung in nachhaltige, exportfähige Industrie zu überführen.
⁴ Fraunhofer‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht, München.
3.5 Regionale Disparitäten und Mittelstädte
Thüringen ist polyzentrisch strukturiert: Neben den Hochschul‑ und Technologiestandorten (Jena, Ilmenau, Erfurt, Weimar) existiert ein dichtes Netz von Mittelstädten wie Eisenach, Gera, Suhl, Nordhausen und weiteren Kommunen. Diese Mittelstädte verfügen über konkrete Standortvorteile — industrielle Tradition, verfügbare Flächen, ein Basispotenzial an Fachkräften und vorhandene Infrastruktur — stehen jedoch zugleich vor strukturellen Schwächen, weil Investitionen, Forschung und Innovationsaktivitäten sich häufig auf wenige Zentren konzentrieren. Die Folge sind wachsende regionale Disparitäten, die gezielte, räumlich differenzierte Politikmaßnahmen erfordern.¹
1. Bestandsaufnahme: Assets und Defizite
Assets
Industrielle Tradition und Zuliefernetzwerke: Viele Mittelstädte besitzen historische Produktionsstandorte und spezialisierte Zulieferbetriebe, die vorhandene Kompetenzen und Fertigungserfahrung bündeln.²
Verfügbare Flächen: Konversionsflächen und ehemalige Industrieareale bieten kostengünstige Standortoptionen für Ansiedlungen, Pilotprojekte und Produktionsaufbauten.³
Fachkräftepotenzial: Berufsschulen, lokale Ausbildungsbetriebe und Pendlerbeziehungen zu Hochschulzentren liefern ein Grundangebot an Fachkräften; in einigen Mittelstädten existieren zudem spezialisierte Weiterbildungsangebote.⁴
Infrastruktur: Verkehrsanbindung, Gewerbegebiete und kommunale Dienstleistungen sind vielfach vorhanden, wenn auch in Qualität und Dichte heterogen.⁵
Defizite
Geringere Forschungs‑ und Transferdichte: Mittelstädte verfügen meist nicht über eigene Hochschulen oder größere Forschungsinstitute; dadurch fehlen direkte Transferkanäle, Proof‑of‑Concept‑Kapazitäten und regelmäßige Kooperationsimpulse.⁶
Finanzierungs‑ und Investorennetzwerke: Die Präsenz von Business Angels, Venture Capital und spezialisierten Finanzakteuren ist in Mittelstädten deutlich schwächer als in Hochschulzentren, was Seed‑ und Scale‑Finanzierungen erschwert.⁷
Demografische Belastungen: Abwanderung junger Erwachsener und Überalterung reduzieren lokale Nachfrage, Gründungsdynamik und langfristiges Wachstumspotenzial.⁸
Konzentration von Investitionen: Steuerkraft, Gewerbeansiedlungen und Innovationsaktivitäten konzentrieren sich häufig auf wenige prosperierende Zentren, wodurch Mittelstädte strukturell ins Hintertreffen geraten.⁹
2. Wirkmechanismen: Warum Mittelstädte zurückfallen
Netzwerkeffekt und räumliche Spillovers: Innovationsdynamik folgt dichten Netzwerken; Hochschulen, Großunternehmen und Investoren erzeugen lokale Spillovers (Wissen, Personal, Nachfrage), die periphere Städte nur begrenzt erreichen.¹⁰
Skalierungshemmnisse: Ohne seriennahe Infrastruktur (Pilotfabriken, Testzentren, zertifizierte Prüfstände) bleiben Innovationsprojekte in der Prototyp‑Phase; die Fixkosten für Serienproduktion sind für einzelne KMU oft nicht tragbar.¹¹
Informations‑ und Transaktionskosten: Geringere Dichte an Intermediären (Inkubatoren, Clusterorganisationen) erhöht Such‑ und Koordinationskosten und verlangsamt Kooperationen.¹²
3. Zielsetzung einer regionalen Politikantwort
Übergeordnetes Ziel: Mittelstädte zu produktiven Knoten eines polyzentrischen Innovationsnetzwerks entwickeln, das Hochschulzentren, Pilotinfrastruktur und Exportkanäle verbindet. Erfolgskriterien sind: (a) steigende Unternehmensdynamik, (b) höhere Nutzung dezentraler Infrastruktur, (c) stabilisierte Bevölkerungs‑ und Beschäftigungskennzahlen.¹³
4. Konkrete Maßnahmen (priorisiert und operationalisiert)
4.1 Dezentrale Pilot‑ und Testinfrastruktur (Priorität A)
Maßnahme: Aufbau kleiner, thematisch fokussierter Pilotlabore in Mittelstädten (z. B. Photonik‑Labore in Eisenach, MedTech‑Testfelder in Suhl, Montage‑ und Prüfmodule für Mikroelektronik in Nordhausen).
Finanzierung: Kombination aus Landesmitteln, EFRE‑Kofinanzierung, Co‑Investments regionaler Fonds; subventionierte Nutzungszeiten für Spin‑outs und KMU in der Aufbauphase.
Betriebsmodell: Betreiberkonsortien aus Hochschule/Institut + Kommune + Industrie; skalierbare Infrastruktur (modulare Reinraum‑Units, mobile Prüfstände).¹⁴
4.2 Regionale Transfer‑Satelliten und Mobile Beratungsteams (Priorität A)
Maßnahme: Einrichtung von Transfer‑Satelliten als lokale Anlaufstellen; Einsatz mobiler Beratungsteams für Proof‑of‑Concept, Zertifizierung und Business Development.
Operationalisierung: Satelliten mit festen Sprechzeiten, digitaler Projektplattform zur Vermittlung, KPI‑Vorgaben (vermittelte Projekte, Folgefinanzierungen).¹⁵
4.3 Flächen‑ und Standortentwicklung (Priorität B)
Maßnahme: Aktivierung brachliegender Industrieflächen durch Public‑Private‑Partnerships; gezielte Infrastrukturinvestitionen (Logistik, Breitband, Energie‑Anbindung).
Instrumente: Flächeninventar, Revitalisierungsfonds, beschleunigte Genehmigungsverfahren, Standortmarketing.¹⁶
4.4 Finanzierungsinstrumente für Mittelstädte (Priorität B)
Maßnahme: Regionale Co‑Funding‑Programme, Mikrokredite, lokale Angel‑Netzwerke; Matching‑Anreize für VC‑Syndizierung mit Landesfonds.
Operationalisierung: Seed‑Grants (Proof‑of‑Concept), Mikrokreditlinien für Serienvorbereitung, steuerliche Anreize für lokale Investoren.¹⁷
4.5 Talentbindung und Rückkehrerprogramme (Priorität C)
Maßnahme: Lokale Career‑Hubs, Stipendien gekoppelt an Beschäftigungs‑ oder Gründungsverpflichtungen, Wohnraum‑ und Familienförderpakete.
Operationalisierung: Partnerschaften mit Hochschulen für duale Studiengänge, Rückkehrer‑Stipendien mit Mentoring, Mobilitätszuschüsse.¹⁸
4.6 Governance und Vernetzung (Querschnitt)
Maßnahme: Einrichtung eines regionalen Koordinationsgremiums (Transformationsrat Mittelstädte) mit Vertretern von Kommunen, Hochschulen, IHK, Wirtschaftsförderung und Fonds.
Operationalisierung: Jahresplanung, KPI‑Dashboard, Budgetallokation, externe Evaluation alle 3 Jahre.¹⁹
5. Indikatoren und Monitoring (KPI‑Set für Mittelstädte)
Demografie: Bevölkerungsentwicklung; Netto‑Migrationssaldo 18–35 Jahre.
Wirtschaft: Gewerbesaldo (An‑/Abmeldungen je 1.000 Einwohner); Beschäftigungswachstum; Arbeitslosenquote.
Innovation: Anzahl geförderter Projekte; Spin‑outs pro 10.000 Beschäftigte; Patentanmeldungen (Kreisniveau).
Infrastruktur‑Nutzung: Belegungsgrad dezentraler Pilotinfrastruktur (Nutzungsstunden / Kapazität).
Finanzierung: Anzahl lokaler VC‑/Angel‑Deals; Volumen regionaler Co‑Funding‑Programme.²⁰
6. Risiken, Nebenwirkungen und Gegenmaßnahmen
Fehlallokation und Unterauslastung: Investitionen ohne Nachfrageanalyse können zu Leerkapazitäten führen. Gegenmaßnahme: Vorab‑Marktstudien, flexible Betreiberverträge, modulare Infrastruktur.²¹
Fragmentierung der Förderlandschaft: Viele kleine Programme erhöhen Verwaltungsaufwand. Gegenmaßnahme: Bündelung von Programmen, einheitliche Antrags‑ und Reportingstandards.²²
Wettbewerbsverzerrungen: Ungleich verteilte Subventionen können Wettbewerbsverzerrungen erzeugen. Gegenmaßnahme: EU‑konforme Beihilfegestaltung, transparente Vergabekriterien.²³
7. Fazit
Mittelstädte in Thüringen besitzen reale Standortvorteile, werden jedoch durch die räumliche Konzentration von Forschung, Kapital und Talent in wenigen Zentren strukturell geschwächt. Eine gezielte, polyzentrische Strategie — bestehend aus dezentraler Pilotinfrastruktur, Transfer‑Satelliten, flankierenden Finanzierungsinstrumenten, Talentprogrammen und einem robusten Monitoring‑System — kann Mittelstädte zu aktiven Knoten eines regionalen Innovationsökosystems machen und so regionale Disparitäten verringern. Die Umsetzung erfordert koordinierte Governance, belastbare Vorabanalysen und EU‑konforme Finanzierungsdesigns.²⁴
Fußnoten / Literatur (ausgewählte, zitierfähige Quellen)
IW Köln (2022): Regionalranking 2022. Wie hat die Corona‑Pandemie Deutschlands Regionen verändert? Institut der deutschen Wirtschaft, Köln.
BBSR (Bundesinstitut für Bau‑, Stadt‑ und Raumforschung) (2021): INKAR‑Datenbank — Indikatoren und Karten zur Raum‑ und Stadtentwicklung.
Thüringer Landesamt für Statistik (2023): Regionalstatistische Daten Thüringen — Flächen und Siedlungsentwicklung, Erfurt.
IHK Erfurt / IHK Gera (2022): Berichte zur Fachkräftesituation und Ausbildung in Thüringen.
LEG Thüringen (2022): Gewerbeflächen‑Report Thüringen, Erfurt.
Fraunhofer‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht — Transfer und Pilotinfrastruktur, München.
IfM Bonn (Institut für Mittelstandsforschung) (2020): Finanzierungslücken bei KMU und regionale Investorennetze.
Destatis (2023): Demografischer Wandel in Deutschland, Wiesbaden.
OECD (2023): Regions in Industrial Transition, OECD Publishing.
Jaffe, A. B., Trajtenberg, M., & Henderson, R. (1993): Geographic Localization of Knowledge Spillovers as Evidenced by Patent Citations, Quarterly Journal of Economics, 108(3), 577–598.
Fraunhofer IKTS / Fraunhofer IOF (Pressemitteilungen 2022–2023): Berichte zu Pilotanlagen und regionalen Testzentren.
Tödtling, F., & Trippl, M. (2005): One Size Fits All? Towards a Differentiated Regional Innovation Policy Approach, Research Policy, 34(8), 1203–1219.
European Commission (2012): Guide to Research and Innovation Strategies for Smart Specialisation (RIS3).
Beispiele für Betreiberkonsortien und modulare Pilotinfrastruktur: Fraunhofer‑Leistungszentren (Berichte 2021–2023).
Good Practice: Transfer‑Satelliten in skandinavischen Regionen; vgl. OECD (2019): Local Development Strategies.
BBSR / Kommunale Flächenstrategien (Fallstudien Deutschland, 2018–2022).
Konzepte zu regionalen Co‑Funding‑Programmen: IfM Bonn (2020); OECD (2020): Public Investment Funds and Innovation.
Maßnahmen zur Talentbindung: European Commission (2020): Policy Measures for Attracting and Retaining Talent in Regions.
Governance‑Modelle: Foray, D., David, P. A., & Hall, B. H. (2011): Smart Specialisation — The Concept, European Commission.
Monitoring‑Frameworks: European Commission (2020): Monitoring and Evaluation Frameworks for Regional Innovation Policies.
Evaluationspraxis: Externe Evaluationen von EFRE‑Projekten (Beispiele 2018–2022).
Verwaltungsvereinfachung: Empfehlungen des BBSR und der EU‑Kommission zur Programmkoordination.
EU‑Beihilfeleitlinien (2014 ff.): Vorgaben zur Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen bei regionalen Fördermaßnahmen.
Synthese und Policy‑Implikationen: OECD (2023); European Commission (RIS3‑Guides).
3.6 SWOT‑Analyse Thüringens
Die SWOT‑Analyse fasst die zentralen Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken Thüringens zusammen. Sie zeigt, dass das Land über erhebliche technologische und standortbezogene Potenziale verfügt, diese aber ohne systemische Transformation und gezielte Instrumente nicht in nachhaltiges, exportfähiges Wachstum überführt werden können.
Stärken
Weltklasse‑Forschung in Photonik, Optik, Medizintechnik und Biowissenschaften; hohe Dichte an Fraunhofer‑ und Max‑Planck‑Einrichtungen sowie forschungsstarken Universitäten.¹
Industrielle Tradition mit spezialisierten Zuliefernetzwerken und Fertigungskompetenz in mehreren Schlüsselbranchen.²
Hohe Lebensqualität in vielen Regionen (Kultur, Natur, Wohnkosten), die als Standortvorteil für Fachkräfte dienen kann.³
Zentrale Lage in Deutschland und Europa mit guter Anbindung an nationale und internationale Märkte.⁴
Weltklasse‑Forschung in Photonik, Optik, Medizintechnik und Biowissenschaften; hohe Dichte an Fraunhofer‑ und Max‑Planck‑Einrichtungen sowie forschungsstarken Universitäten.¹
Industrielle Tradition mit spezialisierten Zuliefernetzwerken und Fertigungskompetenz in mehreren Schlüsselbranchen.²
Hohe Lebensqualität in vielen Regionen (Kultur, Natur, Wohnkosten), die als Standortvorteil für Fachkräfte dienen kann.³
Zentrale Lage in Deutschland und Europa mit guter Anbindung an nationale und internationale Märkte.⁴
Schwächen
Demografischer Rückgang und Überalterung, verbunden mit Abwanderung junger Erwachsener; dies reduziert das verfügbare Humankapital.⁵
Niedrige Exportquote vieler KMU‑Segmente im Vergleich zu führenden Industrieregionen; begrenzte Internationalisierung vieler Spin‑outs.⁶
Geringe Skalierungsinfrastruktur: Mangel an seriennahem Test‑ und Produktionsraum (Pilotfabriken, Reinräume, zertifizierte Testzentren).⁷
Fachkräftemangel in MINT‑Berufen und spezialisierten Ingenieursdisziplinen, verschärft durch regionale Abwanderung.⁸
Demografischer Rückgang und Überalterung, verbunden mit Abwanderung junger Erwachsener; dies reduziert das verfügbare Humankapital.⁵
Niedrige Exportquote vieler KMU‑Segmente im Vergleich zu führenden Industrieregionen; begrenzte Internationalisierung vieler Spin‑outs.⁶
Geringe Skalierungsinfrastruktur: Mangel an seriennahem Test‑ und Produktionsraum (Pilotfabriken, Reinräume, zertifizierte Testzentren).⁷
Fachkräftemangel in MINT‑Berufen und spezialisierten Ingenieursdisziplinen, verschärft durch regionale Abwanderung.⁸
Chancen
Aufbau von Pilotfabriken und dezentraler Testinfrastruktur zur Reduktion von Industrialisierungsrisiken und Time‑to‑Market.⁹
Gezielte Talentprogramme (PhD‑Fellowships, Rückkehrer‑Stipendien, Career‑Hubs) zur Stabilisierung und Vergrößerung des regionalen Humankapitals.¹⁰
Zukunftsfonds als langfristiges Kapitalinstrument zur Hebelung privaten Kapitals und zur Finanzierung von Infrastruktur und Beteiligungen.¹¹
Europäische Förderprogramme (z. B. IPCEI, Chips Act, EFRE) als zusätzliche Finanzierungsquelle und Hebel für strategische Investitionen.¹²
Aufbau von Pilotfabriken und dezentraler Testinfrastruktur zur Reduktion von Industrialisierungsrisiken und Time‑to‑Market.⁹
Gezielte Talentprogramme (PhD‑Fellowships, Rückkehrer‑Stipendien, Career‑Hubs) zur Stabilisierung und Vergrößerung des regionalen Humankapitals.¹⁰
Zukunftsfonds als langfristiges Kapitalinstrument zur Hebelung privaten Kapitals und zur Finanzierung von Infrastruktur und Beteiligungen.¹¹
Europäische Förderprogramme (z. B. IPCEI, Chips Act, EFRE) als zusätzliche Finanzierungsquelle und Hebel für strategische Investitionen.¹²
Risiken
Weitere Abwanderung junger Talente und Gründer, die Innovationsdynamik und Gründungsraten schwächt.¹³
Internationale Konkurrenz um Talente, Kapital und Märkte, insbesondere aus stärker kapitalisierten Regionen.¹⁴
Fehlende Investitionskraft auf regionaler Ebene, die notwendige Infrastruktur‑ und Skalierungsinvestitionen verzögert.¹⁵
Fragmentierte Governance und Förderlandschaft, die Koordination erschwert und Effizienz mindert.¹⁶
Weitere Abwanderung junger Talente und Gründer, die Innovationsdynamik und Gründungsraten schwächt.¹³
Internationale Konkurrenz um Talente, Kapital und Märkte, insbesondere aus stärker kapitalisierten Regionen.¹⁴
Fehlende Investitionskraft auf regionaler Ebene, die notwendige Infrastruktur‑ und Skalierungsinvestitionen verzögert.¹⁵
Fragmentierte Governance und Förderlandschaft, die Koordination erschwert und Effizienz mindert.¹⁶
Interpretation und strategische Implikationen
From Strength to Scale: Die vorhandene Forschungs‑Exzellenz ist ein notwendiger, aber nicht hinreichender Faktor für industrielle Transformation. Ohne gezielte Investitionen in Industrialisierungsinfrastruktur und Finanzierungsarchitektur bleiben Forschungsergebnisse häufig im Laborstadium.¹⁷
Demografie als Querschnittsproblem: Demografische Schwächen wirken als Multiplikator negativer Effekte (weniger Gründer, geringere Nachfrage, reduzierte Netzwerkdichte). Talent‑ und Familienpolitik sind daher integraler Bestandteil jeder Transformationsstrategie.¹⁸
Polyzentralität nutzen: Thüringens Mittelstädte und polyzentrische Struktur bieten Chancen für dezentrale Pilotinfrastruktur und regionale Wertschöpfungsketten — vorausgesetzt, Governance und Finanzierung werden entsprechend ausgerichtet.¹⁹
From Strength to Scale: Die vorhandene Forschungs‑Exzellenz ist ein notwendiger, aber nicht hinreichender Faktor für industrielle Transformation. Ohne gezielte Investitionen in Industrialisierungsinfrastruktur und Finanzierungsarchitektur bleiben Forschungsergebnisse häufig im Laborstadium.¹⁷
Demografie als Querschnittsproblem: Demografische Schwächen wirken als Multiplikator negativer Effekte (weniger Gründer, geringere Nachfrage, reduzierte Netzwerkdichte). Talent‑ und Familienpolitik sind daher integraler Bestandteil jeder Transformationsstrategie.¹⁸
Polyzentralität nutzen: Thüringens Mittelstädte und polyzentrische Struktur bieten Chancen für dezentrale Pilotinfrastruktur und regionale Wertschöpfungsketten — vorausgesetzt, Governance und Finanzierung werden entsprechend ausgerichtet.¹⁹
Priorisierte Maßnahmen (Kurzpriorisierung)
Aufbau modularer Pilotfabriken an Hochschul‑ und Mittelstadtstandorten (Kurzfristig–Mittelfristig).²⁰
Einrichtung eines Thüringer Zukunftsfonds mit klarer Reinvestitionslogik und Co‑Investment‑Mandat (Kurzfristig).²¹
Talentoffensive: PhD‑Fellowships, Rückkehrerprogramme, Career‑Hubs (Kurzfristig–Mittelfristig).²²
Koordinierter Governance‑Layer (Transformationsrat) zur Bündelung von Fördermitteln und Steuerung von Infrastrukturprojekten (Kurzfristig).²³
Gezielte Export‑Roadmaps für Fokuscluster (Photonik, MedTech, Mikroelektronik) inklusive Markterschließungs‑Support (Mittel‑ bis Langfristig).²⁴
Aufbau modularer Pilotfabriken an Hochschul‑ und Mittelstadtstandorten (Kurzfristig–Mittelfristig).²⁰
Einrichtung eines Thüringer Zukunftsfonds mit klarer Reinvestitionslogik und Co‑Investment‑Mandat (Kurzfristig).²¹
Talentoffensive: PhD‑Fellowships, Rückkehrerprogramme, Career‑Hubs (Kurzfristig–Mittelfristig).²²
Koordinierter Governance‑Layer (Transformationsrat) zur Bündelung von Fördermitteln und Steuerung von Infrastrukturprojekten (Kurzfristig).²³
Gezielte Export‑Roadmaps für Fokuscluster (Photonik, MedTech, Mikroelektronik) inklusive Markterschließungs‑Support (Mittel‑ bis Langfristig).²⁴
Monitoring und Erfolgskriterien (Beispiel‑KPIs)
Finanzielle KPIs: Fonds‑NAV, jährliche Rückflüsse, Anteil privater Co‑Investitionen.
Skalierungs‑KPIs: Anzahl Pilotprojekte, Belegungsgrad Pilotinfrastruktur, Time‑to‑First‑Export.
Humankapital‑KPIs: Netto‑Migrationssaldo 18–35 Jahre, Anteil tertiär Gebildeter, Anzahl PhD‑Fellowships.
Wirkungs‑KPIs: Spin‑outs pro Jahr, Exportquote geförderter Unternehmen, Beschäftigungswachstum in Fokusclustern.²⁵
Finanzielle KPIs: Fonds‑NAV, jährliche Rückflüsse, Anteil privater Co‑Investitionen.
Skalierungs‑KPIs: Anzahl Pilotprojekte, Belegungsgrad Pilotinfrastruktur, Time‑to‑First‑Export.
Humankapital‑KPIs: Netto‑Migrationssaldo 18–35 Jahre, Anteil tertiär Gebildeter, Anzahl PhD‑Fellowships.
Wirkungs‑KPIs: Spin‑outs pro Jahr, Exportquote geförderter Unternehmen, Beschäftigungswachstum in Fokusclustern.²⁵
Schlussbemerkung
Die SWOT‑Analyse bestätigt: Thüringen hat die wissenschaftliche Basis und Standortvorteile, um eine technologiegetriebene Transformation zu erreichen. Entscheidend ist die Kombination aus Infrastrukturaufbau, dauerhafter Finanzierungsarchitektur, gezielter Talentpolitik und koordiniertem Governance‑Design. Nur so lassen sich die identifizierten Chancen realisieren und die Risiken wirksam begrenzen.
Fußnoten und ausgewählte Quellen
Fraunhofer‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht; Fraunhofer IOF / IPHT Publikationen.
IHK Thüringen (2022): Wirtschaftsbericht Thüringen, Erfurt.
Thüringer Landesamt für Statistik (2023): Regionalstatistische Daten; Lebensqualitätsindikatoren.
BBSR (Bundesinstitut für Bau‑, Stadt‑ und Raumforschung): Lage‑ und Infrastrukturberichte.
Destatis (2023): Demografischer Wandel in Deutschland, Wiesbaden.
Thüringer Landesamt für Statistik (2023): Export‑ und Außenhandelsdaten Thüringen.
Fraunhofer‑Berichte; OECD (2020): Public Investment Funds and Innovation (Diskussion zur Pilotinfrastruktur).
IAB (2022): Arbeitsmarktprognose Ostdeutschland 2035; IHK‑Analysen zur Fachkräftesituation.
European Commission (2020): Monitoring and Evaluation Frameworks for Regional Innovation Policies.
European Commission (2020): Policy Measures for Attracting and Retaining Talent in Regions.
Mazzucato, M. (2018): The Entrepreneurial State; OECD (2020): Staatsfonds und Innovationsfinanzierung.
EU‑Programme: IPCEI‑Dokumente; EU‑Chips Act (2023 ff.) — Relevanz für Mikroelektronik‑Cluster.
IW Köln (2022): Regionalranking 2022; Analysen zu Abwanderung und regionaler Dynamik.
OECD (2023): Regions in Industrial Transition; Wettbewerbsanalysen.
IfM Bonn (2020): Studien zu regionaler Investitionsfähigkeit und Finanzierungslücken bei KMU.
European Commission (2012): Guide to RIS3; Empfehlungen zur Koordination regionaler Förderlandschaften.
Fraunhofer‑Gesellschaft (2023); OECD (2020).
Destatis (2023); European Commission (2020).
BBSR / INKAR‑Daten; Fallstudien zu polyzentrischen Strategien.
Fraunhofer IKTS / IOF Projektberichte zu Pilotanlagen (2021–2023).
Vorschläge und internationale Beispiele: Temasek, Sitra; vgl. Mazzucato (2018).
European Commission (2020); Hochschul‑Transferberichte Thüringen.
Foray, D., David, P. A., & Hall, B. H. (2011): Smart Specialisation — The Concept.
Hausmann, R. (2024): Export‑led Growth (Growth Lab); regionale Exportstrategien.
European Commission (2020): Monitoring and Evaluation Frameworks for Regional Innovation Policies; OECD (2023).
Fraunhofer‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht; Fraunhofer IOF / IPHT Publikationen.
IHK Thüringen (2022): Wirtschaftsbericht Thüringen, Erfurt.
Thüringer Landesamt für Statistik (2023): Regionalstatistische Daten; Lebensqualitätsindikatoren.
BBSR (Bundesinstitut für Bau‑, Stadt‑ und Raumforschung): Lage‑ und Infrastrukturberichte.
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Fraunhofer‑Berichte; OECD (2020): Public Investment Funds and Innovation (Diskussion zur Pilotinfrastruktur).
IAB (2022): Arbeitsmarktprognose Ostdeutschland 2035; IHK‑Analysen zur Fachkräftesituation.
European Commission (2020): Monitoring and Evaluation Frameworks for Regional Innovation Policies.
European Commission (2020): Policy Measures for Attracting and Retaining Talent in Regions.
Mazzucato, M. (2018): The Entrepreneurial State; OECD (2020): Staatsfonds und Innovationsfinanzierung.
EU‑Programme: IPCEI‑Dokumente; EU‑Chips Act (2023 ff.) — Relevanz für Mikroelektronik‑Cluster.
IW Köln (2022): Regionalranking 2022; Analysen zu Abwanderung und regionaler Dynamik.
OECD (2023): Regions in Industrial Transition; Wettbewerbsanalysen.
IfM Bonn (2020): Studien zu regionaler Investitionsfähigkeit und Finanzierungslücken bei KMU.
European Commission (2012): Guide to RIS3; Empfehlungen zur Koordination regionaler Förderlandschaften.
Fraunhofer‑Gesellschaft (2023); OECD (2020).
Destatis (2023); European Commission (2020).
BBSR / INKAR‑Daten; Fallstudien zu polyzentrischen Strategien.
Fraunhofer IKTS / IOF Projektberichte zu Pilotanlagen (2021–2023).
Vorschläge und internationale Beispiele: Temasek, Sitra; vgl. Mazzucato (2018).
European Commission (2020); Hochschul‑Transferberichte Thüringen.
Foray, D., David, P. A., & Hall, B. H. (2011): Smart Specialisation — The Concept.
Hausmann, R. (2024): Export‑led Growth (Growth Lab); regionale Exportstrategien.
European Commission (2020): Monitoring and Evaluation Frameworks for Regional Innovation Policies; OECD (2023).
📘 KAPITEL 4 – NOTWENDIGKEIT DER TRANSFORMATION
Dieses Kapitel legt wissenschaftlich begründet dar, warum Thüringen ein umfassendes, systemisch ausgerichtetes Transformationsprogramm benötigt. Die Argumentation verbindet demografische, wirtschaftliche, technologische und geopolitische Treiber und zeigt, welche strukturellen Risiken ohne koordinierte Interventionen drohen.
4.1 Leitthese
Thüringen steht vor einem multiplen Strukturbruch: Demografische Schrumpfung, begrenzte Skalierungsfähigkeit der Wirtschaft, ein Ungleichgewicht zwischen Forschungsexzellenz und Industrialisierung sowie veränderte geopolitische Rahmenbedingungen erzeugen zusammen ein Zeitfenster, in dem nur eine integrierte, langfristig angelegte Transformationsstrategie die Region auf einen nachhaltigen, exportfähigen Wachstumspfad zurückführen kann.
4.2 Demografischer Treiber: Umfang, Mechanismen und Folgen
Befund. Thüringen hat in den letzten Dekaden substanzielle Bevölkerungsverluste erlebt; die Region zählt zu den am stärksten vom demografischen Wandel betroffenen Flächenländern in Deutschland. Aktuelle regionalstatistische Quellen dokumentieren anhaltende Abwanderung junger Erwachsener und eine Alterung der Bevölkerung.
Wirkungspfade auf Wirtschaft und Innovation
Arbeitsangebot: Ein schrumpfendes Erwerbspersonenpotenzial erhöht Engpässe in MINT‑Berufen und erhöht Rekrutierungs‑ und Lohnkosten.
Gründungsdynamik: Abwanderung junger Kohorten reduziert die Zahl potenzieller Gründerinnen und Gründer und damit die Entstehung von Scale‑ups.
Nachfrageeffekte: Schrumpfende Binnenmärkte verringern Investitionsanreize für kapitalintensive Serienproduktion und mindern die Rentabilität lokaler Skalierungsprojekte.
Schlussfolgerung. Maßnahmen zur Stabilisierung und Vergrößerung der Erwerbspersonenbasis (gezielte Rekrutierung, Rückkehrerprogramme, modulare Qualifizierung) sind nicht nur sozialpolitisch relevant, sondern produktivitätsrelevant und damit Kernbestandteil jeder Transformationsstrategie.
4.3 Wirtschaftsstruktur und Produktivität: Mittelstand ohne Skalierungspfade
Befund. Thüringen weist eine vergleichsweise hohe industrielle Wertschöpfung in spezialisierten Nischen auf; gleichzeitig bleibt die Arbeitsproduktivität hinter führenden westdeutschen Regionen zurück. Die Unternehmenslandschaft ist stark mittelständisch geprägt, wodurch Skalierungspfade und Exportintensität begrenzt sind.
Wirkmechanismen
Fixkosten und Serienreife: Ohne seriennahe Infrastruktur (Pilotfabriken, zertifizierte Testzentren) bleiben viele Innovationen im Prototypstadium; die Fixkosten für Serienproduktion sind für einzelne KMU oft nicht tragbar.
Finanzierungslücke: Fehlende risikokapitalähnliche Instrumente und Co‑Investment‑Strukturen verhindern die Überbrückung von Seed‑ zu Scale‑Phasen.
Implikation. Aufbau gemeinsamer Produktionsinfrastrukturen und eines langfristigen Co‑Investment‑Rahmens (z. B. Zukunftsfonds) ist ökonomisch begründbar, weil er Skaleneffekte, Exportfähigkeit und Produktivitätswachstum ermöglicht.
4.4 Technologischer Treiber: Forschungsexzellenz versus Kommerzialisierung
Befund. Thüringen verfügt über international sichtbare Forschungseinrichtungen (u. a. in Photonik und MedTech), die wissenschaftliche Exzellenz liefern; Transfer‑ und Spin‑out‑Raten sowie Proof‑of‑Concept‑Finanzierungen sind jedoch begrenzt. Beispiele aus der regionalen Forschungslandschaft belegen hohe Publikations‑ und Patentaktivität einzelner Institute, zugleich aber Engpässe bei Industrialisierungsinfrastruktur.
Wirkmechanismen
Valley of Death: Ohne gezielte Brücken (Proof‑of‑Concept‑Finanzierung, Business‑Development, Pilotkapazitäten) entstehen systemische Bruchstellen zwischen Labor und Markt.
Normen und Zertifizierung: Internationale Marktzugänge erfordern Zertifizierungen und Seriennachweise, die nur mit geeigneter Infrastruktur und Partnernetzwerken erbracht werden können.
Implikation. Transformationsprogramme müssen die gesamte Innovationskette adressieren: Forschung → Proof‑of‑Concept → Pilotproduktion → Zertifizierung → Export. Einseitige Förderungen einzelner Stufen sind ineffizient.
4.5 Geopolitische und makroökonomische Treiber
Befund. Die EU‑Strategie zur Stärkung kritischer Technologien (z. B. European Chips Act) und IPCEI‑Initiativen verändert die Förder‑ und Investitionslandschaft; Regionen mit nachweisbarer Produktions‑ und Implementierungsfähigkeit haben bessere Chancen auf strategische Fördermittel und private Co‑Investitionen.
Wirkungen
Strategische Relevanz lokaler Produktion: Regionen ohne industrielle Kapazitäten in Schlüsselbereichen riskieren, von strategischen Wertschöpfungsketten ausgeschlossen zu werden.
Förderchancen: Europäische Programme bieten erhebliche Co‑Finanzierungsmöglichkeiten, die jedoch nur Regionen mit Umsetzungsfähigkeit (Infrastruktur, Governance, Co‑Finanzierung) zugutekommen.
Implikation. Thüringen muss seine Transformationsstrategie so ausrichten, dass sie EU‑konforme Projektpakete und Co‑Finanzierungsanforderungen erfüllt, um strategische Förderfenster zu nutzen.
4.6 Systemische Interdependenzen und Pfadabhängigkeit
Die beschriebenen Treiber wirken kumulativ: Demografische Schwäche reduziert Nachfrage und Talentbasis; fehlende Infrastruktur hemmt Skalierung und mindert Investitionsanreize; mangelnde Finanzierung verhindert den Aufbau sichtbarer Kapazitäten, die wiederum Voraussetzung für EU‑ und private Co‑Investitionen sind. Diese Pfadabhängigkeit macht punktuelle Einzelmaßnahmen unwirksam; stattdessen ist ein integriertes Programm erforderlich, das Governance, Finanzierung, Infrastruktur und Talentpolitik simultan adressiert.
4.7 Dringlichkeit, Zeitfenster und Sequenzielle Prioritäten
Dringlichkeit. Verzögerungen erhöhen die Transformationskosten: Demografische Trends und geopolitische Verschiebungen sind prozesshaft und kumulativ; frühe Investitionen erzeugen Hebelwirkung durch Re‑Investitionen, private Co‑Finanzierung und schnellere Clusterbildung.
Sequenzielle Prioritäten (empirisch begründet)
Governance‑Start: Einrichtung eines Transformationsrats zur Koordination und Bündelung von Fördermitteln (sofort).
Proof‑of‑Concept‑Finanzierung: Startkapital für Brückenfinanzierung (0–12 Monate).
Modulare Pilotinfrastruktur: Aufbau skalierbarer Pilotfabriken an strategischen Standorten (1–3 Jahre).
Zukunftsfonds: Etablierung eines Re‑Investitionsfonds zur dauerhaften Vermögensbildung und Co‑Investment (3–7 Jahre).
4.8 Designprinzipien für ein Transformationsprogramm
Integriert planen: Infrastruktur, Finanzierung, Talent und Governance simultan.
Langfristiges Kapital: Zukunftsfonds mit Re‑Investitionspflicht zur dauerhaften Vermögensbildung.
Modulare Pilotinfrastruktur: Dezentrale, skalierbare Einheiten, die Nachfrageorientierung erlauben.
Talent als strategische Ressource: Kombination aus Rekrutierung, Rückkehrerprogrammen und Qualifizierung.
EU‑Konformität und Hebelwirkung: Projektpakete so gestalten, dass sie EU‑Förderkriterien erfüllen und private Co‑Investoren mobilisieren.
Integriert planen: Infrastruktur, Finanzierung, Talent und Governance simultan.
Langfristiges Kapital: Zukunftsfonds mit Re‑Investitionspflicht zur dauerhaften Vermögensbildung.
Modulare Pilotinfrastruktur: Dezentrale, skalierbare Einheiten, die Nachfrageorientierung erlauben.
Talent als strategische Ressource: Kombination aus Rekrutierung, Rückkehrerprogrammen und Qualifizierung.
EU‑Konformität und Hebelwirkung: Projektpakete so gestalten, dass sie EU‑Förderkriterien erfüllen und private Co‑Investoren mobilisieren.
4.9 Fazit
Die Notwendigkeit einer umfassenden Transformation Thüringens ist empirisch und theoretisch begründet. Nur ein integriertes Programm, das Demografie, Infrastruktur, Finanzierung und Governance zugleich adressiert und EU‑Förderfenster strategisch nutzt, kann Forschungsexzellenz in nachhaltige, exportfähige Industrie überführen und die Region langfristig resilient machen. Verzögerungen erhöhen die Kosten und verringern die Erfolgsaussichten; daher ist ein zeitnaher, kohärenter Maßnahmenstart geboten.
Ausgewählte Fußnoten / Referenzen (zitierfähig)
Thüringer Landesamt für Statistik: Regionalstatistische Daten Thüringen; Bevölkerung und Projektionen (Abruf 2026).
Demografieportal Thüringen: Fakten — Bevölkerungsentwicklung in Thüringen (Abruf 2026).
Invest in Thuringia / LEG Thüringen: Thuringia in Numbers — Facts & Figures (Abruf 2026).
Fraunhofer IOF: Jahresbericht / Annual Report 2023 (Jena; Transfer‑ und Pilotinfrastruktur‑Analysen).
OECD (2023): Regions in Industrial Transition: New Approaches to Persistent Problems, OECD Publishing.
Europäische Kommission: European Chips Act — Übersicht und Maßnahmen (Regulation (EU) 2023/1781).
Thüringer Landesamt für Statistik: Regionalstatistische Daten Thüringen; Bevölkerung und Projektionen (Abruf 2026).
Demografieportal Thüringen: Fakten — Bevölkerungsentwicklung in Thüringen (Abruf 2026).
Invest in Thuringia / LEG Thüringen: Thuringia in Numbers — Facts & Figures (Abruf 2026).
Fraunhofer IOF: Jahresbericht / Annual Report 2023 (Jena; Transfer‑ und Pilotinfrastruktur‑Analysen).
OECD (2023): Regions in Industrial Transition: New Approaches to Persistent Problems, OECD Publishing.
Europäische Kommission: European Chips Act — Übersicht und Maßnahmen (Regulation (EU) 2023/1781).
4.1 Demografischer Wandel
Befund und Quantitative Entwicklung
Thüringen gehört zu den am stärksten schrumpfenden Regionen in Deutschland und Europa. Zwischen 1990 und 2023 verlor das Land mehr als 20 % seiner Bevölkerung; die Entwicklung ist durch anhaltende Nettoabwanderung junger Erwachsener und eine zunehmende Alterung gekennzeichnet.
Mechanismen und unmittelbare ökonomische Effekte
Rückgang der Arbeitskräfte: Die abnehmende Zahl Erwerbsfähiger reduziert das verfügbare Arbeitsangebot, verschärft Engpässe in MINT‑Berufen und erhöht die Rekrutierungs‑ und Anpassungskosten für Unternehmen.
Steigende Lohnkosten durch Fachkräftemangel: In Branchen mit knappen Spezialisten führen Engpässe zu höheren Löhnen und damit zu steigenden Produktionskosten, was die Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen beeinträchtigen kann.
Geringere Innovationsfähigkeit: Abwanderung junger, risikobereiter Kohorten reduziert Gründungsdynamik, Spin‑out‑Potenzial und informelle Wissensspillovers, die für Innovationsnetzwerke zentral sind.
Sinkende regionale Nachfrage: Schrumpfende Binnenmärkte verringern die lokale Nachfrage nach Investitionsgütern und hemmen damit die Rentabilität kapitalintensiver Serienproduktionen.
Höhere Belastung sozialer Sicherungssysteme: Eine alternde Bevölkerung erhöht die Ausgaben für Gesundheit und Pflege bei gleichzeitig schrumpfenden Beitragszahlerzahlen, was fiskalische Spielräume einschränkt.
Regionale Differenzen und räumliche Verteilung
Der demografische Wandel verläuft nicht homogen: Mittelstädte und periphere Landkreise sind oft stärker betroffen als Hochschul‑ und Technologiestandorte (z. B. Jena, Erfurt). Diese räumliche Heterogenität verschärft regionale Disparitäten und beeinflusst die Wirksamkeit einheitlicher Förderprogramme.
Langfristige makroökonomische Risiken
Kumulativ können die beschriebenen Effekte zu einem low‑growth trap führen: geringere Gründungsraten, reduzierte Skalierungserfolge und sinkende Produktivität verstärken einander und mindern die Attraktivität für private Investoren. Ohne Gegenmaßnahmen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Thüringen langfristig an wirtschaftlicher Dynamik verliert.
Politische Handlungsfelder und Interventionslogik
Um die demografischen Effekte produktivitätswirksam zu adressieren, sind vier komplementäre Maßnahmenbereiche zentral:
Talentgewinnung und Rückkehrerprogramme — gezielte Rekrutierung internationaler Fachkräfte, Rückkehrer‑Stipendien und Career‑Hubs in Mittelstädten.
Modulare Qualifizierung und lebenslanges Lernen — Ausbau beruflicher Weiterbildung, dualer Studiengänge und Industry‑PhD‑Modelle zur schnellen Umschichtung vorhandener Arbeitskräfte in MINT‑Berufe.
Regionale Wertschöpfungsprojekte — dezentrale Pilotinfrastruktur und Transfer‑Satelliten, die lokale Beschäftigung schaffen und Rückkehranreize erhöhen.
Fiskalische und soziale Stabilisierung — Anpassung kommunaler Finanzierungsmodelle und Pflege‑/Gesundheitsinfrastruktur, um die Belastung durch Alterung zu managen.
Indikatoren für Monitoring und Evaluation
Für ein evidenzbasiertes Monitoring sollten mindestens folgende Indikatoren regelmäßig erhoben und regional ausgewiesen werden:
Bevölkerungsbestand und Altersstruktur (jährlich, Kreisebene).
Netto‑Migrationssaldo 18–35 Jahre (jährlich).
Erwerbsbeteiligung nach Altersgruppen und Anteil MINT‑Beschäftigter.
Gründungsrate und Spin‑outs pro 10.000 Erwerbstätige.
Schlussfolgerung
Der demografische Wandel ist in Thüringen kein isoliertes demografisches Phänomen, sondern ein zentrales wirtschaftliches Risiko mit direkten Effekten auf Arbeitsangebot, Innovationsfähigkeit, Nachfrage und fiskalische Stabilität. Wissenschaftlich begründet ist daher die Forderung, demografische Maßnahmen integrativ mit Infrastruktur‑, Finanzierungs‑ und Governance‑Instrumenten zu verknüpfen, um die negativen Rückkopplungen zu durchbrechen und die Basis für eine nachhaltige Transformation zu schaffen.
Fußnoten
Destatis (2023): Bevölkerungsentwicklung in Deutschland; Bevölkerung nach Bundesländern zum 31.12.2023.
OECD (2021): Demographic Change and Regional Economies.
Thüringer Landesamt für Statistik (2023): Regionalstatistische Daten Thüringen; Bevölkerungsstand und Projektionen.
Demografiebericht Thüringen (2023): Teil 1 Bevölkerungsentwicklung des Freistaats Thüringen und seiner Regionen, Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft.
Regionale Demografie‑ und Kartenanalysen (2023): Synthesen und Karten zur räumlichen Verteilung des demografischen Wandels (INKAR / BBSR‑Daten).
4.2 Fachkräftemangel
4.2.1 Kernaussage
Der Fachkräftemangel in Thüringen ist bereits heute strukturell und wirkt als zentrales Hemmnis für Produktion, Digitalisierung, Forschung und die Industrialisierung von Innovationen. Ohne ein abgestimmtes Bündel aus Rekrutierungs‑, Qualifizierungs‑ und Bindungsmaßnahmen drohen Produktionsengpässe, verzögerte Skalierungsvorhaben und ein dauerhaftes Produktivitätsdefizit.
4.2.2 Quantitative Lage und Sektorenbetroffenheit
Thüringen zeigt in mehreren Sektoren signifikante Engpässe, die sich in unterschiedlicher Intensität manifestieren:
Pflege und Gesundheitswesen: Hohe Altersquoten und steigender Pflegebedarf treffen auf ein schrumpfendes Erwerbspersonenpotenzial; dies führt zu Versorgungsengpässen und steigenden Personalkosten.
Industrielle Produktion (inkl. Automobilzulieferer und Maschinenbau): Fehlende Fachkräfte in Produktion, Instandhaltung und Prozessengineering begrenzen Kapazitätserweiterungen und Serienanläufe.
IT und Digitalisierung: Mangel an Software‑ und Systemingenieuren verlangsamt Digitalisierungsprojekte in KMU und öffentlichen Verwaltungen.
Forschung und Entwicklung: Engpässe bei promovierten MINT‑Fachkräften und Postdocs reduzieren Transfer‑ und Spin‑out‑Kapazitäten.
Handwerk und technische Berufe: Nachwuchsmangel im Handwerk beeinträchtigt lokale Wertschöpfung und Infrastrukturprojekte.
Prognosen auf regionaler und bundesweiter Ebene (IAB, BA, BMAS) weisen darauf hin, dass ohne substanzielle Gegenmaßnahmen bis 2035/2040 kumulative Engpässe in Hunderttausender‑Dimensionen entstehen können; die Verteilung ist räumlich heterogen und trifft Mittelstädte und periphere Landkreise besonders stark.³⁻⁵
4.2.3 Wirkungsmechanismen auf Innovation und Skalierung
Direkte Produktionsrisiken: Unbesetzte Schlüsselstellen führen zu Produktionsunterbrechungen, längeren Durchlaufzeiten und höheren Stückkosten; dies reduziert Wettbewerbsfähigkeit.
Skalierungshemmnisse: Pilotprojekte und Serienanläufe benötigen qualifiziertes Personal (Prozessingenieure, Qualitätssicherung, Regulatory Affairs). Fehlen diese Kapazitäten, verlängert sich Time‑to‑Market oder Projekte scheitern.
Reduzierte Gründungsdynamik: Abwanderung junger, risikobereiter Talente verringert Spin‑out‑Raten und die Entstehung von Scale‑ups.
Erhöhte fiskalische Belastung: Höhere Ausgaben für Weiterbildung, Arbeitsmarktprogramme und Pflege belasten öffentliche Haushalte und schränken Handlungsspielräume ein.
Diese Mechanismen wirken kumulativ: Engpässe in einem Bereich verstärken Defizite in anderen (z. B. Fachkräftemangel → geringere Serienproduktion → weniger attraktive Arbeitsplätze → weitere Abwanderung).
4.2.4 Ursachen (kompakt analysiert)
Demografische Entwicklung: Schrumpfung und Alterung der Bevölkerung reduzieren das Angebot an Erwerbspersonen und verschärfen Engpässe in spezialisierten Berufen.⁶
Mismatch zwischen Ausbildung und Nachfrage: Bildungs‑ und Weiterbildungsangebote sind nicht immer passgenau auf die Bedarfe der regionalen Industrie und der digitalen Transformation ausgerichtet.⁷
Unzureichende Bindungs‑ und Mobilitätsanreize: Fehlende Karriereperspektiven, Wohnraum‑ und Familienangebote führen zu Abwanderung junger Fachkräfte.⁸
Kapazitätsgrenzen der KMU: Viele KMU haben begrenzte Ressourcen für betriebliche Weiterbildung, Personalentwicklung und attraktive Karrierepfade.⁹
4.2.5 Handlungsfelder und konkrete Instrumente
Kurzfristig (0–24 Monate)
Gezielte Rekrutierungskampagnen national und international für Engpassberufe; beschleunigte Anerkennungsverfahren für ausländische Qualifikationen.
Schnellkurse und Bootcamps (Upskilling) für IT, Automatisierung und Fertigungstechnik; geförderte Übergangsqualifizierungen für Quereinsteiger.
Temporäre Mobilitäts‑ und Wohnungszuschüsse für Fachkräfte, die in Thüringen eine Stelle antreten.
Mittelfristig (2–5 Jahre)
Ausbau dualer Studiengänge und Industry‑PhD‑Programme in enger Kooperation mit regionalen Unternehmen und Forschungseinrichtungen; verbindliche Praxisphasen in Mittelstädten.
Regionale Talentpools und digitale Matching‑Plattformen zur besseren Vermittlung von Absolventen, Rückkehrern und Zuwanderern.
Förderprogramme für betriebliche Weiterbildung (Lohnkostenzuschüsse, Weiterbildungsgutscheine) speziell für KMU.
Langfristig (5+ Jahre)
Bildungspolitische Maßnahmen zur Stärkung von MINT‑Kompetenzen bereits in der Sekundarstufe; systematische Förderung von technischen Ausbildungsberufen.
Standortverbesserungen (Kinderbetreuung, Wohnraum, Kultur‑ und Mobilitätsangebote) zur dauerhaften Bindung von Fachkräften.
Strategische Partnerschaften zwischen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen zur dauerhaften Bindung von Promovierten und Postdocs.
4.2.6 Governance, Finanzierung und KPIs
Governance: Einrichtung eines landesweiten Lenkungsgremiums „Fachkräftestrategie Thüringen“ (Land, IHK, Hochschulen, Sozialpartner, Kommunen) zur Koordination von Ausbildung, Zuwanderung und Förderprogrammen.
Finanzierung: Kombination aus Landesmitteln, ESF+/EU‑Förderung, Unternehmensbeiträgen und regionalen Fonds; Anreize für KMU‑Weiterbildung (z. B. Matching‑Zuschüsse).
KPIs (Beispielset):
Anzahl neu rekrutierter Fachkräfte in Engpassberufen (jährlich).
Zeit bis zur Stellenbesetzung in Schlüsselberufen.
Anteil besetzter dualer Studienplätze.
Netto‑Migrationssaldo 18–35 Jahre.
Veränderung der Beschäftigtenzahl in MINT‑Berufen.
4.2.7 Risiken, Nebenbedingungen und Erfolgsfaktoren
Mismatch‑Risiko: Qualifizierungsmaßnahmen müssen eng an realen Unternehmensbedarfen ausgerichtet sein; sonst drohen Fehlinvestitionen.
Wettbewerb um Talente: Thüringen konkurriert national und international; Lebensqualität, Karriereperspektiven und schnelle Integrationsangebote sind entscheidend.
Finanzierungsbedarf und Nachhaltigkeit: Umfangreiche Programme erfordern nachhaltige Finanzierungsmodelle und private Co‑Investitionen; kurzfristige Projektfinanzierung allein ist nicht ausreichend.
Monitoring und Anpassung: Kontinuierliches Monitoring und adaptive Steuerung sind notwendig, um Maßnahmen bedarfsgerecht zu justieren.
4.2.8 Fazit
Der Fachkräftemangel ist in Thüringen kein isoliertes Arbeitsmarktproblem, sondern ein systemisches Innovationshemmnis. Er beeinträchtigt unmittelbar die Fähigkeit, Forschung in marktfähige Produkte zu überführen, Serienproduktionen aufzubauen und exportfähige Unternehmen zu entwickeln. Eine wirksame Strategie kombiniert kurzfristige Rekrutierungs‑ und Upskilling‑Maßnahmen mit mittelfristigen Bildungs‑ und Kooperationsprogrammen sowie langfristigen Standort‑ und Governance‑reformen.
Fußnoten und ausgewählte Quellen
IAB (2022): Arbeitsmarktprognose Ostdeutschland 2035, Institut für Arbeitsmarkt‑ und Berufsforschung, Nürnberg.
Bundesagentur für Arbeit (jährliche Engpassanalyse, zuletzt 2023): Engpassberufe — Statistik und regionale Verteilung, Nürnberg.
BMAS (2021–2023): Fachkräftemonitoring — Analysen und Handlungsempfehlungen, Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Berlin.
Thüringer Landesamt für Statistik (2023): Regionalstatistische Daten Thüringen — Beschäftigung, Ausbildungsplätze, Wanderungen, Erfurt.
BBSR / INKAR (2022): Indikatoren zur Raum‑ und Stadtentwicklung — Mobilität, Versorgung, Demografie, Bundesinstitut für Bau‑, Stadt‑ und Raumforschung.
Destatis (2023): Demografischer Wandel in Deutschland — Bevölkerungsentwicklung nach Bundesländern, Wiesbaden.
IfM Bonn (2020): Finanzierungslücken bei KMU und regionale Auswirkungen auf Fachkräftesicherung, Institut für Mittelstandsforschung.
OECD (2021): Demographic Change and Regional Economies — Policy Responses and Best Practices, OECD Publishing.
DIW / ifo / IW Köln (Auswahlpublikationen 2019–2023): Studien zu Unternehmensbedarfen, Weiterbildung und regionalen Arbeitsmärkten.
European Commission (2020–2024): ESF+‑Programme und Leitfäden zu beruflicher Weiterbildung und regionaler Talentförderung.
4.3 Niedrige Exportquote
Thüringen weist eine deutlich niedrigere Exportquote als vergleichbare westdeutsche Industrieregionen auf. Die Außenhandelsdaten des Thüringer Landesamtes für Statistik zeigen, dass der Anteil der exportierten Waren und Dienstleistungen an der regionalen Bruttowertschöpfung unter dem Bundesdurchschnitt liegt; dies gilt insbesondere für die KMU‑dominierte Industriestruktur des Landes.⁴
Bedeutung der Exportquote für regionales Wachstum
Exportorientierung ist ein zentraler Treiber von Produktivitätszuwachs und langfristigem Wachstum: Exporte eröffnen größere Absatzmärkte, ermöglichen Skaleneffekte, fördern Spezialisierung und erhöhen die Anreize für Innovation und Kapitalinvestitionen. Regionen mit hoher Exportintensität erzielen in der Regel höhere Wertschöpfungszuwächse und eine stärkere Integration in internationale Wertschöpfungsketten.⁵
Ursachen der niedrigen Exportquote in Thüringen
Fehlende Skalierungsinfrastruktur Viele innovationsgetriebene Projekte erreichen in Thüringen nicht die Serienreife, weil seriennahe Produktionskapazitäten, Pilotfabriken und zertifizierte Testzentren fehlen. Ohne diese Infrastruktur bleiben Produkte oft in der Prototyp‑ oder Kleinserienphase und sind für internationale Märkte nicht wettbewerbsfähig.
Geringe Unternehmensgrößen und Struktur der KMU‑Landschaft Die Unternehmenslandschaft ist stark mittelständisch geprägt; viele Betriebe operieren in Nischenmärkten mit begrenzter Exporterfahrung und ohne die organisatorischen Ressourcen für internationale Markterschließung (Exportmanagement, Compliance, Logistik).
Mangel an internationaler Vermarktung und Marktzugangskompetenz Fehlende Exportnetzwerke, geringe Präsenz auf internationalen Messen und begrenzte Kapazitäten für Marktforschung und Vertrieb behindern die Erschließung ausländischer Absatzmärkte.
Fehlende Pilotfabriken und Seriennachweise Für technologieintensive Produkte sind Nachweise zur Serienfertigung, Zertifizierungen und Langzeittests Voraussetzung für Großaufträge. Das Fehlen solcher Nachweise reduziert die Chancen, in internationale Lieferketten aufgenommen zu werden.
Finanzierungshemmnisse für Internationalisierung Exportvorhaben erfordern oft Vorfinanzierung (z. B. für Zertifizierungen, Normanpassungen, Markteintrittsaufwand). Fehlende risikokapitalähnliche Instrumente und begrenzte Co‑Finanzierungsangebote für Internationalisierungsprojekte erschweren diese Schritte.
Wirkungsmechanismen: Wie eine niedrige Exportquote Wachstum hemmt
Begrenzte Skaleneffekte: Ohne Zugang zu großen Märkten bleiben Stückkosten hoch; dies reduziert Margen und Investitionsspielräume.
Geringere Innovationsanreize: Internationale Konkurrenz und Kundenfeedback sind Treiber für Produktverbesserungen; fehlender Marktdruck dämpft Innovationsdynamik.
Vulnerabilität gegenüber Binnenmarktschwankungen: Regionen mit geringer Exportdiversifikation sind stärker von nationalen Nachfrageschwankungen betroffen.
Kapital‑ und Talentabzug: Investoren und hochqualifizierte Fachkräfte orientieren sich an exportstarken Clustern; eine niedrige Exportquote mindert die Attraktivität des Standorts.
Indikatoren zur Diagnose und Monitoring
Für eine evidenzbasierte Politik sollten folgende Indikatoren regelmäßig erhoben werden:
Exportquote (Exportvolumen / Bruttowertschöpfung) auf Landes‑ und Kreisebene.
Anteil exportierender Unternehmen (Anteil der Unternehmen mit Exportaktivitäten).
Durchschnittliche Unternehmensgröße und Exportumsatz pro Unternehmen.
Anteil wissensintensiver Exporte (High‑Tech‑Exportanteil).
Zahl und Volumen von Export‑Förderprojekten (z. B. Co‑Finanzierungen, Messebeteiligungen).
Politische Handlungsfelder und konkrete Maßnahmen
1. Aufbau und Vernetzung von Skalierungs‑ und Pilotinfrastruktur
Maßnahme: Errichtung modularer Pilotfabriken und seriennahe Testzentren, die KMU gegen kostendeckende Nutzungsgebühren zur Verfügung stehen.
Wirkung: Ermöglicht Seriennachweise, reduziert Fixkosten für einzelne Unternehmen und erhöht die Chancen auf Großaufträge im Ausland.
2. Internationalisierungs‑ und Exportförderprogramme
Maßnahme: Geförderte Exportberatungen, Markterschließungszuschüsse, gemeinsame Messeauftritte und Export‑Coaching für KMU.
Wirkung: Senkt Markteintrittsbarrieren und vermittelt Know‑how zu Compliance, Logistik und Vertrieb.
3. Finanzielle Brücken für Exportvorhaben
Maßnahme: Bereitstellung von Export‑Brückenfinanzierungen, Garantien und Matching‑Grants für Zertifizierungen und Normanpassungen; Einbindung eines Thüringer Zukunftsfonds als Co‑Investor.
Wirkung: Verringert Vorfinanzierungsrisiken und mobilisiert privates Kapital.
4. Cluster‑ und Netzwerkförderung
Maßnahme: Förderung von Exportnetzwerken, Branchenallianzen und internationalen Partnerschaften (z. B. Cluster‑to‑Cluster‑Kooperationen).
Wirkung: Verbessert Sichtbarkeit, erleichtert Zugang zu Vertriebskanälen und stärkt kollektive Marketingaktivitäten.
5. Kompetenzaufbau und Internationalisierungs‑Skills
Maßnahme: Trainingsprogramme für Exportmanagement, E‑Commerce‑Internationalisierung und regulatorische Anforderungen; Aufbau von „Export‑Hubs“ in Mittelstädten.
Wirkung: Erhöht die operative Fähigkeit von KMU, internationale Märkte zu bedienen.
Priorisierung und Implementierungslogik
Kurzfristig sollten Exportberatungen und Markterschließungszuschüsse gestartet werden, um schnelle Effekte zu erzielen. Parallel ist mittelfristig der Aufbau modularer Pilotinfrastruktur zu priorisieren, da diese die Voraussetzung für nachhaltige Exportsteigerungen in technologieintensiven Sektoren bildet. Langfristig ist die Kombination aus Infrastruktur, Finanzierung (Zukunftsfonds) und Netzwerkförderung notwendig, um dauerhafte Exportcluster zu etablieren.
Risiken und Nebenbedingungen
Fehlende Nachfrage: Infrastruktur allein nützt wenig, wenn keine marktfähigen Produkte vorhanden sind; deshalb sind simultane Innovations‑ und Marktfördermaßnahmen nötig.
Beihilfe‑ und Wettbewerbsrecht: Förderinstrumente müssen EU‑Beihilferegeln beachten, um Rechtsrisiken zu vermeiden.
Kapazitätsengpässe bei KMU: KMU benötigen begleitende Management‑ und Organisationsunterstützung, sonst bleiben Investitionen ungenutzt.
Fazit
Die niedrige Exportquote Thüringens ist ein zentrales strukturelles Hemmnis für Produktivitäts‑ und Wachstumssteigerungen. Exportförderung ist kein Selbstzweck, sondern ein Hebel zur Skalierung, Produktivitätssteigerung und internationalen Integration. Ein wirksames Programm verbindet den Aufbau seriennaher Infrastruktur (Pilotfabriken), gezielte Finanzierungsinstrumente, Kompetenzaufbau und Netzwerkförderung, um Thüringer Unternehmen systematisch in internationale Wertschöpfungsketten zu integrieren.⁴⁻⁵
Fußnoten
Thüringer Landesamt für Statistik (2023): Außenhandelsdaten Thüringen; Außenhandelsstatistik und Exportkennzahlen, Erfurt.
World Bank (2020): Innovation and Growth in Regions, World Bank Policy Research.
4.4 Fehlende Skalierungsinfrastruktur
Thüringen verfügt über eine international sichtbare Forschungsdichte in Bereichen wie Photonik, Medizintechnik und Materialwissenschaften. Gleichzeitig bestehen erhebliche Lücken in der Infrastruktur, die notwendig ist, um Forschungsergebnisse zuverlässig in industrielle Produktion zu überführen. Diese Skalierungsinfrastruktur umfasst physische Anlagen (Pilotfabriken, seriennahe Testzentren), institutionelle Kapazitäten (Technologie‑ und Transferzentren), organisatorische Mechanismen (Betreiberkonsortien, One‑Stop‑Shops) sowie finanzielle Instrumente (Brücken‑ und Co‑Investment‑Finanzierungen). Ohne diese Elemente verbleiben viele Innovationen im Laborstadium und werden nicht zu Produkten, Unternehmen und Arbeitsplätzen.⁶
1. Konkrete Defizite
Pilotfabriken: Es fehlen modulare, seriennahe Produktionslinien, die Prototypen in reproduzierbare Kleinserien überführen und Prozessstabilität nachweisen.
Technologie‑ und Testzentren: Zertifizierte Prüfstände, Reinraumkapazitäten, Kalibrier‑ und Prüfservices sowie Beratungsangebote zu Normen und Zertifizierungen sind nur begrenzt verfügbar.
Scale‑up‑Infrastruktur: Logistikflächen, Produktionsmanagement‑Know‑how und Flächen für die Übergangsphase von Kleinserie zu Großserie sind unzureichend.
Serienfertigungskapazitäten: Es mangelt an regionalen Produktionskapazitäten mit ausreichender Losgrößenökonomie für industrielle Abnehmer.
Export‑ und Marktzugangsmechanismen: Unterstützungsangebote für Normanpassung, internationale Zertifizierung, Exportfinanzierung und Markterschließung sind nicht systematisch mit Industrialisierungsinfrastruktur verknüpft.
2. Wirkungslogik: Warum Infrastruktur die zentrale Engpassursache ist
Technologische Validierung: Pilotfabriken reduzieren technische Unsicherheit, indem sie Produktionsprozesse unter realen Bedingungen testen; sie sind Voraussetzung für die Übernahme durch industrielle Abnehmer.
Ökonomische Hebelwirkung: Gemeinsame Infrastruktur senkt Fixkosten für einzelne KMU und Start‑ups, erhöht Auslastungsgrade und verbessert die Kapitalrendite von Investitionen in Serienproduktion.
Beschleunigung des Marktzugangs: Seriennahe Tests, Zertifizierungen und Normkonformität verkürzen Time‑to‑Market und erhöhen Wettbewerbsfähigkeit.
Signalwirkung für Kapital: Sichtbare, nutzbare Produktionskapazitäten erhöhen die Attraktivität für Venture Capital, strategische Investoren und industrielle Partner.
Netzwerkeffekte: Technologiezentren bündeln Kompetenzen, fördern Kooperationen zwischen Forschung und Industrie und erzeugen Wissensspillovers.
Fehlt diese Infrastruktur, entsteht ein systemisches „Valley of Death“ zwischen Forschung und Markt: technisch valide Innovationen bleiben wirtschaftlich nicht verwertbar.
3. Ursachen des Infrastrukturdefizits in Thüringen
Finanzierungsarchitektur: Es mangelt an patient‑capital‑orientierten Finanzierungsinstrumenten (z. B. Zukunftsfonds, Co‑Investment‑Mechanismen) für kapitalintensive Pilotanlagen.
Fragmentierte Förderlandschaft: Kurzfristige, projektbasierte Förderungen schaffen punktuelle Effekte, aber keine dauerhafte Betriebs‑ und Wartungsinfrastruktur.
Betreiberkompetenz: Es fehlen ausreichend Betreiberkonsortien mit Erfahrung im Betrieb gemeinsamer Produktionsinfrastruktur (Hochschule + Forschungseinrichtung + Industrie + Kommune).
Nachfrageaggregation: Viele KMU sind zu klein, um allein Serienaufträge zu generieren; ohne aggregierte Nachfrage bleiben Investitionen unrentabel.
Regulatorische Hürden: Komplexe Genehmigungsprozesse und Unsicherheiten bei Beihilferegeln verzögern Projekte und erhöhen Kosten.
Diese Ursachen wirken kumulativ und erklären, warum punktuelle Fördermaßnahmen bislang nicht zu einer nachhaltigen Skalierungsinfrastruktur geführt haben.
4. Konsequenzen für Innovation, Beschäftigung und Export
Verlorene Wertschöpfung: Forschungsergebnisse werden nicht in marktfähige Produkte überführt; damit entfallen potenzielle Unternehmensgründungen und Arbeitsplätze.
Beschäftigungsdynamik: Ohne Serienproduktion entstehen weniger hochwertige Industriearbeitsplätze; dies verschärft Fachkräfte‑ und Demografieprobleme.
Geringere Exportfähigkeit: Fehlende Seriennachweise und Zertifizierungen verhindern die Integration in internationale Lieferketten und dämpfen Exportquoten.
Verminderte Investitionsattraktivität: Investoren bevorzugen Standorte mit vorhandener Skalierungsinfrastruktur; Thüringen verliert relative Wettbewerbsfähigkeit.
5. Politische Handlungsoptionen und Operationalisierung
Strategische Prinzipien
Nachfrageorientierung: Infrastruktur nur dort aufbauen, wo aggregierte Nachfrage (Cluster, KMU‑Konsortien, Forschungsprojekte) nachweisbar ist.
Modularität: Kleine, modulare Pilotunits (z. B. mobile Reinraum‑Container, modulare Montagezellen) reduzieren Einstiegskosten und erlauben bedarfsorientiertes Hochskalieren.
Public‑Private‑Partnerships: Betreiberkonsortien (Hochschule/Forschungseinrichtung + Kommune + Industrie) teilen Investitions‑ und Betriebsrisiken.
Langfristige Kapitalbasis: Einrichtung eines Thüringer Zukunftsfonds oder Co‑Investment‑Mechanismus zur Finanzierung von Infrastruktur und zur Mobilisierung privaten Kapitals.
EU‑Konformität: Förderdesign so ausrichten, dass EFRE/ESF+/IPCEI‑Mittel und nationale Programme kombiniert werden können.
Konkrete Maßnahmen (operationalisiert)
Pilotfabrik‑Programm „Modular Scale“ — Förderung modularer Pilotunits mit standardisierten Schnittstellen; Zuschüsse für Aufbau, Nutzungszuschüsse für KMU in der Anlaufphase.
Ausbau regionaler Technologie‑ und Transferzentren — Erweiterung bestehender Fraunhofer‑/Universitäts‑Satelliten um Prüf‑, Zertifizierungs‑ und Beratungsservices.
Scale‑up‑Hubs auf Konversionsflächen — Kombination von Produktionsflächen, Logistik und Workforce‑Services in Mittelstädten.
Proof‑of‑Concept‑Fund — Seed‑to‑Pilot‑Finanzierung zur Überbrückung der Phase zwischen Labor und Pilot.
One‑Stop‑Shop Industrialisierung — Zentrale Anlaufstelle für Genehmigungen, Förderberatung, Zertifizierungsbegleitung und Markterschließung.
Co‑Investment‑Instrumente — Matching‑Grants, Garantien und Fondskapazitäten, die private Investoren mobilisieren.
Governance‑ und Betriebsmodelle
Betreiberkonsortien mit klaren Rollen (Technik, Betrieb, Nachfrageaggregation).
Nutzungsmodelle mit gestaffelten Gebühren (subventionierte Anlaufphase, später kostendeckend).
Monitoring‑Framework mit KPI‑Dashboard (Belegungsgrad, überführte Projekte, Folgeinvestitionen, Exportanteil geförderter Unternehmen).
6. Indikatoren zur Erfolgsmessung (Beispielset)
Belegungsgrad Pilotinfrastruktur (Nutzungsstunden / verfügbare Stunden).
Anzahl überführter Projekte von Proof‑of‑Concept zu Kleinserie (pro Jahr).
Anteil geförderter Unternehmen mit Exportumsatz (nach 3–5 Jahren).
Volumen privater Co‑Investitionen in Infrastrukturprojekte.
Beschäftigungszuwachs in Produktions‑ und Scale‑up‑Jobs in Zielclustern.
7. Risiken und Gegenmaßnahmen
Unterauslastung: Vorab‑Nachfrageanalysen, modulare Planung und flexible Betreiberverträge reduzieren das Risiko.
Fehlende Betreiberkompetenz: Aufbau von Management‑Capacity‑Programmen und Einbindung erfahrener Industriepartner.
Beihilfe‑ und Wettbewerbsrechtliche Risiken: EU‑konforme Förderdesigns und transparente Vergabeverfahren.
Finanzierungsrisiko: Kombination aus Landesmitteln, EU‑Förderung und privatem Co‑Investment; Rückflüsse in einen Re‑Investitionsfonds sichern Nachhaltigkeit.
8. Fazit
Das Fehlen einer skalierbaren, modularen und nachfrageorientierten Infrastruktur ist eine zentrale Blockade für die industrielle Verwertung der Forschung in Thüringen. Der Aufbau von Pilotfabriken, Technologiezentren, Scale‑up‑Hubs und begleitenden Finanz‑ und Governance‑mechanismen ist daher nicht nur eine Investition in Anlagen, sondern in die gesamte regionale Innovationsökonomie: nur so lassen sich Forschungsexzellenz, Beschäftigung und Exportfähigkeit nachhaltig verbinden.⁶
Fußnoten
Fraunhofer‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht 2023; Kapitel „Transfer und Pilotinfrastruktur“.
BMBF (2022): Strategie zur Stärkung industrieller Transformationsinfrastruktur in Deutschland.
OECD (2023): Regions in Industrial Transition: New Approaches to Persistent Problems, OECD Publishing.
BBSR / INKAR (2022): Indikatoren zur Raum‑ und Stadtentwicklung; Flächenverfügbarkeit und Konversion.
European Commission (2021–2024): Leitfäden zu EFRE/ESF+/IPCEI‑Kofinanzierung und Beihilferegeln für regionale Infrastrukturprojekte.
4.5 Europäischer Wettbewerbsdruck
Europa befindet sich in einem verschärften globalen Wettbewerb um Talente, Technologien, Kapital und Produktionskapazitäten. Die EU‑Politik (z. B. Chips Act, IPCEI‑Initiativen, Biotech‑Strategien) richtet erhebliche Förder‑ und Investitionsmittel auf Regionen mit nachweisbarer Umsetzungsfähigkeit. Thüringen muss seine operative Glaubwürdigkeit (Infrastruktur, Governance, Co‑Finanzierung, Talent) schnell sichtbar machen, um nicht von strategischen Wertschöpfungsketten und Förderströmen ausgeschlossen zu werden.⁷
1. Treiber des Wettbewerbsdrucks
Geopolitische Neuordnung von Lieferketten: Staaten und Regionen streben nach Resilienz in Schlüsselindustrien; dies erhöht die Nachfrage nach lokalen Produktionskapazitäten und nach Regionen, die industrielle Umsetzungskompetenz vorweisen können.
Konzentration von Kapital: Private und öffentliche Investoren bündeln Mittel in Regionen mit sichtbarer Umsetzungsfähigkeit (Pilotanlagen, Serienkapazitäten, qualifiziertes Personal).
Globale Talentmobilität: Hochqualifizierte Fachkräfte sind international nachgefragt; Regionen mit attraktiven Karriere‑ und Lebensbedingungen gewinnen gegenüber peripheren Standorten.
Technologie‑Rennen: Strategische Technologien (Halbleiter, Wasserstoff, Biotechnologie, Photonik) werden zu geopolitischen Prioritäten; Förderprogramme und industrielle Allianzen beschleunigen die Kommerzialisierung in ausgewählten Regionen.
2. Relevante EU‑Programme und Wirkmechanismen
EU Chips Act: Ziel ist der Aufbau und die Skalierung europäischer Halbleiterkapazitäten; Förderinstrumente und regulatorische Maßnahmen schaffen Anreize für Fertigungsinvestitionen.
IPCEI Mikroelektronik und IPCEI Wasserstoff: Grenzüberschreitende, staatlich unterstützte Großprojekte bündeln Ressourcen und Know‑how; Teilnahme setzt Umsetzungsfähigkeit, Governance‑Strukturen und Co‑Finanzierung voraus.
EU Biotech Strategy: Fördert Biomanufacturing, regulatorische Harmonisierung und Markteinführung biotechnologischer Anwendungen.
Wirkmechanismus: EU‑Programme koppeln finanzielle Anreize an die Fähigkeit, Projekte schnell und glaubwürdig umzusetzen. Regionen ohne sichtbare Produktions‑ und Skalierungsfähigkeit haben geringere Chancen auf Mittel und private Co‑Investitionen.
3. Chancen und Risiken für Thüringen
Chancen: Mit gezielten Investitionen in Pilotinfrastruktur, Governance und Talent kann Thüringen EU‑Mittel und private Co‑Investitionen anziehen und sich in komplementären Clustern (z. B. Photonik, MedTech, Mikroelektronik, BioTech) positionieren.
Risiken: Ohne sichtbare Umsetzungsfähigkeit droht Ausschluss aus IPCEI‑Konsortien und geringere Chancen auf Chips‑ oder Biotech‑Investitionen; dies würde die regionale Innovations‑ und Exportdynamik schwächen.
Wettbewerbsrealität: Thüringen konkurriert nicht nur national, sondern mit europäischen Regionen, die bereits größere Fonds, Produktionskapazitäten oder engere Industrie‑Allianzen vorweisen.
4. Strategische Implikationen und Prioritäten
Schnelle Sichtbarkeit schaffen: Priorität auf Projekte legen, die EU‑Kriterien erfüllen und kurzfristig als Proof‑points dienen (modulare Pilotfabriken, zertifizierte Testzentren).
Co‑Finanzierungsfähigkeit erhöhen: Aufbau eines Zukunftsfonds oder Co‑Investment‑Mechanismus, der öffentliche Startmittel mit privatem Kapital hebelt.
Clusterfokussierung: Konzentration auf wenige, komplementäre Technologiefelder, um kritische Masse für IPCEI‑Beteiligungen zu erreichen.
Administrative Beschleunigung: One‑Stop‑Shop‑Modelle und standardisierte Projektpakete, die EU‑Förderanträgen und Investoren klare Umsetzungspläne liefern.
Talent‑ und Partnerschaftspolitik: Proaktive Rekrutierung internationaler Fachkräfte und Aufbau transnationaler Industriepartnerschaften.
5. Operative Maßnahmen und KPIs
Operative Maßnahmen
Entwicklung EU‑konformer Projektpakete für IPCEI/Chips‑Calls.
Errichtung modularer Pilotunits innerhalb 12–24 Monaten als Proof‑points.
Startkapital für eine regionale Co‑Investment‑Facility.
Aufbau internationaler Partnerschaften mit etablierten Produktionsstandorten.
KPIs zur Messung der strategischen Positionierung
Anzahl eingereichter / genehmigter EU‑Projektanträge (IPCEI, Chips Act, EFRE).
Volumen mobilisierter privater Co‑Investitionen in EU‑geförderte Projekte.
Anteil regionaler Investitionen in strategische Technologien (jährlich).
Netto‑Zugang internationaler Fachkräfte in Zielclustern.
Anzahl Partnerschaften mit europäischen Produktions‑ oder Forschungseinrichtungen.
Fazit
Der europäische Wettbewerbsdruck macht deutlich: Thüringen muss seine Umsetzungsfähigkeit sichtbar und glaubwürdig machen, um in der Verteilung strategischer EU‑Mittel und privater Investitionen nicht ins Hintertreffen zu geraten. Eine kombinierte Strategie aus schnellen, modularen Pilotprojekten, belastbarer Co‑Finanzierungsarchitektur, gezielter Clusterfokussierung und aktiver Talent‑ und Partnerschaftspolitik ist erforderlich, um die Chancen der EU‑Programme zu nutzen und die regionale Position in europäischen Wertschöpfungsketten zu stärken.⁷
Fußnote
European Commission (2023): European Industrial Strategy; Dokumentation zu strategischen Initiativen und Förderinstrumenten der EU.
4.6 Zusammenfassung
Die Notwendigkeit einer systemischen Transformation Thüringens ergibt sich aus dem Zusammenwirken mehrerer, sich gegenseitig verstärkender Risiken: demografischer Druck, struktureller Fachkräftemangel, geringe Exportfähigkeit, fehlende Skalierungsinfrastruktur und verschärfter europäischer Wettbewerbsdruck. Diese Faktoren bilden ein Zeitfenster, in dem nur eine koordinierte, langfristig angelegte Strategie die Region auf einen nachhaltigen, exportfähigen Wachstumspfad zurückführen kann.
1. Kompakte Risikoanalyse
Demografischer Druck reduziert das Erwerbspersonenpotenzial und verschärft Engpässe in Schlüsselberufen.
Fachkräftemangel wirkt als unmittelbares Innovationshemmnis: Ohne qualifiziertes Personal bleiben Pilotprojekte und Serienanläufe unterbesetzt.
Niedrige Exportquote begrenzt Marktgröße, Skaleneffekte und die Anreize für kapitalintensive Investitionen.
Fehlende Skalierungsinfrastruktur erzeugt ein „Valley of Death“ zwischen Forschung und Markt; Forschungsexzellenz wird nicht in Industrie und Arbeitsplätze überführt.
Europäischer Wettbewerbsdruck verschärft die Situation: EU‑Programme und private Investoren bevorzugen Regionen mit sichtbarer Umsetzungsfähigkeit.
2. Systemische Dynamik und Pfadabhängigkeit
Die Treiber wirken kumulativ: Demografie und Fachkräftemangel reduzieren Nachfrage und Innovationsdynamik; fehlende Infrastruktur verhindert Skalierung; mangelnde Skalierung schwächt Exportfähigkeit und mindert Investitionsanreize; geringere Investitionen verschlechtern wiederum die Attraktivität für Talente und Kapital. Diese Pfadabhängigkeit macht punktuelle Einzelmaßnahmen ineffektiv — es braucht ein integriertes Programm, das Governance, Finanzierung, Infrastruktur und Talentpolitik simultan adressiert.
3. Prioritäten und Sequenzielle Logik
Kurzfristig (0–12 Monate)
Governance‑Start: Einrichtung eines Transformationsrats zur Bündelung von Projekten und Fördermitteln.
Proof‑of‑Concept‑Finanzierung: Startkapital für Brückenfinanzierungen, um Laborergebnisse marktreif zu machen.
Mittelfristig (1–3 Jahre)
Aufbau modularer Pilotfabriken und Technologiezentren; One‑Stop‑Shop für Industrialisierung.
Talentoffensive: Rekrutierung, Rückkehrerprogramme und Ausbau dualer Studiengänge.
Langfristig (3–7 Jahre)
Etablierung eines Zukunftsfonds für Re‑Investitionen und Co‑Investment‑Mechanismen.
Entwicklung von Scale‑up‑Hubs und dauerhaften Exportnetzwerken.
4. Operative Eckpunkte eines integrierten Programms
Integriert planen: Infrastruktur, Finanzierung, Talent und Governance als Paket.
Nachfrageorientiert bauen: Infrastruktur nur dort, wo aggregierte Nachfrage und Clusterpotenzial bestehen.
Modular und skalierbar: Kleine, flexible Pilotunits, die sukzessive hochskaliert werden können.
Langfristiges Kapital: Re‑Investitionspflichten und Co‑Investment‑Modelle zur Sicherung der Nachhaltigkeit.
EU‑Konformität: Projektpakete so strukturieren, dass sie EU‑Förderkriterien erfüllen und private Co‑Investoren mobilisieren.
5. Monitoring und Erfolgskriterien
Ein schlankes Monitoring‑Set ermöglicht adaptive Steuerung:
Bevölkerungsbestand und Netto‑Migration 18–35 Jahre.
Anzahl neu rekrutierter Fachkräfte in Engpassberufen; Time‑to‑Fill.
Anzahl überführter Projekte von PoC zu Kleinserie; Belegungsgrad Pilotinfrastruktur.
Exportquote und Anteil wissensintensiver Exporte.
Volumen mobilisierter privater Co‑Investitionen; Fonds‑Renditen/Re‑Investitionen.
6. Schlussfolgerung und Handlungsaufforderung
Thüringen steht an einem Wendepunkt: Entweder die Region initiiert jetzt eine systemische, koordinierte Transformation — oder sie riskiert langfristig an wirtschaftlicher Souveränität, Innovationskraft und Beschäftigungspotenzial zu verlieren. Die politische und wirtschaftliche Handlungsfähigkeit ist vorhanden; entscheidend ist Tempo, Kohärenz und die Bereitschaft, öffentliche Startmittel strategisch zu hebeln, um private Mittel, Talente und EU‑Förderungen zu mobilisieren. Ein sofortiger Start mit Governance‑ und Proof‑of‑Concept‑Maßnahmen erzeugt die Hebelwirkung, die für die nächsten Phasen der Industrialisierung und Exportsteigerung erforderlich ist.
📘 KAPITEL 5 – REALISIERBARKEIT DES PROGRAMMS
Dieses Kapitel prüft, ob das vorgeschlagene Transformationsprogramm für Thüringen finanziell, technologisch/infrastrukturell, regional, politisch/governance‑bezogen und gesellschaftlich umsetzbar ist. Die Analyse kombiniert eine evidenzbasierte Literatur‑ und Policy‑Grundlage mit einer pragmatischen Umsetzungslogik: für jede Dimension werden Voraussetzungen, vorhandene Ressourcen, Umsetzungshemmnisse und konkrete Management‑Maßnahmen benannt. Die Kernthese lautet: Die Realisierbarkeit ist hoch, sofern Maßnahmen systemisch, phasenorientiert und kohärent umgesetzt werden.
5.1 Methodik
Die Prüfung folgt einem multidimensionalen Bewertungsrahmen mit fünf Kriterien: (A) Finanzierbarkeit, (B) technologische Machbarkeit, (C) regionale/sektorale Umsetzbarkeit, (D) politische Steuerbarkeit/Governance und (E) gesellschaftliche Akzeptanz/Arbeitsmarktintegration. Aussagen stützen sich auf Primärdokumente (EU‑Rechtsakte, IPCEI‑Dokumente), institutionelle Reports (EIB, OECD, Fraunhofer) und regionale Programmdokumente (EFRE Thüringen, IAB‑Projektionen).
5.2 Finanzielle Realisierbarkeit
Kernaussage. Die Finanzierung ist realisierbar, wenn ein diversifizierter Finanzierungs‑Mix aus zweckgebundenen Landesmitteln (z. B. Innovations‑/Digitalabgaben), EU‑Kofinanzierung (EFRE/ESF+), strategischen EU‑Instrumenten (IPCEI, Chips Act), Green‑Bond‑Emissionen und privatem Co‑Investment kombiniert wird. Solch ein Mix erhöht Stabilität und Hebelwirkung auf privates Kapital.
Zahlenrahmen und Architektur. Erste Aufbauphasen (Proof‑of‑Concept‑Fund, 1–3 modulare Pilotunits, One‑Stop‑Shop) sind plausibel in einer Größenordnung von einigen zehn bis wenigen hundert Millionen Euro; ein regionaler Co‑Investment‑Fonds im niedrigen dreistelligen Millionenbereich erhöht Hebelwirkung und entspricht Erfahrungswerten aus IPCEI‑Projekten. EFRE‑Programme bieten kofinanzielle Deckung für Infrastruktur‑ und Skills‑Maßnahmen; Green Bonds sind geeignet für Energie‑ und Green‑Tech‑Investitionen, sofern Use‑of‑Proceeds‑Reporting sichergestellt ist.
Risiken & Gegenmaßnahmen. Unterauslastung wird durch Vorab‑Nachfrageanalysen, verbindliche Abnahmevereinbarungen mit Ankerunternehmen und modulare Bauweise reduziert; Kapitalakquise wird durch ein klares Term‑Sheet und frühe Einbindung institutioneller Investoren (EIB, KfW, Pensionsfonds) erleichtert. Die EIB betont die Hebelwirkung koordinierter öffentlicher Unterstützung zur Mobilisierung privater Mittel.
5.3 Technologische und infrastrukturelle Realisierbarkeit
Kernaussage. Technisch ist der Aufbau modularer Pilotfabriken, seriennahe Testzentren und Transferinfrastruktur machbar; die zentrale Herausforderung ist die Betreiber‑ und Auslastungslogik. Fraunhofer‑Analysen und europäische Best‑Practice‑Beispiele zeigen, dass Transferzentren mit integrierten Prüf‑ und Zertifizierungsservices Time‑to‑Market verkürzen.
Voraussetzungen und Umsetzungsschritte.
Modularität: Standardisierte Modulbauweise (Plug‑and‑play‑Zellen) reduziert Time‑to‑Build und erlaubt bedarfsorientiertes Hochskalieren.
Betreiberkonsortien: Hochschulen/Fraunhofer + Kommune + Industrie teilen Investitions‑ und Betriebsrisiken; solche Konsortien sind in IPCEI‑Projekten etabliert.
Zertifizierung: Frühe Integration von Prüf‑ und Normservices in Transferzentren ist Voraussetzung für Exportfähigkeit und für die Teilnahme an IPCEI/Chips‑Projekten.
Zeitliche Orientierung. Erste Pilotunits betriebsbereit innerhalb 12–24 Monaten; signifikante Auslastung (30–50 %) innerhalb 24–36 Monaten bei aggregierter Nachfrage und aktiver Nutzerakquise. Diese Zeitfenster entsprechen Erfahrungen aus vergleichbaren europäischen Pilotprojekten.
5.4 Regionale und sektorale Umsetzbarkeit
Kernaussage. Thüringen verfügt über räumliche und sektorale Voraussetzungen (Photonik‑Cluster Jena, MedTech‑Kompetenzen, Hochschulnetzwerke), sodass ein polyzentrischer Aufbau (Technologie‑Satelliten + Scale‑up‑Hubs) hohe Umsetzbarkeit besitzt.
Strategische Maßnahmen.
Nachfrageaggregation: Bildung von KMU‑Konsortien und Einbindung von Ankerunternehmen zur Sicherung von Auslastung und Wirtschaftlichkeit; IPCEI‑Beispiele zeigen, dass grenzüberschreitende Konsortien Nachfrage und Finanzierung bündeln können.
Clusterfokussierung: Konzentration auf komplementäre Technologiefelder (Photonik, MedTech, Mikroelektronik, Biotech) zur Erreichung kritischer Masse für EU‑Projekte.
Regionale Governance: Ein Transformationsrat mit Standortprioritäten und verbindlichen Projektpaketen reduziert Fragmentierungsrisiken und erhöht Förderchancen bei EFRE/ESF+.
5.5 Politische Steuerbarkeit und Governance
Kernaussage. Politisch ist die Umsetzung möglich, wenn verbindliche Governance‑Instrumente (Transformationsrat, One‑Stop‑Shop, Betreiberkonsortien) und mehrjährige Budgetzusagen etabliert werden; EU‑Programme verlangen transparente Governance‑ und Compliance‑Strukturen. Frühzeitige Abstimmung mit der GD Wettbewerb ist für IPCEI‑Teilnahmen und Beihilfefragen unabdingbar.
Empfohlene Sequenz (Phasen).
Phase 0 (0–6 Monate): Einrichtung Transformationsrat; Priorisierung von PoC‑Projekten; Term‑Sheet für Zukunftsfonds.
Phase 1 (6–24 Monate): Aufbau PoC‑Fund; One‑Stop‑Shop; Errichtung erster modularer Pilotunits.
Phase 2 (24–60 Monate): Skalierung Pilotfabriken; Start Co‑Investment‑Facility; Einreichung IPCEI/Chips‑Projektpakete.
5.6 Gesellschaftliche Akzeptanz und Arbeitsmarktintegration
Kernaussage. Gesellschaftliche Umsetzbarkeit ist hoch, wenn sichtbare Beschäftigungseffekte, Qualifizierungsangebote und Maßnahmen zur Lebensqualität parallel umgesetzt werden. OECD‑Analysen betonen die Bedeutung von Governance‑Experimenten und sozialer Einbindung in Regionen im industriellen Wandel.
Konkrete Maßnahmen.
Talentoffensive: Industry‑PhDs, Upskilling‑Bootcamps, Rückkehrerprogramme; enge Kooperation mit Arbeitsagentur und Hochschulen.
Partizipation: Einbindung von Sozialpartnern, Kommunen und Bildungsakteuren in Governance‑Gremien; transparente Kommunikation zu Nutzen (Jobs, Ausbildungsplätze, regionale Wertschöpfung).
Monitoring: KPI‑Set zur Beschäftigungswirkung, Ausbildungsplätzen und regionaler Migration als Bestandteil jeder Fördervereinbarung.
5.7 Hauptrisiken und Managementplan
Unterauslastung: Management: Vorab‑Nachfrageanalysen, modulare Planung, Reservierungsmodelle, Ankerabnahmen.
Finanzierungsrisiko: Management: Kombination aus Landesmitteln, EFRE/ESF+, IPCEI/Chips‑Beihilfen und privatem Co‑Investment; Re‑Investitionspflichten und Fonds‑Governance.
Regulatorische Hürden: Management: Frühzeitige Abstimmung mit GD Wettbewerb; Nutzung von IPCEI‑Guidance.
Fachkräftemangel: Management: Parallele Talentstrategie, Upskilling, internationale Rekrutierung; IAB‑Projektionen zeigen anhaltenden Fachkräftebedarf und die Notwendigkeit langfristiger Qualifizierungsmaßnahmen.
5.8 Gesamtbewertung und Fazit
Die multidimensionale Prüfung ergibt eine hohe Realisierbarkeit, sofern das Programm systemisch, phasenorientiert und kohärent umgesetzt wird. Entscheidend sind: (1) schnelle Proof‑of‑Concept‑Erfolge zur Vertrauensbildung (12–24 Monate), (2) ein belastbares Governance‑ und Finanzierungsmodell (Zukunftsfonds mit Re‑Investitionsmechanik, EFRE‑Kofinanzierung, Green Bonds, Co‑Investment) und (3) eine parallele Talent‑ und Akzeptanzstrategie. Mit diesen Voraussetzungen kann Thüringen Forschungsexzellenz in industrielle Wertschöpfung überführen und EU‑Förderfenster (EFRE/ESF+, IPCEI, Chips Act) effektiv nutzen.
Zitierte Dokumente (Auswahl, druckfertig)
OECD. Regions in Industrial Transition: New Approaches to Persistent Problems, OECD Publishing, 2023.
European Investment Bank (EIB). Investment Report 2023/2024: Transforming for competitiveness, 7 Feb 2024.
Regulation (EU) 2023/1781 (Chips Act). Regulation of the European Parliament and of the Council establishing a framework of measures for strengthening Europe’s semiconductor ecosystem, Amtsblatt der EU L 229/1, 18.9.2023.
European Commission — IPCEI Microelectronics. Microelectronics value chain — Approved IPCEIs and project overview (GD Wettbewerb / IPCEI‑Portal).
IPCEI Hydrogen. IPCEI Hydrogen — Programme overview and project lists (IPCEI Hydrogen Secretariat / European Commission).
Fraunhofer‑Gesellschaft. Jahresbericht 2023 — Transfer, Pilotinfrastruktur und regionale Technologiezentren, Fraunhofer, 2023.
EFRE‑Programm Thüringen 2021–2027. Programmdokumentation, Freistaat Thüringen (EFRE‑Seite).
Eurostat. Regional Yearbook 2023, Statistical Office of the European Union, 2023.
IAB. Regionale Arbeitsmarktprognosen und Langfristprojektionen (IAB‑Publikationen).
5.1 Finanzielle Realisierbarkeit
Das Transformationsprogramm basiert auf einem Zukunftsfonds, der gezielt in skalierbare Vermögenswerte investiert und dadurch langfristige, wiederkehrende Cashflows erzeugt. Im Unterschied zu rein konsumtiven Förderprogrammen schafft der Fonds dauerhafte Ertragsquellen, die Re‑Investitionen und nachhaltige Skalierung ermöglichen.
Mechanismen zur Erzeugung langfristiger Cashflows
Der Fonds generiert Erträge über mehrere, komplementäre Mechaniken:
Beteiligungen (Equity) Direkte Minderheits‑ oder Mehrheitsbeteiligungen an Spin‑outs, Scale‑ups und Betreibergesellschaften von Pilotanlagen. Beteiligungen ermöglichen Kapitalgewinne bei Exits sowie laufende Dividendenerträge.
Lizenzmodelle Erwerb oder Mitfinanzierung von geistigem Eigentum (Patente, Software) mit anschließender Lizensierung an Industriepartner; Lizenzeinnahmen schaffen wiederkehrende Erlöse und fördern Technologietransfer.
Royalty‑Mechanismen Umsatz‑ oder Gewinnabhängige Royalty‑Verträge für kommerzialisierte Technologien; besonders geeignet, wenn der Fonds frühe Entwicklungsrisiken übernimmt und später an der Skalierung partizipiert.
Contract Manufacturing / Betreibererlöse Beteiligung an oder Aufbau von Contract‑Manufacturing‑Einheiten (Pilotfabriken), die gegen Gebühr Fertigungs‑ und Skalierungsdienstleistungen für KMU und Konzerne erbringen.
Pilotfabriken als Asset‑Klasse Pilot‑ und Testinfrastruktur, die als gebührenbasierte Dienstleistung betrieben wird (Nutzungsgebühren, Serviceverträge, Prüf‑ und Zertifizierungsleistungen). Solche Assets kombinieren Infrastrukturwert mit wiederkehrenden Cashflows.
Diese Kombination reduziert Abhängigkeit von einmaligen Zuschüssen und schafft eine Finanzierungsbasis für Re‑Investitionen in Folgeprojekte.
Governance‑ und Finanzierungsarchitektur (empfohlen)
Seed‑Tranche (Startkapital): Landesmittel + Umschichtungen; zweckgebundene Einlage aus Innovations‑/Digitalabgaben.
Kofinanzierung: EFRE/ESF+‑Programme und nationale Förderlinien zur Mitfinanzierung von Infrastrukturkomponenten.
Hebelung: Co‑Investment‑Mechanismen zur Mobilisierung privater Mittel (Pensionsfonds, Corporate VC, Family Offices).
Rendite‑ und Re‑Investitionsregeln: Re‑Investitionspflicht für erzielte Erträge (z. B. Mindestanteil 50 % der Fonds‑Rendite) zur Sicherung langfristiger Wirkung.
Transparenz & Reporting: Jährliches Impact‑ und Finanzreporting; unabhängige Prüfungen zur Sicherstellung von Zweckbindung und EU‑Konformität.
Ein klar definiertes Term‑Sheet (Zielvolumen, Laufzeit, Governance, Exit‑Regeln, Co‑Investment‑Policy) erhöht die Attraktivität für institutionelle Partner und reduziert Transaktionskosten.
International vergleichende Evidenz
Staatliche bzw. staatlich initiierte Investmentfonds haben in mehreren Ländern gezeigt, dass sie über Jahrzehnte stabile Renditen und strategische Wirkung erzielen können. Zwei illustrative Beispiele: Temasek Holdings (Singapur) und Sitra (Finnland). Beide Institutionen kombinieren langfristige Kapitalallokation mit klaren Mandaten zur Förderung nationaler Innovations‑ und Transformationsziele; ihre Berichte dokumentieren nachhaltige Erträge und signifikante Hebelwirkung auf private Investitionen.¹
Haushaltslage und Finanzierungsfähigkeit Thüringens
Thüringen verfügt über solide haushaltliche Grundlagen und kann die Anfangsfinanzierung durch eine Kombination aus Umschichtungen, zweckgebundenen Landesabgaben (Innovations‑/Digitalabgaben), EU‑Programmen (EFRE/ESF+) und gezielten Co‑Investments sicherstellen. Die vorgeschlagene Struktur minimiert kurzfristige Belastungen des Landeshaushalts, weil ein erheblicher Teil der Mittel als kapitalgebundene Einlage in den Fonds fließt und durch Re‑Investitionen langfristig wiederverwendbar bleibt.
Risiken und Minderungsmaßnahmen (kurz)
Liquiditätsdruck in frühen Jahren: Staffelung der Einzahlungen; Brückenfinanzierungen; Garantien durch Landesbank/KfW‑Modelle.
Marktrisiko bei Beteiligungen: Diversifikation über Sektoren und Anlageklassen; konservative Bewertungs‑ und Exit‑strategien.
EU‑Beihilfe‑Risiken: Rechtskonforme Gestaltung der Förder‑ und Beteiligungsinstrumente; frühzeitige Abstimmung mit Bundesressorts und GD Wettbewerb.
Fußnote
Temasek Holdings. Annual Review 2023; Sitra. Impact Report 2020.
5.2 Technologische Realisierbarkeit
Dieses Unterkapitel bewertet, ob die technologischen Voraussetzungen in Thüringen ausreichen, um das Transformationsprogramm in marktfähige, skalierbare industrielle Kapazitäten zu überführen. Die Analyse fasst vorhandene Stärken zusammen, benennt die zentralen Lücken und leitet konkrete Umsetzungsanforderungen sowie messbare Erfolgsindikatoren ab.
Vorhandene technologische Stärken
Kernaussage. Thüringen verfügt über eine dichte und international sichtbare Forschungs‑ und Innovationslandschaft in den Schlüsselbereichen Photonik, MedTech, BioTech, Mikroelektronik und Künstliche Intelligenz (KI). Diese Basis liefert die wissenschaftlichen und technologischen Voraussetzungen für industrielle Wertschöpfung; die Herausforderung liegt primär in der industriellen Skalierung.
Belege und Indikatoren
Forschungseinrichtungen und Transferinfrastruktur: Zahlreiche Hochschulen, Fraunhofer‑ und Leibniz‑Institute sowie außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sind in Thüringen aktiv und erzeugen hohe F&E‑Intensität und Drittmitteleinnahmen.¹
Cluster und Branchenkompetenz: Regionale Cluster (z. B. Photonik in Jena) und spezialisierte KMU bilden ein Ökosystem mit komplementären Kompetenzen für Produktentwicklung und Prototyping.²
Humanressourcen: Hohe Dichte an MINT‑Absolventinnen und ‑Absolventen sowie etablierte Weiterbildungsangebote sichern die Verfügbarkeit von Ingenieur‑ und Forschungspersonal.³
Internationale Sichtbarkeit: Patentanmeldungen, Publikationsaktivität und internationale Kooperationen zeigen, dass Thüringer Technologien auf globalen Märkten anschlussfähig sind.⁴
Zentrale Lücke: Skalierungsinfrastruktur
Problemdefinition. Die technologische Realisierbarkeit scheitert nicht an Forschungskapazität, sondern an fehlender seriennahe Infrastruktur: modularen Pilotfabriken, zertifizierten Test‑ und Normzentren, Betreiberkonsortien und nachhaltigen Nutzungsmodellen. Ohne diese Infrastruktur verbleiben viele Forschungsergebnisse im Laborstadium.
Konkrete Defizite
Pilotfabriken: Es fehlen modulare, seriennahe Produktionslinien, die PoC (Proof of Concept) in industrielle Prozesse überführen.
Test‑ und Zertifizierungszentren: Validierung, Normkonformität und Zulassungsprozesse sind dezentral und zeitaufwändig; gebündelte Prüfservices fehlen.
Betreibermodelle: Es existieren nur wenige wirtschaftlich tragfähige Betreiberkonsortien, die Infrastruktur betreiben, auslasten und kommerziell vermarkten.
Service‑Ökosystem: Lizenzierung, Contract Manufacturing und standardisierte Serviceverträge sind nicht flächendeckend etabliert.
Umsetzungsanforderungen und Empfehlungen
1. Aufbau modularer Pilotinfrastruktur
Modulprinzip: Pilotunits als standardisierte, skalierbare Module (Plug‑and‑play) planen, um Time‑to‑Build zu reduzieren und flexible Kapazitätserweiterung zu ermöglichen.
Ausstattung: Seriennahe Maschinen, Prüfstände und Automatisierungstechnik; Schnittstellen für Daten‑ und Qualitätsmanagement.
2. Einrichtung zertifizierter Test‑ und Normzentren
Leistungsumfang: Prüfungen, Kalibrierung, Zertifizierungsberatung und Unterstützung bei regulatorischen Zulassungen (z. B. Medizinprodukte‑CE, ISO‑Normen).
Kooperation: Kooperation mit akkreditierten Prüfinstituten und Benannten Stellen zur Beschleunigung von Marktzulassungen.
3. Betreiberkonsortien und Nutzungsmodelle
Konsortialstruktur: Betreiberkonsortien aus Hochschule/Fraunhofer, Kommune und Industrie zur Bündelung von Know‑how, Flächen und Nachfrage.
Wirtschaftsmodelle: Pay‑per‑use, Contract Manufacturing, Lizenz‑ und Royalty‑Modelle zur Erzeugung wiederkehrender Erlöse und zur Auslastungssicherung.
4. Nachfrageaggregation und Ankerkunden
KMU‑Konsortien: Bündelung regionaler KMU‑Bedarfe zur Sicherung von Auslastung und Wirtschaftlichkeit.
Öffentliche Beschaffung: Einsatz von Public Procurement of Innovation (PPI) als Launch‑Customer für regionale Lösungen.
5. Qualifizierung und Talentbindung
Programme: Industry‑PhDs, Upskilling‑Bootcamps, duale Weiterbildungsangebote; enge Verzahnung mit Pilotinfrastruktur für praxisnahe Ausbildung.
Zeitplan und Erfolgsindikatoren
Zeitliche Orientierung
0–12 Monate: Standortauswahl, Betreiberkonsortien bilden, Finanzierung für 1–2 Pilotmodule sichern.
12–24 Monate: Errichtung und Inbetriebnahme erster Pilotunits; Aufbau von Test‑ und Zertifizierungsservices.
24–36 Monate: Zielauslastung 30–50 % durch regionale und überregionale Nutzer; erste Lizenz‑/Royalty‑Einnahmen.
Messbare Erfolgsindikatoren (KPIs)
Anzahl in Pilotanlagen überführter PoC pro Jahr.
Auslastungsgrad der Pilotunits (Ziel: 30–50 % innerhalb 24–36 Monaten).
Anzahl erteilter Zertifikate / Zulassungen durch regionale Testzentren.
Lizenz‑ und Royalty‑Einnahmen des Zukunftsfonds bzw. Betreiber‑SPVs.
Beschäftigungswirkung (neue Arbeitsplätze in Produktion und Service).
Risiken und Minderungsmaßnahmen
Unterauslastung: Vorab‑Marktanalysen, verbindliche Abnahmevereinbarungen mit Ankerkunden, modulare Skalierung.
Hohe Investitionskosten: Kombination aus EFRE/ESF+‑Kofinanzierung, Landesmitteln, Green Bonds und Co‑Investment‑Fonds.
Regulatorische Verzögerungen: Frühe Einbindung von Benannten Stellen und Regulierungsbehörden; Nutzung von Beratungsnetzwerken.
Fachkräftemangel: Parallele Qualifizierungsprogramme, internationale Rekrutierung und Anreize zur Rückkehr von Talenten.
Schlussfolgerung
Technologisch ist die Umsetzung des Transformationsprogramms in Thüringen hoch realisierbar: Forschung, Talente und industrielle Kompetenzen sind vorhanden. Die Priorität liegt auf dem gezielten Aufbau modularer Pilotinfrastruktur, der Schaffung wirtschaftlicher Betreibermodelle und der Integration von Prüf‑ und Zertifizierungsservices. Werden diese Maßnahmen phasenorientiert umgesetzt und mit einer abgestimmten Finanzierungs‑ und Governance‑Architektur verknüpft, können Forschungsergebnisse innerhalb von 12–36 Monaten in marktfähige, skalierbare Produkte und Dienstleistungen überführt werden.
Fußnoten und zitierfähige Quellen
Fraunhofer‑Gesellschaft. Jahresbericht 2023 — Transfer, Pilotinfrastruktur und regionale Technologiezentren, Fraunhofer‑Gesellschaft, 2023. Abrufdatum: 15.02.2026. URL:
https://www.fraunhofer.de/de/publikationen/jahresbericht.html(fraunhofer.de in Bing).Photonik‑Cluster Jena / OptecNet Deutschland. Clusterbericht Jena — Photonikstandort und Transferaktivitäten, OptecNet/Photonik‑Cluster, 2022–2024. Abrufdatum: 15.02.2026. URL: https://www.optecnet.de.
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). Wissenschaftsstatistik 2023, DFG, 2023; Daten zu Forschungspersonal und Drittmitteln. Abrufdatum: 15.02.2026. URL:
https://www.dfg.de/dfg_statistik(dfg.de in Bing).Eurostat. Regional R&D and Innovation Statistics / Regional Yearbook 2023, Statistical Office of the European Union, 2023; Indikatoren zu Patenten und F&E‑Intensität. Abrufdatum: 15.02.2026. URL: https://ec.europa.eu/eurostat.
Thüringer Landesamt für Statistik. Regionalstatistische Daten Thüringen 2023 — Beschäftigung, F&E, Unternehmensstruktur, Erfurt 2023. Abrufdatum: 15.02.2026. URL: https://www.statistik.thueringen.de.
OECD. Regions in Industrial Transition: New Approaches to Persistent Problems, OECD Publishing, 2023; Kapitel zu Pilotinfrastruktur und Governance. Abrufdatum: 15.02.2026. URL: https://www.oecd.org/regional.
European Investment Bank (EIB). Investment Report 2023/2024: Transforming for competitiveness, EIB, 2024; Finanzierungstrends und Hebelwirkung öffentlicher Mittel. Abrufdatum: 15.02.2026. URL:
https://www.eib.org/en/publications/investment-report-2023(eib.org in Bing).European Commission. A New Industrial Strategy for Europe; Begleitdokumente zu IPCEI und Chips Act (Relevanz für Pilotinfrastruktur), Europäische Kommission, 2023. Abrufdatum: 15.02.2026. URL: https://commission.europa.eu.
Stifterverband / Wissenschaftsrat. Studien zu Hochschultransfer und Gründungsförderung, 2020–2024; Empfehlungen zu Transfermodellen und Qualifizierung. Abrufdatum: 15.02.2026. URL: https://www.stifterverband.org.
5.3 Regionale Realisierbarkeit
Dieses Unterkapitel bewertet, ob die räumliche Struktur Thüringens die Umsetzung des Transformationsprogramms erlaubt. Im Fokus stehen Standortpotenziale, Infrastruktur, Arbeitsmarkt und strategische Maßnahmen, mit denen regionale Disparitäten reduziert und Clusterbildung in Mittelstädten gefördert werden können. Kernaussage: Thüringen ist aufgrund seiner polyzentrischen Struktur und vorhandenen Standortvorteile grundsätzlich realisierbar; entscheidend sind gezielte Flächenpolitik, Infrastrukturinvestitionen und Nachfrageaggregation.
Ausgangslage und Standortvorteile
Polyzentrische Struktur: Thüringen ist geprägt von zahlreichen Mittelstädten (z. B. Jena, Erfurt, Gera, Gotha, Ilmenau), die als räumliche Anker für Clusterbildung dienen können. Diese Städte bieten eine gute Basis für dezentrale Innovations‑ und Produktionsstandorte.¹
Verfügbare Flächen: Konversionsflächen ehemaliger Industrieareale und Gewerbegebiete bieten kurzfristig nutzbare Flächen für Scale‑up‑Hubs und Pilotfabriken; Flächenverfügbarkeit reduziert Time‑to‑Market für Infrastrukturprojekte.²
Industrielle Tradition und Fachkräfte: Regionale industrielle Traditionen (Maschinenbau, Optik/Photonik, MedTech) und eine vorhandene Fachkräftebasis erleichtern die Nachfrageaggregation und die Besetzung technischer Stellen.³
Verkehrsanbindung und Kostenstruktur: Gute Verkehrsanbindung (Autobahnen, Schienenanbindung, zentrale Lage in Mitteldeutschland) kombiniert mit moderaten Lohn‑ und Mietkosten im Vergleich zu Ballungsräumen macht Mittelstädte attraktiv für Pilot‑ und Produktionskapazitäten.⁴
Regionale Disparitäten und Ausgleichsbedarf
Disparitäten: Trotz positiver Standortfaktoren bestehen deutliche Unterschiede zwischen prosperierenden Hochschulstandorten (z. B. Jena, Erfurt) und strukturschwächeren Mittelstädten bzw. ländlichen Räumen. Ohne gezielte Maßnahmen droht eine Verstärkung räumlicher Ungleichheiten.⁵
Ausgleichsstrategie: Gezielte Investitionen in Mittelstädte (Infrastruktur, Qualifizierung, Start‑up‑Hubs) sowie flankierende Maßnahmen (Wohnungsbau, Kinderbetreuung, Mobilitätsangebote) sind erforderlich, um Fachkräfte anzuziehen und regionale Wertschöpfung zu verankern.
Maßnahmen zur Stärkung regionaler Realisierbarkeit
1. Flächenpolitik und Konversion
Priorisierung von Konversionsflächen: Identifikation und schnelle Aktivierung von Industrie‑ und Gewerbeflächen für Scale‑up‑Hubs; Nutzung von Land Value Capture‑Mechaniken zur Finanzierung von Erschließungskosten.
Flächenpakete: Bündelung kleinerer Flächen zu wirtschaftlich nutzbaren Paketen, um Investoren und Betreiberkonsortien anzusprechen.
2. Infrastrukturinvestitionen
Digitale Infrastruktur: Ausbau gigabitfähiger Netze und Rechenzentrumsinfrastruktur in Mittelstädten als Voraussetzung für KI‑ und Cloud‑Projekte.
Verkehr und Logistik: Verbesserte Schienen‑ und Straßenanbindungen sowie lokale Mobilitätsangebote zur Erhöhung der Erreichbarkeit von Arbeitskräften.
3. Nachfrageaggregation und Ankerakteure
KMU‑Konsortien: Förderung regionaler Konsortien zur gemeinsamen Nutzung von Pilotinfrastruktur.
Ankerkundenprogramme: Öffentliche Auftraggeber und größere Unternehmen als Erstabnehmer (PPI‑Instrumente) zur Sicherung von Auslastung.
4. Qualifizierung und regionale Talentpolitik
Dezentrale Ausbildungs‑ und Weiterbildungsangebote: Aufbau von regionalen Upskilling‑Centern, dualen Studiengängen und Industry‑PhD‑Programmen in Mittelstädten.
Lebensqualitätsmaßnahmen: Wohnraumförderung, Kinderbetreuung und Kulturangebote zur Bindung von Fachkräften.
5. Governance und regionale Koordination
Regionale Transformationsplattformen: Einrichtung von Koordinationsstellen auf Kreisebene zur Abstimmung von Flächen, Fördermitteln und Qualifizierungsangeboten.
Finanzierungsinstrumente: Regionale Matching‑Grants und Mikrozuschüsse für KMU, gekoppelt an Nutzung von Pilotinfrastruktur.
Zeitplan und Erfolgsindikatoren
Kurzfristig (0–12 Monate)
Flächeninventar erstellen; Priorisierung 3–5 Konversionsflächen; Pilot‑Förderaufruf für KMU‑Konsortien.
Mittelfristig (12–36 Monate)
Erschließung erster Scale‑up‑Hubs; Inbetriebnahme digitaler Backbone‑Infrastruktur; Start regionaler Upskilling‑Programme.
Langfristig (36+ Monate)
Sichtbare Reduktion regionaler Disparitäten; nachhaltige Auslastung der Pilotinfrastruktur; erhöhte regionale Wertschöpfung.
KPIs
Anzahl aktivierter Konversionsflächen pro Jahr.
Auslastungsgrad regionaler Pilot‑/Scale‑up‑Hubs (Ziel: ≥ 40 % nach 36 Monaten).
Zuwachs an sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen in Mittelstädten.
Anzahl neu gegründeter KMU‑Konsortien und PPI‑Aufträge.
Netto‑Zuzug von Fachkräften in Zielstädte.
Risiken und Minderungsmaßnahmen
Fehlende lokale Governance: Aufbau regionaler Koordinationsstellen und verbindlicher Partnerschaften zwischen Land, Kommunen und Wirtschaft.
Finanzierungsengpässe für Erschließung: Kombination aus Landesmitteln, EFRE‑Kofinanzierung und Land Value Capture‑Instrumenten.
Widerstand gegen Flächenumwidmung: Frühzeitige Bürgerbeteiligung und transparente Nutzenkommunikation.
Ungleichgewicht zwischen Zentren und Peripherie: Staffelung der Investitionen mit klaren Wirkungszielen für strukturschwächere Räume.
Fazit
Die regionale Realisierbarkeit des Transformationsprogramms in Thüringen ist hoch. Die polyzentrische Struktur, verfügbare Flächen, industrielle Tradition, vorhandene Fachkräfte, gute Verkehrsanbindung und moderate Kostenstrukturen bilden eine solide Grundlage für Clusterbildung in Mittelstädten. Entscheidend ist eine aktive Flächen‑ und Infrastrukturpolitik, gekoppelt mit Nachfrageaggregation, regionaler Qualifizierung und einer abgestimmten Governance, um regionale Disparitäten zu verringern und nachhaltige, dezentrale Wertschöpfung zu etablieren.
Fußnoten und Quellen
IW Köln. Regionalranking 2022 — Standortfaktoren und Mittelstädte in Deutschland, Institut der deutschen Wirtschaft Köln, 2022.
Thüringer Landesamt für Statistik. Regionalstatistische Daten Thüringen 2023 — Flächen, Gewerbe und Konversion, Erfurt 2023.
IAB. Regionale Arbeitsmarktprognosen; Langfristprojektionen, Institut für Arbeitsmarkt‑ und Berufsforschung, 2022–2024.
Eurostat. Regional Yearbook 2023 — Verkehr, Kostenindikatoren und regionale Struktur, Statistical Office of the European Union, 2023.
Bundesinstitut für Bau‑, Stadt‑ und Raumforschung (BBSR). Raumordnungsberichte und Analysen regionaler Disparitäten, BBSR, 2021–2023.
5.4 Politische Realisierbarkeit
Dieses Unterkapitel bewertet die politische Umsetzbarkeit des Transformationsprogramms für Thüringen. Es analysiert parteiübergreifende Anschlussfähigkeit, Beschäftigungs‑ und Verteilungswirkungen, fiskalische Verträglichkeit, EU‑rechtliche Kompatibilität sowie Governance‑ und Kommunikationsanforderungen. Kernaussage: Das Programm ist politisch realisierbar, wenn es transparent, zweckgebunden und phasenorientiert ausgestaltet wird und frühe, sichtbare Erfolge liefert.
1. Politische Anschlussfähigkeit und Legitimation
Parteiübergreifende Anschlussfähigkeit. Die zentralen Ziele — Schaffung von Arbeitsplätzen, Stärkung regionaler Wertschöpfung, Förderung von Forschung und Klimaneutralität — korrespondieren mit Prioritäten aller relevanten politischen Lager und sind damit grundsätzlich anschlussfähig. Ein faktenbasiertes Narrativ (Jobs, Ausbildung, Zukunftsfähigkeit) erhöht die Chance auf Mehrparteiensupport.
Internationale Vorbilder als Legitimation. Staatlich initiierte Zukunfts‑ und Impact‑Fonds (z. B. Temasek, Sitra) liefern Governance‑ und Reporting‑Vorlagen, die politische Akzeptanz durch belegbare Rendite‑ und Wirkungsberichte stärken.
2. Beschäftigungswirkung und regionale Gerechtigkeit
Direkte und indirekte Beschäftigungseffekte. Investitionen in Pilotinfrastruktur, Scale‑up‑Hubs und zugehörige Dienstleistungsangebote erzeugen direkte Arbeitsplätze; Zulieferketten und KMU‑Netzwerke schaffen zusätzliche indirekte Beschäftigung. Koordinierte öffentliche Unterstützung mobilisiert private Investitionen und verstärkt Beschäftigungseffekte.
Regionale Ausgleichseffekte. Durch gezielte Standortpriorisierung in Mittelstädten, flankierende Qualifizierungsprogramme und Infrastrukturmaßnahmen lassen sich Disparitäten verringern; empirische Regionalrankings und OECD‑Analysen belegen die Wirksamkeit solcher Maßnahmen, wenn sie mit klaren KPIs und Monitoring verknüpft sind.
3. Fiskalische Verträglichkeit und Einnahmenmodell
Keine generelle Steuererhöhung erforderlich. Die vorgeschlagene Finanzarchitektur (Zukunftsfonds, zweckgebundene Innovations‑/Digitalabgaben, Co‑Investment, Green Bonds) ermöglicht die Finanzierung ohne allgemeine Steuererhöhungen, sofern Staffelungen und KMU‑Freibeträge vorgesehen sind. Green‑Bond‑Modelle und Partnerschaften mit Förderbanken sind praxiserprobte Instrumente zur Kapitalbeschaffung für Infrastruktur‑ und Energieprojekte.
Haushaltssteuerung. Staffelung der Einlagen, Brückenfinanzierungen und EU‑Kofinanzierung (EFRE/ESF+) reduzieren kurzfristigen Liquiditätsdruck; gesetzliche Zweckbindung und jährliches Impact‑Reporting erhöhen parlamentarisches Vertrauen.
4. Rechtliche Kompatibilität mit EU‑Regeln
Beihilfe‑ und Wettbewerbsrecht. Beteiligungs‑ und Förderinstrumente müssen EU‑Beihilferegeln beachten; die IPCEI‑Guidance und die Code of Good Practices der GD COMP liefern konkrete Vorgaben für die Gestaltung beihilfekonformer, grenzüberschreitender Projekte. Frühzeitige Abstimmung mit Bundesressorts und der Kommission ist erforderlich, um Rechtsrisiken zu minimieren und IPCEI‑Förderchancen zu nutzen.
5. Governance, Stakeholder‑Einbindung und politische Absicherung
Governance‑Design. Einrichtung eines Transformationsrats (Land, Kommunen, Hochschulen, IHK, Sozialpartner) und eines One‑Stop‑Shops für Projektkoordination schafft politische Steuerbarkeit, beschleunigt Genehmigungen und erhöht Transparenz.
Partizipation. Frühzeitige Einbindung von Sozialpartnern, Kommunen und Bürgern sowie klare, nachvollziehbare Kriterien für Standort‑ und Förderentscheidungen reduzieren Widerstände und stärken Legitimität.
Politische Absicherung. Mehrjährige, rechtlich verankerte Budgetrahmen, Evaluationsklauseln (z. B. 3‑Jahres‑Reviews) und sichtbare Early Wins (PoC‑Erfolge) sind entscheidend, um politische Volatilität zu dämpfen.
6. Politische Risiken und Minderungsmaßnahmen
| Risiko | Wirkung | Gegenmaßnahme |
|---|---|---|
| Politische Volatilität / Regierungswechsel | Projektabbrüche, Finanzierungsunsicherheit | Rechtsverbindliche Finanzierungsrahmen; phasenorientierte Umsetzung mit Early Wins. |
| Wahrgenommene Ungerechtigkeit bei Verteilung | Lokaler Widerstand, parlamentarische Blockaden | Transparente Kriterien; gezielte Ausgleichsmaßnahmen; Monitoring. |
| Widerstand gegen Abgabeninstrumente | Politischer Gegenwind, Reputationsrisiko | Staffelungen, KMU‑Freibeträge, klare Zweckbindung, Kommunikation der Rückflüsse. |
| EU‑Beihilfe‑Risiken | Förderverlust, Rechtsstreit | Frühzeitige Abstimmung mit GD COMP; IPCEI‑konforme Instrumentengestaltung. |
Fazit
Politisch ist das Transformationsprogramm realisierbar: es bedient parteiübergreifende Prioritäten (Beschäftigung, regionale Gerechtigkeit, Innovationsstärkung), kann ohne allgemeine Steuererhöhungen finanziert werden und ist mit EU‑Industrie‑ und Beihilfe‑Regeln kompatibel, sofern Transparenz, Zweckbindung, rechtssichere Instrumentengestaltung und sichtbare Early Wins sichergestellt werden. Internationale Beispiele (Temasek, Sitra) und institutionelle Vorbilder (KfW Green Bonds, EIB‑Kooperationen) liefern praktikable Governance‑ und Finanzierungsmodelle, die als Blaupause dienen können.
Fußnoten
European Commission. A New Industrial Strategy for Europe (European Industrial Strategy), Europäische Kommission, 2023. Abrufdatum: 15.02.2026. URL: https://commission.europa.eu (Dokumentation und Policy‑Papers zur EU‑Industriestrategie).
DG Competition (European Commission). IPCEI Guidance and Code of Good Practices; Leitfäden zur Gestaltung beihilfekonformer IPCEI‑Projekte und zur Abstimmung mit der Kommission, 2021–2023. Abrufdatum: 15.02.2026. URL:
https://competition-policy.ec.europa.eu(competition-policy.ec.europa.eu in Bing).Temasek Holdings. Temasek Review 2023; Jahresbericht und Governance‑Darstellung staatlich initiierter Investmentfonds, Temasek, 2023. Abrufdatum: 15.02.2026. URL: https://www.temasek.com.sg.
Sitra. Annual Report and Impact Report 2020; Mandat, Impact‑Fokus und operative Lehren für Future Funds, Sitra (Finnland), 2020. Abrufdatum: 15.02.2026. URL: https://www.sitra.fi.
KfW. Green Bond Framework / Green Bond Impact Report 2023; Praxisbeispiele für Green‑Bond‑Emissionen und Use‑of‑Proceeds‑Reporting, KfW, 2023. Abrufdatum: 15.02.2026. URL: https://www.kfw.de.
European Investment Bank (EIB). Investment Report 2023/2024: Transforming for competitiveness, EIB, 2024; Evidenz zur Hebelwirkung öffentlicher Mittel auf private Investitionen. Abrufdatum: 15.02.2026. URL:
https://www.eib.org/en/publications(eib.org in Bing).IW Köln. IW‑Regionalranking 2022 — Standortfaktoren und Mittelstädte in Deutschland, Institut der deutschen Wirtschaft Köln, 2022; Indikatoren zu regionaler Leistungsfähigkeit. Abrufdatum: 15.02.2026. URL: https://www.iwkoeln.de.
OECD. Regions in Industrial Transition: New Approaches to Persistent Problems, OECD Publishing, 2023; Empfehlungen zu Governance‑Experimenten und sozialer Einbindung. Abrufdatum: 15.02.2026. URL: https://www.oecd.org/regional.
5.5 Gesellschaftliche Realisierbarkeit
5.5 Gesellschaftliche Realisierbarkeit
Einleitung
Dieses Unterkapitel bewertet, ob das Transformationsprogramm gesellschaftlich tragfähig ist. Es untersucht direkte Nutzenwirkungen für die Bevölkerung, Effekte auf Beschäftigung und Einkommen, Chancen für junge Menschen, Maßnahmen zur Rückkehrer‑ und Familienförderung sowie Mechanismen zur sozialen Einbindung. Kernaussage: Die gesellschaftliche Realisierbarkeit ist hoch, sofern das Programm sichtbare Beschäftigungs‑ und Qualifizierungseffekte liefert, partizipativ gestaltet wird und flankierende Sozial‑ und Wohnungsmaßnahmen umgesetzt werden.
Direkte Nutzenwirkungen für die Bevölkerung
Bessere Jobs und höhere Einkommen. Investitionen in Pilotinfrastruktur, Scale‑up‑Hubs und technologiegetriebene Wertschöpfung schaffen qualifizierte Arbeitsplätze mit tendenziell höheren Löhnen als in traditionellen regionalen Branchen. Diese Effekte entstehen sowohl direkt (Produktion, Betrieb, Service) als auch indirekt (Zulieferer, lokale Dienstleistungen).¹
Mehr Chancen für junge Menschen. Die Verzahnung von Hochschulen, dualen Ausbildungsangeboten und Industry‑PhD‑Programmen erhöht die Übergangsquoten von Studium/Ausbildung in Beschäftigung und reduziert Brain‑Drain.²
Rückkehrerprogramme. Gezielte Anreizpakete (Relocation‑Grants, Kinderbetreuung, Wohnungsförderung) kombiniert mit attraktiven Karrierepfaden erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Fachkräfte aus dem In‑ und Ausland in die Region zurückkehren.³
Regionale Stabilität und Familienperspektiven. Langfristig stabile Arbeitsplätze, verbesserte Infrastruktur und höhere lokale Einkommen stärken kommunale Haushalte, erhöhen Nachfrage nach lokalen Dienstleistungen und verbessern Lebensqualität für Familien.⁴
Mechanismen zur Sicherung gesellschaftlicher Wirkung
1. Qualifizierungs‑ und Beschäftigungsprogramme
Upskilling‑Bootcamps, duale Studiengänge, Industry‑PhDs: Praxisnahe Programme, die direkt an Pilotinfrastruktur gekoppelt sind, verkürzen Qualifizierungszeiten und erhöhen Beschäftigungsfähigkeit.⁵
2. Soziale Absicherung und Inklusion
Sozialfonds für Transformationsphasen: Zielgerichtete Unterstützungsinstrumente (Weiterbildung, Übergangsunterstützung) für Beschäftigte in Umstrukturierungsphasen.
Partizipative Gremien: Sozialpartner und Kommunen in Transformationsräten sichern Mitbestimmung und faire Verteilungseffekte.
3. Wohn‑ und Familienpolitik
Wohnraumförderung: Parallelprogramme zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums, Ausbau von Kinderbetreuung und schulischen Angeboten in Zielstädten verhindern Verdrängung und sichern Familienperspektiven.⁶
4. Rückkehrer‑ und Rekrutierungsmaßnahmen
Relocation‑Pakete und Anerkennungsservices für ausländische Abschlüsse; gezielte Rekrutierungskampagnen in Ballungsräumen und im Ausland.
5. Kommunikations‑ und Beteiligungsstrategie
Transparente Kommunikation über Nutzen, Zeitplan und Verteilungseffekte; regelmäßige Bürger‑Updates und lokale Informationsveranstaltungen.
Monitoring‑Dashboard mit KPIs zur Beschäftigungswirkung, Qualifizierungsergebnissen und regionalen Wohlstandsindikatoren.
Messbare Indikatoren (KPIs) für gesellschaftliche Realisierbarkeit
Anzahl neu geschaffener sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze in Zielregionen pro Jahr.
Median‑Einkommensentwicklung in Pilotstädten vs. regionaler Durchschnitt.
Übergangsquote von Absolventen/Auszubildenden in regionale Beschäftigung (innerhalb 12 Monate).
Netto‑Zuzug von Fachkräften / Rückkehrern in Zielstädte.
Anteil der Beschäftigten, die an Upskilling‑Programmen teilgenommen haben und innerhalb 6–12 Monate eine neue Stelle antreten.
Anzahl geschaffener Betreuungs‑ und Wohnplätze pro Jahr.
Risiken für die gesellschaftliche Akzeptanz und Minderungsmaßnahmen
Ungleiche Verteilungseffekte Minderung: Gezielte Verteilungsregeln (z. B. Standortquoten für strukturschwächere Kommunen), regionale Matching‑Grants und transparente Auswahlkriterien.
Fachkräftemangel trotz Angebot Minderung: Kombination aus lokalen Qualifizierungsprogrammen, internationalen Rekrutierungsmaßnahmen und Anreizen für Rückkehrer.
Gentrifizierungs‑ und Wohnkostensteigerungen Minderung: Parallelprogramme zur Wohnraumförderung, Mietpreisbindungen für neu geschaffene Quartiere und soziale Wohnungsbau‑Klauseln.
Mangelnde Partizipation / Misstrauen Minderung: Frühzeitige Einbindung von Bürgern, Sozialpartnern und Kommunen; transparente Reporting‑Mechanismen und unabhängige Evaluationen.
Evidenzbasis und empirische Unterstützung
Empirische Studien und Policy‑Reports zeigen, dass Regionen mit starken Technologie‑Clustern und zielgerichteten Qualifizierungsmaßnahmen tendenziell höhere Lebensqualität, bessere Beschäftigungsquoten und geringere Abwanderung aufweisen, sofern flankierende Sozial‑ und Wohnungsmaßnahmen implementiert werden. Diese Befunde stützen die Erwartung, dass das Transformationsprogramm positive gesellschaftliche Effekte entfalten kann, wenn es integrativ und zielgerichtet umgesetzt wird.⁷
Fazit
Die gesellschaftliche Realisierbarkeit des Programms ist hoch, wenn wirtschaftliche Maßnahmen stets mit sozialen Maßnahmen verknüpft werden: verbindliche Qualifizierungsangebote, Rückkehrer‑ und Wohnungsprogramme, partizipative Governance und ein transparentes Monitoring sind Voraussetzung, damit die Bevölkerung unmittelbar von besseren Jobs, höheren Einkommen und langfristigen Perspektiven profitiert.
Fußnoten
Eurostat / European Commission. Quality of Life in European Cities — Regional and urban indicators, Eurostat / European Commission, 2023. Abrufdatum: 15.02.2026.
Stifterverband. Transferkompass / Transferbarometer 2022–2023, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, 2022–2023. Abrufdatum: 15.02.2026.
IAB (Institut für Arbeitsmarkt‑ und Berufsforschung). Regionale Arbeitsmarktanalysen und Migration — Integrations‑ und Rückkehrerprogramme, IAB‑Kurzberichte, 2022–2024. Abrufdatum: 15.02.2026.
BBSR (Bundesinstitut für Bau‑, Stadt‑ und Raumforschung). Raumordnungsberichte und Analysen regionaler Disparitäten, BBSR, 2021–2023. Abrufdatum: 15.02.2026.
OECD. Regions in Industrial Transition: New Approaches to Persistent Problems, OECD Publishing, 2023. Abrufdatum: 15.02.2026.
Thüringer Landesamt für Statistik. Regionalstatistische Daten Thüringen 2023 — Wohnungsmarkt, Demografie, Beschäftigung, Erfurt 2023. Abrufdatum: 15.02.2026.
Eurostat / OECD / IAB (zusammenfassende Evidenz). Siehe obenstehende Quellen für empirische Befunde zu Lebensqualität, Beschäftigungseffekten und regionaler Mobilität. Abrufdatum: 15.02.2026.
5.6 Zusammenfassung
5.6 Zusammenfassung
Kernaussage. Das vorgeschlagene Transformationsprogramm für Thüringen ist realisierbar, wenn Maßnahmen systemisch, phasenorientiert und kohärent umgesetzt werden. Die fünf geprüften Dimensionen zeigen jeweils hohe Umsetzbarkeit unter den genannten Voraussetzungen:
Finanziell realisierbar. Ein zweckgebundener Zukunftsfonds kombiniert mit EFRE/ESF+‑Kofinanzierung, Co‑Investment‑Mechanismen und Green‑Bond‑Instrumenten schafft eine nachhaltige Kapitalbasis und ermöglicht Re‑Investitionen.¹
Technologisch realisierbar. Thüringen verfügt über starke Forschungsressourcen (Photonik, MedTech, BioTech, Mikroelektronik, KI); die zentrale Aufgabe ist der Aufbau modularer Pilotinfrastruktur und zertifizierter Testzentren zur industriellen Skalierung.²
Regional realisierbar. Die polyzentrische Struktur mit vielen Mittelstädten, verfügbaren Konversionsflächen, moderaten Kosten und guter Verkehrsanbindung bietet geeignete Anker für dezentrale Cluster‑ und Hub‑Modelle.³
Politisch realisierbar. Das Programm ist parteiübergreifend anschlussfähig, schafft Arbeitsplätze, stärkt regionale Gerechtigkeit und kann ohne generelle Steuererhöhungen finanziert werden, sofern Governance, Zweckbindung und EU‑Konformität sichergestellt sind.⁴
Gesellschaftlich realisierbar. Sichtbare Beschäftigungs‑ und Qualifizierungseffekte, Rückkehrer‑ und Wohnungsprogramme sowie partizipative Governance sichern breite Akzeptanz und positive Effekte für Familien und junge Menschen.⁵
Schlussfolgerung und Umsetzungsprioritäten. Die Grundlage für die Umsetzung ist gegeben. Entscheidend sind drei unmittelbar prioritäre Maßnahmen:
Schnelle Proof‑of‑Concept‑Projekte (0–24 Monate) zur Demonstration von Wirkung und zur Vertrauensbildung;
Ein rechtlich verankerter Transformationsrat und ein One‑Stop‑Shop für Governance, Förderkoordination und EU‑Abstimmung;
Parallele Talent‑ und Wohnungsstrategien zur Sicherung von Fachkräften und zur Vermeidung negativer Verteilungseffekte.
Mit diesen Prioritäten und einem phasenorientierten Finanz‑ und Betriebsmodell kann Thüringen Forschungsexzellenz in nachhaltige industrielle Wertschöpfung überführen und EU‑Förderfenster effektiv nutzen.
Fußnoten
European Investment Bank (EIB). Investment Report 2023/2024: Transforming for competitiveness, European Investment Bank, 2024. Verfügbar unter:
https://www.eib.org/en/publications/investment-report-2023(eib.org in Bing) (Abrufdatum: 15.02.2026).Fraunhofer‑Gesellschaft. Jahresbericht 2023 — Transfer, Pilotinfrastruktur und regionale Technologiezentren, Fraunhofer‑Gesellschaft, 2023. Verfügbar unter:
https://www.fraunhofer.de/de/publikationen/jahresbericht.html(fraunhofer.de in Bing) (Abrufdatum: 15.02.2026).Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln). IW‑Regionalranking 2022 — Standortfaktoren und Mittelstädte in Deutschland, IW Köln, 2022. Verfügbar unter: https://www.iwkoeln.de (Abrufdatum: 15.02.2026).
European Commission. A New Industrial Strategy for Europe (European Industrial Strategy), Europäische Kommission, 2023. Verfügbar unter: https://commission.europa.eu (Abrufdatum: 15.02.2026).
OECD. Regions in Industrial Transition: New Approaches to Persistent Problems, OECD Publishing, 2023. Verfügbar unter: https://www.oecd.org/regional (Abrufdatum: 15.02.2026).
📘 KAPITEL 6 – DER ZUKUNFTSFONDS
Der Zukunftsfonds bildet das finanzielle Fundament des Transformationsprogramms. Er ersetzt klassische, konsumtive Förderlogiken durch ein investitionsbasiertes Modell, das dauerhafte, wiederkehrende Einnahmen generiert, Re‑Investitionen ermöglicht und die wirtschaftliche Souveränität Thüringens stärkt. Dieses Kapitel beschreibt Mandat und Zielsetzung des Fonds, seine rechtliche und operative Struktur, die Finanzierungs‑ und Investitionsmechanik, internationale Vergleichsmodelle sowie Governance, Compliance und ein Implementierungs‑ und Monitoring‑konzept.
Mandat und Zielsetzung
Ziel des Fonds. Der Zukunftsfonds hat drei komplementäre Ziele:
Wertschöpfung erzeugen durch Beteiligungen an regionalen Spin‑outs, Betreibergesellschaften von Pilotinfrastruktur und Co‑Investments in Scale‑ups;
Technologietransfer beschleunigen durch Finanzierung von Pilotfabriken, Testzentren und Zertifizierungsinfrastruktur;
Finanzielle Nachhaltigkeit durch Erträge aus Dividenden, Lizenz‑ und Royalty‑Einnahmen sowie Betreibererlösen sicherstellen.
Mandat und Laufzeit. Der Fonds arbeitet mit einem langfristigen Mandat (z. B. 15–30 Jahre) und verfolgt eine Total Return plus Impact‑Strategie: finanzielle Rendite und messbare regionale Wirkungen (Beschäftigung, Patente, Auslastung Pilotinfrastruktur). Die Zweckbindung der Erträge an Re‑Investitionen in Thüringer Transformationsprojekte ist vertraglich festzulegen.
Struktur und Governance
Rechtsform und Eigentum
Rechtsform: Eigenkapitalgesellschaft in Landesbeteiligung (z. B. GmbH & Co. KG oder Anstalt öffentlichen Rechts mit wirtschaftlichem Geschäftsbetrieb), um operative Flexibilität und klare Haftungsregeln zu verbinden.
Eigentümer: Freistaat Thüringen als Mehrheits‑Ankerinvestor; strategische Minderheitsbeteiligungen durch Landesbank, KfW‑Co‑Investments und ggf. kommunale Zweckverbände.
Governance‑Architektur
Aufsichtsorgane: Ein Aufsichtsrat mit Vertretern des Landes, unabhängigen Finanzexpertinnen/‑experten, Wissenschaftsvertretern und Sozialpartnern; ein Investment Committee entscheidet über größere Engagements nach klaren Investment‑ und Impact‑Kriterien.
Transparenz: Jährliches Finanz‑ und Impact‑Reporting, unabhängige Jahresprüfung und ein öffentliches Dashboard mit KPIs (Auslastung Pilotinfrastruktur, Arbeitsplätze, Lizenz‑Einnahmen).
Compliance: Rechtsprüfung zur EU‑Beihilfereinhaltung; Standardverträge für Co‑Investoren; Mechanismen zur Vermeidung von Interessenkonflikten.
Governance‑Rationale. Strikte Governance ist Voraussetzung für politische Akzeptanz und EU‑Konformität; internationale Beispiele zeigen, dass klare Mandate und unabhängige Prüfungen Vertrauen schaffen.
Finanzierungsmechanik und Investitionsstrategie
Kapitalstruktur
Seed‑Tranche (Anfangskapital): Landesmittel als zweckgebundene Einlage in den Fonds; Teilfinanzierung durch Umschichtungen und zweckgebundene Innovationsabgaben.
Hebelung: Mobilisierung von EU‑Mitteln (EFRE/ESF+), KfW‑ und EIB‑Krediten sowie Green‑Bond‑Emissionen zur Finanzierung von Infrastrukturkomponenten.
Co‑Investment‑Layer: Institutionelle Investoren (Pensionsfonds, Versicherer, Family Offices) beteiligen sich über Co‑Investment‑Vehikel; Private‑Public‑Partnerships (PPP) für Betreibermodelle.
Ertragsmechanismen
Beteiligungen: Kapitalgewinne und Dividenden aus Equity‑Engagements.
Lizenz‑ und Royalty‑Modelle: Erwerb oder Mitfinanzierung von IP mit anschließender Lizenzierung an Industriepartner.
Betreibererlöse: Gebühren aus Contract Manufacturing, Pay‑per‑use‑Modelle und Serviceverträge für Pilotfabriken und Testzentren.
Sekundärerlöse: Verkauf von Anteilen bei Exits; Re‑Investition eines definierten Mindestanteils der Erlöse in den Fonds.
Risikosteuerung
Diversifikation: Sektorale und phasenbezogene Streuung (Seed → Scale → Infrastruktur).
Tranchierung: Risikogerechte Tranchierung von Kapital (First‑loss‑Tranche durch Land, mezzanine Co‑Investments, Senior‑Debt).
Absicherungen: Garantie‑linien über Landesbank/KfW, Rückversicherung für bestimmte Technologie‑Risiken, Exit‑Hurdles und Caps für staatliche Renditebeteiligung.
Investmentprozess
Sourcing: Pipeline aus Hochschulspin‑outs, Betreiberkonsortien, IP‑Portfolios und Ankerunternehmen.
Due Diligence: Technische, rechtliche (Beihilfeprüfung) und Markt‑DD; Impact‑Assessment.
Entscheidung: Investment Committee mit klaren Hurdle‑Rates und Impact‑Schwellen.
Monitoring & Exit: Quartalsweise Reporting, definierte Exit‑Fenster und Re‑Investitionsregeln.
Finanzielle Projektionen (Beispielrahmen)
Startvolumen: Zielvolumen initial €200–500 Mio. (Landes‑Seed + EU‑Kofinanzierung + Co‑Investments) zur Finanzierung erster Pilotunits und eines Co‑Investment‑Fonds.
Hebelwirkung: Erwartete Mobilisierung privaten Kapitals im Verhältnis 1:2 bis 1:4 über Co‑Investments und EIB/KfW‑Hebel. Diese Hebelwirkung entspricht empirischen Befunden zur Wirkung koordinierter öffentlicher Unterstützung.
Internationale Vergleichsmodelle
Temasek (Singapur)
Charakteristika: Staatsnaher Investmentfonds mit langfristigem Mandat, professionellem Portfoliomanagement und hoher Transparenz in Jahresberichten; Fokus auf Total Return und strategische Sektoren. Lehren: klare Strategie, starke Governance und langfristige Perspektive sind zentral.
Sitra (Finnland)
Charakteristika: Future Fund mit Impact‑Mandat, kombiniert Investment‑ und Experimentierfunktionen; starker Fokus auf Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Wirkung. Lehren: Kombination aus Kapitalallokation und Policy‑Experimenten erhöht gesellschaftliche Legitimität.
KfW / EIB‑Modelle
Charakteristika: Förderbanken nutzen Green Bonds und Kreditlinien zur Hebelung öffentlicher Mittel; bieten Co‑Finanzierungs‑ und Garantieinstrumente. Lehren: Green‑Bond‑Frameworks und Partnerschaften mit Förderbanken sind praktikable Instrumente zur Kapitalbeschaffung für Infrastrukturinvestitionen.
Übertragbarkeit auf Thüringen
Adaption: Kombination aus Temasek‑ähnlicher Professionalität (Portfoliomanagement), Sitra‑ähnlichem Impact‑Mandat und KfW/EIB‑Finanzierungsinstrumenten bietet ein robustes, an Thüringen angepasstes Modell. Internationaler Vergleich zeigt: klare Mandate, unabhängige Governance und transparente Reporting‑Standards sind Erfolgsfaktoren.
Implementierung, Risiken und Monitoring
Implementierungsphasen
Phase 0 (0–6 Monate): Rechtsrahmen schaffen, Term‑Sheet, Seed‑Commitment des Landes, Einrichtung Transformationsrat.
Phase 1 (6–24 Monate): Kapitalaufbringung Seed‑Tranche, Aufbau Investment‑Team, erste Pilot‑Investments (1–3 Pilotmodules).
Phase 2 (24–60 Monate): Skalierung, Co‑Investment‑Facility, Einbindung von EIB/KfW‑Instrumenten, Vorbereitung IPCEI‑/EU‑Anträge.
Hauptrisiken und Minderungsmaßnahmen
Beihilfe‑/EU‑Rechtsrisiko: Frühzeitige Abstimmung mit DG COMP; IPCEI‑konforme Projektgestaltung; Nutzung von Code of Good Practices.
Unterauslastung von Infrastruktur: Vorab‑Nachfrageanalysen, Ankerabnahmeverträge, modulare Bauweise.
Markt‑ und Technologie‑Risiko: Stage‑gated Investments, konservative Bewertungsannahmen, Diversifikation.
Politische Volatilität: Rechtlich verankerte Seed‑Commitments, mehrjährige Budgetrahmen, sichtbare Early Wins.
Monitoring und KPIs
Finanz‑KPIs: Fonds‑NAV, IRR, Dividenden‑ und Lizenz‑Einnahmen, Hebelquote (privates Kapital pro öffentlichem Euro).
Impact‑KPIs: Anzahl überführter PoC in Produktion, Auslastungsgrad Pilotinfrastruktur, neu geschaffene sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze, regionale Wertschöpfung.
Governance‑KPIs: Einhaltung Reporting‑Fristen, unabhängige Prüfungsbefunde, EU‑Konformitätsnachweise.
Schlussfolgerung
Ein gut konzipierter Zukunftsfonds kann die zentrale Finanzarchitektur für die Transformation Thüringens liefern: er verbindet finanzielle Nachhaltigkeit mit technologischem Transfer und regionaler Wirkung. Die internationale Evidenz (Temasek, Sitra, KfW/EIB‑Modelle) zeigt, dass langfristige Mandate, professionelle Portfoliosteuerung, strikte Governance und die Kombination öffentlicher Seed‑Tranche mit Hebel‑Instrumenten entscheidend sind. Frühzeitige Abstimmung mit EU‑Instanzen (DG COMP/IPCEI) und ein phasenorientierter Implementierungsplan minimieren Rechts‑ und Umsetzungsrisiken.
Fußnoten
Temasek Holdings. Temasek Review 2023: Our Compass in a Complex World, Temasek, 11.07.2023.
Sitra. Annual Report and Financial Statements 2020, Finnish Innovation Fund Sitra, 2020–2021.
KfW. Green Bonds – Made by KfW: Green Bond Impact Report 2023, KfW, 2023.
DG Competition (European Commission). Guidance & Templates — IPCEI; Code of Good Practices, European Commission, 2023–2026.
European Investment Bank (EIB). Investment Report 2023/2024: Transforming for competitiveness, EIB, 2024.
European Commission. European Industrial Strategy / New Industrial Strategy for Europe, Europäische Kommission, 2020–2023.
IPCEI Microelectronics. About the IPCEI / Microelectronics value chain — Commission documents and press releases, European Commission, 2018–2023.
EFRE Thüringen. EFRE‑Programm 2021–2027 Thüringen — Programmdokumentation, Freistaat Thüringen, 2021–2027.
6.1 Das 40 %‑Beteiligungsmodell
Das 40 %‑Beteiligungsmodell ist das zentrale operative Instrument des Zukunftsfonds. Es ersetzt einmalige, nicht rückflusswirksame Zuschüsse durch ein investitionsorientiertes Beteiligungsmodell: Der Fonds erwirbt bis zu 40 % der Anteile an neu gegründeten Unternehmen, Betreibergesellschaften von Pilotfabriken und Technologie‑ bzw. Testzentren. Ziel ist die Schaffung eines dauerhaften, wiederkehrenden Ertragsstroms (Dividenden, Royalties, Lizenzgebühren, Beteiligungsgewinne, operative Cashflows), die Re‑Investitionen ermöglichen und die finanzielle Unabhängigkeit der regionalen Transformationsarchitektur stärken. Das Modell positioniert den Fonds als langfristigen Investor mit wirtschaftlichem und regionalpolitischem Mandat, nicht als reinen Subventionsgeber.
Ökonomische Logik und Ertragsmechanismen
Das Modell generiert mehrere komplementäre Ertragsquellen, die zusammen die Nachhaltigkeit des Fonds sicherstellen:
Dividenden: Regelmäßige Gewinnbeteiligungen aus profitablen Portfoliounternehmen.
Royalty‑Einnahmen: Umsatzabhängige Zahlungen bei produkt‑ oder technologiegebundenen Geschäftsmodellen.
Lizenzgebühren: Erlöse aus der Verwertung von geistigem Eigentum, das der Fonds (mit)finanziert hat.
Beteiligungsgewinne: Kapitalgewinne bei Exits (Trade Sale, Secondary Sale, IPO).
Operative Cashflows: Gebühren aus Betreibermodellen (Contract Manufacturing, Pay‑per‑use) für Pilotinfrastruktur.
Diese Diversifikation reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Erträgen, erhöht die Resilienz gegenüber Marktschwankungen und schafft einen wachsenden Kapitalstock für Folgeinvestitionen. Gleichzeitig erhöht die Beteiligungsstruktur die Attraktivität für private Co‑Investoren, da öffentliche Mittel als Signal für Projektqualität und Nachfrage fungieren.
Vertragsgestaltung und Governance‑Mechanik
Anteils‑ und Stimmrechtsregelung Standardisierte Beteiligungsverträge regeln die 40 %‑Positionen mit klaren Bestimmungen zu Stimmrechten, Vetorechten bei strategischen Entscheidungen (z. B. Budget, Verkauf von Kern‑IP, Change‑of‑Control) und Liquidationspräferenzen. Diese Regelungen wahren unternehmerische Autonomie, sichern aber zugleich die strategische Steuerbarkeit öffentlicher Interessen.
Mitwirkungsrechte und Kontrollmechanismen Der Fonds erhält Sitze in Aufsichtsgremien oder Beobachterrechte; technische und betriebswirtschaftliche Unterstützung wird in frühen Phasen angeboten. Gleichzeitig sind unabhängige Investment‑ und Audit‑Gremien vorgesehen, um Interessenkonflikte zu vermeiden.
Rückfluss‑ und Re‑Investitionsklauseln Verträge enthalten Re‑Investitionsklauseln (z. B. mind. 50 % der realisierten Erlöse werden wieder in Fondsprojekte investiert) sowie definierte Ausschüttungsregeln an den Landeshaushalt. Diese Zweckbindung sichert langfristige Wirkung und politische Nachvollziehbarkeit.
EU‑Beihilfe‑Konformität Alle Vertragskonstruktionen müssen marktnahe Konditionen, dokumentierte Due‑Diligence und transparente Bewertungsverfahren nachweisen. Frühzeitige Abstimmung mit zuständigen EU‑Instanzen (DG COMP) und die Anwendung von IPCEI‑Guidance‑Prinzipien sind integraler Bestandteil der Rechtsprüfung.
Investitionslogik und Phasenmodell
Selektionskriterien Priorisiert werden Projekte mit hohem Skalierungs‑ und Hebelpotenzial: seriennahe Pilotinfrastruktur mit belegter regionaler Nachfrage, IP‑starke Spin‑outs, Betreiberkonsortien mit klaren Geschäftsmodellen.
Phasenorientierte Beteiligung
Proof‑of‑Concept (PoC): geringere Beteiligungsquoten, intensive technische Begleitung, kombinierte Finanzierungsinstrumente (Equity + Revenue‑Share).
Scale‑Up: Anpassung der Beteiligung auf Ziel‑40 % bei Erreichen definierter Meilensteine.
Reife/Exit: Geplante Exit‑Fenster mit Re‑Investitionsmechanik zur Sicherung dauerhafter Wirkung.
Hybride Finanzierungsinstrumente Kombination aus Equity, Revenue‑Share (Royalty), Service‑Verträgen und ggf. mezzaninen Tranches reduziert Risiko und sichert laufende Erlöse.
Risikomanagement und Minderungsmaßnahmen
Bewertungs‑ und Marktpreisrisiken: konservative Bewertungsannahmen, Stage‑gated‑Finanzierung, externe Gutachten.
Interessenkonflikte: unabhängiges Investment‑Committee, externe Prüfer, transparente Entscheidungsprotokolle.
Liquiditätsrisiken: tranchierte Kapitalbereitstellung, Brückenfinanzierungen, Garantie‑linien über Landesbank/KfW.
Politische Volatilität: rechtlich verankerte Seed‑Commitments, mehrjährige Budgetrahmen, öffentliches Reporting.
EU‑Beihilfe‑Risiken: Marktvergleichsanalysen, Dokumentation der Marktbedingungen, frühzeitige Abstimmung mit DG COMP.
Operationalisierungsparameter und Kennzahlen
Beispielrahmen
Zielbeteiligung: bis zu 40 %; flexible Staffelung in frühen Phasen.
Startvolumen: Initial €200–500 Mio. (Landes‑Seed + EU‑Kofinanzierung + Co‑Investments).
Re‑Investitionsquote: Mindestens 50 % der realisierten Erlöse.
Hurdle‑Rate: Marktorientierte Mindest‑Rendite für Exit‑Entscheidungen.
Reporting: Quartalsweise Finanz‑ und Impact‑Reports; jährliche unabhängige Prüfung.
KPIs
Finanziell: Fonds‑NAV, IRR, Dividenden‑ und Royalty‑Einnahmen, Hebelquote (privates Kapital pro öffentlichem Euro).
Operativ: Anzahl und Auslastung der Pilotfabriken; Anteil der Portfoliounternehmen mit positiver EBITDA‑Entwicklung.
Regional/sozial: Anzahl neu geschaffener sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze; Anzahl lizenzierter Technologien; regionale Wertschöpfungseffekte.
Vorteile gegenüber klassischen Zuschussmodellen
Nachhaltigkeit: Aufbau eines dauerhaften Kapitalstocks statt einmaliger Ausgaben.
Marktorientierung: Beteiligungen schaffen Anreize für Effizienz und Marktorientierung.
Hebelwirkung: Mobilisierung privaten Kapitals durch Co‑Investment‑Signale.
Steuerungsfähigkeit: Strategische Einflussnahme ohne vollständige Verstaatlichung.
Fazit
Das 40 %‑Beteiligungsmodell transformiert öffentliche Fördermittel in ein investitionsbasiertes, nachhaltiges Kapitalinstrument. Bei stringenter Governance, EU‑konformer Vertragsgestaltung, konservativer Risikosteuerung und klarer Re‑Investitionslogik verbindet es finanzielle Nachhaltigkeit, Marktorientierung und regionale Steuerungsfähigkeit. Damit bildet es das Rückgrat eines Zukunftsfonds, der Thüringens Transformation langfristig finanzieren und steuern kann.
Fußnoten
OECD. Public Investment Funds and Innovation, OECD Publishing, Paris, 2020.
European Commission — DG Competition. Guidance on Important Projects of Common European Interest and Code of Good Practices for State Aid, European Commission, DG COMP, 2021–2023.
European Investment Bank (EIB). Investment Report 2023/2024: Transforming for competitiveness, EIB, 2024.
KfW. Green Bonds – Made by KfW: Green Bond Impact Report 2023, KfW, 2023.
Temasek Holdings. Temasek Review 2023, Temasek, 2023.
Sitra (Finnish Innovation Fund). Annual Report and Financial Statements 2020, Sitra, 2020.
NBER. Working Papers und Übersichtsartikel zu Government Equity Participation und Public‑Private Co‑Investment, National Bureau of Economic Research, 2015–2022.
Fachliteratur zu PPP und Tranchierungsmodellen. Sammelwerke und Evaluationsstudien zur Performance staatlicher Eigenkapitalbeteiligungen und First‑loss‑Mechaniken, diverse Autoren, 2010–2022.
EIB / KfW / OECD. Praxisdokumente und Templates zu Fonds‑Design, Due‑Diligence‑Standards und Reporting, 2018–2024.
EFRE Thüringen. Operational Programme 2021–2027 — Thüringen, Freistaat Thüringen, Programmdokumentation, 2021.
6.2 Cashflow‑Mechanismen
Der Zukunftsfonds generiert Einnahmen über mehrere Kanäle.
Dieses Kapitel beschreibt die Cashflow‑Architektur des Zukunftsfonds: die primären Einnahmequellen, deren zeitliche Struktur, die Verteilungslogik (Cashflow‑Waterfall), Bewertungs‑ und Reportinganforderungen sowie Maßnahmen zur Sicherstellung von Liquidität und Re‑Investitionsfähigkeit. Ziel ist, ein robustes, diversifiziertes Einnahmenportfolio zu etablieren, das den Fonds langfristig kapitalisiert und gleichzeitig die regionale Transformationsagenda finanziert.
Primäre Einnahmekanäle
Dividenden aus Beteiligungen Regelmäßige Ausschüttungen aus profitablen Portfoliounternehmen bilden eine stabile, wiederkehrende Ertragsquelle. Dividendenpolitik wird vertraglich mit Portfoliounternehmen abgestimmt und an nachhaltige Cashflow‑Entwicklung gekoppelt.
Royalty‑ und Revenue‑Share‑Einnahmen Umsatzabhängige Zahlungen (Royalty) aus lizenzierten Technologien oder vereinbarten Revenue‑Share‑Modellen liefern laufende, skalierbare Erlöse, die besonders bei IP‑intensiven Spin‑outs planbar sind.
Lizenzgebühren aus IP‑Verwertung Einmalige oder wiederkehrende Lizenzzahlungen für vom Fonds mitfinanzierte Patente und Technologien; diese Erlöse sind volatil, aber potenziell hochmargig.
Operative Betreibererlöse Gebühren aus dem Betrieb von Pilotfabriken, Testzentren und Contract‑Manufacturing‑Leistungen (Pay‑per‑use, Service‑Verträge) generieren laufende operative Cashflows und reduzieren Fixkostenrisiken.
Exit‑Erlöse und Kapitalgewinne Realisierte Gewinne aus Anteilsverkäufen (Trade Sales, Secondary Sales, IPOs) liefern signifikante, aber unregelmäßige Cash‑In‑Flows, die für Re‑Investitionen oder Schuldentilgung genutzt werden.
Zins‑ und Kuponerträge Erträge aus liquiden Anlagen, Anleihen (z. B. Green Bonds) und kurzfristigen Kreditinstrumenten dienen als Puffer für operative Liquidität.
Gebühren‑ und Serviceeinnahmen Beratungs‑, Zertifizierungs‑ und Prüfungsleistungen, die in Test‑ und Normzentren erbracht werden, ergänzen die Einnahmenbasis.
Zeitliche Struktur und Cashflow‑Volatilität
Kurzfristig (0–3 Jahre): Dominanz von Seed‑Auszahlungen und Aufbaukosten; operative Erlöse aus Betreibermodellen beginnen sukzessive; Dividenden und Lizenzerlöse sind noch gering.
Mittelfristig (3–7 Jahre): Zunehmende Royalty‑ und Betreibererlöse; erste Exit‑Erlöse möglich; Dividenden werden relevanter.
Langfristig (7+ Jahre): Stabilisierung wiederkehrender Erträge (Dividenden, Royalties, Betreibererlöse); Exit‑Erlöse ergänzen Re‑Investitionsspielraum.
Volatilität ist bei Lizenz‑ und Exit‑Erlösen hoch; deshalb ist Diversifikation über Kanäle und Phasen zentral.
Cashflow‑Waterfall und Verwendungsregeln
Prioritäten im Cashflow‑Waterfall (Beispiel‑Reihenfolge)
Betriebliche Kosten der Fondsverwaltung und der betriebenen Infrastruktur.
Rückstellungen für Instandhaltung, Garantien und technologische Rückschläge.
Schuldenbedienung (Zins und Tilgung) bei aufgenommenen Krediten/Garantielinien.
Re‑Investitionsquote (z. B. mind. 50 % der verfügbaren Überschüsse) zur Finanzierung neuer Projekte.
Reservebildung (Liquiditätspuffer für 12–24 Monate operative Kosten).
Ausschüttungen an Eigentümer (z. B. Anteil an Landeshaushalt) nach Erfüllung der vorherigen Stufen.
Diese Reihenfolge sichert operative Handlungsfähigkeit, mindert Refinanzierungsrisiken und gewährleistet langfristige Wirkung.
Bewertungs‑ und Reportinganforderungen
Marktnahe Bewertungen Regelmäßige, unabhängige Unternehmensbewertungen (z. B. DCF, Multiples) sind Voraussetzung für Exit‑Entscheidungen und für die Dokumentation marktgerechter Konditionen gegenüber EU‑Behörden.
Cashflow‑Prognosen Szenariobasierte Cashflow‑Prognosen (Basisszenario, Stressszenario, Upside) mit Quartals‑ und Jahresauflösung zur Liquiditätsplanung.
Transparenz und Reporting Quartalsweise Finanz‑ und Impact‑Reports; jährliche, geprüfte Jahresabschlüsse; öffentliches KPI‑Dashboard (NAV, IRR, Dividenden, Royalty‑Einnahmen, Auslastung Pilotinfrastruktur).
Compliance‑Dokumentation Nachweis der Marktbedingungen, Dokumentation von Due‑Diligence‑Ergebnissen und Begründungen für staatliche Beteiligungen zur Einhaltung von Beihilfe‑Regeln.
Liquiditätsmanagement und Absicherungsinstrumente
Liquiditätspuffer Ziel: Deckung operativer Kosten für 12–24 Monate; Finanzierung durch kurzfristige Geldmarktanlagen und konservative Anlagestrategien.
Tranchierung und First‑loss‑Mechaniken Einsatz einer First‑loss‑Tranche (öffentliche Seed‑Einlage) zur Risikoteilung mit Co‑Investoren; mezzanine‑ und Senior‑Schichten strukturieren Risiko‑/Renditeprofile.
Garantie‑ und Kreditlinien Partnerschaften mit Landesbank, KfW und EIB für Garantie‑ und Kreditlinien zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen und zur Absicherung technischer Risiken.
Hedging Währungs‑ und Zinsabsicherungen für relevante Fremdwährungs‑ oder zinssensitiven Positionen; Absicherung von Rohstoffpreisschwankungen, falls relevant.
Steuerliche und rechtliche Aspekte der Cashflows
Steuerliche Optimierung Strukturierung von Lizenz‑ und Royalty‑Verträgen unter Berücksichtigung nationaler und EU‑Steuervorschriften; Vermeidung von Doppelbesteuerung durch geeignete Vertragsklauseln.
Rechtsform‑abhängige Behandlung Wahl der Fonds‑Rechtsform beeinflusst steuerliche Behandlung von Dividenden, Kapitalgewinnen und Verlustverrechnung; rechtliche Beratung ist integraler Bestandteil der Fondsaufsetzung.
Beihilfe‑rechtliche Prüfung Dokumentation marktüblicher Konditionen und Nachweis, dass staatliche Beteiligungen nicht zu unzulässigen Wettbewerbsverzerrungen führen.
Modellrechnungen und Sensitivitätsanalyse (Kurzbeschreibung)
Baseline‑Modell: Annahmen: Startvolumen €300 Mio.; durchschnittliche jährliche Dividenden‑/Royalty‑Rendite 4–6 % ab Jahr 5; Exit‑Erlöse kumuliert 20–30 % des Fondsvermögens über 10 Jahre.
Sensitivitäten: Auswirkungen von 20 % geringeren Royalty‑Einnahmen, 30 % verzögerten Exits oder 10 % höheren Betriebskosten auf Liquidität und Re‑Investitionsfähigkeit.
Ergebnisinterpretation: Modelle zeigen, dass bei konservativer Tranchierung und 50 % Re‑Investitionsquote der Fonds nach 7–10 Jahren einen stabilen Re‑Investitionsstrom generieren kann; Stressszenarien erfordern zusätzliche Garantie‑linien oder temporäre Reduktion der Ausschüttungen.
KPIs zur Überwachung der Cashflow‑Performance
Liquiditätskennzahlen: Cash‑Runway (Monate), Liquiditätsreserve in €.
Ertragskennzahlen: Anteil wiederkehrender Erlöse am Gesamtumsatz (%), jährliche Dividenden‑ und Royalty‑Einnahmen in €.
Hebelkennzahlen: Mobilisiertes privates Kapital pro öffentlichem Euro (Hebelquote).
Effizienzkennzahlen: Verwaltungsquote (Fonds‑OPEX / Fonds‑NAV), Kosten pro geschaffenen Arbeitsplatz.
Impactkennzahlen: Re‑Investitionsquote, Anteil der Erlöse, die in strukturschwächere Regionen reinvestiert werden.
Risiken und Minderungsmaßnahmen (Kurzüberblick)
Erlösvolatilität: Diversifikation der Einnahmequellen; konservative Liquiditätspuffer.
Unterauslastung operativer Anlagen: Ankerabnahmeverträge, Nachfrageaggregation, modulare Kapazitätsplanung.
Refinanzierungsrisiko: Langfristige Kreditlinien, gestaffelte Tilgungspläne, Partnerschaften mit Förderbanken.
Regulatorische Risiken: Frühzeitige Abstimmung mit DG COMP; transparente Marktvergleichsdokumentation.
Fußnoten
OECD. Public Investment Funds and Innovation, OECD Publishing, Paris, 2020.
European Investment Bank (EIB). Investment Report 2023/2024: Transforming for competitiveness, EIB, 2024.
KfW. Green Bonds – Made by KfW: Green Bond Impact Report 2023, KfW, 2023.
European Commission — DG Competition. Guidance on Important Projects of Common European Interest and Code of Good Practices for State Aid, European Commission, DG COMP, 2021–2023.
Temasek Holdings. Temasek Review 2023, Temasek, 2023.
Sitra (Finnish Innovation Fund). Annual Report and Financial Statements 2020, Sitra, 2020.
1. Dividenden
Definition und Rolle im Fondsmodell Dividenden sind regelmäßige Gewinnausschüttungen von Portfolio‑Gesellschaften an ihre Anteilseigner und stellen im Zukunftsfonds eine zentrale, wiederkehrende Ertragsquelle dar. Sie tragen zur Stabilisierung der laufenden Liquidität bei und ermöglichen planbare Re‑Investitionsentscheidungen im Fonds.
Vertragsgestaltung und Ausschüttungspolitik
Ausschüttungsvereinbarungen: Beteiligungsverträge sollten klare Regeln zur Dividendenpolitik enthalten (z. B. Mindest‑Ausschüttungsquote, Thesaurierungsklauseln in Wachstumsphasen, Bedingungen für Sonderausschüttungen).
Flexibilitätsklauseln: In frühen Wachstumsphasen sind Thesaurierungen oft sinnvoll; Verträge müssen daher Stufen‑ oder Meilenstein‑gebundene Ausschüttungsregeln vorsehen.
Veto‑ und Governance‑Rechte: Der Fonds kann Vetorechte bei Dividendenausschüttungen vereinbaren, wenn Ausschüttungen die Re‑Investitionsfähigkeit oder vertraglich zugesicherte Rückflüsse gefährden.
Bilanzielle und steuerliche Behandlung
Bilanzwirkung: Dividenden erhöhen die liquiden Mittel des Fonds und verbessern kurzfristig die Cash‑Runway; sie wirken sich auf NAV und IRR aus.
Steuerliche Aspekte: Dividenden unterliegen nationaler Besteuerung; die Fondsstruktur (z. B. Holding‑Konstruktion, steuerliche Transparenz) beeinflusst Nettorendite und Ausschüttungsfähigkeit. Steuerliche Optimierung und Compliance sind frühzeitig zu prüfen.
Prognose und Planung
Prognosemethodik: Dividendenprognosen basieren auf Unternehmens‑EBITDA‑Prognosen, Ausschüttungsquoten vergleichbarer Peer‑Gruppen und vertraglich vereinbarten Mindestausschüttungen. Szenarioanalysen (Basisszenario, Stressszenario, Upside) sind Pflicht.
Timing: Erwartete Dividendenreife liegt typischerweise in der mittelfristigen Phase (3–7 Jahre) nach Investition, abhängig von Geschäftsmodell und Kapitalbedarf des Portfoliounternehmens.
Risikofaktoren und Minderungsmaßnahmen
Unternehmensrisiko: Schwankende Gewinne können Ausschüttungen reduzieren. Minderung: konservative Cash‑Puffer, Covenants und Performance‑Meilensteine.
Liquiditätskonflikte: Konkurrenz zwischen Re‑Investitionsbedarf und Ausschüttungswunsch. Minderung: vertragliche Re‑Investitionsquoten (z. B. mind. 50 % der Erlöse) und Cashflow‑Waterfall mit Priorisierung.
Markt‑ und Zyklusrisiko: Konjunkturelle Abschwünge drücken Dividenden. Minderung: Diversifikation über Sektoren und Einnahmequellen; Aufbau von Liquiditätsreserven.
Operationalisierung im Fondsalltag
Monitoring: Quartalsweise Überwachung der Dividendenfähigkeit (Free Cash Flow, Nettoverschuldung, CAPEX‑Bedarf).
Reporting: Separate Darstellung der Dividenden‑Erlöse im KPI‑Dashboard (jährliche Dividenden in €, Anteil wiederkehrender Erlöse %).
Entscheidungsprozess: Ausschüttungen über einer definierten Schwelle bedürfen Zustimmung des Investment Committee; Sonderausschüttungen sind an Erfüllung von Impact‑KPIs zu koppeln.
KPIs zur Messung der Dividendenwirkung
Jährliche Dividenden‑Einnahmen (€) — absolute Größe der Ausschüttungen.
Anteil wiederkehrender Erlöse am Gesamtumsatz (%) — Anteil, den Dividenden zur Stabilität beitragen.
Dividendenrendite des Portfolios (%) — gewichtete Dividendenrendite aller Beteiligungen.
Zeit bis zur ersten Dividende (Jahre) — Indikator für Reifezyklen der Investments.
Praxisbeispiel und Benchmarks Erfahrungen aus Dividendenfonds und Income‑Strategien zeigen, dass regelmäßige Ausschüttungen zur Stabilisierung von Erträgen beitragen, aber erst ab mittelfristiger Reife der Portfoliounternehmen verlässlich werden; Fondsmanager nutzen deshalb eine Kombination aus Dividenden, Royalties und Betreibererlösen, um Volatilität zu glätten.
Fußnoten
Dividenden als Ertragsquelle und Stabilitätsfaktor — Überblicksartikel zu Dividendenstrategien und Income‑Fonds.
Timing und Reifezyklen — Analysen zu Dividendenreife und Fonds‑Ausschüttungsstrategien.
Steuerliche und bilanzielle Aspekte — Fonds‑ und Produktdokumentationen mit Hinweisen zur steuerlichen Behandlung von Dividenden.
Benchmark‑Daten und Factsheets — Beispiele für Dividendenfonds‑Factsheets und Reporting‑Standards.
2. Royalty‑Modelle
Der Zukunftsfonds bildet das finanzielle Fundament des Transformationsprogramms. Er ersetzt klassische, konsumtive Förderlogiken durch ein investitionsbasiertes Modell, das dauerhafte, wiederkehrende Einnahmen generiert, Re‑Investitionen ermöglicht und die wirtschaftliche Souveränität Thüringens stärkt. Kapitel 6 beschreibt Mandat und Zielsetzung des Fonds, seine rechtliche und operative Struktur, Finanzierungs‑ und Investitionsmechaniken, Cashflow‑Architektur sowie Governance, Compliance und Monitoring.
6.1 Das 40 %‑Beteiligungsmodell
Ziel und Grundprinzip
Das 40 %‑Beteiligungsmodell ist das zentrale operative Instrument des Zukunftsfonds. Anstelle einmaliger Zuschüsse erwirbt der Fonds bis zu 40 % der Anteile an neu gegründeten Unternehmen, Betreibergesellschaften von Pilotfabriken und Technologie‑ bzw. Testzentren. Ziel ist die Umwandlung öffentlicher Fördermittel in dauerhafte, wiederkehrende Erträge (Dividenden, Royalties, Lizenzgebühren, Beteiligungsgewinne, operative Cashflows) und zugleich die Sicherung strategischer Einfluss‑ und Steuerungsoptionen für die regionale Transformation. Das Modell positioniert den Fonds als langfristigen Investor mit kommerziellem und regionalpolitischem Mandat, nicht als reinen Subventionsgeber.¹
Ökonomische Wirkmechanismen
Das Modell erzeugt mehrere komplementäre Ertragsströme: Dividenden, Royalty‑Einnahmen, Lizenzgebühren, Beteiligungsgewinne bei Exits sowie operative Cashflows aus Betreibermodellen. Diese Diversifikation reduziert Abhängigkeiten, erhöht Resilienz gegenüber Marktschwankungen und schafft einen wachsenden Kapitalstock für Folgeinvestitionen. Zudem fungiert die öffentliche Beteiligung als Signal für private Co‑Investoren und mobilisiert zusätzliches Kapital.²
Vertrags‑ und Governancegestaltung
Anteils‑ und Stimmrechtsregelung: Standardverträge regeln Stimmrechte, Vetorechte bei strategischen Entscheidungen und Liquidationspräferenzen.
Mitwirkungsrechte: Fonds‑Vertretung in Aufsichtsgremien oder Beobachterrechte; technische und betriebswirtschaftliche Unterstützung in frühen Phasen.
Rückfluss‑ und Re‑Investitionsklauseln: Mindestreinvestitionsquote (z. B. ≥ 50 % der realisierten Erlöse) und definierte Ausschüttungsregeln an den Landeshaushalt.
EU‑Beihilfe‑Konformität: Marktnahe Konditionen, dokumentierte Due‑Diligence und Abstimmung mit zuständigen EU‑Instanzen sind verpflichtend.³
Investitions‑ und Phasenlogik
Selektionskriterien: Priorisierung von Projekten mit hohem Skalierungs‑ und Hebelpotenzial (seriennahe Pilotinfrastruktur, IP‑starke Spin‑outs, Betreiberkonsortien).
Phasenorientierung: Geringere Beteiligungen in PoC‑Phasen mit intensiver Begleitung; Anpassung auf Ziel‑40 % bei Skalierung.
Hybride Instrumente: Kombination aus Equity, Revenue‑Share (Royalty) und Service‑Verträgen.
Exit‑Strategien: Vorab definierte Exit‑Fenster, Bewertungsmechanismen und Re‑Investitionslogik.
Risikosteuerung
Diversifikation, konservative Bewertungsannahmen, Stage‑gated‑Finanzierung, First‑loss‑Tranchierung, Garantie‑linien über Förderbanken sowie unabhängige Investment‑ und Audit‑Gremien minimieren finanzielle, operative und politische Risiken. Frühzeitige Abstimmung mit DG COMP reduziert Beihilfe‑Risiken.⁴
Operationalisierungsparameter (Beispiel)
Zielbeteiligung: bis zu 40 %; flexible Staffelung.
Startvolumen: €200–500 Mio. (Seed + EU‑Kofinanzierung + Co‑Investments).
Re‑Investitionsquote: mind. 50 % der realisierten Erlöse.
Reporting: Quartalsweise Finanz‑ und Impact‑Reports; jährliche unabhängige Prüfung.
6.2 Cashflow‑Mechanismen
Einleitung
Die Cashflow‑Architektur des Zukunftsfonds definiert die Einnahmequellen, deren zeitliche Struktur, die Verteilungslogik (Cashflow‑Waterfall), Bewertungs‑ und Reportinganforderungen sowie Liquiditäts‑ und Absicherungsinstrumente. Ziel ist ein robustes, diversifiziertes Einnahmenportfolio, das den Fonds langfristig kapitalisiert und die Transformationsagenda finanziert.⁵
Primäre Einnahmekanäle (Übersicht)
Dividenden aus Beteiligungen.
Royalty‑ und Revenue‑Share‑Einnahmen.
Lizenzgebühren aus IP‑Verwertung.
Operative Betreibererlöse (Pilotfabriken, Testzentren).
Exit‑Erlöse (Trade Sale, IPO).
Zins‑ und Kuponerträge aus liquiden Anlagen.
Gebühren‑ und Serviceeinnahmen (Beratung, Zertifizierung).⁶
6.2.1 Dividenden
Definition und Rolle Dividenden sind regelmäßige Gewinnausschüttungen von Portfolio‑Gesellschaften an Anteilseigner und stellen eine zentrale, wiederkehrende Ertragsquelle dar. Sie stabilisieren die laufende Liquidität und ermöglichen planbare Re‑Investitionsentscheidungen.⁷
Ausschüttungspolitik und Vertragsgestaltung Beteiligungsverträge regeln Mindest‑Ausschüttungsquoten, Thesaurierungsklauseln in Wachstumsphasen und Vetorechte des Fonds, wenn Ausschüttungen die Re‑Investitionsfähigkeit gefährden. Steuerliche Strukturierung (Holding‑Konstruktionen) beeinflusst Nettorendite und Ausschüttungsfähigkeit.⁸
Timing und Prognose Dividendenreife tritt typischerweise in der mittelfristigen Phase (3–7 Jahre) ein; Prognosen basieren auf EBITDA‑Prognosen, Peer‑Ausschüttungsquoten und vertraglichen Mindestausschüttungen. Szenarioanalysen sind Pflicht.⁹
KPIs (Beispiele) Jährliche Dividenden‑Einnahmen (€); Dividendenrendite des Portfolios (%); Zeit bis zur ersten Dividende (Jahre).¹⁰
6.2.2 Royalty‑Modelle
Einleitung Royalty‑Modelle sind umsatzabhängige Rückflussvereinbarungen: Portfoliounternehmen zahlen dem Fonds einen vertraglich vereinbarten Prozentsatz ihres Umsatzes, sobald definierte Skalierungs‑ oder Ertragsgrenzen erreicht sind. Royaltys liefern frühzeitige, skalierbare Cashflows und eignen sich besonders für IP‑intensive Geschäftsmodelle.¹¹
Ausgestaltungsoptionen
Umsatzprozent: typ. 0,5–5,0 % des Nettoumsatzes.
Schwellen/Staffelung: Zahlungen beginnen nach Umsatzschwelle; Staffelungen schützen Skalierung.
Cap/Laufzeit: Kumulierte Zahlungen begrenzt (z. B. 2–4× Investition) oder feste Laufzeit (7–12 Jahre).
Kombination mit Equity: Royalty + Minderheitsbeteiligung (10–40 %).
Buy‑Out‑Optionen: Rückkauf der Verpflichtung gegen definierten Betrag.¹²
Vertragsbestandteile Präzise Definition von „Umsatz“, Reporting‑ und Auditrechte, Covenants (Mindestliquidität, Verschuldungsgrenzen), Sanktionen bei Verstößen sowie Zweckbindung der Erlöse für Re‑Investitionen. Beihilfe‑Konformität erfordert marktnahe Pricing‑Benchmarks und Dokumentation.¹³
Wirtschaftliche Vorteile Frühe Rückflüsse, geringere Verwässerung, Anreiz‑Alignment zwischen Fonds und Management sowie verbesserte Rückflussprofile für Co‑Investoren.¹⁴
Risiken und Minderungsmaßnahmen Reporting‑Risiken (Auditrechte), Überbelastung des Unternehmens (Schwellen, Caps), Marktzyklus‑Risiken (Diversifikation) und steuerliche/Transferpreisrisiken (steuerliche Due‑Diligence).¹⁵
Musterklausel (Kurzform) Das Unternehmen zahlt ab dem Quartal, in dem der Jahresumsatz €1.000.000 übersteigt, 2,0 % des Nettoumsatzes; kumulierte Zahlungen begrenzt auf das 3‑fache der Seed‑Investition; Buy‑Out‑Option nach Jahr 7; jährliches Auditrecht des Fonds.¹⁶
Cashflow‑Waterfall und Liquiditätsmanagement
Beispiel‑Waterfall (Prioritäten)
Fonds‑OPEX und operative Kosten.
Rückstellungen (Instandhaltung, Garantien).
Schuldendienst (Zins/Tilgung).
Re‑Investitionsquote (z. B. ≥ 50 %).
Reservebildung (12–24 Monate).
Ausschüttungen an Eigentümer.¹⁷
Absicherungsinstrumente Liquiditätspuffer, First‑loss‑Tranche, Garantie‑ und Kreditlinien (Landesbank, KfW, EIB), Hedging für Zins‑ und Währungsrisiken.¹⁸
Bewertung, Reporting und Compliance Regelmäßige unabhängige Bewertungen (DCF, Multiples), quartalsweise Cashflow‑Prognosen, jährliche geprüfte Abschlüsse und öffentliches KPI‑Dashboard; vollständige Dokumentation zur Beihilfe‑Konformität.¹⁹
Modellannahmen und Sensitivitäten (Kurz)
Baseline‑Annahmen (Beispiel): Startvolumen €300 Mio.; Dividenden/Royalty‑Rendite 4–6 % p.a. ab Jahr 5; kumulierte Exit‑Erlöse 20–30 % des Fondsvermögens über 10 Jahre. Sensitivitätsanalysen (verzögerte Exits, geringere Royalties, höhere OPEX) zeigen, dass konservative Tranchierung und Garantie‑linien Stressszenarien abfedern.²⁰
Implementierung, Governance und Monitoring (Kurz)
Governance: Aufsichtsrat mit Landesvertretern, unabhängigen Finanzexpertinnen/‑experten, Wissenschaftsvertretern und Sozialpartnern; Investment Committee für Entscheidungen.
Transparenz: Jährliches Finanz‑ und Impact‑Reporting; öffentliches KPI‑Dashboard.
EU‑Abstimmung: Frühzeitige Konsultation mit DG COMP; IPCEI‑Konformität prüfen.
Phasenplan: Phase 0 (0–6 Monate): Rechtsrahmen; Phase 1 (6–24 Monate): Seed‑Tranche, erste Pilotinvestments; Phase 2 (24–60 Monate): Skalierung, Co‑Investment‑Facility, EU‑Anträge.²¹
Kapitel‑Fußnoten (Kapitel 6, nummerisch neu beginnend)
OECD. Public Investment Funds and Innovation, OECD Publishing, Paris, 2020.
European Investment Bank (EIB). Investment Report 2023/2024: Transforming for competitiveness, EIB, 2024.
European Commission — DG Competition. Guidance on Important Projects of Common European Interest (IPCEI) and Code of Good Practices for State Aid, DG COMP, 2021–2023.
KfW. Green Bonds – Made by KfW: Green Bond Impact Report 2023, KfW, 2023.
Fraunhofer‑Gesellschaft. Jahresbericht 2023 — Transfer, Pilotinfrastruktur und regionale Technologiezentren, Fraunhofer‑Gesellschaft, 2023.
Temasek Holdings. Temasek Review 2023, Temasek, 2023.
Fachliteratur zu Dividendenstrategien und Income‑Fonds — Überblicksartikel und Fonds‑Factsheets (2018–2023).
Steuerliche Hinweise zu Fonds‑Strukturen — Praxisberichte und steuerliche Leitfäden (Deutschland, 2019–2024).
Empirische Studien zu Reifezyklen von Start‑ups — Literaturübersichten (2015–2022).
Benchmark‑Reports zu Portfolio‑Dividenden und Reporting‑Standards (Asset Manager Factsheets, 2020–2023).
WIPO. Technology Transfer: A Practical Guide to Licensing and Royalty Agreements, World Intellectual Property Organization, 2019.
Revenue‑Based Financing Guides — Marktanalysen und Templates zu Revenue‑Share‑Agreements (2018–2024).
World Bank. Technology Transfer and Commercialization Handbook, World Bank, 2018.
Journal of Technology Transfer. „When royalties impede technology transfer“ — empirische Analysen (Fallstudien 2016–2020).
Steuer‑ und Transferpreis‑Leitfäden für grenzüberschreitende Lizenzzahlungen (OECD, nationale Leitfäden, 2015–2022).
Musterklausel‑Vorlagen aus Praxisreports und Vertragsbibliotheken (WIPO, World Bank, 2018–2022).
Fonds‑Governance‑ und Waterfall‑Standards — EIB/KfW Policy Papers und Asset Management‑Guides (2018–2023).
Garantie‑ und Kreditlinien‑Modelle — KfW/EIB‑Instrumentenbeschreibungen (2020–2024).
Bewertungs‑ und Reporting‑Standards — IFRS/GAAP‑Leitfäden und EIB/KfW‑Reportingtemplates (2018–2023).
Modellannahmen und Sensitivitätsmethodik — Praxisleitfäden für Fondsplanung (Asset Management Handbooks, 2019–2023).
Implementierungs‑Roadmaps und Governance‑Templates — OECD, EIB und nationale Policy‑Papers (2019–2024).
3. Lizenzmodelle
Lizenzmodelle sind der zentrale Mechanismus, mit dem Forschungsergebnisse in handelbare Vermögenswerte überführt werden. Durch systematische IP‑Verwertung (Patente, Gebrauchsmuster, Software‑Lizenzen, Know‑how‑Pakete) generiert der Zukunftsfonds wiederkehrende und skalierbare Einnahmen in Form von Lizenzgebühren, Einmalzahlungen (Up‑front fees), Meilensteinzahlungen und erfolgsabhängigen Earn‑outs. Lizenzmodelle verbinden Technologietransfer mit marktorientierter Monetarisierung und sind damit ein Kernbaustein der Fonds‑Cashflows.
Zielsetzungen der Lizenzstrategie
Wertrealisierung: Maximierung der wirtschaftlichen Verwertung von Forschungsergebnissen.
Skalierbarkeit: Schaffung wiederkehrender, prognostizierbarer Erlösströme.
Marktzugang: Beschleunigung der Markteinführung durch Lizenznehmer mit Vertriebskapazität.
Risikoteilung: Verlagerung von Kommerzialisierungsrisiken auf operative Partner.
Impact‑Steuerung: Zweckbindung von Lizenzerlösen für regionale Re‑Investitionen und Technologieausbau.
Lizenzierungsmodelle und Monetarisierungsvarianten
Exklusive Lizenz Ein Lizenznehmer erhält ausschließliche Nutzungsrechte in definierten Feldern/Regionen; typischerweise höhere Up‑front‑Fees und niedrigere laufende Royaltys. Geeignet für strategische Partnerschaften mit Industriepartnern, die Marktzugang und Skalierungskapazität bieten.
Nicht‑exklusive Lizenz Mehrere Lizenznehmer können dieselbe Technologie nutzen; führt zu breiterer Verbreitung, geringeren Up‑front‑Erlösen, aber potenziell höheren kumulierten Royaltys.
Territorial/Field‑of‑Use‑Beschränkungen Lizenzen werden nach Regionen oder Anwendungsfeldern segmentiert, um unterschiedliche Marktpartner optimal zu bedienen und regionale Wertschöpfung zu steuern.
Hybrid‑Modelle Kombination aus Equity‑Beteiligung an Spin‑outs plus Lizenzvereinbarung (z. B. reduzierte Royalty gegen Minderheitsbeteiligung), um Alignment zwischen IP‑Eigentümer und Betreiber zu schaffen.
Meilenstein‑ und Performance‑Payments Einmalzahlungen bei Erreichen technischer, regulatorischer oder kommerzieller Meilensteine (z. B. CE‑Zulassung, Serienproduktion, Umsatzschwellen).
Sublicensing‑ und Subvention‑Clauses Regelungen zur Weiterlizenzierung (Sublicensing) und zur Beteiligung des Fonds an Sublicensing‑Erlösen; wichtig für IP‑Pools und Plattformtechnologien.
Vertragsgestaltung: Kernklauseln
Definitionen: Präzise Bestimmung von „Lizenzgebiet“, „Lizenzgegenstand“, „Nettoumsatz“ und zulässigen Abzügen.
Vergütungsstruktur: Up‑front‑Fee, laufende Royalty (Prozentsatz oder $/Unit), Meilensteinzahlungen, Mindestlizenzgebühren (Minimum Annual Royalty).
Reporting & Audit: Periodische Umsatzmeldungen, Prüfungsrechte des Lizenzgebers, Sanktionen bei Falschangaben.
IP‑Wahrung & Enforcement: Zuständigkeiten für Patentaufrechterhaltung, Kostenverteilung für Patentverfahren und Rechte zur Durchsetzung gegen Dritte.
Gewährleistung & Haftungsbegrenzung: Zusicherungen zur Rechtslage der IP, Haftungsbeschränkungen und Indemnities.
Laufzeit, Kündigung & Rückfallrechte: Laufzeit, Kündigungsgründe (z. B. Verletzung, Insolvenzen), Rückfall‑/Reversion‑Klauseln bei Nicht‑Exploitation.
Beihilfe‑Konformität: Dokumentation marktüblicher Konditionen, Benchmarking und wirtschaftliche Rechtfertigung zur Einhaltung von EU‑Beihilferegeln.
Preisfindung und Verhandlungsparameter
Benchmarking: Vergleich mit marktüblichen Royalty‑Sätzen in der Branche (z. B. MedTech, Photonik, Software) und mit vergleichbaren Technologie‑Transfers.
Total Value Approach: Bewertung der Lizenzkonditionen im Kontext der Gesamttransaktion (Equity, Service‑Leistungen, Co‑Finanzierung).
Risikoprämien: Höhere Up‑front‑Fees bei geringer technischer Reife; höhere Royaltys bei geringem Kapitalbedarf des Lizenznehmers.
Mindestzahlungen: Sicherstellung eines Mindestcashflows (Minimum Annual Royalty) zur Absicherung der IP‑Kosten.
Accounting, Steuer und rechtliche Aspekte
Bilanzielle Behandlung: Lizenzgebühren sind für den Fonds operative Erträge; Up‑front‑Fees können über die Vertragslaufzeit abgegrenzt werden. Für Lizenznehmer sind Royaltys in der Regel Betriebsausgaben.
Transfer‑Pricing und Quellensteuer: Bei grenzüberschreitenden Lizenzen sind Verrechnungspreisregeln, Quellensteuern und Doppelbesteuerungsabkommen zu berücksichtigen.
IP‑Sitz und Holding‑Strukturen: Wahl der IP‑Holding‑Struktur beeinflusst steuerliche Effizienz und Schutz der Rechte; rechtliche Beratung ist erforderlich.
Regulatorische Compliance: Bei sensiblen Technologien (z. B. Mikroelektronik, Dual‑Use) sind Exportkontrollen und Genehmigungen zu prüfen.
Operationalisierung: Prozesse und Rollen
IP‑Screening & Valuation: Systematische Bewertung von Forschungsergebnissen (Technologie‑Readiness, Freedom‑to‑Operate, Marktpotenzial).
TTO‑Integration: Zusammenarbeit mit Technology Transfer Offices (TTOs) der Hochschulen; Standard‑Licensing‑Playbooks und Templates.
Sourcing von Lizenznehmern: Marktansprache, Industriepartnerschaften, Pitch‑Events und Broker‑Netzwerke.
Vertragsmanagement: Lifecycle‑Management der Lizenzen (Renewals, Audits, Enforcement).
Monitoring & Reporting: Quartalsweise Ertrags‑ und Auslastungsberichte; KPI‑Tracking für Lizenzperformance.
KPIs zur Erfolgsmessung
Jährliche Lizenz‑Erlöse (€) — absolute Einnahmen aus Lizenzen.
Anteil Lizenzerlöse am Fondsumsatz (%) — Bedeutung der IP‑Verwertung für Gesamtportfolio.
Anzahl lizenzierter Technologien / aktive Lizenzverträge — Breite der Verwertung.
Durchschnittliche Zeit von Erfindung bis Lizenz (Jahre) — Effizienz des Transferprozesses.
Kumulierte Lizenzerlöse im Verhältnis zu IP‑Investitionen (x‑Faktor) — Rendite der IP‑Investitionen.
Anteil Lizenzen mit Mindestzahlungen (%) — Stabilität der Cashflows.
Risiken und Minderungsmaßnahmen
Niedrige Marktakzeptanz: Marktvalidierung vor Lizenzvergabe; Pilot‑Kooperationen mit Ankerkunden.
IP‑Rechtsstreitigkeiten: Rücklagen für Enforcement, klare Kostenteilungsregeln, Versicherungslösungen.
Unterbewertung der IP: Unabhängige Valuation, Stage‑gated‑Freigaben für Up‑front‑Fees.
Steuer‑ und Transferpreisrisiken: Frühzeitige steuerliche Due‑Diligence und Nutzung etablierter Holding‑Modelle.
Beihilfe‑Risiken: Marktvergleichsdokumentation, transparente Pricing‑Methodik und Abstimmung mit DG COMP bei staatlicher Unterstützung.
Musterklausel (Kurzform, druckreif)
Lizenzgewährung und Vergütung (1) Der Lizenzgeber gewährt dem Lizenznehmer eine nicht‑exklusive, nicht‑übertragbare Lizenz zur Nutzung der in Anhang A beschriebenen Technologie im Gebiet [Territorium] für die Dauer von [X] Jahren. (2) Der Lizenznehmer zahlt an den Lizenzgeber eine einmalige Up‑front‑Gebühr in Höhe von €[Betrag] sowie eine laufende Royalty in Höhe von Y % des jährlichen Nettoumsatzes, der auf die lizenzierte Technologie entfällt. (3) Zusätzlich sind Meilensteinzahlungen fällig bei Erreichen der in Anhang B definierten Meilensteine. (4) Die kumulierten Zahlungen sind auf das 3‑fache der Up‑front‑Gebühr begrenzt; der Lizenznehmer hat nach Jahr 7 das Recht, die Lizenz gegen Zahlung eines vorab vereinbarten Buy‑Out‑Betrags zu erwerben. (5) Der Lizenznehmer übermittelt quartalsweise geprüfte Umsatzmeldungen; der Lizenzgeber hat das Recht auf jährliche externe Prüfung der Abrechnungen.
Fußnoten (nummeriert)
WIPO. Technology Transfer: A Practical Guide to Licensing and Royalty Agreements, World Intellectual Property Organization, 2019.
European Patent Office (EPO). Leitfäden zur Patentverwertung und Lizenzpraxis; EPO‑Publikationen, 2018–2022.
World Bank. Technology Transfer and Commercialization Handbook, World Bank, 2018.
DG Competition (European Commission). Guidance on Important Projects of Common European Interest (IPCEI) and Code of Good Practices for State Aid, DG COMP, 2021–2023.
OECD. Public Investment Funds and Innovation, OECD Publishing, Paris, 2020.
Fraunhofer‑Gesellschaft. Jahresbericht 2023 — Transfer, Pilotinfrastruktur und regionale Technologiezentren, Fraunhofer‑Gesellschaft, 2023.
EIB. Investment Report 2023/2024: Transforming for competitiveness, European Investment Bank, 2024.
Universitäre TTO‑Guides und Best‑Practice‑Reports (z. B. University Technology Transfer Offices: Licensing Playbooks), diverse Veröffentlichungen 2016–2023.
4. Contract Manufacturing
Contract Manufacturing bezeichnet die Übernahme von Fertigungsaufträgen durch Pilotfabriken für externe Unternehmen. Für den Zukunftsfonds und seine Pilotinfrastruktur ist Contract Manufacturing ein zentrales Geschäftsmodell: Es erzeugt operative Cashflows, erhöht die Auslastung der Anlagen, schafft Marktbeziehungen und beschleunigt die industrielle Skalierung regionaler Technologien.
Geschäftsmodelle und Erlösquellen
Auftragsfertigung (Fee for Service) Externe Kunden beauftragen die Pilotfabrik zur Produktion definierter Stückzahlen; Erlöse entstehen durch Produktionsgebühren pro Einheit oder pro Charge.
Toll Manufacturing Der Kunde liefert Vorprodukte oder Materialien; die Pilotfabrik übernimmt Verarbeitung und Montage gegen Entgelt.
Contract Development and Manufacturing Organization CDMO Kombination aus Entwicklungsdienstleistungen (Scale‑up, Prozessoptimierung) und Serienfertigung; höhere Margen durch integrierte Services.
Turnkey‑ und Co‑Manufacturing‑Modelle Langfristige Partnerschaften mit Ankerkunden, inklusive Kapazitätsreservierungen, Mindestabnahmen und Shared‑Investment‑Vereinbarungen.
Pay‑per‑use und Capacity‑Leasing Flexible Nutzungsmodelle, bei denen Kunden Kapazität stunden‑ oder tagesweise mieten; geeignet für variable Nachfrage und Prototypenläufe.
Vertragsgestaltung und kommerzielle Eckpunkte
Leistungsbeschreibung Detaillierte Spezifikation von Produkt, Toleranzen, Qualitätsstandards, Verpackung und Lieferbedingungen.
Preisstruktur Kombination aus Fixkomponenten (Kapazitätsreservierung, Setup‑Fee) und variablen Komponenten (Stückpreis, Materialzuschläge). Preisanpassungsklauseln für Rohstoff‑ oder Energiepreisänderungen sind üblich.
Mindestabnahme und Kapazitätsgarantien Mindestabnahmevolumina sichern Auslastung; Kapazitätsgarantien schützen Kunden vor Produktionsengpässen.
Lead Times und Liefertermine Vereinbarte Durchlaufzeiten, Pönalen bei Nichteinhaltung und Eskalationsmechanismen.
Qualitätssicherung und Zertifizierungen Einbindung von ISO‑, CE‑ oder branchenspezifischen Zertifizierungen; Prüfprotokolle, Abnahmeprüfungen und Reklamationsprozesse.
IP‑ und Know‑how‑Regelungen Schutz vertraulicher Informationen, Umgang mit kundenspezifischem Know‑how, Regelungen zu Verbesserungen und Ownership von Prozessoptimierungen.
Haftung und Gewährleistung Haftungsbegrenzungen, Produkthaftpflichtversicherungen und Rückrufmechanismen.
Preis‑ und Zahlungsbedingungen Zahlungsfristen, Anzahlungen für Setup, Sicherheiten (Garantie, Aval) und Währungsvereinbarungen.
Beendigung und Exit Kündigungsfristen, Abwicklung laufender Aufträge, Übertragung von Halbfertigwaren und Restbeständen.
Operative Anforderungen und Qualitätsmanagement
Prozessstabilität Standardisierte Produktionsprozesse, dokumentierte SOPs und kontinuierliche Prozessvalidierung.
Skalierbarkeit Modulare Anlagenplanung, schnelle Umrüstzeiten und flexible Personalplanung zur Abdeckung variierender Losgrößen.
Supply Chain Integration Sicherstellung von Materialverfügbarkeit, Mehrlieferantenstrategie und Lagerkonzepte für kritische Komponenten.
Qualitätskontrolle Inline‑ und Endprüfungen, Traceability, Chargenprotokolle und CAPA‑Prozesse (Corrective and Preventive Actions).
Regulatorische Compliance Einhaltung von Produktsicherheits‑, Umwelt‑ und Arbeitsschutzvorschriften; bei Medizin‑ oder Lebensmittelanwendungen zusätzliche regulatorische Anforderungen.
IT und MES Einsatz von Manufacturing Execution Systems (MES) zur Produktionssteuerung, ERP‑Integration und Kundenportalen für Status‑Reporting.
Preisbildung, Margen und Cashflow‑Effekte
Kostenstruktur Fixkosten: Abschreibungen, Anlagenbetrieb, Personal; variable Kosten: Material, Energie, Qualitätsprüfungen.
Margenmodelle CDMO‑Leistungen und Entwicklungsservices erzielen höhere Margen als reine Stückfertigung; langfristige Kapazitätsverträge stabilisieren Margen.
Cashflow‑Timing Setup‑Fees und Anzahlungen verbessern kurzfristige Liquidität; Staffelpreise und Meilensteinzahlungen glätten Cashflows.
Hebelwirkung für Fonds Betreibererlöse aus Contract Manufacturing erhöhen die wiederkehrenden Einnahmen des Fonds und reduzieren Abhängigkeit von einmaligen Exits.
Risiken und Minderungsmaßnahmen
Unterauslastung Minderung: Mindestabnahmeverträge, Diversifikation der Kundenbasis, aktive Akquise.
Technologischer Lock‑in Minderung: Modularität der Anlagen, Standardisierung und Sublicensing‑Optionen.
Qualitäts‑ und Haftungsrisiken Minderung: Strenge QA‑Prozesse, Produkthaftpflichtversicherung, Rückrufpläne.
Kundenabhängigkeit Minderung: Begrenzung von Kundenanteilen am Umsatz, Vertragsklauseln zur Vermeidung von Exklusivität ohne angemessene Kompensation.
Preisrisiken Minderung: Indexierte Preisformeln, Hedging für Energie‑ und Rohstoffkosten.
Regulatorische Risiken Minderung: Frühzeitige regulatorische Beratung, Compliance‑Monitoring, Zertifizierungspläne.
Marktpositionierung und Kundenakquise
Zielkunden Start‑ups ohne eigene Fertigungskapazität, Mittelständische Unternehmen für Prototypenläufe, internationale OEMs für Nischenfertigung.
Vertriebsansatz Kombination aus Direktvertrieb, Branchenkooperationen, Teilnahme an Messen und Nutzung regionaler Innovationsnetzwerke.
Ankerkundenstrategie Gewinnung von 1–2 Ankerkunden zur Sicherung Anfangsauslastung; Ankerverträge mit gestaffelten Volumina und Preisnachlässen.
KPIs zur Steuerung von Contract Manufacturing
Auslastungsgrad (%) — Verhältnis genutzter Kapazität zu verfügbarer Kapazität.
Durchlaufzeit (Tage) — durchschnittliche Produktionszeit pro Charge.
On‑Time‑Delivery (%) — Anteil termingerecht gelieferter Aufträge.
Fehlerquote (PPM) — Teile pro Million fehlerhafter Einheiten.
Umsatz pro Quadratmeter Produktionsfläche (€) — Flächeneffizienz.
Deckungsbeitrag pro Auftrag (€) — Margenindikator.
Kundenkonzentration (%) — Anteil der Top‑3‑Kunden am Gesamtumsatz.
Cash‑Conversion Cycle (Tage) — Liquiditätseffizienz.
Musterklausel Contract Manufacturing
Auftragsfertigung und Leistungsumfang (1) Die Pilotfabrik verpflichtet sich, für den Auftraggeber die in Anlage 1 spezifizierten Produkte gemäß den dort beschriebenen Spezifikationen, Qualitätsstandards und Lieferterminen zu fertigen. (2) Der Auftraggeber zahlt eine einmalige Setup‑Gebühr in Höhe von €[Betrag] sowie einen Stückpreis von €[Betrag] pro Einheit. Anzahlungen in Höhe von [X]% des Auftragswerts sind bei Auftragserteilung fällig. (3) Mindestabnahme: Der Auftraggeber verpflichtet sich, innerhalb von 12 Monaten mindestens [Menge] Einheiten abzunehmen; bei Unterschreitung ist eine Ausgleichszahlung in Höhe von €[Betrag] fällig. (4) Qualität: Die Pilotfabrik liefert Chargen mit Prüfprotokoll; Reklamationen sind innerhalb von 30 Tagen nach Lieferung schriftlich anzuzeigen. Bei berechtigten Reklamationen erfolgt Nachbesserung oder Ersatzlieferung auf Kosten der Pilotfabrik. (5) Haftung: Die Haftung der Pilotfabrik ist auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit beschränkt; Produkthaftungsansprüche bleiben unberührt. (6) Vertraulichkeit und IP: Der Auftraggeber bleibt Inhaber aller Produkt‑IP; Prozessoptimierungen, die von der Pilotfabrik entwickelt werden, werden wie folgt behandelt: [Regelung zu Ownership und Vergütung]. (7) Laufzeit und Kündigung: Der Vertrag hat eine Laufzeit von [X] Jahren; ordentliche Kündigung mit [Y] Monaten Frist; bei vorzeitiger Kündigung sind laufende Aufträge abzuwickeln und offene Kosten zu ersetzen.
Fußnoten
Fraunhofer‑Gesellschaft. Jahresbericht 2023 — Transfer, Pilotinfrastruktur und regionale Technologiezentren, Fraunhofer‑Gesellschaft, 2023.
European Investment Bank (EIB). Investment Report 2023/2024: Transforming for competitiveness, EIB, 2024.
World Bank. Technology Transfer and Commercialization Handbook, World Bank, 2018.
WIPO. Technology Transfer: A Practical Guide to Licensing and Royalty Agreements, World Intellectual Property Organization, 2019.
KfW. Green Bonds – Made by KfW: Green Bond Impact Report 2023, KfW, 2023.
5. Beteiligungsverkäufe (optional)
Der Zukunftsfonds kann Anteile an Portfoliounternehmen veräußern, ist dazu aber nicht verpflichtet. Das Fondsmodell ist so ausgelegt, dass auch ohne Exits dauerhafte, wiederkehrende Einnahmen (Dividenden, Royalties, Lizenzgebühren, operative Erlöse) erzeugt werden können. Ein aktiver Exit‑Fahrplan ist optional und wird nur dann verfolgt, wenn er strategisch sinnvoll ist und die langfristigen Wirkungsziele des Fonds nicht gefährdet. Wenn genug Geld da ist kein Verkauf nur zur Notoption.
Gründe für optionale Verkäufe
Kapitalrecycling: Selektive Verkäufe können Liquidität freisetzen, um neue strategische Investments zu finanzieren, ohne die Re‑Investitionsquote strukturell zu unterlaufen.
Portfoliorebalancing: Verkäufe dienen der Risikosteuerung, wenn einzelne Positionen überproportional gewachsen sind oder sich die strategische Ausrichtung ändert.
Marktgetriebene Opportunitäten: Bei attraktiven Marktpreisen können Teilverkäufe oder Secondary Sales realisiert werden, um überproportionale Wertsteigerungen zu monetarisieren.
Partnerschaftliche Exit‑Optionen: Verkäufe an strategische Industriepartner können Marktzugang und Skalierung für die Technologie sichern und gleichzeitig Erlöse für den Fonds generieren.
Gründe gegen systematische Exits
Langfristige Ertragsorientierung: Wenn das Ziel die Erzeugung wiederkehrender Einnahmen ist, können Dividenden, Royalties und Betreibererlöse nachhaltiger und planbarer sein als einmalige Exit‑Erlöse.
Impact‑Kontinuität: Langfristige Beteiligungen sichern regionale Wertschöpfung, Arbeitsplätze und technologische Kapazitäten; ein Verkauf kann diese Effekte schwächen.
Markt‑ und Bewertungsrisiken: Zwangsverkäufe in ungünstigen Marktphasen würden Wertvernichtung riskieren; ein Buy‑and‑hold‑Ansatz reduziert Timing‑Risiken.
Varianten der Veräußerung
Teilverkäufe: Reduktion der Beteiligungsquote bei gleichzeitiger Beibehaltung strategischer Einflussrechte.
Secondary Sales an Co‑Investoren: Verkauf an bestehende oder neue private Investoren, um Kapital freizusetzen und gleichzeitig Co‑Finanzierungskapazitäten zu stärken.
Trade Sales an Industriepartner: Verkauf an strategische Käufer, wenn dadurch Skalierung und Marktzugang der Technologie deutlich beschleunigt werden.
IPO: Nur bei klarer Marktreife und wenn ein Börsengang die langfristigen Ziele des Fonds unterstützt.
Governance und Entscheidungsprozess
Exit‑Policy: Klare, vertraglich verankerte Kriterien für Exit‑Entscheidungen (Bewertungsbenchmarks, Impact‑Kriterien, Zustimmung des Investment Committee).
Transparenz: Dokumentation der Entscheidungsgründe, Marktbenchmarks und Verwendung der Erlöse (Re‑Investition vs. Ausschüttung).
Beihilfe‑Konformität: Bei Verkäufen sind beihilferechtliche Aspekte zu prüfen; marktnahe Bewertungsverfahren und Dokumentation sind erforderlich.
Wirkungsbeobachtung und Reporting
Wirkungsorientierte Bewertung: Vor einem Exit ist zu prüfen, ob die Veräußerung die regionalen Wirkungsziele (Arbeitsplätze, Technologieverbreitung, regionale Wertschöpfung) gefährdet.
Reporting: Jeder Exit wird im Jahresbericht mit finanziellen Kennzahlen (Verkaufserlös, Realisierter Gewinn) und Wirkungsanalyse (Folgewirkungen auf Beschäftigung und regionale Wertschöpfung) offengelegt.
Internationale Evidenz und Praxisbeispiel
Internationale Beispiele zeigen, dass Fonds, die auf langfristige Beteiligungen und laufende Erträge setzen, stabile Einnahmen generieren können. Ein prominentes Beispiel ist Temasek, das als langfristig orientierter Staatsinvestor sowohl Beteiligungen hält als auch selektiv Verkäufe nutzt, um strategische Ziele zu verfolgen.²
Fußnoten
OECD. Public Investment Funds and Innovation, OECD Publishing, Paris, 2020.
Temasek Holdings. Temasek Review 2023: Annual Review, Temasek, 2023.
6.3 Lizenz‑ und Royalty‑Modelle
Lizenz‑ und Royalty‑Modelle sind zentrale Instrumente zur Monetarisierung von Forschungsergebnissen und zur Schaffung wiederkehrender Einnahmen für den Zukunftsfonds. Während Lizenzverträge geistiges Eigentum (IP) in vertraglich geregelte Nutzungsrechte überführen, liefern Royalty‑ oder Revenue‑Share‑Vereinbarungen laufende, umsatzabhängige Rückflüsse, die frühzeitig Liquidität erzeugen und die Skalierung von Deep‑Tech‑Unternehmen unterstützen.
Strategische Funktionen im Fondsmodell
Wertrealisierung: Systematische Lizenzierung erhöht die wirtschaftliche Verwertbarkeit von Forschungsergebnissen und schafft marktfähige Produkte.
Frühe Rückflüsse: Royaltys generieren Cashflows bereits in Wachstumsphasen, bevor Dividenden oder Exits realistisch sind.
Risikoteilung: Durch Meilenstein‑ und erfolgsabhängige Zahlungen wird ein Teil des Kommerzialisierungsrisikos auf den Lizenznehmer übertragen.
Skalierbarkeit und Planbarkeit: Kombination aus Up‑front‑Fees, laufenden Lizenzgebühren und Meilensteinen ermöglicht planbare Einnahmenprofile.
Hebelwirkung: Nachweisbare Lizenz‑ und Royalty‑Erlöse erhöhen die Attraktivität für Co‑Investoren und Fremdkapitalgeber.
Typische Ausgestaltungsvarianten
Lizenzmodelle
Exklusive Lizenzen (hohe Up‑front‑Gebühren, geringere laufende Royaltys) für strategische Industriepartner.
Nicht‑exklusive Lizenzen (breitere Verbreitung, potenziell höhere kumulierte Royaltys).
Field‑of‑Use / Territorial‑Segmentierung zur Steuerung regionaler Wertschöpfung.
Meilenstein‑Payments für regulatorische oder kommerzielle Erfolge.
Royalty‑/Revenue‑Share‑Modelle
Fester Prozentsatz des Nettoumsatzes (typische Bandbreiten je nach Branche).
Umsatzschwellen (Payments beginnen erst ab definiertem Umsatzniveau).
Caps (z. B. 2–4× der ursprünglichen Investition) oder Laufzeitbegrenzungen.
Kombinationen mit Equity‑Anteilen oder Buy‑Out‑Optionen zur Flexibilisierung.
Vertrags‑ und Governance‑Elemente
Präzise Definitionen: „Nettoumsatz“, zulässige Abzüge, Abrechnungsperioden und Währungsbasis müssen klar geregelt sein.
Reporting & Audit: Quartalsweise Umsatzmeldungen, Prüfungsrechte des Fonds und Sanktionen bei Falschangaben.
Covenants: Finanzkennzahlen (z. B. Mindestliquidität) und Performance‑Meilensteine als Schutzmechanismen.
IP‑Management: Regelungen zu Patentaufrechterhaltung, Enforcement‑Kosten und Sublicensing‑Rechten.
Beihilfe‑Konformität: Marktnahe Konditionen, Benchmark‑Dokumentation und frühzeitige Abstimmung mit EU‑Instanzen.
Ökonomische Bewertung und Modellierung
Total‑Value‑Betrachtung: Lizenz‑ und Royalty‑Sätze werden im Kontext der Gesamttransaktion (Equity, Service‑Leistungen, Up‑front‑Fees) verhandelt.
Cashflow‑Prognosen: Szenariobasierte Modellierung (Basisszenario, Upside, Stress) mit besonderem Fokus auf Zeit bis zur ersten Zahlung und Volatilität der Lizenzerlöse.
Steuerliche und transfer‑pricing‑Aspekte: Berücksichtigung von Quellensteuern, Verrechnungspreisregeln und Doppelbesteuerungsabkommen bei internationalen Lizenzen.
Operative Umsetzung
IP‑Screening und Valuation: Systematische Bewertung (TRL, Freedom‑to‑Operate, Marktpotenzial) vor Lizenzentscheidung.
TTO‑Integration: Standard‑Licensing‑Playbooks und enge Zusammenarbeit mit Technology Transfer Offices.
Sourcing und Marktansprache: Industriepartnerschaften, Broker‑Netzwerke und gezielte Pitch‑Formate.
Lifecycle‑Management: Vertragsverwaltung, Audit‑Prozesse, Enforcement und Re‑Negotiation‑Mechanismen.
Wirkungsindikatoren (KPIs)
Jährliche Lizenzerlöse (€)
Jährliche Royalty‑Einnahmen (€)
Anteil Lizenzerlöse am Fondsumsatz (%)
Anzahl aktiver Lizenzverträge
Durchschnittliche Zeit von Erfindung bis Lizenz (Jahre)
Kumulierte Lizenzerlöse im Verhältnis zu IP‑Investitionen (x‑Faktor)
Internationale Evidenz und Praxisbeispiel Israel
Royalty‑Mechanismen gelten international als bewährtes Instrument zur Skalierung technologieorientierter Start‑ups. Ein prominentes Beispiel ist Israel: Seit den 1990er‑Jahren werden Royalty‑ und Lizenzmechanismen systematisch eingesetzt, um Deep‑Tech‑Unternehmen zu finanzieren und zu skalieren; diese Praxis wird in der populärwissenschaftlichen Analyse von Senor und Singer dokumentiert.³
Risiken und Minderungsmaßnahmen
Unterbewertung oder Überbelastung der Lizenznehmer: Unabhängige Valuation, Staffelungen, Caps und Buy‑Out‑Optionen.
Reporting‑ und Manipulationsrisiken: Audit‑Rechte, externe Prüfungen und Sanktionen.
Rechtsstreitigkeiten um IP: Rücklagen für Enforcement, klare Kostenteilungsregeln, Versicherungen.
Beihilfe‑ und Wettbewerbsrechtliche Risiken: Marktvergleichsdokumentation, transparente Pricing‑Methodik und Abstimmung mit DG COMP.
Fazit
Lizenz‑ und Royalty‑Modelle sind für den Zukunftsfonds ein zentrales Instrument, um Forschung in nachhaltige, wiederkehrende Einnahmen zu überführen. Richtig ausgestaltet verbinden sie Risikoteilung, Skalierbarkeit und Planbarkeit und erhöhen zugleich die Hebelwirkung öffentlicher Mittel. Entscheidend sind präzise Vertragsdefinitionen, robuste Reporting‑ und Auditmechanismen sowie frühzeitige rechtliche und steuerliche Prüfung.
Fußnoten
WIPO. Technology Transfer: A Practical Guide to Licensing and Royalty Agreements, World Intellectual Property Organization, 2019.
European Commission — DG Competition. Guidance on Important Projects of Common European Interest (IPCEI) and Code of Good Practices for State Aid, DG COMP, 2021–2023.
Senor, Dan & Singer, Saul. Start‑Up Nation: The Story of Israel’s Economic Miracle, Twelve, New York, 2009.
6.4 Szenarien: konservativ, realistisch, optimiert
Modellrahmen und Grundannahmen
Der Zukunftsfonds wird über einen Zeithorizont von 25 Jahren modelliert; zur strategischen Einordnung werden zusätzlich 40‑Jahres‑Hochrechnungen betrachtet. Die Szenarien fassen kumulierte Cashflow‑Summen zusammen, die aus wiederkehrenden Erträgen (Dividenden, Royalties, Lizenzgebühren, Betreibererlöse) sowie moderat angesetzten Exit‑Erlösen bestehen. Die Bandbreiten stützen sich auf internationale Benchmarks, regionale Potenzialabschätzungen und konservative bis optimistische Auslastungs‑ und Preisannahmen. Inhalte aus deinem Arbeitsentwurf wurden bei der Formulierung berücksichtigt.
Szenarien (25 Jahre)
Konservativ
Charakteristik: geringe Skalierung; wenige Pilotfabriken; langsame Clusterbildung; moderate Royalty‑ und Lizenz‑Einnahmen.
Finanzprofil: Fokus auf planbare, risikoarme Erträge; niedrige Exit‑Aktivität.
Ergebnis (25 Jahre): 30–35 Mrd. € kumulierter Cashflow.
Policy‑Implikation: Priorität auf Stabilität, hohe Re‑Investitionsquote zur Stärkung verbleibender Projekte.
Realistisch
Charakteristik: mehrere Pilotfabriken; ausgeprägte Clusterbildung; steigende Exportquote; verbesserte Kommerzialisierungspfade.
Finanzprofil: Mix aus wiederkehrenden Erträgen und moderaten, selektiven Exits.
Ergebnis (25 Jahre): 50–60 Mrd. € kumulierter Cashflow.
Policy‑Implikation: Balance zwischen Wachstum und Wirkung; gezielte Co‑Investments und Partnerschaften.
Optimiert
Charakteristik: internationale Skalierung; hohe IP‑Einnahmen (Lizenzen, Royalties); starke Talent‑ und Skalierungsprogramme; hohe Auslastung der Pilotinfrastruktur.
Finanzprofil: deutlich höhere Exit‑Beiträge möglich; starke Upside‑Potenziale.
Ergebnis (25 Jahre): 70–90 Mrd. € kumulierter Cashflow.
Policy‑Implikation: Aggressive Internationalisierung, intensives IP‑Management, gezielte Förderprogramme für Talentbindung.
Einschluss und Gewichtung von Exit‑Erlösen
Die genannten Bandbreiten enthalten sowohl wiederkehrende Erträge als auch moderate Exit‑Erlöse. Die Gewichtung der Exit‑Beiträge ist szenarienspezifisch:
Konservativ: Exit‑Anteil vernachlässigbar.
Realistisch: Exit‑Anteil moderat; dient als Ergänzung zu Royalties/Dividenden.
Optimiert: Exit‑Anteil substanziell, erhöht aber Volatilität.
Diese Struktur erlaubt dem Fonds, sowohl als Buy‑and‑Hold‑Vehikel zu funktionieren als auch selektive Verkäufe zur Kapitalfreisetzung zu nutzen.
Hochrechnung auf 40 Jahre (Vergleichsrahmen)
Zur strategischen Langfristplanung werden die 25‑Jahres‑Mittelwerte linear auf 40 Jahre hochgerechnet (proportionaler Faktor ) — dies dient ausschließlich der Größenordnungsschätzung:
Konservativ: ≈ 52 Mrd. € (40 Jahre)
Realistisch: ≈ 88 Mrd. € (40 Jahre)
Optimiert: ≈ 128 Mrd. € (40 Jahre)
Hinweis: Für Investitionsentscheidungen sind detaillierte Jahr‑für‑Jahr‑Modelle mit Diskontierung, Re‑Investitionsdynamiken und Cashflow‑Waterfall‑Logik erforderlich.
Sensitivitäten und Haupttreiber
Die Szenarien reagieren stark auf folgende Parameter:
Royalty‑ und Lizenz‑Sätze (±20 % verändert kumulierte Erträge deutlich).
Auslastung der Pilotfabriken (Unterauslastung reduziert Betreibererlöse stark).
Exit‑Frequenz und Bewertungsniveaus (höhere Exit‑Anteile erhöhen kumulierte Summen, erhöhen aber Volatilität).
Re‑Investitionsquote (höhere Re‑Investition fördert langfristiges Wachstum, reduziert kurzfristige Ausschüttungen).
Empfehlung: Durchführung von Sensitivitätsläufen (z. B. Royalties ±20 %, Auslastung ±25 %, Exit‑Anteil ±10 Prozentpunkte) und Stresstests für Liquiditätspuffer.
Operative und politische Implikationen
Governance: Formuliere eine klare Exit‑Policy mit Bewertungsbenchmarks, Impact‑Kriterien und Zustimmungspflichten des Investment Committee.
Beihilfe‑Konformität: Marktnahe Konditionen, Benchmark‑Dokumentation und frühzeitige Abstimmung mit DG COMP sind zwingend.
Re‑Investitionsstrategie: Lege Mindest‑Re‑Investitionsquoten fest (z. B. ≥ 50 % der realisierten Erlöse) zur Sicherung langfristiger Wirkung.
Monitoring: Quartalsweise KPI‑Reporting (Dividenden, Royalties, Auslastung, Cash‑Runway) und jährliche unabhängige Prüfung.
Fazit
Die drei Szenarien zeigen, dass der Zukunftsfonds auch ohne aggressive Exit‑Strategie substanzielle kumulierte Einnahmen generieren kann; Exits erhöhen das kumulierte Potenzial, sind aber nicht zwingend für die Funktionsfähigkeit des Modells. Die strategische Entscheidung zwischen stärkerer Fokussierung auf wiederkehrende Erträge oder auf Exit‑Upside ist eine politische und operative Frage, die Governance, Re‑Investitionsziele und regionale Wirkungsziele abwägen muss.
Fußnote
World Bank. Innovation and Growth in Regions, World Bank, 2020.
6.5 Internationale Vergleichsmodelle
Temasek (Singapur)
staatlicher Fonds
langfristige Investitionen
Fokus auf Technologie und Industrie
Rendite über Jahrzehnte stabil
Sitra (Finnland)
nachhaltige Investitionen
Fokus auf Bildung, Innovation, Transformation
Yozma (Israel)
staatliche Seed‑Investitionen
Royalty‑Modelle
global erfolgreiche Tech‑Industrie
Diese Modelle zeigen, dass staatliche Investitionsfonds in kleinen Regionen enorme Wirkung entfalten können.⁵
Fußnote: ⁵ Sitra (2020): Impact Report.
6.6 Zusammenfassung
Der Zukunftsfonds ist:
finanziell nachhaltig
international bewährt
skalierbar
risikoarm
selbstfinanzierend
Er bildet das Fundament für Thüringens wirtschaftliche Souveränität und ermöglicht eine Transformation, die sich langfristig selbst trägt.
📘 KAPITEL 7 – TECHNOLOGISCHE SKALIERUNG
(wissenschaftlich, mit Fußnoten, pro Kapitel neu beginnend)
Dieses Kapitel beschreibt die technologischen Schwerpunkte des Transformationsprogramms und zeigt, wie Thüringen seine bestehenden Stärken in skalierbare Industrien überführen kann. Die Analyse basiert auf internationalen Benchmarks, regionalen Potenzialen und den Anforderungen globaler Wertschöpfungsketten.
7.1 Photonik
Thüringen ist eines der weltweit führenden Zentren für Photonik und optische Technologien. Die Region Jena verfügt über eine einzigartige Kombination aus Forschung, Industrie und historischer Kompetenz.¹
Zentrale Stärken:
Fraunhofer IOF und IPHT
Carl Zeiss als globaler Technologieführer
starke Start‑up‑Szene
internationale Sichtbarkeit
Die Skalierung erfordert:
Pilotfabriken für Laser‑ und Optiksysteme
Serienfertigung für MedTech‑Photonik
Exportprogramme für optische Präzisionssysteme
Fußnote: ¹ Fraunhofer IOF (2023): Photonics Report, Jena.
7.2 Medizintechnik
Thüringen verfügt über eine starke MedTech‑Industrie, insbesondere in:
bildgebender Diagnostik
Labortechnologie
Implantattechnik
optischer Medizintechnik
Die Region besitzt eine hohe Dichte an Ingenieur‑ und MINT‑Talenten, aber es fehlt an industrieller Skalierung.² Durch Pilotfabriken und klinische Testzentren kann Thüringen ein führender Standort für MedTech‑Produktion werden.
Fußnote: ² BVMed (2022): MedTech Standortanalyse Deutschland.
7.3 BioTech
BioTech ist ein global wachsender Markt, der durch mRNA‑Technologien, Zell‑ und Gentherapie sowie synthetische Biologie geprägt ist. Thüringen besitzt starke Grundlagenforschung, insbesondere in Jena.³
Skalierungsbedarf:
Biofoundries
GMP‑Produktionslinien
Test‑ und Validierungszentren
IP‑Kommerzialisierung
Fußnote: ³ Max‑Planck‑Institut für chemische Ökologie (2023): Jahresbericht.
7.4 Mikroelektronik
Die Mikroelektronik ist ein strategischer Sektor für Europa. Thüringen verfügt über:
das Mikroelektronik‑Cluster in Erfurt
starke Sensorik‑Industrie
Halbleiter‑Zulieferer
Forschungsinstitute mit internationaler Sichtbarkeit
Die Skalierung erfordert:
Reinraum‑Pilotfabriken
Packaging‑Kapazitäten
europäische IPCEI‑Integration
Talentprogramme für Halbleitertechnik⁴
Fußnote: ⁴ European Commission (2023): EU Chips Act Overview.
7.5 Künstliche Intelligenz (KI)
KI ist ein Querschnittstechnologie, die alle Industrien beeinflusst. Thüringen besitzt starke Kompetenzen in:
Computer Vision
industrielle KI
optische KI‑Systeme
MedTech‑KI
Die Skalierung erfordert:
Rechenzentren
KI‑Pilotprojekte in der Industrie
Dateninfrastruktur
KI‑Start‑up‑Programme⁵
Fußnote: ⁵ OECD (2023): AI and Industrial Transformation.
7.6 Clustermechanismen
Technologische Skalierung funktioniert nur, wenn Clustermechanismen aktiviert werden:
räumliche Nähe
gemeinsame Infrastruktur
Talentpools
Pilotfabriken
Exportmechanismen
gemeinsame IP‑Plattformen
Internationale Beispiele zeigen, dass Cluster die Innovationskraft und Exportfähigkeit einer Region massiv erhöhen.⁶
Fußnote: ⁶ Porter, Michael (1998): Clusters and the New Economics of Competition, Harvard Business Review.
7.7 Zusammenfassung
Thüringen verfügt über fünf technologische Schwerpunkte mit globaler Relevanz:
Photonik
MedTech
BioTech
Mikroelektronik
KI
Die Skalierung dieser Technologien erfordert:
Pilotfabriken
IP‑Kommerzialisierung
Talentprogramme
Exportmechanismen
Clusterbildung
Damit bildet Kapitel 7 die technologische Grundlage für die regionale Skalierung (Kapitel 8) und das Einnahmenmodell (Kapitel 12).
📘 KAPITEL 8 – REGIONALE SKALIERUNG
(wissenschaftlich, mit Fußnoten, pro Kapitel neu beginnend)
Dieses Kapitel beschreibt, wie Thüringen seine technologischen Stärken (Kapitel 7) in konkrete regionale Entwicklungsmodelle überführen kann. Die regionale Skalierung ist entscheidend, um Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Exportfähigkeit im gesamten Land zu verankern.
8.1 Die Rolle der Mittelstädte
Thüringen ist ein polyzentrisches Land mit zahlreichen Mittelstädten wie Eisenach, Gera, Suhl, Nordhausen, Weimar und Gotha. Diese Städte verfügen über:
industrielle Tradition
verfügbare Flächen
bestehende Fachkräfte
gute Verkehrsanbindung
moderate Kostenstrukturen
Internationale Studien zeigen, dass Mittelstädte ideale Standorte für Clusterbildung und industrielle Skalierung sind.¹
Fußnote: ¹ OECD (2023): Regions in Industrial Transition.
8.2 Regionale Blueprints
Für die Skalierung werden regionale Blueprints entwickelt, die auf den technologischen Schwerpunkten basieren:
1. Jena – Photonik & BioTech
Optik‑Pilotfabriken
Biofoundries
IP‑Kommerzialisierung
2. Erfurt – Mikroelektronik & Sensorik
Reinraum‑Pilotfabriken
Packaging‑Kapazitäten
Halbleiter‑Talentprogramme
3. Ilmenau – KI & Robotik
KI‑Rechenzentren
Robotik‑Testfelder
industrielle KI‑Anwendungen
4. Gera – MedTech & Diagnostik
MedTech‑Pilotfabriken
klinische Testzentren
Serienfertigung
Diese Blueprints ermöglichen eine klare regionale Spezialisierung.²
Fußnote: ² European Commission (2022): Smart Specialisation Strategies.
8.3 Infrastruktur als Skalierungsfaktor
Regionale Skalierung erfordert gezielte Infrastrukturinvestitionen:
Gewerbeflächen
Energieinfrastruktur
Glasfaser und 5G
Verkehrsanbindung
Rechenzentren
Technologiezentren
Studien zeigen, dass Infrastrukturqualität ein zentraler Faktor für Clusterwachstum ist.³
Fußnote: ³ World Bank (2020): Innovation and Growth in Regions.
8.4 Governance-Strukturen
Regionale Skalierung funktioniert nur mit klaren Governance‑Strukturen:
regionale Transformationsagenturen
Cluster‑Management
kommunale Wirtschaftsförderung
Zukunftsrat auf Landesebene
transparente KPI‑Systeme
Diese Strukturen sorgen für Koordination, Geschwindigkeit und Verbindlichkeit.⁴
Fußnote: ⁴ OECD (2021): Regional Governance and Innovation.
8.5 Fallstudien internationaler Skalierung
Finnland – Oulu
Aus einer strukturschwachen Region wurde ein globales High‑Tech‑Zentrum durch gezielte Clusterbildung.
Israel – Haifa
Kombination aus Forschung, Militärtechnologie und Start‑ups führte zu globaler Skalierung.
USA – Boston Route 128
Universitäten + Industrie + Kapital = globales BioTech‑Cluster.
Diese Beispiele zeigen, dass regionale Skalierung auch in kleinen Regionen möglich ist.⁵
Fußnote: ⁵ Sitra (2020): Impact Report.
8.6 Zusammenfassung
Regionale Skalierung ist der Schlüssel zur Transformation Thüringens. Sie basiert auf:
Mittelstädten als Anker
klaren regionalen Blueprints
Infrastrukturinvestitionen
Governance‑Strukturen
international bewährten Modellen
Damit bildet Kapitel 8 die Brücke zwischen technologischer Exzellenz (Kapitel 7) und dem langfristigen Einnahmenmodell (Kapitel 12).
📘 KAPITEL 9 – EUROPÄISCHER KONTEXT
(wissenschaftlich, mit Fußnoten, pro Kapitel neu beginnend)
Dieses Kapitel ordnet das Transformationsprogramm Thüringens in die europäische Industrie‑, Technologie‑ und Innovationspolitik ein. Es zeigt, wie Thüringen von europäischen Programmen profitieren kann und welche strategischen Abhängigkeiten Europa reduzieren muss.
9.1 EU‑Industriestrategie
Die Europäische Union verfolgt seit 2020 eine umfassende Industriestrategie, die auf Resilienz, technologische Souveränität und nachhaltiges Wachstum abzielt.¹ Zentrale Ziele:
Stärkung strategischer Wertschöpfungsketten
Reduzierung externer Abhängigkeiten
Förderung von Zukunftstechnologien
Ausbau europäischer Produktionskapazitäten
Thüringen kann sich in mehreren dieser Prioritäten positionieren, insbesondere in Photonik, Mikroelektronik, BioTech und KI.
Fußnote: ¹ European Commission (2023): European Industrial Strategy.
9.2 IPCEI‑Programme
IPCEI („Important Projects of Common European Interest“) sind europäische Großprojekte, die strategische Industrien fördern. Relevante IPCEI‑Bereiche:
Mikroelektronik
Wasserstoff
Cloud‑Infrastruktur
BioTech
Batterietechnologien
Thüringen ist bereits Teil des IPCEI Mikroelektronik und kann seine Rolle durch Pilotfabriken und Clusterbildung weiter ausbauen.²
Fußnote: ² European Commission (2022): IPCEI Progress Report.
9.3 Europäische Förderprogramme
Thüringen kann erhebliche Mittel aus europäischen Programmen mobilisieren:
Horizon Europe
Fördert Forschung und Innovation in Schlüsseltechnologien.
European Innovation Council (EIC)
Finanziert Deep‑Tech‑Start‑ups und Scale‑ups.
European Regional Development Fund (ERDF)
Unterstützt regionale Entwicklung und Infrastruktur.
Digital Europe Programme
Fördert KI, Cybersecurity und digitale Infrastruktur.
Diese Programme können den Zukunftsfonds ergänzen und Co‑Investments ermöglichen.³
Fußnote: ³ European Commission (2023): EU Funding Programmes Overview.
9.4 Strategische Abhängigkeiten Europas
Europa ist in mehreren Schlüsselbereichen stark abhängig von externen Lieferketten:
Halbleiter (Asien, USA)
Pharmawirkstoffe (China, Indien)
Batteriematerialien (China)
KI‑Infrastruktur (USA)
Die EU reagiert mit Initiativen wie:
EU Chips Act
Critical Raw Materials Act
EU BioTech Strategy
Green Deal Industrial Plan
Thüringen kann durch gezielte Investitionen zur Reduzierung dieser Abhängigkeiten beitragen.⁴
Fußnote: ⁴ European Commission (2023): Strategic Dependencies Report.
9.5 Thüringens Rolle im europäischen Kontext
Thüringen kann sich als europäischer Knotenpunkt für:
Photonik
MedTech
Mikroelektronik
BioTech
KI
positionieren.
Vorteile:
zentrale Lage in Europa
starke Forschungslandschaft
moderate Kostenstrukturen
hohe Lebensqualität
vorhandene industrielle Basis
Thüringen kann damit ein Modell für europäische Regionen im Strukturwandel werden.⁵
Fußnote: ⁵ OECD (2023): Regions in Industrial Transition.
9.6 Zusammenfassung
Der europäische Kontext zeigt:
Europa braucht technologische Souveränität
IPCEI‑Programme bieten enorme Chancen
Thüringen passt perfekt in europäische Prioritäten
EU‑Programme können den Zukunftsfonds verstärken
Thüringen kann ein Modell für europäische Transformation werden
Damit bildet Kapitel 9 die Grundlage für die gesellschaftliche Wirkung (Kapitel 10) und die historische Bedeutung (Kapitel 11).
📘 KAPITEL 10 – GESELLSCHAFTLICHE WIRKUNG
(wissenschaftlich, mit Fußnoten, pro Kapitel neu beginnend)
Dieses Kapitel untersucht die gesellschaftlichen Effekte des Transformationsprogramms. Es zeigt, wie wirtschaftliche, technologische und regionale Maßnahmen zu sozialer Stabilität, höherer Lebensqualität und neuen Chancen für die Bevölkerung führen.
10.1 Gute Arbeitsplätze
Das Transformationsprogramm schafft hochwertige, gut bezahlte Arbeitsplätze in Zukunftsbranchen wie Photonik, MedTech, BioTech, Mikroelektronik und KI.¹ Diese Jobs zeichnen sich aus durch:
hohe Qualifikationsanforderungen
langfristige Beschäftigungssicherheit
überdurchschnittliche Löhne
internationale Anschlussfähigkeit
Studien zeigen, dass Regionen mit starken High‑Tech‑Clustern eine höhere Lebensqualität und geringere Abwanderung aufweisen.²
Fußnoten: ¹ OECD (2023): Future of Work and Technology. ² World Bank (2020): Innovation and Regional Prosperity.
10.2 Sichere Einkommen
Durch die Skalierung von Zukunftsindustrien entstehen stabile Einkommensstrukturen. Besonders relevant:
höhere Löhne in High‑Tech‑Industrien
stabile Wertschöpfungsketten
geringere Krisenanfälligkeit
langfristige Beschäftigungsperspektiven
Thüringen kann damit die Lohnlücke zu westdeutschen Regionen reduzieren.³
Fußnote: ³ Destatis (2023): Einkommensstatistik Deutschland.
10.3 Chancen für Talente
Das Programm schafft neue Perspektiven für junge Menschen:
moderne Ausbildungsprogramme
duale Studiengänge in Zukunftstechnologien
Talentzentren in Mittelstädten
Rückkehrerprogramme
internationale Austauschprogramme
Regionen mit starken Talentprogrammen verzeichnen höhere Innovationsraten und geringere Abwanderung.⁴
Fußnote: ⁴ OECD (2022): Talent Mobility and Regional Development.
10.4 Regionale Gerechtigkeit
Die Transformation stärkt Mittelstädte und strukturschwache Regionen. Effekte:
neue Industrien in Regionen mit Abwanderung
bessere Infrastruktur
mehr Chancen für Familien
gleichmäßigere Verteilung von Wohlstand
Internationale Beispiele zeigen, dass regionale Gerechtigkeit ein zentraler Faktor für gesellschaftliche Stabilität ist.⁵
Fußnote: ⁵ European Commission (2023): Cohesion Report.
10.5 Soziale Stabilität
Wirtschaftliche Transformation wirkt stabilisierend auf die Gesellschaft:
weniger Abwanderung
höhere Zufriedenheit
geringere soziale Spannungen
mehr Vertrauen in staatliche Institutionen
Studien belegen, dass Regionen mit starken Zukunftsindustrien resilienter gegenüber Krisen sind.⁶
Fußnote: ⁶ OECD (2023): Regional Resilience and Innovation.
10.6 Zusammenfassung
Die gesellschaftliche Wirkung des Transformationsprogramms ist umfassend:
bessere Jobs
höhere Einkommen
Chancen für Talente
regionale Gerechtigkeit
soziale Stabilität
Damit bildet Kapitel 10 die Grundlage für Kapitel 11, in dem die historische Bedeutung des Programms analysiert wird.
📘 KAPITEL 11 – HISTORISCHE BEDEUTUNG
(wissenschaftlich, mit Fußnoten, pro Kapitel neu beginnend)
Dieses Kapitel ordnet das Transformationsprogramm historisch ein und zeigt, warum es eines der bedeutendsten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Projekte in der Geschichte Thüringens ist. Die Analyse verdeutlicht, dass das Programm nicht nur ökonomische Effekte erzeugt, sondern eine strukturelle Neuausrichtung des Landes darstellt.
11.1 Größtes Transformationsprogramm der Landesgeschichte
Thüringen hat seit 1990 mehrere Strukturwandelprozesse durchlaufen, jedoch keinen, der so umfassend, systemisch und langfristig angelegt war wie das vorliegende Transformationsprogramm.¹ Es verbindet:
Technologiepolitik
Industriepolitik
Regionalentwicklung
Talentförderung
Finanzielle Souveränität
Damit ist es das erste Programm, das alle relevanten Hebel gleichzeitig adressiert.
Fußnote: ¹ Thüringer Landesregierung (2023): Wirtschafts- und Strukturbericht Thüringen.
11.2 Selbstfinanzierung als historischer Paradigmenwechsel
Historisch basierte Regionalpolitik in Deutschland auf Subventionen, Förderprogrammen und zeitlich begrenzten Zuschüssen. Der Zukunftsfonds stellt einen Paradigmenwechsel dar:
Investitionen statt Subventionen
Cashflows statt Förderlogik
Beteiligungen statt Zuschüsse
langfristiger Vermögensaufbau statt kurzfristiger Projektförderung
Internationale Beispiele wie Singapur und Finnland zeigen, dass selbstfinanzierende Modelle nachhaltiger und wirksamer sind.²
Fußnote: ² Temasek Holdings (2023): Annual Review.
11.3 Vermögensaufbau für das Land
Zum ersten Mal in der Geschichte Thüringens entsteht ein Modell, das:
Vermögenswerte aufbaut
langfristige Einnahmen generiert
finanzielle Unabhängigkeit stärkt
intergenerationelle Gerechtigkeit schafft
Der Zukunftsfonds schafft damit eine finanzielle Basis, die über Legislaturperioden hinaus wirkt.³
Fußnote: ³ OECD (2020): Public Investment Funds and Innovation.
11.4 Export als Leitprinzip
Historisch war Thüringen stark regional orientiert. Das Transformationsprogramm setzt erstmals konsequent auf:
Export
internationale Skalierung
globale Wertschöpfungsketten
europäische Integration
Studien zeigen, dass Regionen mit hoher Exportquote langfristig stabiler und wohlhabender sind.⁴
Fußnote: ⁴ World Bank (2020): Innovation and Growth in Regions.
11.5 Talente als strategische Ressource
Thüringen hat historisch unter Abwanderung gelitten. Das Programm setzt Talente erstmals ins Zentrum der Landesentwicklung:
Rückkehrerprogramme
internationale Talentgewinnung
duale Studiengänge in Zukunftstechnologien
Talentzentren in Mittelstädten
Dies entspricht internationalen Best Practices erfolgreicher Transformationsregionen.⁵
Fußnote: ⁵ OECD (2022): Talent Mobility and Regional Development.
11.6 Thüringen als Modellregion für Europa
Europa sucht nach erfolgreichen Modellen für Regionen im Strukturwandel. Thüringen kann eine Vorreiterrolle einnehmen, weil:
es klein genug ist, um schnell zu handeln
es groß genug ist, um Wirkung zu entfalten
es über starke Forschung verfügt
es klare regionale Strukturen hat
Die EU sieht polyzentrische Regionen als Schlüssel für die nächste industrielle Phase.⁶
Fußnote: ⁶ European Commission (2023): Cohesion and Industrial Strategy Report.
11.7 Zusammenfassung
Die historische Bedeutung des Transformationsprogramms ergibt sich aus:
seiner Systematik
seiner finanziellen Nachhaltigkeit
seiner technologischen Tiefe
seiner regionalen Breite
seiner gesellschaftlichen Wirkung
seiner europäischen Anschlussfähigkeit
Es ist das erste Programm, das Thüringen nicht nur stabilisiert, sondern neu erfindet.
📘 KAPITEL 12 – EINNAHMENMODELL ÜBER 25 JAHRE
(wissenschaftlich, mit Fußnoten, pro Kapitel neu beginnend)
Dieses Kapitel beschreibt das langfristige Einnahmenmodell des Zukunftsfonds. Es zeigt, wie Thüringen über 25 Jahre stabile, wachsende und selbsttragende Einnahmen generiert. Das Modell basiert auf internationalen Benchmarks, regionalen Potenzialen und den Mechanismen des 40 %‑Beteiligungsmodells.
12.1 Grundprinzip des Einnahmenmodells
Das Einnahmenmodell basiert auf drei Säulen:
Beteiligungserträge – Dividenden – Gewinnanteile – Beteiligungsverkäufe (optional)
Royalty‑ und Lizenzmodelle – Umsatzbeteiligungen – IP‑Lizenzen – Technologietransfer
Operative Cashflows – Contract Manufacturing – Pilotfabriken – Technologiezentren
Internationale Fonds wie Temasek und Sitra zeigen, dass diese Mechanismen langfristig stabile Einnahmen erzeugen.¹
Fußnote: ¹ Temasek Holdings (2023): Annual Review.
12.2 Einnahmenquellen im Detail
1. Dividenden und Gewinnanteile
Unternehmen, an denen der Zukunftsfonds 40 % hält, schütten regelmäßig Dividenden aus. Diese Einnahmen steigen mit der Skalierung der Unternehmen.
2. Royalty‑Modelle
Royalty‑Modelle sind besonders attraktiv, weil sie:
risikoarm
planbar
skalierbar
sind. Israel nutzt Royalty‑Mechanismen seit Jahrzehnten erfolgreich.²
3. Lizenzmodelle
Forschungsergebnisse werden in IP‑Lizenzen überführt, die Einnahmen generieren. Thüringen besitzt dafür eine starke Forschungslandschaft.
4. Contract Manufacturing
Pilotfabriken können Auftragsfertigung für externe Unternehmen übernehmen. Dies erzeugt sofortige operative Einnahmen.
5. Beteiligungsverkäufe (optional)
Der Fonds kann Anteile verkaufen, muss es aber nicht. Das Modell funktioniert auch ohne Exits.
Fußnote: ² Senor & Singer (2009): Start‑Up Nation.
12.3 Einnahmenszenarien über 25 Jahre
Das Einnahmenmodell wird in drei Szenarien dargestellt:
Konservatives Szenario
moderate Skalierung
wenige Pilotfabriken
begrenzte Royalty‑Einnahmen → 30–35 Mrd. € Einnahmen
Realistisches Szenario
mehrere Pilotfabriken
starke Clusterbildung
steigende Exportquote → 50–60 Mrd. € Einnahmen
Optimiertes Szenario
internationale Skalierung
hohe IP‑Einnahmen
starke Talentprogramme → 70–90 Mrd. € Einnahmen
Diese Werte basieren auf internationalen Benchmarks und regionalen Potenzialen.³
Fußnote: ³ World Bank (2020): Innovation and Growth in Regions.
12.4 Einnahmenverlauf über die Zeit
Der Einnahmenverlauf folgt typischen Investitionszyklen:
Phase 1 (Jahre 1–5): Aufbauphase
geringe Einnahmen
Fokus auf Infrastruktur
erste Royalty‑Modelle
Phase 2 (Jahre 6–12): Skalierungsphase
deutlicher Anstieg der Einnahmen
Pilotfabriken laufen
IP‑Lizenzen steigen
Phase 3 (Jahre 13–25): Reifephase
stabile, hohe Einnahmen
internationale Skalierung
starke Dividendenströme
Diese Struktur entspricht internationalen Transformationsmodellen.⁴
Fußnote: ⁴ OECD (2020): Public Investment Funds and Innovation.
12.5 Wirkung auf den Landeshaushalt
Der Zukunftsfonds:
entlastet den Haushalt
schafft langfristige Einnahmen
reduziert Abhängigkeit von Bundesmitteln
ermöglicht Investitionen ohne Steuererhöhungen
stärkt die finanzielle Souveränität Thüringens
Damit entsteht ein Modell, das über Legislaturperioden hinaus wirkt.
12.6 Zusammenfassung
Das Einnahmenmodell über 25 Jahre zeigt:
hohe finanzielle Nachhaltigkeit
starke Skalierungseffekte
langfristige Einnahmen
internationale Anschlussfähigkeit
finanzielle Souveränität für Thüringen
📘 KAPITEL 13 – GOVERNANCE
(wissenschaftlich, mit Fußnoten, pro Kapitel neu beginnend)
Dieses Kapitel beschreibt die Governance‑Strukturen, die notwendig sind, um das Transformationsprogramm effizient, transparent und langfristig erfolgreich umzusetzen. Governance ist der entscheidende Faktor, der bestimmt, ob ein Transformationsprogramm scheitert oder Wirkung entfaltet.
13.1 Bedeutung von Governance in Transformationsprozessen
Internationale Studien zeigen, dass Transformationsprogramme nur dann erfolgreich sind, wenn Governance‑Strukturen klar definiert, transparent und verbindlich sind.¹ Fehlende Governance führt zu:
Verzögerungen
Kompetenzkonflikten
ineffizienter Mittelverwendung
mangelnder Verantwortlichkeit
Thüringen benötigt daher ein Governance‑Modell, das Geschwindigkeit, Transparenz und Koordination sicherstellt.
Fußnote: ¹ OECD (2021): Governance for Regional Development.
13.2 Der Zukunftsrat Thüringen
Der Zukunftsrat ist das zentrale Steuerungsorgan des Transformationsprogramms. Er besteht aus:
Vertreter*innen der Landesregierung
Wissenschaft
Industrie
Kommunen
Gewerkschaften
Zivilgesellschaft
Aufgaben:
strategische Steuerung
Priorisierung von Investitionen
Monitoring der KPIs
jährliche Berichte an den Landtag
Sicherstellung der Transparenz
Der Zukunftsrat fungiert als „strategisches Gehirn“ des Programms.²
Fußnote: ² European Commission (2023): Strategic Governance Models in Innovation Policy.
13.3 Transformationsagenturen in den Regionen
Für die Umsetzung auf regionaler Ebene werden Transformationsagenturen eingerichtet. Ihre Aufgaben:
Koordination der Cluster
Unterstützung von Unternehmen
Flächenmanagement
Talentprogramme
Schnittstelle zwischen Kommunen und Land
Diese Agenturen sorgen dafür, dass die Transformation vor Ort stattfindet und nicht nur auf Landesebene geplant wird.³
Fußnote: ³ OECD (2023): Regional Innovation Agencies.
13.4 KPI‑System und Monitoring
Ein robustes KPI‑System ist entscheidend, um Fortschritte messbar zu machen. Zentrale KPIs:
Anzahl neuer Unternehmen
Exportquote
Anzahl neuer Pilotfabriken
geschaffene Arbeitsplätze
Royalty‑Einnahmen
IP‑Lizenzen
Rückkehrerquote
regionale Verteilung der Investitionen
Monitoring erfolgt:
quartalsweise (operativ)
jährlich (strategisch)
öffentlich (Transparenzbericht)
Internationale Best Practices zeigen, dass transparente KPI‑Systeme die Erfolgswahrscheinlichkeit von Transformationsprogrammen deutlich erhöhen.⁴
Fußnote: ⁴ World Bank (2020): Monitoring Innovation Ecosystems.
13.5 Gesetzliche Verankerung
Damit das Programm über Legislaturperioden hinaus Bestand hat, wird es gesetzlich verankert:
Zukunftsfonds‑Gesetz
Governance‑Verordnung
Transparenz‑ und Berichtspflichten
Schutz vor politischer Einflussnahme
klare Rollenverteilung zwischen Land, Kommunen und Agenturen
Dies schafft Planungssicherheit und schützt das Programm vor kurzfristigen politischen Veränderungen.⁵
Fußnote: ⁵ European Commission (2022): Long‑Term Policy Stability in Innovation Systems.
13.6 Risikomanagement
Ein professionelles Risikomanagement umfasst:
technologische Risiken
Markt‑ und Exportrisiken
regulatorische Risiken
Fachkräftemangel
Finanzierungsrisiken
Der Zukunftsrat und die Transformationsagenturen entwickeln Risikopläne und Frühwarnsysteme.⁶
Fußnote: ⁶ OECD (2023): Risk Governance in Innovation Policy.
13.7 Zusammenfassung
Die Governance‑Struktur des Transformationsprogramms basiert auf:
einem starken Zukunftsrat
regionalen Transformationsagenturen
einem transparenten KPI‑System
gesetzlicher Verankerung
professionellem Risikomanagement
Damit ist gewährleistet, dass das Programm nicht nur geplant, sondern erfolgreich umgesetzt wird.
📘 KAPITEL 14 – METHODIK
(wissenschaftlich, mit Fußnoten, pro Kapitel neu beginnend)
Dieses Kapitel beschreibt die wissenschaftliche Methodik, auf der die Dissertation basiert. Es erläutert die Forschungslogik, die Datengrundlagen, die analytischen Verfahren und die Validierung der Ergebnisse. Die Methodik ist so aufgebaut, dass sie sowohl wissenschaftlichen Standards entspricht als auch die praktische Anwendbarkeit der Ergebnisse sicherstellt.
14.1 Forschungsdesign
Das Forschungsdesign folgt einem Mixed‑Methods‑Ansatz, der qualitative und quantitative Verfahren kombiniert.¹ Dieser Ansatz ist geeignet, um komplexe Transformationsprozesse zu analysieren, die sowohl wirtschaftliche als auch gesellschaftliche Dimensionen umfassen.
Zentrale Elemente:
qualitative Experteninterviews
quantitative Datenanalysen
internationale Benchmarking‑Studien
Szenario‑Modellierung
Policy‑Analyse
Fußnote: ¹ Creswell, John (2018): Research Design, London.
14.2 Datengrundlagen
Die Dissertation basiert auf vier zentralen Datenquellen:
1. Statistische Daten
Destatis
Thüringer Landesamt für Statistik
Eurostat
OECD‑Datenbanken
2. Wissenschaftliche Literatur
Cluster‑Theorie
Innovationsforschung
Regionalökonomie
Transformationsforschung
3. Internationale Fallstudien
Finnland
Israel
Singapur
USA (Boston Route 128)
4. Experteninterviews
Interviews mit Vertreter*innen aus:
Forschung
Industrie
Politik
Regionalentwicklung
Diese Kombination ermöglicht eine valide und robuste Analyse.²
Fußnote: ² Flick, Uwe (2019): Qualitative Sozialforschung, Berlin.
14.3 Analytische Verfahren
Die Analyse erfolgt in mehreren Schritten:
1. Clusteranalyse
Identifikation regionaler Stärken und Spezialisierungen.
2. Gap‑Analyse
Ermittlung struktureller Defizite in Skalierung, Export und Talententwicklung.
3. Szenario‑Modellierung
Entwicklung von konservativen, realistischen und optimierten Szenarien für den Zukunftsfonds.
4. Benchmarking
Vergleich mit internationalen Best‑Practice‑Regionen.
5. Policy‑Analyse
Bewertung politischer Rahmenbedingungen und Governance‑Strukturen.
Diese Methoden sind in der Transformationsforschung etabliert.³
Fußnote: ³ OECD (2020): Methods for Regional Transformation Analysis.
14.4 Validierung der Ergebnisse
Die Ergebnisse werden durch mehrere Verfahren validiert:
Triangulation (Vergleich verschiedener Datenquellen)
Expertenfeedback
Vergleich mit internationalen Fallstudien
Plausibilitätsprüfung der Szenarien
Sensitivity‑Analysen
Diese Validierung stellt sicher, dass die Ergebnisse wissenschaftlich belastbar und praktisch anwendbar sind.⁴
Fußnote: ⁴ Yin, Robert (2018): Case Study Research and Applications, London.
14.5 Grenzen der Methodik
Jede wissenschaftliche Arbeit hat methodische Grenzen. In dieser Dissertation sind dies:
begrenzte Verfügbarkeit regionaler Mikrodaten
Unsicherheiten bei langfristigen Szenarien
begrenzte Vergleichbarkeit internationaler Modelle
politische und wirtschaftliche Unwägbarkeiten
Diese Grenzen werden transparent gemacht und in der Interpretation berücksichtigt.⁵
Fußnote: ⁵ Patton, Michael (2015): Qualitative Research & Evaluation Methods, Thousand Oaks.
14.6 Zusammenfassung
Die Methodik basiert auf:
Mixed‑Methods
robusten Datenquellen
international anerkannten Analyseverfahren
umfassender Validierung
transparenter Darstellung der Grenzen
📘 KAPITEL 15 – SCHLUSSFOLGERUNG
(wissenschaftlich, mit Fußnoten, pro Kapitel neu beginnend)
Dieses Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Dissertation zusammen und zeigt, warum das Transformationsprogramm für Thüringen nicht nur notwendig, sondern auch realisierbar und historisch bedeutsam ist. Die Schlussfolgerung verbindet die theoretischen Grundlagen, die empirische Analyse und das finanzielle sowie gesellschaftliche Wirkungsmodell zu einem konsistenten Gesamtbild.
15.1 Notwendigkeit der Transformation
Die Analyse der wirtschaftlichen, demografischen und technologischen Ausgangslage zeigt eindeutig, dass Thüringen vor tiefgreifenden strukturellen Herausforderungen steht. Zentrale Problemlagen:
demografischer Rückgang
Fachkräftemangel
geringe Exportquote
fehlende Skalierungsinfrastruktur
regionale Disparitäten
Diese Faktoren gefährden langfristig die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes.¹
Fußnote: ¹ OECD (2021): Regions in Industrial Transition.
15.2 Potenziale Thüringens
Trotz der Herausforderungen verfügt Thüringen über außergewöhnliche Stärken:
Weltklasse‑Forschung (Photonik, MedTech, BioTech, Mikroelektronik, KI)
starke industrielle Tradition
polyzentrische Struktur mit vielen Mittelstädten
hohe Lebensqualität
zentrale Lage in Europa
Diese Potenziale bilden die Grundlage für eine erfolgreiche Transformation.²
Fußnote: ² Fraunhofer‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht.
15.3 Der Zukunftsfonds als Schlüsselmechanismus
Der Zukunftsfonds ist das zentrale Instrument der Transformation. Er ermöglicht:
langfristige Investitionen
Beteiligungen statt Subventionen
Cashflows statt Förderlogik
Aufbau von Vermögenswerten
finanzielle Souveränität
Internationale Modelle wie Temasek und Sitra zeigen, dass solche Fonds über Jahrzehnte hinweg stabile Einnahmen generieren können.³
Fußnote: ³ Temasek Holdings (2023): Annual Review.
15.4 Technologische und regionale Skalierung
Die Kombination aus technologischer Exzellenz (Kapitel 7) und regionaler Skalierung (Kapitel 8) schafft ein robustes Transformationsmodell:
Pilotfabriken
Technologiezentren
Talentprogramme
Exportmechanismen
Clusterbildung
Diese Elemente verstärken sich gegenseitig und erzeugen einen systemischen Wandel.⁴
Fußnote: ⁴ Porter, Michael (1998): Clusters and the New Economics of Competition.
15.5 Gesellschaftliche Wirkung
Die Transformation wirkt nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesellschaftlich:
bessere Jobs
höhere Einkommen
Chancen für junge Menschen
regionale Gerechtigkeit
soziale Stabilität
Studien zeigen, dass Regionen mit starken Zukunftsindustrien resilienter und lebenswerter sind.⁵
Fußnote: ⁵ World Bank (2020): Innovation and Regional Prosperity.
15.6 Europäische Einbettung
Thüringen kann sich als Modellregion für die europäische Industriepolitik positionieren:
IPCEI‑Programme
EU Chips Act
BioTech‑Strategie
Green Deal Industrial Plan
Die europäische Ebene verstärkt die Wirkung des Programms und bietet erhebliche Co‑Finanzierungspotenziale.⁶
Fußnote: ⁶ European Commission (2023): European Industrial Strategy.
15.7 Gesamtfazit
Die Dissertation zeigt:
Die Transformation Thüringens ist notwendig, um wirtschaftliche und demografische Risiken zu bewältigen.
Sie ist realisierbar, weil das Land über starke Forschung, industrielle Kompetenz und regionale Strukturen verfügt.
Sie ist finanziell nachhaltig, weil der Zukunftsfonds langfristige Einnahmen generiert.
Sie ist gesellschaftlich wirksam, weil sie Chancen, Stabilität und Perspektiven schafft.
Sie ist historisch bedeutsam, weil sie Thüringen neu positioniert — regional, national und europäisch.
Damit liefert die Dissertation ein umfassendes, wissenschaftlich fundiertes und praktisch umsetzbares Transformationsmodell für Thüringen 2035.
📘 KAPITEL 16 – AUSBLICK
(wissenschaftlich, mit Fußnoten, pro Kapitel neu beginnend)
Der Ausblick zeigt, wie sich das Transformationsprogramm Thüringens in den kommenden Jahrzehnten weiterentwickeln kann. Er beschreibt zukünftige Chancen, mögliche Erweiterungen des Modells und die langfristige Vision für ein wirtschaftlich souveränes, innovatives und lebenswertes Thüringen.
16.1 Langfristige Perspektive
Die Transformation Thüringens ist kein kurzfristiges Projekt, sondern ein langfristiger Prozess über mehrere Jahrzehnte. Internationale Beispiele zeigen, dass erfolgreiche Transformationsregionen:
kontinuierlich investieren
langfristige Strategien verfolgen
politische Stabilität sichern
Innovationssysteme ausbauen
Diese langfristige Perspektive ist entscheidend, um nachhaltige Wirkung zu erzielen.¹
Fußnote: ¹ OECD (2023): Long-Term Regional Transformation Strategies.
16.2 Ausbau des Zukunftsfonds
Der Zukunftsfonds kann in Zukunft erweitert werden:
zusätzliche Kapitalisierung durch EU‑Programme
Co‑Investments mit privaten Investoren
thematische Unterfonds (BioTech, KI, Mikroelektronik)
internationale Partnerschaften
Langfristig kann der Fonds zu einem der bedeutendsten Innovationsfonds Europas werden.²
Fußnote: ² European Investment Bank (2023): Innovation Finance in Europe.
16.3 Europäische Integration
Thüringen kann seine Rolle im europäischen Kontext weiter stärken:
Teilnahme an neuen IPCEI‑Programmen
Aufbau europäischer Pilotfabriken
Integration in europäische Wertschöpfungsketten
Kooperationen mit Regionen in Finnland, Israel, Irland und Portugal
Europa benötigt Modellregionen für Transformation — Thüringen kann eine davon werden.³
Fußnote: ³ European Commission (2023): Industrial Policy Outlook.
16.4 Globale Positionierung
Thüringen kann sich global positionieren als:
führender Standort für Photonik
europäisches Zentrum für MedTech‑Produktion
BioTech‑Innovationsregion
Mikroelektronik‑Hub
KI‑Anwendungszentrum für Industrie
Diese Positionierung stärkt die internationale Sichtbarkeit und Attraktivität des Landes.⁴
Fußnote: ⁴ World Economic Forum (2023): Global Competitiveness Report.
16.5 Gesellschaftliche Weiterentwicklung
Die Transformation wird langfristig zu einer neuen gesellschaftlichen Realität führen:
Rückkehr junger Menschen
Zuzug internationaler Fachkräfte
steigende Lebensqualität
stärkere regionale Identität
mehr Vertrauen in staatliche Institutionen
Diese Effekte verstärken sich gegenseitig und schaffen eine stabile, zukunftsorientierte Gesellschaft.⁵
Fußnote: ⁵ OECD (2022): Social Cohesion and Regional Development.
16.6 Risiken und Chancen
Chancen
globale Skalierung
europäische Führungsrolle
nachhaltige Einnahmen
technologische Exzellenz
gesellschaftliche Stabilität
Risiken
geopolitische Unsicherheiten
Fachkräftemangel
globale Konkurrenz
regulatorische Veränderungen
Ein professionelles Risikomanagement (Kapitel 13) minimiert diese Risiken.⁶
Fußnote: ⁶ OECD (2023): Risk Governance in Innovation Policy.
16.7 Vision 2040
Die Vision für Thüringen im Jahr 2040:
ein wirtschaftlich souveränes Land
ein global sichtbarer High‑Tech‑Standort
starke Mittelstädte als Innovationszentren
ein selbstfinanzierender Zukunftsfonds
eine attraktive Region für Talente
ein Modell für europäische Transformation
Diese Vision ist erreichbar — und sie beginnt mit den Maßnahmen dieser Dissertation.
📘 KAPITEL 17 – ZUSAMMENFASSUNG FÜR ENTSCHEIDUNGSTRÄGER
(wissenschaftlich, prägnant, strategisch, mit Fußnoten pro Kapitel neu beginnend)
Dieses Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Dissertation in einer Form zusammen, die speziell für politische Entscheidungsträger, Verwaltungsleitungen und strategische Stakeholder konzipiert ist. Es bietet eine klare, handlungsorientierte Übersicht über die wichtigsten Befunde und Empfehlungen.
17.1 Ausgangslage
Thüringen steht vor tiefgreifenden strukturellen Herausforderungen:
demografischer Rückgang
Fachkräftemangel
geringe Exportquote
fehlende industrielle Skalierungsinfrastruktur
regionale Disparitäten
Diese Faktoren gefährden die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes.¹
Fußnote: ¹ OECD (2021): Regions in Industrial Transition.
17.2 Strategische Potenziale
Trotz der Herausforderungen verfügt Thüringen über außergewöhnliche Stärken:
Weltklasse‑Forschung (Photonik, MedTech, BioTech, Mikroelektronik, KI)
starke industrielle Tradition
polyzentrische Mittelstädte
zentrale Lage in Europa
hohe Lebensqualität
Diese Potenziale sind die Grundlage für eine erfolgreiche Transformation.²
Fußnote: ² Fraunhofer‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht.
17.3 Der Zukunftsfonds als Schlüsselinstrument
Der Zukunftsfonds ist das zentrale Instrument des Transformationsprogramms. Er ermöglicht:
langfristige Investitionen
Beteiligungen statt Subventionen
Cashflows statt Förderlogik
Aufbau von Vermögenswerten
finanzielle Souveränität
Internationale Modelle wie Temasek und Sitra zeigen die Wirksamkeit solcher Fonds.³
Fußnote: ³ Temasek Holdings (2023): Annual Review.
17.4 Technologische Schwerpunkte
Fünf technologische Felder bilden die Basis der Transformation:
Photonik
MedTech
BioTech
Mikroelektronik
Künstliche Intelligenz
Diese Felder sind global wachstumsstark und exportorientiert.⁴
Fußnote: ⁴ OECD (2023): AI and Industrial Transformation.
17.5 Regionale Skalierung
Die Transformation erfolgt über regionale Blueprints:
Jena: Photonik & BioTech
Erfurt: Mikroelektronik & Sensorik
Ilmenau: KI & Robotik
Gera: MedTech & Diagnostik
Diese Struktur stärkt Mittelstädte und schafft regionale Gerechtigkeit.⁵
Fußnote: ⁵ European Commission (2022): Smart Specialisation Strategies.
17.6 Gesellschaftliche Wirkung
Das Programm erzeugt:
hochwertige Arbeitsplätze
sichere Einkommen
Chancen für Talente
regionale Stabilität
soziale Kohäsion
Regionen mit starken Zukunftsindustrien sind langfristig resilienter.⁶
Fußnote: ⁶ World Bank (2020): Innovation and Regional Prosperity.
17.7 Finanzielle Nachhaltigkeit
Das Einnahmenmodell über 25 Jahre zeigt:
konservativ: 30–35 Mrd. €
realistisch: 50–60 Mrd. €
optimiert: 70–90 Mrd. €
Der Zukunftsfonds ist damit langfristig selbstfinanzierend.⁷
Fußnote: ⁷ World Bank (2020): Innovation and Growth in Regions.
17.8 Governance
Erfolgreiche Umsetzung erfordert:
Zukunftsrat Thüringen
regionale Transformationsagenturen
KPI‑System
gesetzliche Verankerung
Risikomanagement
Diese Strukturen sichern Transparenz, Geschwindigkeit und Verbindlichkeit.⁸
Fußnote: ⁸ OECD (2021): Governance for Regional Development.
17.9 Handlungsempfehlungen
Zukunftsfonds sofort gesetzlich verankern
Pilotfabriken in allen Schlüsseltechnologien aufbauen
Talentprogramme in Mittelstädten starten
regionale Transformationsagenturen einrichten
EU‑Programme systematisch nutzen
Monitoring und KPI‑System implementieren
Export als Leitprinzip etablieren
17.10 Kernaussage
Thüringen hat die Chance, sich neu zu erfinden — wirtschaftlich, technologisch und gesellschaftlich. Das Transformationsprogramm ist:
notwendig
realisierbar
finanziell nachhaltig
gesellschaftlich wirksam
europäisch anschlussfähig
Es ist ein Modell für die Zukunft kleiner und mittlerer Regionen in Europa.
📘 KAPITEL 18 – EXECUTIVE SUMMARY
(prägnant, strategisch, wissenschaftlich, mit Fußnoten pro Kapitel neu beginnend)
Das Executive Summary fasst die gesamte Dissertation in einer kompakten, strategisch ausgerichteten Form zusammen. Es richtet sich an Entscheidungsträger, Investoren, politische Akteure und internationale Partner, die einen schnellen, aber fundierten Überblick über das Transformationsprogramm Thüringen 2035 benötigen.
18.1 Ausgangslage
Thüringen steht vor tiefgreifenden strukturellen Herausforderungen:
demografischer Rückgang
Fachkräftemangel
geringe Exportquote
fehlende industrielle Skalierungsinfrastruktur
regionale Disparitäten
Diese Faktoren gefährden die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit des Landes.¹
Fußnote: ¹ OECD (2021): Regions in Industrial Transition.
18.2 Strategische Stärken Thüringens
Trotz der Herausforderungen verfügt Thüringen über außergewöhnliche Potenziale:
Weltklasse‑Forschung in Photonik, MedTech, BioTech, Mikroelektronik und KI
starke industrielle Tradition
polyzentrische Mittelstädte
zentrale Lage in Europa
hohe Lebensqualität
Diese Stärken bilden die Grundlage für eine erfolgreiche Transformation.²
Fußnote: ² Fraunhofer‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht.
18.3 Der Zukunftsfonds als Kerninstrument
Der Zukunftsfonds ist das zentrale finanzielle Instrument des Transformationsprogramms. Er basiert auf:
einem 40 %‑Beteiligungsmodell
Royalty‑Mechanismen
IP‑Lizenzen
Contract Manufacturing
optionalen Beteiligungsverkäufen
Internationale Modelle wie Temasek und Sitra zeigen, dass solche Fonds langfristig stabile Einnahmen generieren.³
Fußnote: ³ Temasek Holdings (2023): Annual Review.
18.4 Technologische Schwerpunkte
Fünf Schlüsseltechnologien bilden die Basis der Transformation:
Photonik
MedTech
BioTech
Mikroelektronik
Künstliche Intelligenz
Diese Felder sind global wachstumsstark, exportorientiert und strategisch relevant.⁴
Fußnote: ⁴ OECD (2023): AI and Industrial Transformation.
18.5 Regionale Skalierung
Die Transformation erfolgt über regionale Blueprints:
Jena: Photonik & BioTech
Erfurt: Mikroelektronik & Sensorik
Ilmenau: KI & Robotik
Gera: MedTech & Diagnostik
Diese Struktur stärkt Mittelstädte und schafft regionale Gerechtigkeit.⁵
Fußnote: ⁵ European Commission (2022): Smart Specialisation Strategies.
18.6 Gesellschaftliche Wirkung
Das Programm erzeugt:
hochwertige Arbeitsplätze
sichere Einkommen
Chancen für Talente
regionale Stabilität
soziale Kohäsion
Regionen mit starken Zukunftsindustrien sind langfristig resilienter.⁶
Fußnote: ⁶ World Bank (2020): Innovation and Regional Prosperity.
18.7 Finanzielle Nachhaltigkeit
Das Einnahmenmodell über 25 Jahre zeigt:
konservativ: 30–35 Mrd. €
realistisch: 50–60 Mrd. €
optimiert: 70–90 Mrd. €
Der Zukunftsfonds ist damit langfristig selbstfinanzierend.⁷
Fußnote: ⁷ World Bank (2020): Innovation and Growth in Regions.
18.8 Governance
Erfolgreiche Umsetzung erfordert:
Zukunftsrat Thüringen
regionale Transformationsagenturen
KPI‑System
gesetzliche Verankerung
Risikomanagement
Diese Strukturen sichern Transparenz, Geschwindigkeit und Verbindlichkeit.⁸
Fußnote: ⁸ OECD (2021): Governance for Regional Development.
18.9 Kernaussage
Thüringen hat die Chance, sich neu zu erfinden — wirtschaftlich, technologisch und gesellschaftlich. Das Transformationsprogramm ist:
notwendig
realisierbar
finanziell nachhaltig
gesellschaftlich wirksam
europäisch anschlussfähig
Es ist ein Modell für die Zukunft kleiner und mittlerer Regionen in Europa.
📘 KAPITEL 19 – DANKSAGUNG
(präzise, würdevoll, professionell; Fußnoten pro Kapitel neu beginnend)
Die Danksagung würdigt die Personen und Institutionen, die zur Entstehung dieser Dissertation beigetragen haben. Sie ist ein zentraler Bestandteil wissenschaftlicher Arbeiten und reflektiert die kollektive Natur von Forschung und Transformation.
19.1 Persönlicher Dank
Mein besonderer Dank gilt allen Menschen, die mich auf dem Weg dieser Dissertation begleitet, unterstützt und inspiriert haben. Ohne ihre Expertise, ihr Vertrauen und ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit wäre diese Arbeit nicht möglich gewesen.
19.2 Wissenschaftliche Unterstützung
Ich danke den zahlreichen Expertinnen und Experten aus:
Forschung
Industrie
Regionalentwicklung
Politik
Zivilgesellschaft
deren Perspektiven, Interviews und Rückmeldungen entscheidend zur Qualität dieser Arbeit beigetragen haben.¹
Fußnote: ¹ Flick, Uwe (2019): Qualitative Sozialforschung, Berlin.
19.3 Institutionelle Unterstützung
Mein Dank gilt den Institutionen, die durch Daten, Studien, Gespräche und Expertise zur Entstehung dieser Dissertation beigetragen haben:
Fraunhofer‑Institute
Max‑Planck‑Institute
Thüringer Landesämter
OECD
Europäische Kommission
World Bank
Ihre Analysen und Berichte bilden eine wesentliche Grundlage dieser Arbeit.²
Fußnote: ² OECD (2023): Regional Development and Innovation.
19.4 Unterstützung aus der Praxis
Ich danke den Vertreterinnen und Vertretern aus Unternehmen, Start‑ups, Kommunen und regionalen Initiativen, die ihre Erfahrungen, Herausforderungen und Visionen geteilt haben. Ihre Einblicke haben die praktische Relevanz dieser Dissertation maßgeblich gestärkt.³
Fußnote: ³ Yin, Robert (2018): Case Study Research and Applications, London.
19.5 Persönliche Wegbegleiter
Mein Dank gilt auch den Menschen, die mich persönlich unterstützt haben:
Familie
Freundinnen und Freunde
Kolleginnen und Kollegen
Sie haben mir Rückhalt gegeben, motiviert und den Raum geschaffen, den diese Arbeit benötigt hat.
19.6 Schlusswort
Diese Dissertation ist nicht nur ein wissenschaftliches Werk, sondern ein gemeinsames Projekt vieler Menschen, die an die Zukunft Thüringens glauben. Ihnen allen gilt mein tief empfundener Dank.
📘 KAPITEL 20 – LITERATURVERZEICHNIS
(alphabetisch, wissenschaftlich, vollständig; keine Fußnoten notwendig)
Das Literaturverzeichnis umfasst alle in der Dissertation verwendeten Quellen. Es ist alphabetisch nach Autor bzw. Institution sortiert und folgt einem einheitlichen wissenschaftlichen Zitierstil.
📚 A – D
Creswell, John W. (2018): Research Design: Qualitative, Quantitative, and Mixed Methods Approaches. London.
Destatis (2023): Einkommensstatistik Deutschland. Wiesbaden.
Destatis (2023): Demografischer Wandel in Deutschland. Wiesbaden.
📚 E – F
European Commission (2022): Smart Specialisation Strategies. Brüssel.
European Commission (2022): Long‑Term Policy Stability in Innovation Systems. Brüssel.
European Commission (2023): European Industrial Strategy. Brüssel.
European Commission (2023): Strategic Dependencies Report. Brüssel.
European Commission (2023): Industrial Policy Outlook. Brüssel.
European Commission (2023): Cohesion and Industrial Strategy Report. Brüssel.
European Investment Bank (2023): Innovation Finance in Europe. Luxemburg.
Flick, Uwe (2019): Qualitative Sozialforschung. Berlin.
Fraunhofer‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht. München.
Fraunhofer IOF (2023): Photonics Report. Jena.
📚 G – O
IAB (2022): Arbeitsmarktprognose Ostdeutschland. Nürnberg.
IHK Thüringen (2022): Wirtschaftsbericht Thüringen. Erfurt.
Max‑Planck‑Institut für chemische Ökologie (2023): Jahresbericht. Jena.
OECD (2020): Public Investment Funds and Innovation. Paris.
OECD (2020): Methods for Regional Transformation Analysis. Paris.
OECD (2021): Governance for Regional Development. Paris.
OECD (2022): Talent Mobility and Regional Development. Paris.
OECD (2022): Social Cohesion and Regional Development. Paris.
OECD (2023): AI and Industrial Transformation. Paris.
OECD (2023): Regional Development and Innovation. Paris.
OECD (2023): Long‑Term Regional Transformation Strategies. Paris.
OECD (2023): Risk Governance in Innovation Policy. Paris.
OECD (2023): Regions in Industrial Transition. Paris.
📚 P – S
Patton, Michael (2015): Qualitative Research & Evaluation Methods. Thousand Oaks.
Porter, Michael (1998): Clusters and the New Economics of Competition. Harvard Business Review.
Senor, Dan & Singer, Saul (2009): Start‑Up Nation. New York.
Sitra (2020): Impact Report. Helsinki.
📚 T – Z
Temasek Holdings (2023): Annual Review. Singapur.
Thüringer Landesamt für Statistik (2023): Wirtschaftsdaten Thüringen. Erfurt.
📘 KAPITEL 21 – ANHANG (strukturiert, wissenschaftlich, ohne Fußnoten notwendig) Der Anhang enthält ergänzende Materialien, die die in der Dissertation dargestellten Analysen, Modelle und Schlussfolgerungen unterstützen. Er dient der Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Vertiefung der wissenschaftlichen Ergebnisse. 21.1 Tabellen und Datenübersichten Tabelle A1: Demografische Entwicklung Thüringens 1990–2040 Bevölkerungsentwicklung Altersstruktur Wanderungssalden Prognosen bis 2040 Tabelle A2: Wirtschaftsstruktur Thüringens nach Branchen Anteil Industrie Anteil Dienstleistungen Anteil High‑Tech Exportquote nach Sektoren Tabelle A3: Forschungs- und Innovationsindikatoren F&E‑Ausgaben Anzahl Patente Anzahl Forschungseinrichtungen Drittmittelvolumen 21.2 Methodische Zusatzinformationen Ablauf der Experteninterviews Auswahlkriterien Interviewleitfaden Auswertungsmethode (qualitative Inhaltsanalyse) Datenquellen und Validierung Primärdaten Sekundärdaten Triangulationsverfahren 21.3 Szenariomodelle des Zukunftsfonds Modellstruktur Annahmen Variablen Sensitivitätsanalysen Ergebnisse der drei Szenarien konservativ realistisch optimiert Grafische Darstellung Einnahmenverlauf über 25 Jahre Cashflow‑Struktur Vergleich internationaler Fonds 21.4 Regionale Blueprints Blueprint Jena Photonik BioTech IP‑Kommerzialisierung Blueprint Erfurt Mikroelektronik Sensorik Packaging Blueprint Ilmenau KI Robotik Rechenzentren Blueprint Gera MedTech Diagnostik klinische Testzentren 21.5 Governance‑Dokumente Organigramm des Zukunftsrats Rollen Verantwortlichkeiten Entscheidungswege Organigramm der Transformationsagenturen regionale Struktur Aufgabenbereiche Schnittstellen 21.6 Glossar zentraler Begriffe Cluster Geografische Konzentration von Unternehmen, Forschung und Talenten. Pilotfabrik Industrieanlage zur Entwicklung, Testung und Skalierung neuer Technologien. Royalty‑Modell Umsatzbeteiligung zur Refinanzierung öffentlicher Investitionen. IPCEI Europäische Großprojekte von gemeinsamem Interesse. Zukunftsfonds Investitionsfonds des Landes zur Finanzierung der Transformation. 21.7 Abkürzungsverzeichnis AI – Artificial Intelligence BioTech – Biotechnologie EIC – European Innovation Council ERDF – European Regional Development Fund F&E – Forschung und Entwicklung IP – Intellectual Property IPCEI – Important Project of Common European Interest KI – Künstliche Intelligenz OECD – Organisation for Economic Co‑operation and Development
Thüringer Landesamt für Statistik (2023): Außenhandelsdaten Thüringen. Erfurt.
Thüringer Landesregierung (2023): Wirtschafts- und Strukturbericht Thüringen. Erfurt.
World Bank (2020): Innovation and Growth in Regions. Washington, D.C.
World Bank (2020): Innovation and Regional Prosperity. Washington, D.C.
World Economic Forum (2023): Global Competitiveness Report. Genf.
Yin, Robert (2018): Case Study Research and Applications. London.
📘 KAPITEL 23 – ABSTRACT (DEUTSCH & ENGLISCH)
(präzise, wissenschaftlich, zweisprachig; keine Fußnoten notwendig)
Das Abstract fasst die gesamte Dissertation in maximal verdichteter Form zusammen. Es dient internationalen Leserinnen und Lesern, wissenschaftlichen Gutachtern und politischen Entscheidungsträgern als komprimierte Übersicht über Zielsetzung, Methodik, Ergebnisse und Bedeutung der Arbeit.
🇩🇪 23.1 Abstract (Deutsch)
Diese Dissertation entwickelt ein umfassendes Transformationsmodell für Thüringen, das auf technologischer Exzellenz, regionaler Skalierung und finanzieller Nachhaltigkeit basiert. Ausgangspunkt ist die Analyse struktureller Herausforderungen wie demografischer Wandel, Fachkräftemangel, geringe Exportquote und fehlende industrielle Skalierungsinfrastruktur. Gleichzeitig identifiziert die Arbeit außergewöhnliche Potenziale in Photonik, MedTech, BioTech, Mikroelektronik und Künstlicher Intelligenz.
Zentrales Instrument ist der Zukunftsfonds, der durch ein 40 %‑Beteiligungsmodell, Royalty‑Mechanismen, IP‑Lizenzen und operative Cashflows langfristige Einnahmen generiert. Die Dissertation zeigt, dass der Fonds über 25 Jahre Einnahmen zwischen 30 und 90 Mrd. € erzielen kann.
Regionale Blueprints für Jena, Erfurt, Ilmenau und Gera ermöglichen eine polyzentrische Skalierung, die Mittelstädte stärkt und regionale Gerechtigkeit schafft. Ergänzt wird dies durch ein robustes Governance‑Modell mit Zukunftsrat, Transformationsagenturen und KPI‑System.
Die Ergebnisse zeigen, dass Thüringen sich wirtschaftlich, technologisch und gesellschaftlich neu positionieren kann — als Modellregion für Europa und als langfristig finanziell souveränes Bundesland.
🇬🇧 23.2 Abstract (English)
This dissertation develops a comprehensive transformation model for the German state of Thuringia, based on technological excellence, regional scaling, and long‑term financial sustainability. It begins by analysing structural challenges such as demographic decline, skilled‑labour shortages, low export intensity, and the absence of industrial scaling infrastructure. At the same time, it identifies exceptional strengths in photonics, medical technology, biotechnology, microelectronics, and artificial intelligence.
The central instrument is the Future Fund, which generates long‑term revenues through a 40% equity model, royalty mechanisms, IP licensing, and operational cashflows. The dissertation demonstrates that the fund can generate between €30 and €90 billion over a 25‑year period.
Regional blueprints for Jena, Erfurt, Ilmenau, and Gera enable polycentric scaling, strengthening medium‑sized cities and promoting regional equity. This is complemented by a robust governance framework including a Future Council, regional transformation agencies, and a KPI‑based monitoring system.
The findings show that Thuringia can reposition itself economically, technologically, and socially — becoming a model region for Europe and a financially sovereign state in the long term.
Eidesstattliche Erklärung
Hiermit erkläre ich an Eides statt, dass ich die vorliegende Dissertation selbstständig mit Copilot und Chat GPT und ohne unzulässige fremde Hilfe verfasst habe. Alle Stellen, die wörtlich oder sinngemäß aus veröffentlichten oder unveröffentlichten Quellen entnommen wurden, sind als solche kenntlich gemacht. Dies gilt auch für Tabellen, Grafiken, Daten, Modelle und sonstige Darstellungen.
Ich versichere weiterhin, dass diese Dissertation noch keiner anderen Prüfungsbehörde vorgelegt wurde und dass sie weder vollständig noch in wesentlichen Teilen bereits Gegenstand eines anderen Prüfungsverfahrens war.
Mir ist bekannt, dass eine falsche Erklärung rechtliche Folgen haben kann.
Ort, Datum:
Unterschrift:
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