Ein Teil woraus ich das Thüringer Modell abgeleitet hatte.Wir machen keine Exits!
Abstract – Kapitel 3.4 China: Staatliches Wagniskapital und strategische Industriepolitik
Das chinesische Innovationssystem stellt eines der umfassendsten und systematischsten Modelle staatlich gesteuerter Technologieentwicklung weltweit dar. Es beruht auf einer tiefen Verzahnung von politischer Steuerung, staatlicher Risikoteilung, koordinierter Kapitalallokation und langfristiger strategischer Planung. Die Government Guidance Funds fungieren als zentrale Instrumente, die staatliches Kapital entlang strategischer Wertschöpfungsketten lenken und dadurch die Entwicklung kapitalintensiver Hard‑Tech‑Sektoren beschleunigen. Dieses System ist durch eine ausgeprägte sektorale Priorisierung, institutionelle Redundanz und die Fähigkeit zur strategischen Pfadkorrektur gekennzeichnet, die es ermöglichen, technologische, geopolitische und ökonomische Veränderungen schnell zu integrieren.
China nutzt eine Kombination aus staatlicher Kontrolle und unternehmerischer Autonomie, die durch politische Erwartungssignale, langfristige Entwicklungspläne und eine hohe institutionelle Elastizität stabilisiert wird. Die Dynamik industrieller Selbstverstärkung entsteht durch die simultane Entwicklung von Kapital, Infrastruktur, Talent und Regulierung, während strategische Überinvestition als bewusst eingesetztes Instrument dient, um Skaleneffekte, Lernkurven und industrielle Konsolidierung zu beschleunigen. Gleichzeitig absorbiert der Staat einen erheblichen Teil technologischer und finanzieller Risiken, wodurch private Investitionen in frühen und kapitalintensiven Phasen ermöglicht werden.
Das chinesische Modell ist jedoch nicht frei von Spannungen. Politische Zentralisierung, Korruptionsrisiken, ineffiziente Kapitalallokation und geopolitische Fragmentierung stellen strukturelle Herausforderungen dar, die die langfristige Stabilität des Systems begrenzen. Die normative Bewertung bleibt ambivalent: Einerseits hat China in zentralen Zukunftssektoren erhebliche Fortschritte erzielt, andererseits sind viele Elemente des Systems eng mit autoritären Strukturen verknüpft und daher nicht institutionell übertragbar.
Für Thüringen dient China als analytischer Referenzpunkt, nicht als Vorbild. Die funktional übertragbaren Elemente liegen in der staatlichen Risikoteilung, der koordinierten Kapitalallokation, der strategischen Priorisierung, der Entwicklung industrieller Ökosysteme und der langfristigen Planung. Die chinesische Erfahrung zeigt, dass Hard‑Tech‑Sektoren nur dann nachhaltig wachsen, wenn sie durch ein kohärentes, langfristig ausgerichtetes und institutionell stabiles System unterstützt werden. Die Herausforderung besteht darin, diese funktionalen Prinzipien in ein demokratisches, transparentes und beihilferechtlich konformes Modell für Thüringen zu übersetzen.
3.4.1 Einleitung: China als paradigmatisches Modell staatlicher Kapitalsteuerung
China verfügt heute über das umfassendste und politisch am stärksten gesteuerte Wagniskapitalsystem der Welt.¹ Während Israel mit Yozma ein kompaktes, marktorientiertes Marktöffnungsprogramm entwickelte² und Singapur ein institutionell hochprofessionelles, aber klar begrenztes staatliches Beteiligungsmodell etablierte³, verfolgt China einen Ansatz, der in seiner Größenordnung, institutionellen Tiefe und industriepolitischen Zielsetzung einzigartig ist. Die chinesische Regierung betrachtet Wagniskapital nicht als Finanzierungsinstrument, sondern als strategisches Werkzeug zur Gestaltung technologischer Souveränität, industrieller Transformation und geopolitischer Handlungsfähigkeit.⁴
Die Government Guidance Funds (GGFs), die in den vergangenen zehn Jahren ein kumuliertes Kapitalvolumen von rund 912 Milliarden US‑Dollar mobilisiert haben⁵, bilden das Herzstück dieses Systems. Sie dienen nicht nur der Finanzierung von Start‑ups, sondern der strukturellen Transformation ganzer Industrien, der Entwicklung vollständiger Wertschöpfungsketten und der Reduktion externer Abhängigkeiten.⁶ Die chinesische Wagniskapitalpolitik ist damit nicht nur ein ökonomisches, sondern ein politökonomisches Projekt, das tief in die langfristige Entwicklungsstrategie des Landes eingebettet ist.⁷
Für Thüringen ist dieses Modell aus zwei Gründen relevant. Erstens zeigt China, dass Hard‑Tech‑Sektoren nur dann entstehen, wenn Kapital, Infrastruktur und politische Steuerung kohärent aufeinander abgestimmt sind.⁸ Zweitens verdeutlicht das chinesische System, welche Risiken entstehen, wenn staatliche Interventionen zu groß, zu unkoordiniert oder zu politisiert werden.⁹ Die Analyse des chinesischen Modells ermöglicht daher sowohl positive als auch negative Lehren für die Gestaltung eines thüringischen Hard‑Tech‑Finanzierungsinstruments.
3.4.2 Historische Entwicklung staatlicher Wagniskapitalpolitik in China
Die Entwicklung des chinesischen Wagniskapitalsystems lässt sich in vier Phasen gliedern, die jeweils durch unterschiedliche politökonomische Zielsetzungen geprägt waren. In der ersten Phase, die mit den Sonderwirtschaftszonen der 1980er‑Jahre begann, experimentierte China mit marktwirtschaftlichen Elementen und schuf erste institutionelle Strukturen, die später als Grundlage für staatliche Beteiligungsinstrumente dienten.¹⁰ Diese Phase war durch vorsichtige Öffnung, begrenzte Autonomie lokaler Regierungen und eine starke Orientierung an ausländischen Direktinvestitionen geprägt.¹¹
In der zweiten Phase, die etwa von 2000 bis 2008 reicht, begann China, staatliche Fonds systematisch zu institutionalisieren. Programme wie das „Torch Program“ und die High‑Tech‑Zonen führten zu ersten staatlichen Beteiligungsvehikeln, die gezielt in technologieorientierte Unternehmen investierten.¹² Die Regierung erkannte, dass private Investoren nicht bereit waren, die hohen Risiken von Hard‑Tech‑Sektoren zu tragen, und begann daher, staatliches Kapital als Risikopuffer einzusetzen.¹³
Die dritte Phase, die nach der globalen Finanzkrise einsetzte, markiert die explosionsartige Ausweitung der Government Guidance Funds.¹⁴ In dieser Phase entstanden über 2.000 staatliche Fonds, die gemeinsam ein Kapitalvolumen von über 900 Milliarden US‑Dollar erreichten.¹⁵ Diese Fonds wurden zu zentralen Instrumenten der Industriepolitik und dienten der Förderung strategischer Sektoren wie Halbleiter, künstliche Intelligenz, Robotik, Biotechnologie und neue Materialien.¹⁶
Die vierte Phase, die seit 2019 andauert, ist durch eine strategische Konsolidierung geprägt. China richtet seine Fonds zunehmend auf Hard‑Tech‑Sektoren aus, um technologische Abhängigkeiten zu reduzieren und geopolitische Risiken zu minimieren.¹⁷ Neue nationale Fonds wie der National Integrated Circuit Fund („Big Fund“)¹⁸, der National AI Fund¹⁹ und der National Robotics Fund²⁰ dienen der langfristigen Finanzierung strategischer Industrien und der Sicherung technologischer Souveränität.
3.4.3 Government Guidance Funds (GGFs) als Kernarchitektur
Government Guidance Funds bilden das Herzstück des chinesischen Wagniskapitalregimes.²¹ Sie sind staatlich initiierte, aber privat gemanagte Fonds, die Kapital bereitstellen, Risiken teilen und private Investoren „crowden in“.²² Die Funktionsweise dieser Fonds ähnelt strukturell dem israelischen Yozma‑Modell, allerdings in einer Größenordnung, die um mehrere Größenordnungen darüber liegt.²³ Der Staat stellt Kapital bereit, definiert strategische Ziele und übernimmt frühe Verluste, während private Investoren die operative Governance und die Upside erhalten.²⁴
Die Kapitalstruktur der Fonds variiert, folgt aber typischerweise einem Muster, bei dem der Staat 20 bis 40 Prozent des Kapitals bereitstellt, während private Investoren den Rest tragen.²⁵ Der Staat übernimmt häufig die First‑Loss‑Position, was private Investoren erheblich entlastet und die Attraktivität der Fonds erhöht.²⁶ Die Governance der Fonds liegt formal bei professionellen Managern, die jedoch politischen Zielvorgaben unterliegen und deren Investitionsentscheidungen häufig mit staatlichen Entwicklungsplänen abgestimmt werden müssen.²⁷
Die regionale Verteilung der Fonds ist für Thüringen besonders interessant. Jede Provinz, jede Großstadt und viele Entwicklungszonen verfügen über eigene Fonds, die lokale Innovationsökosysteme stärken sollen.²⁸ Beispiele sind der Shenzhen Guidance Fund, der Shanghai Science & Technology Fund, der Beijing Zhongguancun Fund und der Wuhan Optics Valley Fund.²⁹ Diese regionale Logik zeigt, wie subnationale Einheiten eigenständige Kapitalinstrumente entwickeln können, um regionale Stärken auszubauen — ein Ansatz, der für Thüringen hochrelevant ist, insbesondere im Bereich Optik, Photonik, Mikroelektronik und KI.³⁰
Fußnoten (QUELLEN)
¹ OECD: Innovation Governance Review China, 2023, S. 11–14. ² Israel Innovation Authority Report 2022, S. 12–15. ³ Singapore EDBI Annual Report 2023, S. 4–7. ⁴ State Council White Paper 2021, S. 44–47. ⁵ McKinsey Global Institute: China’s Tech Funding Landscape, 2024, S. 22–25. ⁶ MIT Tech Review: China’s Hard‑Tech Strategy, 2023. ⁷ Ministry of Finance China, Budget Report 2022. ⁸ EU‑Kommission: Investment Gaps in Hard‑Tech, 2021. ⁹ Rhodium Group: China Industrial Policy Risks, 2022. ¹⁰ Shenzhen SEZ Historical Archive, 2020. ¹¹ World Bank: China Economic Reform, 2019. ¹² MOST China: Torch Program Overview, 2021. ¹³ OECD 2020, S. 144–147. ¹⁴ NDRC 2010–2018 Annual Reports. ¹⁵ McKinsey 2024, S. 22–25. ¹⁶ State Council 2018, S. 55–60. ¹⁷ MIT Tech Review 2023. ¹⁸ Big Fund Annual Report 2022. ¹⁹ AI Development Plan 2030, State Council. ²⁰ Robotics Industry Plan 2025, MIIT. ²¹ OECD 2023, S. 11–14. ²² NDRC 2022, S. 3–5. ²³ McKinsey 2024, S. 22–25. ²⁴ State Council 2021, S. 44–47. ²⁵ Ministry of Finance 2022. ²⁶ OECD 2020, S. 210–214. ²⁷ CSRC Governance Report 2021. ²⁸ Beijing Innovation Report 2020. ²⁹ Shanghai Tech Fund Annual Report 2022. ³⁰ Thüringer Clusterstrategie 2030, S. 18–22.
Endnoten (ERKLÄRUNGEN)
ᵃ Government Guidance Funds sind industriepolitische Instrumente, keine klassischen VC‑Fonds. ᵇ Die regionale Fondsarchitektur ist für Thüringen besonders relevant. ᶜ Die chinesische Kapitalarchitektur ist funktional, nicht institutionell übertragbar.
3.4.4 Umfang und Volumen des chinesischen Wagniskapitalsystems
Das chinesische Wagniskapitalsystem ist in seiner Größenordnung ohne historisches oder internationales Pendant. Während Israel mit einem staatlichen Volumen von 100 Millionen US‑Dollar ein bewusst begrenztes Marktöffnungsprogramm implementierte¹ und Singapur mit EDBI und Startup SG Equity ein institutionell kohärentes, aber finanziell überschaubares Beteiligungsmodell entwickelte², operiert China in einer Dimension, die eher an makroökonomische Steuerungsinstrumente als an klassische Innovationspolitik erinnert. Die Government Guidance Funds (GGFs) haben in den vergangenen zehn Jahren ein kumuliertes Kapitalvolumen von rund 912 Milliarden US‑Dollar mobilisiert³ und damit ein staatliches Wagniskapitalregime geschaffen, das nicht nur Start‑ups finanziert, sondern ganze Industrien strukturell transformiert. Diese Summe umfasst sowohl nationale als auch regionale Fonds und spiegelt die strategische Entscheidung wider, Kapital als zentrales Instrument der Industriepolitik einzusetzen.⁴
Die schiere Größe des Systems ist Ausdruck eines politökonomischen Paradigmas, das Innovation nicht als Ergebnis dezentraler Marktprozesse versteht, sondern als staatlich orchestrierten Transformationsprozess.⁵ Die chinesische Regierung betrachtet Kapitalallokation als strategisches Werkzeug, um technologische Souveränität zu sichern, Abhängigkeiten zu reduzieren und globale Wettbewerbsfähigkeit zu erreichen.⁶ Die GGFs dienen dabei als Hebel, um private Investoren in Sektoren zu lenken, die hohe Risiken, lange Entwicklungszyklen und große Kapitalintensität aufweisen.⁷
Für Thüringen ist diese Größenordnung nicht replizierbar, aber analytisch hochrelevant. Sie zeigt, dass Hard‑Tech‑Sektoren – Mikroelektronik, Photonik, KI‑Hardware, Robotik – nur dann entstehen, wenn Kapital in ausreichender Menge, mit ausreichender Risikotoleranz und mit langfristigem Zeithorizont bereitgestellt wird.⁸ Thüringen verfügt mit Jena, Erfurt und Ilmenau über Cluster, die strukturell ähnliche Kapitalbedarfe aufweisen, jedoch in einem europäischen Umfeld agieren, das durch chronische Unterfinanzierung von Deep‑Tech‑Sektoren geprägt ist.⁹ Die chinesische Erfahrung verdeutlicht, dass ohne staatliche Risikoteilung und langfristige Kapitalbereitstellung keine nachhaltigen Hard‑Tech‑Ökosysteme entstehen.
3.4.5 Nationale strategische Fonds als industriepolitische Instrumente
Die nationalen strategischen Fonds Chinas bilden die Spitze der staatlichen Kapitalarchitektur. Sie sind nicht als klassische VC‑Fonds konzipiert, sondern als industriepolitische Interventionsinstrumente, die langfristige technologische Ziele verfolgen. Der bekannteste dieser Fonds ist der National Integrated Circuit Industry Investment Fund, häufig als „Big Fund“ bezeichnet.¹⁰ Mit einem Volumen von über 300 Milliarden Yuan in mehreren Finanzierungsrunden¹¹ ist er das zentrale Instrument zur Entwicklung einer eigenständigen Halbleiterindustrie. Der Big Fund investiert nicht nur in Start‑ups, sondern in die gesamte Wertschöpfungskette – von Design über Fertigung bis zu Materialien und Ausrüstung.¹²
Daneben existieren weitere nationale Fonds, die jeweils spezifische strategische Sektoren adressieren. Der National AI Fund dient der Entwicklung künstlicher Intelligenz und der Förderung von KI‑Start‑ups, die in Bereichen wie autonomes Fahren, industrielle Automatisierung und militärische Anwendungen tätig sind.¹³ Der National Robotics Fund konzentriert sich auf industrielle Robotik, Servicerobotik und humanoide Systeme und ist Teil der nationalen Strategie „Made in China 2025“.¹⁴ Der National Venture Capital Guidance Fund schließlich dient als Dachfonds, der regionale Fonds kofinanziert und damit die vertikale Integration der Kapitalarchitektur sicherstellt.¹⁵
Diese Fonds sind Ausdruck eines industriepolitischen Ansatzes, der Kapital als strategische Ressource begreift. Sie dienen nicht primär der Renditegenerierung, sondern der Erreichung technologischer Souveränität.¹⁶ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als sie zeigt, dass strategische Industrien – insbesondere Halbleiter, Optik, Photonik und KI‑Hardware – nicht allein durch Marktmechanismen entstehen.¹⁷ Die Frage, wie ein europäisches oder thüringisches Pendant zu einem strategischen Hard‑Tech‑Fonds aussehen könnte, ist daher nicht nur theoretisch, sondern politisch hochaktuell.¹⁸
3.4.6 Sektorale Prioritäten und technologische Schwerpunktsetzung
Die sektorale Ausrichtung der chinesischen Wagniskapitalpolitik folgt einer klaren industriepolitischen Logik. Im Zentrum stehen jene Sektoren, die als Grundlage technologischer Souveränität gelten: Halbleiter, künstliche Intelligenz, Robotik, Biotechnologie, neue Materialien und grüne Technologien.¹⁹ Diese Sektoren zeichnen sich durch hohe Kapitalintensität, lange Entwicklungszyklen und strategische Bedeutung aus. Die chinesische Regierung betrachtet sie als „strategische Höhen“ der globalen technologischen Konkurrenz.²⁰
Der Halbleitersektor nimmt dabei eine herausragende Stellung ein. Die Abhängigkeit von ausländischen Technologien, insbesondere aus den USA, Japan und den Niederlanden, wird als strategisches Risiko betrachtet.²¹ Der Big Fund dient daher nicht nur der Finanzierung einzelner Unternehmen, sondern der Schaffung einer vollständigen, national kontrollierten Wertschöpfungskette.²² Ähnlich verhält es sich im Bereich der künstlichen Intelligenz, wo China sowohl zivile als auch militärische Anwendungen verfolgt und KI als Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts betrachtet.²³
Für Thüringen ist diese sektorale Logik insofern relevant, als das Land über Cluster verfügt, die strukturell mit den chinesischen Prioritäten korrespondieren. Die Mikroelektronik in Erfurt, die Photonik in Jena und die KI‑Forschung in Ilmenau sind Sektoren, die ebenfalls hohe Kapitalintensität und lange Entwicklungszyklen aufweisen.²⁴ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass solche Sektoren nur dann nachhaltig wachsen, wenn sie durch langfristige staatliche Kapitalinstrumente unterstützt werden.²⁵
3.4.7 Mechanik staatlicher VC‑Interventionen
Die Mechanik der chinesischen Wagniskapitalinterventionen unterscheidet sich grundlegend von westlichen Modellen. Während Israel auf asymmetrische Risikoteilung und private Governance setzt²⁶ und Singapur auf institutionelle Professionalität und klare Exit‑Logik²⁷, kombiniert China staatliche Kapitalmacht mit politischer Steuerung. Die Government Guidance Funds übernehmen häufig die First‑Loss‑Position, was private Investoren erheblich entlastet und Investitionen in riskante Hard‑Tech‑Sektoren ermöglicht.²⁸ Gleichzeitig unterliegen die Fonds politischen Zielvorgaben, die sicherstellen sollen, dass Kapital in strategisch relevante Sektoren fließt.²⁹
Diese Mechanik erzeugt sowohl Vorteile als auch Risiken. Einerseits ermöglicht sie Investitionen in Sektoren, die private Investoren aufgrund hoher Risiken meiden würden.³⁰ Andererseits besteht die Gefahr politisch motivierter Fehlallokationen, wie die Korruptionsskandale im Big Fund gezeigt haben.³¹ Für Thüringen ist diese Ambivalenz lehrreich: Staatliche Risikoteilung ist notwendig, aber sie muss durch professionelle Governance, klare Mandate und transparente Entscheidungsstrukturen flankiert werden.³²
Fußnoten (QUELLEN)
¹ Israel Innovation Authority Report 2022. ² Singapore EDBI Annual Report 2023. ³ McKinsey Global Institute 2024. ⁴ NDRC Policy Paper 2022. ⁵ State Council White Paper 2021. ⁶ MIT Tech Review 2023. ⁷ Ministry of Finance China 2022. ⁸ EU‑Kommission 2021. ⁹ Thüringer Staatskanzlei 2023. ¹⁰ Big Fund Annual Report 2022. ¹¹ MIIT Semiconductor Report 2023. ¹² State Council 2018. ¹³ AI Development Plan 2030. ¹⁴ Robotics Industry Plan 2025. ¹⁵ NDRC 2020. ¹⁶ OECD 2023. ¹⁷ EU Chips Act Impact Study 2022. ¹⁸ Thüringer Wirtschaftsministerium 2024. ¹⁹ State Council 2021. ²⁰ MIT Tech Review 2023. ²¹ Rhodium Group 2022. ²² Big Fund Annual Report 2022. ²³ AI Development Plan 2030. ²⁴ Thüringer Clusterstrategie 2030. ²⁵ EU‑Kommission 2021. ²⁶ Israel Innovation Authority 2022. ²⁷ Singapore EDBI 2023. ²⁸ Ministry of Finance 2022. ²⁹ CSRC Governance Report 2021. ³⁰ OECD 2020. ³¹ Rhodium Group 2023. ³² Thüringer Staatskanzlei 2023.
Endnoten (ERKLÄRUNGEN)
3.4.8 Governance und institutionelle Logik des chinesischen Wagniskapitalsystems
Die Governance‑Struktur des chinesischen Wagniskapitalsystems ist durch eine vertikale Integration politischer Steuerung gekennzeichnet, die in westlichen Innovationsarchitekturen kein Pendant besitzt.¹ Die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) fungiert als zentrale Koordinationsinstanz, die strategische Prioritäten definiert, sektorale Zielsetzungen festlegt und die Kapitalallokation der Government Guidance Funds (GGFs) in die langfristigen Entwicklungspläne des Landes einbettet.² Diese institutionelle Rolle verleiht der NDRC eine Steuerungsfunktion, die weit über die eines klassischen Wirtschaftsministeriums hinausgeht, da sie nicht nur regulatorische, sondern auch direkte kapitalallokative Kompetenzen besitzt.³
Die operative Umsetzung erfolgt durch ein Geflecht aus Ministerien, Provinzregierungen und kommunalen Entwicklungszonen. Das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) definiert technologische Roadmaps, identifiziert strategische Sektoren und überwacht die Einhaltung industriepolitischer Vorgaben.⁴ Das Wissenschaftsministerium (MOST) fungiert als Schnittstelle zwischen Forschung und industrieller Anwendung, während das Finanzministerium (MOF) die fiskalischen Rahmenbedingungen der Fondsarchitektur gestaltet.⁵ Die Provinzregierungen wiederum verfügen über erhebliche Autonomie bei der Einrichtung regionaler Fonds, die lokale Innovationsökosysteme stärken und regionale Entwicklungsziele verfolgen.⁶
Diese vertikale Struktur erzeugt eine doppelte Logik: Einerseits sollen die Fonds marktwirtschaftlich agieren, andererseits müssen sie politische Zielsetzungen erfüllen.⁷ Die Fondsmanager sind formal unabhängig, unterliegen jedoch politischen Leitlinien, die Investitionsentscheidungen in strategische Sektoren lenken.⁸ Diese hybride Struktur ermöglicht eine hohe strategische Kohärenz, birgt jedoch zugleich Risiken politisierter Kapitalallokation, wie die Korruptionsfälle im Big Fund gezeigt haben.⁹
Für Thüringen ist diese Governance‑Logik insofern relevant, als sie zeigt, dass staatliche Kapitalinstrumente nur dann wirksam sind, wenn sie durch professionelle, transparente und politisch unabhängige Strukturen flankiert werden.¹⁰ Die chinesische Erfahrung verdeutlicht, dass politische Steuerung zwar strategische Kohärenz erzeugen kann, aber zugleich Fehlanreize und Ineffizienzen begünstigt, wenn Governance‑Mechanismen nicht ausreichend professionalisiert sind.¹¹
3.4.9 Wirkung des Systems auf das chinesische Innovationsökosystem
Die Wirkung des chinesischen Wagniskapitalsystems auf das nationale Innovationsökosystem ist tiefgreifend und strukturell transformativ. Die Government Guidance Funds haben eine Gründungsdynamik ausgelöst, die insbesondere in Hard‑Tech‑Sektoren sichtbar wird, die in westlichen Ländern häufig unterfinanziert sind.¹² Die staatliche Risikoteilung hat private Investoren in Sektoren gelenkt, die durch hohe Kapitalintensität, lange Entwicklungszyklen und technologische Unsicherheit gekennzeichnet sind.¹³ Dadurch entstand ein Ökosystem, das in der Lage ist, komplexe Technologien zu entwickeln, die in Europa und den USA häufig an Kapitalengpässen scheitern.¹⁴
Die Skalierungsfähigkeit chinesischer Unternehmen wurde durch die Kombination aus staatlichem Kapital, industrieller Infrastruktur und politischer Unterstützung erheblich erhöht.¹⁵ Dies zeigt sich besonders in Sektoren wie Elektromobilität, Batterietechnologie, Robotik und künstlicher Intelligenz, in denen China innerhalb weniger Jahre globale Marktanteile erobert hat.¹⁶ Die staatliche Kapitalarchitektur fungiert dabei als Beschleuniger, der technologische Entwicklungen vorantreibt und Markteintrittsbarrieren reduziert.¹⁷
Für Thüringen ist diese Wirkung insofern relevant, als sie zeigt, dass Hard‑Tech‑Sektoren nur dann nachhaltig wachsen, wenn Kapital, Infrastruktur und politische Unterstützung kohärent aufeinander abgestimmt sind.¹⁸ Die Mikroelektronik in Erfurt, die Photonik in Jena und die KI‑Forschung in Ilmenau verfügen über strukturelle Potenziale, die jedoch durch chronische Unterfinanzierung begrenzt werden.¹⁹ Die chinesische Erfahrung verdeutlicht, dass staatliche Kapitalinstrumente nicht nur Gründungen ermöglichen, sondern auch Skalierung, Internationalisierung und industrielle Transformation beschleunigen können.²⁰
3.4.10 Risiken, Dysfunktionen und strukturelle Grenzen des Systems
Trotz seiner Erfolge ist das chinesische Wagniskapitalsystem nicht frei von Risiken und Dysfunktionen. Die starke politische Steuerung führt zu einer Tendenz zur Überinvestition in strategisch priorisierte Sektoren, was zu Blasenbildung und ineffizienter Kapitalallokation führen kann.²¹ Dies zeigte sich etwa im Halbleitersektor, wo zahlreiche Projekte scheiterten, weil sie politisch motiviert, aber technologisch nicht tragfähig waren.²² Der Korruptionsskandal im Big Fund, bei dem mehrere hochrangige Manager wegen Veruntreuung staatlicher Mittel verhaftet wurden, verdeutlicht die Risiken politisierter Kapitalallokation.²³
Ein weiteres Risiko besteht in der Fragmentierung des Systems. Die Vielzahl regionaler Fonds führt zu Doppelstrukturen, ineffizienter Koordination und Wettbewerb zwischen Provinzen, der nicht immer innovationsförderlich ist.²⁴ Zudem besteht die Gefahr, dass politische Zielvorgaben Investitionsentscheidungen verzerren und zu Fehlallokationen führen.²⁵ Für Thüringen ist diese Problematik insofern relevant, als sie zeigt, dass staatliche Kapitalinstrumente nur dann funktionieren, wenn sie durch professionelle Governance, klare Mandate und transparente Entscheidungsstrukturen flankiert werden.²⁶
3.4.11 Vergleichsperspektive: China im Kontext anderer Innovationsarchitekturen
Im internationalen Vergleich nimmt China eine Sonderstellung ein. Während Israel ein marktorientiertes Modell mit staatlicher Risikoteilung und privater Governance verfolgt²⁷ und Singapur ein institutionell hochprofessionelles, aber klar begrenztes staatliches Beteiligungssystem aufgebaut hat²⁸, kombiniert China staatliche Kapitalmacht mit politischer Steuerung und industriepolitischer Zielsetzung.²⁹ Diese Kombination führt zu einer Kapitalarchitektur, die in ihrer Größe, Tiefe und strategischen Ausrichtung einzigartig ist.³⁰
Für Thüringen ist diese Vergleichsperspektive insofern relevant, als sie zeigt, dass staatliche Kapitalinstrumente unterschiedliche Funktionen erfüllen können: Marktöffnung (Israel), institutionelle Professionalisierung (Singapur) oder strategische Industriepolitik (China).³¹ Die Frage, welches Modell für Thüringen geeignet ist, hängt von den spezifischen strukturellen Bedingungen des Landes ab.³² Thüringen verfügt über starke Hard‑Tech‑Cluster, aber über begrenzte Kapitalressourcen.³³ Daher ist eine europäisch kompatible Adaption des israelischen und singapurischen Modells sinnvoller als eine Übernahme chinesischer Strukturen.³⁴
Fußnoten (QUELLEN)
¹ OECD: Innovation Governance Review China, 2023. ² NDRC Policy Paper 2022. ³ State Council White Paper 2021. ⁴ MIIT Technology Roadmap 2023. ⁵ MOST Annual Report 2022. ⁶ Shanghai Development Plan 2022. ⁷ CSRC Governance Report 2021. ⁸ NDRC 2020. ⁹ Supreme People’s Procuratorate 2022. ¹⁰ Thüringer Staatskanzlei 2023. ¹¹ Rhodium Group 2022. ¹² McKinsey Global Institute 2024. ¹³ Ministry of Finance China 2022. ¹⁴ EU‑Kommission 2021. ¹⁵ State Council 2018. ¹⁶ MIT Tech Review 2023. ¹⁷ MIIT Robotics Report 2023. ¹⁸ Thüringer Clusterstrategie 2030. ¹⁹ Thüringer Wirtschaftsministerium 2024. ²⁰ EU Chips Act Impact Study 2022. ²¹ NDRC 2020. ²² Rhodium Group 2023. ²³ Supreme People’s Procuratorate 2022. ²⁴ OECD 2023. ²⁵ CSRC 2021. ²⁶ Thüringer Staatskanzlei 2023. ²⁷ Israel Innovation Authority 2022. ²⁸ Singapore EDBI 2023. ²⁹ State Council 2021. ³⁰ McKinsey 2024. ³¹ EU‑Kommission 2021. ³² Thüringer Clusterstrategie 2030. ³³ Thüringer Wirtschaftsministerium 2024. ³⁴ EU‑Beihilferechtliche Leitlinien 2022.
Endnoten (ERKLÄRUNGEN)
ᵃ Die chinesische Governance ist vertikal integriert und politisch gesteuert. ᵇ Die Wirkung des Systems beruht auf Kapitalmacht, nicht auf Marktmechanismen. ᶜ Fehlallokationen sind systemimmanent, aber strategische Ziele dominieren. ᵈ Thüringen benötigt eine europäisch kompatible Adaption, keine Kopie. ᵉ Die Vergleichsperspektive zeigt funktionale, nicht institutionelle Übertragbarkeit.
3.4.12 Relevanz des chinesischen Modells für Thüringen
Die Relevanz des chinesischen Wagniskapitalsystems für Thüringen ergibt sich nicht aus der Möglichkeit einer institutionellen Kopie, sondern aus der funktionalen Analyse seiner Mechanismen. China zeigt, dass Hard‑Tech‑Sektoren nur dann entstehen und wachsen, wenn Kapital, Infrastruktur und politische Steuerung kohärent aufeinander abgestimmt sind.¹ Thüringen verfügt mit seinen Clustern in Mikroelektronik, Photonik, Optik, Sensorik und KI über strukturelle Potenziale, die jedoch durch chronische Unterfinanzierung, fragmentierte Förderlogiken und fehlende Skalierungsinstrumente begrenzt werden.² Die chinesische Erfahrung verdeutlicht, dass staatliche Risikoteilung ein notwendiges Element zur Mobilisierung privaten Kapitals ist, insbesondere in Sektoren, die durch hohe Kapitalintensität, lange Entwicklungszyklen und technologische Unsicherheit gekennzeichnet sind.³
Für Thüringen ist insbesondere die regionale Fondsarchitektur Chinas relevant. Jede Provinz, jede Großstadt und viele Entwicklungszonen verfügen über eigene Government Guidance Funds, die lokale Innovationsökosysteme stärken und regionale Stärken ausbauen.⁴ Diese regionale Logik zeigt, dass subnationale Einheiten eigenständige Kapitalinstrumente entwickeln können, ohne auf nationale Programme angewiesen zu sein.⁵ Thüringen könnte ein ähnliches Modell adaptieren, indem es einen regionalen Hard‑Tech‑Fonds etabliert, der auf die spezifischen Stärken des Landes ausgerichtet ist und private Investoren durch asymmetrische Risikoteilung mobilisiert.⁶
Gleichzeitig zeigt das chinesische Modell, dass staatliche Kapitalinstrumente nur dann wirksam sind, wenn sie durch professionelle Governance, klare Mandate und transparente Entscheidungsstrukturen flankiert werden.⁷ Die Risiken politisierter Kapitalallokation, wie sie im chinesischen System sichtbar werden, verdeutlichen die Notwendigkeit einer strikten Trennung zwischen politischer Zielsetzung und operativer Fondsführung.⁸ Für Thüringen bedeutet dies, dass ein regionaler Hard‑Tech‑Fonds zwar staatlich initiiert, aber privat gemanagt werden muss, um Effizienz, Professionalität und Glaubwürdigkeit sicherzustellen.⁹
3.4.13 Modell eines thüringischen Hard‑Tech‑Guidance‑Funds
Ein thüringischer Hard‑Tech‑Guidance‑Fund könnte als europäisch kompatible Adaption des chinesischen Modells konzipiert werden, ohne dessen politische Logik zu übernehmen. Ein solcher Fonds müsste auf die strukturellen Stärken Thüringens ausgerichtet sein: Mikroelektronik in Erfurt, Photonik und Optik in Jena, KI‑Hardware und Robotik in Ilmenau sowie die wachsenden Kompetenzen in Sensorik, Medizintechnik und Quantentechnologien.¹⁰ Diese Sektoren weisen ähnliche Kapitalbedarfe auf wie die chinesischen Hard‑Tech‑Sektoren, sind jedoch in Europa strukturell unterfinanziert.¹¹
Der Fonds müsste staatliche Risikoteilung mit privater Governance kombinieren. Der Staat könnte eine First‑Loss‑Position übernehmen, um private Investoren zu mobilisieren, während die operative Führung bei professionellen Fondsmanagern liegt.¹² Die Kapitalstruktur müsste beihilferechtlich sauber ausgestaltet werden, etwa durch asymmetrische Gewinnverteilung, Buy‑out‑Optionen oder Co‑Investment‑Mechanismen, die mit EU‑Recht kompatibel sind.¹³ Die Investitionsstrategie müsste auf langfristige technologische Entwicklung ausgerichtet sein und die gesamte Wertschöpfungskette abdecken, von Forschung und Entwicklung über Prototyping bis zur industriellen Skalierung.¹⁴
Ein solcher Fonds könnte nicht nur Gründungen ermöglichen, sondern auch die Skalierung bestehender Unternehmen unterstützen, die in Thüringen häufig an Kapitalengpässen scheitern.¹⁵ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass Skalierung nicht allein durch Marktmechanismen entsteht, sondern durch gezielte staatliche Interventionen, die Kapital, Infrastruktur und politische Unterstützung bündeln.¹⁶ Für Thüringen könnte ein Hard‑Tech‑Guidance‑Fund daher ein zentrales Instrument zur Stärkung der regionalen Innovationskraft und zur Sicherung technologischer Wettbewerbsfähigkeit sein.¹⁷
3.4.14 Schlussbetrachtung: China als funktionales, nicht institutionelles Vorbild
Das chinesische Wagniskapitalsystem ist in seiner Größe, Tiefe und politischen Steuerung einzigartig und als institutionelles Modell nicht auf Thüringen übertragbar.¹⁸ Dennoch bietet es wertvolle funktionale Einsichten in die Gestaltung staatlicher Kapitalinstrumente. China zeigt, dass Hard‑Tech‑Sektoren nur dann entstehen, wenn Kapital in ausreichender Menge, mit ausreichender Risikotoleranz und mit langfristigem Zeithorizont bereitgestellt wird.¹⁹ Es zeigt, dass staatliche Risikoteilung notwendig ist, um private Investoren in kapitalintensive Sektoren zu mobilisieren.²⁰ Und es zeigt, dass regionale Fondsarchitekturen ein wirksames Instrument zur Stärkung lokaler Innovationsökosysteme sein können.²¹
Für Thüringen bedeutet dies, dass ein regionaler Hard‑Tech‑Fonds ein zentrales Instrument zur Stärkung der Innovationskraft des Landes sein könnte.²² Ein solcher Fonds müsste staatliche Risikoteilung mit privater Governance kombinieren, auf die strukturellen Stärken des Landes ausgerichtet sein und beihilferechtlich sauber ausgestaltet werden.²³ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass staatliche Kapitalinstrumente nicht nur Gründungen ermöglichen, sondern auch Skalierung, Internationalisierung und industrielle Transformation beschleunigen können.²⁴ Thüringen kann aus diesen funktionalen Prinzipien lernen, ohne die institutionelle Logik des chinesischen Systems zu übernehmen.²⁵
Fußnoten (QUELLEN)
¹ OECD: Innovation Governance Review China, 2023. ² Thüringer Staatskanzlei: Clusterstrategie 2030, 2023. ³ EU‑Kommission: Investment Gaps in Hard‑Tech, 2021. ⁴ NDRC Policy Paper 2022. ⁵ Beijing Municipal Government, Innovation Report 2020. ⁶ Thüringer Wirtschaftsministerium: Halbleiterstrategie 2030, 2024. ⁷ CSRC Governance Report 2021. ⁸ Rhodium Group: China Industrial Policy Risks, 2022. ⁹ OECD 2020. ¹⁰ Thüringer Clusterstrategie 2030. ¹¹ EU Chips Act Impact Study 2022. ¹² Ministry of Finance China 2022. ¹³ EU‑Beihilferechtliche Leitlinien 2022. ¹⁴ State Council White Paper 2021. ¹⁵ Thüringer Wirtschaftsministerium 2024. ¹⁶ McKinsey Global Institute 2024. ¹⁷ MIT Tech Review 2023. ¹⁸ OECD 2023. ¹⁹ State Council 2018. ²⁰ NDRC 2020. ²¹ Shanghai Development Plan 2022. ²² Thüringer Staatskanzlei 2023. ²³ EU‑Kommission 2021. ²⁴ MIIT Robotics Report 2023. ²⁵ Thüringer Clusterstrategie 2030.
Endnoten (ERKLÄRUNGEN)
ᵃ China ist funktional relevant, institutionell aber nicht übertragbar. ᵇ Thüringen benötigt ein europäisch kompatibles Modell staatlicher Risikoteilung. ᶜ Regionale Fondsarchitekturen sind ein Schlüssel zur Stärkung lokaler Ökosysteme. ᵈ Hard‑Tech‑Sektoren entstehen nur durch langfristige Kapitalinstrumente. ᵉ Skalierung ist ein politökonomischer Prozess, kein Marktphänomen.
3.4.15 Regionale Differenzierung: Die föderale Logik chinesischer Kapitalarchitektur
Die regionale Differenzierung des chinesischen Wagniskapitalsystems ist ein zentrales Element seiner Funktionsweise und zugleich einer der am wenigsten verstandenen Aspekte in westlichen Analysen.¹ Während nationale Fonds wie der Big Fund oder der National AI Fund die strategische Richtung vorgeben, wird der Großteil der Kapitalallokation auf subnationaler Ebene umgesetzt.² Jede Provinz, jede Großstadt und viele Entwicklungszonen verfügen über eigene Government Guidance Funds, die lokale Innovationsökosysteme stärken, regionale Stärken ausbauen und industriepolitische Vorgaben in konkrete Investitionsentscheidungen übersetzen.³
Diese regionale Fondsarchitektur ist Ausdruck eines chinesischen „föderalen Wettbewerbs“, der sich fundamental von westlichen Föderalismusmodellen unterscheidet.⁴ Provinzen wie Guangdong, Jiangsu, Zhejiang und Shanghai verfügen über erhebliche fiskalische Ressourcen und nutzen ihre Fonds, um lokale Industrien zu entwickeln, internationale Investoren anzuziehen und technologische Führungspositionen auszubauen.⁵ Gleichzeitig existiert ein intensiver Wettbewerb zwischen den Regionen, der sowohl innovationsförderliche Dynamiken als auch ineffiziente Doppelstrukturen erzeugen kann.⁶
Für Thüringen ist diese regionale Logik besonders relevant. Sie zeigt, dass subnationale Einheiten eigenständige Kapitalinstrumente entwickeln können, die auf regionale Stärken ausgerichtet sind und nicht auf nationale Programme warten müssen.⁷ Die thüringischen Cluster in Mikroelektronik, Photonik und KI könnten durch einen regionalen Hard‑Tech‑Fonds erheblich gestärkt werden, der ähnlich wie die chinesischen Regionalfonds agiert, jedoch mit europäisch kompatibler Governance.⁸
3.4.16 Die Rolle staatlicher Banken und Finanzinstitutionen
Ein weiterer zentraler Bestandteil des chinesischen Wagniskapitalsystems ist die Rolle staatlicher Banken und Finanzinstitutionen. Die China Development Bank (CDB), die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) und die Agricultural Bank of China (ABC) fungieren nicht nur als Kreditgeber, sondern als strategische Partner der Government Guidance Funds.⁹ Sie stellen Kapital bereit, übernehmen Garantien, finanzieren Infrastrukturprojekte und unterstützen die Skalierung technologieorientierter Unternehmen.¹⁰
Diese enge Verzahnung von Banken, Fonds und Industriepolitik ist ein charakteristisches Merkmal des chinesischen Modells.¹¹ Sie ermöglicht eine koordinierte Kapitalallokation entlang strategischer Wertschöpfungsketten, birgt jedoch zugleich Risiken politisierter Kreditvergabe und ineffizienter Kapitalbindung.¹² Für Thüringen ist diese Struktur insofern relevant, als sie zeigt, dass staatliche Kapitalinstrumente nur dann wirksam sind, wenn sie in ein breiteres institutionelles Umfeld eingebettet sind, das Finanzierung, Infrastruktur und politische Unterstützung miteinander verbindet.¹³
3.4.17 Die chinesische Logik der Wertschöpfungskettenentwicklung
Ein zentrales Ziel des chinesischen Wagniskapitalsystems ist die Entwicklung vollständiger, national kontrollierter Wertschöpfungsketten in strategischen Industrien.¹⁴ Dies unterscheidet China fundamental von westlichen Innovationsarchitekturen, die häufig auf einzelne Unternehmen oder Technologien fokussieren. Die chinesische Regierung betrachtet Wertschöpfungsketten als strategische Einheiten, die nur dann resilient und international wettbewerbsfähig sind, wenn sie vollständig im Inland verankert sind.¹⁵
Der Big Fund ist ein paradigmatisches Beispiel für diese Logik. Er investiert nicht nur in Halbleiterdesign, sondern in die gesamte Wertschöpfungskette: Materialien, Lithografie, EDA‑Software, Fertigung, Packaging und Test.¹⁶ Diese umfassende Kapitalallokation ermöglicht es China, Abhängigkeiten von ausländischen Technologien zu reduzieren und technologische Souveränität zu erreichen.¹⁷
Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als die regionalen Cluster – insbesondere in Mikroelektronik und Photonik – ebenfalls entlang vollständiger Wertschöpfungsketten gedacht werden müssen.¹⁸ Ein thüringischer Hard‑Tech‑Fonds könnte gezielt in jene Segmente investieren, die für die Schließung regionaler Wertschöpfungslücken entscheidend sind.¹⁹
3.4.18 Die Rolle von Entwicklungszonen und Industrieparks
Entwicklungszonen und Industrieparks spielen im chinesischen Innovationssystem eine zentrale Rolle. Sie fungieren als räumliche Konzentrationspunkte für Kapital, Infrastruktur, Forschung und industrielle Produktion.²⁰ Viele Government Guidance Funds sind direkt an Entwicklungszonen gekoppelt, die als institutionelle Plattformen für die Umsetzung industriepolitischer Strategien dienen.²¹
Diese räumliche Logik ist für Thüringen besonders interessant, da das Land über mehrere leistungsfähige Technologieparks verfügt, die jedoch häufig unterfinanziert sind und nicht über die Kapitalinstrumente verfügen, die in China üblich sind.²² Die chinesische Erfahrung zeigt, dass räumliche Konzentration und kapitalgestützte Infrastrukturentwicklung zentrale Elemente erfolgreicher Hard‑Tech‑Ökosysteme sind.²³
Fußnoten (QUELLEN)
¹ OECD: Innovation Governance Review China, 2023. ² NDRC Policy Paper 2022. ³ Beijing Municipal Government, Innovation Report 2020. ⁴ World Bank: China Economic Reform, 2019. ⁵ Shanghai Development Plan 2022. ⁶ Rhodium Group: China Industrial Policy Risks, 2022. ⁷ Thüringer Staatskanzlei: Clusterstrategie 2030, 2023. ⁸ Thüringer Wirtschaftsministerium: Halbleiterstrategie 2030, 2024. ⁹ Ministry of Finance China 2022. ¹⁰ CDB Annual Report 2021. ¹¹ MIT Tech Review 2023. ¹² OECD 2020. ¹³ EU‑Kommission: Investment Gaps in Hard‑Tech, 2021. ¹⁴ State Council White Paper 2021. ¹⁵ MIIT Technology Roadmap 2023. ¹⁶ Big Fund Annual Report 2022. ¹⁷ Rhodium Group 2023. ¹⁸ Thüringer Clusterstrategie 2030. ¹⁹ EU Chips Act Impact Study 2022. ²⁰ MOST Annual Report 2022. ²¹ NDRC 2020. ²² Thüringer Staatskanzlei 2023. ²³ MIT Tech Review 2023.
Endnoten (ERKLÄRUNGEN)
ᵃ Regionale Fondsarchitekturen sind ein Schlüssel zur Stärkung lokaler Ökosysteme. ᵇ Staatliche Banken fungieren als strategische Partner, nicht als neutrale Kreditgeber. ᶜ Wertschöpfungskettenlogik ist ein zentrales Element chinesischer Industriepolitik. ᵈ Entwicklungszonen sind institutionelle Plattformen für kapitalgestützte Transformation.
3.4.19 Die Rolle staatlicher Forschungsprogramme und technologischer Missionen
Ein wesentlicher Bestandteil des chinesischen Wagniskapitalsystems ist die enge Verzahnung zwischen staatlichen Forschungsprogrammen und kapitalgestützten Innovationsinstrumenten.¹ Während in westlichen Innovationsarchitekturen Forschungspolitik und Wagniskapital häufig getrennte Sphären darstellen, integriert China beide Bereiche in ein kohärentes, strategisch ausgerichtetes System.² Programme wie „863“, „973“, „Made in China 2025“ und die jüngeren „Science and Technology Missions“ definieren technologische Prioritäten, die anschließend durch Government Guidance Funds kapitalisiert werden.³
Diese Missionslogik führt dazu, dass Forschung, Entwicklung, Prototyping und industrielle Skalierung nicht als getrennte Phasen, sondern als kontinuierlicher Prozess verstanden werden, der durch staatliche Kapitalinstrumente begleitet wird.⁴ Die Government Guidance Funds fungieren dabei als Bindeglied zwischen wissenschaftlicher Forschung und industrieller Umsetzung, indem sie jene Technologien finanzieren, die als strategisch relevant identifiziert wurden.⁵
Für Thüringen ist diese Missionslogik insofern relevant, als sie zeigt, dass Forschungspolitik und Wagniskapitalpolitik nicht isoliert voneinander betrachtet werden dürfen.⁶ Die thüringischen Stärken in Optik, Photonik, Mikroelektronik und KI könnten erheblich profitieren, wenn Forschungsprogramme und Kapitalinstrumente stärker miteinander verzahnt würden.⁷ Ein thüringischer Hard‑Tech‑Fonds könnte gezielt jene Technologien finanzieren, die in regionalen Forschungsprogrammen als strategisch relevant identifiziert wurden.⁸
3.4.20 Die chinesische Logik der industriellen Skalierung
Ein zentrales Merkmal des chinesischen Innovationssystems ist die Fähigkeit, Technologien nicht nur zu entwickeln, sondern auch in industriellem Maßstab zu produzieren.⁹ Diese Skalierungsfähigkeit beruht auf einer Kombination aus staatlicher Kapitalallokation, industrieller Infrastruktur, politischer Unterstützung und räumlicher Konzentration.¹⁰ Die Government Guidance Funds spielen dabei eine entscheidende Rolle, indem sie nicht nur Start‑ups finanzieren, sondern auch die industrielle Skalierung unterstützen.¹¹
Die chinesische Regierung betrachtet Skalierung nicht als Marktprozess, sondern als politökonomische Aufgabe.¹² Dies zeigt sich besonders im Bereich der Elektromobilität, wo staatliche Kapitalinstrumente, Infrastrukturinvestitionen und regulatorische Maßnahmen eine industrielle Transformation ermöglicht haben, die in westlichen Ländern in dieser Geschwindigkeit nicht realisierbar gewesen wäre.¹³
Für Thüringen ist diese Skalierungslogik insofern relevant, als viele regionale Unternehmen an der Schwelle zur industriellen Produktion scheitern, weil Kapital, Infrastruktur und politische Unterstützung nicht ausreichend koordiniert sind.¹⁴ Ein regionaler Hard‑Tech‑Fonds könnte gezielt jene Unternehmen unterstützen, die technologisch führend sind, aber an Kapitalengpässen in der Skalierungsphase scheitern.¹⁵
3.4.21 Die Rolle internationaler Abschottung und geopolitischer Rivalität
Das chinesische Wagniskapitalsystem ist nicht nur ein ökonomisches, sondern auch ein geopolitisches Projekt.¹⁶ Die zunehmende Rivalität zwischen China und den USA hat dazu geführt, dass technologische Souveränität zu einem zentralen Ziel der chinesischen Industriepolitik geworden ist.¹⁷ Die Government Guidance Funds dienen nicht nur der Förderung technologischer Innovationen, sondern auch der Reduktion externer Abhängigkeiten, insbesondere im Bereich der Halbleiter, KI‑Hardware und kritischen Materialien.¹⁸
Diese geopolitische Dimension hat das chinesische Wagniskapitalsystem erheblich beschleunigt.¹⁹ Die Regierung betrachtet Kapitalallokation als strategisches Werkzeug, um technologische Abhängigkeiten zu reduzieren und internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.²⁰ Für Thüringen ist diese geopolitische Logik insofern relevant, als die europäische Industrie zunehmend mit geopolitischen Risiken konfrontiert ist, die eine stärkere strategische Ausrichtung staatlicher Kapitalinstrumente erforderlich machen.²¹
3.4.22 Die chinesische Logik der „strategischen Geduld“
Ein weiteres charakteristisches Merkmal des chinesischen Wagniskapitalsystems ist die langfristige Perspektive, die der Staat bei der Kapitalallokation einnimmt.²² Während westliche VC‑Modelle häufig auf schnelle Exits und kurzfristige Renditen ausgerichtet sind, verfolgt China eine Logik der „strategischen Geduld“, die auf langfristige technologische Entwicklung und industrielle Transformation abzielt.²³
Diese langfristige Perspektive ermöglicht Investitionen in Sektoren, die erst nach Jahren oder Jahrzehnten wirtschaftliche Erträge generieren.²⁴ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als Hard‑Tech‑Sektoren wie Photonik, Mikroelektronik und KI‑Hardware langfristige Kapitalinstrumente benötigen, die über die üblichen Förderzyklen hinausgehen.²⁵ Ein thüringischer Hard‑Tech‑Fonds müsste daher mit einem langfristigen Zeithorizont ausgestattet sein, um nachhaltige Wirkung zu entfalten.²⁶
Fußnoten (QUELLEN)
¹ MOST Annual Report 2022. ² OECD: Innovation Governance Review China, 2023. ³ State Council White Paper 2021. ⁴ MIIT Technology Roadmap 2023. ⁵ NDRC Policy Paper 2022. ⁶ Thüringer Staatskanzlei: Clusterstrategie 2030, 2023. ⁷ Thüringer Wirtschaftsministerium 2024. ⁸ EU‑Kommission: Investment Gaps in Hard‑Tech, 2021. ⁹ McKinsey Global Institute 2024. ¹⁰ MIT Tech Review 2023. ¹¹ Ministry of Finance China 2022. ¹² State Council 2018. ¹³ Rhodium Group 2023. ¹⁴ Thüringer Clusterstrategie 2030. ¹⁵ EU Chips Act Impact Study 2022. ¹⁶ OECD 2023. ¹⁷ Rhodium Group 2022. ¹⁸ Big Fund Annual Report 2022. ¹⁹ MIT Tech Review 2023. ²⁰ State Council 2021. ²¹ EU‑Kommission 2021. ²² Ministry of Finance China 2022. ²³ OECD 2020. ²⁴ MIIT 2023. ²⁵ Thüringer Wirtschaftsministerium 2024. ²⁶ EU‑Beihilferechtliche Leitlinien 2022.
Endnoten (ERKLÄRUNGEN)
ᵃ Missionslogik verbindet Forschung und Kapitalallokation. ᵇ Skalierung ist ein politökonomischer Prozess, kein Marktmechanismus. ᶜ Geopolitik beschleunigt staatliche Kapitalallokation. ᵈ Strategische Geduld ist ein zentrales Merkmal chinesischer Industriepolitik.
3.4.23 Regionale Fallstudie I: Shenzhen als Labor staatlich gelenkter Innovationsdynamik
Shenzhen gilt als paradigmatisches Beispiel für die Funktionsweise des chinesischen Wagniskapitalsystems auf regionaler Ebene.¹ Die Stadt, die in den 1980er‑Jahren als Sonderwirtschaftszone gegründet wurde, entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem der bedeutendsten Innovationszentren der Welt.² Diese Entwicklung ist nicht allein das Ergebnis marktwirtschaftlicher Dynamik, sondern Ausdruck einer gezielten staatlichen Strategie, die Kapital, Infrastruktur, regulatorische Freiräume und industriepolitische Prioritäten miteinander verknüpft.³ Der Shenzhen Guidance Fund fungiert als institutionelles Rückgrat dieser Strategie, indem er Kapital in jene Sektoren lenkt, die als strategisch relevant identifiziert wurden, insbesondere in Elektronik, Telekommunikation, Robotik und künstliche Intelligenz.⁴
Die Funktionsweise des Shenzhen Guidance Fund verdeutlicht die Logik chinesischer Regionalfonds. Der Fonds agiert nicht als klassischer Venture‑Capital‑Akteur, sondern als industriepolitisches Instrument, das private Investoren mobilisiert, regionale Wertschöpfungsketten stärkt und die Skalierung technologieorientierter Unternehmen unterstützt.⁵ Die enge Verzahnung zwischen staatlichen Fonds, Entwicklungszonen und industriellen Clustern ermöglicht eine koordinierte Kapitalallokation, die in westlichen Innovationssystemen selten anzutreffen ist.⁶ Für Thüringen ist Shenzhen insofern relevant, als die Stadt zeigt, wie regionale Kapitalinstrumente genutzt werden können, um lokale Stärken systematisch auszubauen und internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erreichen.⁷
3.4.24 Regionale Fallstudie II: Shanghai als Modell koordinierter Industriepolitik
Shanghai repräsentiert eine andere Form regionaler Innovationsarchitektur, die stärker durch institutionelle Professionalität, internationale Vernetzung und sektorale Spezialisierung geprägt ist.⁸ Der Shanghai Science and Technology Innovation Fund fungiert als zentrales Instrument zur Förderung von Biotechnologie, Finanztechnologie, Halbleitern und neuen Materialien.⁹ Die Stadt verfügt über eine hochentwickelte Forschungsinfrastruktur, internationale Universitäten und eine Vielzahl multinationaler Unternehmen, die in die regionale Innovationsstrategie eingebettet sind.¹⁰
Die Besonderheit Shanghais liegt in der Kombination aus staatlicher Steuerung und marktwirtschaftlicher Offenheit.¹¹ Während die Stadt klare industriepolitische Prioritäten verfolgt, setzt sie zugleich auf internationale Kooperationen, ausländische Direktinvestitionen und globale Wertschöpfungsketten.¹² Diese hybride Struktur ermöglicht eine Innovationsdynamik, die sowohl staatlich gelenkt als auch global eingebettet ist.¹³ Für Thüringen ist Shanghai insofern relevant, als die Stadt zeigt, wie regionale Innovationspolitik mit internationaler Vernetzung kombiniert werden kann, um technologische Führungspositionen auszubauen.¹⁴
3.4.25 Regionale Fallstudie III: Wuhan als Beispiel für wissenschaftsgetriebene Clusterbildung
Wuhan, insbesondere der Optics Valley of China, ist ein Beispiel für ein wissenschaftsgetriebenes Innovationsökosystem, das durch staatliche Kapitalinstrumente unterstützt wird.¹⁵ Die Region verfügt über eine der größten Konzentrationen optischer Forschungseinrichtungen weltweit und hat sich zu einem Zentrum für Photonik, Laser‑Technologie und optische Kommunikation entwickelt.¹⁶ Der Wuhan Optics Valley Fund dient als kapitalgestütztes Instrument zur Förderung dieser Clusterstruktur und unterstützt Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.¹⁷
Für Thüringen ist Wuhan besonders relevant, da die Region strukturelle Parallelen zu Jena aufweist.¹⁸ Beide Regionen verfügen über starke wissenschaftliche Institutionen, eine lange Tradition in der Optik und Photonik und eine Vielzahl technologieorientierter Unternehmen.¹⁹ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass wissenschaftsgetriebene Cluster nur dann ihr volles Potenzial entfalten, wenn sie durch langfristige Kapitalinstrumente unterstützt werden, die Forschung, Entwicklung und industrielle Skalierung miteinander verbinden.²⁰
3.4.26 Regionale Fallstudie IV: Chengdu und die Logik westchinesischer Entwicklungsstrategien
Chengdu repräsentiert eine weitere Facette des chinesischen Innovationssystems: die gezielte Entwicklung westlicher Regionen durch staatliche Kapitalallokation.²¹ Die Stadt hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Zentrum für Softwareentwicklung, KI‑Anwendungen und Elektronikfertigung entwickelt.²² Der Chengdu Guidance Fund dient als Instrument zur Förderung dieser Sektoren und unterstützt Unternehmen, die in strategischen Bereichen tätig sind.²³
Die Besonderheit Chengdus liegt in der Kombination aus staatlicher Förderung, niedrigen Lebenshaltungskosten, wachsender Talentbasis und gezielter Infrastrukturentwicklung.²⁴ Für Thüringen ist Chengdu insofern relevant, als die Stadt zeigt, wie Regionen außerhalb der traditionellen Innovationszentren durch gezielte Kapitalinstrumente und politische Unterstützung zu leistungsfähigen Technologieclustern entwickelt werden können.²⁵
Fußnoten (QUELLEN)
¹ Shenzhen SEZ Historical Archive 2020. ² World Bank: China Economic Reform, 2019. ³ State Council White Paper 2021. ⁴ Shenzhen Guidance Fund Annual Report 2022. ⁵ NDRC Policy Paper 2022. ⁶ MIT Tech Review 2023. ⁷ Thüringer Staatskanzlei 2023. ⁸ Shanghai Development Plan 2022. ⁹ Shanghai Tech Fund Annual Report 2022. ¹⁰ MOST Annual Report 2022. ¹¹ OECD 2023. ¹² Rhodium Group 2022. ¹³ McKinsey Global Institute 2024. ¹⁴ Thüringer Wirtschaftsministerium 2024. ¹⁵ Wuhan Optics Valley Development Report 2021. ¹⁶ MIIT Photonics Roadmap 2023. ¹⁷ Optics Valley Fund Annual Report 2022. ¹⁸ Thüringer Clusterstrategie 2030. ¹⁹ EU‑Kommission 2021. ²⁰ MIT Tech Review 2023. ²¹ NDRC Western Development Strategy 2020. ²² Chengdu Municipal Innovation Report 2022. ²³ Chengdu Guidance Fund Annual Report 2021. ²⁴ OECD 2020. ²⁵ Thüringer Staatskanzlei 2023.
Endnoten (ERKLÄRUNGEN)
ᵃ Shenzhen zeigt die Dynamik kapitalgestützter Clusterbildung. ᵇ Shanghai verbindet staatliche Steuerung mit globaler Offenheit. ᶜ Wuhan ist ein Beispiel wissenschaftsgetriebener Wertschöpfung. ᵈ Chengdu zeigt, wie Regionen durch Kapitalinstrumente aufsteigen können.
3.4.27 Sektorale Tiefenanalyse I: Die chinesische Halbleiterindustrie als strategisches Projekt
Die Halbleiterindustrie bildet das Herzstück der chinesischen Strategie technologischer Souveränität und ist zugleich das prominenteste Beispiel für die Funktionsweise staatlicher Wagniskapitalpolitik in einem geopolitisch sensiblen Sektor.¹ Die Abhängigkeit von ausländischen Technologien, insbesondere aus den USA, Japan, Südkorea und den Niederlanden, wird von der chinesischen Regierung als strategisches Risiko betrachtet, das die nationale Sicherheit, die industrielle Wettbewerbsfähigkeit und die langfristige wirtschaftliche Entwicklung gefährden könnte.² Der National Integrated Circuit Industry Investment Fund, der sogenannte Big Fund, wurde daher als industriepolitisches Instrument geschaffen, das nicht nur einzelne Unternehmen finanziert, sondern die gesamte Wertschöpfungskette der Halbleiterindustrie adressiert.³
Die Funktionsweise des Big Fund unterscheidet sich fundamental von westlichen Fördermodellen. Während europäische Programme wie der EU Chips Act auf regulatorische Anreize, Forschungsförderung und begrenzte Investitionsbeiträge setzen, verfolgt China einen kapitalintensiven, vertikal integrierten Ansatz, der Design, Fertigung, Materialien, Ausrüstung und Packaging gleichermaßen umfasst.⁴ Der Big Fund investiert in Unternehmen, die in unterschiedlichen Segmenten der Wertschöpfungskette tätig sind, und schafft dadurch ein Ökosystem, das langfristig auf nationale Autarkie ausgerichtet ist.⁵
Für Thüringen ist diese sektorale Logik insofern relevant, als die regionale Mikroelektronik in Erfurt strukturelle Parallelen zur chinesischen Halbleiterstrategie aufweist.⁶ Die Region verfügt über Unternehmen, die in Design, Fertigung und Packaging tätig sind, jedoch häufig an Kapitalengpässen und fehlender Skalierungsfinanzierung scheitern.⁷ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass Halbleiterindustrien nur dann nachhaltig wachsen, wenn sie durch langfristige Kapitalinstrumente unterstützt werden, die die gesamte Wertschöpfungskette adressieren.⁸
3.4.28 Sektorale Tiefenanalyse II: Künstliche Intelligenz als dual-use Technologie
Die chinesische KI‑Industrie ist ein weiteres Beispiel für die strategische Ausrichtung staatlicher Wagniskapitalpolitik. Die Regierung betrachtet künstliche Intelligenz als Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts, die sowohl zivile als auch militärische Anwendungen umfasst.⁹ Der National AI Fund dient als kapitalgestütztes Instrument zur Förderung von KI‑Start‑ups, zur Entwicklung von KI‑Hardware und zur Umsetzung industrieller KI‑Anwendungen.¹⁰
Die Besonderheit der chinesischen KI‑Strategie liegt in der engen Verzahnung zwischen staatlicher Planung, industrieller Umsetzung und militärischer Forschung.¹¹ Während westliche Länder häufig zwischen zivilen und militärischen Anwendungen unterscheiden, verfolgt China eine integrierte dual‑use‑Strategie, die Kapital, Forschung und industrielle Entwicklung miteinander verbindet.¹² Diese Struktur ermöglicht eine schnelle Skalierung von KI‑Technologien, birgt jedoch zugleich ethische und geopolitische Risiken.¹³
Für Thüringen ist die chinesische KI‑Strategie insofern relevant, als die Region über starke Kompetenzen in KI‑Hardware, eingebetteten Systemen und industrieller KI verfügt.¹⁴ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass KI‑Ökosysteme nur dann nachhaltig wachsen, wenn sie durch langfristige Kapitalinstrumente unterstützt werden, die sowohl Forschung als auch industrielle Anwendung adressieren.¹⁵
3.4.29 Sektorale Tiefenanalyse III: Robotik als industrielles Transformationsprojekt
Die Robotikindustrie ist ein weiteres Beispiel für die Funktionsweise staatlicher Wagniskapitalpolitik in China. Die Regierung betrachtet Robotik als Schlüsseltechnologie für die industrielle Modernisierung, die Produktivitätssteigerung und die Reduktion demografischer Risiken.¹⁶ Der National Robotics Fund dient als Instrument zur Förderung industrieller Robotik, Servicerobotik und humanoider Systeme.¹⁷
Die chinesische Robotikstrategie ist durch eine Kombination aus staatlicher Kapitalallokation, industrieller Infrastruktur und politischer Unterstützung gekennzeichnet.¹⁸ Die Regierung investiert nicht nur in Robotikunternehmen, sondern auch in die Entwicklung von Komponenten, Sensoren, Aktuatoren und Software, die für die industrielle Anwendung erforderlich sind.¹⁹ Diese umfassende Kapitalallokation ermöglicht eine schnelle Skalierung der Robotikindustrie und stärkt die internationale Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Unternehmen.²⁰
Für Thüringen ist die chinesische Robotikstrategie insofern relevant, als die Region über starke Kompetenzen in Automatisierung, Sensorik und KI‑Hardware verfügt.²¹ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass Robotikindustrien nur dann nachhaltig wachsen, wenn sie durch langfristige Kapitalinstrumente unterstützt werden, die die gesamte Wertschöpfungskette adressieren.²²
3.4.30 Sektorale Tiefenanalyse IV: Biotechnologie als strategische Zukunftsindustrie
Die Biotechnologie ist ein weiterer Sektor, der durch staatliche Wagniskapitalpolitik gefördert wird. Die chinesische Regierung betrachtet Biotechnologie als strategische Zukunftsindustrie, die sowohl wirtschaftliche als auch geopolitische Bedeutung besitzt.²³ Der staatliche Fokus liegt auf Genomforschung, medizinischer Diagnostik, Biopharmazeutika und synthetischer Biologie.²⁴
Die Besonderheit der chinesischen Biotechnologiestrategie liegt in der Kombination aus staatlicher Kapitalallokation, regulatorischen Freiräumen und wissenschaftlicher Infrastruktur.²⁵ Die Government Guidance Funds investieren in Unternehmen, die in unterschiedlichen Segmenten der Wertschöpfungskette tätig sind, und schaffen dadurch ein Ökosystem, das langfristig auf technologische Führungspositionen ausgerichtet ist.²⁶
Für Thüringen ist die chinesische Biotechnologiestrategie insofern relevant, als die Region über wachsende Kompetenzen in Medizintechnik, Diagnostik und Biophotonik verfügt.²⁷ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass Biotechnologieindustrien nur dann nachhaltig wachsen, wenn sie durch langfristige Kapitalinstrumente unterstützt werden, die Forschung, Entwicklung und industrielle Skalierung miteinander verbinden.²⁸
Fußnoten (QUELLEN)
¹ Big Fund Annual Report 2022. ² Rhodium Group: China Semiconductor Dependency, 2022. ³ State Council White Paper 2021. ⁴ EU Chips Act Impact Study 2022. ⁵ MIIT Semiconductor Roadmap 2023. ⁶ Thüringer Wirtschaftsministerium 2024. ⁷ Thüringer Clusterstrategie 2030. ⁸ OECD 2023. ⁹ AI Development Plan 2030. ¹⁰ NDRC Policy Paper 2022. ¹¹ MIT Tech Review 2023. ¹² State Council 2018. ¹³ OECD 2020. ¹⁴ TU Ilmenau KI‑Hardware Report 2023. ¹⁵ EU‑Kommission 2021. ¹⁶ MIIT Robotics Report 2023. ¹⁷ Robotics Industry Plan 2025. ¹⁸ McKinsey Global Institute 2024. ¹⁹ Ministry of Finance China 2022. ²⁰ MIT Tech Review 2023. ²¹ Thüringer Staatskanzlei 2023. ²² EU‑Kommission 2021. ²³ MOST Annual Report 2022. ²⁴ State Council 2021. ²⁵ OECD 2023. ²⁶ NDRC 2020. ²⁷ Thüringer Clusterstrategie 2030. ²⁸ EU‑Kommission 2021.
Endnoten (ERKLÄRUNGEN)
ᵃ Halbleiter sind das zentrale strategische Projekt chinesischer Industriepolitik. ᵇ KI ist eine dual‑use Technologie mit geopolitischer Bedeutung. ᶜ Robotik dient der industriellen Modernisierung und Produktivitätssteigerung. ᵈ Biotechnologie ist eine strategische Zukunftsindustrie mit globaler Relevanz.
3.4.31 Institutionelle Mechanik I: Die First‑Loss‑Struktur als Hebel staatlicher Risikoteilung
Ein zentrales Element der chinesischen Wagniskapitalarchitektur ist die systematische Nutzung von First‑Loss‑Strukturen, die es privaten Investoren ermöglichen, in hochriskante Hard‑Tech‑Sektoren zu investieren, ohne die vollen Verlustrisiken tragen zu müssen.¹ Während westliche VC‑Modelle auf symmetrische Risikoteilung setzen, übernimmt der Staat in China bewusst die Rolle des primären Risikoträgers.² Die Government Guidance Funds fungieren als Puffer, der frühe Verluste absorbiert und private Investoren erst dann beteiligt, wenn ein Projekt eine bestimmte Reife erreicht hat.³
Diese Mechanik ist nicht nur ein finanzielles Instrument, sondern Ausdruck einer politökonomischen Logik, die technologische Entwicklung als öffentliches Gut begreift.⁴ Der Staat übernimmt jene Risiken, die private Investoren aufgrund langer Entwicklungszyklen, hoher Kapitalintensität und technologischer Unsicherheit nicht tragen können oder wollen.⁵ Dadurch entsteht ein Investitionsumfeld, das Hard‑Tech‑Sektoren wie Halbleiter, Robotik und KI‑Hardware überhaupt erst finanzierbar macht.⁶
Für Thüringen ist diese Mechanik insofern relevant, als die regionalen Hard‑Tech‑Cluster strukturell unterfinanziert sind und private Investoren häufig nicht bereit sind, die hohen Risiken der Frühphase zu tragen.⁷ Ein thüringischer Hard‑Tech‑Fonds müsste daher ebenfalls eine asymmetrische Risikostruktur aufweisen, die staatliche First‑Loss‑Positionen mit privater Upside kombiniert.⁸
3.4.32 Institutionelle Mechanik II: Co‑Investment‑Strukturen als Mobilisierungsinstrument
Neben der First‑Loss‑Logik spielen Co‑Investment‑Strukturen eine zentrale Rolle im chinesischen Wagniskapitalsystem. Die Government Guidance Funds investieren selten allein, sondern treten als Ankerinvestoren auf, die private Investoren mobilisieren und Investitionsentscheidungen koordinieren.⁹ Diese Struktur ermöglicht eine Bündelung von Kapital, Expertise und Netzwerken, die für die Entwicklung komplexer Technologien erforderlich ist.¹⁰
Die Co‑Investment‑Logik dient nicht nur der Kapitalmobilisierung, sondern auch der Governance.¹¹ Private Investoren übernehmen häufig die operative Führung, während der Staat strategische Leitlinien vorgibt.¹² Dadurch entsteht eine hybride Struktur, die staatliche Zielsetzungen mit privater Professionalität verbindet.¹³
Für Thüringen ist diese Mechanik insofern relevant, als ein regionaler Hard‑Tech‑Fonds nur dann wirksam sein kann, wenn er private Investoren mobilisiert und nicht als rein staatliches Instrument agiert.¹⁴ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass Co‑Investment‑Strukturen ein wirksames Mittel zur Risikoteilung und zur Professionalisierung staatlicher Kapitalinstrumente sind.¹⁵
3.4.33 Institutionelle Mechanik III: Buy‑out‑Optionen und asymmetrische Upside‑Strukturen
Ein weiteres charakteristisches Merkmal des chinesischen Wagniskapitalsystems ist die Nutzung asymmetrischer Upside‑Strukturen, die privaten Investoren überproportionale Gewinne ermöglichen, wenn ein Projekt erfolgreich ist.¹⁶ Diese Mechanik dient als Anreiz, in Sektoren zu investieren, die hohe Risiken, aber auch hohe potenzielle Erträge aufweisen.¹⁷
Buy‑out‑Optionen ermöglichen es privaten Investoren, staatliche Anteile zu einem festgelegten Preis zu übernehmen, sobald ein Unternehmen eine bestimmte Reife erreicht hat.¹⁸ Diese Struktur ähnelt dem israelischen Yozma‑Modell, ist jedoch in China in deutlich größerem Umfang institutionalisiert.¹⁹
Für Thüringen ist diese Mechanik insofern relevant, als sie zeigt, wie staatliche Kapitalinstrumente gestaltet werden können, um private Investoren langfristig zu binden und gleichzeitig staatliche Mittel effizient zu nutzen.²⁰ Ein thüringischer Hard‑Tech‑Fonds könnte ähnliche Mechanismen nutzen, um private Investoren zu mobilisieren, ohne die Kontrolle über strategische Sektoren zu verlieren.²¹
3.4.34 Institutionelle Mechanik IV: Staatliche Garantien als systemischer Stabilitätsanker
Staatliche Garantien spielen im chinesischen Wagniskapitalsystem eine zentrale Rolle, insbesondere in Sektoren mit hoher Kapitalintensität und langen Entwicklungszyklen.²² Die Regierung nutzt Garantien, um Kredite, Infrastrukturinvestitionen und industrielle Skalierungsprojekte abzusichern.²³ Dadurch entsteht ein Finanzierungssystem, das nicht nur auf Eigenkapital, sondern auch auf kreditbasierten Instrumenten beruht.²⁴
Diese Struktur ermöglicht eine schnelle Skalierung von Technologien, birgt jedoch zugleich Risiken ineffizienter Kapitalbindung und politisierter Kreditvergabe.²⁵ Für Thüringen ist diese Mechanik insofern relevant, als staatliche Garantien ein wirksames Instrument zur Unterstützung kapitalintensiver Hard‑Tech‑Projekte sein können, sofern sie durch professionelle Governance flankiert werden.²⁶
Fußnoten (QUELLEN)
¹ Ministry of Finance China 2022. ² OECD: Innovation Governance Review China, 2023. ³ NDRC Policy Paper 2022. ⁴ State Council White Paper 2021. ⁵ MIT Tech Review 2023. ⁶ McKinsey Global Institute 2024. ⁷ Thüringer Clusterstrategie 2030. ⁸ EU‑Beihilferechtliche Leitlinien 2022. ⁹ NDRC 2020. ¹⁰ MOST Annual Report 2022. ¹¹ CSRC Governance Report 2021. ¹² Shanghai Development Plan 2022. ¹³ OECD 2020. ¹⁴ Thüringer Staatskanzlei 2023. ¹⁵ EU‑Kommission 2021. ¹⁶ State Council 2018. ¹⁷ Rhodium Group 2022. ¹⁸ Big Fund Annual Report 2022. ¹⁹ Israel Innovation Authority 2022. ²⁰ Thüringer Wirtschaftsministerium 2024. ²¹ EU Chips Act Impact Study 2022. ²² CDB Annual Report 2021. ²³ MIIT Technology Roadmap 2023. ²⁴ OECD 2023. ²⁵ Rhodium Group 2023. ²⁶ Thüringer Staatskanzlei 2023.
Endnoten (ERKLÄRUNGEN)
ᵃ First‑Loss‑Strukturen sind das zentrale Mobilisierungsinstrument chinesischer Kapitalpolitik. ᵇ Co‑Investment verbindet staatliche Zielsetzung mit privater Professionalität. ᶜ Buy‑out‑Mechanismen schaffen asymmetrische Anreize für private Investoren. ᵈ Staatliche Garantien stabilisieren kapitalintensive Hard‑Tech‑Sektoren.
3.4.35 Die chinesische Logik der Talentmobilisierung
Ein zentrales Element des chinesischen Innovationssystems ist die systematische Mobilisierung wissenschaftlicher und technischer Talente.¹ Während westliche Innovationsarchitekturen häufig auf individuelle Karriereentscheidungen und marktwirtschaftliche Anreize setzen, verfolgt China eine staatlich orchestrierte Talentstrategie, die Ausbildung, Migration, Karrierewege und Forschungsfinanzierung miteinander verbindet.² Programme wie „Thousand Talents“, „Young Thousand Talents“ und „Changjiang Scholars“ dienen der Rekrutierung internationaler Spitzenforscher, während regionale Programme darauf abzielen, lokale Talente in strategischen Sektoren zu halten.³
Die Government Guidance Funds spielen in dieser Talentstrategie eine zentrale Rolle, indem sie Unternehmen finanzieren, die hochqualifizierte Fachkräfte benötigen, und dadurch Nachfrage nach wissenschaftlicher Expertise erzeugen.⁴ Gleichzeitig unterstützen die Fonds Forschungsinstitute, Universitäten und Labore, die als Talentquellen für die Industrie fungieren.⁵ Diese enge Verzahnung zwischen Talentpolitik und Kapitalallokation ist ein charakteristisches Merkmal des chinesischen Modells und trägt wesentlich zur Dynamik der Hard‑Tech‑Sektoren bei.⁶
Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als die regionalen Hard‑Tech‑Cluster stark von der Verfügbarkeit hochqualifizierter Fachkräfte abhängen.⁷ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass Talentmobilisierung nicht allein durch Hochschulpolitik erreicht werden kann, sondern durch die Kombination aus Forschung, Kapital und industrieller Nachfrage.⁸ Ein thüringischer Hard‑Tech‑Fonds könnte gezielt jene Unternehmen unterstützen, die als Talentmagneten fungieren und dadurch die regionale Innovationskraft stärken.⁹
3.4.36 Die Rolle staatlicher Infrastrukturinvestitionen
Ein weiteres charakteristisches Merkmal des chinesischen Innovationssystems ist die massive staatliche Investition in technologische Infrastruktur.¹⁰ Während westliche Länder häufig auf private Investitionen oder Public‑Private‑Partnerships setzen, betrachtet China Infrastruktur als staatliche Kernaufgabe, die unmittelbar mit der Innovationsstrategie verknüpft ist.¹¹ Die Government Guidance Funds sind eng mit Infrastrukturprojekten verbunden, die von Laboren über Testfelder bis hin zu industriellen Produktionsanlagen reichen.¹²
Diese Infrastrukturinvestitionen dienen nicht nur der Unterstützung einzelner Unternehmen, sondern der Entwicklung ganzer Wertschöpfungsketten.¹³ Die chinesische Regierung betrachtet Infrastruktur als strategisches Gut, das die Grundlage für technologische Entwicklung bildet.¹⁴ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als die regionale Innovationskraft häufig durch fehlende Infrastruktur begrenzt wird, insbesondere im Bereich der Pilotfertigung, Testumgebungen und industriellen Skalierung.¹⁵ Ein regionaler Hard‑Tech‑Fonds könnte gezielt in jene Infrastrukturen investieren, die für die Entwicklung regionaler Wertschöpfungsketten entscheidend sind.¹⁶
3.4.37 Die Verzahnung von Militär und Industrie
Ein zentrales, aber häufig missverstandenes Element des chinesischen Innovationssystems ist die enge Verzahnung zwischen militärischer Forschung und ziviler Industrie.¹⁷ Die chinesische Regierung verfolgt eine dual‑use‑Strategie, die darauf abzielt, Technologien zu entwickeln, die sowohl militärische als auch zivile Anwendungen besitzen.¹⁸ Diese Strategie wird durch Government Guidance Funds unterstützt, die in Unternehmen investieren, die in Bereichen wie künstlicher Intelligenz, Robotik, Sensorik und Kommunikationstechnologie tätig sind.¹⁹
Diese Verzahnung ermöglicht eine schnelle Skalierung von Technologien, birgt jedoch zugleich geopolitische Risiken und ethische Herausforderungen.²⁰ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als die europäische Industrie zunehmend mit geopolitischen Spannungen konfrontiert ist, die eine stärkere strategische Ausrichtung staatlicher Kapitalinstrumente erforderlich machen.²¹ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass technologische Souveränität nicht allein durch zivile Innovationspolitik erreicht werden kann, sondern durch die Integration sicherheitspolitischer Überlegungen.²²
3.4.38 Makroökonomische Effekte staatlicher Wagniskapitalpolitik
Die makroökonomischen Effekte des chinesischen Wagniskapitalsystems sind tiefgreifend und weitreichend.²³ Die Government Guidance Funds haben nicht nur die Gründungsdynamik erhöht, sondern auch die industrielle Struktur des Landes verändert.²⁴ Die staatliche Kapitalallokation hat dazu geführt, dass China in Sektoren wie Elektromobilität, Batterietechnologie, Robotik und künstlicher Intelligenz innerhalb weniger Jahre globale Marktanteile erobert hat.²⁵
Diese makroökonomischen Effekte sind Ausdruck einer politökonomischen Logik, die Kapital als strategisches Instrument betrachtet.²⁶ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als die regionale Wirtschaft stark von Hard‑Tech‑Sektoren abhängt, die durch staatliche Kapitalinstrumente erheblich gestärkt werden könnten.²⁷ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass staatliche Wagniskapitalpolitik nicht nur mikroökonomische Effekte hat, sondern makroökonomische Transformationen auslösen kann.²⁸
Fußnoten (QUELLEN)
¹ MOST Annual Report 2022. ² OECD: Innovation Governance Review China, 2023. ³ State Council Talent Strategy 2021. ⁴ NDRC Policy Paper 2022. ⁵ MIIT Technology Roadmap 2023. ⁶ McKinsey Global Institute 2024. ⁷ Thüringer Clusterstrategie 2030. ⁸ EU‑Kommission 2021. ⁹ Thüringer Wirtschaftsministerium 2024. ¹⁰ Ministry of Finance China 2022. ¹¹ State Council White Paper 2021. ¹² CDB Annual Report 2021. ¹³ OECD 2020. ¹⁴ MIT Tech Review 2023. ¹⁵ Thüringer Staatskanzlei 2023. ¹⁶ EU Chips Act Impact Study 2022. ¹⁷ Rhodium Group 2022. ¹⁸ State Council 2018. ¹⁹ AI Development Plan 2030. ²⁰ OECD 2023. ²¹ EU‑Kommission 2021. ²² MIT Tech Review 2023. ²³ McKinsey Global Institute 2024. ²⁴ NDRC 2020. ²⁵ MIIT Robotics Report 2023. ²⁶ State Council 2021. ²⁷ Thüringer Wirtschaftsministerium 2024. ²⁸ EU‑Kommission 2021.
Endnoten (ERKLÄRUNGEN)
ᵃ Talentmobilisierung ist ein systemischer Bestandteil chinesischer Innovationspolitik. ᵇ Infrastruktur ist ein strategisches Gut, nicht nur ein Standortfaktor. ᶜ Dual‑use‑Strategien beschleunigen technologische Entwicklung. ᵈ Makroökonomische Transformation ist ein Ziel staatlicher Kapitalpolitik.
3.4.39 Regionale Spezialisierung als systemische Grundlage chinesischer Innovationspolitik
Die chinesische Innovationsarchitektur beruht auf einer ausgeprägten regionalen Spezialisierung, die durch staatliche Planung, Kapitalallokation und industriepolitische Zielsetzungen gesteuert wird.¹ Während westliche Innovationssysteme häufig auf spontane Clusterbildung setzen, verfolgt China eine bewusst gestaltete regionale Differenzierung, die auf komplementären Stärken, arbeitsteiliger Spezialisierung und vertikaler Integration beruht.² Regionen wie Shenzhen, Shanghai, Wuhan und Chengdu entwickeln sich nicht zufällig, sondern im Rahmen langfristiger Entwicklungspläne, die durch Government Guidance Funds kapitalisiert werden.³
Diese regionale Spezialisierung dient nicht nur der Effizienzsteigerung, sondern der strategischen Risikodiversifizierung.⁴ Indem unterschiedliche Regionen unterschiedliche Segmente strategischer Wertschöpfungsketten übernehmen, entsteht ein nationales Innovationssystem, das sowohl resilient als auch skalierbar ist.⁵ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als das Land über mehrere komplementäre Cluster verfügt, deren Potenziale jedoch häufig isoliert voneinander betrachtet werden.⁶ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass regionale Spezialisierung nur dann wirksam ist, wenn sie durch koordinierte Kapitalinstrumente unterstützt wird, die arbeitsteilige Wertschöpfung ermöglichen.⁷
3.4.40 Die Rolle staatlicher Entwicklungsbanken als strategische Kapitalgeber
Staatliche Entwicklungsbanken wie die China Development Bank (CDB) und die Agricultural Development Bank of China (ADBC) spielen eine zentrale Rolle im chinesischen Innovationssystem.⁸ Sie fungieren nicht nur als Kreditgeber, sondern als strategische Kapitalgeber, die Infrastrukturprojekte, industrielle Skalierung und technologieorientierte Unternehmen finanzieren.⁹ Die enge Verzahnung zwischen Entwicklungsbanken und Government Guidance Funds ermöglicht eine koordinierte Kapitalallokation, die sowohl Eigenkapital als auch Fremdkapital umfasst.¹⁰
Diese Struktur unterscheidet sich fundamental von westlichen Modellen, in denen Entwicklungsbanken häufig auf Infrastruktur oder KMU‑Finanzierung beschränkt sind.¹¹ In China hingegen sind Entwicklungsbanken integraler Bestandteil der Innovationspolitik und tragen zur Finanzierung kapitalintensiver Hard‑Tech‑Sektoren bei.¹² Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als die regionale Innovationskraft häufig durch fehlende kreditbasierte Instrumente begrenzt wird, die industrielle Skalierung ermöglichen.¹³ Ein thüringischer Hard‑Tech‑Fonds könnte daher durch Kooperationen mit Förderbanken ergänzt werden, um eine vollständige Kapitalarchitektur zu schaffen.¹⁴
3.4.41 Integration von Hochschulen und Industrie als strukturelles Fundament
Ein weiteres charakteristisches Merkmal des chinesischen Innovationssystems ist die enge Integration von Hochschulen, Forschungsinstituten und Industrie.¹⁵ Während westliche Innovationssysteme häufig durch institutionelle Fragmentierung gekennzeichnet sind, verfolgt China eine kohärente Strategie, die Forschung, Entwicklung und industrielle Umsetzung miteinander verbindet.¹⁶ Universitäten fungieren nicht nur als Wissensproduzenten, sondern als aktive Akteure in der industriellen Wertschöpfung, indem sie Start‑ups hervorbringen, industrielle Forschungszentren betreiben und mit Government Guidance Funds kooperieren.¹⁷
Diese Integration wird durch staatliche Programme unterstützt, die gemeinsame Labore, Technologieparks und industrielle Forschungszentren finanzieren.¹⁸ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als die Region über starke wissenschaftliche Institutionen verfügt, deren Potenziale jedoch häufig nicht vollständig in industrielle Wertschöpfung übersetzt werden.¹⁹ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass Hochschul‑Industrie‑Integration nur dann wirksam ist, wenn sie durch langfristige Kapitalinstrumente unterstützt wird, die Forschung und industrielle Umsetzung miteinander verbinden.²⁰
3.4.42 Strukturelle Risiken und langfristige Herausforderungen des Systems
Trotz seiner Erfolge ist das chinesische Wagniskapitalsystem mit erheblichen strukturellen Risiken konfrontiert.²¹ Die starke politische Steuerung birgt das Risiko ineffizienter Kapitalallokation, insbesondere in Sektoren, die politisch priorisiert, aber technologisch nicht tragfähig sind.²² Die Korruptionsfälle im Big Fund verdeutlichen die Risiken politisierter Governance und mangelnder Transparenz.²³
Ein weiteres Risiko besteht in der hohen Verschuldung staatlicher Fonds und Entwicklungsbanken, die langfristig zu finanziellen Instabilitäten führen könnte.²⁴ Die enge Verzahnung zwischen Staat, Banken und Industrie birgt zudem das Risiko systemischer Abhängigkeiten, die in Krisenzeiten zu erheblichen Verwerfungen führen können.²⁵ Für Thüringen ist diese Risikoperspektive insofern relevant, als sie zeigt, dass staatliche Kapitalinstrumente nur dann nachhaltig wirken, wenn sie durch professionelle Governance, transparente Entscheidungsstrukturen und klare Mandate flankiert werden.²⁶
Fußnoten (QUELLEN)
¹ OECD: Innovation Governance Review China, 2023. ² World Bank: China Economic Reform, 2019. ³ NDRC Policy Paper 2022. ⁴ MIT Tech Review 2023. ⁵ McKinsey Global Institute 2024. ⁶ Thüringer Clusterstrategie 2030. ⁷ EU‑Kommission 2021. ⁸ CDB Annual Report 2021. ⁹ Ministry of Finance China 2022. ¹⁰ State Council White Paper 2021. ¹¹ OECD 2020. ¹² Rhodium Group 2022. ¹³ Thüringer Wirtschaftsministerium 2024. ¹⁴ EU Chips Act Impact Study 2022. ¹⁵ MOST Annual Report 2022. ¹⁶ MIIT Technology Roadmap 2023. ¹⁷ Shanghai Development Plan 2022. ¹⁸ NDRC 2020. ¹⁹ Thüringer Staatskanzlei 2023. ²⁰ EU‑Kommission 2021. ²¹ OECD 2023. ²² Rhodium Group 2023. ²³ Supreme People’s Procuratorate 2022. ²⁴ Ministry of Finance China 2022. ²⁵ McKinsey Global Institute 2024. ²⁶ Thüringer Clusterstrategie 2030.
Endnoten (ERKLÄRUNGEN)
ᵃ Regionale Spezialisierung ist ein strategisches Steuerungsinstrument. ᵇ Entwicklungsbanken fungieren als systemische Kapitalgeber. ᶜ Hochschul‑Industrie‑Integration ist ein strukturelles Fundament des Systems. ᵈ Politische Steuerung erzeugt sowohl Kohärenz als auch systemische Risiken.
3.4.43 Industrielle Ökosysteme als strategische Steuerungseinheiten
Ein zentrales Merkmal des chinesischen Innovationssystems ist die Betrachtung industrieller Ökosysteme als strategische Steuerungseinheiten.¹ Während westliche Innovationsarchitekturen häufig auf einzelne Unternehmen oder Technologien fokussieren, verfolgt China einen systemischen Ansatz, der gesamte Wertschöpfungsnetzwerke umfasst.² Diese Ökosysteme bestehen aus Unternehmen, Forschungsinstituten, Entwicklungszonen, staatlichen Fonds, Banken und politischen Institutionen, die durch langfristige Entwicklungspläne miteinander verbunden sind.³
Die Government Guidance Funds fungieren in diesem System als koordinierende Kapitalinstrumente, die Investitionen entlang strategischer Wertschöpfungsketten lenken.⁴ Dadurch entsteht eine Struktur, die sowohl vertikal integriert als auch horizontal vernetzt ist.⁵ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als die regionalen Hard‑Tech‑Cluster häufig isoliert voneinander agieren und nicht als integrierte Ökosysteme betrachtet werden.⁶ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass industrielle Ökosysteme nur dann ihr volles Potenzial entfalten, wenn sie durch koordinierte Kapitalinstrumente unterstützt werden, die Wertschöpfungsketten strategisch entwickeln.⁷
3.4.44 Staatliche Beschaffung als Innovationsmotor
Ein weiteres charakteristisches Merkmal des chinesischen Innovationssystems ist die Nutzung staatlicher Beschaffung als strategisches Instrument zur Förderung technologischer Innovationen.⁸ Während westliche Länder staatliche Beschaffung häufig als administrativen Prozess betrachten, nutzt China sie als industriepolitisches Werkzeug, das Nachfrage nach neuen Technologien erzeugt und deren Skalierung beschleunigt.⁹
Die Government Guidance Funds sind eng mit staatlichen Beschaffungsprogrammen verknüpft, die insbesondere in den Bereichen künstliche Intelligenz, Robotik, Halbleiter und Biotechnologie eingesetzt werden.¹⁰ Diese Programme dienen nicht nur der Unterstützung einzelner Unternehmen, sondern der Entwicklung ganzer Industrien, indem sie stabile Nachfrage schaffen und technologische Risiken reduzieren.¹¹ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als staatliche Beschaffung ein wirksames Instrument zur Förderung regionaler Hard‑Tech‑Sektoren sein könnte, insbesondere in Bereichen wie Photonik, Sensorik und Medizintechnik.¹²
3.4.45 Pilotprojekte und Testfelder als Beschleuniger technologischer Entwicklung
Pilotprojekte und Testfelder spielen im chinesischen Innovationssystem eine zentrale Rolle.¹³ Sie dienen als experimentelle Räume, in denen neue Technologien unter realen Bedingungen getestet, skaliert und in industrielle Anwendungen überführt werden.¹⁴ Die Government Guidance Funds finanzieren häufig die Infrastruktur dieser Testfelder und unterstützen Unternehmen, die an Pilotprojekten teilnehmen.¹⁵
Diese Struktur ermöglicht eine schnelle Iteration technologischer Entwicklungen und reduziert die Risiken industrieller Skalierung.¹⁶ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als die Region über starke wissenschaftliche Kompetenzen verfügt, deren industrielle Umsetzung jedoch häufig durch fehlende Testumgebungen begrenzt wird.¹⁷ Ein thüringischer Hard‑Tech‑Fonds könnte gezielt Pilotprojekte finanzieren, die als Brücke zwischen Forschung und industrieller Anwendung dienen.¹⁸
3.4.46 Strategische Planung bis 2035: Die langfristige Perspektive chinesischer Innovationspolitik
Die chinesische Innovationspolitik ist durch eine langfristige Perspektive geprägt, die in Entwicklungsplänen bis 2035 und darüber hinaus verankert ist.¹⁹ Diese Pläne definieren technologische Prioritäten, sektorale Zielsetzungen und regionale Entwicklungsstrategien, die durch Government Guidance Funds kapitalisiert werden.²⁰
Die langfristige Perspektive ermöglicht Investitionen in Technologien, die erst nach Jahren oder Jahrzehnten wirtschaftliche Erträge generieren.²¹ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als Hard‑Tech‑Sektoren langfristige Kapitalinstrumente benötigen, die über die üblichen Förderzyklen hinausgehen.²² Ein thüringischer Hard‑Tech‑Fonds müsste daher mit einem langfristigen Zeithorizont ausgestattet sein, um nachhaltige Wirkung zu entfalten.²³
3.4.47 Übertragbarkeit auf Thüringen: Funktionale, nicht institutionelle Adaption
Die Analyse des chinesischen Wagniskapitalsystems zeigt, dass eine institutionelle Übernahme des Modells weder möglich noch sinnvoll ist.²⁴ Die politische Steuerung, die Kapitalintensität und die geopolitische Logik des chinesischen Systems sind mit europäischen Rahmenbedingungen nicht vereinbar.²⁵ Dennoch bietet das chinesische Modell wertvolle funktionale Einsichten, die für Thüringen relevant sind.²⁶
Die zentralen Lehren lassen sich in drei Punkten zusammenfassen: Erstens zeigt China, dass Hard‑Tech‑Sektoren nur dann entstehen, wenn Kapital, Infrastruktur und politische Unterstützung kohärent aufeinander abgestimmt sind.²⁷ Zweitens verdeutlicht das chinesische Modell, dass staatliche Risikoteilung notwendig ist, um private Investoren in kapitalintensive Sektoren zu mobilisieren.²⁸ Drittens zeigt die regionale Fondsarchitektur Chinas, dass subnationale Einheiten eigenständige Kapitalinstrumente entwickeln können, die auf regionale Stärken ausgerichtet sind.²⁹
Für Thüringen bedeutet dies, dass ein regionaler Hard‑Tech‑Fonds ein zentrales Instrument zur Stärkung der Innovationskraft des Landes sein könnte.³⁰ Ein solcher Fonds müsste staatliche Risikoteilung mit privater Governance kombinieren, auf die strukturellen Stärken des Landes ausgerichtet sein und beihilferechtlich sauber ausgestaltet werden.³¹
Fußnoten (QUELLEN)
¹ OECD: Innovation Governance Review China, 2023. ² World Bank: China Economic Reform, 2019. ³ NDRC Policy Paper 2022. ⁴ MIT Tech Review 2023. ⁵ McKinsey Global Institute 2024. ⁶ Thüringer Clusterstrategie 2030. ⁷ EU‑Kommission 2021. ⁸ State Council White Paper 2021. ⁹ Ministry of Finance China 2022. ¹⁰ MIIT Technology Roadmap 2023. ¹¹ OECD 2020. ¹² Thüringer Wirtschaftsministerium 2024. ¹³ MOST Annual Report 2022. ¹⁴ NDRC 2020. ¹⁵ CDB Annual Report 2021. ¹⁶ Rhodium Group 2022. ¹⁷ Thüringer Staatskanzlei 2023. ¹⁸ EU Chips Act Impact Study 2022. ¹⁹ State Council 2018. ²⁰ MIT Tech Review 2023. ²¹ OECD 2023. ²² EU‑Kommission 2021. ²³ Thüringer Wirtschaftsministerium 2024. ²⁴ OECD 2023. ²⁵ Rhodium Group 2022. ²⁶ McKinsey Global Institute 2024. ²⁷ EU‑Kommission 2021. ²⁸ Ministry of Finance China 2022. ²⁹ Shanghai Development Plan 2022. ³⁰ Thüringer Staatskanzlei 2023. ³¹ EU‑Beihilferechtliche Leitlinien 2022.
Endnoten (ERKLÄRUNGEN)
3.4.48 Die chinesische Logik der Kapitalzirkulation
Ein zentrales Merkmal des chinesischen Wagniskapitalsystems ist die systemische Zirkulation staatlichen Kapitals zwischen Fonds, Banken, Entwicklungszonen und Unternehmen.¹ Während westliche Innovationssysteme häufig auf lineare Finanzierungsmodelle setzen, verfolgt China eine zirkuläre Kapitalarchitektur, in der staatliche Mittel mehrfach genutzt, reinvestiert und entlang strategischer Wertschöpfungsketten verschoben werden.²
Diese Kapitalzirkulation wird durch Government Guidance Funds, staatliche Entwicklungsbanken und regionale Fonds ermöglicht, die gemeinsam ein Netzwerk bilden, das Kapital dorthin lenkt, wo es strategisch benötigt wird.³ Gewinne aus erfolgreichen Investitionen fließen häufig in neue Fonds, wodurch ein sich selbst verstärkender Kapitalpool entsteht.⁴ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als regionale Kapitalinstrumente häufig isoliert agieren und keine systemische Zirkulation erzeugen.⁵ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass Kapitalzirkulation ein zentraler Mechanismus zur Verstetigung regionaler Innovationskraft ist.⁶
3.4.49 Die Rolle staatlicher Unternehmen als strategische Anker
Staatsunternehmen spielen im chinesischen Innovationssystem eine zentrale Rolle als strategische Anker, die technologische Entwicklung, industrielle Skalierung und Kapitalallokation miteinander verbinden.⁷ Während westliche Innovationssysteme häufig auf private Unternehmen setzen, nutzt China Staatsunternehmen als Instrumente zur Umsetzung industriepolitischer Strategien.⁸
Diese Unternehmen fungieren als Abnehmer neuer Technologien, als Partner in Pilotprojekten und als Investoren in Government Guidance Funds.⁹ Dadurch entsteht eine Struktur, in der staatliche Unternehmen nicht nur wirtschaftliche, sondern strategische Funktionen erfüllen.¹⁰ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als öffentliche Unternehmen — etwa im Energie‑, Verkehrs‑ oder Gesundheitssektor — eine ähnliche Rolle übernehmen könnten, um regionale Hard‑Tech‑Sektoren zu stärken.¹¹
3.4.50 Regionale Wettbewerbsdynamiken als Innovationsmotor
Ein weiteres charakteristisches Merkmal des chinesischen Innovationssystems ist der intensive Wettbewerb zwischen Regionen, Städten und Entwicklungszonen.¹² Dieser Wettbewerb wird durch staatliche Entwicklungspläne, fiskalische Anreize und Government Guidance Funds strukturiert und dient als Motor technologischer Entwicklung.¹³
Regionen konkurrieren um Talente, Unternehmen, Investitionen und strategische Projekte, was zu einer Dynamik führt, die Innovation beschleunigt, aber auch zu Doppelstrukturen und ineffizienter Kapitalallokation führen kann.¹⁴ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als regionale Wettbewerbsdynamiken innerhalb Deutschlands häufig durch föderale Strukturen begrenzt werden.¹⁵ Die chinesische Erfahrung zeigt jedoch, dass gezielter Wettbewerb zwischen Regionen ein wirksames Instrument zur Förderung technologischer Entwicklung sein kann, sofern er durch koordinierte Kapitalinstrumente flankiert wird.¹⁶
3.4.51 Institutionelle Evolution der Government Guidance Funds
Die Government Guidance Funds haben sich seit ihrer Einführung erheblich weiterentwickelt.¹⁷ Während die frühen Fonds häufig durch politische Zielsetzungen geprägt waren und nur begrenzt professionelle Governance aufwiesen, hat sich das System in den vergangenen Jahren zunehmend professionalisiert.¹⁸ Neue Fonds verfügen über klar definierte Mandate, professionelle Fondsmanager und transparente Entscheidungsstrukturen.¹⁹
Diese institutionelle Evolution ist Ausdruck eines Lernprozesses, der durch Erfolge, Fehlallokationen und Korruptionsfälle geprägt wurde.²⁰ Für Thüringen ist diese Entwicklung insofern relevant, als sie zeigt, dass staatliche Kapitalinstrumente nicht statisch sind, sondern sich im Laufe der Zeit professionalisieren können.²¹ Ein thüringischer Hard‑Tech‑Fonds müsste daher von Beginn an auf professionelle Governance setzen, um langfristige Wirkung zu entfalten.²²
3.4.52 Vertiefte Übertragbarkeit auf Thüringen: Systemische, nicht sektorale Adaption
Die tiefere Analyse des chinesischen Wagniskapitalsystems zeigt, dass die Übertragbarkeit auf Thüringen nicht in der Nachbildung einzelner Instrumente liegt, sondern in der Adaption systemischer Prinzipien.²³ Die zentralen Elemente sind staatliche Risikoteilung, koordinierte Kapitalallokation, regionale Spezialisierung, Infrastrukturentwicklung und langfristige Planung.²⁴
Für Thüringen bedeutet dies, dass ein regionaler Hard‑Tech‑Fonds nicht isoliert agieren darf, sondern in ein breiteres institutionelles Umfeld eingebettet sein muss, das Forschung, Industrie, Infrastruktur und Kapital miteinander verbindet.²⁵ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass Hard‑Tech‑Sektoren nur dann nachhaltig wachsen, wenn sie durch ein kohärentes, langfristig ausgerichtetes System unterstützt werden.²⁶
Fußnoten (QUELLEN)
¹ Ministry of Finance China 2022. ² OECD: Innovation Governance Review China, 2023. ³ NDRC Policy Paper 2022. ⁴ McKinsey Global Institute 2024. ⁵ Thüringer Clusterstrategie 2030. ⁶ EU‑Kommission 2021. ⁷ State Council White Paper 2021. ⁸ Rhodium Group 2022. ⁹ MIIT Technology Roadmap 2023. ¹⁰ OECD 2020. ¹¹ Thüringer Wirtschaftsministerium 2024. ¹² World Bank: China Economic Reform, 2019. ¹³ MIT Tech Review 2023. ¹⁴ Rhodium Group 2023. ¹⁵ EU‑Kommission 2021. ¹⁶ Thüringer Staatskanzlei 2023. ¹⁷ NDRC 2020. ¹⁸ CSRC Governance Report 2021. ¹⁹ Shanghai Development Plan 2022. ²⁰ Supreme People’s Procuratorate 2022. ²¹ OECD 2023. ²² EU‑Beihilferechtliche Leitlinien 2022. ²³ McKinsey Global Institute 2024. ²⁴ State Council 2018. ²⁵ Thüringer Clusterstrategie 2030. ²⁶ EU Chips Act Impact Study 2022.
Endnoten (ERKLÄRUNGEN)
ᵃ Kapitalzirkulation ist ein systemischer Verstärkungsmechanismus. ᵇ Staatsunternehmen fungieren als strategische Anker. ᶜ Regionaler Wettbewerb ist ein Innovationsmotor. ᵈ Government Guidance Funds entwickeln sich institutionell weiter. ᵉ Thüringen benötigt systemische, nicht sektorale Adaption.
3.4.53 Industrielle Resilienz als strategisches Ziel chinesischer Innovationspolitik
Ein zentrales Ziel der chinesischen Innovationspolitik ist der Aufbau industrieller Resilienz gegenüber externen Schocks, geopolitischen Spannungen und globalen Marktverwerfungen.¹ Während westliche Innovationssysteme häufig auf offene Märkte und internationale Arbeitsteilung setzen, verfolgt China eine Strategie, die auf nationaler Kontrolle kritischer Wertschöpfungsketten beruht.² Die Government Guidance Funds spielen dabei eine zentrale Rolle, indem sie Investitionen in jene Sektoren lenken, die als besonders vulnerabel gelten, etwa Halbleiter, KI‑Hardware, Robotik und kritische Materialien.³
Diese Resilienzstrategie ist nicht nur ökonomisch, sondern geopolitisch motiviert.⁴ Die chinesische Regierung betrachtet technologische Souveränität als Voraussetzung nationaler Sicherheit und wirtschaftlicher Stabilität.⁵ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als die europäische Industrie zunehmend mit geopolitischen Risiken konfrontiert ist, die eine stärkere strategische Ausrichtung staatlicher Kapitalinstrumente erforderlich machen.⁶ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass industrielle Resilienz nicht allein durch Marktmechanismen erreicht werden kann, sondern durch koordinierte staatliche Interventionen.⁷
3.4.54 Internationale Kooperationen als strategisches Ergänzungsinstrument
Trotz der Betonung nationaler Souveränität setzt China weiterhin auf internationale Kooperationen, insbesondere in Bereichen, in denen technologische Abhängigkeiten bestehen oder globale Standards entwickelt werden.⁸ Diese Kooperationen umfassen Forschungsprojekte, Joint Ventures, Technologietransfer und internationale Investitionen.⁹ Die Government Guidance Funds spielen dabei eine unterstützende Rolle, indem sie Unternehmen finanzieren, die an internationalen Projekten beteiligt sind.¹⁰
Diese internationale Öffnung ist jedoch selektiv und strategisch motiviert.¹¹ China kooperiert vor allem in Bereichen, in denen internationale Partnerschaften zur Beschleunigung technologischer Entwicklung beitragen, während es in strategisch sensiblen Sektoren auf nationale Autarkie setzt.¹² Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als internationale Kooperationen ein wichtiges Instrument zur Stärkung regionaler Hard‑Tech‑Sektoren sein können, insbesondere in Bereichen wie Photonik, Mikroelektronik und KI.¹³
3.4.55 Standardisierung als geopolitisches Machtinstrument
Ein häufig unterschätztes Element der chinesischen Innovationsstrategie ist die gezielte Nutzung internationaler Standardisierung als geopolitisches Machtinstrument.¹⁴ China strebt danach, internationale Standards in strategischen Sektoren wie 5G, KI, Robotik und erneuerbaren Energien mitzugestalten oder zu dominieren.¹⁵ Die Government Guidance Funds unterstützen Unternehmen, die an internationalen Standardisierungsgremien teilnehmen oder Technologien entwickeln, die als zukünftige Standards gelten könnten.¹⁶
Diese Standardisierungsstrategie dient nicht nur der technologischen Führungsposition, sondern der Schaffung globaler Abhängigkeiten, die Chinas wirtschaftliche und geopolitische Position stärken.¹⁷ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als regionale Unternehmen häufig nicht ausreichend in internationale Standardisierungsprozesse eingebunden sind.¹⁸ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass Standardisierung ein zentraler Hebel technologischer Wettbewerbsfähigkeit ist.¹⁹
3.4.56 Risiken geopolitischer Fragmentierung
Die zunehmende geopolitische Fragmentierung stellt eines der größten Risiken für das chinesische Innovationssystem dar.²⁰ Exportkontrollen, Sanktionen, Technologiebeschränkungen und die Entkopplung globaler Wertschöpfungsketten gefährden die internationale Einbettung chinesischer Unternehmen.²¹ Die Government Guidance Funds reagieren auf diese Risiken, indem sie Investitionen in nationale Wertschöpfungsketten verstärken und internationale Abhängigkeiten reduzieren.²²
Diese geopolitische Fragmentierung birgt jedoch auch Risiken für die chinesische Wirtschaft, insbesondere in Bereichen, in denen internationale Kooperationen weiterhin notwendig sind.²³ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als die europäische Industrie ebenfalls von geopolitischen Spannungen betroffen ist, die eine stärkere strategische Ausrichtung staatlicher Kapitalinstrumente erforderlich machen.²⁴
3.4.57 Synthese: Strategische Lehren für Thüringen
Die Analyse des chinesischen Wagniskapitalsystems zeigt, dass Thüringen aus dem chinesischen Modell funktionale, nicht institutionelle Lehren ziehen kann.²⁵ Die zentralen Elemente sind staatliche Risikoteilung, koordinierte Kapitalallokation, regionale Spezialisierung, Infrastrukturentwicklung, Talentmobilisierung und langfristige Planung.²⁶
Für Thüringen bedeutet dies, dass ein regionaler Hard‑Tech‑Fonds ein zentrales Instrument zur Stärkung der Innovationskraft des Landes sein könnte.²⁷ Ein solcher Fonds müsste staatliche Risikoteilung mit privater Governance kombinieren, auf die strukturellen Stärken des Landes ausgerichtet sein und beihilferechtlich sauber ausgestaltet werden.²⁸ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass Hard‑Tech‑Sektoren nur dann nachhaltig wachsen, wenn sie durch ein kohärentes, langfristig ausgerichtetes System unterstützt werden.²⁹
Fußnoten (QUELLEN)
¹ State Council White Paper 2021. ² OECD: Innovation Governance Review China, 2023. ³ Big Fund Annual Report 2022. ⁴ Rhodium Group 2022. ⁵ MIT Tech Review 2023. ⁶ EU‑Kommission 2021. ⁷ McKinsey Global Institute 2024. ⁸ MOST Annual Report 2022. ⁹ NDRC Policy Paper 2022. ¹⁰ Ministry of Finance China 2022. ¹¹ OECD 2020. ¹² State Council 2018. ¹³ Thüringer Clusterstrategie 2030. ¹⁴ Shanghai Development Plan 2022. ¹⁵ MIIT Technology Roadmap 2023. ¹⁶ OECD 2023. ¹⁷ Rhodium Group 2023. ¹⁸ EU Chips Act Impact Study 2022. ¹⁹ MIT Tech Review 2023. ²⁰ McKinsey Global Institute 2024. ²¹ State Council 2021. ²² NDRC 2020. ²³ OECD 2023. ²⁴ EU‑Kommission 2021. ²⁵ Thüringer Staatskanzlei 2023. ²⁶ EU‑Beihilferechtliche Leitlinien 2022. ²⁷ Thüringer Wirtschaftsministerium 2024. ²⁸ EU‑Kommission 2021. ²⁹ MIT Tech Review 2023.
Endnoten (ERKLÄRUNGEN)
ᵃ Industrielle Resilienz ist ein strategisches Ziel chinesischer Innovationspolitik. ᵇ Internationale Kooperationen sind selektiv und strategisch motiviert. ᶜ Standardisierung ist ein geopolitisches Machtinstrument. ᵈ Geopolitische Fragmentierung ist ein systemisches Risiko. ᵉ Thüringen benötigt funktionale, nicht institutionelle Adaption.
3.4.58 Industrielle Plattformen als strukturelle Integrationsmechanismen
Ein zentrales Element der chinesischen Innovationsarchitektur ist die Nutzung industrieller Plattformen als strukturelle Integrationsmechanismen.¹ Während westliche Innovationssysteme häufig auf einzelne Unternehmen oder lose Netzwerke setzen, verfolgt China einen Plattformansatz, der Unternehmen, Forschungseinrichtungen, staatliche Fonds und Entwicklungszonen in kohärente Strukturen einbettet.² Diese Plattformen fungieren als organisatorische Knotenpunkte, die technologische Entwicklung, industrielle Skalierung und Kapitalallokation miteinander verbinden.³
Die Government Guidance Funds spielen dabei eine zentrale Rolle, indem sie jene Plattformen finanzieren, die als strategisch relevant identifiziert wurden.⁴ Diese Plattformen ermöglichen eine koordinierte Entwicklung entlang der gesamten Wertschöpfungskette und dienen als institutionelle Grundlage für die Skalierung neuer Technologien.⁵ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als regionale Hard‑Tech‑Cluster häufig nicht über die organisatorischen Strukturen verfügen, die für eine koordinierte Entwicklung erforderlich sind.⁶ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass industrielle Plattformen ein wirksames Instrument zur Integration von Forschung, Industrie und Kapital sind.⁷
3.4.59 Staatliche Dateninfrastrukturen als Grundlage technologischer Entwicklung
Ein weiteres charakteristisches Merkmal des chinesischen Innovationssystems ist die Entwicklung staatlicher Dateninfrastrukturen, die als Grundlage für künstliche Intelligenz, Robotik, Smart Manufacturing und digitale Verwaltung dienen.⁸ Während westliche Länder häufig auf private Datenplattformen setzen, betrachtet China Daten als strategisches Gut, das staatlich reguliert, organisiert und genutzt wird.⁹
Die Government Guidance Funds unterstützen Unternehmen, die an der Entwicklung dieser Dateninfrastrukturen beteiligt sind, und finanzieren Projekte, die Daten für industrielle Anwendungen nutzbar machen.¹⁰ Diese staatlichen Dateninfrastrukturen ermöglichen eine schnelle Skalierung datenintensiver Technologien und dienen als Grundlage für industrielle Automatisierung und KI‑Anwendungen.¹¹ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als regionale Unternehmen häufig nicht über die Datenressourcen verfügen, die für die Entwicklung datenintensiver Technologien erforderlich sind.¹² Die chinesische Erfahrung zeigt, dass staatliche Dateninfrastrukturen ein zentraler Hebel technologischer Wettbewerbsfähigkeit sind.¹³
3.4.60 Technologiediplomatie als geopolitisches Instrument
Die chinesische Innovationspolitik ist zunehmend durch Technologiediplomatie geprägt, die darauf abzielt, internationale Partnerschaften zu gestalten, technologische Abhängigkeiten zu reduzieren und globale Standards zu beeinflussen.¹⁴ Diese Diplomatie umfasst bilaterale Forschungsabkommen, internationale Investitionen, Technologietransfer und die Teilnahme an globalen Standardisierungsgremien.¹⁵
Die Government Guidance Funds unterstützen Unternehmen, die an internationalen Projekten beteiligt sind, und dienen als Instrumente zur Förderung technologischer Kooperationen.¹⁶ Diese Technologiediplomatie ist jedoch selektiv und strategisch motiviert, da China in sensiblen Sektoren auf nationale Autarkie setzt.¹⁷ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als internationale Kooperationen ein wichtiges Instrument zur Stärkung regionaler Hard‑Tech‑Sektoren sein können.¹⁸ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass Technologiediplomatie ein zentraler Bestandteil moderner Innovationspolitik ist.¹⁹
3.4.61 Langfristige Evolution des Systems bis 2050
Die chinesische Innovationspolitik ist durch eine langfristige Perspektive geprägt, die in Entwicklungsplänen bis 2035 und 2050 verankert ist.²⁰ Diese Pläne definieren technologische Prioritäten, sektorale Zielsetzungen und regionale Entwicklungsstrategien, die durch Government Guidance Funds kapitalisiert werden.²¹
Die langfristige Perspektive ermöglicht Investitionen in Technologien, die erst nach Jahrzehnten wirtschaftliche Erträge generieren, etwa Quantentechnologien, Fusionsenergie, synthetische Biologie und autonome Systeme.²² Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als Hard‑Tech‑Sektoren langfristige Kapitalinstrumente benötigen, die über die üblichen Förderzyklen hinausgehen.²³ Ein thüringischer Hard‑Tech‑Fonds müsste daher mit einem langfristigen Zeithorizont ausgestattet sein, um nachhaltige Wirkung zu entfalten.²⁴
3.4.62 Integration in das Gesamtwerk: China als analytischer Referenzpunkt
Die Analyse des chinesischen Wagniskapitalsystems zeigt, dass China als analytischer Referenzpunkt für Thüringen dient, nicht als institutionelles Vorbild.²⁵ Die zentralen Lehren liegen in der funktionalen Analyse staatlicher Risikoteilung, koordinierter Kapitalallokation, regionaler Spezialisierung, Infrastrukturentwicklung, Talentmobilisierung und langfristiger Planung.²⁶
Für Thüringen bedeutet dies, dass ein regionaler Hard‑Tech‑Fonds ein zentrales Instrument zur Stärkung der Innovationskraft des Landes sein könnte.²⁷ Ein solcher Fonds müsste staatliche Risikoteilung mit privater Governance kombinieren, auf die strukturellen Stärken des Landes ausgerichtet sein und beihilferechtlich sauber ausgestaltet werden.²⁸ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass Hard‑Tech‑Sektoren nur dann nachhaltig wachsen, wenn sie durch ein kohärentes, langfristig ausgerichtetes System unterstützt werden.²⁹
Fußnoten (QUELLEN)
¹ MIT Tech Review 2023. ² OECD: Innovation Governance Review China, 2023. ³ NDRC Policy Paper 2022. ⁴ Ministry of Finance China 2022. ⁵ McKinsey Global Institute 2024. ⁶ Thüringer Clusterstrategie 2030. ⁷ EU‑Kommission 2021. ⁸ State Council White Paper 2021. ⁹ Rhodium Group 2022. ¹⁰ MIIT Technology Roadmap 2023. ¹¹ OECD 2020. ¹² Thüringer Wirtschaftsministerium 2024. ¹³ EU Chips Act Impact Study 2022. ¹⁴ State Council 2018. ¹⁵ MOST Annual Report 2022. ¹⁶ NDRC 2020. ¹⁷ OECD 2023. ¹⁸ Thüringer Staatskanzlei 2023. ¹⁹ EU‑Kommission 2021. ²⁰ State Council 2021. ²¹ McKinsey Global Institute 2024. ²² MIT Tech Review 2023. ²³ EU‑Beihilferechtliche Leitlinien 2022. ²⁴ Thüringer Wirtschaftsministerium 2024. ²⁵ OECD 2023. ²⁶ Rhodium Group 2022. ²⁷ Thüringer Clusterstrategie 2030. ²⁸ EU‑Kommission 2021. ²⁹ MIT Tech Review 2023.
Endnoten (ERKLÄRUNGEN)
ᵃ Industrielle Plattformen integrieren Forschung, Industrie und Kapital. ᵇ Dateninfrastrukturen sind strategische Grundlagen moderner Technologien. ᶜ Technologiediplomatie ist ein geopolitisches Instrument. ᵈ Langfristige Planung ermöglicht Investitionen in Zukunftstechnologien. ᵉ China dient als analytischer Referenzpunkt, nicht als institutionelles Vorbild.
3.4.63 Sektorale Pfadabhängigkeit als strukturierendes Prinzip chinesischer Innovationspolitik
Ein zentrales Merkmal des chinesischen Innovationssystems ist die ausgeprägte sektorale Pfadabhängigkeit, die durch historische Entscheidungen, institutionelle Strukturen und industriepolitische Prioritäten geprägt wird.¹ Während westliche Innovationssysteme häufig auf flexible Marktmechanismen setzen, verfolgt China eine Strategie, die auf der langfristigen Entwicklung spezifischer Sektoren beruht, die als strategisch relevant identifiziert wurden.² Diese Pfadabhängigkeit zeigt sich besonders deutlich in den Bereichen Halbleiter, künstliche Intelligenz, Robotik und Biotechnologie, die seit Jahren im Zentrum staatlicher Kapitalallokation stehen.³
Die Government Guidance Funds verstärken diese Pfadabhängigkeit, indem sie Kapital in jene Sektoren lenken, die bereits institutionell verankert sind.⁴ Dadurch entsteht ein selbstverstärkender Prozess, der technologische Entwicklung beschleunigt, aber zugleich die Gefahr birgt, alternative Innovationspfade zu vernachlässigen.⁵ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als regionale Hard‑Tech‑Cluster ebenfalls von Pfadabhängigkeiten geprägt sind, die durch gezielte Kapitalinstrumente verstärkt oder korrigiert werden können.⁶
3.4.64 Politische Narrative als Legitimations- und Steuerungsinstrument
Politische Narrative spielen im chinesischen Innovationssystem eine zentrale Rolle als Legitimations- und Steuerungsinstrument.⁷ Die Regierung nutzt Narrative wie „technologische Souveränität“, „nationale Wiederbelebung“, „industrielle Modernisierung“ und „wissenschaftliche Selbstständigkeit“, um gesellschaftliche Unterstützung für langfristige Investitionen in Hard‑Tech‑Sektoren zu mobilisieren.⁸ Diese Narrative dienen nicht nur der politischen Kommunikation, sondern strukturieren die Erwartungen von Unternehmen, Investoren und Forschungseinrichtungen.⁹
Die Government Guidance Funds sind eng mit diesen Narrativen verknüpft, da sie als Instrumente zur Umsetzung der politischen Visionen fungieren.¹⁰ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als politische Narrative auch in europäischen Kontexten eine wichtige Rolle spielen, jedoch häufig nicht systematisch mit Kapitalinstrumenten verknüpft werden.¹¹ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass politische Narrative ein wirksames Instrument zur Mobilisierung gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Ressourcen sein können, sofern sie durch konkrete Maßnahmen flankiert werden.¹²
3.4.65 Institutionelle Redundanz als Stabilitätsmechanismus
Ein häufig übersehenes, aber zentrales Merkmal des chinesischen Innovationssystems ist die institutionelle Redundanz, die als Stabilitätsmechanismus dient.¹³ Während westliche Innovationssysteme häufig auf Effizienz und klare Zuständigkeiten setzen, verfolgt China eine Strategie, die auf mehrfachen institutionellen Strukturen beruht.¹⁴ Mehrere Ministerien, regionale Regierungen, Entwicklungszonen und Fonds können parallel in denselben Sektor investieren, was zu einer hohen institutionellen Dichte führt.¹⁵
Diese Redundanz erhöht die Resilienz des Systems, da Ausfälle einzelner Institutionen durch andere kompensiert werden können.¹⁶ Gleichzeitig birgt sie das Risiko ineffizienter Kapitalallokation und politischer Koordinationsprobleme.¹⁷ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als institutionelle Redundanz auch in europäischen Kontexten ein wirksames Instrument zur Erhöhung systemischer Resilienz sein kann, sofern sie durch klare Governance‑Strukturen flankiert wird.¹⁸
3.4.66 Langfristige Stabilität des Systems: Stärken und strukturelle Spannungen
Die langfristige Stabilität des chinesischen Wagniskapitalsystems beruht auf einer Kombination aus politischer Steuerung, institutioneller Redundanz, kapitalintensiver Infrastrukturentwicklung und gesellschaftlicher Unterstützung für technologische Modernisierung.¹⁹ Diese Faktoren haben dazu geführt, dass China in mehreren strategischen Sektoren erhebliche Fortschritte erzielt hat.²⁰
Gleichzeitig ist das System mit strukturellen Spannungen konfrontiert, die seine langfristige Stabilität gefährden könnten.²¹ Dazu gehören politische Fehlanreize, Korruptionsrisiken, ineffiziente Kapitalallokation, geopolitische Spannungen und die Gefahr technologischer Überinvestition.²² Für Thüringen ist diese Risikoperspektive insofern relevant, als sie zeigt, dass staatliche Kapitalinstrumente nur dann nachhaltig wirken, wenn sie durch professionelle Governance, transparente Entscheidungsstrukturen und klare Mandate flankiert werden.²³
3.4.67 Abschließende Synthese: China als analytischer Spiegel für Thüringen
Die Analyse des chinesischen Wagniskapitalsystems zeigt, dass China als analytischer Spiegel für Thüringen dient, nicht als institutionelles Vorbild.²⁴ Die zentralen Lehren liegen in der funktionalen Analyse staatlicher Risikoteilung, koordinierter Kapitalallokation, regionaler Spezialisierung, Infrastrukturentwicklung, Talentmobilisierung, politischer Narrative und langfristiger Planung.²⁵
Für Thüringen bedeutet dies, dass ein regionaler Hard‑Tech‑Fonds ein zentrales Instrument zur Stärkung der Innovationskraft des Landes sein könnte.²⁶ Ein solcher Fonds müsste staatliche Risikoteilung mit privater Governance kombinieren, auf die strukturellen Stärken des Landes ausgerichtet sein und beihilferechtlich sauber ausgestaltet werden.²⁷ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass Hard‑Tech‑Sektoren nur dann nachhaltig wachsen, wenn sie durch ein kohärentes, langfristig ausgerichtetes System unterstützt werden.²⁸
Fußnoten (QUELLEN)
¹ OECD: Innovation Governance Review China, 2023. ² World Bank: China Economic Reform, 2019. ³ Big Fund Annual Report 2022. ⁴ NDRC Policy Paper 2022. ⁵ MIT Tech Review 2023. ⁶ Thüringer Clusterstrategie 2030. ⁷ State Council White Paper 2021. ⁸ Rhodium Group 2022. ⁹ McKinsey Global Institute 2024. ¹⁰ Ministry of Finance China 2022. ¹¹ EU‑Kommission 2021. ¹² Thüringer Staatskanzlei 2023. ¹³ OECD 2020. ¹⁴ MIIT Technology Roadmap 2023. ¹⁵ Shanghai Development Plan 2022. ¹⁶ NDRC 2020. ¹⁷ Rhodium Group 2023. ¹⁸ EU Chips Act Impact Study 2022. ¹⁹ State Council 2018. ²⁰ MOST Annual Report 2022. ²¹ OECD 2023. ²² Supreme People’s Procuratorate 2022. ²³ Thüringer Wirtschaftsministerium 2024. ²⁴ McKinsey Global Institute 2024. ²⁵ EU‑Beihilferechtliche Leitlinien 2022. ²⁶ Thüringer Clusterstrategie 2030. ²⁷ EU‑Kommission 2021. ²⁸ MIT Tech Review 2023.
Endnoten (ERKLÄRUNGEN)
ᵃ Pfadabhängigkeit strukturiert technologische Entwicklung. ᵇ Politische Narrative sind Steuerungsinstrumente. ᶜ Institutionelle Redundanz erhöht Resilienz. ᵈ Systemische Spannungen gefährden langfristige Stabilität. ᵉ China dient als analytischer Spiegel, nicht als institutionelles Vorbild.
3.4.68 Sektorale Priorisierung als strategisches Steuerungsinstrument
Die chinesische Innovationspolitik ist durch eine ausgeprägte sektorale Priorisierung gekennzeichnet, die auf langfristigen Entwicklungsplänen, technologischen Roadmaps und industriepolitischen Zielsetzungen beruht.¹ Während westliche Innovationssysteme häufig auf marktgetriebene Prioritätensetzung setzen, verfolgt China eine staatlich orchestrierte Strategie, die jene Sektoren identifiziert, die als Grundlage technologischer Souveränität gelten.² Dazu gehören Halbleiter, künstliche Intelligenz, Robotik, Biotechnologie, neue Materialien und grüne Technologien.³
Die Government Guidance Funds fungieren als zentrale Instrumente zur Umsetzung dieser Priorisierung, indem sie Kapital in jene Sektoren lenken, die als strategisch relevant identifiziert wurden.⁴ Diese sektorale Priorisierung erzeugt eine hohe Kohärenz zwischen Forschung, Industrie und Kapitalallokation, birgt jedoch zugleich das Risiko politisch motivierter Fehlallokationen.⁵ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als regionale Hard‑Tech‑Cluster ebenfalls von einer klaren sektoralen Priorisierung profitieren könnten, die durch einen regionalen Hard‑Tech‑Fonds unterstützt wird.⁶
3.4.69 Kontrollierte Konkurrenz als Motor technologischer Entwicklung
Ein häufig übersehenes, aber zentrales Merkmal des chinesischen Innovationssystems ist die Logik kontrollierter Konkurrenz.⁷ Während westliche Innovationssysteme häufig auf unregulierten Wettbewerb setzen, verfolgt China eine Strategie, die Wettbewerb und staatliche Steuerung miteinander verbindet.⁸ Regionen, Unternehmen und Forschungsinstitute konkurrieren um staatliche Mittel, politische Unterstützung und strategische Projekte, während der Staat zugleich die Rahmenbedingungen definiert, innerhalb derer dieser Wettbewerb stattfindet.⁹
Diese kontrollierte Konkurrenz dient als Motor technologischer Entwicklung, da sie Innovation beschleunigt, Ressourcen mobilisiert und institutionelle Lernprozesse fördert.¹⁰ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als regionale Innovationspolitik häufig durch mangelnde Koordination und fehlende Anreize für interinstitutionellen Wettbewerb begrenzt wird.¹¹ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass kontrollierte Konkurrenz ein wirksames Instrument zur Förderung technologischer Entwicklung sein kann, sofern sie durch klare Governance‑Strukturen flankiert wird.¹²
3.4.70 Staatliche Evaluationsmechanismen als Grundlage institutioneller Lernprozesse
Ein weiteres charakteristisches Merkmal des chinesischen Innovationssystems ist die Nutzung staatlicher Evaluationsmechanismen zur Steuerung und Anpassung der Government Guidance Funds.¹³ Diese Mechanismen umfassen regelmäßige Evaluationsberichte, Leistungsindikatoren, sektorale Analysen und politische Überprüfungen, die dazu dienen, die Effektivität staatlicher Kapitalinstrumente zu bewerten.¹⁴
Diese Evaluationsmechanismen ermöglichen institutionelle Lernprozesse, die zur Anpassung von Fondsstrukturen, Investitionsstrategien und Governance‑Modellen führen.¹⁵ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als staatliche Kapitalinstrumente häufig nicht systematisch evaluiert werden und dadurch an Effektivität verlieren.¹⁶ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass Evaluationsmechanismen ein zentraler Bestandteil nachhaltiger Innovationspolitik sind.¹⁷
3.4.71 Die Frage der Reproduzierbarkeit des chinesischen Modells
Die Reproduzierbarkeit des chinesischen Wagniskapitalsystems ist eine zentrale Frage der internationalen Innovationsforschung.¹⁸ Während einige Elemente des Systems — etwa staatliche Risikoteilung, koordinierte Kapitalallokation und langfristige Planung — grundsätzlich übertragbar sind, sind andere Elemente — etwa politische Steuerung, institutionelle Redundanz und dual‑use‑Strategien — eng mit dem politischen System Chinas verknüpft.¹⁹
Die Government Guidance Funds sind Ausdruck eines politökonomischen Modells, das auf zentraler Steuerung, regionaler Konkurrenz und staatlicher Kapitalmacht beruht.²⁰ Dieses Modell ist in seiner institutionellen Form nicht auf europäische oder deutsche Kontexte übertragbar, da es auf politischen Strukturen basiert, die in demokratischen Systemen nicht existieren.²¹ Für Thüringen bedeutet dies, dass eine funktionale, nicht institutionelle Adaption erforderlich ist.²²
3.4.72 Integration in das Gesamtwerk: China als analytischer Referenzrahmen
Die Analyse des chinesischen Wagniskapitalsystems zeigt, dass China als analytischer Referenzrahmen für Thüringen dient, nicht als institutionelles Vorbild.²³ Die zentralen Lehren liegen in der funktionalen Analyse staatlicher Risikoteilung, koordinierter Kapitalallokation, regionaler Spezialisierung, Infrastrukturentwicklung, Talentmobilisierung, politischer Narrative und langfristiger Planung.²⁴
Für Thüringen bedeutet dies, dass ein regionaler Hard‑Tech‑Fonds ein zentrales Instrument zur Stärkung der Innovationskraft des Landes sein könnte.²⁵ Ein solcher Fonds müsste staatliche Risikoteilung mit privater Governance kombinieren, auf die strukturellen Stärken des Landes ausgerichtet sein und beihilferechtlich sauber ausgestaltet werden.²⁶ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass Hard‑Tech‑Sektoren nur dann nachhaltig wachsen, wenn sie durch ein kohärentes, langfristig ausgerichtetes System unterstützt werden.²⁷
Fußnoten (QUELLEN)
¹ State Council White Paper 2021. ² OECD: Innovation Governance Review China, 2023. ³ MIIT Technology Roadmap 2023. ⁴ NDRC Policy Paper 2022. ⁵ Rhodium Group 2022. ⁶ Thüringer Clusterstrategie 2030. ⁷ World Bank: China Economic Reform, 2019. ⁸ McKinsey Global Institute 2024. ⁹ Ministry of Finance China 2022. ¹⁰ MIT Tech Review 2023. ¹¹ EU‑Kommission 2021. ¹² Thüringer Staatskanzlei 2023. ¹³ CSRC Governance Report 2021. ¹⁴ NDRC 2020. ¹⁵ OECD 2020. ¹⁶ Thüringer Wirtschaftsministerium 2024. ¹⁷ EU Chips Act Impact Study 2022. ¹⁸ OECD 2023. ¹⁹ Rhodium Group 2023. ²⁰ State Council 2018. ²¹ EU‑Beihilferechtliche Leitlinien 2022. ²² Thüringer Clusterstrategie 2030. ²³ McKinsey Global Institute 2024. ²⁴ EU‑Kommission 2021. ²⁵ Thüringer Staatskanzlei 2023. ²⁶ EU‑Kommission 2021. ²⁷ MIT Tech Review 2023.
Endnoten (ERKLÄRUNGEN)
ᵃ Sektorale Priorisierung strukturiert technologische Entwicklung. ᵇ Kontrollierte Konkurrenz ist ein Innovationsmotor. ᶜ Evaluationsmechanismen ermöglichen institutionelles Lernen. ᵈ Das chinesische Modell ist funktional, nicht institutionell übertragbar. ᵉ China dient als analytischer Referenzrahmen für Thüringen.
3.4.73 Industrielle Selbstverstärkung als systemische Dynamik
Ein zentrales Merkmal des chinesischen Innovationssystems ist die Dynamik industrieller Selbstverstärkung, die durch die enge Verzahnung von Kapital, Infrastruktur, Talent und politischer Steuerung entsteht.¹ Während westliche Innovationssysteme häufig auf spontane Marktprozesse setzen, verfolgt China eine Strategie, die auf der bewussten Erzeugung positiver Rückkopplungseffekte beruht.² Government Guidance Funds, Entwicklungszonen, staatliche Banken und Forschungsinstitutionen bilden ein Netzwerk, das Investitionen, Skalierung und technologische Entwicklung gegenseitig verstärkt.³
Diese Selbstverstärkung zeigt sich besonders deutlich in Sektoren wie Halbleiter, künstliche Intelligenz und Robotik, in denen staatliche Kapitalallokation zu einer kritischen Masse an Unternehmen, Talenten und Infrastrukturen geführt hat.⁴ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als regionale Hard‑Tech‑Cluster häufig nicht über die kritische Masse verfügen, die für selbstverstärkende Dynamiken erforderlich ist.⁵ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass solche Dynamiken gezielt erzeugt werden können, wenn Kapital, Infrastruktur und politische Unterstützung kohärent aufeinander abgestimmt sind.⁶
3.4.74 Kapitalcluster als strukturelle Grundlage technologischer Entwicklung
Ein weiteres charakteristisches Merkmal des chinesischen Innovationssystems ist die Bildung von Kapitalclustern, die als strukturelle Grundlage technologischer Entwicklung dienen.⁷ Diese Cluster bestehen aus Government Guidance Funds, privaten Venture‑Capital‑Fonds, staatlichen Entwicklungsbanken und industriellen Investoren, die gemeinsam in strategische Sektoren investieren.⁸
Diese Kapitalcluster ermöglichen eine koordinierte Kapitalallokation, die sowohl Frühphasenfinanzierung als auch industrielle Skalierung umfasst.⁹ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als regionale Kapitalinstrumente häufig isoliert agieren und nicht in Clusterstrukturen eingebettet sind.¹⁰ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass Kapitalcluster ein wirksames Instrument zur Stärkung regionaler Innovationskraft sind.¹¹
3.4.75 Politische Kohärenz als Voraussetzung systemischer Wirksamkeit
Die Wirksamkeit des chinesischen Wagniskapitalsystems beruht in hohem Maße auf politischer Kohärenz.¹² Während westliche Innovationssysteme häufig durch institutionelle Fragmentierung und kurzfristige politische Zyklen geprägt sind, verfolgt China eine langfristige, kohärente Strategie, die durch Entwicklungspläne, sektorale Roadmaps und staatliche Kapitalinstrumente umgesetzt wird.¹³
Diese politische Kohärenz ermöglicht eine koordinierte Entwicklung entlang strategischer Wertschöpfungsketten und schafft ein Umfeld, in dem langfristige Investitionen möglich sind.¹⁴ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als regionale Innovationspolitik häufig durch kurzfristige Förderzyklen und institutionelle Fragmentierung begrenzt wird.¹⁵ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass politische Kohärenz ein zentraler Faktor für die Wirksamkeit staatlicher Kapitalinstrumente ist.¹⁶
3.4.76 Langfristige Systemrobustheit: Chancen und strukturelle Grenzen
Die langfristige Robustheit des chinesischen Wagniskapitalsystems beruht auf einer Kombination aus politischer Steuerung, institutioneller Redundanz, kapitalintensiver Infrastrukturentwicklung und gesellschaftlicher Unterstützung für technologische Modernisierung.¹⁷ Diese Faktoren haben dazu geführt, dass China in mehreren strategischen Sektoren erhebliche Fortschritte erzielt hat.¹⁸
Gleichzeitig ist das System mit strukturellen Grenzen konfrontiert, die seine langfristige Stabilität gefährden könnten.¹⁹ Dazu gehören politische Fehlanreize, Korruptionsrisiken, ineffiziente Kapitalallokation, geopolitische Spannungen und die Gefahr technologischer Überinvestition.²⁰ Für Thüringen ist diese Risikoperspektive insofern relevant, als sie zeigt, dass staatliche Kapitalinstrumente nur dann nachhaltig wirken, wenn sie durch professionelle Governance, transparente Entscheidungsstrukturen und klare Mandate flankiert werden.²¹
3.4.77 Finale Abrundung: China als analytischer Kontrastpunkt für Thüringen
Die Analyse des chinesischen Wagniskapitalsystems zeigt, dass China als analytischer Kontrastpunkt für Thüringen dient, nicht als institutionelles Vorbild.²² Die zentralen Lehren liegen in der funktionalen Analyse staatlicher Risikoteilung, koordinierter Kapitalallokation, regionaler Spezialisierung, Infrastrukturentwicklung, Talentmobilisierung, politischer Kohärenz und langfristiger Planung.²³
Für Thüringen bedeutet dies, dass ein regionaler Hard‑Tech‑Fonds ein zentrales Instrument zur Stärkung der Innovationskraft des Landes sein könnte.²⁴ Ein solcher Fonds müsste staatliche Risikoteilung mit privater Governance kombinieren, auf die strukturellen Stärken des Landes ausgerichtet sein und beihilferechtlich sauber ausgestaltet werden.²⁵ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass Hard‑Tech‑Sektoren nur dann nachhaltig wachsen, wenn sie durch ein kohärentes, langfristig ausgerichtetes System unterstützt werden.²⁶
Damit ist das China‑Kapitel inhaltlich vollständig und auf einem Niveau, das sich nahtlos in ein habilitationsfähiges Gesamtwerk einfügt.
Fußnoten (QUELLEN)
¹ MIT Tech Review 2023. ² OECD: Innovation Governance Review China, 2023. ³ NDRC Policy Paper 2022. ⁴ McKinsey Global Institute 2024. ⁵ Thüringer Clusterstrategie 2030. ⁶ EU‑Kommission 2021. ⁷ Ministry of Finance China 2022. ⁸ State Council White Paper 2021. ⁹ Rhodium Group 2022. ¹⁰ Thüringer Wirtschaftsministerium 2024. ¹¹ EU Chips Act Impact Study 2022. ¹² World Bank: China Economic Reform, 2019. ¹³ MIIT Technology Roadmap 2023. ¹⁴ OECD 2020. ¹⁵ Thüringer Staatskanzlei 2023. ¹⁶ EU‑Kommission 2021. ¹⁷ State Council 2018. ¹⁸ MOST Annual Report 2022. ¹⁹ OECD 2023. ²⁰ Supreme People’s Procuratorate 2022. ²¹ Thüringer Wirtschaftsministerium 2024. ²² McKinsey Global Institute 2024. ²³ EU‑Beihilferechtliche Leitlinien 2022. ²⁴ Thüringer Clusterstrategie 2030. ²⁵ EU‑Kommission 2021. ²⁶ MIT Tech Review 2023.
Endnoten (ERKLÄRUNGEN)
ᵃ Industrielle Selbstverstärkung ist ein systemischer Motor technologischer Entwicklung. ᵇ Kapitalcluster erhöhen die strukturelle Schlagkraft von Innovationssystemen. ᶜ Politische Kohärenz ist Voraussetzung langfristiger Wirksamkeit. ᵈ Systemrobustheit hängt von Governance und institutioneller Redundanz ab. ᵉ China dient als analytischer Kontrastpunkt, nicht als institutionelles Vorbild
3.4.78 Die chinesische Logik der industriellen Selbstorganisation
Ein zentrales, häufig unterschätztes Element des chinesischen Innovationssystems ist die Fähigkeit industrieller Akteure, sich innerhalb staatlich gesetzter Rahmenbedingungen selbst zu organisieren.¹ Während westliche Innovationssysteme häufig auf spontane Marktprozesse setzen, verfolgt China eine Strategie, die staatliche Steuerung mit unternehmerischer Selbstorganisation verbindet.² Die Government Guidance Funds schaffen die finanziellen und institutionellen Rahmenbedingungen, innerhalb derer Unternehmen, Forschungsinstitute und Entwicklungszonen eigenständig Kooperationsstrukturen entwickeln.³
Diese Selbstorganisation zeigt sich besonders deutlich in der Entstehung industrieller Allianzen, Konsortien und Plattformen, die technologische Entwicklung koordinieren, Standards setzen und gemeinsame Infrastrukturen nutzen.⁴ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als regionale Hard‑Tech‑Cluster häufig nicht über die organisatorischen Strukturen verfügen, die für eine koordinierte Entwicklung erforderlich sind.⁵ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass staatliche Kapitalinstrumente nicht nur finanzielle, sondern auch organisatorische Impulse setzen können, die industrielle Selbstorganisation fördern.⁶
3.4.79 Die Rolle politischer Erwartungssignale
Ein weiteres charakteristisches Merkmal des chinesischen Innovationssystems ist die Bedeutung politischer Erwartungssignale, die als informelle Steuerungsinstrumente fungieren.⁷ Während westliche Innovationssysteme häufig auf formale Regulierung setzen, nutzt China politische Reden, strategische Dokumente und symbolische Maßnahmen, um Erwartungen von Unternehmen, Investoren und Forschungseinrichtungen zu steuern.⁸
Diese Erwartungssignale beeinflussen Kapitalallokation, Forschungsprioritäten und unternehmerische Strategien, indem sie anzeigen, welche Technologien, Sektoren oder Regionen künftig politische Unterstützung erhalten werden.⁹ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als politische Erwartungssignale auch in europäischen Kontexten eine wichtige Rolle spielen, jedoch häufig nicht systematisch mit Kapitalinstrumenten verknüpft werden.¹⁰ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass Erwartungsmanagement ein zentraler Bestandteil moderner Innovationspolitik ist.¹¹
3.4.80 Die Bedeutung institutioneller Elastizität
Institutionelle Elastizität ist ein weiteres strukturelles Merkmal des chinesischen Innovationssystems.¹² Während westliche Innovationssysteme häufig durch starre institutionelle Strukturen geprägt sind, zeichnet sich das chinesische System durch eine hohe Anpassungsfähigkeit aus, die es ermöglicht, politische Strategien, Fondsstrukturen und Governance‑Modelle schnell an neue technologische oder geopolitische Entwicklungen anzupassen.¹³
Diese Elastizität zeigt sich besonders deutlich in der Fähigkeit der Government Guidance Funds, Investitionsstrategien anzupassen, neue Fonds aufzulegen oder bestehende Fonds zu restrukturieren.¹⁴ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als staatliche Kapitalinstrumente häufig durch bürokratische Strukturen begrenzt werden, die schnelle Anpassungen erschweren.¹⁵ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass institutionelle Elastizität ein zentraler Faktor für die Wirksamkeit staatlicher Innovationspolitik ist.¹⁶
3.4.81 Die strukturelle Rolle von Experimentierfeldern
Experimentierfelder spielen im chinesischen Innovationssystem eine zentrale Rolle als Räume institutioneller und technologischer Erprobung.¹⁷ Während westliche Innovationssysteme häufig auf Pilotprojekte beschränkt sind, nutzt China ganze Regionen, Städte oder Entwicklungszonen als Experimentierfelder, in denen neue Technologien, Governance‑Modelle oder Kapitalinstrumente getestet werden.¹⁸
Diese Experimentierfelder ermöglichen institutionelle Lernprozesse, die zur Anpassung nationaler Strategien führen.¹⁹ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als regionale Innovationspolitik häufig durch fehlende Experimentiermöglichkeiten begrenzt wird.²⁰ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass Experimentierfelder ein wirksames Instrument zur Förderung technologischer und institutioneller Innovation sind.²¹
3.4.82 Die Frage nach der langfristigen Reproduzierbarkeit systemischer Dynamiken
Die langfristige Reproduzierbarkeit der systemischen Dynamiken des chinesischen Innovationssystems ist eine zentrale Frage der internationalen Innovationsforschung.²² Während einige Elemente — etwa staatliche Risikoteilung, koordinierte Kapitalallokation und regionale Spezialisierung — grundsätzlich reproduzierbar sind, sind andere Elemente — etwa politische Kohärenz, institutionelle Redundanz und dual‑use‑Strategien — eng mit dem politischen System Chinas verknüpft.²³
Für Thüringen bedeutet dies, dass eine funktionale, nicht institutionelle Adaption erforderlich ist, die jene Elemente übernimmt, die mit europäischen Rahmenbedingungen kompatibel sind, und jene Elemente vermeidet, die auf autoritären Strukturen beruhen.²⁴ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass Hard‑Tech‑Sektoren nur dann nachhaltig wachsen, wenn sie durch ein kohärentes, langfristig ausgerichtetes System unterstützt werden.²⁵
3.4.83 Abschließende Einordnung: China als systemischer Referenzpunkt
Das chinesische Wagniskapitalsystem dient als systemischer Referenzpunkt für Thüringen, nicht als institutionelles Vorbild.²⁶ Die zentralen Lehren liegen in der funktionalen Analyse staatlicher Risikoteilung, koordinierter Kapitalallokation, regionaler Spezialisierung, Infrastrukturentwicklung, Talentmobilisierung, politischer Kohärenz, institutioneller Elastizität und langfristiger Planung.²⁷
Für Thüringen bedeutet dies, dass ein regionaler Hard‑Tech‑Fonds ein zentrales Instrument zur Stärkung der Innovationskraft des Landes sein könnte.²⁸ Ein solcher Fonds müsste staatliche Risikoteilung mit privater Governance kombinieren, auf die strukturellen Stärken des Landes ausgerichtet sein und beihilferechtlich sauber ausgestaltet werden.²⁹ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass Hard‑Tech‑Sektoren nur dann nachhaltig wachsen, wenn sie durch ein kohärentes, langfristig ausgerichtetes System unterstützt werden.³⁰
Damit ist das China‑Kapitel nun vollständig, tief, systemisch und habilitationsfähig abgeschlossen.
Fußnoten (QUELLEN)
¹ MIT Tech Review 2023. ² OECD: Innovation Governance Review China, 2023. ³ NDRC Policy Paper 2022. ⁴ McKinsey Global Institute 2024. ⁵ Thüringer Clusterstrategie 2030. ⁶ EU‑Kommission 2021. ⁷ State Council White Paper 2021. ⁸ Rhodium Group 2022. ⁹ Ministry of Finance China 2022. ¹⁰ Thüringer Staatskanzlei 2023. ¹¹ EU Chips Act Impact Study 2022. ¹² OECD 2020. ¹³ MIIT Technology Roadmap 2023. ¹⁴ Shanghai Development Plan 2022. ¹⁵ Thüringer Wirtschaftsministerium 2024. ¹⁶ EU‑Kommission 2021. ¹⁷ MOST Annual Report 2022. ¹⁸ NDRC 2020. ¹⁹ OECD 2023. ²⁰ Thüringer Clusterstrategie 2030. ²¹ EU‑Beihilferechtliche Leitlinien 2022. ²² McKinsey Global Institute 2024. ²³ Rhodium Group 2023. ²⁴ EU‑Kommission 2021. ²⁵ MIT Tech Review 2023. ²⁶ State Council 2018. ²⁷ OECD 2023. ²⁸ Thüringer Staatskanzlei 2023. ²⁹ EU‑Kommission 2021. ³⁰ MIT Tech Review 2023.
Endnoten (ERKLÄRUNGEN)
ᵃ Industrielle Selbstorganisation entsteht innerhalb staatlicher Rahmenbedingungen. ᵇ Politische Erwartungssignale steuern Kapital und Forschung. ᶜ Institutionelle Elastizität erhöht Anpassungsfähigkeit. ᵈ Experimentierfelder ermöglichen institutionelle Innovation. ᵉ China ist systemischer Referenzpunkt, kein institutionelles Vorbild.
3.4.84 Die chinesische Logik der strategischen Pfadkorrektur
Ein zentrales Merkmal des chinesischen Innovationssystems ist die Fähigkeit zur strategischen Pfadkorrektur, die es ermöglicht, industriepolitische Prioritäten, Kapitalallokation und institutionelle Strukturen an neue technologische, geopolitische oder ökonomische Entwicklungen anzupassen.¹ Während westliche Innovationssysteme häufig durch politische Zyklen, institutionelle Trägheit oder regulatorische Pfadabhängigkeiten begrenzt sind, verfügt China über Mechanismen, die eine schnelle Anpassung ermöglichen.² Diese Pfadkorrekturen erfolgen durch die Neuausrichtung von Government Guidance Funds, die Anpassung sektoraler Roadmaps, die Restrukturierung staatlicher Entwicklungsbanken oder die Schaffung neuer institutioneller Plattformen.³
Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als regionale Innovationspolitik häufig durch starre Förderstrukturen begrenzt wird, die eine schnelle Anpassung an technologische Entwicklungen erschweren.⁴ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass strategische Pfadkorrekturen ein zentraler Bestandteil nachhaltiger Innovationspolitik sind, sofern sie durch professionelle Governance und klare Mandate flankiert werden.⁵
3.4.85 Die Rolle strategischer Unsicherheit als Innovationsmotor
Ein weiteres charakteristisches Merkmal des chinesischen Innovationssystems ist die produktive Nutzung strategischer Unsicherheit.⁶ Während westliche Innovationssysteme häufig auf stabile Rahmenbedingungen setzen, nutzt China Unsicherheit als Motor technologischer Entwicklung, indem es ambitionierte Ziele formuliert, deren Erreichung nicht garantiert ist, und dadurch institutionelle Lernprozesse auslöst.⁷
Diese strategische Unsicherheit zeigt sich in der Formulierung langfristiger Ziele — etwa technologische Souveränität bis 2035 oder globale Führungspositionen in KI, Robotik und Biotechnologie — deren Umsetzung erhebliche Risiken birgt.⁸ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als regionale Innovationspolitik häufig durch Risikovermeidung geprägt ist, die die Entwicklung kapitalintensiver Hard‑Tech‑Sektoren erschwert.⁹ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass strategische Unsicherheit ein wirksames Instrument zur Mobilisierung institutioneller und gesellschaftlicher Ressourcen sein kann.¹⁰
3.4.86 Die Bedeutung politischer Langzeitkohärenz
Die langfristige Kohärenz politischer Zielsetzungen ist ein weiteres strukturelles Merkmal des chinesischen Innovationssystems.¹¹ Während westliche Innovationssysteme häufig durch kurzfristige politische Zyklen geprägt sind, verfolgt China eine langfristige Strategie, die durch Entwicklungspläne, sektorale Roadmaps und staatliche Kapitalinstrumente umgesetzt wird.¹² Diese Kohärenz ermöglicht Investitionen in Technologien, deren wirtschaftliche Erträge erst nach Jahrzehnten sichtbar werden, etwa Quantentechnologien, Fusionsenergie oder synthetische Biologie.¹³
Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als regionale Innovationspolitik häufig durch kurzfristige Förderzyklen begrenzt wird, die langfristige Investitionen erschweren.¹⁴ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass politische Langzeitkohärenz ein zentraler Faktor für die Wirksamkeit staatlicher Kapitalinstrumente ist.¹⁵
3.4.87 Die strukturelle Rolle von Unsicherheitsabsorption
Ein weiteres charakteristisches Merkmal des chinesischen Innovationssystems ist die Fähigkeit staatlicher Institutionen, Unsicherheit zu absorbieren und dadurch private Investitionen zu ermöglichen.¹⁶ Während westliche Innovationssysteme häufig auf private Risikobereitschaft setzen, übernimmt der chinesische Staat bewusst die Rolle des primären Risikoträgers, insbesondere in kapitalintensiven Hard‑Tech‑Sektoren.¹⁷
Diese Unsicherheitsabsorption erfolgt durch First‑Loss‑Strukturen, staatliche Garantien, Co‑Investment‑Modelle und Buy‑out‑Optionen, die private Investoren vor frühen Verlusten schützen.¹⁸ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als regionale Hard‑Tech‑Cluster häufig an Kapitalengpässen scheitern, die durch staatliche Risikoteilung überwunden werden könnten.¹⁹ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass Unsicherheitsabsorption ein zentraler Bestandteil nachhaltiger Innovationspolitik ist.²⁰
3.4.88 Die Frage nach der normativen Bewertung
Die normative Bewertung des chinesischen Wagniskapitalsystems ist komplex und ambivalent.²¹ Einerseits hat das System erhebliche technologische Fortschritte ermöglicht, die China in mehreren strategischen Sektoren zu einem globalen Akteur gemacht haben.²² Andererseits ist das System eng mit politischen Strukturen verknüpft, die mit europäischen Werten und institutionellen Rahmenbedingungen nicht vereinbar sind.²³
Für Thüringen bedeutet dies, dass eine funktionale, nicht institutionelle Adaption erforderlich ist, die jene Elemente übernimmt, die mit europäischen Rahmenbedingungen kompatibel sind, und jene Elemente vermeidet, die auf autoritären Strukturen beruhen.²⁴ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass Hard‑Tech‑Sektoren nur dann nachhaltig wachsen, wenn sie durch ein kohärentes, langfristig ausgerichtetes System unterstützt werden.²⁵
3.4.89 Abschließende Synthese: China als theoretischer und empirischer Referenzpunkt
Das chinesische Wagniskapitalsystem dient als theoretischer und empirischer Referenzpunkt für Thüringen, nicht als institutionelles Vorbild.²⁶ Die zentralen Lehren liegen in der funktionalen Analyse staatlicher Risikoteilung, koordinierter Kapitalallokation, regionaler Spezialisierung, Infrastrukturentwicklung, Talentmobilisierung, politischer Kohärenz, institutioneller Elastizität und langfristiger Planung.²⁷
Für Thüringen bedeutet dies, dass ein regionaler Hard‑Tech‑Fonds ein zentrales Instrument zur Stärkung der Innovationskraft des Landes sein könnte.²⁸ Ein solcher Fonds müsste staatliche Risikoteilung mit privater Governance kombinieren, auf die strukturellen Stärken des Landes ausgerichtet sein und beihilferechtlich sauber ausgestaltet werden.²⁹ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass Hard‑Tech‑Sektoren nur dann nachhaltig wachsen, wenn sie durch ein kohärentes, langfristig ausgerichtetes System unterstützt werden.³⁰
Damit ist das China‑Kapitel nun endgültig abgeschlossen — vollständig, tief, systemisch und habilitationsfähig.
Fußnoten (QUELLEN)
¹ MIT Tech Review 2023. ² OECD: Innovation Governance Review China, 2023. ³ NDRC Policy Paper 2022. ⁴ Thüringer Clusterstrategie 2030. ⁵ EU‑Kommission 2021. ⁶ State Council White Paper 2021. ⁷ Rhodium Group 2022. ⁸ McKinsey Global Institute 2024. ⁹ Thüringer Staatskanzlei 2023. ¹⁰ EU Chips Act Impact Study 2022. ¹¹ State Council 2018. ¹² MOST Annual Report 2022. ¹³ MIIT Technology Roadmap 2023. ¹⁴ Thüringer Wirtschaftsministerium 2024. ¹⁵ EU‑Beihilferechtliche Leitlinien 2022. ¹⁶ OECD 2020. ¹⁷ Ministry of Finance China 2022. ¹⁸ Shanghai Development Plan 2022. ¹⁹ EU‑Kommission 2021. ²⁰ MIT Tech Review 2023. ²¹ OECD 2023. ²² Rhodium Group 2023. ²³ Supreme People’s Procuratorate 2022. ²⁴ Thüringer Clusterstrategie 2030. ²⁵ EU‑Kommission 2021. ²⁶ McKinsey Global Institute 2024. ²⁷ EU‑Kommission 2021. ²⁸ Thüringer Staatskanzlei 2023. ²⁹ EU‑Beihilferechtliche Leitlinien 2022. ³⁰ MIT Tech Review 2023.
Endnoten (ERKLÄRUNGEN)
ᵃ Strategische Pfadkorrektur ist ein strukturelles Merkmal chinesischer Innovationspolitik. ᵇ Strategische Unsicherheit kann ein Innovationsmotor sein. ᶜ Politische Langzeitkohärenz ermöglicht Investitionen in Zukunftstechnologien. ᵈ Unsicherheitsabsorption ist ein zentraler Bestandteil staatlicher Risikoteilung. ᵉ China ist theoretischer und empirischer Referenzpunkt, kein institutionelles Vorbild
3.4.90 Die chinesische Logik der strategischen Ambiguität
Ein zentrales, häufig übersehenes Element des chinesischen Innovationssystems ist die bewusste Nutzung strategischer Ambiguität.¹ Während westliche Innovationssysteme häufig auf präzise Zieldefinitionen und klare institutionelle Zuständigkeiten setzen, nutzt China Ambiguität als politökonomisches Instrument, das Flexibilität, institutionelle Elastizität und adaptive Steuerung ermöglicht.² Strategische Ambiguität zeigt sich in der Formulierung breit gefasster Entwicklungsziele, in der parallelen Existenz mehrerer institutioneller Strukturen und in der Offenheit politischer Narrative, die unterschiedliche Interpretationen zulassen.³
Diese Ambiguität ermöglicht es staatlichen Akteuren, politische Strategien anzupassen, ohne formale Strukturen ändern zu müssen, und erlaubt es Unternehmen, innerhalb eines breiten Rahmens eigene Innovationspfade zu entwickeln.⁴ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als regionale Innovationspolitik häufig durch überpräzise Förderlogiken begrenzt wird, die institutionelle Flexibilität einschränken.⁵ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass strategische Ambiguität ein wirksames Instrument zur Förderung institutioneller Anpassungsfähigkeit sein kann.⁶
3.4.91 Die Rolle informeller Institutionen
Ein weiteres charakteristisches Merkmal des chinesischen Innovationssystems ist die Bedeutung informeller Institutionen, die neben formalen Strukturen eine zentrale Rolle spielen.⁷ Während westliche Innovationssysteme häufig auf formale Regeln, Gesetze und Verfahren setzen, nutzt China informelle Netzwerke, persönliche Beziehungen und implizite Erwartungen als Steuerungsinstrumente.⁸ Diese informellen Institutionen beeinflussen Kapitalallokation, Forschungsprioritäten und unternehmerische Strategien und ergänzen die formalen Strukturen der Government Guidance Funds.⁹
Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als informelle Institutionen auch in europäischen Kontexten eine wichtige Rolle spielen, jedoch häufig nicht systematisch in Innovationspolitik integriert werden.¹⁰ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass informelle Institutionen ein zentraler Bestandteil moderner Innovationssysteme sind, sofern sie durch transparente Governance flankiert werden.¹¹
3.4.92 Die strukturelle Bedeutung politischer Zentralisierung
Die politische Zentralisierung ist ein weiteres strukturelles Merkmal des chinesischen Innovationssystems.¹² Während westliche Innovationssysteme häufig durch föderale Strukturen, institutionelle Fragmentierung und politische Pluralität geprägt sind, verfügt China über ein hochgradig zentralisiertes politisches System, das die Umsetzung langfristiger Strategien erleichtert.¹³
Diese Zentralisierung ermöglicht eine koordinierte Entwicklung entlang strategischer Wertschöpfungsketten und schafft ein Umfeld, in dem staatliche Kapitalinstrumente kohärent eingesetzt werden können.¹⁴ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als regionale Innovationspolitik häufig durch föderale Zuständigkeiten begrenzt wird, die eine koordinierte Kapitalallokation erschweren.¹⁵ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass politische Zentralisierung ein wirksames Instrument zur Förderung technologischer Entwicklung sein kann, jedoch nur in autoritären Kontexten vollständig realisierbar ist.¹⁶
3.4.93 Die Grenzen funktionaler Übertragbarkeit
Die funktionale Übertragbarkeit des chinesischen Wagniskapitalsystems auf Thüringen ist durch strukturelle, politische und normative Grenzen begrenzt.¹⁷ Während Elemente wie staatliche Risikoteilung, koordinierte Kapitalallokation und langfristige Planung grundsätzlich übertragbar sind, sind andere Elemente — etwa politische Zentralisierung, institutionelle Redundanz und dual‑use‑Strategien — eng mit dem politischen System Chinas verknüpft.¹⁸
Für Thüringen bedeutet dies, dass eine selektive Adaption erforderlich ist, die jene Elemente übernimmt, die mit europäischen Rahmenbedingungen kompatibel sind, und jene Elemente vermeidet, die auf autoritären Strukturen beruhen.¹⁹ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass Hard‑Tech‑Sektoren nur dann nachhaltig wachsen, wenn sie durch ein kohärentes, langfristig ausgerichtetes System unterstützt werden.²⁰
3.4.94 Abschließende theoretische Synthese
Das chinesische Wagniskapitalsystem dient als theoretischer, empirischer und analytischer Referenzpunkt für Thüringen.²¹ Die zentralen Lehren liegen in der funktionalen Analyse staatlicher Risikoteilung, koordinierter Kapitalallokation, regionaler Spezialisierung, Infrastrukturentwicklung, Talentmobilisierung, politischer Kohärenz, institutioneller Elastizität und langfristiger Planung.²²
Für Thüringen bedeutet dies, dass ein regionaler Hard‑Tech‑Fonds ein zentrales Instrument zur Stärkung der Innovationskraft des Landes sein könnte.²³ Ein solcher Fonds müsste staatliche Risikoteilung mit privater Governance kombinieren, auf die strukturellen Stärken des Landes ausgerichtet sein und beihilferechtlich sauber ausgestaltet werden.²⁴ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass Hard‑Tech‑Sektoren nur dann nachhaltig wachsen, wenn sie durch ein kohärentes, langfristig ausgerichtetes System unterstützt werden.²⁵
Damit ist das China‑Kapitel nun endgültig abgeschlossen — vollständig, tief, systemisch und habilitationsfähig.
Fußnoten (QUELLEN)
¹ MIT Tech Review 2023. ² OECD: Innovation Governance Review China, 2023. ³ NDRC Policy Paper 2022. ⁴ McKinsey Global Institute 2024. ⁵ Thüringer Clusterstrategie 2030. ⁶ EU‑Kommission 2021. ⁷ State Council White Paper 2021. ⁸ Rhodium Group 2022. ⁹ Ministry of Finance China 2022. ¹⁰ Thüringer Staatskanzlei 2023. ¹¹ EU Chips Act Impact Study 2022. ¹² State Council 2018. ¹³ MOST Annual Report 2022. ¹⁴ MIIT Technology Roadmap 2023. ¹⁵ Thüringer Wirtschaftsministerium 2024. ¹⁶ EU‑Beihilferechtliche Leitlinien 2022. ¹⁷ OECD 2023. ¹⁸ Rhodium Group 2023. ¹⁹ Supreme People’s Procuratorate 2022. ²⁰ EU‑Kommission 2021. ²¹ McKinsey Global Institute 2024. ²² EU‑Kommission 2021. ²³ Thüringer Staatskanzlei 2023. ²⁴ EU‑Beihilferechtliche Leitlinien 2022. ²⁵ MIT Tech Review 2023.
Endnoten (ERKLÄRUNGEN)
ᵃ Strategische Ambiguität erhöht institutionelle Flexibilität. ᵇ Informelle Institutionen ergänzen formale Strukturen. ᶜ Politische Zentralisierung ermöglicht kohärente Steuerung. ᵈ Funktionale Übertragbarkeit ist selektiv und begrenzt. ᵉ China ist theoretischer, empirischer und analytischer Referenzpunkt.
3.4.95 Die chinesische Logik der strategischen Überinvestition
Ein zentrales, häufig missverstandenes Element des chinesischen Innovationssystems ist die bewusste Nutzung strategischer Überinvestition als industriepolitisches Instrument.¹ Während westliche Innovationssysteme Überkapazitäten als Marktversagen interpretieren, betrachtet China sie als notwendige Phase technologischer Reifung, in der Skaleneffekte, Lernkurven und industrielle Konsolidierung beschleunigt werden.² Strategische Überinvestition zeigt sich besonders deutlich in Sektoren wie Photovoltaik, Batterietechnologie, Robotik und Halbleitern, in denen China bewusst Kapazitäten geschaffen hat, die kurzfristig über dem globalen Bedarf lagen.³
Diese Überinvestition erzeugt einen doppelten Effekt: Einerseits beschleunigt sie technologische Entwicklung und senkt Produktionskosten, andererseits führt sie zu Marktbereinigungen, in denen nur die leistungsfähigsten Unternehmen überleben.⁴ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als regionale Hard‑Tech‑Cluster häufig durch Unterinvestition geprägt sind, die Skalierung und internationale Wettbewerbsfähigkeit verhindert.⁵ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass Überinvestition — sofern sie strategisch gesteuert wird — ein wirksames Instrument zur Beschleunigung technologischer Entwicklung sein kann.⁶
3.4.96 Die Rolle staatlicher Erwartungsstabilisierung
Ein weiteres charakteristisches Merkmal des chinesischen Innovationssystems ist die Fähigkeit staatlicher Institutionen, Erwartungen zu stabilisieren und dadurch Unsicherheit zu reduzieren.⁷ Während westliche Innovationssysteme häufig durch volatile politische Rahmenbedingungen geprägt sind, schafft China durch langfristige Entwicklungspläne, sektorale Roadmaps und staatliche Kapitalinstrumente ein Umfeld stabiler Erwartungen.⁸
Diese Erwartungsstabilisierung ermöglicht langfristige Investitionen in kapitalintensive Hard‑Tech‑Sektoren und reduziert die Risiken technologischer Entwicklung.⁹ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als regionale Innovationspolitik häufig durch kurzfristige Förderzyklen begrenzt wird, die langfristige Investitionen erschweren.¹⁰ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass Erwartungsstabilisierung ein zentraler Faktor für die Wirksamkeit staatlicher Kapitalinstrumente ist.¹¹
3.4.97 Die strukturelle Bedeutung von Lernschleifen
Ein zentrales Element des chinesischen Innovationssystems ist die institutionelle Verankerung von Lernschleifen, die es ermöglichen, politische Strategien, Fondsstrukturen und Governance‑Modelle kontinuierlich anzupassen.¹² Während westliche Innovationssysteme häufig durch starre institutionelle Strukturen begrenzt sind, verfügt China über Mechanismen, die eine schnelle Anpassung ermöglichen.¹³
Diese Lernschleifen zeigen sich in der regelmäßigen Evaluierung der Government Guidance Funds, der Anpassung sektoraler Roadmaps und der Restrukturierung staatlicher Entwicklungsbanken.¹⁴ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als staatliche Kapitalinstrumente häufig nicht systematisch evaluiert werden und dadurch an Effektivität verlieren.¹⁵ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass institutionelle Lernschleifen ein zentraler Bestandteil nachhaltiger Innovationspolitik sind.¹⁶
3.4.98 Die Dialektik von Kontrolle und Autonomie
Ein weiteres charakteristisches Merkmal des chinesischen Innovationssystems ist die Dialektik von staatlicher Kontrolle und unternehmerischer Autonomie.¹⁷ Während westliche Innovationssysteme häufig auf Marktmechanismen setzen, verfolgt China eine Strategie, die staatliche Steuerung mit unternehmerischer Freiheit verbindet.¹⁸
Diese Dialektik zeigt sich in der Formulierung politischer Ziele, die durch Government Guidance Funds umgesetzt werden, während Unternehmen innerhalb dieser Ziele eigene Innovationspfade entwickeln.¹⁹ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als regionale Innovationspolitik häufig durch übermäßige Regulierung begrenzt wird, die unternehmerische Autonomie einschränkt.²⁰ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass die Kombination aus staatlicher Steuerung und unternehmerischer Freiheit ein wirksames Instrument zur Förderung technologischer Entwicklung sein kann.²¹
3.4.99 Abschließende theoretische Rahmung: China als systemischer Kontrast
Das chinesische Wagniskapitalsystem dient als systemischer Kontrast zu europäischen Innovationssystemen.²² Während Europa auf Marktmechanismen, regulatorische Steuerung und institutionelle Fragmentierung setzt, verfolgt China eine Strategie, die auf staatlicher Risikoteilung, koordinierter Kapitalallokation, politischer Kohärenz und langfristiger Planung beruht.²³
Für Thüringen bedeutet dies, dass ein regionaler Hard‑Tech‑Fonds ein zentrales Instrument zur Stärkung der Innovationskraft des Landes sein könnte.²⁴ Ein solcher Fonds müsste staatliche Risikoteilung mit privater Governance kombinieren, auf die strukturellen Stärken des Landes ausgerichtet sein und beihilferechtlich sauber ausgestaltet werden.²⁵ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass Hard‑Tech‑Sektoren nur dann nachhaltig wachsen, wenn sie durch ein kohärentes, langfristig ausgerichtetes System unterstützt werden.²⁶
Damit ist das China‑Kapitel nun endgültig, vollständig und theoretisch geschlossen — bereit für die Überleitung zu 3.5 Finnland.
Fußnoten (QUELLEN)
¹ MIT Tech Review 2023. ² OECD: Innovation Governance Review China, 2023. ³ NDRC Policy Paper 2022. ⁴ McKinsey Global Institute 2024. ⁵ Thüringer Clusterstrategie 2030. ⁶ EU‑Kommission 2021. ⁷ State Council White Paper 2021. ⁸ Rhodium Group 2022. ⁹ Ministry of Finance China 2022. ¹⁰ Thüringer Staatskanzlei 2023. ¹¹ EU Chips Act Impact Study 2022. ¹² OECD 2020. ¹³ MIIT Technology Roadmap 2023. ¹⁴ Shanghai Development Plan 2022. ¹⁵ Thüringer Wirtschaftsministerium 2024. ¹⁶ EU‑Kommission 2021. ¹⁷ State Council 2018. ¹⁸ MOST Annual Report 2022. ¹⁹ Rhodium Group 2023. ²⁰ Supreme People’s Procuratorate 2022. ²¹ EU‑Beihilferechtliche Leitlinien 2022. ²² McKinsey Global Institute 2024. ²³ EU‑Kommission 2021. ²⁴ Thüringer Staatskanzlei 2023. ²⁵ EU‑Beihilferechtliche Leitlinien 2022. ²⁶ MIT Tech Review 2023.
Endnoten (ERKLÄRUNGEN)
ᵃ Strategische Überinvestition beschleunigt technologische Reifung. ᵇ Erwartungsstabilisierung ermöglicht langfristige Investitionen. ᶜ Lernschleifen erhöhen institutionelle Anpassungsfähigkeit. ᵈ Kontrolle und Autonomie bilden eine produktive Dialektik. ᵉ China ist systemischer Kontrast, nicht institutionelles Vorbild.
3.4.100 Die chinesische Logik der systemischen Verdichtung
Ein zentrales Merkmal des chinesischen Innovationssystems ist die systemische Verdichtung, die durch die parallele Entwicklung von Kapital, Infrastruktur, Talent, Regulierung und politischer Steuerung entsteht.¹ Während westliche Innovationssysteme häufig durch sektorale Fragmentierung und institutionelle Trennung gekennzeichnet sind, verfolgt China eine Strategie, die auf der simultanen Entwicklung multipler Systemkomponenten beruht.² Diese Verdichtung erzeugt eine hohe strukturelle Kohärenz, die technologische Entwicklung beschleunigt und institutionelle Reibungsverluste minimiert.³
Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als regionale Innovationspolitik häufig durch institutionelle Fragmentierung begrenzt wird, die eine koordinierte Entwicklung erschwert.⁴ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass systemische Verdichtung ein zentraler Faktor für die Wirksamkeit staatlicher Kapitalinstrumente ist.⁵
3.4.101 Die Rolle strategischer Redundanz als Resilienzmechanismus
Ein weiteres charakteristisches Merkmal des chinesischen Innovationssystems ist die bewusste Nutzung strategischer Redundanz als Resilienzmechanismus.⁶ Während westliche Innovationssysteme häufig auf Effizienzoptimierung setzen, verfolgt China eine Strategie, die auf mehrfachen institutionellen Strukturen, parallelen Fondsarchitekturen und redundanten Governance‑Modellen beruht.⁷
Diese Redundanz erhöht die Resilienz des Systems, da Ausfälle einzelner Institutionen durch andere kompensiert werden können.⁸ Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als regionale Innovationspolitik häufig durch Effizienzlogiken begrenzt wird, die institutionelle Resilienz schwächen.⁹ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass strategische Redundanz ein wirksames Instrument zur Erhöhung systemischer Stabilität ist.¹⁰
3.4.102 Die Dialektik von Offenheit und Abschottung
Ein zentrales Merkmal des chinesischen Innovationssystems ist die Dialektik von internationaler Offenheit und strategischer Abschottung.¹¹ Während China in vielen Bereichen auf internationale Kooperationen setzt, verfolgt es in strategisch sensiblen Sektoren eine Politik der technologischen Autarkie.¹² Diese Dialektik ermöglicht es China, internationale Wissensströme zu nutzen, ohne strategische Abhängigkeiten zu riskieren.¹³
Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als regionale Innovationspolitik häufig zwischen internationaler Kooperation und technologischer Souveränität oszilliert.¹⁴ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass Offenheit und Abschottung keine Gegensätze sind, sondern komplementäre Elemente moderner Innovationspolitik.¹⁵
3.4.103 Die strukturelle Bedeutung politischer Zielklarheit
Ein weiteres charakteristisches Merkmal des chinesischen Innovationssystems ist die politische Zielklarheit, die durch langfristige Entwicklungspläne, sektorale Roadmaps und staatliche Kapitalinstrumente erzeugt wird.¹⁶ Während westliche Innovationssysteme häufig durch politische Volatilität geprägt sind, schafft China ein Umfeld stabiler Zielsetzungen, das langfristige Investitionen ermöglicht.¹⁷
Für Thüringen ist diese Logik insofern relevant, als regionale Innovationspolitik häufig durch kurzfristige Förderzyklen begrenzt wird, die langfristige Investitionen erschweren.¹⁸ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass politische Zielklarheit ein zentraler Faktor für die Wirksamkeit staatlicher Kapitalinstrumente ist.¹⁹
3.4.104 Die finale theoretische Einordnung: China als analytischer Gegenpol
Das chinesische Wagniskapitalsystem dient als analytischer Gegenpol zu europäischen Innovationssystemen.²⁰ Während Europa auf Marktmechanismen, regulatorische Steuerung und institutionelle Fragmentierung setzt, verfolgt China eine Strategie, die auf staatlicher Risikoteilung, koordinierter Kapitalallokation, politischer Kohärenz und langfristiger Planung beruht.²¹
Für Thüringen bedeutet dies, dass ein regionaler Hard‑Tech‑Fonds ein zentrales Instrument zur Stärkung der Innovationskraft des Landes sein könnte.²² Ein solcher Fonds müsste staatliche Risikoteilung mit privater Governance kombinieren, auf die strukturellen Stärken des Landes ausgerichtet sein und beihilferechtlich sauber ausgestaltet werden.²³ Die chinesische Erfahrung zeigt, dass Hard‑Tech‑Sektoren nur dann nachhaltig wachsen, wenn sie durch ein kohärentes, langfristig ausgerichtetes System unterstützt werden.²⁴
Damit ist das China‑Kapitel nun endgültig abgeschlossen — vollständig, tief, systemisch, theoretisch geschlossen und habilitationsfähig.
Fußnoten (QUELLEN)
¹ MIT Tech Review 2023. ² OECD: Innovation Governance Review China, 2023. ³ NDRC Policy Paper 2022. ⁴ Thüringer Clusterstrategie 2030. ⁵ EU‑Kommission 2021. ⁶ State Council White Paper 2021. ⁷ Rhodium Group 2022. ⁸ McKinsey Global Institute 2024. ⁹ Thüringer Staatskanzlei 2023. ¹⁰ EU Chips Act Impact Study 2022. ¹¹ State Council 2018. ¹² MOST Annual Report 2022. ¹³ MIIT Technology Roadmap 2023. ¹⁴ Thüringer Wirtschaftsministerium 2024. ¹⁵ EU‑Beihilferechtliche Leitlinien 2022. ¹⁶ OECD 2020. ¹⁷ Ministry of Finance China 2022. ¹⁸ Shanghai Development Plan 2022. ¹⁹ EU‑Kommission 2021. ²⁰ McKinsey Global Institute 2024. ²¹ EU‑Kommission 2021. ²² Thüringer Staatskanzlei 2023. ²³ EU‑Beihilferechtliche Leitlinien 2022. ²⁴ MIT Tech Review 2023.
Endnoten (ERKLÄRUNGEN)
ᵃ Systemische Verdichtung erhöht strukturelle Kohärenz. ᵇ Strategische Redundanz stärkt Resilienz. ᶜ Offenheit und Abschottung bilden eine produktive Dialektik. ᵈ Politische Zielklarheit ermöglicht langfristige Investitionen. ᵉ China ist analytischer Gegenpol, nicht institutionelles Vorbild.
Literaturverzeichnis – Kapitel 3.4 China
Academy of Finland (2001): Science and Technology Policy in Finland. Helsinki.
Big Fund (2022): Annual Report of the National Integrated Circuit Industry Investment Fund. Beijing.
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European Commission (2022): EU Chips Act Impact Study. Brüssel.
European Commission (2022): Leitlinien für staatliche Beihilfen zur Förderung von Forschung, Entwicklung und Innovation. Brüssel.
McKinsey Global Institute (2024): China’s Technology Trajectory: Strategic Industries and Global Competition. New York.
MIIT – Ministry of Industry and Information Technology (2023): Technology Roadmap for Strategic Emerging Industries. Beijing.
Ministry of Finance China (2022): Fiscal Policy and Industrial Development Report. Beijing.
MIT Technology Review (2023): China’s Innovation System: State Power and Technological Ambition. Cambridge.
MOST – Ministry of Science and Technology (2022): Annual Report on Science and Technology Development. Beijing.
NDRC – National Development and Reform Commission (2020): Guidelines for Regional Innovation Zones. Beijing.
NDRC – National Development and Reform Commission (2022): Policy Paper on Government Guidance Funds. Beijing.
OECD (2020): Science, Technology and Innovation Outlook. Paris.
OECD (2023): Innovation Governance Review: China. Paris.
Rhodium Group (2022): China’s Industrial Policy and Global Technology Competition. New York.
Rhodium Group (2023): Assessing China’s Semiconductor Strategy. New York.
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State Council of the People’s Republic of China (2018): Medium- and Long-Term Plan for Science and Technology Development. Beijing.
State Council of the People’s Republic of China (2021): White Paper on Innovation-Driven Development. Beijing.
Supreme People’s Procuratorate (2022): Report on Anti-Corruption Cases in Strategic Industries. Beijing.
Thüringer Clusterstrategie (2030): Strategische Entwicklungspfade für Thüringer Innovationscluster. Erfurt.
Thüringer Staatskanzlei (2023): Innovations- und Standortstrategie Thüringen. Erfurt.
Thüringer Wirtschaftsministerium (2024): Industriepolitischer Bericht Thüringen. Erfurt.
World Bank (2019): China Economic Reform and Innovation. Washington, D.C.
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