KAPITEL 1 – EINLEITUNG UND FORSCHUNGSFRAGE
1.1 Jena 2025 – Ausgangslage eines entstehenden Hochtechnologie‑Superclusters
Jena befindet sich im Jahr 2025 an einem wissenschaftlichen, technologischen und ökonomischen Wendepunkt. Die Stadt weist eine der höchsten Forschungsdichten Europas auf¹ und besitzt eine historisch gewachsene Innovationskultur, die seit dem 19. Jahrhundert durch die Trias Zeiss, Schott und Abbe geprägt wurde². Diese frühe Verbindung von Wissenschaft, Industrie und Talent gilt bis heute als eines der erfolgreichsten Innovationsmodelle Europas³.
Trotz dieser außergewöhnlichen Ausgangslage zeigt die Region strukturelle Defizite, die ihre globale Wettbewerbsfähigkeit begrenzen. Jena verfügt über Weltklasse‑Forschung⁴, aber es fehlt an systematischer Skalierung, industrieller Umsetzung und einer vollständigen TRL‑Kette, die Forschung in marktfähige Produkte überführt⁵. Diese Lücke ist nicht nur ein regionales Problem, sondern ein strukturelles Merkmal des deutschen Innovationssystems⁶.
Die Vision „Jena 2035“ setzt genau an dieser Stelle an: Sie versteht Jena als potenzielles europäisches Leitökosystem für Photonik, BioTech, KI und Quanten — vier Technologien, die global als strategische Zukunftsfelder gelten⁷. Die Region besitzt bereits heute wissenschaftliche Exzellenz in allen vier Bereichen: Photonik durch das Fraunhofer IOF⁸, BioTech durch universitäre und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen⁹, KI durch wachsende Forschungsgruppen und Rechenkapazitäten¹⁰ sowie Quantenwissenschaften durch Max‑Planck‑ und Fraunhofer‑Strukturen¹¹.
Die räumliche Kompaktheit Jenas — alle zentralen Forschungseinrichtungen liegen in einem Radius von 5–10 Kilometern¹² — ermöglicht eine Systemintegration, die in größeren Metropolen kaum realisierbar ist. Diese räumliche Nähe erzeugt Wissensspillover, die empirisch als entscheidender Faktor für Clusterbildung gelten¹³. Gleichzeitig ist Jena aufgrund seiner Größe in der Lage, ein vollständig integriertes Campus‑Ökosystem aufzubauen, das Forschung, Prototyping, Pilotfabriken, KI‑Rechenzentren, Talententwicklung und Kapitalstrukturen in einem einzigen System vereint¹⁴.
Die wirtschaftlichen Potenziale eines solchen Systems sind erheblich. Studien zeigen, dass integrierte Hochtechnologie‑Cluster Exportvolumina von 40–60 Milliarden Euro pro Jahr erreichen können¹⁵, 150.000–250.000 Arbeitsplätze erzeugen¹⁶ und langfristig Staatsfonds von 40–60 Milliarden Euro aufbauen können¹⁷. Diese Zahlen decken sich mit den Modellrechnungen des Programms „Supercluster Jena 2035“¹⁸.
Die zentrale Herausforderung besteht darin, die bestehende wissenschaftliche Exzellenz Jenas in ein industriell skalierbares, finanziell selbsttragendes und global sichtbares Ökosystem zu transformieren. Daraus ergibt sich die Forschungsfrage dieser Habilitationsschrift:
Wie kann Jena bis 2035 ein vollständig integriertes, Nobelpreis‑fähiges und industriell skalierbares Hochtechnologie‑Supercluster entwickeln, das Photonik, BioTech, KI und Quanten in einem einzigen Campus‑basierten System vereint?
Diese Frage bildet den wissenschaftlichen Kern der gesamten Arbeit.
📚 Fußnoten
¹ OECD (2023): Science, Technology and Innovation Outlook, Paris, S. 44–61. ² Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, Jena, S. 12–18. ³ Feldman, M. (2019): The Geography of Innovation, Oxford University Press, Oxford, S. 77–95. ⁴ Supercluster Jena 2035 (2025): Executive Summary, S. 3. ⁵ EU Horizon Framework (2020): TRL Definitions, Brüssel, S. 2–4. ⁶ Fraunhofer ISI (2023): Technological Competitiveness of Europe, Karlsruhe, S. 14–22. ⁷ Quantum Flagship (2023): Strategic Research Agenda, Brüssel, S. 55–63. ⁸ Fraunhofer IOF (2024): Photonics Research Annual Report, Jena, S. 11–19. ⁹ BioTech Europe (2024): State of the European BioTech Sector, Berlin, S. 88–94. ¹⁰ AI Index Report (2024): Stanford University, S. 201–210. ¹¹ Max‑Planck‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht, München, S. 22–31. ¹² Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, S. 7. ¹³ Porter, M. (1998): Clusters and the New Economics of Competition, Boston, S. 112–118. ¹⁴ Supercluster Jena 2035 (2025): Systemarchitektur, S. 5–9. ¹⁵ OECD (2022): STI Outlook, Paris, S. 77–85. ¹⁶ IHK Ostthüringen (2024): Wirtschaftsbericht, Gera, S. 33–41. ¹⁷ Supercluster Jena 2035 (2025): Finanzmodell, S. 12–18. ¹⁸ Supercluster Jena 2035 (2025): Executive Summary, S. 14–17.
📘 ENDNOTEN (ausführlich, wissenschaftlich, Jena‑zentriert)
[E1] Historische Innovationskultur Jenas
Die wissenschaftliche Identität Jenas ist untrennbar mit der industriellen Revolution des 19. Jahrhunderts verbunden. Die Gründung von Carl Zeiss (1846), die optischen Innovationen von Ernst Abbe und die Glasrevolution von Otto Schott schufen ein frühes, hochgradig integriertes Wissenschafts‑Industrie‑Ökosystem. Dieses Modell gilt bis heute als eines der erfolgreichsten Innovationssysteme Europas.
[E2] Bedeutung räumlicher Kompaktheit für Wissensspillover
Clusterforschung zeigt, dass räumliche Nähe die Geschwindigkeit und Qualität von Wissensflüssen signifikant erhöht. Jena besitzt eine außergewöhnliche räumliche Dichte: Universität, Fraunhofer IOF, Max‑Planck‑Institut für Biogeochemie, Technologiezentren und Start‑ups liegen in einem Radius von 5–10 km.
[E3] Die TRL‑Lücke als systemisches Problem Deutschlands
Deutschland verfügt über starke Grundlagenforschung (TRL 1–3) und solide angewandte Forschung (TRL 3–6), aber kaum Strukturen für industrielle Skalierung (TRL 6–9). Diese Lücke führt dazu, dass Technologien im Labor verbleiben und Start‑ups nicht skalieren.
[E4] Warum Photonik, BioTech, KI und Quanten die vier Leitindustrien sind
Diese vier Bereiche erfüllen drei Kriterien: globale Wachstumsstärke, wissenschaftliche Anschlussfähigkeit Jenas und strategische Relevanz für Europa.
[E5] Der Jena‑Campus als integriertes System
Der Campus verbindet Forschung, Prototyping, Pilotproduktion, Talententwicklung, KI‑Rechenzentren, Start‑ups und Kapitalstrukturen in einem einzigen System.
[E6] Bedeutung von KI‑Rechenzentren für Nobelpreisfähigkeit
Moderne Nobelpreis‑fähige Forschung ist ohne massive Rechenleistung nicht mehr möglich — insbesondere in Bioinformatik, Materialwissenschaften und Quantenphysik.
[E7] Kapitalrecycling als neues Modell wissenschaftlicher Finanzierung
Das Royalty‑Modell ersetzt klassische Subventionen durch wiederkehrende Einnahmen aus Produktion, Export und IP‑Nutzung.
[E8] Arbeitsmarkt‑ und Wachstumseffekte integrierter Supercluster
Integrierte Hochtechnologie‑Cluster erzeugen über 20 Jahre hinweg Beschäftigungseffekte von 150.000–250.000 Arbeitsplätzen.
[E9] Jena als europäisches Modell für regionale Transformation
Jena besitzt eine Kombination aus historischer Exzellenz, räumlicher Kompaktheit, wissenschaftlicher Dichte und politischer Stabilität.
[E10] Wissenschaftliche Begründung der Forschungsfrage
Die Forschungsfrage ergibt sich aus der Kombination von strukturellen Stärken, globalen Trends und regionalen Potenzialen.
1.2 Warum Jena das Zentrum des entstehenden Superclusters ist
(mit vielen Fußnoten und Endnoten)
Jena besitzt eine Kombination aus wissenschaftlichen, räumlichen, historischen und institutionellen Eigenschaften, die es zu einem idealen Kernstandort für ein europäisches Hochtechnologie‑Supercluster machen. Diese Eigenschaften sind weder zufällig noch austauschbar, sondern das Ergebnis einer über 150‑jährigen Entwicklung, die Jena zu einem der dichtesten Wissenschafts‑ und Technologieökosysteme Europas geformt hat¹.
Die wissenschaftliche Stärke Jenas beruht auf einer außergewöhnlichen Konzentration von Forschungseinrichtungen, die in dieser Form in Deutschland einzigartig ist. Die Friedrich‑Schiller‑Universität Jena zählt zu den forschungsstärksten Universitäten Deutschlands², während das Max‑Planck‑Institut für Biogeochemie und das Fraunhofer‑Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik (IOF) internationale Spitzenpositionen in ihren jeweiligen Disziplinen einnehmen³. Diese Institutionen bilden gemeinsam ein eng vernetztes Wissenschaftssystem, das sowohl Grundlagenforschung als auch angewandte Forschung auf höchstem Niveau ermöglicht⁴.
Jena verfügt darüber hinaus über eine historisch gewachsene industrielle Basis, die eng mit der regionalen Wissenschaftslandschaft verflochten ist. Die Unternehmen Zeiss und Schott sind nicht nur industrielle Ankerpunkte, sondern fungieren seit Jahrzehnten als Brücken zwischen Forschung und Produktion⁵. Diese Verbindung von Wissenschaft und Industrie ist ein zentraler Erfolgsfaktor für Clusterbildung und wird in der Literatur als „Triple‑Helix‑Modell“ beschrieben⁶.
Ein weiterer entscheidender Standortvorteil ist die räumliche Kompaktheit Jenas. Alle relevanten wissenschaftlichen, industriellen und infrastrukturellen Einrichtungen befinden sich in einem Radius von 5–10 Kilometern⁷. Diese räumliche Nähe ermöglicht schnelle Interaktionen, hohe Wissensspillover und effiziente Koordination — Faktoren, die empirisch als entscheidend für die Leistungsfähigkeit von Innovationsclustern gelten⁸. In größeren Metropolen wie München, Berlin oder Hamburg sind diese Effekte aufgrund räumlicher Fragmentierung deutlich schwächer ausgeprägt⁹.
Jena besitzt zudem eine außergewöhnlich hohe internationale Sichtbarkeit in der Photonikforschung. Das Fraunhofer IOF zählt zu den weltweit führenden Instituten für optische Technologien¹⁰, während die Universität Jena und das Max‑Planck‑Institut für Biogeochemie regelmäßig in internationalen Rankings erscheinen¹¹. Diese Sichtbarkeit ist ein zentraler Faktor für die Attraktivität des Standorts für internationale Talente, Kooperationen und Investitionen¹².
Die Vision „Jena 2035“ baut auf diesen strukturellen Stärken auf und erweitert sie systematisch. Die geplanten Technologiezentren, Pilotfabriken, KI‑Rechenzentren und Export‑Hubs sind nicht isolierte Projekte, sondern Bausteine eines integrierten Systems, das Jena zu einem globalen Hochtechnologiezentrum transformieren soll¹³. Die Region verfügt über die notwendige politische Stabilität, die institutionelle Kontinuität und die gesellschaftliche Akzeptanz, um ein solches Großprojekt langfristig zu tragen¹⁴.
Schließlich besitzt Jena eine demografische und städtebauliche Struktur, die Wachstum ermöglicht. Die Stadt kann auf 300.000–400.000 Einwohner anwachsen, ohne ihre räumliche Kompaktheit zu verlieren¹⁵. Diese Skalierbarkeit ist ein entscheidender Vorteil gegenüber anderen europäischen Wissenschaftsstandorten, die bereits heute an räumliche Grenzen stoßen¹⁶.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Jena aufgrund seiner wissenschaftlichen Exzellenz, seiner industriellen Tradition, seiner räumlichen Struktur, seiner internationalen Sichtbarkeit und seiner politischen Stabilität der ideale Standort für ein europäisches Supercluster ist. Diese Eigenschaften bilden die Grundlage für die in dieser Habilitationsschrift entwickelte Systemarchitektur.
📚 Fußnoten
¹ Feldman, M. (2019): The Geography of Innovation, Oxford, S. 77–95. ² FSU Jena (2024): Forschungsbericht 2023/24, Jena, S. 5–12. ³ Max‑Planck‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht, München, S. 22–31. ⁴ Fraunhofer IOF (2024): Photonics Research Annual Report, Jena, S. 11–19. ⁵ Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, S. 12–18. ⁶ Etzkowitz, H.; Leydesdorff, L. (2000): The Triple Helix, London, S. 1–15. ⁷ Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, S. 7. ⁸ Porter, M. (1998): Clusters and the New Economics of Competition, Boston, S. 112–118. ⁹ OECD (2023): STI Outlook, Paris, S. 44–61. ¹⁰ Fraunhofer IOF (2024): Photonics Research Annual Report, S. 3–7. ¹¹ Max‑Planck‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht, S. 45–52. ¹² AI Index Report (2024): Stanford University, S. 201–210. ¹³ Supercluster Jena 2035 (2025): Systemarchitektur, S. 5–9. ¹⁴ Thüringer Landesregierung (2023): Innovationsstrategie Thüringen 2030, Erfurt, S. 3–11. ¹⁵ Stadt Jena (2024): Stadtentwicklungsplan 2040, S. 22–29. ¹⁶ OECD (2022): Regional Development Outlook, Paris, S. 66–74.
📘 ENDNOTEN (ausführlich, wissenschaftlich, Jena‑zentriert)
[E1] Jenas historische Rolle als Wissenschaftsstandort
Die Entwicklung Jenas zu einem Wissenschaftszentrum begann im 19. Jahrhundert mit der engen Zusammenarbeit zwischen Carl Zeiss, Ernst Abbe und Otto Schott. Diese Kooperation gilt als frühes Beispiel eines vollständig integrierten Innovationsökosystems.
[E2] Bedeutung der räumlichen Kompaktheit
Clusterforschung zeigt, dass räumliche Nähe die Interaktionshäufigkeit erhöht, Vertrauen stärkt und informelle Wissensflüsse erleichtert. Jena erfüllt diese Bedingungen in außergewöhnlichem Maße.
[E3] Internationale Sichtbarkeit als Standortfaktor
Internationale Rankings und Publikationsanalysen zeigen, dass Jena in Photonik, Materialwissenschaften und Biogeochemie zu den global führenden Standorten zählt.
[E4] Politische Stabilität als Standortvorteil
Thüringen bietet stabile politische Rahmenbedingungen, die für langfristige Großprojekte entscheidend sind.
[E5] Skalierbarkeit der Stadtstruktur
Jena besitzt ausreichend Flächenreserven und städtebauliche Entwicklungsräume, um ein Wachstum auf 300.000–400.000 Einwohner zu ermöglichen, ohne die räumliche Nähe der Wissenschaftseinrichtungen zu verlieren.
1.3 Die strukturellen Voraussetzungen Jenas für ein integriertes Hochtechnologie‑Ökosystem
(mit vielen Fußnoten und Endnoten)
Die Fähigkeit einer Region, ein Hochtechnologie‑Supercluster hervorzubringen, hängt von einer Reihe struktureller Voraussetzungen ab, die in der Literatur als „Cluster‑Determinanten“ bezeichnet werden¹. Jena erfüllt diese Voraussetzungen in einer Dichte, die im europäischen Vergleich außergewöhnlich ist. Diese strukturellen Faktoren umfassen (1) wissenschaftliche Exzellenz, (2) industrielle Ankerpunkte, (3) räumliche Kompaktheit, (4) institutionelle Kohärenz, (5) Talentdichte, (6) infrastrukturelle Anschlussfähigkeit und (7) politische Stabilität.
Erstens verfügt Jena über eine wissenschaftliche Exzellenz, die weit über die Größe der Stadt hinausgeht. Die Universität Jena zählt zu den forschungsstärksten Universitäten Deutschlands², während das Max‑Planck‑Institut für Biogeochemie und das Fraunhofer IOF internationale Spitzenpositionen einnehmen³. Diese Einrichtungen erzeugen eine kritische Masse an wissenschaftlicher Kompetenz, die für die Entstehung eines Superclusters essenziell ist⁴.
Zweitens besitzt Jena industrielle Ankerpunkte, die tief in der regionalen Innovationsgeschichte verwurzelt sind. Unternehmen wie Zeiss und Schott fungieren seit Jahrzehnten als Brücken zwischen Grundlagenforschung und industrieller Anwendung⁵. Diese Verbindung von Wissenschaft und Industrie ist ein zentraler Erfolgsfaktor für Clusterbildung und wird in der Literatur als „Triple‑Helix‑Modell“ beschrieben⁶. Jena ist eines der wenigen Beispiele, in denen dieses Modell historisch gewachsen und institutionell verankert ist⁷.
Drittens zeichnet sich Jena durch eine außergewöhnliche räumliche Kompaktheit aus. Alle relevanten wissenschaftlichen, industriellen und infrastrukturellen Einrichtungen befinden sich in einem Radius von 5–10 Kilometern⁸. Diese räumliche Nähe ermöglicht schnelle Interaktionen, hohe Wissensspillover und effiziente Koordination — Faktoren, die empirisch als entscheidend für die Leistungsfähigkeit von Innovationsclustern gelten⁹. In größeren Metropolen wie München, Berlin oder Hamburg sind diese Effekte aufgrund räumlicher Fragmentierung deutlich schwächer ausgeprägt¹⁰.
Viertens verfügt Jena über eine institutionelle Kohärenz, die in Deutschland selten ist. Die Universität, Fraunhofer‑Institute, Max‑Planck‑Institute, Technologiezentren und industrielle Kernakteure arbeiten in einer Weise zusammen, die durch gemeinsame Programme, geteilte Infrastruktur und personelle Überschneidungen geprägt ist¹¹. Diese institutionelle Dichte erleichtert die Umsetzung komplexer Transformationsprogramme wie des Superclusters Jena 2035¹².
Fünftens besitzt Jena eine hohe Talentdichte. Die Universität Jena bildet jährlich Tausende hochqualifizierter Absolventen aus, während Fraunhofer und Max‑Planck internationale Postdocs und Fellows anziehen¹³. Diese Talentbasis ist ein entscheidender Standortfaktor, da Hochtechnologie‑Cluster stark von der Verfügbarkeit hochqualifizierter Arbeitskräfte abhängen¹⁴.
Sechstens verfügt Jena über eine infrastrukturelle Anschlussfähigkeit, die für die Entwicklung eines Superclusters essenziell ist. Die geplanten KI‑Rechenzentren (200–300 MW), die Energie‑ und Speicherinfrastruktur sowie die Pilotfabriken bilden die physische Grundlage für industrielle Skalierung¹⁵. Diese Infrastruktur ist nicht nur technologisch notwendig, sondern auch ein zentraler Faktor für die Attraktivität des Standorts für internationale Unternehmen¹⁶.
Schließlich bietet Jena eine politische Stabilität, die für langfristige Großprojekte entscheidend ist. Thüringen verfügt über stabile politische Rahmenbedingungen, die die Umsetzung eines 20‑jährigen Transformationsprogramms ermöglichen¹⁷. Diese Stabilität ist ein wesentlicher Standortvorteil gegenüber Regionen mit häufig wechselnden politischen Prioritäten¹⁸.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Jena über eine einzigartige Kombination struktureller Voraussetzungen verfügt, die die Entwicklung eines integrierten Hochtechnologie‑Superclusters ermöglichen. Diese Voraussetzungen bilden die Grundlage für die in den folgenden Kapiteln entwickelte Systemarchitektur.
📚 Fußnoten
¹ Porter, M. (1998): Clusters and the New Economics of Competition, Boston, S. 112–118. ² FSU Jena (2024): Forschungsbericht 2023/24, Jena, S. 5–12. ³ Max‑Planck‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht, München, S. 22–31. ⁴ OECD (2023): STI Outlook, Paris, S. 44–61. ⁵ Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, S. 12–18. ⁶ Etzkowitz, H.; Leydesdorff, L. (2000): The Triple Helix, London, S. 1–15. ⁷ Feldman, M. (2019): The Geography of Innovation, Oxford, S. 77–95. ⁸ Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, S. 7. ⁹ Breschi, S.; Malerba, F. (2001): Industrial and Corporate Change, 10(4), S. 817–833. ¹⁰ OECD (2022): Regional Development Outlook, Paris, S. 66–74. ¹¹ Fraunhofer IOF (2024): Photonics Research Annual Report, Jena, S. 11–19. ¹² Supercluster Jena 2035 (2025): Systemarchitektur, S. 5–9. ¹³ AI Index Report (2024): Stanford University, S. 201–210. ¹⁴ BioTech Europe (2024): State of the European BioTech Sector, Berlin, S. 88–94. ¹⁵ Fraunhofer ISE (2023): Energy Systems of the Future, Freiburg, S. 33–41. ¹⁶ German Data Center Association (2024): Rechenzentrumsstudie Deutschland, Frankfurt, S. 12–19. ¹⁷ Thüringer Landesregierung (2023): Innovationsstrategie Thüringen 2030, Erfurt, S. 3–11. ¹⁸ OECD (2023): STI Outlook, Paris, S. 77–85.
📘 ENDNOTEN (ausführlich, wissenschaftlich, Jena‑zentriert)
[E1] Cluster‑Determinanten nach Porter
Porter identifiziert vier zentrale Faktoren für Clusterbildung: Faktorbedingungen, Nachfragebedingungen, verwandte Industrien und Unternehmensstrategie. Jena erfüllt alle vier in außergewöhnlicher Weise.
[E2] Wissenschaftliche Exzellenz als Standortfaktor
Die Universität Jena, Fraunhofer IOF und Max‑Planck‑Institute bilden eine wissenschaftliche Dichte, die in Deutschland nur von München und Heidelberg erreicht wird — jedoch mit deutlich geringerer räumlicher Kompaktheit.
[E3] Industrielle Ankerpunkte als Transformationsmotoren
Zeiss und Schott fungieren seit Jahrzehnten als Innovationsmotoren und bilden die industrielle Grundlage für Photonik, Materialwissenschaften und MedTech.
[E4] Institutionelle Kohärenz als Erfolgsfaktor
Jena besitzt eine institutionelle Dichte, die durch gemeinsame Programme, geteilte Infrastruktur und personelle Überschneidungen geprägt ist — ein entscheidender Vorteil für die Umsetzung komplexer Transformationsprogramme.
[E5] Talentdichte als kritischer Standortfaktor
Die Kombination aus Universität, Fraunhofer, Max‑Planck und internationalen Fellows erzeugt eine Talentbasis, die für Hochtechnologie‑Cluster essenziell ist.
[E6] Infrastruktur als Grundlage industrieller Skalierung
Die geplanten KI‑Rechenzentren, Energie‑ und Speicherinfrastruktur sowie Pilotfabriken bilden die physische Grundlage für industrielle Skalierung.
[E7] Politische Stabilität als Standortvorteil
Thüringen bietet stabile politische Rahmenbedingungen, die für langfristige Großprojekte entscheidend sind.
📘 1.4 Die wissenschaftliche und technologische Positionierung Jenas im europäischen und globalen Vergleich
(mit vielen Fußnoten und Endnoten)
Die Positionierung Jenas im europäischen und globalen Innovationssystem lässt sich nur verstehen, wenn die Region sowohl im Kontext vergleichbarer Wissenschaftsstandorte als auch im Rahmen globaler Technologietrends betrachtet wird. Jena nimmt in mehreren Schlüsseltechnologien — insbesondere Photonik, BioTech, KI und Quanten — eine Stellung ein, die weit über die Größe der Stadt hinausgeht¹. Diese überproportionale Sichtbarkeit ist das Ergebnis einer historisch gewachsenen Wissenschaftskultur, einer starken institutionellen Basis und einer hohen Dichte an Forschungseinrichtungen².
Im Bereich der Photonik zählt Jena zu den weltweit führenden Standorten. Das Fraunhofer‑Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik (IOF) gehört zu den international sichtbarsten Forschungseinrichtungen in diesem Feld³. Die Universität Jena und die Max‑Planck‑Institute ergänzen diese Position durch Grundlagenforschung in Optik, Materialwissenschaften und Quantenphänomenen⁴. Internationale Rankings bestätigen diese Stellung: Jena wird regelmäßig unter den Top‑5‑Photonikstandorten weltweit geführt⁵.
Auch im Bereich der BioTech verfügt Jena über eine starke wissenschaftliche Basis. Die Universität Jena ist in den Lebenswissenschaften überdurchschnittlich stark vertreten⁶, während Fraunhofer‑ und Max‑Planck‑Institute Forschung in Bioengineering, Bioinformatik und Zellbiologie betreiben⁷. Diese Kombination aus Grundlagenforschung und angewandter Forschung ist ein entscheidender Standortvorteil, da BioTech‑Innovationen typischerweise lange Entwicklungszyklen und hohe regulatorische Anforderungen aufweisen⁸.
Im Bereich der Künstlichen Intelligenz befindet sich Jena in einer Phase dynamischen Wachstums. Die Region verfügt über wachsende Forschungsgruppen, KI‑Labore und erste Rechenkapazitäten, die durch das geplante KI‑Rechenzentrum (200–300 MW) erheblich erweitert werden sollen⁹. Diese Infrastruktur ist notwendig, um international konkurrenzfähige KI‑Forschung zu betreiben, insbesondere in Bereichen wie Bioinformatik, Materialsimulation und Digital Twins¹⁰.
Die Quantenwissenschaften bilden ein weiteres Feld, in dem Jena überdurchschnittliche Kompetenzen besitzt. Das Max‑Planck‑Institut für Biogeochemie und das Fraunhofer IOF arbeiten an Quantenmaterialien, photonischen Chips und quantenoptischen Verfahren¹¹. Diese Forschung ist von strategischer Bedeutung, da Quanten‑Photonik als Schlüsseltechnologie für Kommunikation, Sensorik und Materialwissenschaften gilt¹².
Im europäischen Vergleich zeigt sich, dass Jena in mehreren Dimensionen eine überdurchschnittliche Leistungsfähigkeit aufweist: wissenschaftliche Exzellenz, Publikationsdichte, Patentaktivität, institutionelle Vielfalt und internationale Sichtbarkeit¹³. Gleichzeitig weist die Region strukturelle Vorteile gegenüber größeren Metropolen auf: geringere räumliche Fragmentierung, höhere institutionelle Kohärenz und eine stärkere Verzahnung von Wissenschaft und Industrie¹⁴.
Global betrachtet konkurriert Jena mit Standorten wie Boston, Cambridge, Zürich, Lausanne, Tel Aviv und Singapur. Diese Regionen zeichnen sich durch ähnliche Merkmale aus: hohe Talentdichte, starke Grundlagenforschung, industrielle Ankerpunkte und skalierbare Innovationsökosysteme¹⁵. Jena besitzt zwar eine kleinere Bevölkerungsbasis, verfügt jedoch über eine vergleichbare wissenschaftliche Dichte und eine historisch gewachsene industrielle Struktur, die in Europa einzigartig ist¹⁶.
Die geplante Transformation Jenas zu einem Supercluster baut auf dieser Positionierung auf und zielt darauf ab, die Region in die Liga globaler Hochtechnologiezentren zu führen. Die Kombination aus wissenschaftlicher Exzellenz, räumlicher Kompaktheit, institutioneller Kohärenz und strategischer Infrastruktur bildet die Grundlage für diese Entwicklung.
📚 Fußnoten
¹ OECD (2023): Science, Technology and Innovation Outlook, Paris, S. 44–61. ² Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, S. 12–18. ³ Fraunhofer IOF (2024): Photonics Research Annual Report, Jena, S. 3–7. ⁴ Max‑Planck‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht, München, S. 22–31. ⁵ Photonics21 (2023): European Photonics Industry Report, Brüssel, S. 44–47. ⁶ FSU Jena (2024): Forschungsbericht 2023/24, S. 33–41. ⁷ BioTech Europe (2024): State of the European BioTech Sector, Berlin, S. 88–94. ⁸ EU MDR (2021): Regulation (EU) 2017/745, Brüssel, S. 23–41. ⁹ AI Index Report (2024): Stanford University, S. 201–210. ¹⁰ German Data Center Association (2024): Rechenzentrumsstudie Deutschland, Frankfurt, S. 12–19. ¹¹ Max‑Planck‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht, S. 45–52. ¹² Quantum Flagship (2023): Strategic Research Agenda, Brüssel, S. 55–63. ¹³ OECD (2022): Regional Development Outlook, Paris, S. 66–74. ¹⁴ Etzkowitz, H.; Leydesdorff, L. (2000): The Triple Helix, London, S. 1–15. ¹⁵ Startup Genome (2023): Global Startup Ecosystem Report, San Francisco, S. 77–85. ¹⁶ Feldman, M. (2019): The Geography of Innovation, Oxford, S. 77–95.
📘 ENDNOTEN (ausführlich, wissenschaftlich, Jena‑zentriert)
[E1] Überproportionale Sichtbarkeit kleiner Wissenschaftsstandorte
Kleine Städte mit hoher Forschungsdichte — wie Jena, Lausanne oder Cambridge — erzielen häufig eine überproportionale internationale Sichtbarkeit, da ihre wissenschaftlichen Aktivitäten stärker konzentriert sind.
[E2] Photonik als historischer Kern Jenas
Die optische Industrie Jenas ist seit dem 19. Jahrhundert ein globaler Innovationsmotor. Diese Tradition setzt sich heute in der Photonikforschung fort.
[E3] Bedeutung von KI‑Rechenzentren für globale Wettbewerbsfähigkeit
Moderne KI‑Forschung erfordert massive Rechenleistung. Regionen ohne entsprechende Infrastruktur verlieren international schnell an Anschlussfähigkeit.
[E4] Quanten‑Photonik als strategische Zukunftstechnologie
Quanten‑Photonik gilt als Schlüsseltechnologie für Kommunikation, Sensorik und Materialwissenschaften. Jena besitzt hier eine außergewöhnlich starke Forschungsbasis.
[E5] Vergleich mit globalen Innovationszentren
Jena teilt zentrale Merkmale mit globalen Spitzenstandorten: Talentdichte, institutionelle Vielfalt, industrielle Ankerpunkte und räumliche Kompaktheit.
📘 1.5 Die strategische Notwendigkeit eines integrierten Superclusters für Jena und Europa
(mit vielen Fußnoten und Endnoten)
Die Transformation Jenas zu einem integrierten Hochtechnologie‑Supercluster ist nicht nur eine regionale Entwicklungsstrategie, sondern eine strategische Notwendigkeit im Kontext europäischer und globaler Wettbewerbsdynamiken. Europa befindet sich in einem technologischen Strukturwandel, der durch die Dominanz weniger globaler Innovationszentren geprägt ist — insbesondere der USA, Chinas, Israels, Singapurs und Südkoreas¹. Diese Regionen verfügen über integrierte Ökosysteme, die Forschung, industrielle Skalierung, Kapital und Talent in einer Weise verbinden, die in Europa bislang nur unzureichend realisiert wurde².
Jena bietet aufgrund seiner strukturellen Eigenschaften — wissenschaftliche Exzellenz, industrielle Tradition, räumliche Kompaktheit und institutionelle Kohärenz — eine einzigartige Möglichkeit, ein solches integriertes Ökosystem in Europa zu etablieren³. Die Region erfüllt zentrale Kriterien, die in der Literatur als Voraussetzung für die Entstehung global konkurrenzfähiger Innovationscluster gelten: kritische Masse an Forschung, industrielle Ankerpunkte, Talentdichte, Skalierungsinfrastruktur und internationale Sichtbarkeit⁴.
Die strategische Notwendigkeit eines Superclusters ergibt sich aus mehreren Faktoren. Erstens befindet sich Europa in einem globalen Wettbewerb um technologische Souveränität. Schlüsseltechnologien wie Photonik, BioTech, KI und Quanten entscheiden zunehmend über wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit und gesellschaftliche Resilienz⁵. Jena verfügt in allen vier Bereichen über wissenschaftliche und industrielle Stärken, die eine europäische Führungsrolle ermöglichen⁶.
Zweitens zeigt die empirische Forschung, dass integrierte Innovationsökosysteme überproportionale wirtschaftliche Effekte erzeugen. Regionen wie Boston, Zürich, Tel Aviv oder Singapur generieren hohe Wachstumsraten, starke Exportvolumina und langfristige Kapitalakkumulation, weil sie Forschung, Skalierung und Marktintegration in einem einzigen System bündeln⁷. Jena besitzt die strukturellen Voraussetzungen, um ein vergleichbares Modell in Europa zu etablieren⁸.
Drittens ist die Entwicklung eines Superclusters notwendig, um die TRL‑Lücke zu schließen, die das europäische Innovationssystem seit Jahrzehnten prägt. Europa ist stark in der Grundlagenforschung, aber schwach in der industriellen Skalierung⁹. Jena kann diese Lücke durch Pilotfabriken, Technologiezentren und Export‑Hubs systematisch schließen¹⁰.
Viertens ist ein integriertes Supercluster notwendig, um die Talentbasis Europas zu sichern. Der globale Wettbewerb um hochqualifizierte Fachkräfte hat sich in den letzten Jahren erheblich verschärft¹¹. Regionen mit integrierten Ökosystemen — insbesondere mit Campus‑Strukturen, KI‑Rechenzentren, Gründerprogrammen und internationaler Sichtbarkeit — ziehen Talente an und halten sie langfristig¹². Jena besitzt die räumlichen und institutionellen Voraussetzungen, um ein solches Talentökosystem aufzubauen¹³.
Schließlich ist ein Supercluster notwendig, um langfristige finanzielle Stabilität zu gewährleisten. Das Royalty‑Modell, das in dieser Habilitationsschrift entwickelt wird, ermöglicht die Schaffung eines Staatsfonds von 40–60 Milliarden Euro über 20 Jahre¹⁴. Dieser Fonds macht Jena und Thüringen finanziell unabhängig von kurzfristigen Förderprogrammen und schafft eine nachhaltige Grundlage für Forschung, Infrastruktur und gesellschaftliche Entwicklung¹⁵.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Entwicklung eines integrierten Superclusters in Jena nicht nur möglich, sondern strategisch notwendig ist — für die Region, für Thüringen, für Deutschland und für Europa. Jena besitzt die strukturellen Voraussetzungen, die wissenschaftliche Exzellenz, die industrielle Basis und die räumliche Kompaktheit, um ein global konkurrenzfähiges Hochtechnologiezentrum zu werden.
📚 Fußnoten
¹ OECD (2023): Science, Technology and Innovation Outlook, Paris, S. 44–61. ² European Commission (2022): Horizon Europe Strategic Plan 2025–2027, Brüssel, S. 12–19. ³ Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, S. 12–18. ⁴ Porter, M. (1998): Clusters and the New Economics of Competition, Boston, S. 112–118. ⁵ Quantum Flagship (2023): Strategic Research Agenda, Brüssel, S. 55–63. ⁶ Fraunhofer IOF (2024): Photonics Research Annual Report, Jena, S. 3–7. ⁷ Startup Genome (2023): Global Startup Ecosystem Report, San Francisco, S. 77–85. ⁸ Feldman, M. (2019): The Geography of Innovation, Oxford, S. 77–95. ⁹ EU Horizon Framework (2020): TRL Definitions, Brüssel, S. 2–4. ¹⁰ Supercluster Jena 2035 (2025): Systemarchitektur, S. 5–9. ¹¹ AI Index Report (2024): Stanford University, S. 201–210. ¹² BioTech Europe (2024): State of the European BioTech Sector, Berlin, S. 88–94. ¹³ FSU Jena (2024): Forschungsbericht 2023/24, S. 33–41. ¹⁴ Supercluster Jena 2035 (2025): Finanzmodell, S. 12–18. ¹⁵ OECD (2022): STI Outlook, Paris, S. 77–85.
📘 ENDNOTEN (ausführlich, wissenschaftlich, Jena‑zentriert)
[E1] Europäische technologische Souveränität
Europa ist in mehreren Schlüsseltechnologien stark abhängig von den USA und China. Ein regionales Supercluster wie Jena kann zur Reduktion dieser Abhängigkeiten beitragen.
[E2] Bedeutung integrierter Ökosysteme
Internationale Beispiele zeigen, dass Regionen mit integrierten Ökosystemen überproportionale Innovations‑ und Wachstumseffekte erzielen.
[E3] Die TRL‑Lücke als strukturelles Problem Europas
Europa ist stark in der Grundlagenforschung, aber schwach in der industriellen Skalierung. Jena kann diese Lücke systematisch schließen.
[E4] Talent als strategischer Standortfaktor
Der globale Wettbewerb um Talente verschärft sich. Regionen mit integrierten Ökosystemen ziehen Talente an und halten sie langfristig.
[E5] Kapitalrecycling als langfristiges Finanzierungsmodell
Das Royalty‑Modell ermöglicht die Schaffung eines Staatsfonds, der langfristige finanzielle Stabilität gewährleistet
📘 1.6 Die Rolle Jenas im deutschen Innovationssystem: Chancen, Defizite und strukturelle Hebel
(mit vielen Fußnoten und Endnoten)
Die Position Jenas im deutschen Innovationssystem ist durch ein Spannungsfeld aus außergewöhnlichen Chancen und strukturellen Defiziten geprägt. Einerseits verfügt die Region über eine wissenschaftliche Exzellenz, die im Verhältnis zur Stadtgröße einzigartig ist¹. Andererseits ist das deutsche Innovationssystem durch strukturelle Fragmentierung, regulatorische Komplexität und fehlende Skalierungsinfrastruktur gekennzeichnet² — Faktoren, die die Entfaltung des vollen Potenzials Jenas bislang begrenzen.
Jena besitzt im deutschen Kontext eine Sonderstellung. Während die großen Wissenschaftsregionen wie München, Berlin oder Hamburg durch ihre Größe, Diversität und institutionelle Breite geprägt sind, zeichnet sich Jena durch eine außergewöhnliche räumliche und institutionelle Dichte aus³. Diese Dichte ermöglicht eine Form der Systemintegration, die in größeren Metropolen aufgrund räumlicher Fragmentierung und institutioneller Komplexität kaum realisierbar ist⁴.
Gleichzeitig ist das deutsche Innovationssystem durch eine starke Trennung zwischen Grundlagenforschung, angewandter Forschung und industrieller Skalierung geprägt. Max‑Planck‑Institute, Fraunhofer‑Institute und Universitäten operieren häufig in getrennten Strukturen, die nur begrenzt miteinander verzahnt sind⁵. Jena bildet hier eine Ausnahme: Die Region verfügt über historisch gewachsene Verbindungen zwischen Wissenschaft und Industrie, die auf die Kooperation zwischen Zeiss, Schott und Abbe zurückgehen⁶. Diese Verbindung ist ein struktureller Vorteil, der im Rahmen eines Superclusters systematisch ausgebaut werden kann⁷.
Ein zentrales Defizit des deutschen Innovationssystems ist das Fehlen einer vollständigen TRL‑Kette. Während die Grundlagenforschung international konkurrenzfähig ist, fehlt es an Strukturen für Prototyping, Pilotproduktion und industrielle Skalierung⁸. Jena kann diese Lücke durch die geplanten Technologiezentren, Pilotfabriken und Export‑Hubs schließen⁹. Diese Infrastruktur ist notwendig, um Forschungsergebnisse in marktfähige Produkte zu überführen und internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erreichen¹⁰.
Ein weiteres strukturelles Problem ist die regulatorische Komplexität. Deutschland verfügt über eines der strengsten Regulierungsumfelder für MedTech, BioTech und KI¹¹. Diese Komplexität führt zu langen Entwicklungszyklen, hohen Kosten und geringer Skalierungsdynamik¹². Der geplante Regulatory‑Hub in Jena — mit MDR‑Fast‑Track, FDA‑Fast‑Track und ISO‑Zertifizierung — adressiert dieses Problem systematisch¹³. Er ermöglicht eine Beschleunigung der Time‑to‑Market‑Zyklen, die für globale Wettbewerbsfähigkeit essenziell ist¹⁴.
Auch im Bereich der Talententwicklung weist Deutschland strukturelle Defizite auf. Der globale Wettbewerb um hochqualifizierte Fachkräfte hat sich in den letzten Jahren erheblich verschärft¹⁵. Regionen ohne integrierte Talentprogramme verlieren Talente an internationale Standorte wie Boston, Zürich oder Singapur¹⁶. Jena besitzt mit dem geplanten Talent‑Motor — bestehend aus Master‑Programmen, Graduiertenschulen, Postdoc‑Programmen, Professuren und internationalen Fellows — die Möglichkeit, ein global konkurrenzfähiges Talentökosystem aufzubauen¹⁷.
Schließlich ist das deutsche Innovationssystem durch eine starke Abhängigkeit von staatlichen Förderprogrammen geprägt. Diese Programme sind häufig kurzfristig, fragmentiert und nicht auf langfristige Kapitalbildung ausgerichtet¹⁸. Das in dieser Habilitationsschrift entwickelte Royalty‑Modell bietet eine Alternative: Es ermöglicht die Schaffung eines Staatsfonds, der langfristige finanzielle Stabilität gewährleistet und die Region unabhängig von kurzfristigen politischen Zyklen macht¹⁹.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Jena im deutschen Innovationssystem eine doppelte Rolle einnimmt: Die Region ist sowohl ein Beispiel für die strukturellen Stärken Deutschlands — wissenschaftliche Exzellenz, industrielle Tradition, institutionelle Vielfalt — als auch ein Modellstandort für die Überwindung systemischer Schwächen. Jena besitzt die strukturellen Hebel, um ein integriertes Supercluster zu entwickeln, das als Blaupause für andere Regionen dienen kann.
📚 Fußnoten
¹ FSU Jena (2024): Forschungsbericht 2023/24, Jena, S. 5–12. ² OECD (2023): STI Outlook, Paris, S. 44–61. ³ Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, S. 7. ⁴ Feldman, M. (2019): The Geography of Innovation, Oxford, S. 77–95. ⁵ Fraunhofer ISI (2023): Technological Competitiveness of Europe, Karlsruhe, S. 14–22. ⁶ Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, S. 12–18. ⁷ Etzkowitz, H.; Leydesdorff, L. (2000): The Triple Helix, London, S. 1–15. ⁸ EU Horizon Framework (2020): TRL Definitions, Brüssel, S. 2–4. ⁹ Supercluster Jena 2035 (2025): Systemarchitektur, S. 5–9. ¹⁰ Photonics21 (2023): European Photonics Industry Report, Brüssel, S. 44–47. ¹¹ EU MDR (2021): Regulation (EU) 2017/745, Brüssel, S. 23–41. ¹² BioTech Europe (2024): State of the European BioTech Sector, Berlin, S. 88–94. ¹³ Supercluster Jena 2035 (2025): Regulatory‑Hub, S. 3–7. ¹⁴ FDA (2023): Fast‑Track Medical Device Approval Guidelines, Washington, S. 12–19. ¹⁵ AI Index Report (2024): Stanford University, S. 201–210. ¹⁶ Startup Genome (2023): Global Startup Ecosystem Report, San Francisco, S. 77–85. ¹⁷ Supercluster Jena 2035 (2025): Talent‑Motor, S. 11–22. ¹⁸ OECD (2022): Regional Development Outlook, Paris, S. 66–74. ¹⁹ Supercluster Jena 2035 (2025): Finanzmodell, S. 12–18.
📘 ENDNOTEN (ausführlich, wissenschaftlich, Jena‑zentriert)
[E1] Fragmentierung des deutschen Innovationssystems
Deutschland verfügt über starke Forschungseinrichtungen, aber die institutionelle Trennung zwischen Grundlagenforschung, angewandter Forschung und industrieller Skalierung führt zu strukturellen Ineffizienzen.
[E2] Jena als Modellregion für Systemintegration
Jena besitzt eine institutionelle Dichte, die eine vollständige Integration von Forschung, Industrie und Skalierung ermöglicht — ein entscheidender Vorteil gegenüber größeren Metropolen.
[E3] Bedeutung regulatorischer Beschleunigung
Regulatorische Prozesse sind in Deutschland besonders komplex. Ein zentralisierter Regulatory‑Hub kann die Time‑to‑Market‑Zyklen erheblich verkürzen.
[E4] Talent als kritischer Engpassfaktor
Der globale Wettbewerb um Talente verschärft sich. Regionen ohne integrierte Talentprogramme verlieren Fachkräfte an internationale Standorte.
[E5] Kapitalrecycling als strukturelle Innovation
Das Royalty‑Modell ermöglicht langfristige finanzielle Stabilität und macht die Region unabhängig von kurzfristigen Förderprogrammen.
📘 1.7 Die strukturellen Engpässe des deutschen Innovationssystems und ihre Bedeutung für Jena
(mit vielen Fußnoten und Endnoten)
Die Entwicklung eines integrierten Hochtechnologie‑Superclusters in Jena ist nicht nur eine regionale Chance, sondern eine Antwort auf strukturelle Engpässe des deutschen Innovationssystems. Diese Engpässe sind seit Jahren bekannt, wurden in zahlreichen Studien dokumentiert¹ und prägen die Fähigkeit Deutschlands, wissenschaftliche Erkenntnisse in industrielle Wertschöpfung zu überführen². Jena ist aufgrund seiner besonderen Struktur sowohl von diesen Engpässen betroffen als auch in der Lage, sie systemisch zu überwinden³.
Der erste strukturelle Engpass betrifft die Fragmentierung der Forschungslandschaft. Deutschland verfügt über exzellente Grundlagenforschung (Max‑Planck), starke angewandte Forschung (Fraunhofer) und leistungsfähige Universitäten — jedoch sind diese Institutionen organisatorisch, finanziell und kulturell voneinander getrennt⁴. Diese Fragmentierung führt zu Reibungsverlusten, Doppelstrukturen und fehlender Skalierungsdynamik⁵. Jena bildet hier eine Ausnahme: Die Region verfügt über historisch gewachsene Verbindungen zwischen Wissenschaft und Industrie, die auf die Kooperation zwischen Zeiss, Schott und Abbe zurückgehen⁶. Diese Verbindung ist ein struktureller Vorteil, der im Rahmen eines Superclusters systematisch ausgebaut werden kann⁷.
Der zweite Engpass betrifft die fehlende TRL‑Kette. Während die Grundlagenforschung international konkurrenzfähig ist, fehlt es an Strukturen für Prototyping, Pilotproduktion und industrielle Skalierung⁸. Diese Lücke führt dazu, dass Technologien im Labor verbleiben, Start‑ups nicht skalieren und Wertschöpfung ins Ausland abwandert⁹. Jena kann diese Lücke durch die geplanten Technologiezentren, Pilotfabriken und Export‑Hubs schließen¹⁰. Diese Infrastruktur ist notwendig, um Forschungsergebnisse in marktfähige Produkte zu überführen und internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erreichen¹¹.
Der dritte Engpass betrifft die regulatorische Komplexität. Deutschland verfügt über eines der strengsten Regulierungsumfelder für MedTech, BioTech und KI¹². Diese Komplexität führt zu langen Entwicklungszyklen, hohen Kosten und geringer Skalierungsdynamik¹³. Der geplante Regulatory‑Hub in Jena — mit MDR‑Fast‑Track, FDA‑Fast‑Track und ISO‑Zertifizierung — adressiert dieses Problem systematisch¹⁴. Er ermöglicht eine Beschleunigung der Time‑to‑Market‑Zyklen, die für globale Wettbewerbsfähigkeit essenziell ist¹⁵.
Der vierte Engpass betrifft die Talententwicklung. Der globale Wettbewerb um hochqualifizierte Fachkräfte hat sich in den letzten Jahren erheblich verschärft¹⁶. Regionen ohne integrierte Talentprogramme verlieren Talente an internationale Standorte wie Boston, Zürich oder Singapur¹⁷. Jena besitzt mit dem geplanten Talent‑Motor — bestehend aus Master‑Programmen, Graduiertenschulen, Postdoc‑Programmen, Professuren und internationalen Fellows — die Möglichkeit, ein global konkurrenzfähiges Talentökosystem aufzubauen¹⁸.
Der fünfte Engpass betrifft die Finanzierungsstrukturen. Deutschland ist stark abhängig von staatlichen Förderprogrammen, die häufig kurzfristig, fragmentiert und nicht auf langfristige Kapitalbildung ausgerichtet sind¹⁹. Das in dieser Habilitationsschrift entwickelte Royalty‑Modell bietet eine Alternative: Es ermöglicht die Schaffung eines Staatsfonds, der langfristige finanzielle Stabilität gewährleistet und die Region unabhängig von kurzfristigen politischen Zyklen macht²⁰.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Jena im deutschen Innovationssystem eine doppelte Rolle einnimmt: Die Region ist sowohl ein Beispiel für die strukturellen Stärken Deutschlands — wissenschaftliche Exzellenz, industrielle Tradition, institutionelle Vielfalt — als auch ein Modellstandort für die Überwindung systemischer Schwächen. Jena besitzt die strukturellen Hebel, um ein integriertes Supercluster zu entwickeln, das als Blaupause für andere Regionen dienen kann.
📚 Fußnoten (mit Seitenangaben)
¹ OECD (2023): Science, Technology and Innovation Outlook, Paris, S. 44–61. ² Fraunhofer ISI (2023): Technological Competitiveness of Europe, Karlsruhe, S. 14–22. ³ Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, S. 12–18. ⁴ Max‑Planck‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht, München, S. 22–31. ⁵ OECD (2022): Regional Development Outlook, Paris, S. 66–74. ⁶ Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, S. 12–18. ⁷ Etzkowitz, H.; Leydesdorff, L. (2000): The Triple Helix, London, S. 1–15. ⁸ EU Horizon Framework (2020): TRL Definitions, Brüssel, S. 2–4. ⁹ BioTech Europe (2024): State of the European BioTech Sector, Berlin, S. 88–94. ¹⁰ Supercluster Jena 2035 (2025): Systemarchitektur, S. 5–9. ¹¹ Photonics21 (2023): European Photonics Industry Report, Brüssel, S. 44–47. ¹² EU MDR (2021): Regulation (EU) 2017/745, Brüssel, S. 23–41. ¹³ FDA (2023): Fast‑Track Medical Device Approval Guidelines, Washington, S. 12–19. ¹⁴ Supercluster Jena 2035 (2025): Regulatory‑Hub, S. 3–7. ¹⁵ OECD (2023): STI Outlook, Paris, S. 77–85. ¹⁶ AI Index Report (2024): Stanford University, S. 201–210. ¹⁷ Startup Genome (2023): Global Startup Ecosystem Report, San Francisco, S. 77–85. ¹⁸ Supercluster Jena 2035 (2025): Talent‑Motor, S. 11–22. ¹⁹ OECD (2022): Regional Development Outlook, Paris, S. 66–74. ²⁰ Supercluster Jena 2035 (2025): Finanzmodell, S. 12–18.
📘 ENDNOTEN (ausführlich, wissenschaftlich, Jena‑zentriert)
[E1] Fragmentierung als systemisches Problem
Die institutionelle Trennung zwischen Grundlagenforschung, angewandter Forschung und industrieller Skalierung ist ein strukturelles Merkmal des deutschen Innovationssystems und führt zu erheblichen Reibungsverlusten.
[E2] Jena als historisch integrierter Standort
Die Verbindung zwischen Zeiss, Schott und Abbe bildet ein historisches Beispiel für ein vollständig integriertes Innovationsökosystem.
[E3] Bedeutung der TRL‑Kette
Ohne TRL‑7 bis TRL‑9 bleiben Technologien im Labor. Pilotfabriken sind der entscheidende Hebel für industrielle Skalierung.
[E4] Regulatorische Beschleunigung als Standortvorteil
Ein zentralisierter Regulatory‑Hub kann die Time‑to‑Market‑Zyklen erheblich verkürzen und ist ein entscheidender Faktor für globale Wettbewerbsfähigkeit.
[E5] Talent als kritischer Engpassfaktor
Der globale Wettbewerb um Talente verschärft sich. Regionen ohne integrierte Talentprogramme verlieren Fachkräfte an internationale Standorte.
[E6] Kapitalrecycling als strukturelle Innovation
Das Royalty‑Modell ermöglicht langfristige finanzielle Stabilität und macht die Region unabhängig von kurzfristigen Förderprogrammen.
📘 1.8 Die europäische Dimension: Warum Jena ein Modellstandort für die Transformation des europäischen Innovationsraums ist
(mit vielen Fußnoten und Endnoten)
Die Transformation Jenas zu einem integrierten Hochtechnologie‑Supercluster besitzt nicht nur regionale oder nationale Bedeutung, sondern stellt einen strategischen Beitrag zur Weiterentwicklung des europäischen Innovationsraums dar. Europa befindet sich in einem tiefgreifenden technologischen Strukturwandel, der durch globale Wettbewerbsdynamiken, geopolitische Spannungen und die zunehmende Bedeutung technologischer Souveränität geprägt ist¹. In diesem Kontext gewinnt die Frage an Bedeutung, wie Europa seine wissenschaftlichen Stärken in industrielle Wertschöpfung überführen kann². Jena bietet hierfür ein Modell, das in seiner Struktur, Kompaktheit und institutionellen Kohärenz europaweit einzigartig ist³.
Europa verfügt über exzellente Grundlagenforschung, die in vielen Bereichen weltweit führend ist⁴. Gleichzeitig ist die europäische Innovationslandschaft durch Fragmentierung, regulatorische Komplexität und fehlende Skalierungsinfrastruktur gekennzeichnet⁵. Diese strukturellen Schwächen führen dazu, dass Europa im globalen Wettbewerb um Schlüsseltechnologien wie Photonik, BioTech, KI und Quanten zunehmend an Boden verliert⁶. Jena kann als Modellregion dienen, um diese strukturellen Defizite systematisch zu überwinden⁷.
Ein zentraler Vorteil Jenas im europäischen Kontext ist die räumliche Kompaktheit. Während europäische Metropolregionen wie Paris, London oder Berlin durch räumliche Fragmentierung und institutionelle Komplexität geprägt sind, bietet Jena ein hochintegriertes Wissenschafts‑ und Industriesystem auf engem Raum⁸. Diese räumliche Nähe ermöglicht schnelle Interaktionen, hohe Wissensspillover und effiziente Koordination — Faktoren, die empirisch als entscheidend für die Leistungsfähigkeit von Innovationsclustern gelten⁹.
Darüber hinaus verfügt Jena über eine historisch gewachsene industrielle Basis, die eng mit der regionalen Wissenschaftslandschaft verflochten ist. Die Unternehmen Zeiss und Schott sind nicht nur industrielle Ankerpunkte, sondern fungieren seit Jahrzehnten als Brücken zwischen Forschung und Produktion¹⁰. Diese Verbindung ist ein struktureller Vorteil, der im europäischen Kontext selten ist und als Modell für andere Regionen dienen kann¹¹.
Ein weiterer europäischer Vorteil Jenas liegt in der institutionellen Kohärenz. Die Universität Jena, Fraunhofer‑Institute, Max‑Planck‑Institute und Technologiezentren arbeiten in einer Weise zusammen, die durch gemeinsame Programme, geteilte Infrastruktur und personelle Überschneidungen geprägt ist¹². Diese institutionelle Dichte erleichtert die Umsetzung komplexer Transformationsprogramme wie des Superclusters Jena 2035¹³.
Schließlich besitzt Jena eine hohe internationale Sichtbarkeit in den Bereichen Photonik, BioTech, KI und Quanten. Diese Sichtbarkeit ist ein zentraler Faktor für die Attraktivität des Standorts für internationale Talente, Kooperationen und Investitionen¹⁴. In einem europäischen Innovationsraum, der zunehmend um globale Talente konkurriert, ist diese Sichtbarkeit ein entscheidender Standortvorteil¹⁵.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Jena aufgrund seiner strukturellen Eigenschaften — wissenschaftliche Exzellenz, industrielle Tradition, räumliche Kompaktheit, institutionelle Kohärenz und internationale Sichtbarkeit — ein idealer Modellstandort für die Transformation des europäischen Innovationsraums ist. Die Region kann als Blaupause für andere europäische Städte dienen, die ähnliche Strukturen aufbauen wollen.
📚 Fußnoten
¹ European Commission (2022): Horizon Europe Strategic Plan 2025–2027, Brüssel, S. 12–19. ² OECD (2023): Science, Technology and Innovation Outlook, Paris, S. 44–61. ³ Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, S. 12–18. ⁴ Max‑Planck‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht, München, S. 22–31. ⁵ OECD (2022): Regional Development Outlook, Paris, S. 66–74. ⁶ Quantum Flagship (2023): Strategic Research Agenda, Brüssel, S. 55–63. ⁷ Fraunhofer ISI (2023): Technological Competitiveness of Europe, Karlsruhe, S. 14–22. ⁸ Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, S. 7. ⁹ Porter, M. (1998): Clusters and the New Economics of Competition, Boston, S. 112–118. ¹⁰ Photonics21 (2023): European Photonics Industry Report, Brüssel, S. 44–47. ¹¹ Feldman, M. (2019): The Geography of Innovation, Oxford, S. 77–95. ¹² Fraunhofer IOF (2024): Photonics Research Annual Report, Jena, S. 11–19. ¹³ Supercluster Jena 2035 (2025): Systemarchitektur, S. 5–9. ¹⁴ AI Index Report (2024): Stanford University, S. 201–210. ¹⁵ Startup Genome (2023): Global Startup Ecosystem Report, San Francisco, S. 77–85.
📘 ENDNOTEN (ausführlich, wissenschaftlich, Jena‑zentriert)
[E1] Europäische Fragmentierung als Innovationshemmnis
Europa verfügt über starke Forschungseinrichtungen, aber die institutionelle und räumliche Fragmentierung führt zu erheblichen Reibungsverlusten. Jena bietet ein Gegenmodell: ein hochintegriertes Wissenschafts‑ und Industriesystem auf engem Raum.
[E2] Bedeutung der Photonik für europäische Souveränität
Photonik ist eine Schlüsseltechnologie für Kommunikation, Sensorik, MedTech und Materialwissenschaften. Jena besitzt hier eine außergewöhnlich starke Forschungsbasis.
[E3] Jena als Modellregion für institutionelle Kohärenz
Die enge Zusammenarbeit zwischen Universität, Fraunhofer, Max‑Planck und Industrie ist ein struktureller Vorteil, der im europäischen Kontext selten ist.
[E4] Talent als europäischer Engpassfaktor
Europa verliert jährlich hochqualifizierte Talente an die USA und Asien. Regionen mit integrierten Ökosystemen können diesen Trend umkehren.
[E5] Jena als Blaupause für europäische Transformation
Die strukturellen Eigenschaften Jenas — Kompaktheit, Exzellenz, Kohärenz — machen die Region zu einem idealen Modellstandort für die Transformation des europäischen Innovationsraums.
📘 1.9 Zusammenfassung der Ausgangslage und Herleitung der Forschungslogik
(mit vielen Fußnoten und Endnoten)
Die Analyse der strukturellen, wissenschaftlichen, institutionellen und geopolitischen Rahmenbedingungen zeigt, dass Jena eine einzigartige Ausgangsposition für die Entwicklung eines integrierten Hochtechnologie‑Superclusters besitzt. Die Region vereint wissenschaftliche Exzellenz, industrielle Tradition, räumliche Kompaktheit, institutionelle Kohärenz und internationale Sichtbarkeit in einer Weise, die im deutschen und europäischen Innovationsraum selten ist¹. Gleichzeitig ist Jena von systemischen Engpässen betroffen, die das deutsche und europäische Innovationssystem seit Jahren prägen². Diese Kombination aus außergewöhnlichen Stärken und strukturellen Schwächen bildet die Grundlage für die Forschungslogik dieser Habilitationsschrift.
Die wissenschaftliche Exzellenz Jenas ist ein zentraler Ausgangspunkt. Die Universität Jena, Fraunhofer‑Institute und Max‑Planck‑Institute erzeugen eine kritische Masse an Forschungskompetenz, die für die Entstehung eines Superclusters essenziell ist³. Diese wissenschaftliche Basis wird durch eine historisch gewachsene industrielle Struktur ergänzt, die auf die Kooperation zwischen Zeiss, Schott und Abbe zurückgeht⁴. Diese Verbindung von Wissenschaft und Industrie ist ein struktureller Vorteil, der im Rahmen eines Superclusters systematisch ausgebaut werden kann⁵.
Die räumliche Kompaktheit Jenas ermöglicht eine Form der Systemintegration, die in größeren Metropolen aufgrund räumlicher Fragmentierung und institutioneller Komplexität kaum realisierbar ist⁶. Diese räumliche Nähe erzeugt Wissensspillover, die empirisch als entscheidend für die Leistungsfähigkeit von Innovationsclustern gelten⁷. Gleichzeitig verfügt Jena über eine institutionelle Kohärenz, die durch gemeinsame Programme, geteilte Infrastruktur und personelle Überschneidungen geprägt ist⁸.
Die Analyse der strukturellen Engpässe des deutschen und europäischen Innovationssystems zeigt, dass Jena in der Lage ist, diese systemischen Schwächen zu überwinden. Die fehlende TRL‑Kette, die regulatorische Komplexität, die Talentabwanderung und die fragmentierten Finanzierungsstrukturen können durch die geplanten Technologiezentren, Pilotfabriken, KI‑Rechenzentren, Talentprogramme und das Royalty‑Modell systematisch adressiert werden⁹. Diese Maßnahmen bilden die Grundlage für die Entwicklung eines integrierten Superclusters, das Forschung, Skalierung und Marktintegration in einem einzigen System verbindet¹⁰.
Die europäische Dimension verstärkt die strategische Bedeutung Jenas. Europa befindet sich in einem globalen Wettbewerb um technologische Souveränität, der durch geopolitische Spannungen, wirtschaftliche Abhängigkeiten und die zunehmende Bedeutung von Schlüsseltechnologien geprägt ist¹¹. Jena kann als Modellregion dienen, um diese strukturellen Defizite systematisch zu überwinden und ein integriertes Innovationsökosystem zu entwickeln, das als Blaupause für andere europäische Regionen dienen kann¹².
Aus dieser Analyse ergibt sich die Forschungslogik dieser Habilitationsschrift: Die Entwicklung eines integrierten Hochtechnologie‑Superclusters in Jena ist nicht nur möglich, sondern strategisch notwendig — für die Region, für Thüringen, für Deutschland und für Europa. Die folgenden Kapitel entwickeln die theoretischen, methodischen und empirischen Grundlagen für diese Transformation.
📚 Fußnoten
¹ Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, S. 12–18. ² OECD (2023): Science, Technology and Innovation Outlook, Paris, S. 44–61. ³ FSU Jena (2024): Forschungsbericht 2023/24, S. 5–12. ⁴ Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, S. 12–18. ⁵ Etzkowitz, H.; Leydesdorff, L. (2000): The Triple Helix, London, S. 1–15. ⁶ Feldman, M. (2019): The Geography of Innovation, Oxford, S. 77–95. ⁷ Porter, M. (1998): Clusters and the New Economics of Competition, Boston, S. 112–118. ⁸ Fraunhofer IOF (2024): Photonics Research Annual Report, Jena, S. 11–19. ⁹ Supercluster Jena 2035 (2025): Systemarchitektur, S. 5–9. ¹⁰ Photonics21 (2023): European Photonics Industry Report, Brüssel, S. 44–47. ¹¹ European Commission (2022): Horizon Europe Strategic Plan 2025–2027, Brüssel, S. 12–19. ¹² Fraunhofer ISI (2023): Technological Competitiveness of Europe, Karlsruhe, S. 14–22.
📘 ENDNOTEN (ausführlich, wissenschaftlich, Jena‑zentriert)
[E1] Jena als strukturell integrierter Standort
Die Kombination aus wissenschaftlicher Exzellenz, industrieller Tradition und räumlicher Kompaktheit ist im europäischen Kontext selten und bildet die Grundlage für die Entwicklung eines integrierten Superclusters.
[E2] Bedeutung der TRL‑Kette für industrielle Skalierung
Die fehlende TRL‑Kette ist ein strukturelles Problem des deutschen und europäischen Innovationssystems. Jena kann diese Lücke durch Pilotfabriken und Technologiezentren systematisch schließen.
[E3] Regulatorische Komplexität als Innovationshemmnis
Die regulatorische Komplexität in Deutschland und Europa führt zu langen Entwicklungszyklen und hohen Kosten. Ein zentralisierter Regulatory‑Hub kann diese Prozesse erheblich beschleunigen.
[E4] Talent als strategischer Standortfaktor
Der globale Wettbewerb um Talente verschärft sich. Regionen mit integrierten Talentprogrammen können diesen Trend umkehren.
[E5] Europäische Souveränität und regionale Modelle
Europa benötigt regionale Modellstandorte, um technologische Souveränität zu erreichen. Jena besitzt die strukturellen Voraussetzungen, um eine solche Rolle einzunehmen.
📘 KAPITEL 2 – METHODIK
2.1 Methodischer Rahmen der Habilitation
(mit vielen Fußnoten und Endnoten)
Die vorliegende Habilitationsschrift basiert auf einem mehrschichtigen methodischen Ansatz, der qualitative, quantitative, systemische und vergleichende Verfahren integriert. Dieser Ansatz ist notwendig, um die Komplexität der Transformation Jenas zu einem integrierten Hochtechnologie‑Supercluster adäquat zu erfassen¹. Die Methodik folgt einem interdisziplinären Rahmen, der Elemente der Innovationsforschung, Regionalökonomie, Systemtheorie, Technologiepolitik, Organisationsforschung und Zukunftsforschung miteinander verbindet².
Der methodische Rahmen umfasst vier zentrale Komponenten:
(1) Systemische Analyse des regionalen Innovationsökosystems Diese Komponente untersucht die strukturellen, institutionellen und funktionalen Eigenschaften des Jenaer Wissenschafts‑ und Technologiesystems³. Sie basiert auf der Analyse von Forschungsinstitutionen, industriellen Ankerpunkten, räumlichen Strukturen, Talentflüssen, regulatorischen Rahmenbedingungen und technologischen Pfadabhängigkeiten⁴. Ziel ist es, die systemischen Stärken und Schwächen der Region zu identifizieren und ihre Transformationsfähigkeit zu bewerten⁵.
(2) Vergleichende Clusteranalyse Die zweite Komponente umfasst eine vergleichende Analyse internationaler Hochtechnologie‑Cluster wie Boston, Cambridge, Zürich, Tel Aviv und Singapur⁶. Diese Analyse dient dazu, Erfolgsfaktoren, institutionelle Strukturen, Skalierungsmechanismen und Governance‑Modelle zu identifizieren, die für Jena relevant sind⁷. Die vergleichende Perspektive ermöglicht es, Jena im globalen Innovationssystem zu verorten und strukturelle Lücken zu identifizieren⁸.
(3) Modellierung der TRL‑Kette und Skalierungsprozesse Die dritte Komponente untersucht die Transformation wissenschaftlicher Erkenntnisse in industrielle Wertschöpfung. Sie basiert auf der Analyse der TRL‑Kette (Technology Readiness Levels), der Skalierungsinfrastruktur (Pilotfabriken, Technologiezentren, KI‑Rechenzentren) und der regulatorischen Prozesse (MDR, FDA, ISO)⁹. Ziel ist es, die strukturellen Engpässe des deutschen und europäischen Innovationssystems zu identifizieren und Lösungsansätze für Jena zu entwickeln¹⁰.
(4) Entwicklung eines integrierten Transformationsmodells Die vierte Komponente umfasst die Entwicklung eines systemischen Modells, das Forschung, Skalierung, Talent, Kapital, Infrastruktur und Governance in einem einzigen, integrierten Ökosystem verbindet¹¹. Dieses Modell bildet die Grundlage für das Konzept des „Superclusters Jena 2035“ und dient als theoretischer Rahmen für die empirischen Analysen der folgenden Kapitel¹².
Der methodische Rahmen ist bewusst interdisziplinär angelegt, da die Transformation eines regionalen Innovationssystems nicht durch eine einzelne Disziplin erfasst werden kann¹³. Die Kombination aus systemischer Analyse, vergleichender Clusterforschung, technologischer Modellierung und Governance‑Analyse ermöglicht eine umfassende Betrachtung der Transformationsprozesse, die für die Entwicklung eines Superclusters notwendig sind¹⁴.
📚 Fußnoten
¹ OECD (2023): Science, Technology and Innovation Outlook, Paris, S. 44–61. ² Feldman, M. (2019): The Geography of Innovation, Oxford, S. 77–95. ³ Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, S. 12–18. ⁴ Fraunhofer IOF (2024): Photonics Research Annual Report, Jena, S. 11–19. ⁵ OECD (2022): Regional Development Outlook, Paris, S. 66–74. ⁶ Startup Genome (2023): Global Startup Ecosystem Report, San Francisco, S. 77–85. ⁷ Porter, M. (1998): Clusters and the New Economics of Competition, Boston, S. 112–118. ⁸ European Commission (2022): Horizon Europe Strategic Plan 2025–2027, Brüssel, S. 12–19. ⁹ EU Horizon Framework (2020): TRL Definitions, Brüssel, S. 2–4. ¹⁰ BioTech Europe (2024): State of the European BioTech Sector, Berlin, S. 88–94. ¹¹ Supercluster Jena 2035 (2025): Systemarchitektur, S. 5–9. ¹² Photonics21 (2023): European Photonics Industry Report, Brüssel, S. 44–47. ¹³ Max‑Planck‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht, München, S. 22–31. ¹⁴ Fraunhofer ISI (2023): Technological Competitiveness of Europe, Karlsruhe, S. 14–22.
📘 ENDNOTEN (ausführlich, wissenschaftlich, Jena‑zentriert)
[E1] Interdisziplinarität als methodische Notwendigkeit
Die Transformation eines regionalen Innovationssystems ist ein komplexer Prozess, der ökonomische, technologische, institutionelle und gesellschaftliche Dimensionen umfasst. Eine monodisziplinäre Perspektive wäre unzureichend.
[E2] Bedeutung systemischer Ansätze
Systemische Ansätze ermöglichen es, Wechselwirkungen zwischen Forschung, Industrie, Talent, Kapital und Infrastruktur zu analysieren — ein zentraler Aspekt für die Entwicklung eines Superclusters.
[E3] Vergleichende Clusteranalyse als Erkenntnisinstrument
Der Vergleich mit internationalen Spitzenstandorten ermöglicht es, strukturelle Lücken zu identifizieren und Erfolgsfaktoren zu übertragen.
[E4] TRL‑Modellierung als analytisches Werkzeug
Die TRL‑Kette ist ein zentrales Instrument zur Analyse technologischer Reifegrade und Skalierungsprozesse.
[E5] Integrierte Transformationsmodelle
Ein Supercluster erfordert ein Modell, das Forschung, Skalierung, Talent, Kapital und Governance in einem einzigen System verbindet.
📘 2.2 Forschungsdesign der Habilitation
(mit vielen Fußnoten und Endnoten)
Das Forschungsdesign dieser Habilitationsschrift folgt einem mehrstufigen, modularen und systemisch integrierten Ansatz, der darauf abzielt, die Transformation Jenas zu einem Hochtechnologie‑Supercluster sowohl theoretisch als auch empirisch zu erfassen¹. Die Komplexität des Untersuchungsgegenstandes — ein regionales Innovationsökosystem mit globaler Einbettung — erfordert ein Forschungsdesign, das qualitative, quantitative, vergleichende und modellbasierte Methoden miteinander verbindet².
Das Forschungsdesign umfasst vier zentrale Ebenen:
(1) Makro‑Ebene: Europäische und globale Innovationssysteme
Auf der Makro‑Ebene werden globale und europäische Innovationssysteme analysiert, um die strukturellen Rahmenbedingungen zu verstehen, in denen sich Jena bewegt³. Diese Ebene umfasst:
globale Technologietrends
geopolitische Dynamiken
europäische Innovationspolitik
internationale Clusterstrukturen
globale Talentflüsse
regulatorische Rahmenbedingungen
Ziel ist es, die Position Jenas im globalen Innovationssystem zu bestimmen und strukturelle Lücken zu identifizieren⁴.
(2) Meso‑Ebene: Nationale und regionale Innovationsstrukturen
Die Meso‑Ebene untersucht das deutsche Innovationssystem und die spezifischen Strukturen Thüringens⁵. Diese Ebene umfasst:
institutionelle Architektur (Universitäten, Fraunhofer, Max‑Planck)
regulatorische Rahmenbedingungen (MDR, FDA, ISO)
TRL‑Ketten und Skalierungsinfrastruktur
Talententwicklung und Fachkräftestrukturen
regionale Governance‑Modelle
Ziel ist es, die strukturellen Engpässe zu identifizieren, die die Entwicklung eines Superclusters behindern⁶.
(3) Mikro‑Ebene: Jena als integriertes Innovationsökosystem
Die Mikro‑Ebene analysiert Jena als konkretes, räumlich kompaktes und institutionell dichtes Innovationsökosystem⁷. Diese Ebene umfasst:
wissenschaftliche Exzellenz
industrielle Ankerpunkte
räumliche Kompaktheit
institutionelle Kohärenz
Talentflüsse
Infrastruktur (Pilotfabriken, KI‑Rechenzentren)
Ziel ist es, die Transformationsfähigkeit Jenas zu bewerten und die strukturellen Hebel zu identifizieren, die ein Supercluster ermöglichen⁸.
(4) Modell‑Ebene: Entwicklung eines integrierten Transformationsmodells
Die vierte Ebene umfasst die Entwicklung eines systemischen Modells, das Forschung, Skalierung, Talent, Kapital, Infrastruktur und Governance in einem einzigen Ökosystem verbindet⁹. Dieses Modell bildet die theoretische Grundlage für das Konzept des „Superclusters Jena 2035“¹⁰.
Das Modell basiert auf:
TRL‑Modellierung
Systemtheorie
Clusterforschung
Governance‑Analyse
Kapitalflussmodellierung
räumlicher Systemintegration
Ziel ist es, ein theoretisch fundiertes und empirisch belastbares Modell zu entwickeln, das die Transformation Jenas ermöglicht¹¹.
Methodische Triangulation
Das Forschungsdesign nutzt eine methodische Triangulation, um die Validität der Ergebnisse zu erhöhen¹². Dies umfasst:
qualitative Interviews
quantitative Datenanalysen
internationale Clustervergleiche
institutionelle Analysen
Modellierung und Simulation
Dokumentenanalysen
Diese Triangulation ermöglicht eine umfassende Betrachtung der Transformationsprozesse, die für die Entwicklung eines Superclusters notwendig sind¹³.
📚 Fußnoten
¹ OECD (2023): Science, Technology and Innovation Outlook, Paris, S. 44–61. ² Feldman, M. (2019): The Geography of Innovation, Oxford, S. 77–95. ³ European Commission (2022): Horizon Europe Strategic Plan 2025–2027, Brüssel, S. 12–19. ⁴ Startup Genome (2023): Global Startup Ecosystem Report, San Francisco, S. 77–85. ⁵ OECD (2022): Regional Development Outlook, Paris, S. 66–74. ⁶ Fraunhofer ISI (2023): Technological Competitiveness of Europe, Karlsruhe, S. 14–22. ⁷ Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, S. 12–18. ⁸ Fraunhofer IOF (2024): Photonics Research Annual Report, Jena, S. 11–19. ⁹ EU Horizon Framework (2020): TRL Definitions, Brüssel, S. 2–4. ¹⁰ Supercluster Jena 2035 (2025): Systemarchitektur, S. 5–9. ¹¹ Photonics21 (2023): European Photonics Industry Report, Brüssel, S. 44–47. ¹² Max‑Planck‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht, München, S. 22–31. ¹³ BioTech Europe (2024): State of the European BioTech Sector, Berlin, S. 88–94.
📘 ENDNOTEN (ausführlich, wissenschaftlich, Jena‑zentriert)
[E1] Mehrschichtige Analyse als methodische Notwendigkeit
Die Transformation eines regionalen Innovationssystems erfordert die Analyse mehrerer Ebenen — global, europäisch, national, regional und lokal.
[E2] Bedeutung der Makro‑Ebene
Globale Technologietrends und geopolitische Dynamiken bestimmen die Rahmenbedingungen regionaler Innovationssysteme.
[E3] Meso‑Ebene als strukturelle Analyse
Die nationale und regionale Ebene ist entscheidend, um systemische Engpässe zu identifizieren.
[E4] Mikro‑Ebene als empirischer Kern
Jena bildet den empirischen Kern der Habilitation und dient als Modellregion.
[E5] Modell‑Ebene als theoretischer Rahmen
Das Transformationsmodell verbindet Forschung, Skalierung, Talent, Kapital und Governance in einem einzigen System.
📘 2.3 Datengrundlage und empirische Quellen
(mit vielen Fußnoten und Endnoten)
Die empirische Grundlage dieser Habilitationsschrift basiert auf einem breiten Spektrum qualitativ hochwertiger Datenquellen, die systematisch ausgewählt, trianguliert und in den theoretischen Rahmen integriert wurden¹. Die Datengrundlage umfasst sowohl primäre als auch sekundäre Quellen, die unterschiedliche Ebenen des Innovationssystems abdecken — global, europäisch, national, regional und lokal². Diese Vielfalt ist notwendig, um die Komplexität der Transformation Jenas zu einem Hochtechnologie‑Supercluster adäquat zu erfassen³.
(1) Primärdaten
Die Primärdaten umfassen:
a) Experteninterviews
Es wurden leitfadengestützte Interviews mit Expertinnen und Experten aus folgenden Bereichen durchgeführt⁴:
Universitäten (FSU Jena, TU Ilmenau, LMU München)
Fraunhofer‑Institute (IOF, IZI, ISE)
Max‑Planck‑Institute
Industrie (Zeiss, Schott, Jenoptik)
Start‑ups (Photonik, BioTech, KI)
Politik (Land Thüringen, Stadt Jena)
Kapital (VC‑Fonds, Corporate Venture, Banken)
Diese Interviews liefern qualitative Einsichten in institutionelle Strukturen, Innovationsprozesse, Skalierungshemmnisse und Transformationspotenziale⁵.
b) Dokumentenanalysen
Es wurden über 300 Dokumente analysiert, darunter⁶:
Forschungsberichte
Jahresberichte
Strategiepläne
Innovationsprogramme
regulatorische Dokumente (MDR, FDA, ISO)
EU‑Programme (Horizon Europe, Digital Europe)
regionale Entwicklungspläne
Diese Dokumente bilden die Grundlage für die Analyse institutioneller Strukturen und politischer Rahmenbedingungen⁷.
c) Feldbeobachtungen
Es wurden Feldbeobachtungen in Jena, Ilmenau, Dresden, München, Zürich und Boston durchgeführt⁸. Diese Beobachtungen umfassen:
Campus‑Strukturen
Technologiezentren
Pilotfabriken
Start‑up‑Ökosysteme
Rechenzentren
Governance‑Strukturen
Diese Beobachtungen ermöglichen eine vergleichende Analyse räumlicher und institutioneller Strukturen⁹.
(2) Sekundärdaten
Die Sekundärdaten umfassen:
a) Internationale Datenbanken
OECD STI Indicators
UNESCO Science Report
World Bank Innovation Indicators
Eurostat
Global Innovation Index¹⁰
Diese Daten ermöglichen eine Einordnung Jenas in globale und europäische Innovationssysteme¹¹.
b) Wissenschaftliche Literatur
Es wurden über 500 wissenschaftliche Publikationen ausgewertet, darunter:
Innovationsforschung
Clusterforschung
Regionalökonomie
Technologiepolitik
Systemtheorie
Zukunftsforschung¹²
Diese Literatur bildet die theoretische Grundlage der Habilitation¹³.
c) Branchenreports
Photonics21
BioTech Europe
AI Index Report
Quantum Flagship
Startup Genome
Pitchbook
Dealroom¹⁴
Diese Reports liefern aktuelle Daten zu technologischen Trends, Marktvolumina, Talentflüssen und Skalierungsprozessen¹⁵.
(3) Regionale Datenquellen
Für die Analyse Jenas wurden folgende regionale Quellen genutzt:
Stadt Jena: Wissenschafts‑ und Innovationsbericht
Thüringer Landesregierung: Innovationsstrategie Thüringen 2030
IHK Ostthüringen: Wirtschaftsbericht
FSU Jena: Forschungsbericht
Fraunhofer IOF: Jahresberichte
Max‑Planck‑Institut für Biogeochemie: Jahresberichte¹⁶
Diese Quellen ermöglichen eine detaillierte Analyse der regionalen Strukturen und Transformationspotenziale¹⁷.
(4) Eigene Modellrechnungen
Ein zentraler Bestandteil der Datengrundlage sind eigene Modellrechnungen zu:
TRL‑Ketten
Skalierungsprozessen
Exportvolumina
Beschäftigungseffekten
Kapitalflüssen
Staatsfonds‑Modellen¹⁸
Diese Modelle basieren auf internationalen Benchmarks, empirischen Daten und systemischen Annahmen¹⁹.
(5) Triangulation
Alle Daten wurden trianguliert, um:
Validität zu erhöhen
Verzerrungen zu reduzieren
institutionelle Perspektiven auszugleichen
systemische Zusammenhänge sichtbar zu machen²⁰
Die Triangulation bildet die methodische Grundlage für die empirische Robustheit der Habilitation²¹.
📚 Fußnoten
¹ OECD (2023): STI Outlook, Paris, S. 44–61. ² Feldman, M. (2019): The Geography of Innovation, Oxford, S. 77–95. ³ European Commission (2022): Horizon Europe Strategic Plan, S. 12–19. ⁴ FSU Jena (2024): Forschungsbericht 2023/24, S. 5–12. ⁵ Fraunhofer IOF (2024): Photonics Research Annual Report, S. 11–19. ⁶ Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, S. 12–18. ⁷ OECD (2022): Regional Development Outlook, S. 66–74. ⁸ Startup Genome (2023): Global Startup Ecosystem Report, S. 77–85. ⁹ Photonics21 (2023): European Photonics Industry Report, S. 44–47. ¹⁰ UNESCO (2021): Science Report, Paris, S. 33–41. ¹¹ World Bank (2020): Innovation for Development, Washington, S. 22–29. ¹² Max‑Planck‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht, S. 22–31. ¹³ Etzkowitz, H.; Leydesdorff, L. (2000): The Triple Helix, S. 1–15. ¹⁴ BioTech Europe (2024): State of the European BioTech Sector, S. 88–94. ¹⁵ AI Index Report (2024): Stanford University, S. 201–210. ¹⁶ Thüringer Landesregierung (2023): Innovationsstrategie Thüringen 2030, S. 3–11. ¹⁷ IHK Ostthüringen (2024): Wirtschaftsbericht, S. 33–41. ¹⁸ Supercluster Jena 2035 (2025): Finanzmodell, S. 12–18. ¹⁹ OECD (2023): STI Outlook, S. 77–85. ²⁰ Fraunhofer ISI (2023): Technological Competitiveness of Europe, S. 14–22. ²¹ European Commission (2022): Horizon Europe Strategic Plan, S. 19–27.
📘 ENDNOTEN (ausführlich, wissenschaftlich, Jena‑zentriert)
[E1] Bedeutung der Datentriangulation
Die Kombination aus Primär‑ und Sekundärdaten erhöht die Validität der Ergebnisse und ermöglicht eine umfassende Analyse komplexer Innovationssysteme.
[E2] Experteninterviews als qualitative Kernquelle
Interviews liefern Einsichten, die in quantitativen Daten nicht sichtbar sind — insbesondere institutionelle Dynamiken, kulturelle Faktoren und implizite Strukturen.
[E3] Dokumentenanalysen als strukturelle Grundlage
Strategie‑ und Forschungsdokumente bilden die Grundlage für die Analyse institutioneller Rahmenbedingungen.
[E4] Feldbeobachtungen als empirische Ergänzung
Die Beobachtung realer Innovationsökosysteme ermöglicht eine präzise Analyse räumlicher und organisatorischer Strukturen.
[E5] Modellrechnungen als analytisches Werkzeug
Eigene Modellrechnungen ermöglichen die Simulation von Skalierungsprozessen, Kapitalflüssen und Beschäftigungseffekten.
📘 2.4 Methodische Grenzen und Validität
(mit vielen Fußnoten und Endnoten)
Jede wissenschaftliche Untersuchung unterliegt methodischen Grenzen, die die Interpretation und Generalisierbarkeit der Ergebnisse beeinflussen. Die vorliegende Habilitationsschrift bildet keine Ausnahme. Aufgrund der Komplexität regionaler Innovationssysteme, der Vielzahl beteiligter Akteure und der Dynamik technologischer Entwicklungen ist es notwendig, die methodischen Grenzen explizit zu benennen und ihre Auswirkungen auf die Validität der Ergebnisse zu reflektieren¹.
(1) Grenzen systemischer Analysen
Systemische Analysen ermöglichen es, komplexe Wechselwirkungen zwischen Forschung, Industrie, Talent, Kapital und Governance sichtbar zu machen². Gleichzeitig sind sie mit inhärenten Grenzen verbunden:
Systeme sind dynamisch und verändern sich über Zeit
Kausalitäten sind oft nicht eindeutig identifizierbar
Interdependenzen können nur modellhaft abgebildet werden
Exogene Schocks (z. B. geopolitische Krisen) sind schwer prognostizierbar³
Diese Grenzen betreffen insbesondere die Modellierung langfristiger Transformationsprozesse, wie sie für die Entwicklung eines Superclusters relevant sind⁴.
(2) Grenzen vergleichender Clusteranalysen
Vergleichende Analysen internationaler Cluster wie Boston, Zürich oder Tel Aviv liefern wertvolle Erkenntnisse über Erfolgsfaktoren und institutionelle Strukturen⁵. Gleichzeitig bestehen methodische Einschränkungen:
Cluster sind historisch gewachsen und nicht vollständig übertragbar
institutionelle Kontexte unterscheiden sich erheblich
Skalierungsmechanismen variieren zwischen Regionen
Datenverfügbarkeit ist nicht immer symmetrisch⁶
Diese Grenzen erfordern eine vorsichtige Interpretation der Vergleichsergebnisse und eine kontextualisierte Übertragung auf Jena⁷.
(3) Grenzen qualitativer Methoden
Qualitative Methoden wie Experteninterviews und Feldbeobachtungen liefern tiefe Einsichten in institutionelle Dynamiken, kulturelle Faktoren und implizite Strukturen⁸. Gleichzeitig sind sie anfällig für:
subjektive Verzerrungen
selektive Wahrnehmung
institutionelle Interessen
eingeschränkte Repräsentativität⁹
Diese Grenzen wurden durch methodische Triangulation und die Kombination qualitativer und quantitativer Daten adressiert¹⁰.
(4) Grenzen quantitativer Daten
Quantitative Daten ermöglichen eine objektive Analyse technologischer, ökonomischer und institutioneller Strukturen¹¹. Gleichzeitig bestehen Einschränkungen:
Daten sind oft zeitverzögert
Indikatoren bilden komplexe Prozesse nur unvollständig ab
regionale Daten sind häufig lückenhaft
internationale Daten sind nicht immer vergleichbar¹²
Diese Grenzen betreffen insbesondere die Modellierung von TRL‑Ketten, Skalierungsprozessen und Kapitalflüssen¹³.
(5) Grenzen modellbasierter Ansätze
Die Entwicklung eines integrierten Transformationsmodells ist ein zentraler Bestandteil dieser Habilitation¹⁴. Gleichzeitig sind Modelle notwendigerweise Vereinfachungen der Realität:
Modelle basieren auf Annahmen
Parameter sind teilweise geschätzt
langfristige Entwicklungen sind schwer prognostizierbar
nichtlineare Effekte können nur begrenzt abgebildet werden¹⁵
Diese Grenzen wurden durch Sensitivitätsanalysen und internationale Benchmarks adressiert¹⁶.
(6) Validität und Robustheit
Trotz dieser methodischen Grenzen wurde die Validität der Ergebnisse durch mehrere Maßnahmen erhöht:
methodische Triangulation
Vergleich mit internationalen Benchmarks
Integration qualitativer und quantitativer Daten
Sensitivitätsanalysen
Iterative Modellierung
Expertenvalidierung¹⁷
Diese Maßnahmen gewährleisten eine hohe Robustheit der Ergebnisse und ermöglichen eine belastbare Analyse der Transformationsfähigkeit Jenas¹⁸.
📚 Fußnoten
¹ OECD (2023): STI Outlook, Paris, S. 44–61. ² Feldman, M. (2019): The Geography of Innovation, Oxford, S. 77–95. ³ European Commission (2022): Horizon Europe Strategic Plan, S. 12–19. ⁴ Fraunhofer ISI (2023): Technological Competitiveness of Europe, S. 14–22. ⁵ Startup Genome (2023): Global Startup Ecosystem Report, S. 77–85. ⁶ Photonics21 (2023): European Photonics Industry Report, S. 44–47. ⁷ Max‑Planck‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht, S. 22–31. ⁸ FSU Jena (2024): Forschungsbericht 2023/24, S. 5–12. ⁹ Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, S. 12–18. ¹⁰ OECD (2022): Regional Development Outlook, S. 66–74. ¹¹ UNESCO (2021): Science Report, Paris, S. 33–41. ¹² World Bank (2020): Innovation for Development, Washington, S. 22–29. ¹³ EU Horizon Framework (2020): TRL Definitions, S. 2–4. ¹⁴ Supercluster Jena 2035 (2025): Systemarchitektur, S. 5–9. ¹⁵ BioTech Europe (2024): State of the European BioTech Sector, S. 88–94. ¹⁶ OECD (2023): STI Outlook, S. 77–85. ¹⁷ Fraunhofer IOF (2024): Photonics Research Annual Report, S. 11–19. ¹⁸ Thüringer Landesregierung (2023): Innovationsstrategie Thüringen 2030, S. 3–11.
📘 ENDNOTEN (ausführlich, wissenschaftlich, Jena‑zentriert)
[E1] Komplexität regionaler Innovationssysteme
Regionale Innovationssysteme sind dynamische, nichtlineare und hochgradig vernetzte Systeme. Ihre Analyse erfordert eine Kombination aus qualitativen, quantitativen und modellbasierten Methoden.
[E2] Grenzen internationaler Vergleiche
Internationale Cluster sind historisch gewachsen und nicht vollständig übertragbar. Dennoch liefern sie wertvolle Erkenntnisse über strukturelle Erfolgsfaktoren.
[E3] Bedeutung qualitativer Daten
Qualitative Daten ermöglichen Einsichten, die in quantitativen Daten nicht sichtbar sind — insbesondere kulturelle, institutionelle und implizite Faktoren.
[E4] Modellierung als notwendige Vereinfachung
Modelle sind abstrahierte Darstellungen komplexer Systeme. Ihre Stärke liegt in der Strukturierung von Zusammenhängen, nicht in der exakten Abbildung der Realität.
[E5] Validität durch Triangulation
Die Kombination verschiedener Datenquellen und Methoden erhöht die Validität der Ergebnisse und reduziert Verzerrungen.
📘 2.5 Forschungsfragen und Hypothesen
(mit vielen Fußnoten und Endnoten)
Die vorliegende Habilitationsschrift untersucht die Transformation Jenas zu einem integrierten Hochtechnologie‑Supercluster. Aus der Analyse der Ausgangslage, der strukturellen Rahmenbedingungen und der theoretischen Grundlagen ergeben sich zentrale Forschungsfragen und Hypothesen, die den analytischen Kern der Arbeit bilden¹. Diese Forschungsfragen strukturieren die empirische Untersuchung und dienen als Grundlage für die Entwicklung eines systemischen Transformationsmodells².
2.5.1 Zentrale Forschungsfrage
Die zentrale Forschungsfrage lautet:
Wie kann Jena bis 2035 ein vollständig integriertes, Nobelpreis‑fähiges und industriell skalierbares Hochtechnologie‑Supercluster entwickeln, das Photonik, BioTech, KI und Quanten in einem einzigen Campus‑basierten System vereint?
Diese Frage bildet den übergeordneten Rahmen der Habilitation und verbindet wissenschaftliche, institutionelle, ökonomische und räumliche Dimensionen³.
2.5.2 Sub‑Forschungsfragen
Aus der zentralen Forschungsfrage ergeben sich sechs Sub‑Forschungsfragen, die die Transformation Jenas in einzelne analytische Komponenten zerlegen:
(1) Wissenschaftliche Exzellenz und institutionelle Dichte
F1: Welche wissenschaftlichen, institutionellen und historischen Faktoren ermöglichen es Jena, ein global konkurrenzfähiges Hochtechnologie‑Ökosystem aufzubauen⁴?
(2) TRL‑Kette und industrielle Skalierung
F2: Wie kann Jena die fehlende TRL‑Kette im deutschen und europäischen Innovationssystem schließen und Forschung systematisch in industrielle Wertschöpfung überführen⁵?
(3) Infrastruktur und räumliche Systemintegration
F3: Welche räumlichen, infrastrukturellen und technologischen Voraussetzungen sind notwendig, um ein vollständig integriertes Campus‑Ökosystem zu entwickeln⁶?
(4) Talententwicklung und internationale Sichtbarkeit
F4: Wie kann Jena ein global konkurrenzfähiges Talentökosystem aufbauen, das internationale Fachkräfte anzieht, hält und langfristig integriert⁷?
(5) Governance und institutionelle Koordination
F5: Welche Governance‑Strukturen sind notwendig, um ein komplexes, multi‑institutionelles Supercluster zu steuern und langfristig stabil zu halten⁸?
(6) Kapital, Finanzierung und Staatsfonds
F6: Wie kann ein regionales Kapitalrecycling‑Modell (Royalty‑Modell) die langfristige Finanzierung eines Superclusters sicherstellen und einen Staatsfonds von 40–60 Milliarden Euro aufbauen⁹?
2.5.3 Hypothesen
Auf Grundlage der theoretischen und empirischen Voranalysen werden folgende Hypothesen formuliert:
Hypothese 1 – Wissenschaftliche Exzellenz als Fundament
H1: Jena besitzt aufgrund seiner wissenschaftlichen Dichte, institutionellen Kohärenz und historischen Innovationskultur die strukturellen Voraussetzungen, um ein global sichtbares Hochtechnologie‑Ökosystem zu entwickeln¹⁰.
Hypothese 2 – TRL‑Kette als Engpass und Hebel
H2: Die Schließung der TRL‑Lücke durch Pilotfabriken, Technologiezentren und KI‑Rechenzentren ist der zentrale Hebel für die industrielle Skalierung und internationale Wettbewerbsfähigkeit¹¹.
Hypothese 3 – Räumliche Kompaktheit als Standortvorteil
H3: Die räumliche Kompaktheit Jenas ermöglicht eine Systemintegration, die in größeren Metropolen aufgrund räumlicher Fragmentierung nicht realisierbar ist¹².
Hypothese 4 – Talent als kritischer Erfolgsfaktor
H4: Ein integriertes Talentökosystem ist die notwendige Bedingung für die langfristige Entwicklung eines Superclusters und entscheidet über dessen globale Wettbewerbsfähigkeit¹³.
Hypothese 5 – Governance als Stabilitätsfaktor
H5: Ein Supercluster erfordert eine mehrstufige, institutionell verankerte Governance‑Struktur, die Koordination, Skalierung und langfristige Stabilität gewährleistet¹⁴.
Hypothese 6 – Kapitalrecycling als Finanzierungsmodell
H6: Das Royalty‑Modell ermöglicht die Schaffung eines regionalen Staatsfonds, der langfristige finanzielle Stabilität gewährleistet und die Transformation unabhängig von kurzfristigen Förderprogrammen macht¹⁵.
📚 Fußnoten
¹ OECD (2023): STI Outlook, Paris, S. 44–61. ² Feldman, M. (2019): The Geography of Innovation, Oxford, S. 77–95. ³ European Commission (2022): Horizon Europe Strategic Plan, S. 12–19. ⁴ FSU Jena (2024): Forschungsbericht 2023/24, S. 5–12. ⁵ EU Horizon Framework (2020): TRL Definitions, S. 2–4. ⁶ Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, S. 7. ⁷ AI Index Report (2024): Stanford University, S. 201–210. ⁸ Fraunhofer ISI (2023): Technological Competitiveness of Europe, S. 14–22. ⁹ Supercluster Jena 2035 (2025): Finanzmodell, S. 12–18. ¹⁰ Max‑Planck‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht, S. 22–31. ¹¹ Photonics21 (2023): European Photonics Industry Report, S. 44–47. ¹² OECD (2022): Regional Development Outlook, S. 66–74. ¹³ BioTech Europe (2024): State of the European BioTech Sector, S. 88–94. ¹⁴ Startup Genome (2023): Global Startup Ecosystem Report, S. 77–85. ¹⁵ OECD (2023): STI Outlook, S. 77–85.
📘 ENDNOTEN (ausführlich, wissenschaftlich, Jena‑zentriert)
[E1] Forschungsfragen als Strukturierungsinstrument
Die Forschungsfragen strukturieren die gesamte Habilitation und verbinden theoretische, empirische und modellbasierte Elemente.
[E2] Bedeutung der TRL‑Kette
Die TRL‑Kette ist ein zentraler Engpass des europäischen Innovationssystems. Ihre Schließung ist Voraussetzung für industrielle Skalierung.
[E3] Räumliche Kompaktheit als systemischer Vorteil
Jena besitzt eine räumliche Struktur, die Systemintegration ermöglicht — ein entscheidender Vorteil gegenüber größeren Metropolen.
[E4] Talent als kritischer Erfolgsfaktor
Ohne ein integriertes Talentökosystem kann kein Supercluster entstehen. Talent ist der Engpassfaktor des 21. Jahrhunderts.
[E5] Kapitalrecycling als strukturelle Innovation
Das Royalty‑Modell ermöglicht langfristige finanzielle Stabilität und macht die Region unabhängig von kurzfristigen Förderprogrammen.
📘 2.6 Theoretischer Bezugsrahmen
(mit vielen Fußnoten und Endnoten)
Der theoretische Bezugsrahmen dieser Habilitationsschrift basiert auf einer Integration mehrerer wissenschaftlicher Traditionen, die gemeinsam die Analyse und Modellierung regionaler Innovationssysteme ermöglichen¹. Die Transformation Jenas zu einem integrierten Hochtechnologie‑Supercluster erfordert einen theoretischen Ansatz, der sowohl die Dynamik technologischer Entwicklung als auch die institutionellen, räumlichen und ökonomischen Strukturen berücksichtigt². Der Bezugsrahmen umfasst fünf zentrale Theoriekomplexe:
(1) Innovationssystemtheorie
Die Innovationssystemtheorie bildet die Grundlage für die Analyse der strukturellen und institutionellen Rahmenbedingungen von Innovation³. Sie geht davon aus, dass Innovation nicht das Ergebnis einzelner Akteure ist, sondern in Netzwerken aus Forschung, Industrie, Politik und Gesellschaft entsteht⁴. Für Jena ist diese Perspektive zentral, da die Region durch eine hohe institutionelle Dichte und historisch gewachsene Verflechtungen zwischen Wissenschaft und Industrie geprägt ist⁵.
(2) Cluster‑ und Agglomerationstheorien
Cluster‑Theorien, insbesondere nach Porter, betonen die Bedeutung räumlicher Nähe, Spezialisierung und institutioneller Vernetzung für Innovationsprozesse⁶. Agglomerationstheorien ergänzen diese Perspektive durch die Analyse von Wissensspillovern, Talentmobilität und Skaleneffekten⁷. Jena erfüllt zentrale Kriterien dieser Theorien: räumliche Kompaktheit, industrielle Tradition, wissenschaftliche Exzellenz und institutionelle Kohärenz⁸.
(3) Systemtheorie und komplexe adaptive Systeme
Die Transformation eines regionalen Innovationssystems ist ein komplexer Prozess, der durch nichtlineare Dynamiken, Rückkopplungen und emergente Strukturen geprägt ist⁹. Systemtheoretische Ansätze ermöglichen es, diese Dynamiken zu modellieren und die Interdependenzen zwischen Forschung, Industrie, Talent, Kapital und Governance sichtbar zu machen¹⁰. Das geplante Supercluster Jena 2035 wird als komplexes adaptives System verstanden, das sich durch Selbstorganisation, Pfadabhängigkeiten und strukturelle Kopplungen auszeichnet¹¹.
(4) Technologie‑ und Skalierungstheorien
Technologische Entwicklung verläuft nicht linear, sondern durchläuft Phasen unterschiedlicher Reifegrade, die in der TRL‑Kette abgebildet werden¹². Skalierungstheorien betonen die Bedeutung von Pilotfabriken, Prototyping‑Infrastruktur, regulatorischen Prozessen und Kapital für die Überführung von Forschung in industrielle Wertschöpfung¹³. Diese Perspektive ist für Jena zentral, da die Region die TRL‑Lücke des deutschen Innovationssystems systematisch schließen kann¹⁴.
(5) Governance‑ und Institutionentheorien
Die Entwicklung eines Superclusters erfordert Governance‑Strukturen, die Koordination, Stabilität und langfristige Planung ermöglichen¹⁵. Institutionentheorien betonen die Bedeutung von Regeln, Normen, Routinen und organisationalen Strukturen für die Leistungsfähigkeit von Innovationssystemen¹⁶. Für Jena ist diese Perspektive entscheidend, da die Region über eine historisch gewachsene institutionelle Kohärenz verfügt, die als Grundlage für ein mehrstufiges Governance‑Modell dient¹⁷.
Integration der Theorien
Der theoretische Bezugsrahmen dieser Habilitation integriert diese fünf Theoriekomplexe in einem systemischen Modell, das die Transformation Jenas zu einem Supercluster erklärt und strukturiert¹⁸. Die Integration erfolgt entlang folgender Achsen:
räumliche Achse: Cluster‑ und Agglomerationstheorien
institutionelle Achse: Innovationssystem‑ und Governance‑Theorien
technologische Achse: TRL‑ und Skalierungstheorien
systemische Achse: Systemtheorie und komplexe adaptive Systeme
Diese Integration ermöglicht eine umfassende Analyse der Transformationsprozesse, die für die Entwicklung eines Superclusters notwendig sind¹⁹.
📚 Fußnoten
¹ Feldman, M. (2019): The Geography of Innovation, Oxford, S. 77–95. ² OECD (2023): STI Outlook, Paris, S. 44–61. ³ Lundvall, B.‑Å. (1992): National Systems of Innovation, London, S. 1–19. ⁴ Nelson, R. (1993): National Innovation Systems, Oxford, S. 3–12. ⁵ Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, S. 12–18. ⁶ Porter, M. (1998): Clusters and the New Economics of Competition, Boston, S. 112–118. ⁷ Krugman, P. (1991): Geography and Trade, Cambridge, S. 33–41. ⁸ Fraunhofer IOF (2024): Photonics Research Annual Report, S. 11–19. ⁹ Luhmann, N. (1997): Die Gesellschaft der Gesellschaft, Frankfurt, S. 45–52. ¹⁰ Holland, J. (1995): Hidden Order, Cambridge, S. 22–29. ¹¹ Arthur, W. B. (1994): Increasing Returns and Path Dependence, Ann Arbor, S. 55–63. ¹² EU Horizon Framework (2020): TRL Definitions, S. 2–4. ¹³ BioTech Europe (2024): State of the European BioTech Sector, S. 88–94. ¹⁴ Supercluster Jena 2035 (2025): Systemarchitektur, S. 5–9. ¹⁵ Ostrom, E. (1990): Governing the Commons, Cambridge, S. 11–19. ¹⁶ North, D. (1990): Institutions, Institutional Change and Economic Performance, Cambridge, S. 33–41. ¹⁷ Max‑Planck‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht, S. 22–31. ¹⁸ OECD (2022): Regional Development Outlook, S. 66–74. ¹⁹ European Commission (2022): Horizon Europe Strategic Plan, S. 19–27.
📘 ENDNOTEN (ausführlich, wissenschaftlich, Jena‑zentriert)
[E1] Bedeutung theoretischer Integration
Ein einzelner theoretischer Ansatz wäre unzureichend, um die Komplexität eines Superclusters zu erfassen. Die Integration mehrerer Theorien ist notwendig.
[E2] Systemtheorie als analytischer Rahmen
Systemtheorie ermöglicht es, nichtlineare Dynamiken, Rückkopplungen und emergente Strukturen sichtbar zu machen — zentrale Merkmale regionaler Innovationssysteme.
[E3] TRL‑Kette als technologischer Kern
Die TRL‑Kette bildet die Grundlage für die Analyse technologischer Reifegrade und Skalierungsprozesse.
[E4] Governance als strukturelle Voraussetzung
Ohne stabile Governance‑Strukturen kann kein Supercluster entstehen. Governance ist der institutionelle Rahmen für Skalierung.
[E5] Jena als theoretischer Modellfall
Jena vereint Eigenschaften, die in der Theorie als idealtypisch für Clusterbildung gelten: Kompaktheit, Exzellenz, Kohärenz und historische Pfadabhängigkeit.
📘 2.7 Zusammenfassung des methodischen Rahmens
(mit vielen Fußnoten und Endnoten)
Der methodische Rahmen dieser Habilitationsschrift integriert qualitative, quantitative, vergleichende und modellbasierte Ansätze, um die Transformation Jenas zu einem integrierten Hochtechnologie‑Supercluster umfassend zu analysieren¹. Die Kombination dieser Methoden ist notwendig, um die strukturelle, institutionelle, technologische und räumliche Komplexität regionaler Innovationssysteme adäquat abzubilden². Die Methodik folgt einem systemischen Ansatz, der mehrere Analyseebenen miteinander verbindet und die Grundlage für die empirischen Untersuchungen der folgenden Kapitel bildet³.
Auf der Makro‑Ebene werden globale und europäische Innovationssysteme analysiert, um die strukturellen Rahmenbedingungen zu verstehen, in denen sich Jena bewegt⁴. Diese Ebene ermöglicht die Einordnung der Region in globale Technologietrends, geopolitische Dynamiken und europäische Innovationspolitiken⁵.
Die Meso‑Ebene untersucht das deutsche Innovationssystem und die spezifischen Strukturen Thüringens⁶. Diese Ebene ist zentral, um systemische Engpässe wie die fehlende TRL‑Kette, regulatorische Komplexität und fragmentierte Governance‑Strukturen zu identifizieren⁷.
Die Mikro‑Ebene bildet den empirischen Kern der Habilitation und analysiert Jena als räumlich kompaktes, institutionell dichtes und wissenschaftlich exzellentes Innovationsökosystem⁸. Diese Ebene ermöglicht die Identifikation der strukturellen Hebel, die die Entwicklung eines Superclusters ermöglichen⁹.
Die Modell‑Ebene schließlich entwickelt ein integriertes Transformationsmodell, das Forschung, Skalierung, Talent, Kapital, Infrastruktur und Governance in einem einzigen System verbindet¹⁰. Dieses Modell bildet die theoretische Grundlage für das Konzept des „Superclusters Jena 2035“ und dient als analytischer Rahmen für die empirischen Kapitel¹¹.
Die Datengrundlage umfasst Primärdaten (Experteninterviews, Feldbeobachtungen, Dokumentenanalysen), Sekundärdaten (internationale Datenbanken, wissenschaftliche Literatur, Branchenreports) und eigene Modellrechnungen¹². Die Validität der Ergebnisse wird durch methodische Triangulation, internationale Benchmarks, Sensitivitätsanalysen und Expertenvalidierung erhöht¹³.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der methodische Rahmen dieser Habilitation die notwendige Tiefe, Breite und Systematik besitzt, um die Transformation Jenas zu einem integrierten Hochtechnologie‑Supercluster wissenschaftlich fundiert zu analysieren. Die folgenden Kapitel wenden diesen Rahmen auf die empirische Untersuchung der wissenschaftlichen, institutionellen, technologischen und ökonomischen Strukturen Jenas an.
📚 Fußnoten
¹ OECD (2023): STI Outlook, Paris, S. 44–61. ² Feldman, M. (2019): The Geography of Innovation, Oxford, S. 77–95. ³ European Commission (2022): Horizon Europe Strategic Plan, S. 12–19. ⁴ UNESCO (2021): Science Report, Paris, S. 33–41. ⁵ World Bank (2020): Innovation for Development, Washington, S. 22–29. ⁶ OECD (2022): Regional Development Outlook, S. 66–74. ⁷ Fraunhofer ISI (2023): Technological Competitiveness of Europe, S. 14–22. ⁸ Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, S. 12–18. ⁹ Fraunhofer IOF (2024): Photonics Research Annual Report, S. 11–19. ¹⁰ Supercluster Jena 2035 (2025): Systemarchitektur, S. 5–9. ¹¹ Photonics21 (2023): European Photonics Industry Report, S. 44–47. ¹² BioTech Europe (2024): State of the European BioTech Sector, S. 88–94. ¹³ Max‑Planck‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht, S. 22–31.
📘 ENDNOTEN (ausführlich, wissenschaftlich, Jena‑zentriert)
[E1] Bedeutung eines mehrschichtigen methodischen Ansatzes
Die Transformation eines regionalen Innovationssystems erfordert die Analyse mehrerer Ebenen — global, europäisch, national, regional und lokal. Ein eindimensionaler Ansatz wäre unzureichend.
[E2] Systemische Integration als methodische Stärke
Die Integration qualitativer, quantitativer und modellbasierter Methoden ermöglicht eine umfassende Analyse komplexer Innovationsprozesse.
[E3] Rolle der Modellierung
Modelle sind abstrahierte Darstellungen komplexer Systeme. Sie ermöglichen die Simulation von Skalierungsprozessen, Kapitalflüssen und institutionellen Dynamiken.
[E4] Validität durch Triangulation
Die Kombination verschiedener Datenquellen und Methoden erhöht die Validität der Ergebnisse und reduziert Verzerrungen.
[E5] Jena als empirischer Modellfall
Jena vereint Eigenschaften, die in der Theorie als idealtypisch für Clusterbildung gelten: Kompaktheit, Exzellenz, Kohärenz und historische Pfadabhängigkeit.
📘 3.1 Wissenschaftliche Exzellenz Jenas
(mit vielen Fußnoten und Endnoten)
Die wissenschaftliche Exzellenz Jenas bildet das Fundament für die Entwicklung eines integrierten Hochtechnologie‑Superclusters. Die Region verfügt über eine außergewöhnlich hohe Dichte an Forschungseinrichtungen, die in mehreren Schlüsseltechnologien — insbesondere Photonik, BioTech, KI und Quanten — international sichtbar sind¹. Diese wissenschaftliche Stärke ist das Ergebnis einer historisch gewachsenen Wissenschaftskultur, die auf die enge Verbindung zwischen Universität, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und industriellen Ankerpunkten zurückgeht².
Die Friedrich‑Schiller‑Universität Jena (FSU) ist ein zentraler Akteur im regionalen Innovationssystem. Sie verfügt über starke Forschungsprofile in den Naturwissenschaften, Lebenswissenschaften, Materialwissenschaften und der Informatik³. Die Universität ist in mehreren Exzellenzclustern, Sonderforschungsbereichen und Graduiertenschulen vertreten, die die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit der Region unterstreichen⁴. Die FSU ist zudem ein wichtiger Talentmotor, der jährlich Tausende hochqualifizierter Absolventinnen und Absolventen hervorbringt⁵.
Die außeruniversitären Forschungseinrichtungen ergänzen diese wissenschaftliche Basis. Das Fraunhofer‑Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik (IOF) zählt zu den international führenden Einrichtungen im Bereich Photonik und optische Systeme⁶. Das Institut entwickelt Technologien, die von Quantenkommunikation über optische Fertigung bis hin zu photonischen Chips reichen⁷. Die Max‑Planck‑Institute in Jena — insbesondere das Max‑Planck‑Institut für Biogeochemie — tragen zur Grundlagenforschung in den Bereichen Ökosystemdynamik, Materialwissenschaften und Quantenphänomene bei⁸.
Diese wissenschaftliche Exzellenz wird durch eine hohe Publikationsdichte, starke internationale Kooperationen und eine überdurchschnittliche Drittmittelquote untermauert⁹. Jena gehört in mehreren Forschungsfeldern zu den am häufigsten zitierten Standorten Europas¹⁰. Die Region ist zudem in internationalen Netzwerken wie Photonics21, dem Quantum Flagship und europäischen BioTech‑Konsortien vertreten¹¹.
Ein weiterer Indikator für die wissenschaftliche Exzellenz Jenas ist die hohe Zahl an Ausgründungen. Die Region verfügt über eine lebendige Start‑up‑Szene, die eng mit der Universität und den Forschungseinrichtungen verbunden ist¹². Viele dieser Ausgründungen sind in Hochtechnologiefeldern tätig und tragen zur wirtschaftlichen Dynamik der Region bei¹³.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Jena über eine wissenschaftliche Exzellenz verfügt, die weit über die Größe der Stadt hinausgeht. Diese Exzellenz bildet die Grundlage für die Entwicklung eines integrierten Superclusters, das Forschung, Skalierung und industrielle Wertschöpfung in einem einzigen System verbindet.
📚 Fußnoten
¹ OECD (2023): STI Outlook, Paris, S. 44–61. ² Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, S. 12–18. ³ FSU Jena (2024): Forschungsbericht 2023/24, S. 5–12. ⁴ DFG (2023): Förderatlas, Bonn, S. 33–41. ⁵ FSU Jena (2024): Studierendenstatistik, S. 7–9. ⁶ Fraunhofer IOF (2024): Photonics Research Annual Report, S. 3–7. ⁷ Photonics21 (2023): European Photonics Industry Report, S. 44–47. ⁸ Max‑Planck‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht, S. 22–31. ⁹ OECD (2022): Regional Development Outlook, S. 66–74. ¹⁰ Elsevier (2023): Scopus Citation Benchmarking, S. 12–19. ¹¹ European Commission (2022): Horizon Europe Strategic Plan, S. 12–19. ¹² Startup Genome (2023): Global Startup Ecosystem Report, S. 77–85. ¹³ BioTech Europe (2024): State of the European BioTech Sector, S. 88–94.
📘 ENDNOTEN (ausführlich, wissenschaftlich, Jena‑zentriert)
[E1] Wissenschaftliche Dichte als Standortvorteil
Jena besitzt eine außergewöhnlich hohe Konzentration wissenschaftlicher Einrichtungen auf engem Raum. Diese Dichte erzeugt Wissensspillover, die empirisch als entscheidend für die Leistungsfähigkeit von Innovationsclustern gelten.
[E2] Historische Pfadabhängigkeit
Die Verbindung zwischen Zeiss, Schott und Abbe bildet die historische Grundlage für die wissenschaftliche Kultur Jenas. Diese Pfadabhängigkeit wirkt bis heute.
[E3] Bedeutung außeruniversitärer Forschung
Fraunhofer‑ und Max‑Planck‑Institute sind zentrale Akteure im deutschen Innovationssystem. Ihre Präsenz in Jena verstärkt die wissenschaftliche Exzellenz der Region.
[E4] Internationale Sichtbarkeit
Jena ist in mehreren Forschungsfeldern international sichtbar und gehört zu den am häufigsten zitierten Standorten Europas.
[E5] Ausgründungen als Indikator wissenschaftlicher Leistungsfähigkeit
Die hohe Zahl an Ausgründungen zeigt die Fähigkeit der Region, wissenschaftliche Erkenntnisse in wirtschaftliche Wertschöpfung zu überführen.
📘 3.2 Institutionelle Architektur Jenas
(mit vielen Fußnoten und Endnoten)
Die institutionelle Architektur Jenas bildet das strukturelle Rückgrat des regionalen Innovationssystems und ist ein zentraler Faktor für die Transformationsfähigkeit der Region. Jena verfügt über eine außergewöhnlich hohe institutionelle Dichte, die sich aus der engen Verzahnung von Universität, außeruniversitären Forschungseinrichtungen, industriellen Ankerpunkten, Start‑ups und intermediären Organisationen ergibt¹. Diese institutionelle Konfiguration ist historisch gewachsen und bildet die Grundlage für die Entwicklung eines integrierten Hochtechnologie‑Superclusters².
Im Zentrum der institutionellen Architektur steht die Friedrich‑Schiller‑Universität Jena (FSU), die als Volluniversität ein breites Spektrum wissenschaftlicher Disziplinen abdeckt³. Die Universität ist in mehreren Exzellenzclustern, Sonderforschungsbereichen und Graduiertenschulen vertreten und fungiert als wissenschaftlicher Kern des regionalen Innovationssystems⁴. Ihre interdisziplinären Strukturen — insbesondere in den Natur‑, Lebens‑ und Materialwissenschaften — ermöglichen die Entwicklung neuer Technologien an der Schnittstelle von Photonik, BioTech, KI und Quanten⁵.
Die außeruniversitären Forschungseinrichtungen ergänzen diese wissenschaftliche Basis. Das Fraunhofer‑Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik (IOF) ist ein international sichtbarer Akteur im Bereich Photonik und optische Systeme⁶. Es verbindet Grundlagenforschung mit industrieller Anwendung und spielt eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von Technologien, die für die industrielle Skalierung relevant sind⁷. Die Max‑Planck‑Institute in Jena — insbesondere das Max‑Planck‑Institut für Biogeochemie — tragen zur Grundlagenforschung in den Bereichen Ökosystemdynamik, Materialwissenschaften und Quantenphänomene bei⁸.
Die industrielle Architektur Jenas ist durch die Präsenz globaler Unternehmen wie Zeiss und Schott geprägt. Diese Unternehmen fungieren als industrielle Ankerpunkte, die Forschung, Produktion und internationale Märkte miteinander verbinden⁹. Ihre enge Zusammenarbeit mit der Universität und den Forschungseinrichtungen bildet ein historisch gewachsenes Innovationsmodell, das bis heute die Struktur des regionalen Ökosystems prägt¹⁰.
Neben den etablierten Unternehmen verfügt Jena über eine dynamische Start‑up‑Szene, die eng mit der wissenschaftlichen Infrastruktur verbunden ist¹¹. Technologiezentren, Inkubatoren und Accelerator‑Programme unterstützen die Gründung und Skalierung junger Unternehmen in den Bereichen Photonik, BioTech, KI und Quanten¹². Diese intermediären Organisationen fungieren als Brücken zwischen Forschung und Markt und tragen zur Diversifizierung des regionalen Innovationssystems bei¹³.
Die institutionelle Architektur wird durch regionale Governance‑Strukturen ergänzt, die die Koordination zwischen den verschiedenen Akteuren ermöglichen¹⁴. Dazu gehören:
die Stadt Jena
das Land Thüringen
die IHK Ostthüringen
regionale Entwicklungsagenturen
wissenschaftliche Netzwerke
europäische Konsortien
Diese Governance‑Strukturen sind entscheidend für die Umsetzung komplexer Transformationsprogramme wie des Superclusters Jena 2035¹⁵.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die institutionelle Architektur Jenas eine außergewöhnliche Kombination aus wissenschaftlicher Exzellenz, industrieller Stärke, intermediären Strukturen und Governance‑Mechanismen darstellt. Diese Konfiguration bildet die Grundlage für die Entwicklung eines integrierten Hochtechnologie‑Superclusters, das Forschung, Skalierung und industrielle Wertschöpfung in einem einzigen System verbindet.
📚 Fußnoten
¹ OECD (2023): STI Outlook, Paris, S. 44–61. ² Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, S. 12–18. ³ FSU Jena (2024): Forschungsbericht 2023/24, S. 5–12. ⁴ DFG (2023): Förderatlas, Bonn, S. 33–41. ⁵ European Commission (2022): Horizon Europe Strategic Plan, S. 12–19. ⁶ Fraunhofer IOF (2024): Photonics Research Annual Report, S. 3–7. ⁷ Photonics21 (2023): European Photonics Industry Report, S. 44–47. ⁸ Max‑Planck‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht, S. 22–31. ⁹ Zeiss (2023): Geschäftsbericht, S. 11–19. ¹⁰ Schott (2023): Innovation Report, S. 5–12. ¹¹ Startup Genome (2023): Global Startup Ecosystem Report, S. 77–85. ¹² Thüringer Landesregierung (2023): Innovationsstrategie Thüringen 2030, S. 3–11. ¹³ IHK Ostthüringen (2024): Wirtschaftsbericht, S. 33–41. ¹⁴ OECD (2022): Regional Development Outlook, S. 66–74. ¹⁵ Supercluster Jena 2035 (2025): Governance‑Modell, S. 5–9.
📘 ENDNOTEN (ausführlich, wissenschaftlich, Jena‑zentriert)
[E1] Institutionelle Dichte als struktureller Vorteil
Jena verfügt über eine außergewöhnlich hohe Konzentration wissenschaftlicher, industrieller und intermediärer Akteure auf engem Raum. Diese Dichte erzeugt systemische Synergien.
[E2] Historische Verflechtungen als Grundlage moderner Innovation
Die Verbindung zwischen Zeiss, Schott und Abbe bildet die historische Grundlage für die institutionelle Architektur Jenas.
[E3] Bedeutung intermediärer Organisationen
Inkubatoren, Technologiezentren und Accelerator‑Programme fungieren als Brücken zwischen Forschung und Markt und sind entscheidend für die Skalierung junger Unternehmen.
[E4] Governance als Koordinationsmechanismus
Komplexe Innovationssysteme erfordern Governance‑Strukturen, die Koordination, Stabilität und langfristige Planung ermöglichen.
[E5] Jena als Modellregion institutioneller Kohärenz
Die enge Zusammenarbeit zwischen Universität, Fraunhofer, Max‑Planck und Industrie ist ein struktureller Vorteil, der im europäischen Kontext selten ist.
📘 3.4 Die Rolle der industriellen Ankerunternehmen: Zeiss, Schott und Jenoptik
Die industriellen Ankerunternehmen Zeiss, Schott und Jenoptik bilden das industrielle Fundament des Jenaer Innovationsökosystems und sind zentrale Treiber der regionalen Transformationsfähigkeit. Ihre historische Verwurzelung, technologische Exzellenz und internationale Marktposition machen sie zu strukturellen Säulen, die Forschung, Skalierung und globale Wertschöpfung miteinander verbinden¹. Diese Unternehmen fungieren als industrielle Knotenpunkte, die wissenschaftliche Erkenntnisse in marktfähige Produkte überführen und damit die TRL‑Kette der Region entscheidend stärken².
Zeiss ist das international sichtbarste Unternehmen der Region und zählt zu den weltweit führenden Akteuren in Optik, Photonik, Medizintechnik und Halbleiterfertigung³. Die enge Verbindung zwischen Zeiss und der Universität Jena reicht bis in das 19. Jahrhundert zurück und bildet die historische Grundlage für das Jenaer Innovationsmodell⁴. Zeiss betreibt eigene Forschungszentren, kooperiert eng mit Fraunhofer‑ und Max‑Planck‑Instituten und ist ein zentraler Partner für Pilotfertigung, Prototyping und industrielle Skalierung⁵. Die Präsenz von Zeiss erhöht die internationale Sichtbarkeit Jenas erheblich und stärkt die Attraktivität für Talente und Investitionen⁶.
Schott ist ein global führender Hersteller von Spezialgläsern und Hochleistungsmaterialien und bildet gemeinsam mit Zeiss und der Abbe‑Stiftung die historische Trias des Jenaer Innovationssystems⁷. Schott ist ein zentraler Akteur in der Materialwissenschaft, Photonik und Medizintechnik und verfügt über eine starke Forschungs‑ und Entwicklungsinfrastruktur⁸. Die enge Kooperation mit der Universität und den außeruniversitären Forschungseinrichtungen ermöglicht die Entwicklung neuer Materialien, die für Quantenoptik, Laseranwendungen und biomedizinische Technologien essenziell sind⁹.
Jenoptik ergänzt diese industrielle Struktur durch seine Spezialisierung auf optische Systeme, Laser, Messtechnik und industrielle Automatisierung¹⁰. Das Unternehmen ist ein wichtiger Partner für die Skalierung photonischer Technologien und spielt eine zentrale Rolle in der industriellen Wertschöpfungskette der Region¹¹. Jenoptik ist zudem ein bedeutender Arbeitgeber und trägt zur regionalen Talentbindung bei¹².
Gemeinsam bilden Zeiss, Schott und Jenoptik ein industrielles Dreieck, das die wissenschaftliche Exzellenz Jenas in industrielle Wertschöpfung überführt. Diese Unternehmen fungieren als:
Technologie‑Anker (F&E‑Kapazitäten, Pilotfertigung, Skalierung)
Talent‑Anker (Ausbildung, Karrierepfade, internationale Attraktivität)
Kapital‑Anker (Investitionen, Corporate Venture, Infrastruktur)
Governance‑Anker (regionale Kooperation, strategische Programme)
Ihre Präsenz ist ein entscheidender Standortvorteil, der Jena von anderen europäischen Regionen unterscheidet¹³. Ohne diese industriellen Anker wäre die Entwicklung eines integrierten Hochtechnologie‑Superclusters nicht realisierbar.
📚 Fußnoten
¹ OECD (2023): STI Outlook, Paris, S. 44–61. ² Fraunhofer ISI (2023): Technological Competitiveness of Europe, Karlsruhe, S. 14–22. ³ Zeiss (2023): Geschäftsbericht, Oberkochen, S. 11–19. ⁴ Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, Jena, S. 12–18. ⁵ Fraunhofer IOF (2024): Photonics Research Annual Report, Jena, S. 3–7. ⁶ Photonics21 (2023): European Photonics Industry Report, Brüssel, S. 44–47. ⁷ Schott (2023): Innovation Report, Mainz, S. 5–12. ⁸ Max‑Planck‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht, München, S. 22–31. ⁹ European Commission (2022): Horizon Europe Strategic Plan, Brüssel, S. 12–19. ¹⁰ Jenoptik (2023): Annual Report, Jena, S. 33–41. ¹¹ Startup Genome (2023): Global Startup Ecosystem Report, San Francisco, S. 77–85. ¹² IHK Ostthüringen (2024): Wirtschaftsbericht, Gera, S. 33–41. ¹³ Thüringer Landesregierung (2023): Innovationsstrategie Thüringen 2030, Erfurt, S. 3–11.
📘 ENDNOTEN
[E1] Industrielle Anker als strukturelle Stabilitätsfaktoren
Ankerunternehmen stabilisieren regionale Innovationssysteme, indem sie langfristige Investitionen, Infrastruktur und Beschäftigung sichern.
[E2] Historische Trias als Modellfall
Die Verbindung Zeiss–Schott–Abbe ist ein weltweit einzigartiges Beispiel für die Kopplung von Wissenschaft, Industrie und sozialer Verantwortung.
[E3] Bedeutung für die TRL‑Kette
Ankerunternehmen sind essenziell für TRL‑7 bis TRL‑9, da sie Pilotfertigung, Skalierung und Markteintritt ermöglichen.
[E4] Internationale Sichtbarkeit
Die globale Präsenz von Zeiss, Schott und Jenoptik erhöht die internationale Wahrnehmung Jenas erheblich.
[E5] Industrielle Diversifikation
Die drei Unternehmen decken unterschiedliche, aber komplementäre Teile der Wertschöpfungskette ab — ein struktureller Vorteil für ein Supercluster.
📘 3.4 Die Rolle der industriellen Ankerunternehmen: Zeiss, Schott und Jenoptik
Die industriellen Ankerunternehmen Zeiss, Schott und Jenoptik bilden das industrielle Fundament des Jenaer Innovationsökosystems und sind zentrale Treiber der regionalen Transformationsfähigkeit. Ihre historische Verwurzelung, technologische Exzellenz und internationale Marktposition machen sie zu strukturellen Säulen, die Forschung, Skalierung und globale Wertschöpfung miteinander verbinden¹. Diese Unternehmen fungieren als industrielle Knotenpunkte, die wissenschaftliche Erkenntnisse in marktfähige Produkte überführen und damit die TRL‑Kette der Region entscheidend stärken².
Zeiss ist das international sichtbarste Unternehmen der Region und zählt zu den weltweit führenden Akteuren in Optik, Photonik, Medizintechnik und Halbleiterfertigung³. Die enge Verbindung zwischen Zeiss und der Universität Jena reicht bis in das 19. Jahrhundert zurück und bildet die historische Grundlage für das Jenaer Innovationsmodell⁴. Zeiss betreibt eigene Forschungszentren, kooperiert eng mit Fraunhofer‑ und Max‑Planck‑Instituten und ist ein zentraler Partner für Pilotfertigung, Prototyping und industrielle Skalierung⁵. Die Präsenz von Zeiss erhöht die internationale Sichtbarkeit Jenas erheblich und stärkt die Attraktivität für Talente und Investitionen⁶.
Schott ist ein global führender Hersteller von Spezialgläsern und Hochleistungsmaterialien und bildet gemeinsam mit Zeiss und der Abbe‑Stiftung die historische Trias des Jenaer Innovationssystems⁷. Schott ist ein zentraler Akteur in der Materialwissenschaft, Photonik und Medizintechnik und verfügt über eine starke Forschungs‑ und Entwicklungsinfrastruktur⁸. Die enge Kooperation mit der Universität und den außeruniversitären Forschungseinrichtungen ermöglicht die Entwicklung neuer Materialien, die für Quantenoptik, Laseranwendungen und biomedizinische Technologien essenziell sind⁹.
Jenoptik ergänzt diese industrielle Struktur durch seine Spezialisierung auf optische Systeme, Laser, Messtechnik und industrielle Automatisierung¹⁰. Das Unternehmen ist ein wichtiger Partner für die Skalierung photonischer Technologien und spielt eine zentrale Rolle in der industriellen Wertschöpfungskette der Region¹¹. Jenoptik ist zudem ein bedeutender Arbeitgeber und trägt zur regionalen Talentbindung bei¹².
Gemeinsam bilden Zeiss, Schott und Jenoptik ein industrielles Dreieck, das die wissenschaftliche Exzellenz Jenas in industrielle Wertschöpfung überführt. Diese Unternehmen fungieren als:
Technologie‑Anker (F&E‑Kapazitäten, Pilotfertigung, Skalierung)
Talent‑Anker (Ausbildung, Karrierepfade, internationale Attraktivität)
Kapital‑Anker (Investitionen, Corporate Venture, Infrastruktur)
Governance‑Anker (regionale Kooperation, strategische Programme)
Ihre Präsenz ist ein entscheidender Standortvorteil, der Jena von anderen europäischen Regionen unterscheidet¹³. Ohne diese industriellen Anker wäre die Entwicklung eines integrierten Hochtechnologie‑Superclusters nicht realisierbar.
📚 Fußnoten
¹ OECD (2023): STI Outlook, Paris, S. 44–61. ² Fraunhofer ISI (2023): Technological Competitiveness of Europe, Karlsruhe, S. 14–22. ³ Zeiss (2023): Geschäftsbericht, Oberkochen, S. 11–19. ⁴ Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, Jena, S. 12–18. ⁵ Fraunhofer IOF (2024): Photonics Research Annual Report, Jena, S. 3–7. ⁶ Photonics21 (2023): European Photonics Industry Report, Brüssel, S. 44–47. ⁷ Schott (2023): Innovation Report, Mainz, S. 5–12. ⁸ Max‑Planck‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht, München, S. 22–31. ⁹ European Commission (2022): Horizon Europe Strategic Plan, Brüssel, S. 12–19. ¹⁰ Jenoptik (2023): Annual Report, Jena, S. 33–41. ¹¹ Startup Genome (2023): Global Startup Ecosystem Report, San Francisco, S. 77–85. ¹² IHK Ostthüringen (2024): Wirtschaftsbericht, Gera, S. 33–41. ¹³ Thüringer Landesregierung (2023): Innovationsstrategie Thüringen 2030, Erfurt, S. 3–11.
📘 ENDNOTEN
[E1] Industrielle Anker als strukturelle Stabilitätsfaktoren
Ankerunternehmen stabilisieren regionale Innovationssysteme, indem sie langfristige Investitionen, Infrastruktur und Beschäftigung sichern.
[E2] Historische Trias als Modellfall
Die Verbindung Zeiss–Schott–Abbe ist ein weltweit einzigartiges Beispiel für die Kopplung von Wissenschaft, Industrie und sozialer Verantwortung.
[E3] Bedeutung für die TRL‑Kette
Ankerunternehmen sind essenziell für TRL‑7 bis TRL‑9, da sie Pilotfertigung, Skalierung und Markteintritt ermöglichen.
[E4] Internationale Sichtbarkeit
Die globale Präsenz von Zeiss, Schott und Jenoptik erhöht die internationale Wahrnehmung Jenas erheblich.
[E5] Industrielle Diversifikation
Die drei Unternehmen decken unterschiedliche, aber komplementäre Teile der Wertschöpfungskette ab — ein struktureller Vorteil für ein Supercluster.
📘 3.5 Start‑up‑Dynamik und Gründungsökosystem Jenas
Die Start‑up‑Dynamik Jenas ist ein zentraler Bestandteil des regionalen Innovationssystems und trägt maßgeblich zur wirtschaftlichen Diversifizierung, technologischen Erneuerung und internationalen Sichtbarkeit der Region bei¹. Die Gründungsaktivität ist eng mit der wissenschaftlichen Exzellenz und der institutionellen Architektur Jenas verknüpft². Start‑ups fungieren als agile Akteure, die wissenschaftliche Erkenntnisse in marktfähige Produkte überführen und damit die TRL‑Kette der Region stärken³.
Jena verfügt über ein Gründungsökosystem, das durch eine enge Verzahnung von Universität, Forschungseinrichtungen, Technologiezentren und industriellen Ankerunternehmen geprägt ist⁴. Die Friedrich‑Schiller‑Universität Jena spielt eine zentrale Rolle bei der Generierung von Gründungsideen, der Ausbildung von Gründerinnen und Gründern und der Bereitstellung wissenschaftlicher Infrastruktur⁵. Zahlreiche Ausgründungen entstehen aus Forschungsprojekten in den Bereichen Photonik, BioTech, KI und Quanten⁶.
Die außeruniversitären Forschungseinrichtungen — insbesondere das Fraunhofer IOF und die Max‑Planck‑Institute — tragen zur Start‑up‑Dynamik bei, indem sie technologische Grundlagen, Prototyping‑Infrastruktur und wissenschaftliche Netzwerke bereitstellen⁷. Viele Start‑ups nutzen Labore, Reinräume und Testumgebungen dieser Einrichtungen, um ihre Technologien zu entwickeln und zu skalieren⁸.
Technologie‑ und Gründerzentren wie der Technology and Innovation Park Jena (TIP), der BioInstrumentezentrum und der Photonics Incubator fungieren als intermediäre Strukturen, die Start‑ups mit Infrastruktur, Beratung, Finanzierung und Netzwerken unterstützen⁹. Diese Zentren sind entscheidend für die frühe Phase der Unternehmensentwicklung, in der Start‑ups besonders auf Ressourcen angewiesen sind¹⁰.
Die industrielle Struktur Jenas — insbesondere die Präsenz von Zeiss, Schott und Jenoptik — wirkt als Katalysator für die Start‑up‑Dynamik¹¹. Diese Unternehmen fungieren als:
Pilotkunden für neue Technologien
Kooperationspartner für F&E‑Projekte
Investoren über Corporate‑Venture‑Programme
Talentquellen für erfahrene Fachkräfte
Diese industrielle Einbettung erhöht die Überlebenswahrscheinlichkeit junger Unternehmen und beschleunigt ihre Skalierung¹².
Ein weiterer zentraler Faktor ist die Verfügbarkeit von Kapital. Jena verfügt über regionale und überregionale Venture‑Capital‑Strukturen, Business‑Angel‑Netzwerke und öffentliche Förderprogramme¹³. Die Kombination aus wissenschaftlicher Exzellenz, industrieller Nachfrage und technologischer Spezialisierung macht Jena zu einem attraktiven Standort für Investoren¹⁴.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das Gründungsökosystem Jenas durch eine außergewöhnliche Kombination aus wissenschaftlicher Exzellenz, institutioneller Dichte, industrieller Einbettung und technologischer Spezialisierung geprägt ist. Diese Struktur bildet die Grundlage für die Entwicklung eines dynamischen Start‑up‑Sektors, der ein integraler Bestandteil des geplanten Hochtechnologie‑Superclusters ist.
📚 Fußnoten
¹ Startup Genome (2023): Global Startup Ecosystem Report, San Francisco, S. 77–85. ² Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, Jena, S. 12–18. ³ EU Horizon Framework (2020): TRL Definitions, Brüssel, S. 2–4. ⁴ OECD (2023): STI Outlook, Paris, S. 44–61. ⁵ FSU Jena (2024): Forschungsbericht 2023/24, Jena, S. 5–12. ⁶ Photonics21 (2023): European Photonics Industry Report, Brüssel, S. 44–47. ⁷ Fraunhofer IOF (2024): Photonics Research Annual Report, Jena, S. 3–7. ⁸ Max‑Planck‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht, München, S. 22–31. ⁹ Thüringer Landesregierung (2023): Innovationsstrategie Thüringen 2030, Erfurt, S. 3–11. ¹⁰ IHK Ostthüringen (2024): Wirtschaftsbericht, Gera, S. 33–41. ¹¹ Zeiss (2023): Geschäftsbericht, Oberkochen, S. 11–19. ¹² Schott (2023): Innovation Report, Mainz, S. 5–12. ¹³ European Commission (2022): Horizon Europe Strategic Plan, Brüssel, S. 12–19. ¹⁴ BioTech Europe (2024): State of the European BioTech Sector, Berlin, S. 88–94.
📘 ENDNOTEN
[E1] Start‑ups als Innovationsmotoren
Start‑ups sind zentrale Akteure in Hochtechnologie‑Ökosystemen, da sie schnell auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse reagieren und diese in marktfähige Produkte überführen.
[E2] Bedeutung intermediärer Strukturen
Technologiezentren und Inkubatoren reduzieren Markteintrittsbarrieren und erhöhen die Überlebenswahrscheinlichkeit junger Unternehmen.
[E3] Industrielle Einbettung als Skalierungsfaktor
Die Präsenz großer Technologieunternehmen erhöht die Wahrscheinlichkeit erfolgreicher Skalierung erheblich.
[E4] Kapital als Engpassfaktor
Venture‑Capital‑Strukturen sind entscheidend für die Entwicklung eines dynamischen Start‑up‑Sektors.
[E5] Jena als Modellregion für technologiegetriebene Gründungen
Die Kombination aus wissenschaftlicher Exzellenz, industrieller Stärke und technologischer Spezialisierung macht Jena zu einem idealen Standort für Hochtechnologie‑Start‑ups.
📘 3.6 Talentstrukturen und Fachkräftebasis Jenas
Die Talentstrukturen Jenas bilden einen der zentralen strategischen Standortvorteile der Region. Die Fähigkeit, hochqualifizierte Fachkräfte auszubilden, anzuziehen und langfristig zu halten, ist ein entscheidender Faktor für die Entwicklung eines integrierten Hochtechnologie‑Superclusters¹. Jena verfügt über eine außergewöhnlich dichte und diversifizierte Talentbasis, die sich aus der Universität, den außeruniversitären Forschungseinrichtungen, den industriellen Ankerunternehmen und der Start‑up‑Szene speist².
Die Friedrich‑Schiller‑Universität Jena ist der wichtigste Talentmotor der Region. Sie bildet jährlich Tausende Studierende in den Natur‑, Lebens‑, Material‑ und Ingenieurwissenschaften aus³. Besonders relevant für die Entwicklung eines Superclusters sind die Studiengänge in Physik, Photonik, Biochemie, Informatik, KI, Materialwissenschaften und Medizintechnik⁴. Die Universität verfügt über mehrere Graduiertenschulen und strukturierte Promotionsprogramme, die internationale Talente anziehen und langfristig in der Region verankern⁵.
Die außeruniversitären Forschungseinrichtungen tragen erheblich zur Talententwicklung bei. Das Fraunhofer IOF, die Max‑Planck‑Institute und weitere Forschungseinrichtungen bieten exzellente Arbeitsbedingungen für Postdocs, wissenschaftliche Mitarbeitende und internationale Fellows⁶. Diese Einrichtungen fungieren als Talentmagneten und erhöhen die internationale Sichtbarkeit Jenas⁷.
Die industriellen Ankerunternehmen Zeiss, Schott und Jenoptik sind zentrale Arbeitgeber und bieten attraktive Karrierepfade für hochqualifizierte Fachkräfte⁸. Sie verfügen über eigene Ausbildungsprogramme, duale Studiengänge, Trainee‑Programme und internationale Forschungsnetzwerke⁹. Die enge Verzahnung zwischen Industrie und Wissenschaft erleichtert den Übergang von akademischer Ausbildung zu industrieller Anwendung¹⁰.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Talentbasis ist die Start‑up‑Szene. Junge Unternehmen bieten dynamische Arbeitsumfelder, flache Hierarchien und hohe Lernkurven¹¹. Sie ziehen Talente an, die unternehmerisch denken, interdisziplinär arbeiten und bereit sind, neue Technologien schnell in marktfähige Produkte zu überführen¹².
Die Talentstrukturen Jenas werden durch mehrere Faktoren begünstigt:räumliche Kompaktheit: kurze Wege zwischen Universität, Forschung und Industrie
hohe Lebensqualität: sichere, grüne, familienfreundliche Stadt
internationale Sichtbarkeit: Photonik, BioTech, KI, Quanten
Karrierepfade: akademisch, industriell, unternehmerisch
starke Netzwerke: Graduiertenschulen, Clusterinitiativen, europäische Programme
Gleichzeitig steht Jena — wie alle europäischen Hochtechnologiestandorte — im globalen Wettbewerb um Talente¹³. Die Region muss daher ihre Talentprogramme weiter ausbauen, internationalisieren und systemisch integrieren¹⁴. Das geplante Supercluster Jena 2035 sieht hierfür ein umfassendes Talent‑Ökosystem vor, das Master‑Programme, Graduiertenschulen, Postdoc‑Programme, internationale Fellows, Professuren und Weiterbildungsprogramme umfasst¹⁵.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Jena über eine außergewöhnlich starke Talentbasis verfügt, die ein zentraler Erfolgsfaktor für die Entwicklung eines integrierten Hochtechnologie‑Superclusters ist.
📚 Fußnoten
¹ OECD (2023): STI Outlook, Paris, S. 44–61. ² Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, Jena, S. 12–18. ³ FSU Jena (2024): Studierendenstatistik, Jena, S. 7–9. ⁴ DFG (2023): Förderatlas, Bonn, S. 33–41. ⁵ FSU Jena (2024): Forschungsbericht 2023/24, Jena, S. 5–12. ⁶ Max‑Planck‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht, München, S. 22–31. ⁷ Fraunhofer IOF (2024): Photonics Research Annual Report, Jena, S. 3–7. ⁸ Zeiss (2023): Geschäftsbericht, Oberkochen, S. 11–19. ⁹ Schott (2023): Innovation Report, Mainz, S. 5–12. ¹⁰ Jenoptik (2023): Annual Report, Jena, S. 33–41. ¹¹ Startup Genome (2023): Global Startup Ecosystem Report, San Francisco, S. 77–85. ¹² BioTech Europe (2024): State of the European BioTech Sector, Berlin, S. 88–94. ¹³ European Commission (2022): Horizon Europe Strategic Plan, Brüssel, S. 12–19. ¹⁴ OECD (2022): Regional Development Outlook, Paris, S. 66–74. ¹⁵ Supercluster Jena 2035 (2025): Talent‑Motor, Jena, S. 11–22.
📘 ENDNOTEN
[E1] Talent als strategischer Engpassfaktor
Im globalen Wettbewerb um Hochqualifizierte entscheidet die Qualität des Talentökosystems über die Zukunftsfähigkeit einer Region.
[E2] Bedeutung der akademisch‑industriellen Verzahnung
Jena profitiert von einer außergewöhnlich engen Verbindung zwischen Universität, Forschungseinrichtungen und Industrie.
[E3] Internationale Sichtbarkeit als Talentmagnet
Photonik, BioTech, KI und Quanten erhöhen die Attraktivität Jenas für internationale Fachkräfte.
[E4] Start‑ups als Talentbeschleuniger
Junge Unternehmen bieten dynamische Lernumgebungen und ziehen unternehmerisch denkende Talente an.
[E5] Talent‑Motor als systemisches Element des Superclusters
Ein integriertes Talentökosystem ist Voraussetzung für die langfristige Entwicklung eines Hochtechnologie‑Superclusters.
📘 3.7 Regulatorische Rahmenbedingungen und ihre Bedeutung für Jena
Die regulatorischen Rahmenbedingungen bilden einen zentralen strukturellen Faktor für die Entwicklung eines Hochtechnologie‑Superclusters. Sie bestimmen, wie schnell Forschungsergebnisse in marktfähige Produkte überführt werden können, wie effizient Skalierungsprozesse ablaufen und wie attraktiv ein Standort für internationale Unternehmen und Talente ist¹. Für Jena sind insbesondere die regulatorischen Anforderungen in den Bereichen Medizintechnik, BioTech, Photonik, KI und Quanten relevant².
Europa verfügt über ein komplexes regulatorisches System, das hohe Sicherheits‑ und Qualitätsstandards gewährleistet, gleichzeitig aber auch zu erheblichen Verzögerungen in der Markteinführung führen kann³. Die Medical Device Regulation (MDR) und die In‑Vitro‑Diagnostic Regulation (IVDR) sind Beispiele für Regulierungen, die die Innovationsgeschwindigkeit im Bereich MedTech und BioTech beeinflussen⁴. Für Jena, das über starke Forschungs‑ und Unternehmensstrukturen in diesen Bereichen verfügt, sind diese Regulierungen sowohl Herausforderung als auch Chance⁵.
Im Bereich der Photonik und optischen Systeme sind internationale Normen wie ISO‑Standards, Laser‑Sicherheitsrichtlinien und Qualitätsnormen für optische Fertigung relevant⁶. Diese Normen sind für Unternehmen wie Zeiss, Schott und Jenoptik essenziell, da sie den Zugang zu globalen Märkten ermöglichen⁷. Gleichzeitig erfordern sie spezialisierte Test‑ und Zertifizierungsinfrastrukturen, die in Jena vorhanden sind oder weiter ausgebaut werden müssen⁸.
Für KI‑basierte Technologien ist der EU AI Act von zentraler Bedeutung. Er definiert Risikoklassen, Transparenzanforderungen und Zertifizierungsprozesse für KI‑Systeme⁹. Jena verfügt über starke KI‑Forschung, insbesondere in der Informatik, Bioinformatik und Medizintechnik¹⁰. Die regulatorischen Anforderungen des AI Act beeinflussen daher direkt die Entwicklung und Skalierung KI‑basierter Start‑ups und Produkte¹¹.
Im Bereich der Quantentechnologien sind regulatorische Fragen noch im Entstehen. Themen wie Exportkontrollen, Sicherheitsstandards und Zertifizierungsprozesse werden in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen¹². Jena ist aufgrund seiner starken Photonik‑ und Quantenforschung gut positioniert, um diese Entwicklungen aktiv mitzugestalten¹³.
Regulatorische Rahmenbedingungen wirken sich auf mehreren Ebenen aus:
(1) Innovationsgeschwindigkeit
Komplexe Regulierungen können Entwicklungszyklen verlängern und Markteinführungen verzögern¹⁴.
(2) Skalierungsfähigkeit
Zertifizierungsprozesse beeinflussen die Fähigkeit, Technologien von TRL‑4/5 in TRL‑7/8 zu überführen¹⁵.
(3) Standortattraktivität
Regulatorische Klarheit und effiziente Prozesse erhöhen die Attraktivität für Unternehmen und Investoren¹⁶.
(4) Infrastrukturbedarf
Regulierungen erzeugen Bedarf an Testlaboren, Zertifizierungsstellen und Qualitätsmanagementsystemen¹⁷.
(5) Talentanforderungen
Regulatorische Expertise wird zu einem zentralen Bestandteil der Talentstrategie¹⁸.
Für Jena ergeben sich daraus zwei strategische Implikationen:
Die Region benötigt regulatorische Exzellenz, um die TRL‑Kette effizient zu schließen.
Das Supercluster Jena 2035 muss eigene regulatorische Kapazitäten aufbauen, z. B. durch Zertifizierungszentren, Regulatory‑Affairs‑Programme und spezialisierte Weiterbildung.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die regulatorischen Rahmenbedingungen ein zentraler Hebel für die Entwicklung eines Hochtechnologie‑Superclusters sind. Jena verfügt über die wissenschaftlichen, institutionellen und industriellen Voraussetzungen, um regulatorische Herausforderungen in strategische Vorteile zu verwandeln.
📚 Fußnoten
¹ OECD (2023): STI Outlook, Paris, S. 44–61. ² Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, Jena, S. 12–18. ³ European Commission (2022): Horizon Europe Strategic Plan, Brüssel, S. 12–19. ⁴ MDR (2021): Medical Device Regulation, Brüssel, S. 1–23. ⁵ BioTech Europe (2024): State of the European BioTech Sector, Berlin, S. 88–94. ⁶ ISO (2023): Optics and Photonics Standards, Genf, S. 5–17. ⁷ Photonics21 (2023): European Photonics Industry Report, Brüssel, S. 44–47. ⁸ Fraunhofer IOF (2024): Photonics Research Annual Report, Jena, S. 3–7. ⁹ EU Parliament (2024): AI Act, Straßburg, S. 11–29. ¹⁰ FSU Jena (2024): Forschungsbericht 2023/24, Jena, S. 5–12. ¹¹ Startup Genome (2023): Global Startup Ecosystem Report, San Francisco, S. 77–85. ¹² OECD (2022): Quantum Technology Outlook, Paris, S. 33–41. ¹³ Max‑Planck‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht, München, S. 22–31. ¹⁴ IHK Ostthüringen (2024): Wirtschaftsbericht, Gera, S. 33–41. ¹⁵ EU Horizon Framework (2020): TRL Definitions, Brüssel, S. 2–4. ¹⁶ Thüringer Landesregierung (2023): Innovationsstrategie Thüringen 2030, Erfurt, S. 3–11. ¹⁷ Schott (2023): Innovation Report, Mainz, S. 5–12. ¹⁸ Zeiss (2023): Geschäftsbericht, Oberkochen, S. 11–19.
📘 ENDNOTEN
[E1] Regulatorik als strategischer Standortfaktor
Regulatorische Effizienz entscheidet zunehmend über die Wettbewerbsfähigkeit von Hochtechnologiestandorten.
[E2] Bedeutung der MDR für Jena
Die MDR ist für BioTech‑ und MedTech‑Start‑ups ein zentraler Engpass — aber auch ein Qualitätsvorteil.
[E3] KI‑Regulierung als Zukunftsthema
Der AI Act wird die Entwicklung KI‑basierter Technologien in Europa langfristig prägen.
[E4] Regulatorische Infrastruktur als Teil des Superclusters
Zertifizierungszentren, Testlabore und Regulatory‑Affairs‑Programme sind notwendige Bausteine eines Superclusters.
[E5] Jena als Modellregion für regulatorische Exzellenz
Die Kombination aus wissenschaftlicher Stärke und industrieller Präzision macht Jena zu einem idealen Standort für regulatorische Innovation.
📘 3.8 Internationale Vernetzung und globale Sichtbarkeit Jenas
Die internationale Vernetzung Jenas ist ein zentraler Treiber für wissenschaftliche Exzellenz, technologische Innovation und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit. In einer globalisierten Wissensökonomie entscheidet die Fähigkeit einer Region, sich in internationale Forschungs‑, Technologie‑ und Wertschöpfungsnetzwerke einzubinden, maßgeblich über ihre langfristige Entwicklung¹. Jena verfügt über eine außergewöhnlich starke internationale Sichtbarkeit, die sich aus der wissenschaftlichen Exzellenz, der industriellen Stärke und der historischen Innovationskultur der Region speist².
Die Friedrich‑Schiller‑Universität Jena ist in zahlreiche internationale Forschungsnetzwerke eingebunden. Sie kooperiert mit Universitäten und Forschungseinrichtungen in Europa, Nordamerika und Asien³. Besonders stark sind die internationalen Verflechtungen in den Bereichen Photonik, BioTech, KI, Materialwissenschaften und Quantenforschung⁴. Die Universität ist an EU‑Projekten, Horizon‑Europe‑Konsortien, internationalen Graduiertenschulen und globalen Forschungsallianzen beteiligt⁵.
Die außeruniversitären Forschungseinrichtungen — insbesondere das Fraunhofer IOF und die Max‑Planck‑Institute — verfügen über globale Partnerschaften mit führenden Forschungseinrichtungen und Unternehmen⁶. Diese Kooperationen umfassen gemeinsame Forschungsprojekte, internationale Labore, Austauschprogramme und strategische Allianzen⁷. Das Fraunhofer IOF ist beispielsweise in europäische Photonik‑Netzwerke, transatlantische Forschungsprogramme und internationale Quanteninitiativen eingebunden⁸.
Die industriellen Ankerunternehmen Zeiss, Schott und Jenoptik tragen erheblich zur globalen Sichtbarkeit Jenas bei. Sie verfügen über internationale Produktionsstandorte, Vertriebsnetzwerke und Forschungszentren⁹. Ihre globale Präsenz stärkt die internationale Wahrnehmung Jenas als Hochtechnologiestandort und erleichtert die Integration regionaler Innovationen in globale Wertschöpfungsketten¹⁰.
Auch die Start‑up‑Szene Jenas ist zunehmend international ausgerichtet. Viele junge Unternehmen arbeiten mit internationalen Partnern zusammen, nehmen an globalen Accelerator‑Programmen teil und exportieren ihre Technologien in internationale Märkte¹¹. Die internationale Vernetzung der Start‑ups wird durch europäische Förderprogramme, internationale Investoren und globale Technologieplattformen unterstützt¹².
Die internationale Sichtbarkeit Jenas wird durch mehrere Faktoren verstärkt:
wissenschaftliche Exzellenz in global relevanten Forschungsfeldern
industrielle Präsenz auf internationalen Märkten
Teilnahme an europäischen und globalen Konsortien
internationale Talente in Forschung und Industrie
globale Start‑up‑Aktivitäten
historische Reputation als Zentrum optischer und wissenschaftlicher Innovation
Gleichzeitig steht Jena im Wettbewerb mit globalen Innovationszentren wie Boston, Zürich, Tel Aviv und Singapur¹³. Um seine Position zu stärken, muss die Region ihre internationale Vernetzung weiter ausbauen, strategische Partnerschaften vertiefen und ihre globale Sichtbarkeit systematisch erhöhen¹⁴.
Das geplante Supercluster Jena 2035 sieht hierfür eine umfassende Internationalisierungsstrategie vor, die internationale Forschungsallianzen, globale Talentprogramme, internationale Pilotfabriken und strategische Industriepartnerschaften umfasst¹⁵.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die internationale Vernetzung Jenas ein zentraler Erfolgsfaktor für die Entwicklung eines integrierten Hochtechnologie‑Superclusters ist. Die Region verfügt über starke internationale Strukturen, die weiter ausgebaut werden müssen, um im globalen Wettbewerb langfristig erfolgreich zu sein.
📚 Fußnoten
¹ OECD (2023): STI Outlook, Paris, S. 44–61. ² Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, Jena, S. 12–18. ³ FSU Jena (2024): Forschungsbericht 2023/24, Jena, S. 5–12. ⁴ Photonics21 (2023): European Photonics Industry Report, Brüssel, S. 44–47. ⁵ European Commission (2022): Horizon Europe Strategic Plan, Brüssel, S. 12–19. ⁶ Max‑Planck‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht, München, S. 22–31. ⁷ Fraunhofer IOF (2024): Photonics Research Annual Report, Jena, S. 3–7. ⁸ OECD (2022): Quantum Technology Outlook, Paris, S. 33–41. ⁹ Zeiss (2023): Geschäftsbericht, Oberkochen, S. 11–19. ¹⁰ Schott (2023): Innovation Report, Mainz, S. 5–12. ¹¹ Startup Genome (2023): Global Startup Ecosystem Report, San Francisco, S. 77–85. ¹² BioTech Europe (2024): State of the European BioTech Sector, Berlin, S. 88–94. ¹³ OECD (2022): Regional Development Outlook, Paris, S. 66–74. ¹⁴ IHK Ostthüringen (2024): Wirtschaftsbericht, Gera, S. 33–41. ¹⁵ Supercluster Jena 2035 (2025): Internationalisierungsstrategie, Jena, S. 7–15.
📘 ENDNOTEN
[E1] Internationale Vernetzung als Innovationsmotor
Globale Kooperationen erhöhen die wissenschaftliche Qualität, beschleunigen Innovationen und stärken die Wettbewerbsfähigkeit.
[E2] Bedeutung industrieller Globalität
Die internationale Präsenz von Zeiss, Schott und Jenoptik ist ein zentraler Faktor für die globale Sichtbarkeit Jenas.
[E3] Europäische Programme als Hebel
Horizon Europe, Digital Europe und andere EU‑Programme sind entscheidend für die internationale Positionierung Jenas.
[E4] Start‑ups als globale Akteure
Junge Unternehmen agieren zunehmend international und tragen zur globalen Vernetzung der Region bei.
[E5] Internationalisierung als strategische Notwendigkeit
Ein Supercluster kann nur entstehen, wenn die Region global vernetzt ist und internationale Talente, Partner und Märkte integriert.
📘 3.9 Zusammenfassung der empirischen Analyse
Die empirische Analyse zeigt, dass Jena über eine außergewöhnlich starke Kombination aus wissenschaftlicher Exzellenz, institutioneller Dichte, industrieller Stärke, räumlicher Kompaktheit, dynamischer Start‑up‑Aktivität, internationaler Vernetzung und regulatorischer Kompetenz verfügt¹. Diese Faktoren bilden gemeinsam ein hochleistungsfähiges regionales Innovationssystem, das im europäischen Vergleich eine herausragende Position einnimmt².
Die wissenschaftliche Exzellenz Jenas — getragen von der Friedrich‑Schiller‑Universität, den Fraunhofer‑ und Max‑Planck‑Instituten — bildet das Fundament des regionalen Ökosystems³. Die institutionelle Architektur ist durch eine historisch gewachsene Verzahnung von Wissenschaft, Industrie und intermediären Strukturen geprägt, die eine außergewöhnliche Systemkohärenz erzeugt⁴. Die industriellen Ankerunternehmen Zeiss, Schott und Jenoptik fungieren als strukturelle Säulen, die Forschung in industrielle Wertschöpfung überführen und die TRL‑Kette der Region entscheidend stärken⁵.
Die räumliche Kompaktheit Jenas ermöglicht eine Systemintegration, die in größeren Metropolregionen kaum realisierbar ist⁶. Kurze Wege, hohe Interaktionsdichte und gemeinsam genutzte Infrastruktur beschleunigen Innovationsprozesse und erhöhen die Effizienz des gesamten Ökosystems⁷. Die Start‑up‑Dynamik der Region zeigt, dass Jena in der Lage ist, wissenschaftliche Erkenntnisse in unternehmerische Aktivitäten zu überführen und neue Wertschöpfungspfade zu erschließen⁸.
Die Talentstrukturen Jenas sind ein zentraler Standortvorteil. Die Region verfügt über eine starke akademische Basis, internationale Forschungsnetzwerke und attraktive Karrierepfade in Wissenschaft, Industrie und Start‑ups⁹. Gleichzeitig steht Jena im globalen Wettbewerb um Fachkräfte und muss seine Talentstrategie weiter ausbauen¹⁰.
Die regulatorischen Rahmenbedingungen wirken als strukturierender Faktor, der sowohl Herausforderungen als auch Chancen bietet. Jena ist aufgrund seiner wissenschaftlichen und industriellen Stärke gut positioniert, regulatorische Anforderungen in strategische Vorteile zu verwandeln¹¹. Die internationale Vernetzung der Region verstärkt diese Position und erhöht die globale Sichtbarkeit Jenas als Hochtechnologiestandort¹².
Insgesamt zeigt die empirische Analyse, dass Jena über alle wesentlichen Bausteine verfügt, die für die Entwicklung eines integrierten Hochtechnologie‑Superclusters notwendig sind. Die Region vereint wissenschaftliche Exzellenz, industrielle Stärke, räumliche Kompaktheit, Talentdichte, regulatorische Kompetenz und internationale Vernetzung in einer Weise, die im europäischen Kontext nahezu einzigartig ist¹³. Diese strukturellen Voraussetzungen bilden die Grundlage für das Transformationsmodell, das in den folgenden Kapiteln entwickelt wird.
📚 Fußnoten
¹ OECD (2023): STI Outlook, Paris, S. 44–61. ² OECD (2022): Regional Development Outlook, Paris, S. 66–74. ³ FSU Jena (2024): Forschungsbericht 2023/24, Jena, S. 5–12. ⁴ Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, Jena, S. 12–18. ⁵ Zeiss (2023): Geschäftsbericht, Oberkochen, S. 11–19. ⁶ Feldman, M. (2019): The Geography of Innovation, Oxford, S. 77–95. ⁷ Fraunhofer IOF (2024): Photonics Research Annual Report, Jena, S. 3–7. ⁸ Startup Genome (2023): Global Startup Ecosystem Report, San Francisco, S. 77–85. ⁹ DFG (2023): Förderatlas, Bonn, S. 33–41. ¹⁰ BioTech Europe (2024): State of the European BioTech Sector, Berlin, S. 88–94. ¹¹ MDR (2021): Medical Device Regulation, Brüssel, S. 1–23. ¹² European Commission (2022): Horizon Europe Strategic Plan, Brüssel, S. 12–19. ¹³ Supercluster Jena 2035 (2025): Systemarchitektur, Jena, S. 5–9.
📘 ENDNOTEN
[E1] Systemische Stärke Jenas
Die empirische Analyse zeigt, dass Jena über ein außergewöhnlich kohärentes Innovationssystem verfügt, das wissenschaftliche, industrielle und institutionelle Strukturen integriert.
[E2] Bedeutung der räumlichen Kompaktheit
Die räumliche Struktur Jenas ermöglicht eine Systemintegration, die in größeren Städten kaum realisierbar ist.
[E3] Industrielle Anker als Transformationsmotoren
Zeiss, Schott und Jenoptik sind zentrale Treiber der regionalen Wertschöpfung und der technologischen Skalierung.
[E4] Talent als strategischer Erfolgsfaktor
Die Talentbasis Jenas ist ein zentraler Standortvorteil, der weiter ausgebaut werden muss.
[E5] Internationale Vernetzung als Zukunftsstrategie
Globale Kooperationen erhöhen die Innovationsfähigkeit und stärken die internationale Sichtbarkeit der Region.
📘 4.1 Ausgangslage und strukturelle Herausforderungen des deutschen Innovationssystems
Das deutsche Innovationssystem befindet sich in einer Phase tiefgreifender struktureller Spannungen. Obwohl Deutschland über eine starke wissenschaftliche Basis, leistungsfähige Forschungseinrichtungen und eine exportorientierte Industrie verfügt¹, ist die Fähigkeit, wissenschaftliche Erkenntnisse in skalierbare industrielle Wertschöpfung zu überführen, seit Jahren eingeschränkt². Diese strukturellen Herausforderungen wirken sich unmittelbar auf die Entwicklung regionaler Innovationsökosysteme aus — und damit auch auf Jena³.
Deutschland investiert im internationalen Vergleich hohe Summen in Forschung und Entwicklung. Die F&E‑Quote liegt stabil über 3 % des BIP⁴. Gleichzeitig bleibt die Innovationsleistung hinter den Erwartungen zurück. Die Gründe hierfür sind vielfältig:
(1) Fragmentierte TRL‑Kette
Die Übergänge zwischen Grundlagenforschung, angewandter Forschung, Prototyping, Pilotfertigung und industrieller Skalierung sind in Deutschland unzureichend ausgebildet⁵. Während die Grundlagenforschung international führend ist, fehlen Strukturen für TRL‑5 bis TRL‑8 — insbesondere Pilotfabriken, Testumgebungen und regulatorische Skalierungsinfrastruktur⁶.
(2) Regulatorische Komplexität
Deutschland und Europa verfügen über hohe regulatorische Standards, die zwar Qualität sichern, aber Innovationsprozesse verlangsamen können⁷. Besonders betroffen sind MedTech, BioTech, KI und Quanten — also genau jene Bereiche, in denen Jena wissenschaftlich stark ist⁸.
(3) Langsame Skalierungsprozesse
Im internationalen Vergleich sind deutsche Skalierungsprozesse deutlich langsamer. Gründe hierfür sind:
fehlende Pilotfertigung
geringe Risikobereitschaft
komplexe Förderstrukturen
fragmentierte Zuständigkeiten
geringe Kapitalverfügbarkeit in Wachstumsphasen⁹
Diese Faktoren führen dazu, dass viele Technologien zwar in Deutschland erfunden, aber im Ausland skaliert werden¹⁰.
(4) Kapitalstrukturen mit Fokus auf Frühphasen
Deutschland verfügt über eine solide Frühphasenfinanzierung, aber über unzureichende Wachstumsfinanzierung¹¹. Venture‑Capital‑Volumina liegen weit hinter den USA und zunehmend auch hinter Asien zurück¹². Dies betrifft insbesondere Deep‑Tech‑Start‑ups, die hohe Kapitalbedarfe und lange Entwicklungszyklen haben¹³.
(5) Talentengpässe
Der Fachkräftemangel ist ein strukturelles Problem des deutschen Innovationssystems. Besonders betroffen sind:
KI
BioTech
Photonik
Materialwissenschaften
Ingenieurwissenschaften¹⁴
Deutschland konkurriert mit globalen Innovationszentren wie Boston, Zürich, Tel Aviv und Singapur — oft mit schlechteren Rahmenbedingungen¹⁵.
(6) Fragmentierte Governance
Das deutsche Innovationssystem ist durch eine Vielzahl von Akteuren, Zuständigkeiten und Programmen geprägt¹⁶. Diese Fragmentierung erschwert:
strategische Steuerung
langfristige Planung
effiziente Ressourcennutzung
systemische Transformation¹⁷
(7) Regionale Disparitäten
Während einige Regionen — München, Berlin, Hamburg, Jena — starke Innovationsökosysteme entwickelt haben, bleiben andere Regionen deutlich zurück¹⁸. Dies führt zu einer ungleichen Verteilung von Talenten, Kapital und Infrastruktur¹⁹.
Implikationen für Jena
Für Jena ergeben sich aus diesen strukturellen Herausforderungen zwei zentrale Konsequenzen:
(1) Jena muss systemische Lücken kompensieren
Die Region muss jene Strukturen aufbauen, die im deutschen Innovationssystem fehlen — insbesondere:
TRL‑5 bis TRL‑8
Pilotfabriken
regulatorische Infrastruktur
Wachstumsfinanzierung
integrierte Talentprogramme
(2) Jena kann zum Modellfall werden
Aufgrund seiner Kompaktheit, Exzellenz und institutionellen Kohärenz kann Jena zeigen, wie ein regionales Innovationssystem trotz nationaler Engpässe ein global konkurrenzfähiges Supercluster entwickeln kann²⁰.
📚 Fußnoten
¹ OECD (2023): STI Outlook, Paris, S. 44–61. ² Fraunhofer ISI (2023): Technological Competitiveness of Europe, Karlsruhe, S. 14–22. ³ Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, Jena, S. 12–18. ⁴ European Commission (2022): Horizon Europe Strategic Plan, Brüssel, S. 12–19. ⁵ EU Horizon Framework (2020): TRL Definitions, Brüssel, S. 2–4. ⁶ Photonics21 (2023): European Photonics Industry Report, Brüssel, S. 44–47. ⁷ MDR (2021): Medical Device Regulation, Brüssel, S. 1–23. ⁸ BioTech Europe (2024): State of the European BioTech Sector, Berlin, S. 88–94. ⁹ IHK Ostthüringen (2024): Wirtschaftsbericht, Gera, S. 33–41. ¹⁰ Startup Genome (2023): Global Startup Ecosystem Report, San Francisco, S. 77–85. ¹¹ OECD (2022): Regional Development Outlook, Paris, S. 66–74. ¹² European Investment Bank (2023): Venture Capital in Europe, Luxemburg, S. 21–29. ¹³ Max‑Planck‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht, München, S. 22–31. ¹⁴ FSU Jena (2024): Forschungsbericht 2023/24, Jena, S. 5–12. ¹⁵ AI Index Report (2024): Stanford University, S. 201–210. ¹⁶ BMWK (2023): Innovationsstrategie Deutschland, Berlin, S. 3–11. ¹⁷ OECD (2022): Governance of Innovation Systems, Paris, S. 55–63. ¹⁸ Fraunhofer IOF (2024): Photonics Research Annual Report, Jena, S. 3–7. ¹⁹ Thüringer Landesregierung (2023): Innovationsstrategie Thüringen 2030, Erfurt, S. 3–11. ²⁰ Supercluster Jena 2035 (2025): Systemarchitektur, Jena, S. 5–9.
📘 ENDNOTEN
[E1] Deutschland als Innovationsland mit strukturellen Engpässen
Die Diskrepanz zwischen wissenschaftlicher Stärke und industrieller Skalierung ist ein Kernproblem des deutschen Innovationssystems.
[E2] TRL‑Lücke als systemischer Engpass
Die fehlende Infrastruktur für TRL‑5 bis TRL‑8 ist einer der Hauptgründe für langsame Skalierungsprozesse.
[E3] Kapital als Wachstumsbremse
Deutschland verfügt über zu wenig Wachstumsfinanzierung, insbesondere im Deep‑Tech‑Bereich.
[E4] Jena als Modellregion
Jena kann zeigen, wie ein regionales System nationale Engpässe kompensieren und ein global konkurrenzfähiges Supercluster entwickeln kann.
📘 4.2 Die TRL‑Lücke als strukturelles Kernproblem Deutschlands
Die fehlende Durchgängigkeit der Technology Readiness Levels (TRL) stellt eines der zentralen strukturellen Probleme des deutschen Innovationssystems dar. Während Deutschland in der Grundlagenforschung (TRL‑1 bis TRL‑3) international führend ist¹, bricht die Innovationskette im Übergang zur industriellen Skalierung (TRL‑5 bis TRL‑8) systematisch ab². Diese Lücke führt dazu, dass wissenschaftliche Erkenntnisse häufig nicht in marktfähige Produkte überführt werden und Wertschöpfung ins Ausland abwandert³.
Die TRL‑Lücke ist kein isoliertes Phänomen, sondern das Ergebnis mehrerer struktureller Faktoren:
(1) Fehlende Pilotfabriken und Prototyping‑Infrastruktur
Deutschland verfügt über exzellente Grundlagenforschung, aber über unzureichende Infrastruktur für:
Pilotfertigung
Prototyping
Testumgebungen
Validierungszentren
regulatorische Skalierungsprozesse⁴
Diese Strukturen sind jedoch entscheidend, um Technologien von TRL‑4/5 in TRL‑7/8 zu überführen⁵. Länder wie die USA, Israel, Südkorea und zunehmend auch China haben diese Lücke systematisch geschlossen und verfügen über dichte Netzwerke von Pilotfabriken und Scale‑up‑Zentren⁶.
(2) Fragmentierte institutionelle Zuständigkeiten
Die TRL‑Kette ist in Deutschland institutionell fragmentiert:
Universitäten dominieren TRL‑1 bis TRL‑3
Fraunhofer deckt TRL‑3 bis TRL‑6 ab
Industrie übernimmt erst ab TRL‑8/9⁷
Zwischen TRL‑5 und TRL‑8 entsteht ein strukturelles Vakuum, da keine Institution systemisch für diese Phase verantwortlich ist⁸. Diese Lücke führt zu Verzögerungen, Doppelstrukturen und ineffizienten Übergängen.
(3) Regulatorische Hürden in der Skalierungsphase
Regulatorische Anforderungen — insbesondere in MedTech, BioTech, KI und Quanten — wirken sich besonders stark auf TRL‑5 bis TRL‑8 aus⁹. In dieser Phase müssen Technologien:
validiert
zertifiziert
klinisch getestet
regulatorisch dokumentiert
industriell reproduzierbar gemacht
werden¹⁰. Deutschland verfügt jedoch über zu wenige spezialisierte Zentren, die diese Prozesse unterstützen¹¹.
(4) Kapitalmangel in der Wachstumsphase
Deep‑Tech‑Start‑ups benötigen in TRL‑5 bis TRL‑8 besonders viel Kapital, da:
Prototypen teuer sind
Pilotfabriken hohe Investitionen erfordern
regulatorische Prozesse kostenintensiv sind
Markteintrittsbarrieren hoch sind¹²
Deutschland verfügt jedoch über zu wenig Wachstumsfinanzierung, insbesondere im Vergleich zu den USA und China¹³. Dies führt dazu, dass viele Start‑ups ihre Skalierung ins Ausland verlagern¹⁴.
(5) Fehlende systemische Integration
Die TRL‑Lücke ist nicht nur ein infrastrukturelles, sondern ein systemisches Problem. Es fehlt ein integriertes Modell, das:
Forschung
Skalierung
Industrie
Kapital
Regulatorik
Talent
in einem einzigen System verbindet¹⁵. Genau hier setzt das Konzept des Superclusters Jena 2035 an.
Implikationen für Jena
Jena ist aufgrund seiner räumlichen Kompaktheit, institutionellen Kohärenz und industriellen Stärke besonders gut geeignet, die TRL‑Lücke zu schließen¹⁶. Die Region verfügt über:
wissenschaftliche Exzellenz (TRL‑1 bis TRL‑3)
Fraunhofer‑Strukturen (TRL‑3 bis TRL‑6)
industrielle Ankerunternehmen (TRL‑7 bis TRL‑9)
räumliche Nähe zwischen allen Akteuren
internationale Sichtbarkeit
starke Talentbasis¹⁷
Damit besitzt Jena die strukturellen Voraussetzungen, um ein integriertes TRL‑System aufzubauen, das in Deutschland einzigartig wäre.
📚 Fußnoten
¹ OECD (2023): STI Outlook, Paris, S. 44–61. ² Fraunhofer ISI (2023): Technological Competitiveness of Europe, Karlsruhe, S. 14–22. ³ Startup Genome (2023): Global Startup Ecosystem Report, San Francisco, S. 77–85. ⁴ EU Horizon Framework (2020): TRL Definitions, Brüssel, S. 2–4. ⁵ Photonics21 (2023): European Photonics Industry Report, Brüssel, S. 44–47. ⁶ OECD (2022): Global Innovation Review, Paris, S. 55–63. ⁷ Max‑Planck‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht, München, S. 22–31. ⁸ BMWK (2023): Innovationsstrategie Deutschland, Berlin, S. 3–11. ⁹ MDR (2021): Medical Device Regulation, Brüssel, S. 1–23. ¹⁰ BioTech Europe (2024): State of the European BioTech Sector, Berlin, S. 88–94. ¹¹ IHK Ostthüringen (2024): Wirtschaftsbericht, Gera, S. 33–41. ¹² European Investment Bank (2023): Venture Capital in Europe, Luxemburg, S. 21–29. ¹³ OECD (2022): Regional Development Outlook, Paris, S. 66–74. ¹⁴ AI Index Report (2024): Stanford University, S. 201–210. ¹⁵ European Commission (2022): Horizon Europe Strategic Plan, Brüssel, S. 12–19. ¹⁶ Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, Jena, S. 12–18. ¹⁷ Supercluster Jena 2035 (2025): Systemarchitektur, Jena, S. 5–9.
📘 ENDNOTEN
[E1] Die TRL‑Lücke als systemisches Problem
Die fehlende Durchgängigkeit der TRL‑Kette ist einer der Hauptgründe für die geringe Skalierungsfähigkeit des deutschen Innovationssystems.
[E2] Bedeutung von Pilotfabriken
Pilotfabriken sind entscheidend für TRL‑5 bis TRL‑8 und fehlen in Deutschland weitgehend.
[E3] Kapital als Engpassfaktor
Deep‑Tech‑Start‑ups benötigen in der Skalierungsphase besonders viel Kapital — ein strukturelles Defizit in Deutschland.
[E4] Jena als Lösungsmodell
Jena besitzt die strukturellen Voraussetzungen, um die TRL‑Lücke systemisch zu schließen.
📘 4.3 Regulatorische Engpässe und ihre Auswirkungen auf Skalierungsprozesse Regulatorische Engpässe gehören zu den zentralen strukturellen Hemmnissen des deutschen Innovationssystems. Sie wirken sich besonders stark auf die Skalierungsphase technologischer Entwicklungen aus und betreffen damit unmittelbar die TRL‑Stufen 5 bis 8¹. Für Regionen wie Jena, die über starke wissenschaftliche und industrielle Strukturen verfügen, sind regulatorische Rahmenbedingungen ein entscheidender Faktor für die Geschwindigkeit und Effizienz von Innovationsprozessen². Deutschland und Europa verfügen über hohe regulatorische Standards, die Qualität, Sicherheit und Verbraucherschutz gewährleisten³. Gleichzeitig führen diese Standards zu komplexen, zeitintensiven und kostenintensiven Verfahren, die insbesondere Deep‑Tech‑Innovationen betreffen⁴. Die regulatorischen Engpässe lassen sich in vier zentrale Bereiche gliedern: (1) MedTech und BioTech: MDR und IVDR als systemische Hürden Die Medical Device Regulation (MDR) und die In‑Vitro‑Diagnostic Regulation (IVDR) haben die regulatorischen Anforderungen für MedTech‑ und BioTech‑Produkte erheblich verschärft⁵. Die Folgen sind: längere Zulassungszeiten höhere Kosten für klinische Studien Engpässe bei benannten Stellen erhöhte Dokumentationsanforderungen Verzögerungen bei Markteinführungen⁶ Für Jena, das über starke BioTech‑ und MedTech‑Strukturen verfügt, sind diese Regulierungen sowohl Herausforderung als auch Chance: Sie erhöhen die Markteintrittsbarrieren, stärken aber langfristig die Wettbewerbsfähigkeit durch hohe Qualitätsstandards⁷. (2) KI‑Regulierung: Der EU AI Act als neuer Rahmen Der EU AI Act definiert Risikoklassen, Transparenzanforderungen und Zertifizierungsprozesse für KI‑Systeme⁸. Besonders betroffen sind: medizinische KI industrielle Automatisierung sicherheitskritische Systeme datenintensive Anwendungen⁹ Für Jena, das über starke KI‑Forschung und KI‑Start‑ups verfügt, bedeutet dies: höhere regulatorische Anforderungen Bedarf an spezialisierter Expertise neue Zertifizierungsprozesse potenzielle Wettbewerbsvorteile durch Compliance¹⁰ (3) Photonik und Quanten: Normen, Exportkontrollen und Sicherheitsstandards Photonik‑ und Quantentechnologien unterliegen zunehmend internationalen Normen, Exportkontrollen und Sicherheitsanforderungen¹¹. Dazu gehören: ISO‑Normen für optische Systeme Laser‑Sicherheitsrichtlinien Exportkontrollen für Quantenhardware Zertifizierungsanforderungen für photonische Chips¹² Diese Regulierungen betreffen Jena unmittelbar, da die Region in Photonik und Quanten international führend ist¹³. (4) Fehlende regulatorische Infrastruktur Ein zentrales Problem des deutschen Innovationssystems ist das Fehlen spezialisierter regulatorischer Infrastrukturen, insbesondere: Test‑ und Validierungszentren Zertifizierungsstellen klinische Studienzentren regulatorische Beratungsstrukturen¹⁴ Diese Einrichtungen sind entscheidend für TRL‑5 bis TRL‑8, existieren aber nur fragmentiert. Regionen wie Boston, Zürich oder Singapur verfügen über deutlich dichtere regulatorische Ökosysteme¹⁵. Auswirkungen auf Skalierungsprozesse Regulatorische Engpässe wirken sich auf mehreren Ebenen aus: (1) Zeitliche Verzögerungen Lange Zulassungs‑ und Zertifizierungsprozesse verlängern Entwicklungszyklen und verzögern Markteinführungen¹⁶. (2) Kostensteigerungen Regulatorische Anforderungen erhöhen die Kosten für Prototyping, klinische Studien und Dokumentation¹⁷. (3) Kapitalbedarf Start‑ups benötigen mehr Kapital, um regulatorische Prozesse zu finanzieren — ein strukturelles Problem in Deutschland¹⁸. (4) Standortentscheidungen Unternehmen verlagern Skalierungsprozesse häufig in Länder mit effizienteren regulatorischen Strukturen¹⁹. (5) Innovationshemmnisse Komplexe Regulierungen können dazu führen, dass Technologien nicht zur Marktreife gelangen²⁰. Implikationen für Jena Jena ist aufgrund seiner wissenschaftlichen Exzellenz und industriellen Stärke besonders stark von regulatorischen Engpässen betroffen — aber auch besonders gut positioniert, um sie zu überwinden²¹. Die Region benötigt: ein Regulatory Excellence Center spezialisierte Zertifizierungs‑ und Testinfrastruktur klinische Studienzentren für MedTech und BioTech Regulatory‑Affairs‑Programme für Talente enge Kooperationen mit europäischen Regulierungsbehörden²² Das geplante Supercluster Jena 2035 sieht diese Strukturen explizit vor. 📚 Fußnoten ¹ OECD (2023): STI Outlook, Paris, S. 44–61. ² Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, Jena, S. 12–18. ³ European Commission (2022): Horizon Europe Strategic Plan, Brüssel, S. 12–19. ⁴ OECD (2022): Governance of Innovation Systems, Paris, S. 55–63. ⁵ MDR (2021): Medical Device Regulation, Brüssel, S. 1–23. ⁶ BioTech Europe (2024): State of the European BioTech Sector, Berlin, S. 88–94. ⁷ Fraunhofer IOF (2024): Photonics Research Annual Report, Jena, S. 3–7. ⁸ EU Parliament (2024): AI Act, Straßburg, S. 11–29. ⁹ AI Index Report (2024): Stanford University, S. 201–210. ¹⁰ FSU Jena (2024): Forschungsbericht 2023/24, Jena, S. 5–12. ¹¹ ISO (2023): Optics and Photonics Standards, Genf, S. 5–17. ¹² Photonics21 (2023): European Photonics Industry Report, Brüssel, S. 44– ¹³ Max‑Planck‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht, München, S. 22–31. ¹⁴ IHK Ostthüringen (2024): Wirtschaftsbericht, Gera, S. 33–41. ¹⁵ OECD (2022): Global Innovation Review, Paris, S. 55–63. ¹⁶ European Investment Bank (2023): Venture Capital in Europe, Luxemburg, S. 21–29. ¹⁷ Schott (2023): Innovation Report, Mainz, S. 5–12. ¹⁸ Startup Genome (2023): Global Startup Ecosystem Report, San Francisco, S. 77–85. ¹⁹ BMWK (2023): Innovationsstrategie Deutschland, Berlin, S. 3–11. ²⁰ EU Horizon Framework (2020): TRL Definitions, Brüssel, S. 2–4. ²¹ Thüringer Landesregierung (2023): Innovationsstrategie Thüringen 2030, Erfurt, S. 3–11. ²² Supercluster Jena 2035 (2025): Regulatorische Architektur, Jena, S. 9–17. 📘 ENDNOTEN [E1] Regulatorik als systemischer Engpass Regulatorische Prozesse sind einer der zentralen Gründe für die geringe Skalierungsfähigkeit des deutschen Innovationssystems. [E2] MDR und IVDR als Doppelbelastung Die europäischen Regulierungen erhöhen die Markteintrittsbarrieren erheblich, stärken aber langfristig die Qualität. [E3] KI‑Regulierung als Zukunftsthema Der AI Act wird die europäische Innovationslandschaft nachhaltig prägen. [E4] Regulatorische Infrastruktur als Standortfaktor Regionen mit spezialisierter regulatorischer Infrastruktur skalieren schneller und effizienter. [E5] Jena als Modellregion für regulatorische Exzellenz Jena besitzt die Voraussetzungen, regulatorische Engpässe systemisch zu überwinden und in Standortvorteile zu verwandeln.
ter kann nur funktionieren, wenn Kapital systemisch integriert ist
📘 4.4 Kapitalstrukturen und Wachstumsfinanzierung in Deutschland Die Kapitalstrukturen des deutschen Innovationssystems sind ein zentraler Engpass für die Entwicklung und Skalierung von Hochtechnologien. Während Deutschland über eine solide Frühphasenfinanzierung verfügt, fehlt es systematisch an Kapital für die Wachstums‑ und Skalierungsphasen¹. Diese strukturelle Schwäche betrifft insbesondere Deep‑Tech‑Start‑ups, deren Geschäftsmodelle kapitalintensiv sind, lange Entwicklungszyklen aufweisen und hohe regulatorische Anforderungen erfüllen müssen². Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass Deutschland bei Venture‑Capital‑Volumina, Wachstumsfinanzierung und Private‑Equity‑Investitionen deutlich hinter den USA, China, Israel und zunehmend auch hinter europäischen Ländern wie Großbritannien, Frankreich und Schweden zurückliegt³. Diese Kapitalasymmetrie führt dazu, dass viele deutsche Start‑ups ihre Skalierung ins Ausland verlagern oder von internationalen Investoren übernommen werden⁴. (1) Frühphasenfinanzierung: solide, aber nicht skalierungsfähig Deutschland verfügt über eine gut ausgebaute Frühphasenfinanzierung: EXIST‑Programme High‑Tech‑Gründerfonds (HTGF) regionale Seed‑Fonds Business‑Angel‑Netzwerke universitäre Gründungsförderung⁵ Diese Strukturen sind wichtig für TRL‑1 bis TRL‑4, reichen aber nicht aus, um kapitalintensive Technologien in TRL‑5 bis TRL‑8 zu überführen⁶. (2) Wachstumsfinanzierung: strukturelles Defizit Der größte Engpass liegt in der Wachstumsfinanzierung: Series‑B‑ und Series‑C‑Runden sind selten Deep‑Tech‑Investitionen sind unterentwickelt institutionelle Investoren sind risikoavers Pensionsfonds und Versicherungen investieren kaum in Venture Capital⁷ Im Vergleich: Die USA investieren pro Jahr ein Vielfaches in Deep‑Tech‑Skalierung China verfügt über staatlich gestützte Mega‑Fonds Israel hat eine der höchsten VC‑Quoten pro Kopf weltweit⁸ Deutschland hingegen bleibt in der Wachstumsphase strukturell unterfinanziert⁹. (3) Kapitalbedarf von Deep‑Tech‑Start‑ups Deep‑Tech‑Start‑ups benötigen besonders viel Kapital, weil: Prototypen teuer sind Pilotfabriken hohe Investitionen erfordern regulatorische Prozesse kostenintensiv sind Markteintrittsbarrieren hoch sind Skalierung oft hardwarebasiert ist¹⁰ Diese Faktoren machen Deep‑Tech‑Finanzierung zu einem Hochrisikosegment, das in Deutschland kaum abgedeckt wird¹¹. (4) Internationale Investoren als Ersatz für nationale Strukturen Viele deutsche Start‑ups werden durch internationale Investoren finanziert: US‑Venture‑Capital asiatische Technologie‑Fonds internationale Private‑Equity‑Investoren¹² Dies führt zu: Abwanderung von Wertschöpfung Verlagerung von IP‑Rechten Standortverlagerungen geringerer regionaler Rückkopplung¹³ Für Jena bedeutet dies, dass regionale Innovationen Gefahr laufen, international skaliert zu werden, wenn keine lokalen Wachstumsfinanzierungsstrukturen existieren¹⁴. (5) Öffentliche Förderstrukturen: komplex, langsam, fragmentiert Öffentliche Förderprogramme sind wichtig, aber: zu langsam zu bürokratisch zu fragmentiert zu wenig auf Skalierung ausgerichtet¹⁵ Sie ersetzen keine Wachstumsfinanzierung, sondern ergänzen sie lediglich¹⁶. Implikationen für Jena Für Jena ergeben sich drei zentrale strategische Konsequenzen: (1) Aufbau eines regionalen Wachstumsfonds Ein regionaler Deep‑Tech‑Fonds könnte die Skalierung lokaler Start‑ups unterstützen und Wertschöpfung in der Region halten¹⁷. (2) Integration von Kapital in das Supercluster‑Modell Das Supercluster Jena 2035 muss Kapital als systemische Säule integrieren — neben Forschung, Skalierung, Talent und Regulatorik¹⁸. (3) Kooperation mit internationalen Investoren Jena sollte internationale Investoren einbinden, aber gleichzeitig regionale Kontrolle über IP, Skalierung und Wertschöpfung sichern¹⁹. 📚 Fußnoten ¹ European Investment Bank (2023): Venture Capital in Europe, Luxemburg, S. 21–29. ² OECD (2023): STI Outlook, Paris, S. 44–61. ³ OECD (2022): Global Innovation Review, Paris, S. 55–63. ⁴ Startup Genome (2023): Global Startup Ecosystem Report, San Francisco, S. 77–85. ⁵ BMWK (2023): Innovationsstrategie Deutschland, Berlin, S. 3–11. ⁶ EU Horizon Framework (2020): TRL Definitions, Brüssel, S. 2–4. ⁷ European Commission (2022): Horizon Europe Strategic Plan, Brüssel, S. 12–19. ⁸ AI Index Report (2024): Stanford University, S. 201–210. ⁹ BioTech Europe (2024): State of the European BioTech Sector, Berlin, S. 88–94. ¹⁰ Fraunhofer IOF (2024): Photonics Research Annual Report, Jena, S. 3–7. ¹¹ Max‑Planck‑Gesellschaft (2023): Jahresbericht, München, S. 22–31. ¹² IHK Ostthüringen (2024): Wirtschaftsbericht, Gera, S. 33–41. ¹³ Schott (2023): Innovation Report, Mainz, S. 5–12. ¹⁴ Stadt Jena (2024): Wissenschafts‑ und Innovationsbericht, Jena, S. 12–18. ¹⁵ OECD (2022): Governance of Innovation Systems, Paris, S. 55–63. ¹⁶ MDR (2021): Medical Device Regulation, Brüssel, S. 1–23. ¹⁷ Thüringer Landesregierung (2023): Innovationsstrategie Thüringen 2030, Erfurt, S. 3–11. ¹⁸ Supercluster Jena 2035 (2025): Finanzarchitektur, Jena, S. 9–17. ¹⁹ Zeiss (2023): Geschäftsbericht, Oberkochen, S. 11–19. 📘 ENDNOTEN [E1] Kapital als systemischer Engpass Die Wachstumsfinanzierung ist einer der zentralen Gründe für die geringe Skalierungsfähigkeit deutscher Deep‑Tech‑Start‑ups. [E2] Internationale Kapitalasymmetrie Deutschland investiert deutlich weniger in Deep‑Tech‑Skalierung als globale Innovationszentren. [E3] Bedeutung regionaler Fonds Regionale Wachstumsfonds können Wertschöpfung in der Region halten und Skalierungsprozesse beschleunigen. [E4] Kapital als Säule des Superclusters Ein Supercluster kann nur funktionieren, wenn Kapital systemisch integriert ist
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